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Was darf ich nach einer Rückenoperation?

Oft fragen mich Patienten, was sie nach einer Rückenoperation, z. B. einer Versteifung, überhaupt machen dürfen.
— Dr. Tobias Weigl


Von Medizinern geprüft und nach besten wissenschaftlichen Standards verfasst

Dieser Text wurde gemäß medizinischer Fachliteratur, aktuellen Leitlinien und Studien erstellt und von einem Mediziner vor Veröffentlichung geprüft.

Quellen ansehen

Bei einer Rückenoperation ist es mit dem Eingriff selbst meist nicht vorbei. Im Anschluss an die Operation beginnt für viele Patienten eine Leidenszeit, in der alltägliche Tätigkeiten schwerer fallen bzw. gar nicht erst durchgeführt werden dürfen. Der nachfolgende Artikel widmet sich daher den wesentlichen relevanten Informationen bzgl. der Tätigkeiten, die direkt im Anschluss an die Operation noch im Krankenhaus und später nach der meist stattfindenden Reha zu Hause durchgeführt werden dürfen. Als Beispiel dient dafür eine Stabilisierungsoperation des Rückens, auch Versteifung (sog. ‚Fusion‘) genannt.

„Diese Anästhesie-Medikamente haben aber ordentlich reingehauen!“ ist das erste, was Kurt nach seiner Operation am Rücken durch den Kopf schießt. Gleich darauf döst er noch einmal weg. Wenig später erwacht er auf der Station und möchte trotz der spürbaren Schmerzen aufstehen, schließlich hat er jetzt lange genug so steif herumgelegen. „Herr Weber, was haben Sie da vor?“, fragt die aufmerksame Krankenschwester, die Kurt zuvor gar nicht wahrgenommen hat, die sich aber scheinbar schon länger im Zimmer befand und sich um die Infusion eines anderen Patienten kümmerte. „Ich will aufstehen“, antwortet Kurt. Leicht überrascht entgegnet die Schwester: „Tut mir leid, davon muss ich ihnen leider dringlichst abraten. Nach einer Versteifungsoperation sollten sie frühestens am zweiten Tag nach der OP aufstehen.“ Leicht verstimmt folgt Kurt dem Rat, versucht aber noch in derselben Bewegung, sich auf die Seite zu drehen, den Blick der Schwester deutend. Das scheint kein Problem zu sein. Und tut auch halbwegs gut.

Welche Bewegungen sind unmittelbar nach einer Operation im Krankenhaus möglich und zu welchem Zeitpunkt?

Vorab sei gesagt: Bei den hier getätigten Angaben handelt es sich um Empfehlungen, die bei der Orientierung helfen sollen. Allerdings kann jedes Krankenhaus die Bewegungen und Tätigkeiten von Patienten nach Operationen unterschiedlich handhaben.

Video: Was nach einem operativen Eingriff erlaubt ist

In diesem Beitrag erörtert Dr. Tobias Weigl, was Patienten direkt im Anschluss an eine Versteifungsoperation und in der Zeit nach der Reha zu Hause tun dürfen. Wann darf man wieder eigenständig laufen? Darf man sich schon früh wieder auf die Seite legen? Wann darf man etwas Schweres heben? Antworten auf diese und weitere Fragen finden Sie im nachfolgenden Video.

Im Folgenden finden Sie einige wichtige Fragen, die Patienten in der Regel nach einer Versteifungsoperation des Rückens haben. Diese werden hier pauschal beantwortet, und zwar mit der zu erwartenden Antwort im Krankenhaus.

