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Intervallfasten & Chronische Schmerzen

Heilfasten hat zwar eine nachweislich schmerzlindernde Wirkung, kann die Stimmung heben und somit die Lebensqualität von chronischen Schmerzpatienten verbessern. Ob allerdings Intervallfasten einen ähnlich positiven Effekt hat, ist nicht hinreichend belegt!


Von Medizinern geprüft und nach besten wissenschaftlichen Standards verfasst

Dieser Text wurde gemäß medizinischer Fachliteratur, aktuellen Leitlinien und Studien erstellt und von einem Mediziner vor Veröffentlichung geprüft.

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Schmerzen sind eine überlebenswichtige Sinneswahrnehmung, sie dienen als akutes Warnsystem. Wird der Schmerz jedoch chronisch, so kann meist kaum noch von einer Schutzfunktion des Körpers gesprochen werden. Der Schmerz selbst wird zur Krankheit. Glaubt man nun gängigen Ratgebern, Erfahrungsberichten, Fernsehbeiträgen oder Zeitungsartikeln, so sollen selbst kurze Essenspausen und Kurzzeitfasten einen enorm positiven Effekt bei chronischen Schmerzkrankheiten haben. Manche Patienten sprechen gar von anhaltender Beschwerdefreiheit. Die bisherige Forschung ist zwar gering, aber die Studien, die es dazu bereits gibt, ziehen Fasten durchaus als einen vielversprechenden Behandlungsansatz bei chronischen Schmerzerkrankungen in Betracht. Allerdings gilt es auch hier, genau zu beachten, welche Form von Fasten in Frage kommt und dass diese in der Regel mit ärztlicher Begleitung durchgeführt werden sollte.

Anton hatte seit Jahren mit Schmerzen zu kämpfen. Seit einer OP nach einem Sportunfall wollten die Rückenschmerzen einfach nicht mehr aufhören. Meist waren sie auszuhalten, an anderen Tagen strahlten sie aus in Schultern und Beine. Aber wirklich schmerzfreie Tage gab es für Anton nicht. Eine Reihe von Therapien, Schmerzmitteln und alternativen Verfahren hatten kurzzeitig Linderung gebracht, aber gerade die Medikamente brachten eine Reihe Nebenwirkungen mit sich. Auf der Suche nach einer Alternative stolperte Anton über einen Bericht, der ihn aufhorchen ließ: Fasten als eine Therapiemöglichkeit bei chronischen Schmerzen. Ob das stimmen konnte?

Was ist Intervallfasten?

Beim Intervallfasten, auch intermittierendes Fasten genannt, wird das gewöhnliche Essverhalten (Frühstück, Mittag- und Abendessen, Zwischenmahlzeiten) durch Fastenphasen unterbrochen. Es ist also ein vollständiger Verzicht auf Nahrung für eine bestimmte, aber vergleichsweise kurze Zeit.
Somit ist Intervallfasten eine Form des Kurzzeitfastens und unterscheidet sich vom klassischen Heilfasten – einer Form des Langzeitfastens: Intervallfasten kann in Eigenregie zu Hause durchgeführt werden, wohingegen Heilfasten unter ärztlicher Aufsicht mit einer ganzheitlich ausgearbeiteten Fastentherapie erfolgt, oft auch verbunden mit einem Aufenthalt in einer Fastenklinik.
Die wohl bekannteste Variante ist die 5:2-Methode, auch „Fünf-zu-Zwei-Diät“ genannt, die von der Ernährungsmedizinerin Michelle Harvie entwickelt wurde. Bei dieser Form des intermittierenden Fastens legt man eine zweitägige Essenspause ein und isst an den verbleibenden 5 weiteren Wochentagen normal, wenngleich sich eine leichte, mediterrane Kost empfiehlt. Für diejenigen, die nicht zwei volle Fastentage einlegen wollen, bieten sich Methoden an, bei denen innerhalb eines Tages nur über eine gewisse Anzahl von Stunden gefastet wird. Oft wird das natürliche nächtliche Fasten verlängert, indem Frühstück oder Abendessen ausgelassen werden, sodass eine Essenspause von 16, 18 oder teils auch 20 Stunden entsteht. Das Zeitfenster, in dem dann gegessen werden darf, beträgt entsprechend 8, 6 oder 4 Stunden.
Weitere, ausführliche Informationen zum intermittierenden Fasten, den verschiedenen Methoden und ihrer Wirksamkeit finden Sie in unserem umfassendem Artikel Intervallfasten – Wirksamkeit & Risiken.

