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Lisdexamfetamin (LDX) gegen ADHS und Esstörungen – Anwendung, Wirkung und Nebenwirkungen

Auf einen Blick – Was ist Lisdexamfetamin?

  • Arzneistoff, der zur Gruppe der Amphetamine gehört
  • Psychostimulans
  • Handelsname Elvanse

Welche Wirkung hat Lisdexamfetamin?

  • hemmt die Wiederaufnahme von Noradrenalin und Dopamin
  • erhöht den Dopamin- und Noradrenalinspiegel

Wann wird Lisdexamfetamin angewendet?

  • Reservemittel gegen ADHS bei Erwachsenen und Kindern ab 6 Jahren
  • mittelschwere bis schwere Essstörung, „Binge Eating“

Was sind mögliche Nebenwirkungen von Lisdexamfetamin? (Auszug)

  • Schlafstörungen
  • verminderter Appetit
  • Mundtrockenheit
  • Kopfschmerzen
  • Oberbauchschmerzen
  • Gewichtsabnahme

Wann darf man Lisdexamfetamin nicht bekommen?

  • Überempfindlichkeit Lisdexamfetamin oder sympathomimetische Amine
  • Erregungszustände
  • Stillzeit
  • Schilddrüsenüberfunktion und thyreotoxische Krise
  • Herz-Kreislauf-Erkrankungen
  • gleichzeitige Einnahme von Monoaminooxidase-Hemmern (MAO-Hemmern); mindestens zwei Wochen Abstand zwischen letzter Einnahme des MAO-Hemmers und der Anwendung von Lisdexamfetamin nötig
  • mittelschwerer oder schwerer Bluthochdruck
  • Glaukom
  • Arteriosklerose

Von Medizinern geprüft und nach besten wissenschaftlichen Standards verfasst

Dieser Text wurde gemäß medizinischer Fachliteratur, aktuellen Leitlinien und Studien erstellt und von einem Mediziner vor Veröffentlichung geprüft.

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„Jede Bewegung geschieht in einer Zeit und hat ein Ziel“ – dieser Ansicht war zumindest Aristoteles im 4. Jahrhundert. Bei ADHS kommt man mit dieser Sichtweise aber ins Straucheln: Die Hyperaktivität des Betroffenen ist hier vielmehr ein Ausdruck seiner Krankheit, als dass feste Ziele damit verfolgt werden. Lisdexamfetamin, kurz „LDX“, ist ein Wirkstoff, der gegen ADHS eingesetzt wird. Er ist der kleine Bruder des häufiger verordneten Ritalin, ebenfalls ein Amphetamin. Lisdexamfetamin wird als Reservemittel eingesetzt, wenn der Patient unzureichend auf Ritalin anspricht. Vertrieben unter dem Namen Elvanse, wird der Arzneistoff bei Kindern und Jugendlichen angewandt. Seit Mai 2019 existiert auch ein LDX-haltiges Medikament, das speziell für Erwachsene mit ADHS gedacht ist. Neben diesem Anwendungsgebiet wird der Arzneistoff außerdem bei Essstörungen eingesetzt, nämlich beim sogenannten „Binge Eating“. Darunter versteht man kontinuierlich auftretende Heißhunger-Attacken, die Übergewicht nach sich ziehen. Was allen medizinisch verwendeten Amphetaminen wie LDX anlastet, ist die Gefahr des Missbrauchs. Von Ritalin ist bekannt, dass gerade Studenten das Medikament zum Gehirndoping nutzen, um ihre Lernleistung zu steigern. Wird Lisdexamfetamin auch missbraucht? Welche Nebenwirkungen gilt es zu beachten? Diese und weitere Informationen geben wir Ihnen im nachfolgenden Artikel.

Was ist Lisdexamfetamin?

Lisdexamfetamin ist ein Wirkstoff, der zu der Gruppe der Amphetamine gehört, also zu den sogenannten Psychostimulanzien. Solche Medikamente wirken anregend auf den Organismus. Lisdexamfetamin stellt dabei ein Prodrug dar: Es muss erst im Körper in die Aminosäure Lysin und in Dexamfetamin gespalten werden. Dexamfetamin entfaltet dann die entsprechenden Wirkungen des Medikaments.

