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Parkinson-Demenz – Gefangen im eigenen Körper

Auf einen Blick – Was ist Parkinson-Demenz?

  • Demenzerkrankung als Begleiterscheinung der Parkinson-Krankheit
  • die Erkrankung ist fortschreitend und nicht heilbar
  • die Parkinson-Krankheit ist auf einen Mangel an Botenstoffen und Ablagerungen im Gehirn zurückzuführen

Wer bekommt Parkinson-Demenz?

  • Menschen, die an der Parkinson-Krankheit erkrankt sind
  • Parkinson-Patienten, die über 75 Jahre alt sind

Symptome (Auszug)

  • langsames Denken
  • Interessenverlust
  • beeinträchtigte räumliche Wahrnehmung

Behandlung (Auszug)

  • medikamentöse Behandlung
  • nicht-medikamentöse Therapie, zum Beispiel Physiotherapie oder Kunsttherapie

Tipps

  • eine gesunde Ernährung und viel Bewegung können einer Erkrankung an Parkinson-Demenz vorbeugen
  • Es ist wichtig, die Waage zwischen „Selber machen lassen“ und Hilfestellung zu halten. Denn die Patienten sollen möglichst lang selbstständig leben.

Parkinson-Demenz ist eine Demenzerkrankung, die als Begleiterscheinung der Parkinson-Krankheit auftritt. Die Parkinson-Krankheit wird durch einen Mangel an dem Botenstoff Dopamin im Körper verursacht. Je länger ein betroffener Patient an Parkinson leidet und je weiter die Symptome fortgeschritten sind, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, auch an einer Parkinson-Demenz zu erkranken. Die Symptome umfassen verlangsamtes Denken, eine reduzierte Aufmerksamkeit und Einschränkungen der Wahrnehmung. Die Erkrankung ist nicht heilbar. Es existieren jedoch Therapiemöglichkeiten. Entweder kann die Gabe von Medikamenten gegen die Symptome helfen oder eine Medikament freie Therapie. Viel Bewegung, Denksport und eine gesunde Ernährung kann dabei helfen, der Erkrankung vorzubeugen.

Was ist Parkinson-Demenz?

Parkinson-Demenz ist eine Begleiterkrankung der Parkinson-Krankheit. Die Parkinson-Krankheit ist eine neurodegenerative Erkrankung und wird durch einen Mangel an dem Botenstoff (sog. ‚Neurotransmitter‘) Dopamin ausgelöst. Man bezeichnet sie auch als Schüttelkrankheit. Denn der Mangel an Dopamin führt dazu, dass die Betroffenen ihre Bewegungen nicht mehr richtig kontrollieren können. Dies äußert sich zum einen darin, dass sie sehr steife Bewegungen machen. Auf der anderen Seite aber zittern die Gliedmaßen von Parkinson-Patienten unkontrolliert, was wie ein Schütteln aussieht. Die Demenz äußert sich in einer Einschränkung der geistigen (sog. ‚kognitiven‘) Funktionen. Sie ist langsam fortschreitend und – wie andere Formen der Demenz – nicht heilbar. Damit es sich um eine echte Parkinson-Demenz handelt, müssen laut Definition mindestens zwei kognitive Funktionen beeinträchtigt sein, zum Beispiel die Aufmerksamkeit, die Sprachfähigkeit oder die Schnelligkeit des Denkens.

Es ist nicht vollständig klar, was genau die Parkinson-Demenz auslöst. Man geht jedoch davon aus, dass ein Mangel an den Botenstoffen Dopamin und Acetylcholin sowie Eiweißablagerungen im Gehirn der Auslöser sein könnten.

Der Neurotransmitter Dopamin schaltet Prozesse im Gehirn

Warum ist Dopamin wichtig, um Bewegungen auszuführen und klar denken zu können? Dieser Botenstoff ist dafür zuständig, Prozesse im Gehirn an- und auszuschalten. Der Stoff wirkt an sich anregend auf die Zellen. Im Gehirn existieren komplexe Schaltkreise, die von Dopamin und anderen Botenstoffen gesteuert werden. Wenn an einer Stelle das Dopamin fehlt, die anderen Stoffe jedoch vorhanden sind, dann funktioniert die Schaltung nicht korrekt. Am meisten ist das motorische System davon betroffen, da das Gehirn dort viel Dopamin verwendet, um die Bewegungen abzustimmen. Da die Anregung durch Dopamin nicht richtig erfolgt, sind Parkinson-Patienten oft in ihren Bewegungen gehemmt. Da in einigen Kreisläufen die Hemmung (sog. ‚Inhibition‘) der Bewegungen indirekt auch durch Dopamin gesteuert wird, entsteht das unkontrollierte Zittern.

