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Medikamente bei Morbus Parkinson

Durch eine frühzeitige medikamentöse Therapie lassen sich die Beschwerden gut kontrollieren und die Lebensqualität erhalten.
— Dr. Tobias Weigl


Von Medizinern geprüft und nach besten wissenschaftlichen Standards verfasst

Dieser Text wurde gemäß medizinischer Fachliteratur, aktuellen Leitlinien und Studien erstellt und von einem Mediziner vor Veröffentlichung geprüft.

Quellen ansehen

Beim Morbus Parkinson kommt es zum Absterben bestimmter Nervenzellen des Gehirns. Diese Nervenzellen produzieren das Dopamin, ein Botenstoff des Gehirns, der anregend u. a. auf Bewegungen wirkt und auch einen positiven Effekt auf unsere Psyche haben soll. Die Ursache ist unbekannt. Die Folgen sind die klassischen Beschwerden bestehend aus Muskelstarre, Zittern und Bewegungsarmut. Eine frühzeitige Therapie mit den richtigen Medikamenten ist für den Erfolg und einen Erhalt der Lebensqualität wichtig.

Dieser Artikel beschäftigt sich konkret mit der Therapie des Morbus Parkinson. Für Informationen Rund um die Krankheit, deren Symptome und die Diagnose lesen Sie bitte hier weiter.

 

 

Edgar, 70 Jahre alt, ist erschrocken. Sein Hausarzt hat mit dem Neurologen zusammen bei ihm die Diagnose Parkinson gestellt. Jetzt muss er Medikamente nehmen und soll zur Krankengymnastik und Ergotherapie. Aber was hat es mit diesen Medikamenten nur auf sich? Der Neurologe hat ihm zwar ein bisschen über die Erkrankung erklärt und was das Medikament bewirkt, aber richtig verstanden hat er es noch nicht. Er macht einen Termin bei seinem Hausarzt, der ihm nochmal in Ruhe die Wirkungsweise der Medikamente erläutert.

Dopamin: Wo entsteht es, was bewirkt es?

Dopamin ist ein Botenstoff des Gehirns, der dort in einigen Nervenzellen gebildet wird. Die Wirkung des Dopamins besteht in der Anregung von Aktivitäten und Bewegungen. Außerdem wird ihm als „Glückshormon“ ein positiver Effekt auf die Psyche nachgesagt.

Die Symptome: Woran erkennt man, dass man an Parkinson leidet?

Die Hauptsymptome für die Erkrankung an Parkinson sind grob:

  • Bewegungsarmut
  • gesteigerte Grundspannung der Muskulatur (sog. ‚Rigor‘)
  • Zittern, besonders in körperlicher Ruhe und mentaler Anstrengung
  • Standunsicherheit mit Störung der aufrechten Körperhaltung

Dazu kommen einige Begleitsymptome, die im Artikel zum Morbus Parkinson genauer nachgelesen werden können.
All diese Beschwerden treten durch den Mangel an Dopamin im Gehirn auf. Durch das Fehlen des anregenden Dopamins fällt es dem Körper immer schwerer, Bewegungen richtig und koordiniert auszuführen.

Die Behandlung: Die verschiedenen Medikamente und wann sie zum Einsatz kommen

Zur Behandlung des Morbus Parkinson stehen diverse Medikamente zur Verfügung:

  • Levodopa
  • Dopaminagonisten
  • MAO-B-Hemmer
  • COMT-Inhibitoren
  • Anticholinergika

Levodopa

Levodopa-Präparate beinhalten L-Dopa, die Vorstufe von Dopamin. Das bedeutet, das Medikament muss im Körper erst noch verstoffwechselt werden, um zum wirksamen Dopamin zu werden. Der Vorteil hieran ist, dass Dopamin selber gar nicht direkt ins Gehirn gelangen würde. L-Dopa hingegen kann die Barrieren (sog. ‚Blut-Hirn-Schranke‘) überwinden und dann im Gehirn seine Wirkung entfalten.
Levodopa wird oft in Kombination mit einem zweiten Wirkstoff gegeben, der verhindert, dass das L-Dopa schon vor seiner Ankunft ins Gehirn zu Dopamin umgebaut wird. L-Dopa wird also nach der Einnahme über die Blutgefäße ins Gehirn transportiert und erst dort zu Dopamin umgewandelt und kann seine Wirkung entfalten. So ist die wirkende Menge im Gehirn noch größer und der Effekt besser.
 