Lisdexamfetamin ist ein synthetisch hergestellter Arzneistoff, der zur Gruppe der Betäubungsmittel gehört und deshalb durch einen Arzt verordnet werden muss. In Deutschland ist er unter dem Namen Elvanse von der Firma Shire Deutschland GmbH & Co. KG als Medikament erhältlich.
Zugelassen war der Wirkstoff bislang nur für Kinder und Jugendliche ab 6 Jahren, die unter dem Aufmerksamkeitsdefizithyperaktivitätssyndrom (ADHS) leiden. Seit Mai 2019 existiert jedoch auch das Pendant für betroffene Erwachsene auf dem Markt: Elvanse Adult. Es enthält ebenfalls Lisdexamfetamin.

Was sind Unterschiede zum großen Bruder Ritalin?

Das bekannteste und am meisten verordnete Medikament bei ADHS ist Methylphenidat, genannt Ritalin. Reines Methylphenidat ist kein Prodrug, sondern kann ohne chemische Umwandlung direkt wirken. Die therapeutischen Effekte halten allerdings nur 4 Stunden an, sodass das Medikament mehrmals am Tag genommen werden muss. Die Effekte von Lisdexamfetamin hingegen sind erst nach 1-2 Stunden spürbar, jedoch wirkt es auch wesentlich länger, nämlich ca. 12 Stunden lang. Eine morgendliche Einnahme reicht für den ganzen Tag. Auch für Methylphenidat existieren retardierte Arzneiformen, die den Wirkstoff langsam über den Tag verteilt freisetzen. Jedoch schwankt die Konzentration im Blut dabei, sodass es eher zu Konzentrationsschwächen, Stimmungsschwankungen und anderen Nebenwirkungen kommen kann.

Ein weiterer Unterschied liegt in den zusätzlichen Anwendungsgebieten neben ADHS: LDX wird auch zur Behandlung mittelschwerer bis schwerer Essstörungen eingesetzt, nämlich beim sogenannten Binge Eating. Dies wird unter dem Punkt Anwendungsgebiete genauer erläutert.

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Video-Exkurs: Methylphenidat (Ritalin) bei ADHS

Ritalin ist ein häufig verordnetes Medikament bei ADHS, dem Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätssyndrom. Daneben wird es von einigen Menschen als Gehirndoping missbraucht, um ihre Lernfähigkeit zu steigern und Konzentrationseinbrüche zu umgehen.

Hauptsächliche Wirkungen dieses Psychostimulanz sind eine Verringerung der Hyperaktivität, eine Zunahme der Aufmerksamkeit und eine Verbesserung des Kurzzeitgedächtnisses. Ein Manko des Medikaments ist, dass die Langzeitwirkungen kaum untersucht sind. Deshalb könnte es zu negativen Veränderungen des Stoffwechsels im Gehirn kommen.

Wie groß ist der Nutzen von Ritalin wirklich und was sollte man über seine Nebenwirkungen wissen? Diesen und weiteren Fragen widmet sich Dr. Dr. Tobias Weigl in folgendem Video-Beitrag:

Ritalin und dessen Langzeitfolgen im Gehirn | Methylphenidat bei ADHS / ADS Wirkung & Nebenwirkungen

Was ist ADHS?

ADHS bedeutet Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätssyndrom. Es handelt sich um eine psychische und emotionale Störung bei Kindern und Jugendlichen, die oft schon in jungen Jahren beginnt. Sie geht mit einer mangelnder Aufmerksamkeit und Konzentrationsfähigkeit einher. Außerdem zeigen sich Bewegungsunruhen (Hyperaktivität). Insgesamt verhalten sich diese Kinder auch sozial anders. Sie haben es aufgrund ihrer Erkrankung oft in der Schule schwer und zeigen schlechte Leistungen.

ADHS ist aber keineswegs eine reine Kinderkrankheit: Rund 40–80 Prozent der betroffenen Kinder verschleppen das Syndrom in die Pubertät. Und jeder Dritte, der als Kind ADHS hatte, zeigt noch im Erwachsenenalter wenigstens eines der Symptome.

Gut zu wissen: Wie häufig ist ADHS?
Weltweit sind ca. 5 Prozent aller Kinder und Jugendlichen von ADHS betroffen. Jungen weisen das Syndrom häufiger auf als Mädchen. ADHS ist die häufigste psychiatrische Erkrankung im Kindesalter.

