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Hilfsmittel bei Arthrose

Jeder zweite 45-Jährige hat im Röntgenbild arthrotisch veränderte Gelenke. Ab 60 trifft dies auf beinahe jeden zu. Jeder vierte entwickelt dann auch Beschwerden im Zusammenhang mit Arthrose.
— Dr. Tobias Weigl

Von Medizinern geprüft und nach besten wissenschaftlichen Standards verfasst

Dieser Text wurde gemäß medizinischer Fachliteratur, aktuellen Leitlinien und Studien erstellt und von einem Mediziner vor Veröffentlichung geprüft.

Quellen ansehen
 

Was kann man aber gegen Schmerzen infolge einer Arthrose tun? Bei der Therapie der Arthrose kommen unter anderem auch viele unterschiedliche Hilfsmittel zum Einsatz, bspw. Stützbandagen oder Orthesen. Dabei verfolgen die einzelnen Hilfsmittel verschiedene Ansätze, bspw. die Entlastung der Gelenke oder Schmerzlinderung. Die gängigsten Mittel stellen wir Ihnen im Folgenden vor.

 

 

Nach ihrem letzten Arztbesuch konnte der Arzt bei Maria eine Verschlechterung ihrer Arthrose im Knie feststellen. Es sei an der Zeit, über ein paar Hilfsmittel nachzudenken, die ihr Schmerzlinderung verschaffen und ihre Gelenke entlasten könnten. Maria möchte dabei zunächst auf Gehhilfen verzichten und würde stattdessen entweder gerne eine schlichte sogenannte Orthese tragen oder abenteuerlustig die Elektrostimulation ausprobieren. Mal schauen, was davon auf welche Weise hilft.

 

Welche Hilfsmittel können bei der Behandlung von Rückenschmerzen zum Einsatz kommen?

Die „Volkskrankheit“ Arthrose ist schmerzhaft und nicht in Gänze heilbar. Durch verschiedene Hilfsmittel bei der Behandlung können aber Schmerzlinderung erzielt und vor allem die Gelenke entlastet werden, was in der Folge zu weniger Abrieb führt. Dabei sind einige Hilfsmittel zwar ratsam und kommen ohne merkliche Nebenwirkungen daher. Andere aber sollten erst dann zur Anwendung kommen, wenn die Beweglichkeit so stark eingeschränkt ist, dass kein sicherer Gang mehr gewährleistet ist und eine Physiotherapie keinen Erfolg mehr verspricht. In der folgenden Tabelle sind all diejenigen Hilfsmittel gelistet, denen wir uns im Verlauf des Artikels widmen werden:

BandagenBandagen helfen dabei, Arthrose-Patienten wieder auf die Beine zu helfen, indem sie eine stützende Funktion übernehmen.
OrthesenEine solche Schiene ermöglicht zielgerichtete Bewegungen und trägt zur Vermeidung von Fehlhaltungen und -belastungen bei.
TENSDie elektrische Stimulation hat eine schmerzlindernde Wirkung und senkt die Notwendigkeit für Schmerzmittel.
SFMSBei dieser Form der elektrischen Stimulation wird das Schmerzgedächtnis umgeschrieben und durch Vibration werden Muskelgruppen entspannt.
Der GehstockDer Gehstock senkt das Sturzrisiko und trägt zur Entlastung des Hüft- sowie Kniegelenks bei.
Der RollatorDurch einen Rollator kann die Beinkraft erhöht, die Knorpelernährung gewährleistet sowie Übergewicht vorgebeugt werden.
Spezielles SchuhwerkDurch spezielle Schuhzurichtungen können Fehlbelastungen ausgeglichen sowie Stöße auf Hüft- und Kniegelenk abgefangen werden.
 

