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Physiotherapie und Krankengymnastik bei Arthrose

Ein arthrotisch verändertes und zerstörtes Gelenk kann man nicht wieder heilen. Deswegen ist es wichtig, ganz bestimmte Übungen zu machen, um die Symptome der Arthrose zu behandeln.
— Dr. Tobias Weigl

Von Medizinern geprüft und nach besten wissenschaftlichen Standards verfasst

Dieser Text wurde gemäß medizinischer Fachliteratur, aktuellen Leitlinien und Studien erstellt und von einem Mediziner vor Veröffentlichung geprüft.

Quellen ansehen
 

Die Arthrose ist aus medizinischer Sicht nicht heilbar. Daher steht bei ihrer Therapie vor allem die Behandlung der Beschwerden im Vordergrund. Es geht darum, Gelenksteifigkeit, Schmerzen, Entzündungen, Deformationen und den Wirkverlust des Gelenks zu reduzieren. Dahingehend können eine Physiotherapie bzw. bestimmte Gymnastikübungen als Teil der Therapie große Wirkung erzielen. Diese haben einen unmittelbaren, sofortigen Effekt, wirken sich aber auch langfristig positiv aus.

 

 

Ulrich hat vor kurzem die Diagnose Hüftarthrose erhalten. Zum Arzt gegangen ist er, weil er im Hüftbereich Schmerzen hatte, wenn er sich in Bewegung setzte und auch nachts, wenn er sich eigentlich ausruhen wollte. Sein behandelnder Arzt hat ihn über die Therapiemöglichkeiten aufgeklärt, möchte aber einen operativen Eingriff für einen Gelenkersatz nur als letztes Mittel in Betracht ziehen. Stattdessen klärte er Ulrich über diverse Ansätze auf, die zur Schmerzlinderung und zum Aufbau der Muskulatur beitragen können, zum Beispiel die Elektrotherapie , die auch in Eigenregie durchgeführt werden kann. Darüber hinaus bestand der Arzt aber darauf, dass Ulrich sich mit einem Physiotherapeuten in Verbindung setzt, da gerade so eine angeleitete Therapie zu einer enormen Entlastung im Alltag führen könne.

 

Was passiert bei der Physiotherapie?

Im Rahmen der Behandlung von Arthrose gilt die Physiotherapie meist als erstes Mittel der Wahl, sie kann und sollte allerdings die gesamte Therapie begleiten. Das Ziel der Physiotherapie besteht im Grunde darin, die durch Arthrose verursachten sowohl chronischen als auch akuten Schmerzen sowie Funktionsstörungen zu reduzieren. Außerdem kann eine Physiotherapie positiven Einfluss auf Fehlstellungen des Gelenks haben, das ansonsten weiter abgenutzt würde, und Belastungen vorbeugen, die zu einer beschleunigten Entwicklung der Arthrose beitragen. Ein Patient soll im Rahmen der Physiotherapie also lernen, wie er sich bewegen oder halten soll und kann sich dementsprechend eine gesündere Körperhaltung aneignen, die die betroffenen Gelenke schont.
Viele Betroffene nehmen infolge einer Arthrose eine Schonhaltung ein, wodurch sogenannte muskuläre Dysbalancen entstehen, einige Muskeln also weniger kräftig sind als andere. Auch das Beheben ebensolcher Dysbalancen durch Kräftigungs- und Dehnübungen ist Teil der Physiotherapie.
 

Video: Haben Sie Arthrose? Ein Selbsttest.

In diesem Video erklärt Dr. Tobias Weigl, welche Anzeichen auf durch Arthrose veränderte Gelenke hindeuten und wie Sie selbst in Erfahrung bringen können, ob Sie an Arthrose leiden.

 

 

Auf Dauer trägt eine Physiotherapie also dazu bei, dass sich Schmerzen lindern lassen und sich Gelenksteifigkeit löst. Ebenso wird dadurch, dass die Muskulatur, die das betroffene Gelenk umgibt, gestärkt wird, ebendieses entlastet, wodurch eine Bewegungsfähigkeit erhalten bleibt. Denn nur kräftige Muskeln sind dazu imstande, Gelenkbewegungen zu stabilisieren.
Das grundlegende Training für Arthrose-Patienten besteht aus:

  • Krafttraining, vor allem in Bezug auf die Muskulatur, die das betroffene Gelenk umgibt
  • Mobilisation, sodass die Beweglichkeit des betroffenen Gelenks verbessert wird
  • Belastungstraining
  • Koordinationstraining
  • Schulung in Bezug auf Hilfsmittel (Gehstock, Elektrostimulationsgeräte)
  • Ausdauer- und Flexibilitätstraining.