Die Ursache von ADHS ist nach der heutigen Vorstellung nicht nur von Umweltfaktoren wie Erziehung und sozialem Umfeld geprägt. Auch genetische Veränderungen tragen zur Ausbildung der Krankheit bei. In Untersuchungen zeigte sich ein vermindertes Gehirnvolumen der Betroffenen, sowie im Aufbau veränderte Nervenfasern. Außerdem funktioniert bei dieser Krankheit die Signalübertragung zwischen den Nervenzellen nur eingeschränkt. Besonders der Botenstoff Dopamin wird nicht richtig weitergeleitet. Er löst im Gehirn Motivation und ein Belohnungsgefühl aus.

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ADHS wird am effektivsten auf multimodalem Weg behandelt. Das bedeutet, dass die Therapie mittels Arzneimittel wie Lisdexamfetamin nur ein Baustein ist, um die Krankheit erfolgreich zu behandeln. Weitere sind z. B. die Elternberatung, Hilfe in Kindergarten bzw. Schule und Sport.

Möchten Sie sich weiter über ADHS informieren? Dann schauen Sie sich gerne unseren Artikel zum Thema an: ADHS bei Kindern & Erwachsenen – Ursachen, Symptome & Therapie

Welche Wirkung hat Lisdexamfetamin im Körper?

Bei Lisdexamfetamin handelt es sich um ein sogenanntes Prodrug. Prodrugs sind Arzneistoffe, die eingangs unwirksam sind, aber im Körper durch Stoffwechsel und biochemische Prozesse in ihre wirksame Form umgewandelt werden. Im Falle des Lisdexamfetamin wird dieses im Blut durch die roten Blutkörperchen in Dexamfetamin und L-Lysin gespalten. Dexamfetamin entfaltet die gewünschten Wirkungen bei ADHS-Patienten, während L-Lysin als essentielle Aminosäure dem Körper zu Gute kommt. Es ist beispielsweise nach einer chemischen Umwandlung zu Hydroxylysin maßgeblich am Aufbau von Kollagen beteiligt, einem wichtigen Bindegewebsprotein.

Gut zu wissen: Lysin und Schmerzmittel
Lysin kann bei einigen Schmerzmitteln den Wirkeintritt beschleunigen, wie z. B. bei Ibuprofen. Ibuprofen löst sich normalerweise schlecht in Wasser, weshalb es als Tablette eingenommen nur langsam vom Körper verstoffwechselt wird. Bindet man jedoch Lysin chemisch an Ibuprofen, löst sich der Wirkstoff wesentlich schneller in Wasser auf. Die Wirkungen treten schneller ein.

Lisdexamfetamin stammt von der Arzneistoffgruppe der Amphetamine ab. Diese werden in reiner Form nach ungefähr 2 Stunden ihr Wirkungsmaximum zeigen, weil zu diesem Zeitpunkt die höchste Konzentration des Amphetamins im Blut zu verzeichnen ist. Dadurch, dass Lisdexamfetamin als Prodrug erst in seine wirksame Form umgewandelt werden muss, tritt das Wirkungsmaximum verzögert ein. Nach ungefähr 3,5 Stunden herrscht hier der höchste Blutspiegel. Positiver Nutzen der Wirkverzögerung ist, dass der therapeutische Effekt, also die gewünschten Wirkungen, insgesamt länger anhält. Wenn Sie die LDX-Tablette einmal morgens nehmen, hält die Wirkung ungefähr 12 Stunden lang an. Deshalben brauchen Sie das Medikament nur einmal am Tag einzunehmen.

Welche Stoffe reguliert Lisdexamfetamin?

Wie genau Amphetamine bei ADHS-Patienten wirken, ist bis heute nicht vollständig geklärt. Vermutet wird aber, dass es zu einer vermehrten Freisetzung der Botenstoffe Noradrenalin und Dopamin kommt. Eine weitere positive Wirkung ist die Wiederaufnahmehemmung. Dies bedeutet, dass Noradrenalin und Dopamin länger im sogenannten synaptischen Spalt zwischen zwei Nervenzellen verbleiben. Dadurch können sie länger an ihren Rezeptor gelangen, statt direkt und ohne Wirkung wieder in die ausschüttende Nervenzelle aufgenommen zu werden. Auf diesem letztgenannten Mechanismus beruht die Wirkung des Arzneistoffes Methylphenidat – besser bekannt als Ritalin. Ritalin und Lisdexamfetamin gehören zu den häufigsten Arzneimitteln, die bei einer medikamentösen Behandlung von ADHS eingesetzt werden.