Bandagen und Orthesen

Bandagen

Die Therapie der Arthrose hat grundsätzlich das Ziel, Betroffenen dabei zu helfen, wieder auf die Beine zu kommen. Aus diesem Grund kommen vor allem zu Beginn der Therapie bspw. Hüft- oder Kniebandagen zum Einsatz, welche das betroffene Gelenk stützen. Dies hat einen komprimierenden Effekt, wodurch die das Gelenk umgebende Muskulatur aktiviert wird. Außerdem wirkt eine solche Bandage als körperlicher und mentaler Halt, vor allem bezüglich längerer Gehstrecken. Beim Anlegen von Bandagen sollte darauf geachtet werden, dass diese weder zu stark noch zu leicht anliegen, sodass einerseits zwar genügend Stützkraft entsteht, andererseits aber der Blutfluss nicht behindert wird. Auch eine Schmerzreduktion ist durch Bandagen zu erwarten, da sich durch sie auch die Gelenkstellung verbessern lässt.

Orthesen

Eine Orthese kommt entgegen der Bandage vor allem dann zum Einsatz, wenn mehr Halt benötigt wird. Orthesen sind Schienen, die sich bspw. an benachbarten Extremitäten abstützen und so eine zielgerichtete Bewegung ermöglichen, sodass eine Fehlbelastung des Gelenks vermieden wird. Dies sorgt für eine mechanische Entlastung besonders von Arthrose betroffener Gelenkteile, während das Gelenk in Teilen einsatzbereit bleibt. Es ist wichtig, dass Orthesen individuell an den einzelnen Patienten angepasst werden, um eine ideale Wirkung zu erzielen und unangenehme Druckstellen sowie Fehlhaltungen zu vermeiden.
 

Elektrostimulationsgeräte

TENS

Die Transkutane Elektrische Nervenstimulation, kurz TENS, ist eine Form der Elektrotherapie , bei der selbstklebende Elektroden auf der Haut angebracht werden. Diese sind an ein tragbares Gerät gekoppelt und regen das Nervensystem an, sodass in der Folge Muskeln entspannt und Schmerzen gelindert werden können. Keine Angst, die Stromreize sind nicht schmerzhaft, Sie verspüren höchstens ein leichtes Kribbeln. TENS kommt im Allgemeinen bei akuten und chronischen Schmerzen, etwa Rückenschmerzen , zur Anwendung, eignet sich jedoch auch zur Behandlung von Gelenkschmerzen infolge von Arthrose. Die durch TENS herbeigeführten Reize sorgen für die Freisetzung der körpereigenen Schmerzhemmer, nämlich endogenes Morphin und Endorphin. Infolge der TENS-Behandlung nimmt die Schmerzwahrnehmung dann zusehends ab, was den Gebrauch von Schmerzmitteln, die bekanntlich oft mit Nebenwirkungen einhergehen, deutlich reduzieren kann.

SFMS

Eine besondere Form der Elektrotherapie ist die sogenannte Small Fiber Matrix Stimulation, kurz SFMS. Der Begriff leitet sich von der englischen Bezeichnung für die sehr dünnen Nervenfasern (engl. ‚small fibers‘) ab, die für den Körper potenziell schädliche Reize wahrnehmen und diese dem Gehirn über die Nervenzellen im Rückenmark melden. Man spricht in diesem Zusammenhang von einer Matrix, da die punktförmigen Elektroden auf entsprechenden Produkten in einem regelmäßigen, sich wiederholenden Muster in waagerechten Zeilen und senkrechten Spalten angeordnet sind. Bei dieser Form der Stimulation werden die für das Schmerzgedächtnis verantwortlichen Nervenzellen in einem langsamen und regelmäßigen Rhythmus aktiviert, sodass einer Überaktivität der Nervenzellen entgegengewirkt werden kann. Auf diese Weise können ein krankhaft verändertes Schmerzempfinden langfristig abgebaut und Schmerzen demnach gelindert werden. Neben der elektrischen Stimulation erfolgt eine Entspannung verkrampfter Muskulatur durch gleichzeitige Vibration, welche außerdem die Durchblutung von Gewebe fördert. Im Rahmen der Therapie von Arthrose eignet sich die SFMS also vorwiegend für die Schmerzreduktion.

Video: Medikamente bei der Arthrose-Behandlung

In diesem Video erklärt Dr. Tobias Weigl, welche Medikamente bei der Arthrose-Behandlung Anwendung finden, welche Nebenwirkungen diese haben können und ab welchem Stadium diese in welcher Form eingesetzt werden sollten.
 