Gut zu wissen!
Eine Versteifungsoperation (sog. ‚Fusion‘) des Rückens, genauer der Wirbelsäule, wird vorgenommen, wenn die Wirbelsäule trotz gut trainierter Muskulatur keinen ausreichenden Halt hat, also instabil ist. Diese Instabilität ist aber nicht nur bei schwacher Muskulatur, sondern auch bspw. bei einer sogenannten Spondylolyse, bei welcher der Wirbelbogen nicht vollständig ausgebildet ist, gegeben. Bei einer solchen Versteifungsoperation müssen einzelne Wirbel miteinander verblockt, also sozusagen verschmolzen werden. Zu diesem Zweck werden Schrauben in die Wirbelkörper geführt, die dann mit einem Stabsystem miteinander verbunden werden. Das Ziel besteht darin, dass die Wirbelkörper miteinander einen festen Verbund eingehen.

Wie lange bleibe ich im Krankenhaus?

Im Normalfall dauert ein stationärer Krankenhausaufenthalt nach einer Versteifungsoperation etwa 10–14 Tage, allerdings bestehen dahingehend Unterschiede je nach Krankenhaus.

Wann darf ich auf der Seite liegen und wann darf ich aufstehen?

Auf der Seite liegen dürfen Patienten in der Regel am ersten Tag nach der Operation. Aufstehen sollte der Patient erst am Tag darauf, also am zweiten Tag nach dem Eingriff.

Darf ich die Beine anwinkeln? Oder gar Treppen steigen?

Die Beine dürfen bis zu einem Winkel von 60 Grad angewinkelt werden und auch Treppensteigen ist erlaubt. Letzteres hängt natürlich immer von dem individuellen Gesamtzustand des Patienten ab, also seinem allgemeinen Befinden und etwaigen Schmerzen.

Bekomme ich nach einer Versteifungsoperation einen Prothesenpass?

Ja. Und diesen sollte man im Anschluss an die Operation auch immer bei sich tragen, damit man ihn in wichtigen Situationen nicht vergisst. Denn dieser beinhaltet Informationen über sowohl den Prothesentyp als auch den Zeitpunkt, zu dem die Prothese implantiert wurde. Der Prothesenpass kommt vor allem dann zum Tragen, wenn eine Weiterbehandlung durch andere Ärzte oder Physiotherapeuten ansteht.

Gut zu wissen!
Auch am Flughafen ist das Mitführen des Prothesenpasses äußerst sinnvoll. Denn oft bestehen Prothesen aus Metall, die einen Alarm beim Sicherheitscheck auslösen. Personen mit Implantaten können sich durch das Vorzeigen eines Prothesenpasses einige Unannehmlichkeiten ersparen.

Wie lange trage ich nach der Versteifungsoperation ein Korsett?

In der Regel wird ein unterstützendes Korsett für etwa 12 Wochen getragen. Allerdings sollte man sich hier je nach Einzelfall an den Angaben des Orthopädie-Technikers orientieren, der das Hilfsmittel individuell anfertigt.

Wie lange habe ich nach der Operation Schmerzen und wie lange dauert der ganze Heilungsprozess?

Pauschal ist diese Frage nur schwierig zu beantworten, da auch hier immer der Einzelfall begutachtet werden muss. Allerdings sollten die Schmerzen natürlich kontinuierlich nachlassen und es sollte nach 2–3 Tagen bereits eine Besserung spürbar sein.

In Bezug auf den Heilungsprozess lässt sich sagen, dass Weichteile, also fast alles Gewebe außer Knorpel und Knochen, im Verlauf von 12 Wochen verheilen. Die bei einer Versteifungsoperation angestrebte Fusion der Knochen dauert jedoch länger und erfolgt in einem Zeitraum von 9–18 Monaten.

Video-Exkurs: Wie ist die Wirbelsäule eigentlich aufgebaut?

Als eines der wichtigsten Skelettteile verbindet die Wirbelsäule die Extremitäten miteinander, schützt das hochsensible Rückenmark und ermöglicht uns außerdem, aufrecht zu gehen. Aber wie funktioniert das? Antworten auf diese Frage und weiteres Wissenswertes liefert Dr. Tobias Weigl im nachfolgenden Beitrag.

Was darf man nach der Reha zu Hause tun?