Anders als Ritalin hemmt LDX zusätzlich das Enzym Monoaminooxidase (kurz: MAO). Dieses Enzym spaltet im Körper Botenstoffe wie Noradrenalin, Serotonin und Dopamin auf und hindert sie so daran, ihre Wirkung zu entfalten. Durch eine Hemmung des Enzyms steht also mehr Noradrenalin und Dopamin zur Verfügung.

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Was sind die Anwendungsgebiete von Lisdexamfetamin?

Lisdexamfetamin wird zur Behandlung von ADHS eingesetzt. Es existiert seit Mai 2019 neben einem Medikament für Kinder und Jugendliche auch speziell ein Medikament für Erwachsene. Ziel ist es, die wirkungslose Wiederaufnahme vor allem des Motivations- und Belohnungsbotenstoffs Dopamin zu verhindern, sodass mehr davon effektiv an seine Wirkrezeptoren gelangen kann. Diese medikamentöse Therapie wird als Baustein neben anderen Maßnahmen betrachtet wie z. B. Beratung und Familientherapie.
„Lisdexamfetamin wird oft dann gegen ADHS eingesetzt, wenn mit Ritalin kein ausreichender Effekt eintritt.“ — Dr. Dr. Tobias Weigl Klick um zu Tweeten Weiteres Anwendungsgebiet ist die sogenannte Binge-Eating-Störung. Unter dieser Störung leiden Sie, wenn Sie regelmäßig und über mehrere Monate hinweg die Kontrolle über Ihr Essverhalten verlieren. Sie geben dann Heißhunger- und Fressattacken nach bis zu einem starken Völlegefühl und empfinden darüber anschließend Schuldgefühle oder Ekel. Die Binge-Eating-Störung kann psychotherapeutisch behandelt werden. Hier kommt Lisdexamfetamin eine medikamentös unterstützende Bedeutung zu. Die Zahl der Essattacken nimmt durch die Einnahme ab.

Wie nehme ich Lisdexamfetamin ein?

Lisdexamfetamin wird in Form einer Hartkapsel einmal täglich morgens vor dem Frühstück geschluckt. Dabei können Sie wählen, ob Sie die Kapsel entweder mit Wasser als Ganzes schlucken wollen oder die Kapsel aufmachen und den Inhalt in ein Glas Wasser oder Orangensaft oder auf ein breiartiges Nahrungsmittel entleeren und damit einnehmen.

Die Dosis hängt von der Verordnung Ihres Arztes ab. Im Normalfall beträgt sie zu Therapiebeginn einmal täglich 30 mg, sie kann aber auch bei 20 mg angesetzt werden. Die Dosis kann dann schrittweise auf bis zu 70 mg pro Tag gesteigert werden.

Sollte nach einem Monat kein therapeutischer Effekt eintreten, teilen Sie dies am besten Ihrem Arzt mit. Eventuell brauchen Sie ein anderes Medikament.

Was sind die Nebenwirkungen von Lisdexamfetamin?

Das Medikament zeigt die für Psychostimulanzien typischen Nebenwirkungen. Die häufigsten davon sind:

Daneben kann Lisdexamfetamin auch schwerere Nebenwirkungen zeigen, jedoch nur in seltenen Fällen. Diese sind:

  • Herz-Kreislauf-Erkrankungen bis hin zum plötzlichen Herztod
  • Bluthochdruck
  • Krämpfe
  • Psychiatrische Störungen wie Halluzinationen

Haben Sie schon einmal Lisdexamfetamin eingenommen, oder haben vielleicht ein Kind, das dieses Medikament gegen ADHS einnimmt? Welche Nebenwirkungen haben sich dabei gezeigt? (Mehr als eine Antwort wählbar) Mit Ihrer Teilnahme helfen Sie anderen Betroffenen, einen Eindruck von den Nebenwirkungen des Wirkstoffs zu bekommen.

