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Parkinson | Morbus Parkinson | Parkinsonkrankheit | Parkinsonsyndrom

Parkinson ist eine oft im Alter auftretende Erkrankung des Gehirns. Eine Behandlung sollte so früh wie möglich erfolgen.
— Dr. Tobias Weigl


Von Medizinern geprüft und nach besten wissenschaftlichen Standards verfasst

Dieser Text wurde gemäß medizinischer Fachliteratur, aktuellen Leitlinien und Studien erstellt und von einem Mediziner vor Veröffentlichung geprüft.

Quellen ansehen

Morbus Parkinson ist eine Erkrankung des zentralen Nervensystems, also unseres Gehirns. Dabei sterben bestimmte Nervenzellen ab, die einen Botenstoff unseres Gehirns produzieren, das Dopamin. Dopamin ist u. a. für die Aktivierung und Regulierung von Bewegungen zuständig. Durch den Mangel an Dopamin kommt es zu den für Parkinson typischen Beschwerden: Zittern, Bewegungsarmut, Starre der Muskulatur. Die Ursache für das Absterben der Nervenzellen ist weitestgehend unbekannt. So kann lediglich eine Behandlung der Beschwerden erfolgen.
 

 

Hermann, 77 Jahre alt, und seine Frau Gertrud lieben eigentlich die Gartenarbeit und lange Spaziergänge. In letzter Zeit findet Hermann dies aber alles zunehmend sehr anstrengend. „Bei deinen kleinen Trippelschritten ist es auch kein Wunder, dass es für dich anstrengend ist“, bemerkt seine Frau Gertrud schließlich. „Was ist generell mit dir los? Du guckst auch immer etwas grimmig. Als würde dich etwas stören.“ Auch seiner Tochter Anna ist aufgefallen, dass ihr Vater nicht mehr so aktiv ist. Er geht auch neuerdings immer etwas nach vorne gebeugt und hat einen leichten Buckel bekommen. Ehefrau und Tochter überreden Hermann bald, den Hausarzt aufzusuchen.

Die Erkrankung und ihr Ursprung

Hermann aus unserem Beispiel zeigt einige Merkmale, die für eine Erkrankung an Parkinson sprechen könnten.
Bei der Parkinsonkrankheit kommt es zu Veränderungen im Gehirn. Dabei gehen Nervenzellen zu Grunde, die das Bewegungen anregende Dopamin produzieren. Dadurch gerät das Gleichgewicht der Botenstoffe im Gehirn durcheinander. Die Stoffe, die unsere Bewegungen hemmen, nehmen überhand. Im Verlauf tritt auch ein dämpfender Effekt auf die Psyche in Erscheinung.
Die genaue Ursache für die Erkrankung ist unbekannt.

Exkurs: Was ist Dopamin?

Dopamin ist ein Botenstoff, der in bestimmten Nervenzellen unseres Gehirns hergestellt wird. Er wirkt generell anregend auf Aktivitäten in unserem Körper, zum Beispiel auf Bewegungen und Bewegungsabläufe. Außerdem wird ihm als „Glückshormon“ ein positiver Einfluss auf unsere Psyche nachgesagt.

Die Symptome: Was sind erste Anzeichen für eine Erkrankung an Parkinson?

Die Hauptsymptome für die Erkrankung an Parkinson sind:

  • verminderte Beweglichkeit/Bewegungsarmut (sog. ‚Hypokinese‘), Verlangsamung der willkürlichen Bewegungen (sog. ‚Bradykinese‘), Bewegungslosigkeit (sog. ‚Akinese‘)
  • gesteigerte Grundspannung der Muskulatur (sog. ‚Rigor‘); d. h., dass es bei einer passiven Bewegung z. B. des Armes durch den Arzt einen fühlbaren Widerstand der Muskeln gibt
  • Zittern, besonders in körperlicher Ruhe und mentaler Anstrengung (sog. ‚Ruhetremor‘)
  • Standunsicherheit mit Störung der aufrechten Körperhaltung (sog. ‚posturale Instabilität‘)
Gut zu wissen!
Für die Diagnose einer Parkinsonkrankheit muss in jedem Fall die Hypokinese in Verbindung mit mindestens einem der drei anderen Hauptsymptome (Rigor, Tremor, posturale Instabilität) vorliegen.

 
Oft treten noch andere Beschwerden auf, die eine Diagnose erschweren können. Dazu gehören:

  • Leise Sprache (sog. ‚Mikrophonie‘)
  • Veränderung der Handschrift, kleine Schrift (sog. ‚Mirkographie‘)
  • Sog. Maskengesicht mit verminderter Mimik (sog. ‚Amimie‘, ‚Hypomimie‘)
  • Störung der Körperhaltung
  • Blasenfunktionsstörungen
  • Depression
  • Demenz
  • Konzentrationsstörungen
  • Schlafstörungen

Wen kann es erwischen?

Morbus Parkinson ist eine Erkrankung des Alters, wobei ca. 1 Prozent der über
60-Jährigen betroffen ist. Männer sind minimal häufiger betroffen als Frauen.