Mengel an Acetylcholin im Gehirn

Der Neurotransmitter Acetylcholin ist eng im Einklang mit Dopamin. Bei einer Parkinsonerkrankung sterben Zellen ab, die Dopamin erzeugen. Aber auch Zellen, die Acetylcholin produzieren, sterben im Verlauf der Krankheit. Der Mangel an Acetylcholin führt dazu, dass sich das Denken verlangsamt und den Betroffenen kognitive Prozesse schwerfallen. Zu Beginn der Krankheit kann man dem Abfall von Acetylcholin medikamentös vorbeugen. Sterben jedoch zu viele Zellen ab, die Acetylcholin produzieren, dann ist dies nur noch schwer möglich.

Eiweißablagerungen im Mittelhirn

Die Parkinson-Demenz äußert sich vorwiegend nicht durch Gedächtnisverlust, wie es bei Alzheimer der Fall ist. Die Erkrankung ist aber – so wie Alzheimer auch – eine Demenzerkrankung. Sie ist jedoch seltener: Ungefähr 0,5 % der Bevölkerung erkranken an Parkinson-Demenz. Das entspricht rund 40 % der Parkinson-Patienten. Eine Gemeinsamkeit mit der Alzheimer Demenz ist aber, dass auch bei der Parkinson-Demenz Eiweißablagerungen im Gehirn vorhanden sein können. Bei einer Parkinson-Demenz lagern sich so genannte Lewy-Körperchen im Mittelhirn in der sogenannten Substantia nigra ab. Diese Struktur ist für die Funktion des basalen Nervensystems (sog. ‚basale Ganglien‘) sehr wichtig – die Schaltkreise des Gehirns werden in dieser Struktur des Mittelhirns gesteuert. Wenn Ablagerungen in dieser Struktur vorhanden sind, dann ist die – aufgrund des Mangels an Neurotransmittern – ohnehin schon schlechte Funktion noch weiter eingeschränkt.

Der richtige Lebensstil kann das Risiko reduzieren

Ein gesunder Lebensstil kann dazu beitragen, einer Erkrankung an Parkinson und einer Parkinson-Demenz vorzubeugen. Anders herum erhöht eine ungesunde Ernährung das Risiko einer Erkrankung. Eine ausreichende Zufuhr an Flüssigkeit ist wichtig, damit der Körper richtig arbeiten kann und die Gefahr zu dehydrieren ist bei Parkinsonpatienten besonders hoch. Eine zu fettreiche Ernährung ist zu vermeiden. Besser ist es, sich abwechslungsreich und ausgewogen zu ernähren und calciumreiche Nahrungsmittel zu sich zu nehmen. Auch ein gezieltes Training des Gehirns senkt das Risiko für eine Erkrankung. Denksportaufgaben, Rätsel und Sudoku helfen dabei, das Gehirn zu trainieren. Denn wenn man diese Aufgaben löst, steigt der Dopamin-Spiegel an.

Warum ist Calcium noch wichtig für unseren Körper und was geschieht bei einem Mangel an diesem Mineralstoff? Im folgenden Video widmet sich Dr. Dr. Tobias Weigl dem Mineralstoff Calcium und erklärt zudem die Wichtigkeit von Vitamin D.

Mineralstoff Calcium & Calciummangel – Die wichtige Rolle von Vitamin D & Gefahren für Osteoporose

Die Symptome: Welche Beschwerden verursacht Parkinson-Demenz?

Bei einer Parkinson-Demenz kommen zu den Beschwerden der Parkinson-Krankheit weitere Einschränkungen hinzu. Diese umfassen die allgemeine Fähigkeit zu denken, wahrzunehmen und sich auszudrücken. Typisch für Betroffene: Das Denken im Allgemeinen ist verlangsamt und der Alltag fällt schwer. Auch Zusammenhänge zu erfassen, ist oftmals eine Herausforderung für die Betroffenen. Sogar der Schlafrhythmus kann beeinträchtigt sein, da dieser ebenfalls durch Neurotransmitter gesteuert wird.