Was sind chronische Schmerzen?

Der Schmerz ist in erster Linie eine Sinneswahrnehmung. Der Körper schlägt damit Alarm bei Gefahr, Verletzungen oder Krankheit. Schmerzen sind daher ein Symptom, das ernst genommen werden sollte – unabhängig davon, wie stark der Schmerz ist. Denn das Empfinden der Schwere der Schmerzen ist stark subjektiv. Der Grund dafür ist, dass der Schmerz nicht von der Schwere der Verletzung oder Erkrankung abhängt, sondern davon, wie der Schmerz verarbeitet wird. Überall im Körper befinden sich sogenannte Nozizeptoren, freie Nervenendigungen bzw. Sensoren, die den Schmerz wahrnehmen und dann über Schmerzfasern ins Gehirn weiterleiten. Erst dort entsteht durch die Verarbeitung des Reizes in der Großhirnrinde (sog. ‚Kortex‘) das Gefühl bzw. die Sinneswahrnehmung von Schmerz.

Schmerzlokalisation

Um der Ursache der Schmerzen auf den Grund zu gehen, muss der Schmerz zunächst lokalisiert werden. Dabei unterscheidet man 4 Kategorien: Entsteht der Schmerz in der Haut, so spricht man von somatischem Oberflächenschmerz. Der Schmerz kann aber auch in Muskeln, Gelenken oder Knochen – also tiefer im Körper – entstehen, was als somatischer Schmerz bezeichnet wird. Viszeraler Schmerz beschreibt Schmerz, der aus den Eingeweiden kommt. Die letzte Kategorie ist der neuropathische Schmerz, der durch eine direkte Schädigung eines bestimmten Nervs hervorgerufen wird.

Akute Schmerzen vs. Chronische Schmerzen

Daraus lässt sich ableiten, dass Schmerzempfinden in erster Linie eine akute Reaktion auf einen Reiz ist, wodurch das körpereigene Schutzsystem alarmiert wird. Man spricht hier also auch von akuten Schmerzen. Anders verhält es sich jedoch bei chronischem Schmerz. Hier geht es oftmals nicht mehr um einen direkten Schmerzauslöser, sondern der Schmerz hat sich sozusagen verselbstständigt und wird selbst zur Erkrankung.

Ist Intervallfasten bei chronischen Schmerzen sinnvoll?

Dass Fasten allgemein eine schmerzlindernde Wirkung hat, beobachten Ärzte und Patienten häufig. Die Ergebnisse einiger experimenteller und kontrollierter Studien sprechen ebenfalls dafür. Es konnte beispielsweise nachgewiesen werden, dass der Verzicht auf Nahrung eine schmerzhemmende, also analgetische Wirkung hat.

