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Ortswechsel belasten Kinder

Keine Frage, Umzüge sind generell ein leidiges Thema, das viele Strapazen mit sich bringt. Auch für Kinder ist ein Wohnungswechsel nie einfach. Gerade wenn der Umzug einen Ortswechsel miteinschließt, setzt er Kindern zu – wie eine neue Studie jetzt zeigte sogar stärker als angenommen.

Zusammenhang zwischen Umzügen und Psychosen aufgedeckt

Die prospektive Kohortenstudie in „Jama Psychiatry“ demonstrierte kürzlich, dass ein häufiger Wechsel des Wohnortes mit einem erhöhten Psychoserisiko für Kinder verbunden ist. Speziell Teenager sind gefährdet. Als Ursache wird ein erschwertes Sozialleben vermutet, verknüpft mit einer zunehmenden Isolierung während einer essentiellen Zeit der Persönlichkeitsausprägung. Die Jugendlichen tun sich schwer Anschluss zu finden und leiden unter dem Mangel an Stetigkeit. Bereits in der Vergangenheit hatten Forschungen gezeigt, dass Flüchtlinge im Teenageralter mit größerer Wahrscheinlichkeit eine Psychose entwickeln als andere Jugendliche. Allerdings ist auch die „innerstaatliche Migration“ ein Problem für Kinder.

Wenn Eltern eine Wohnung mit günstigeren Bedingungen finden oder auf Grund ihres Berufs zu einem Umzug gezwungen sind, müssen die Kinder leider stets mitziehen. Meist müssen sie dadurch die Schule wechseln und verlieren ihr gewöhntes Umfeld, müssen sich neue Freunde suchen und an die neuen Menschen generell erst gewöhnen. Gerade im Teenageralter, wenn die Freunde ein wichtiger Teil des Lebens sind, der für die Persönlichkeitsbildung von großer Bedeutung ist, kann das zu einer Verschlechterung des Zustandes der Kinder führen. Häufige Ergebnisse sind das Nachlassen der schulischen Leistungen, emotionale Ausbrüche oder gänzlicher Rückzug, sowie allgemein negative Verhaltensveränderungen. Die meisten Betroffenen brauchen einfach etwas Zeit, um sich an die neue Situation zu gewöhnen und diese Phase zu bewältigen. Bei anderen kann es aber auch zur Entwicklung einer Psychose kommen.

Die Studienergebnisse im Detail

Ein Forschungsteam des University College London hat kürzlich den Einfluss von innerstaatlicher Migration auf das Psychoserisiko untersucht. Dafür wurden die schwedischen Einwohnermelderegister mit den Krankenhausdaten verglichen. Schweden wurde ausgewählt, weil die Bürger dort über Personalnummern verfügen, die in allen Registern verwendet werden. Insgesamt wurden etwa 1,4 Millionen Schweden miteinbezogen, deren 16. Geburtstag zwischen 1982 und 1995 stattfand. Über 4.500 von ihnen waren auf Grund einer nichtaffektiven Psychose später klinisch betreut worden. Die Krankheit trat durchschnittlich im Alter von 21 Jahren in Erscheinung, als der Stressfaktor Umzug für die meisten schon einige Jahre zurücklag.

Das höchste Risiko bestand demzufolge für Jugendliche zwischen 16 und 19 Jahren. Für diese Altersgruppe war schon ein einziger Ortswechsel mit einem 45 Prozent höheren Psychosrisiko verknüpft. Mussten Betroffene in dieser Zeit sogar vier Mal oder öfter umziehen, stieg das Risiko sogar um ganze 400 Prozent an. Zwar existierten stets auch andere Einflussfaktoren, ein signifikant höheres Risiko mit 28 Prozent bei einem Umzug und 99 Prozent bei vier oder mehr Umzügen blieb jedoch bestehen. Die zweitgrößte Risikogruppe war Kinder im Alter von fünf bis 15 Jahren. Bei ihnen stieg das Psychoserisiko nach Berücksichtigung der anderen Einflussfaktoren um 22 Prozent bei einem und 95 Prozent bei vier oder mehr Umzügen. Doch selbst an Kindern unter fünf Jahren geht ein Ortswechsel nicht spurlos vorbei, hier liegen die Zahlen zwischen 13 und 83 Prozent. Psychiater sollten auf Grund dieser hohen Zahlen immer mit als Erstes nach Umzügen der Eltern und daraus resultierenden Problemen fragen.

Quellen

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