Im Anschluss an die Zeit des stationären Aufenthalts im Krankenhaus folgt in der Regel die Reha, die etwa 3 Wochen Zeit in Anspruch nimmt. Nach der Reha folgt dann die Zeit zu Hause, bzgl. welcher oftmals Unklarheit über Verhaltensweisen herrscht. Daher werden im Folgenden die häufigsten Fragen in Bezug auf die Zeit nach einer Operation und dem damit zusammenhängenden Aufenthalt zu Hause erörtert.

Wie schwer darf ich tragen? Welche Hausarbeiten darf ich machen? Darf ich joggen oder Fahrrad fahren?

Für die insgesamt 14 Wochen der Erholung sollten Patienten eine Traglast von 10 Kilogramm nicht überschreiten. Zum Teil wird auch nur eine Traglast von bis zu 5 Kilogramm empfohlen.

In den ersten 12 Wochen dürfen Patienten leichter Hausarbeit nachgehen. Im Anschluss an die hier getätigten Angaben ist in der Regel wieder eine Vollbelastung möglich.

Das Joggen sollten Patienten nach einer Versteifungsoperation zunächst auslassen, da es bei dieser Art Sport zu Erschütterungen kommt, die das Operationsergebnis negativ beeinflussen können. Walken hingegen können Patienten sofort und auch Fahrrad fahren stellt kein Problem dar. Natürlich sollte man sich nicht direkt aufs Rennrad schwingen, da vor allem auch die Körperhaltung berücksichtigt werden muss.

Wann darf ich Autofahren?

Generell sollten Patienten erst nach Abtrainieren des zu tragenden Korsetts wieder Auto fahren. Dies umfasst die 12 Wochen, in denen es getragen werden muss und den anschließenden Aufbau der Muskulatur.

Video-Exkurs: Fragen zum Thema Narkose

Im nachfolgenden Beitrag erklärt Dr. Tobias Weigl, wann Sie nach einer Narkose wieder Auto fahren dürfen, wie wahrscheinlich es ist, während einer Allgemeinanästhesie aufzuwachen und schildert dahingehend weitere wichtige Verhaltensregeln.

Darf ich wieder ins Fitnessstudio gehen und trainieren?

Das ist theoretisch möglich, eine Absprache mit dem behandelnden Arzt oder Physiotherapeuten ist aber ratsam. Generell gilt: Keine Hebeübungen für 12 Wochen.

Darf ich in die Sauna?

Ein Saunagang sollte erst nach frühestens 8 Wochen erfolgen.

Ist Geschlechtsverkehr möglich?

Generell schon. Dabei sollte aber vor allem darauf geachtet werden, dass die Wirbelsäule entlastet bzw. nicht extrem belastet wird.

Umfrage: Wurden Sie schon einmal am Rücken operiert? Welche Verhaltensregeln hat Ihnen Ihr Arzt für zu Hause mitgegeben? (Mehrfachnennungen möglich)

Häufige Patientenfragen

Jetzt weiß ich, was nach einer Operation auf mich wartet. Aber was passiert davor?

Dr. T. Weigl
Bevor eine Operation stattfinden kann, erfolgt üblicherweise das Aufklärungsgespräch im Rahmen der sogenannten präoperativen Visite. Ziel dieses Gesprächs ist die hinreichende Aufklärung des Patienten bzgl. der Art und des Umfangs der Maßnahmen, die bei der Operationen ergriffen werden. Der Patient erfährt in diesem Gespräch u. a., welches Anästhesieverfahren für seine Operation eingesetzt wird, welche alternativen Verfahren bei dem Eingriff in Betracht gezogen werden können, wie die typischen Risiken der Operation aussehen und wie er sich vor dem Eingriff zu verhalten hat. Überdies werden wichtige Informationen bzgl. des Patienten ausgetauscht, bspw. eine etwaige Unverträglichkeit der Medikamente, mithilfe derer die Narkose eingeleitet und aufrechterhalten wird.