Studie belegt Linderung von Schmerzen durch Fasten

Ebenso konnte in Studien von Michalsen und anderen aus dem Jahre 2005 und 2006 dargelegt werden, dass sich Fasten bei chronischen Schmerzpatienten darüber hinaus positiv auf die Stimmung, das Gewicht und die Zufriedenheit mit der Behandlung auswirkt. Ebenjene Patienten, die während dieser Studie unter ärztlicher Aufsicht fasteten, behielten auch nach Verlassen der Klinik konsequent viele der empfohlenen gesundheitsfördernden Umstellungen in Ernährung und Lebensstil bei. Daraus resultierte für viele auch noch Monate nach dem Klinikaufenthalt eine deutliche Verbesserung ihrer Beschwerden und eine erhöhte Lebensqualität.
All diese Befunde sprechen für die Annahme, dass Fasten ein vielversprechender Ansatz in der Therapie von chronischen Schmerzerkrankungen sein kann – gerade auch unter der Berücksichtigung der stimmungsaufhellenden Wirkung, da Schmerzpatienten häufig stark unter den stetigen Schmerzen leiden, was sich negativ auf Lebensqualität und Stimmung auswirkt.
Ob intermittierendes Fasten jedoch einen ähnlich positiven Effekt erzielt wie das in den Studien ärztlich kontrollierte Langzeitfasten bleibt abzuwarten und kann bisher nicht eindeutig bestätigt werden.

Leiden Sie auch unter chronischen Schmerzen und haben Intervallfasten als Therapiemöglichkeit ausprobiert? Welche positiven oder negativen Auswirkungen konnten Sie bei sich feststellen? (Mehrfachnennung möglich) Damit helfen Sie anderen Lesern, besser mit ihrem Schmerz besser und selbst in Absprache mit einem Arzt herauszufinden, ob derlei Therapieformen für Sie geeignet sein können.

Mehr Informationen zum Thema chronische Schmerzen und möglichen Therapieverfahren finden Sie in diesem Video!

Gut zu wissen!
In vielen bisher genannten Studien wurden lediglich Effekte von ärztlich begleitetem Langzeitfasten bzw. Heilfasten dargelegt. Eine aktuelle Studie an der Berliner Charité unter der Leitung von Prof. Dr. Friedemann Paul und Prof. Dr. Andreas Michalsen setzt sich nun mit der Wirksamkeit von Intervallfasten als therapeutisch modifiziertes Fasten in der Behandlung von Multipler Sklerose auseinander. Die NAMS-Studie (Nutritional Approaches in Multiple Sclerosis) untersucht, ob es Unterschiede in der Wirksamkeit von Ernährungsformen, u. a. Intervall-Fasten, in Bezug auf das Neu-Auftreten von Läsionen im Gehirn, bezüglich der körperlichen Beeinträchtigung, Schubrate, Lebensqualität, etc. gibt. Teilnehmen können Patienten mit schubförmig-remittierender Multipler Sklerose zwischen 18 und 65 Jahren. Die Visiten werden in der Charité am Campus Mitte in Berlin durchgeführt. Darüber hinaus werden regelmäßige, MS-spezifische Ernährungsberatungen in Kleingruppen angeboten.

Mögliche Risiken und Nebenwirkungen

Bei Psychosen, in der Schwangerschaft oder Stillzeit, bei Erschöpfungszuständen, Anorexie oder auch Depressionen ist vom Fasten allgemein abzuraten, wenngleich Intervallfasten als eine Form des Kurzzeitfastens normalerweise keine großen Gefahren mit sich bringt, da der Körper trotzdem ausreichend mit Nährstoffen versorgt wird. Dennoch sollte in Bezug auf chronische Schmerzerkrankungen folgendes beachtet werden:
Da noch nicht hinreichend geklärt ist, inwieweit Müdigkeit, Stimmungsschwankungen oder Kopfschmerzen mit Intervallfasten einhergehen, ist besonders bei chronischen Kopfschmerzen oder Migräne Vorsicht geboten. Eine konstante und ausgewogene Versorgung mit Nahrung ist gerade für Migränepatienten unerlässlich. Genaueres dazu können Sie dem umfassenden Artikel zum Thema Intervallfasten & Migräne entnehmen.
Grundsätzlich gilt: Sprechen Sie jede Form des Fastens und welche Methoden für Sie in Betracht kommen mit Ihrem behandelnden Arzt ab.

Häufige Patientenfragen

Kann ich durch Intervallfasten meine Schmerzen lindern oder ihnen sogar vorbeugen?