Gut zu wissen!
In Deutschland sind schätzungsweise 250.000–400.000 Menschen betroffen, was etwa 0,3–0,5 Prozent der Bevölkerung entspricht.

 

Hat ein Arzt bei Ihnen Parkinson diagnostiziert? Welche dieser Symptome traten bei Ihnen auf? (Mehrfachnennungen möglich) Damit helfen Sie anderen Lesern, ihre Symptome besser einzuschätzen.
 

Was tut der Arzt? Teil 1: Die Diagnose

Die Diagnose des Morbus Parkinson ist eine sog. klinische Diagnose. Das bedeutet, dass der Arzt anhand der Symptome und verschiedener Untersuchungsmethoden die Diagnose stellt. Andere Erkrankungen, die ggf. ähnliche Beschwerden verursachen könnten, müssen zudem ausgeschlossen werden.
Wie bei jedem Arztbesuch erfolgt als erstes die Anamnese, also die Befragung des Patienten nach seinem Befinden. Dabei ist auch die Befragung von Angehörigen sinnvoll. Was für Beschwerden haben Sie? Wurden von Ihnen oder Ihrer Familie Veränderungen in Verhalten, Bewegung usw. bemerkt? Seit wann bestehen diese Veränderungen/Beschwerden?
Dann wird der Arzt eine ausführliche körperliche Untersuchung durchführen. Dabei ist die neurologische Untersuchung besonders wichtig, bei der Reflexe, Bewegungsabläufe, Gangbild u. v. m. genau untersucht werden. Der Ruhetremor, also das typische Zittern, kann zunächst nicht auffallen. Meist wird der Patient in einer ruhigen Situation gebeten, von 100 abwärts zu zählen. Dabei tritt dann durch die Konzentration und die Anstrengung beim Abwärtszählen das Zittern, der sog. Ruhetremor, auf. Der Mediziner sagt in diesem Zusammenhang, dass der Ruhetremor demaskiert wird.
Die apparative Diagnostik mittels CT oder MRT des Schädels dient zum Ausschluss anderer Erkrankungen. Es gibt keine sicheren Merkmale für die Parkinsonkrankheit. Bei der Diagnosestellung gehört eine Bildgebung des Kopfes zum Standard.
Als weitere Tests stehen verschiedene Methoden zur Verfügung, die das Vorliegen weiterer Symptome objektivieren können. Dazu gehören z. B. ein Test des Riechvermögens sowie eine Schließmuskeluntersuchung des Afters zur Überprüfung und Objektivierung einer möglichen Inkontinenz.

Fakten-Box
Morbus Parkinson/Parkinson/Parkinsonkrankheit/Parkinsonsyndrom
Frauen und Männer betroffen, Männer minimal häufiger
Erkrankung des Alters, meist > 60 Jahre
4 Hauptsymptome

  • Bewegungsarmut (Hypokinese, Bradykinese, Akinese)
  • Muskelstarre (Rigor)
  • Zittern (Tremor)
  • Standunsicherheit mit Störung der aufrechten Körperhaltung

Was tut der Arzt? Teil 2: Die Behandlung

Die Behandlung des Parkinsonsyndroms erfolgt symptomatisch. Eine Heilung ist nicht möglich, jedoch lassen sich die Beschwerden meist gut behandeln. Oft ist sogar eine vorübergehende Beschwerdefreiheit möglich.
Die Behandlung lässt sich in eine medikamentöse und eine nicht-medikamentöse Therapie unterteilen.
Für die medikamentöse Therapie des Morbus Parkinsons stehen unterschiedliche Medikamente zur Verfügung:

  • Levodopa (Vorstufe des Dopamins)
  • Dopaminagonisten (Ähneln dem Dopamin und wirken ähnlich)
  • MAO-B-Hemmer (verhindern den Abbau von Dopamin im Gehirn)
  • COMT-Inhibitoren (verhindern den Abbau von Dopamin im Gehirn)
  • Anticholinergika (blockieren die bewegungshemmenden Botenstoffe im Gehirn)

Besonders durch die Gabe von Levodopa kann oft eine rasche Besserung der Beschwerden und des Befindens erzielt werden. Levodopa ist eine Vorstufe des Dopamins, also des Botenstoffes, der beim Parkinson fehlt. Die Vorstufe wird im Körper verstoffwechselt und kann so besonders effizient ihre Wirkung entfalten. Wichtig ist eine exakte Einnahme nach Uhrzeit (alle 6 Std.) mit einem Abstand von 30 Minuten vor und nach der Einnahme zu den Mahlzeiten. Ziel ist es, eine Symptombesserung unter möglichst geringer Dosierung von Levodopa zu erreichen. Im Verlauf kann es zu Schwankungen der Dopaminwirkung und zu Nebenwirkungen kommen.
Die Therapie besteht langfristig auch in einer Kombination der verschiedenen zur Verfügung stehenden Medikamente. Der Einsatz richtet sich nach Alter und Vorerkrankungen des Patienten sowie der Schwere der Parkinsonbeschwerden.