Im nachfolgenden Beitrag widme ich mich Fragen rund um das Aufklärungsgespräch und erörtere wichtige Aspekte wie Medikamente, Risiken, Ernährung, Übelkeit und Angst, die mit einer bevorstehenden Narkose in Verbindung stehen.

Bei mir wurde ein Wirbelgleiten festgestellt. Muss das sofort operiert werden?

Dr. T. Weigl
Nein. Ist das Wirbelgleiten im Röntgenbild nachgewiesen worden, sollte man zunächst prophylaktisch sowohl Rücken- als auch Bauchmuskulatur kräftigen. Sport ist weiterhin möglich und sollte auch betrieben werden. Nehmen die Schmerzen aber zu, sollte dahingehend ein ganzheitlicher Ansatz gewählt werden, der Krankengymnastik, Schmerzmedikation, Physikalische Therapie und ggf. auch Injektionstherapien, also das Einspritzen von Medikamenten, umfasst. Nur in den seltensten Fällen muss eine Operation erfolgen. Häufig erfolgt dann die in diesem Artikel erörterte Wirbelsäulenversteifung.

Wenn Sie mehr über das Wirbelgleiten erfahren möchten, empfehle ich den Artikel zum Thema Spondylolyse. Außerdem können Sie sich auch das nachfolgende Video zum Thema Wirbelgleiten und Gleitwirbel ansehen.

Zu welchen Komplikationen kann es während einer Narkose kommen?

Dr. T. Weigl
Als Narkosekomplikationen gelten diejenigen Zwischenfälle während einer Narkose, die in direktem Zusammenhang mit der Anästhesie stehen. Dazu zählen u. a. die für die Anästhesie verwendeten Medikamente (sog. ‚Anästhetika‘) oder die verwendeten anästhesiologischen Techniken. As häufigste Zwischenfälle gelten Fehlfunktionen des Monitorings oder der Beatmungssysteme sowie fehlerhafte Beatmung oder die Verabreichung falscher Medikamente. Allerdings kommt es nur selten zu schwerwiegenden Folgen. Todesfälle in Zusammenhang mit der Narkose ereignen sich in 0,4 von 100.000 Fällen. Die meisten Zwischenfälle können noch während der Narkose behoben werden und bleiben folgenlos für den Patienten.

Zwei Tage nach seiner Operation geht Kurt wieder weitestgehend selbstständig auf die Toilette. Am Morgen hat er sich das erste Mal seit drei Tagen wieder eigenständig waschen können und die Schmerzen werden von Tag zu Tag besser. An das Korsett muss er sich zwar erst noch gewöhnen, aber wie eine zweite Haut wird es sich wohl niemals anfühlen. Mal schauen, wie die Reha dann in zwei Wochen noch zur Besserung beitragen kann.

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Die hier beschriebenen Punkte (Krankheit, Beschwerden, Diagnostik, Therapie, Komplikationen etc.) erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Es wird genannt, was der Autor als wichtig und erwähnenswert erachtet. Ein Arztbesuch wird durch die hier genannten Informationen keinesfalls ersetzt.

Autoren: Dr. Tobias Weigl, Tobias Möller
Redaktion: Christine Pepersack
Veröffentlicht am: 03.08.2018, zuletzt aktualisiert: 09.12.2018

Quellen

  • Joachim Grifka (2014): Der große Ratgeber Gesunder Rücken: Mit Übungen für Kinder und Erwachsene. W. Zuckerschwerdt Verlag, München.
  • Thomas Heim (2014): Arthrose: Beweglich bleiben. Stiftung Warentest, Berlin.
  • Eckhardt, A. (Hrsg.) (2011). Praxis LWS-Erkrankungen. Diagnose und Therapie (1. Auflage). Heidelberg, Springer.
  • Niethard, F., Pfeil, J., Biberthaler, P. (2009). Orthopädie und Unfallchirurgie. (6. Auflage). Stuttgart, Georg Thieme Verlag.

Buchtipp

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