Kognitiv-emotionale Symptome

Mit der Erkrankung geht oftmals ein Desinteresse an dem eigenen Umfeld und allgemeine Lustlosigkeit einher, die sich in starrsinnigem Verhalten äußert. Depressive Verstimmungen aufgrund der unmotivierten Einstellung der Patienten in Kombination mit der vorhandenen Symptomatik sind weiterhin ein mögliches Symptom. Auch die Aufmerksamkeit von Patienten mit Parkinson-Demenz kann eingeschränkt sein: Sie bekommen deshalb Sachverhalte und das, was um sie geschieht, schwerer mit. Auch das Abrufen von Ereignissen, die sich gerade zugetragen haben, ist bei Patienten mit Parkinson-Demenz erschwert, allerdings zumeist erst in einem späteren Stadium der Erkrankung. Sie erleiden zwar nicht einen so schweren Gedächtnisverlust wie Alzheimerpatienten, haben jedoch aufgrund der reduzierten Leistung des Denkens ebenfalls Schwierigkeiten damit, neue Erinnerungen im Kurzzeitgedächtnis zu speichern.

„Menschen, die an Parkinson-Demenz erkrankt sind, leben wie in Ketten: Sowohl die Motorik des Körpers als auch der Verstand der Betroffenen ist stark eingeschränkt. Jedoch ist die Parkinson-Demenz nicht vollständig mit Alzheimer zu… Klick um zu Tweeten

Symptome der Wahrnehmung – von außen nach innen

Die Aufmerksamkeit ist wie ein Filter im Gehirn, der uns dazu befähigt, uns auf das Wichtige zu konzentrieren. Wenn dieser Filter nicht funktioniert, dann nehmen wir alles, was um uns herum geschieht, gleichzeitig wahr. Dies ist zu viel für das Gehirn und führt zu Überforderung. Zum Beispiel ist ein Patient mit Parkinson-Demenz dann nicht mehr dazu in der Lage, einem Gespräch aktiv zu folgen und die umliegenden Geräusche in den Hintergrund zu drängen. Vielmehr nimmt diese Person ebenso die Autogeräusche der Straße, Vogelgezwitscher und die Stimmen auf dem Flur gleichlaut wahr. Der Verlust des räumlichen Sehens ist ebenfalls ein Symptom der Parkinson-Demenz: Das Gehirn kann die eingehenden Informationen nicht mehr richtig einordnen, sodass der Patient keine Tiefen mehr erkennen kann. Auch Halluzinationen können bei einer Parkinson-Demenz auftreten. Denn das Gehirn ordnet wahrgenommene visuelle Reize falsch ein.

Symptome des Sich-Ausdrückens – von innen nach außen

Die Sprachfähigkeit kann bei Patienten mit Parkinson-Demenz eingeschränkt sein. Denn Sprache ist ein komplexer Prozess, der dem Gehirn viel Planung abverlangt. Das Gehirn plant alle Laute, die die Sprache formen. Um diese Laute mit den Sprachorganen zu produzieren, ist eine feine Abstimmung nötig. Es handelt sich also – wie beim Laufen – um eine Art Bewegung. Daher ist nicht verwunderlich, dass Patienten mit Parkinson-Demenz allein schon wegen der motorischen Herausforderung Schwierigkeiten damit haben können, sich sprachlich auszudrücken. Bei einer Parkinson-Demenz kommt noch hinzu, dass eine möglicherweise reduzierte Aufmerksamkeit es den Patienten noch schwieriger macht, sich auf das Sprechen zu konzentrieren.

Gut zu wissen!
Der polnische Biochemiker Casimir Funk hat das Medikament Levodopa entwickelt. Das Medikament war bereits im Jahr 1911 fertig entwickelt, wurde jedoch erst in den 1960er Jahren eingeführt. Bis dahin hat man Parkinson nur mit Anticholinergika und mit chirurgischen Maßnahmen behandelt. Wir kennen das Präparat auch unter dem Namen L-DOPA.

Wer ist am ehesten betroffen?