Lisdexamfetamin auf einen Blick

Lisdexamfetamin, aus der Gruppe der Amphetamine
Wirkung

  • Verursacht verstärkte Ausschüttung von Dopamin und Noradrenalin
  • hemmt die Wiederaufnahme von Dopamin und Noradrenalin
  • hemmt das Abbau-Enzym Monoaminooxidase (MAO)

Anwendungsgebiete

Wichtigste Nebenwirkungen

Darreichungsform

  • Hartkapseln zum Schlucken zu 20 mg/30 mg/40 mg/50 mg/60 mg/70 mg

Welche Kontraindikationen und Wechselwirkungen existieren für Lisdexamfetamin?

Kontraindikation nennt man einen Umstand, der eine Therapie oder die Anwendung eines bestimmten Medikaments verbietet, weil es sonst zu gesundheitlichen Schäden kommen könnte. Synonym verwendet man dafür auch das Wort Gegenanzeige.
Die Kontraindikationen von Lisdexamfetamin umfassen:

  • Erregungszustände
  • Überempfindlichkeit gegenüber dem Wirkstoff oder sympathomimetischen Aminen
  • Schilddrüsenüberfunktion oder thyreotoxisches Syndrom
  • Herz-Kreislauf-Erkrankungen
  • Mittelschwerer bis schwerer Bluthochdruck
  • Arteriosklerose
  • Grüner Star (sog. Glaukom)

Was sind Wechselwirkungen und welche gibt es bei Lisdexamfetamin zu beachten?

Wird mehr als nur ein Medikament gleichzeitig eingenommen, können sich diese im Körper gegenseitig beeinflussen – man spricht von Wechselwirkung. Dabei können Wirkung und Nebenwirkung verstärkt oder verringert werden oder es treten neue Nebenwirkungen auf.

Achtung: Diese Dinge müssen beachtet werden vor und bei der Einnahme!
Lisdexamfetamin ist ein Arzneistoff, der ADHS-Patienten nur nach umfassender Diagnosestellung gegeben werden darf. Ein Spezialist für Verhaltensstörungen muss den Patienten dazu beurteilen, was ein intensives Patientenaufnahmegespräch sowie eine körperliche Untersuchung beinhaltet. Es muss ausgeschlossen werden, dass Herz-Kreislauf-Probleme wie Bluthochdruck oder ein grundständig schneller Puls (sog. Tachykardie) bestehen. Während der Behandlung sollte dies weiter überwacht werden, zusätzlich zum psychischen Zustand des Patienten. Ist der Patient ein Kind oder Jugendlicher, muss auch auf ein normales Wachstum geachtet werden.

Lisdexamfetamin wird im Körper nahezu vollständig über die Nieren ausgeschieden. Deshalb können alle Zustände und Substanzen mit dem Arzneistoff wechselwirken, die den pH-Wert des von den Nieren gebildeten Urins ändern. Der pH-Wert des Urins kann in zwei Richtungen beeinflusst werden:

  • Ansäuerung: Durch Ascorbinsäure (Vitamin C), Thiaziddiuretika, tiereiweißreiche Ernährung, Diabetes und respiratorische Azidose kann der Urin saurer werden als gewöhnlich. Dies beschleunigt die Ausscheidung von Lisdexamfetamin aus dem Körper, was mit einer Wirkungsverringerung einhergeht.
  • Alkalisierung: Natriumhydrogencarbonat, viel Obst und Gemüse im Speiseplan, ein Harnwegsinfekt und Erbrechen können den Urin alkalischer machen. Dies hat zur Folge, dass weniger Lisdexamfetamin aus dem Körper ausgeschieden wird. Es findet so eine Wirkverstärkung statt.

Lisdexamfetamin kann mit vielen verschiedenen Medikamentengruppen wechselwirken

Folgend aufgelistete Substanzen können Wechselwirkungen mit Lisdexamfetamin eingehen:

  • Monoaminooxidase-Hemmer (sog. MAO-Hemmer): Hierbei handelt es sich um stark wirksame Antidepressiva. Diese sollten nicht gemeinsam mit dem Lisdexamfetamin eingenommen werden. Auch innerhalb von 14 Tage nach der letzten Einnahme eines MAO-Hemmers muss eine Therapie mit Lisdexamfetamin vermieden werden. Grund dafür ist, dass sonst vermehrt Noradrenalin freigesetzt wird und dies zu Kopfschmerzen und anderen Symptomen einer hypertensiven Krise führen kann. Daneben können auch schädliche neurologische Wirkungen auftreten. Tritt eine schwere Stoffwechselentgleisung auf, kann dies tödlich enden (maligne Hyperthermie).
  • Narkoanalgetika: Wirkverstärkung der schmerzlindernden Wirkung, z. B. von Opioiden.
  • Antihypertensiva: Hierbei handelt es sich um eine Gruppe blutdrucksenkender Arzneimittel. Amphetamine wie Lisdexamfetamin können die Wirkung dieser Medikamente steigern.
  • Haloperidol: Dieses hochpotente Antipsychotikum blockiert die Dopamin-Rezeptoren im Körper und dadurch auch die stimulierende Wirkung von Lisdexamfetamin.
  • Lithiumcarbonat: Dieser ebenfalls bei psychischen Erkrankungen eingesetzte Stoff wirkt hemmend auf das Medikament.
  • Chlorpromazin: Durch seine hemmende Wirkung auf Noradrenalin- und Dopaminrezeptoren blockiert es Lisdexamfetamin.
  • Kortikosteroidspiegel: Amphetamine können die Konzentration von Kortikosteroiden im Blutplasma erhöhen. Steroidbestimmungen im Urin werden dadurch unzuverlässig.

Aktuelle Forschung –Die Vorteile von Lisdexamfetamin

Nach aktueller Betrachtung verschiedener Forschungsberichte bietet LDX einige Vorteile gegenüber anderen Amphetaminen.

Ein Vorteil ist, dass LDX ein Prodrug ist. Dadurch muss es erst im Körper in seine wirksame Form umgewandelt werden, was den Wirkeintritt verzögert. Bei Erwachsenen hält der therapeutische Effekt jedoch bis zu 14 Stunden nach Gabe an – ein großer Vorteil, denn so muss LDX nur einmal täglich eingenommen werden. Dieser Umstand war auch der Hauptgrund, den Arzneistoff gegen ADHS zu entwickeln.

Warum Lisdexamfetamin weniger Suchtpotential bietet als andere Amphetamine

Weiterer positiver Aspekt ist, dass LDX für den Missbrauch durch Drogenabhängige nicht attraktiv ist. Wird der Stoff nämlich aufgelöst und in die Venen gespritzt, findet nur langsam die Umwandlung vom wirkungslosen Lisdexamfetamin zu Dexamfetamin statt – der „Kick“ bleibt aus.

Quelle: J. Najib et al. (2017): Review of Lisdexamfetamine Dimesylate in Adults With Attention-Deficit/Hyperactivity Disorder. Journal of central nervouse system diesease

Häufige Patientenfragen

Was ist an Lisdexamfetamin anders als an Ritalin?

Dr. Dr. T. Weigl
Der wichtigste Unterschied ist die Einnahme-Häufigkeit. Ritalin muss mehrmals am Tag eingenommen werden, weil seine Wirkung nur ca. 4 Stunden anhält. Die Wirkung von Lisdexamfetamin hält allerdings über 12 Stunden lang an. Grund dafür ist, dass LDX ein Prodrug ist, das erst im Körper in seine wirksame Form umgewandelt werden muss. Ritalin ist direkt wirksam. Zwar existiert von Ritalin auch eine sogenannte Retard-Form, die über den Tag verteilt den Wirkstoff aus dem Medikament abgibt. Nachteilig ist jedoch, dass es zu Schwankungen des Wirkstoff-Blutspiegel kommt und so auch Konzentrationseinbrüche entstehen können. Ritalin dient außer bei ADHS auch selten der Behandlung von Narkolepsie, während LDX als weiteres Anwendungsgebiet bei Binge-eating-Störungen (Essstörungen) angewandt wird.

Was muss ich außer einer Medikamenteneinnahme tun, um ADHS zu behandeln?

Dr. Dr. T. Weigl
Das Stichwort lautet multimodale Therapie: Lisdexamfetamin und ähnliche Medikamente sind nur ein Pfeiler von mehreren, um ADHS zu behandeln. Eltern eines Kindes mit ADHS müssen ebenso wie das Kind selbst beraten und über die Krankheit aufgeklärt werden. Eine Familientherapie ist hilfreich. In der Schule müssen Lehrer auf das spezielle Verhalten des Kindes sensibilisiert werden, bestenfalls ist eine schulpsychologische Betreuung vor Ort. Nach neueren Forschungen soll auch sportliche Betätigung für Ausgeglichenheit sorgen.