Fakten-Box Levodopa

  • Patienten >70. Lebensjahr: Mittel der Wahl als Einzeltherapie
  • Patienten <70. Lebensjahr: kombiniert mit Dopaminagonisten, wenn diese alleine nicht mehr wirken
  • Einnahme zwischen den Mahlzeiten mit 30 Minuten Abstand vor und nach der Einnahme
  • Wirkungsverlust möglich, dann ggf. Dosissteigerung notwendig

Wichtige Nebenwirkungen sind Wirkungsschwankungen (besonders nach Einnahme über mehr als 5 Jahre beobachtet), Übelkeit und Erbrechen, niedriger Blutdruck sowie Unruhe, Verwirrtheit und Halluzinationen.
 

Achtung!
Bei langfristiger Einnahme kann es zu einem Wirkungsverlust kommen, sodass die Dosis oder die Einnahmeintervalle angepasst werden müssen.

Dopaminagonisten

Die Dopaminagonisten (von gr. agnoistís ‚der Tätige, der Handelnde‘) gleichen in ihrer Wirkungsweise dem Dopamin. Sie wirken gemeinsam mit dem Dopamin anregend auf Bewegungen und Aktivitäten.
 

Fakten-Box Dopaminagonisten

  • Patienten <70. Lebensjahr: Mittel der Wahl als Einzeltherapie
  • Patienten >70. Lebensjahr: kombiniert mit Levodopa, wenn dieses alleine nicht mehr konstant gut wirkt
  • Einnahme zwischen den Mahlzeiten mit 30 Minuten Abstand vor und nach der Einnahme
  • Wirkungsverlust möglich, dann ggf. Dosissteigerung notwendig

Als wichtige Nebenwirkungen gelten Übelkeit, Erbrechen, Schwindel, niedriger Blutdruck sowie Unruhe.

MAO-B-Hemmer

Die Hemmer der Monoaminooxidase Typ B (sog. ‚MAO-B-Hemmer‘) verhindern den Abbau von Dopamin im Gehirn. Dadurch ist die Konzentration in den Nervenzellen erhöht, obwohl durch das Absterben der entsprechenden Nervenzellen nicht mehr ausreichend produziert werden kann. Durch diesen Effekt wird die benötigte Menge an Levodopa reduziert.
 

Fakten-Box MAO-B-Hemmer

  • Alternative zu Levodopa oder Dopaminagonisten bei Patienten mit geringen Beschwerden
  • Kombiniert mit Levodopa steigert es die Wirkung und kann einen Wirkungsverlust bei schon längerer Therapie mit Levodopa ausgleichen

Wichtige Nebenwirkungen umfassen Kopfschmerzen, Psychische Störungen (z. B. Halluzinationen), einen beschleunigten Herzschlag (sog. ‚Tachykardie‘) sowie Bluthochdruck (sog. ‚Hypertonie‘).

COMT-Inhibitoren

COMT-Inhibitoren (von lat. inhibere ‚unterbinden, anhalten‘ und COMT = Catechol-OMethyl-Transferase) hemmen ebenfalls den Abbau von Dopamin im Gehirn. Dieses Medikament wird erst bei fortgeschrittener Erkrankung in Kombination mit einem der anderen Medikamente (Levodopa) gegeben.
 