Grundsätzlich gehören alle Patienten, die an Parkinson leiden, zur Risikogruppe. Die Erkrankung tritt recht häufig als Begleiterscheinung auf – jeder zweite Parkinson-Patient im höheren Alter ab ca. 75 Jahren erkrankt an einer Parkinson-Demenz. Jedoch erkranken auf der anderen Seite jüngere Patienten nicht an einer zusätzlichen Demenz: Wenn ein Patient unter 40 Jahren an Schüttellähmung erkrankt, dann erkrankt er später nicht an Parkinson-Demenz. Insgesamt sind rund ein Drittel aller Parkinson-Patienten von einer Parkinson-Demenz betroffen.

Kennen Sie Personen, die unter einer Parkinson-Demenz leiden? Haben Sie schon die folgenden Symptome bei diesen Personen beobachtet? Mit Ihrer Antwort helfen Sie anderen Betroffenen dabei, ihre Symptome besser einzuschätzen (Mehrfachnennungen möglich).

Was tut der Arzt? Teil 1: Die Diagnose von Parkinson-Demenz

Eine Parkinson-Demenz zu diagnostizieren, kann eine Herausforderung darstellen. Denn die Symptome kommen schleichend zu den vorhandenen Symptomen der Parkinson-Krankheit hinzu. Umfassende Gespräche mit Patienten und Angehörigen geben erste Hinweise darauf, ob eine Erkrankung vorliegt. Besteht ein Verdacht darauf, dass der Patient unter einer Parkinson-Demenz leidet, dann können Tests und bildgebende Verfahren bei der Diagnosestellung helfen.

Kognitive Demenztests zur Feststellung einer Parkinson-Demenz

Es gibt bereits standardisierte Tests, mit denen die kognitiven Fähigkeiten der Patienten erfasst werden. So lässt sich die Leistungsfähigkeit des Verstandes messen und anhand einer Skala ablesen, wie gut der Verstand der Patienten noch funktioniert.

Bildgebende Verfahren helfen bei der Diagnosestellung

Um den Verdacht auf Parkinson-Demenz zu bestätigen, können Ärzte bildgebende Verfahren heranziehen. Die Computertomographie (CT) und die Magnetresonanztomographie (MRT) eignen sich gut dafür, die Gehirnstrukturen dreidimensional abzubilden. Auf den Bildern kann der Arzt gut erkennen, ob Gehirnstrukturen aufgrund des Mangels an Neurotransmittern unterernährt sind.

Fakten-Box – Parkinson-Demenz

  • Begleiterkrankung der Parkinson-Krankheit
  • tritt auf, weil Neurotransmitter im Gehirn fehlen
  • die Erkrankung ist nicht heilbar und langsam fortschreitend

Mögliche Symptome

  • reduziertes Denkvermögen
  • Verlust der Aufmerksamkeit
  • Lustlosigkeit und Starrsinn

Was tut der Arzt? Teil 2: Die Behandlung von Parkinson-Demenz

Auch wenn die Erkrankung nicht heilbar ist, existiert eine Reihe von Therapiemöglichkeiten. Von Parkinson-Demenz betroffene Patienten nehmen zu dem Zeitpunkt, an dem die Demenz entdeckt wird, bereits Parkinson-Medikamente ein. Die Medikamente gegen Parkinson können die Demenz jedoch noch verstärken. Also besteht der erste Behandlungsschritt darin, diese Medikamente entsprechend anzupassen.

Die Behandlung mit Medikamenten

Die Parkinson-Demenz kann man medikamentös behandeln. Es gibt Präparate, die den Abbau von Acetylcholin hemmen. Da bei Parkinson-Demenz-Patienten ein Mangel an Acetylcholin vorliegt, hilft dies dabei, die Krankheit auf einer neuronalen Ebene zu bremsen. Auch Präparate, die eine Vorstufe von Dopamin enthalten, können helfen, den Dopamin-Mangel im Gehirn auszugleichen. Synthetisches Dopamin kann der Körper jedoch nicht aufnehmen.

Die Behandlung mit Therapien

Es existieren auch nicht-medikamentöse Therapien. Die Musiktherapie, die Tanztherapie und die allgemeine Bewegungstherapie sind Beispiele für solche Therapieformen. Sie helfen den Patienten dabei, beweglicher und wacher in ihrem Geist zu bleiben. Krankengymnastik, eine gesunde Ernährung und Gehirntraining helfen zusätzlich beim Verlangsamen der Symptome. Auch das Gestalten der Wohnräume kann dazu beitragen, dass sich die Betroffenen länger zurechtfinden.

Aktuelles aus der Forschung – Alles wegen einer Entzündung?