 

Gehhilfen

Der Gehstock

Ein Gehstock trägt dazu bei, dass sich das Sturzrisiko Betroffener senkt und vor allem die Hüfte oder das Knie entlastet werden. Dabei gilt besonders die individuelle Höhe des Stocks als wichtig, welche in Absprache mit dem behandelnden Arzt oder Physiotherapeuten gewählt werden sollte. Dieser sollte dann auch eine Einweisung in die korrekte Nutzung des Gehstocks geben. Zudem kann das Laufen mit Gehstock die Mobilität von Arthrose-Patienten erhöhen und dazu beitragen, Ermüdungserscheinungen zu reduzieren und das Selbstvertrauen zu fördern. Werden durch die Anwendung eines Gehstocks die durch Arthrose betroffenen Gelenkspalte weniger belastet, kann auch das Fortschreiten der Erkrankung gebremst oder verlangsamt werden.

Der Rollator

Ist die Bewegungseinschränkung von Arthrose-Patienten weiter fortgeschritten, kann über die Anwendung eines Rollators nachgedacht werden. Da bei der Arthrose zunächst ein Abrieb des Knorpels zwischen den Gelenken erfolgt, ist dessen Erhalt und Versorgung besonders wichtig. Dies erfolgt durch die Bewegung der betroffenen Gelenke, infolge dessen Gelenkflüssigkeit produziert wird, die den Knorpel ernährt. Kommen bei Betroffenen „normale“ Bewegungen wie Fahrradfahren nicht mehr infrage, kann der Rollator unterstützend eingesetzt werden. Dieser ermöglicht eine Entlastung der Gelenke und erlaubt es Patienten, die Länge ihrer Gehstrecken selbst zu bestimmen und zwischendurch eine Pause auf dem Rollator-Sitz zu machen. Durch den Einsatz eines Rollators wird die Beinkraft erhöht, die Knorpelernährung gewährleistet und aktiv dem Arthrose-Risikofaktor Übergewicht entgegengewirkt.
 

Gut zu wissen!
Zwar versprechen die meisten der hier erwähnten Hilfsmittel eine positive Wirkung. Experten aber sind sich größtenteils einig, dass zu viele Hilfsmittel und eine zu langfristige Anwendung ebendieser auf Dauer mehr schaden als nützen. Kommen Patienten bspw. ohne Gehhilfe noch einigermaßen zurecht, empfiehlt sich eher eine Physiotherapie als der sofortige Einsatz eines Gehstocks oder Rollators. Denn an diese gewöhnen sich Patienten sehr schnell, sodass die eigenständige Fortbewegung sogar „verlernt“ werden kann. Zudem verstärkt der konstante Gebrauch von derlei Hilfsmitteln das Gefühl des Krankseins.

Spezielles Schuhwerk

Auch ein geeignetes Schuhwerk kann zur Linderung von Schmerzen infolge von Arthrose beitragen. Spezielle Schuhe, Einlagen, Sohlen oder Absätze kommen vor allem dann zum Einsatz, wenn Fuß-, Zehen-, Sprung-, Knie-, Hüft- oder Wirbelsäulengelenke von Arthrose betroffen sind. Dabei gilt es, zwischen unterschiedlichen Zurichtungen die für den Patienten günstigste zu wählen. Eine Abrollhilfe dient bspw. in Form einer Sohlenversteifung dazu, dass entsprechende Gelenke während des Abrollens der Sohle nur minimal abknicken und somit geschont werden, was auch durch spezielle Einlagen erzielt werden kann. Sogenannte Pufferabsätze hingegen federn den Stoß infolge des Auftretens ab, wodurch vor allem das Knie, die Hüfte sowie die Wirbelsäule geschont werden. Hinzu kommen sogenannte Außenrand- und Schuherhöhungen. Durch eine ebensolche Erhöhung des Außenrands kann die Belastung des Kniegelenks infolge von X- oder O-Beinen gesenkt werden und eine Schuherhöhung, die vor allem dann eingesetzt wird, wenn die Beine Betroffener unterschiedlich lang sind, beugt Wirbelsäulenschmerzen vor. Viele dieser Zurichtungen können in beinahe jeden Schuh integriert werden, neue Schuhe sind nicht immer Pflicht.