Wichtig: Eine Physiotherapie kommt häufig auch einer professionellen Anleitung gleich. Denn Physiotherapeuten sind diejenigen Experten, die Betroffene hinsichtlich der Bewegung, die bei Arthrose so lange wie möglich aufrechterhalten werden sollte, beraten können. Das so erarbeitete Training muss von Patienten dann im Alltag in Eigenregie konsequent fortgesetzt werden.

 

Gut zu wissen!
Gelenkspiegelungen (sog. ‚Arthroskopien‘), also minimale Eingriffe an Gelenken, mit denen Gelenkschäden eingesehen und behandelt werden können, sind erst im späteren Verlauf einer Arthrose ratsam. Gleiches gilt für Injektionen, die direkt in das Gelenk gespritzt werden. Die Wirksamkeit ebendieser Methoden ist zudem bspw. hinsichtlich einer Kniegelenksarthrose nicht ausreichend wissenschaftlich belegt. Gleichwohl zeigt sich im Ergebnis mehrerer Studien, dass strukturierte körperliche Bewegung sowie physiotherapeutische Maßnahmen bei Kniegelenksarthrose wirken.

 

Gymnastik am Beispiel Hüftarthrose

Die Krankengymnastik ist ein Teil der Physiotherapie und ausschließlich dem Beruf Physiotherapeut vorbehalten. Dieser kann Patienten hinsichtlich diverser Übungen anleiten, die auch in Eigenregie durchgeführt werden können und sollen. Im Folgenden werden drei Übungen veranschaulicht, die bei Hüftarthrose zum Einsatz kommen können.
Ziel dieser Übungen ist es, die Muskulatur, die das Hüftgelenk umgibt, zu stabilisieren, das Gelenk selbst zu mobilisieren und so die durch die Arthrose verursachte Bewegungseinschränkung zu senken. Dabei ist es wichtig, dass nur mit dem eigenen Körpergewicht und nicht mit zusätzlichen Lasten gearbeitet wird.
Das Muskeltraining im Hüftbereich dient dazu, die Stabilisatoren zu kräftigen, die im Alltag kaum belastet werden und daher oft untertrainiert sind. Denn der Körper nimmt diese Stabilisatoren vor allem dann in Anspruch, wenn Bewegung auf unebenem Grund erfolgt und häufig die Balance zurückerlangt werden muss. Diese stabilisierenden Tiefenmuskeln kann man also vor allem dann sehr gut ansprechen, wenn man sich freiwillig aus der Balance bringt und so eine Beanspruchung provoziert.
 

Die Übungen

Vor den Übungen sollten Sie sich vergewissern, dass Sie dazu imstande sind, auf einem Bein zu stehen und gleichzeitig Übungen auszuführen. Ist dies nicht möglich, so können Sie sich bspw. einen Stuhl zur Hilfe nehmen, an dessen Lehne Sie sich festhalten können.

Übung 1 – Die Acht
Stellen Sie sich aufrecht hin, strecken dabei das Brustbein raus und ziehen den Bauchnabel leicht nach innen. Anschließend heben Sie ein Knie an und versuchen, mit diesem eine Acht in die Luft zu malen, indem Sie das Knie nach innen und nach außen führen, vor allem in großen Bewegungen. Sollten Sie dabei ins Wackeln geraten, ist dies nicht schlimm, sondern sogar zuträglich, da dann Ihre Muskeln reagieren und Sie wieder ins Gleichgewicht bringen. Wiederholen Sie dies mit dem anderen Bein.

Übung 2 – Durchschwingen
Auch bei dieser Übung, die im Anschluss an Übung 1 durchgeführt werden sollte, stellen Sie sich wieder auf ein Bein. Diesmal zeichnen Sie aber keine Nummer in die Luft, sondern schwingen das Bein von vorne nach hinten. Achten Sie dabei darauf, dass Sie weiterhin gerade stehen. Stellen Sie dabei fest, dass Sie den Oberkörper stark mitbewegen, ist dies ein Anzeichen dafür, dass die Hüfte nicht so stabil ist, wie sie sein sollte. Wiederholen Sie auch diesen Vorgang mit dem anderen Bein.

Übung 3 – Zähneputzen
Eine Übung, die sich gut im Alltag realisieren lässt, ist das auf einem Bein stehende Zähneputzen. Dies stabilisiert Ihren Stand zusätzlich und ist leicht auszuführen. Sie können sich dabei an den Vorgaben für korrektes Zähneputzen orientieren, indem Sie eineinhalb Minuten die Zähne auf einer Seite putzen und ebenso lange auf einem Bein stehen. Wechseln Sie beim Putzen die Seite, so wechseln Sie auch das Bein, auf dem Sie stehen.
 