Wie genau sieht das Gehirn aus, wenn Patienten unter Parkinson-Demenz leiden? Was genau verursacht diese Erkrankung? Diesen Fragen hat sich ein internationales Forscherteam aus England und der Schweiz gewidmet. Unter der Leitung von Dr. Nicolas Nicastro haben wissenschaftliche Mitarbeiter der psychiatrischen Abteilung und der Abteilung für klinische Neurowissenschaften der Universität Cambridge in England gemeinsam mit Forschern der Abteilung für klinische Neurowissenschaften in Genf in der Schweiz Parkinson-Patienten und eine gesunde Kontrollgruppe untersucht. Die Forscher haben die Ergebnisse der erkrankten Patienten und der gesunden Teilnehmer miteinander verglichen, um so nähere Hinweise dafür zu erhalten, was mögliche Ursachen für eine Parkinson-Demenz sind.

Bildgebende Verfahren unterstützen die Diagnosestellung

Das bildgebende Verfahren Positron-Emissionstomographie (PET) ist eine Art Emissionscomputertomographie. Eine schwach radioaktive Substanz wird zunächst in den Körper gespritzt, um Strukturen im Gehirn sichtbar zu machen. Querschnittbilder zeigen deutlich die Veränderungen im Gehirn an. Die Diffusions-Tensor-Bildgebung (engl. ‚diffusion tensor imaging‘, kurz DTI) ist ein bildgebendes Verfahren, das die Diffusion von Wassermolekülen im Gehirn mit Hilfe von Magnetresonanztomographie darstellt. Bei diesem Verfahren kann man auch die Richtung der wandernden Wassermoleküle erkennen.

Entzündungen tragen zum kognitiven Verfall bei

Frühere Studien haben ergeben, dass eine Entzündung der Nerven dazu beiträgt, dass Parkinson-Patienten an einer Demenz erkranken. Mikrogliale Zellen im Gehirn helfen im Fall einer Entzündung dabei, kaputte Stellen des Gehirns wieder zu stabilisieren. Gerade im frühen Stadium der Erkrankung ist die Aktivität der mikroglialen Zellen bei vielen Demenzformen besonders hoch. Beispiele sind die Alzheimer-Demenz und die Lewy-Körper-Demenz.

Der Zusammenhang zwischen mikroglialer Aktivität, Entzündungen und dem Verfall des Gehirns

Die Verbindung 11C-PK11195 ist ein Indikator dafür, wie viel mikrogliale Aktivität im Gehirn abläuft, also wie viel an Stabilisationsarbeit kaputter Zellen erfolgt. Dies haben PET-Studien gezeigt. Die aktuelle Studie hat ergeben, dass eine hohe Bindung von 11C-PK11195 mit einem längeren Erhalt der geistigen Leistung einhergeht. Dies haben die Wissenschaftler mithilfe von DTI gemessen. Denn die untersuchten Parkinson-Demenz-Patienten hatten gleiche oder niedrigere Bindungswerte von 11C-PK11195 im Vergleich zu einer Kontrollgruppe mit gesunden Versuchspersonen. Dies bedeutet, dass im Gehirn von Parkinson-Demenz-Patienten mehr mikrogliale Aktivität stattfindet, wodurch weniger 11C-PK11195 gebunden ist. Mehr mikrogliale Aktivität wiederum spricht dafür, dass mehr durch Entzündungen entstandene Schäden repariert werden.

Ausblick auf zukünftige Therapiemöglichkeiten

Die Studie hat ergeben, dass Entzündungen im Gehirn bei Patienten mit Parkinson-Demenz eine Rolle spielen. Es könnte sich laut des Wissenschaftlerteams um eine universelle Entzündung im Körper handeln, die sowohl die Parkinson-Krankheit als auch die spätere Erkrankung an Parkinson-Demenz begünstigt. Langzeitstudien sind nötig, um dies zu bestätigen. Zukünftige Therapiemethoden könnten sich mehr auf das Bekämpfen der Entzündung konzentrieren.

Quelle: Nicolas Nicastro u. a. (2019): 11C‐PK11195 PET imaging and white matter changes in Parkinson’s disease dementia. Annals of clinical and translational neurology, S. 1–4.

Häufige Patientenfragen

Warum darf man keine Antipsychotika einnehmen, wenn man an einer Parkinson-Demenz erkrankt ist?