Video: Übungen bei Arthrose

In diesem Video erklären Dr. Tobias Weigl und Gymnastik- und Fitnesstrainerin Gabi Fastner, welche Übungen bei Hüftarthrose Schmerzen lindern können und wie diese durchzuführen sind.
 

 

Wenn Sie von Arthrose betroffen sind: Welche Hilfsmittel nutzen Sie?
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Häufige Patientenfragen

Welche der Hilfsmittel übernimmt denn die Krankenkasse?

Dr. T. Weigl
Das ist leider nicht allgemein zu beantworten. Grundsätzlich gilt etwa die Voraussetzung, dass von der Krankenkasse geförderte Hilfsmittel der Vermeidung von Krankheit, Behinderung und Pflegebedürftigkeit dienen sollen. Allerdings obliegt diese Einschätzung der jeweiligen Krankenkasse, sodass die eine Kasse bspw. für eine Orthese zahlt, während die andere Kasse dies nicht tut, aber ggf. Hilfsmittel wie Gehhilfen verleiht. Im Rahmen der aufzubringenden Kosten sollten Sie sich mit ihrem Arzt kurzschließen, ob kostengünstigere Alternativen möglich sind und mit ihm gemeinsam mögliche Vor- und Nachteile abwägen.

Meine Fingergelenke sind von Arthrose betroffen – gibt es auch dafür Hilfsmittel?

Dr. T. Weigl
Auch im Rahmen der Arthrose der Fingerendgelenke kommen bestimmte Hilfsmittel zum Einsatz. Dies reicht von vergrößerten Griffen bei Reißverschlüssen bis hin zu Griffverstärkungen für etwa Besteck. Es ist dabei wichtig, dass der Kraftaufwand der Fingergelenke reduziert wird. Dazu tragen auch Schienen bei, die an einzelnen Fingern getragen werden können.
 

„Ist schon ein bisschen komisch, diese ganzen Elektroden am Körper zu tragen.“, dachte sich Maria noch kurz nach ihrer Einweisung in die Anwendung des TENS-Gerätes. Aber der Erfolg gibt ihm Recht. Die Schmerzlinderung konnte relativ schnell erzielt werden, was auch eine verbesserte Beweglichkeit zur Folge hatte. Die Orthese für ihr Knie wird derzeit noch angepasst, aber dank dieser Vorkehrungen, die sie und ihr Arzt gemeinsam durchgesprochen haben, ist sie zuversichtlich, der Arthrose in ihrem Knie in nächster Zeit erstmal nicht mehr so viel Beachtung schenken zu müssen.

Verwandte Themen

 
Haben auch Sie Erfahrungen mit Hilfsmitteln, die bei Schmerzen in Folge von Arthrose zur Anwendung kommen können? Möchten Sie sich bei uns genauer über bestimmte Hilfsmittel erkundigen? Nutzen Sie unsere Kommentarfunktion unten, um von Ihren Erfahrungen zu berichten und sich mit anderen auszutauschen!
 
Autoren: Dr. Tobias Weigl, Tobias Möller
Lektorat: Sebastian Mittelberg

Quellen

  • Brigitta Waldner-Nilsson (2007): Handrehabilitation. Springer Medizin Verlag, Heidelberg.
  • Gabriela Schwarz (2014): Arthrose natürlich behandeln: Heilmittel, die für Linderung sorgen. Die Behandlung effektiv unterstützen. Schlütersche, Hannover.
  • Heidi Lindner et al. (2015): Rollator-Fit: Bewegungsideen für mehr Mobilität. Meyer & Meyer Verlag, Aachen.
  • Jean-Louis Dumas (2014): Der Gehstock – Teil 1.
  • Martin Marianowicz, Willibald Walter (2017): Arthrose selbst heilen: Das ganzheitliche Anti-Schmerz-Programm. Gräfe und Unzer, München.
  • Thomas Heim (2014): Arthrose: Beweglich bleiben. Stiftung Warentest.
[Gesamt:2    Durchschnitt: 5/5]

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