Wie erkenne ich, dass ich an der Essstörung „Binge Eating“ leide?

Dr. Dr. T. Weigl
Wenn Sie unter Binge Eating leiden, dann haben Sie immer wieder Heißhungerattacken – und geben diesen nach. Mindestens einen solcher Anfälle in der Woche über drei Monate kann man als Binge-Eating-Störung bezeichnen. Sie verlieren regelrecht die Kontrolle über sich und verzehren große Mengen an Nahrung. Infolgedessen stellt sich ein Übergewicht ein. Sollten Sie zusätzlich dazu das Essen hinunterschlingen, keinen körperlichen Hunger als Auslöser verspüren und Schuldgefühle bzw. Ekel über sich selbst nach einer „Fressattacke“ verspüren, spricht das für die Diagnose Binge Eating. Dann sollten Sie sich in die Hände eines Psychotherapeuten begeben.

Kann ich mir Lisdexamfetamin verschreiben lassen, um abzunehmen?

Dr. Dr. T. Weigl
Nein. Eine typische Wirkung von Lisdexamfetamin und anderen Amphetaminen ist zwar die Gewichtsreduktion, doch es handelt sich um eine Nebenwirkung. Sie steht nicht im Vordergrund. Lisdexamfetamin ist von der FDA, also der amerikanischen Zulassungsbehörde für Arzneimittel, für diesen Zweck nicht zugelassen. Es fehlen genaue Untersuchungen zur bloßen Einnahme für eine Gewichtsreduktion. Es gibt wesentlich nebenwirkungsärmere Methoden, erfolgreich abzunehmen.

Woran merke ich, dass ich/mein Kind zu viel Lisdexamfetamin eingenommen hat?

Dr. Dr. T. Weigl
Bei einer zu hohen Dosis von LDX kommt es zu Vergiftungserscheinungen. Diese können starke Unruhe (sog. ‚Agitiertheit‘), unkontrollierte Zitterbewegungen (sog. ‚Tremor‘), Herzrasen, Bluthochdruck, Krämpfe oder Fieber auslösen. Begeben Sie oder Ihr Kind sich sofort in die Hände eines Arztes, wenn Sie diese Symptome wahrnehmen. Der Arzt wird dann eine Magenspülung einleiten und Aktivkohle geben, die den Wirkstoff aufnimmt und eine weitere Aufnahme in den Körper verhindert. Eventuell ist die Gabe bestimmter Medikamente zur Regulation der Körperfunktionen erforderlich wie Diazepam, Alpha-Blocker oder Neuroleptika.

Typisches Patientenbeispiel
„Die schulischen Leistungen von Simon haben sich in den letzten Wochen rapide verschlechtert.“, spricht die Klassenlehrerin in ruhigem aber leicht besorgten Tonfall zu Simons Eltern. Es ist später Nachmittag und in Simons Grundschule ist kein Unterricht mehr. Seine Eltern sind auf Einladung der Klassenlehrerin gekommen, weil sie einige Verhaltensweisen an Simon entdeckt haben will, die anders seien als sonst. „Das ist aber nicht das Einzige…er ist so unruhig und zappelt die ganze Zeit herum. Das ist bestimmt mit ein Grund dafür, dass er sich kaum noch konzentrieren kann.“ „Naja, er ist halt unser kleiner Zappel-Phillip.“, lacht Jürgen unsicher. „Viellicht reicht es ja schon, wenn wir ihn in einen Sportverein stecken, wo er sich regelmäßig austoben kann?“. Die Klassenlehrerin lächelt für den Bruchteil einer Sekunde, antwortet dann aber in bestimmtem Tonfall: „Mag sein, dass das hilft. Was Sie aber in jedem Fall tun sollten, ist, einen Arzt aufzusuchen. Simon zeigt viele Verhaltensweisen, die typisch für ADHS sind. Ich hatte in meiner Vergangenheit immer mal wieder mit solchen Kindern zu tun.“. „ADHS, das ist doch diese Aufmerksamkeitsstörung mit unruhigem Verhalten…wie gut bekommt man so etwas therapiert?“, fragt Bettina besorgt. „Ich empfehle Ihnen, Simon ärztlich untersuchen zu lassen. Der Arzt wird Ihnen auch genau erklären können, was zu tun ist – wenn es sich tatsächlich um ADHS handelt.“

Nach einigen Untersuchungen steht fest, dass es sich bei Simons Verhaltensänderungen tatsächlich um ADHS handelt. Die Eltern und Simon bekommen eine Beratung, außerdem engagiert die Schule eine Schulpsychologin, um Kinder wie ihn auch in Zukunft unterstützen zu können. Zusätzlich bekommt Simon zunächst das Medikament Ritalin verschrieben. Weil sich aber nach einigen Wochen keine Besserung einstellt, stellt der Arzt die Medikation auf Lisdexamfetamin um. Dies wirkt besser und mit der Zeit gehen Simons Symptome zurück – er ist konzentrierter und weniger zappelig.