Dr. Dr. T. Weigl
Patienten mit Parkinson-Demenz dürfen die meisten Antipsychotika nicht einnehmen, da sie ein höheres Risiko dafür haben, Nebenwirkungen zu erleiden. Die enthaltenen Wirkstoffe können sich negativ auf die Beweglichkeit und die Aufmerksamkeit der Patienten auswirken. Es existieren jedoch Antipsychotika, die auch für Patienten mit Parkinson-Demenz geeignet sind. Ein Beispiel ist das Präparat Chlozapin. Ihr Arzt muss im Einzelfall entscheiden, ob eine Gabe des Präparats sinnvoll ist und bedenkenlos erfolgen kann.

Warum kann man Parkinson-Demenz nicht durch die Gabe des fehlenden Dopamins heilen? Es existieren doch Medikament wie L-Dopa.

Dr. Dr. T. Weigl
L-Dopa ist ein Präparat, das eine Vorstufe des Botenstoffs Dopamin enthält. Aus dieser Verbindung kann der Körper das benötigte Dopamin bis zu einem gewissen Grad aufnehmen. Synthetisiertes fertiges Dopamin kann der Körper leider nicht aufnehmen, also ist eine direkte Gabe des Neurotransmitters nicht möglich. Obgleich L-Dopa vom Körper aufgenommen werden kann, lässt die Wirkung mit der Zeit nach. Denn die Erkrankung schreitet voran und mit der Zeit ist das Gehirn immer weniger dazu in der Lage, das Dopamin aus dem Präparat L-Dopa zu speichern. Das Gehirn kann den Wirkstoff dann nicht mehr dosieren und als Folge ist der Körper manchmal sehr beweglich und manchmal wieder besonders steif. Deswegen ist eine hohe Dosierung von L-Dopa über einen langen Zeitraum nicht möglich und führt nicht zu einer Heilung der Erkrankung.

Wie soll ein Mensch, der schon an Parkinson leidet, einer Parkinson-Demenz vorbeugen?

Dr. Dr. T. Weigl
Auch wenn es an sich für Parkinson-Patienten schon schwierig ist, sich viel zu bewegen, ist dies wichtig. Versuchen Sie, Ihren Körper wach zu halten und viel an der frischen Luft zu sein – dies kann dem geistigen Verfall vorbeugen. Trainieren Sie zudem ihr Gehirn mit Denksportaufgaben oder Rätseln. Ihr Arzt oder Physiotherapeut kann Ihnen hilfreiche Tipps geben, ein individuelles Trainingsprogramm zu gestalten.

Mein Vater leidet an Parkinson, lebt aber noch mit meiner Mutter zu Hause. Wie kann ich den beiden dabei helfen, dass sie möglichst lange ohne Hilfe von außen zurechtkommen?

Dr. Dr. T. Weigl
Es gibt mehrere Möglichkeiten, die Selbstständigkeit der Betroffenen zu bewahren. Sprechen Sie mit Ihrem Arzt und lassen Sie regelmäßig kontrollieren, ob die medikamentöse Einstellung noch korrekt ist. Schaffen Sie Strukturen und Orientierungshilfen als gedankliche Stützen im Haushalt Ihrer Eltern. Und versuchen Sie, die beiden in Ihren eigenen Alltag mit einzubinden und mit ihnen an die frische Luft zu gehen, damit sie nicht in Isolation leben. Denn soziale Kontakte sind wichtig für das allgemeine Wohlbefinden.

Exkurs: Verschiedene Demenzformen haben ähnliche Symptome

Alzheimer ist die häufigste Form der Demenz. Die Erkrankung ist am stärksten durch den Abfall des Gedächtnisses erkennbar. Im Gegensatz dazu stehen sowohl bei der vaskulären Demenz, die durch das Absterben von Nervenzellen nach einem Schlaganfall hervorgerufen wird, als auch bei der Parkinson-Demenz andere Symptome im Vordergrund. Vor allem das langsame Denken in allen Lebensbereichen ist ein charakteristisches Symptom beider Demenzformen, auch wenn die beiden Erkrankungen unterschiedliche Ursachen haben.