Video: Übungen bei Hüftarthrose

In diesem Video erklärt Dr. Tobias Weigl, wie Arthrose entsteht und was sie im Körper verursacht. Im Anschluss zeigt Gymnastik- und Fitnesstrainerin Gabi Fastner, mit welchen einfachen Übungen sie ihre Hüfte wieder etwas auf Vordermann bringen können.
 

 

Wenn Sie an Hüftarthrose leiden: welche dieser Übungen führen Sie (regelmäßig) durch?
 

Wichtig: Sollten Sie bei den Übungen leichte Schmerzen empfinden, können Sie getrost fortfahren. Würden Sie den Schmerz aber als nicht auszuhalten einstufen, lassen Sie die Übungen besser aus. Dies sollten Sie auch tun, wenn Sie akute Schmerzen haben, also ein sogenannter Schub vorliegt, von dem Ihr Arzt Sie in Kenntnis setzen sollte. Wenn eine Entzündung im Gelenk vorliegt, können Sie dies auch daran erkennen, dass die Stelle geschwollen, erwärmt oder verdickt ist. Im Zweifelsfall sollten dann die Übungen reduziert oder ganz ausgelassen werden. In den Phasen zwischen den Schüben aber, die einen Großteil der Erkrankung ausmachen, sind Sie mit den Übungen gut beraten.
 

Video: Wie kann die Therapie einer Hüftarthrose aus physiotherapeutischer Perspektive verlaufen?

In diesem Video erklären Dr. Tobias Weigl und Physiotherapeut Jerry Panten, was eine Hüftarthrose ist, wie ihre Therapie verläuft und welche Übungen Betroffene zur Linderung der Beschwerden durchführen können.
 

 

Häufige Patientenfragen

Hat Physiotherapie also nur mit Übungen zur Beweglichkeit zu tun?

Dr. T. Weigl
Nein. Die Physiotherapie beinhaltet als einen Aspekt zwar die Gymnastik sowie die manuelle Therapie, aber auch andere Therapieverfahren wie die Thermotherapie , also die Behandlung von Arthrose mittels Wärme und Kälte, gehören dazu. Einen weiteren wichtigen Bestandteil der physikalischen Therapiemethoden zur multimodalen, also ganzheitlichen Behandlung, stellt die Elektrostimulation dar, welche sowohl unter ärztlicher Anleitung als auch in Eigenregie durchgeführt werden kann.

Die Physiotherapie dient also der Bewegungsfreiheit und kann Schmerzen lindern. Hat sie noch andere Effekte?

Dr. T. Weigl
Ja, und zwar einen weiteren sehr positiven. Durch Bewegung kann nämlich Übergewicht, das als starker Risikofaktor bei Arthrose gilt, reduziert werden. Denn weniger Gewicht führt auch zu weniger belasteten Gelenken, was schlussendlich zu einer geringeren bzw. langsameren Abnutzung ebendieser führt. Als Sportart eignet sich vor allem Schwimmen, da es sehr gelenkschonend ist.

 

Die Hüftarthrose im frühen Stadium hatte für Ulrich sofort die Empfehlung zur Folge, mit einer Physiotherapie anzufangen, was er dann auch tat. Hatte er anfangs noch Probleme mit dem Gleichgewicht und konnte statt einer Acht nur mehr einen Kreis mit seinem Knie beschreiben, so fühlt er sich nach ein paar betreuten Wochen mittlerweile auf einem Bein ziemlich sicher und hat auch sichtlich weniger Schmerzen. Aus diesem Grund und dank der Zahnputz-Übung ist sein Lächeln jetzt auch strahlender denn je. Was so ein bisschen Bewegung doch bringen kann…

 

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Haben Sie Erfahrungen mit Physiotherapie bei Arthrose? Möchten Sie sich bei uns über Übungen erkundigen? Nutzen Sie unsere Kommentarfunktion unten, um von Ihren Erfahrungen zu berichten und sich mit anderen auszutauschen!
 

Autoren: Tobias Möller und Dr. Tobias Weigl
Lektorat: Sebastian Mittelberg
 

Die hier beschriebenen Punkte (Krankheit, Beschwerden, Diagnostik, Therapie, Komplikationen etc.) erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Es wird genannt, was der Autor als wichtig und erwähnenswert erachtet. Ein Arztbesuch wird durch die hier genannten Informationen keinesfalls ersetzt.

Quellen

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