Für mehr Informationen zu den verschiedenen Medikamenten zur Behandlung von Parkinson und deren Einsatz empfiehlt sich die Lektüre des Artikels zum Thema Parkinson-Medikamente.

Als unterstützende Therapiemaßnahmen gelten in der Parkinsontherapie Physiotherapie, Ergotherapie, Logopädie und künstlerische Therapien (z. B. Musiktherapie).
Neben der medikamentösen Therapie kommen in einigen Fällen sog. „intensivierte Therapieformen“ zum Einsatz. Ziel ist hier eine Reduktion oder gar Einsparung der Medikamente, da sie im Verlauf ihre Wirksamkeit verlieren. Ein Beispiel ist die tiefe Hirnstimulation, besonders bei jungen Patienten. Dabei wird eine Art Hirnschrittmacher implantiert, der durch elektrische Impulse die entsprechenden Regionen des Gehirns, die unter dem Dopaminmangel leiden, anregt.

Häufige Patientenfragen

Ist Parkinson heilbar? Was tut der Arzt?

Dr. T. Weigl
Parkinson ist nicht heilbar. Der Arzt erstellt einen umfassenden Behandlungsplan aus Medikamenten und begleitenden Therapien (Physiotherapie, Ergotherapie, Logopädie). Es kann eine deutliche Besserung der Beschwerden bis hin zu einer vorübergehenden Beschwerdefreiheit erreicht werden.

Woran erkennt man, dass man Parkinson hat?

Dr. T. Weigl
Die ersten Symptome können recht unspezifisch sein. Die Erkrankung kann sich vielfältig präsentieren – von Verlust des Riechvermögens, über Heiserkeit und eine verminderte Mimik im Gesicht bis hin zu den motorischen Beschwerden im Sinne von Bewegungsarmut, Ruhetremor oder Standunsicherheit. Letztendlich erfolgt eine klinische Diagnose unter Ausschluss anderer Ursachen.

Muss man Parkinson behandeln?

Die Therapie der Parkinsonkrankheit wird ab Diagnose empfohlen. Im Fokus steht eine Symptomkontrolle. Dabei sind für das Vorgehen die Ausprägung der Beschwerden und das Alter des Patienten entscheidend. Die Behandlung sollte durch Kombination von Medikamenten und nicht-medikamentösen Therapieformen erfolgen.
 

Hermann sucht den Hausarzt auf. Dieser überweist ihn nach einem ausführlichen Gespräch an einen Neurologen. Der Untersucht Hermann im Beisein seiner Ehefrau und stellt schließlich nach umfassenden Untersuchungen die Diagnose einer Parkinsonkrankheit. Hier erfährt Hermann, dass auch der Verlust seines Riechvermögens, welches er auf einen übermäßigen Nasenspraykonsum vor vielen Jahren zurückführte, bereits ein erstes Symptom gewesen sein kann. Der Neurologe bespricht mit Hermann und seiner Familie das weitere Vorgehen. Mit Medikamenten und begleitenden Therapien geht es ihm bald deutlich besser. Er kann wieder mit seiner Frau spazieren gehen. Die Gartenarbeit macht auch wieder Spaß.

 

Aktuelles aus der Forschung

Derzeit wird über eine App für Smartphones vom Frauenhofer-Institut für Intelligente Analyse- und Informationssysteme europaweit eine Erhebungsstudie zur Erfassung von Symptomen, die in Form eines Logarithmus bei der Früherkennung von Parkinson helfen sollen, durchgeführt. Über die App auf dem Smartphone werden unterschiedliche Daten erhoben, an die Forschungsgruppe übertragen und ausgewertet.

Quelle: Ärzteblatt.de, Forschungsprojekt i-Prognosis.

Haben auch Sie Erfahrungen mit Parkinson? Haben Sie Fragen zum Thema? Nutzen Sie unsere Kommentarfunktion unten für den Austausch untereinander und mit uns!
 
Die hier beschriebenen Punkte (Krankheit, Beschwerden, Diagnostik, Therapie, Komplikationen etc.) erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Es wird genannt, was der Autor als wichtig und erwähnenswert erachtet. Ein Arztbesuch wird durch die hier genannten Informationen keinesfalls ersetzt.
 
Autoren: Dr. Tobias Weigl, Claudia Scheur
Lektorat: Tobias Möller
 

Quellen

  • Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (kurz: AWMF) online – Das Portal der wissenschaftlichen Medizin (2016): Leitlinien für Diagnostik und Therapie in der Neurologie – DGN S3-Leitlinie Idiopathisches Parkinson-Syndrom.
  • DocCheck Flexikon – Das Medizinlexikon zum Medmachen: Parkinson-Syndrom.
  • Gerd Herold et al. (2013): Innere Medizin. Eigenverlag.
  • rme/aerzteblatt.de (2018): Smartphones liefern Daten für Parkinson-Früherkennung.
  • [Gesamt:1    Durchschnitt: 5/5]

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