Typisches Patientenbeispiel

„Zum Abschluss unserer heutigen Sitzung würde ich gerne noch kurz über ein Thema sprechen, das Ihnen vielleicht etwas schwer fällt“, sagt die Musiktherapeutin. „Ich möchte Sie keinesfalls dazu drängen, über Ihre Ängste zu sprechen, wenn Sie sich noch nicht bereit fühlen. Aber ich will Ihnen sagen, dass wir als Therapeuten vollkommenes Verständnis für Sie und Ihre Gefühle haben“.

Ursula lässt die Worte kurz auf sich wirken, als ihre Musiktherapeutin kurz innehält. „Ja, ich habe Ängste und nein, ich will nicht darüber sprechen“, denkt sie. Auf der einen Seite findet sie es ja nett, wenn Therapeuten so einfühlsam tun, aber die stecken ja auch nicht in ihrer Haut. „Mit 30 ist es sicher leicht, beschwichtigend auf die Menschen einzureden, die an einer unheilbaren Krankheit leiden…“, fügt sie gedanklich hinzu.

Verständnisvoll

„Wissen Sie“, fährt Frau Rosenberg fort, „ich stecke nicht in Ihnen drin, das ist mir klar. Mein Beruf ist es, Sie zu begleiten und Ihnen Tipps zu geben. Ich möchte mit meiner Therapie wirklich bewirken, dass Sie Ihre Symptome so weit wie möglich verlangsamen können“. Sie blickt im Raum auf und ab. „Egal, was als nächstes passiert – wenn wir nicht versuchen, so gut wie möglich vorzubeugen, dann haben wir schon verloren. Ich bitte Sie deshalb, auch außerhalb der Therapie auf sich zu achten. Sie sind noch hier und können Ihr Leben genießen. Gehen Sie nach draußen, genießen Sie die Natur und… lösen Sie Sudokus, falls Sie mögen. Ich habe ein paar mit Anleitung mitgebracht, wenn Sie das mal ausprobieren möchten. Es ist nicht nur eine hilfreiche Maßnahme, es macht auch Spaß, glauben Sie mir“, sagt sie lächelnd.

„So eine Erkrankung macht Angst, ja. Ich möchte Ihnen heute nur einfach mal mit auf den Weg geben, dass die Angst ihr Leben nicht bestimmen darf. So, nun möchte Ich Sie aber auch nicht länger aufhalten. Hat noch jemand Fragen? Sie können Sie gerne in der Runde stellen oder gleich noch zu mir kommen. Ansonsten wünsche ich Ihnen noch einen schönen Tag und bis nächste Woche.“

Ursula ist skeptisch: Soll sie dieses Sudoku mal versuchen? Hat die Therapeutin recht? Ist es zu früh, schon die Flinte ins Korn zu werfen? „Ich mein, vielleicht ist es ja richtig, noch was aus dem Leben zu machen, so lange man noch kann. Mit 71 bin ich ja schließlich noch nicht tot“, denkt sie sich.

Sie steht auf – mit viel Wippen, so gut es eben noch geht – und geht zu Frau Rosenberg hinüber. „Was ist denn dieses Sudoku?“, fragt sie. „Ich meine, mal ansehen kostet ja nichts“, sagt sie zu ihrer Therapeutin. Beide Frauen lächeln.

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Die hier beschriebenen Punkte (Krankheit, Beschwerden, Diagnostik, Therapie, Komplikationen etc.) erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Es wird genannt, was der Autor als wichtig und erwähnenswert erachtet. Ein Arztbesuch wird durch die hier genannten Informationen keinesfalls ersetzt.  

Autor: Dr. Dr. Tobias Weigl, Melinda A. Mende
Lektorat: Tobias Möller
Veröffentlicht am: 22.10.2019

Quellen

  • Deutsche Alzheimer Gesellschaft e. V.: Demenz bei Morbus Parkinson. In: deutsche-alzheimer.de.
  • Manfred Gerlach, u. a. (2007): Die Parkinson-Krankheit: Grundlagen, Klinik, Therapie. Springer-Verlag, 2007.
  • Nicolas Nicastro u. a. (2019): 11C‐PK11195 PET imaging and white matter changes in Parkinson’s disease dementia. Annals of clinical and translational neurology, S. 1–4.
  • Parkinson aktuell: Psychische Beschwerden bei Morbus Parkinson. In: parkinson-aktuell.de.
  • Sascha Wenzel, u. a. (2006): Diagnostik und Therapie von Parkinson-Demenz in der klinischen Praxis. Der Nervenarzt, 77 /12, S. 1439–1443.
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