Fakten-Box COMT-Inhibitoren

  • Bei fortgeschrittener Erkankung
  • Nur kombiniert mit L-Dopa-Medikament

Als wichtige Nebenwirkungen gelten Magen-Darm-Beschwerden und Psychische Störungen (z. B. Halluzinationen).

Anticholinergika

Die Anticholinergika wirken auf einen der Botenstoffe im Gehirn, der den Gegenspieler des Dopamins darstellt – das Acetylcholin. Dadurch kann der Dopaminmangel weiter ausgeglichen werden. Zum Einsatz kommen sie besonders als Ergänzung bei ausgeprägtem und anders nicht gut beherrschbarem Zittern (sog. ‚Tremor‘).

Fakten-Box Anticholinergika

  • Ergänzend zur medikamentösen Therapie, bei sonst nicht gut behandelbarem Zittern (sog. ‚Tremor‘)
  • Wirken hemmend auf die Gegenspieler des Dopamins und erreichen somit Hemmung der bewegungsunterdrückenden Botenstoffe

 

Hat ein Arzt bei Ihnen Parkinson diagnostiziert? Welche Medikamente wurden bei Ihnen zu Beginn verschrieben? (Mehrfachnennungen möglich)
 

Häufige Patientenfragen

Reicht es bei der Erkrankung an Parkinson, nur Medikamente zu nehmen?

Dr. T. Weigl
Die Einnahme von Medikamenten ist für die Besserung der Beschwerden ein wichtiger Teil der Therapie. Dazu gehören aber auch ergänzende Therapieformen, wie Physiotherapie, Ergotherapie oder Musiktherapie. Eine ausführliche Information der Betroffenen und der Angehörigen über die Erkrankung, deren Verlauf und die Bewältigung des Alltags sind ebenfalls hilfreich.

Kann Parkinson geheilt werden?

Dr. T. Weigl
Nein, Parkinson ist nicht heilbar. Die Beschwerden können behandelt und eine Zeit lang kontrolliert werden.

Muss man Parkinson behandeln?

Die Therapie der Parkinsonkrankheit wird ab Diagnose empfohlen. Im Fokus steht eine Symptomkontrolle. Dabei sind für das Vorgehen die Ausprägung der Beschwerden und das Alter des Patienten entscheidend. Die Behandlung sollte durch Kombination von Medikamenten und nicht-medikamentösen Therapieformen erfolgen.
 

Nach dem ausführlichen Gespräch mit seinem Hausarzt über die Medikamente, die er in Zukunft nehmen wird, fühlt Edgar sich besser. Er weiß jetzt genau, wie er sie einnehmen muss und was für Möglichkeiten es bei einem Nachlassen der Wirkung noch gibt.

 
Haben auch Sie Erfahrungen mit der Behandlung von Parkinson? Haben Sie Fragen zum Thema? Nutzen Sie unsere Kommentarfunktion unten für den Austausch untereinander und mit uns!
 
Die hier beschriebenen Punkte (Krankheit, Beschwerden, Diagnostik, Therapie, Komplikationen etc.) erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Es wird genannt, was der Autor als wichtig und erwähnenswert erachtet. Ein Arztbesuch wird durch die hier genannten Informationen keinesfalls ersetzt.
 
Autoren: Dr. Tobias Weigl, Claudia Scheur
Lektorat: Tobias Möller
 

Quellen

  • Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (kurz: AWMF) online – Das Portal der wissenschaftlichen Medizin (2016): Leitlinien für Diagnostik und Therapie in der Neurologie – DGN S3-Leitlinie Idiopathisches Parkinson-Syndrom.
  • DocCheck Flexikon – Das Medizinlexikon zum Medmachen: Parkinson-Syndrom.
  • Gerd Herold et al. (2013): Innere Medizin. Eigenverlag.
  • rme/aerzteblatt.de (2017): Smartphones liefern Daten für Parkinson-Früherkennung.
  • [Gesamt:1    Durchschnitt: 5/5]

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