Dr. T. Weigl
Es gibt Belege, dass zumindest Heilfasten einen positiven Effekt bei chronischen Schmerzerkrankungen erzielen kann. Die Ergebnisse sprechen hier von einer Linderung der Beschwerden, einer allgemeinen Anhebung der Stimmung und eine damit einhergehende verbesserte Lebensqualität. Erfahrungsberichte von Patienten lassen ähnliches für Intervallfasten vermuten, wissenschaftlich belegt ist dies jedoch noch nicht.

Muss ich Intervallfasten bei chronischen Schmerzen mit einem Arzt absprechen?

Dr. T. Weigl
Gerade bei chronischen Krankheiten ist immer Vorsicht geboten, damit die Beschwerden nicht noch verstärkt werden. Es ist daher ratsam, die Idee, Fasten als eine Therapiemöglichkeit zu nutzen, mit einem Arzt abzusprechen.

Welche Risiken und Nebenwirkungen birgt Intervallfasten?

Dr. T. Weigl
Die Risiken und Nebenwirkungen sind grundsätzlich eher gering, da der Körper nicht dauerhaft auf Nahrung verzichten muss. Bei bestimmten Erkrankungen wie Depressionen oder Essstörungen oder während der Stillzeit wird grundsätzlich vom Fasten abgeraten. Ebenso sollten Patienten mit chronischen Kopfschmerzen oder Migräne vorsichtig sein, da schon kurzzeitige Fastenphasen eine Kopfschmerz- oder Migräneattacke auslösen können, anstatt ihnen vorzubeugen.

Anton beschloss, zunächst Rücksprache mit seinem behandelnden Arzt zu halten. Dieser hatte selbst schon davon gehört, dass zumindest Heilfasten in der Schmerztherapie eingesetzt wird und durchaus positive Effekte erzielen soll. Dass das jedoch bei Intervallfasten der Fall sein soll, hielt er für unwahrscheinlich. Stattdessen riet er Anton dazu, sich nach Fastenkliniken in der Umgebung zu erkundigen und zunächst unter ärztlicher Aufsicht auszuprobieren, ob Fasten seine Beschwerden lindern könne.

Verwandte Themen

Haben auch Sie Erfahrungen mit Intervallfasten als Therapiemöglichkeit bei chronischen Schmerzen? Haben Sie Fragen zum Thema? Nutzen Sie unsere Kommentarfunktion unten für den Austausch untereinander und mit uns!

Die hier beschriebenen Punkte (Krankheit, Beschwerden, Diagnostik, Therapie, Komplikationen etc.) erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Es wird genannt, was der Autor als wichtig und erwähnenswert erachtet. Ein Arztbesuch wird durch die hier genannten Informationen keinesfalls ersetzt.  

Autoren: Dr. Tobias Weigl, Katharina Mraz
Lektorat: Tobias Möller
Veröffentlicht: 06.08.2018

Quellen

  • Backes, Gunda (2018): Heilfasten, Basenfasten, Intervallfasten – ein Überblick. In: Deutsche Gesellschaft für Ernährung e. V. (Hrsg.): DGEinfo 02/2018, S. 18–25.
  • Internetpräsenz des Bundeszentrums für Ernährung (BZfE)
  • Michalsen, Andreas et al. (2013): Fasting Therapy – an Expert Panel Update of the 2002 Cinsensus Guidelines. In: Forschende Komplementärmedizin. Wisschenschaft – Praxis – Perspektiven 20, S. 434–443.
  • Sendera, Martina & Sendera, Alice (2015): Chronischer Schmerz. Schulmedizinische, komplementärmedizinische und psychotherapeutische Aspekte. Springer, Wien.
  • Stange, Rainer & Leitzmann, Claus (Hrsg.) (2018): Ernährung und Fasten als Therapie. Springer, Berlin.
[Gesamt:3    Durchschnitt: 4/5]

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