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Welche Erfahrungen haben Sie mit Lisdexamfetamin? Haben Sie fragen zu seiner Indikation ADHS? Nutzen Sie unsere Kommentarfunktion unten für den Austausch untereinander und mit uns!
Die hier beschriebenen Punkte (Krankheit, Beschwerden, Diagnostik, Therapie, Komplikationen etc.) erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Es wird genannt, was der Autor als wichtig und erwähnenswert erachtet. Ein Arztbesuch wird durch die hier genannten Informationen keinesfalls ersetzt.

Autoren: Dr. Dr. Tobias Weigl, Christopher Keck
Lektorat: Arlen-Celina Lücke
Veröffentlicht: 27.09.2019 zuletzt aktualisiert: 28.09.2019

Quellen

  • Dr. Frank Antwerpes et al (2019): Lisdexamphetamin. Flexikon.doccheck.com
  • https://beipackzetteln.de/elvanse-hartkapseln
  • https://www.gelbe-liste.de/nachrichten/lisdexamfetamin-adhsSanofi
  • https://www.gelbe-liste.de/produkte/Ritalin-Adult-20-mg-Hartkapseln-mit-veraenderter-Wirkstofffreisetzung_856794
  • J. Najib et al. (2017): Review of Lisdexamfetamine Dimesylate in Adults With Attention-Deficit/Hyperactivity Disorder. Journal of central nervouse system diesease
  • Ernst Mutschler et al. (2013): Mutschler Arzneimittelwirkungen. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft mbH, Stuttgart. 10. Auflage
[Gesamt: 6   Durchschnitt:  4.5/5]
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3 Antworten
  • Drazen
    19.12.2019 19:01

    Was passiert wenn man LDX einnimmt, obwohl man eine Schildrüsenüberfunktion hat?

  • RiHa
    28.01.2020 21:33

    Was meine Erfahrungen angeht: es hat seine Vor- und Nachteile gegenüber Methylphenidat

    Ich hatte Elvanse Adult 30mg.

    Vorteile:
    – sanfteres Ein- und Ausklingen
    – keine Mahlzeiten dazu erforderlich
    – lange Wirksamkeit bis mit ca. 12 Stunden
    – bessere Wirksamkeit (meine Erfahrung)

    Nachteile:
    – Nebenwirkungen deutlich ausgeprägter (Häufigeres Wasserlassen, Pulsanstieg bei mir um 20!)
    – Man wird sehr teilnahms- und emotionslos
    – Noch nicht lang auf dem Markt bzw. erforscht
    – Relativ teuer, kostet ca. das dreifache von MPH (übernimmt aber die Krankenkasse)

    Fazit: Wären die fatalen Nebenwirkungen nicht, wäre es eine gute Alternative zu Methylphenidat. Dies kann aber auch bei jedem anders wirken. Einen Versuch ist das Medikament in jedem Fall Wert. Aber Achtung bei den Blutdruck- und Pulswerten (am besten stündlich am 1. Tag nach der Einnahme kontrollieren).

  • RiHa
    28.01.2020 21:39

    Und noch eine Anmerkung: Das SNRI Venlafaxin wirkt in hohen Dosen (150-300mg/Tag) auch sehr gut bei ADHS. Da Strattera teilweise schwere Nebenwirkungen besitzt und die Leute nicht so gute Erfahrungen damit machen, ist es auch sehr gut und wirkt auch effektiv gegen Angst. Auch bleibt bei Venlafaxin der heftige Rebound aus, den man unter Methylphenidat insbesondere aufgrund der kurzen Halbwertszeit hat. Nur braucht das Medikament seine guten 3-5 Wochen, bis es seine Wirksamkeit zeigt.

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