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Übergewicht – Ursachen und Risiken von Fettleibigkeit

Auf einen Blick: Was ist Übergewicht?

  • Abweichen von der Gewichtsnorm
  • Übergewicht ab einem BMI über 25
  • ab BMI über 30: Fettleibigkeit

Wer ist von Übergewicht betroffen?

  • 62 Prozent der Männer, 47 Prozent der Frauen
  • Häufigkeit nimmt mit dem Alter zu
  • immer mehr fettleibige Kinder

mögliche Folgen (Auszug)

  • Diabetes
  • Arthrose
  • Bluthochdruck

Behandlung (Auszug)

  • Ernährungs- und Bewegungsplan
  • Kontrolltermine zur Motivation
  • bei Erkrankung, die Übergewicht verursacht: ursachenorientierte Behandlung

Von Medizinern geprüft und nach besten wissenschaftlichen Standards verfasst

Dieser Text wurde gemäß medizinischer Fachliteratur, aktuellen Leitlinien und Studien erstellt und von einem Mediziner vor Veröffentlichung geprüft.

Quellen ansehen

Laut aktueller Erhebungen des Robert-Koch-Instituts aus dem Jahre 2017 sind etwas unter zwei Drittel der Männer (62 Prozent) und knapp die Hälfte der Frauen (47 Prozent) in Deutschland übergewichtig – die Häufigkeit ist im Rückblick noch immer unverändert hoch.

Übergewicht ist definiert als das Abweichen von der für eine bestimmte Körpergröße festgelegten Gewichtsnorm. Dabei dient der Body Mass Index (kg/m²) als Orientierungswert. Liegt der Zahlenwert unter 25,0, bewegt man sich im Normbereich – liegt er darüber, kann von Übergewicht, bei Werten von über 30 gar von Fettleibigkeit (sog. ‚Adipositas‘) gesprochen werden. Es handelt sich um eine ernstzunehmende körperliche Störung, die neben der oft schmerzhaften Überbelastung von Knochen und Gelenken mit einem deutlich erhöhten Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen (Arteriosklerose, Herzinfarkt, Schlaganfall), Diabetes und Krebs bis hin zu Altersdemenz einhergeht. Dabei können eine ungesunde Ernährung (Fast Food, Lebensmittel mit einem hohen Fett- und Kohlenhydratgehalt) und Bewegungsmangel, aber auch Fettstoffwechselstörungen oder eine Schilddrüsenunterfunktion ursächlich sein. Die Behandlung erfolgt entsprechend des ermittelten BMI und reicht von Ernährungs- und Bewegungsprogrammen bis hin zu chirurgischen Eingriffen (z. B. Magenband).

Wie entsteht Übergewicht?

Entgegen manch reißerischer Artikel, die suggerieren, an Übergewicht seien allein „die Gene“ oder ein „träger Stoffwechsel“ schuld, zeichnet die wissenschaftliche Datenlage ein ganz anderes Bild. Ob wir zu- oder abnehmen, hängt vor allem von unserer Energiebilanz ab. Was bedeutet das konkret?

Führen wir mehr Energie in Form von Nahrung zu als wir tatsächlich verbrauchen, nehmen wir langfristig an Gewicht/Fettmasse zu. Das funktioniert auch umgekehrt. Die Nahrungszusammensetzung spielt dabei ebenfalls eine Rolle, indem sie unser Hunger- und Sättigungsgefühl sowie den Hormonhaushalt beeinflusst. Grundsätzlich ist aber die Anzahl der Kalorien entscheidend – ganz gleich ob sie nun in Form von Eiweiß, Kohlenhydraten oder Fetten zugeführt wird.

Im Laufe der Evolution bot die Fähigkeit, Fettmasse für Hungerperioden anzulegen, einen enormen Überlebensvorteil, weshalb der menschliche Organismus auch in Zeiten großer Nahrungsverfügbarkeit Fett speichert, um für eine Nahrungsknappheit gewappnet zu sein. Dabei signalisieren die Fettzellen ihren Füllungszustand über das Hormon Leptin ans Gehirn. Über diesen Mechanismus werden bei erhöhter Fettmasse normalerweise das Hungergefühl und die Nahrungsaufnahme gedrosselt. Bei schwer übergewichtigen Personen kann dieser Regelmechanismus durch einen dauerhaft erhöhten Leptinspiegel gestört sein – die Leptinrezeptoren im Gehirn reagieren nicht mehr richtig auf das Hormon und signalisieren dem Organismus „Hunger“ – obwohl gar kein Energiebedarf besteht!

Es gibt auch andere Gründe für Übergewicht

Bevor wir an dieser Stelle knapp auf andere Gründe für eine Gewichtszunahme eingehen, sollte betont werden: In den meisten Fällen hat das Übergewicht den einfachen Grund, dass mehr Kalorien zugeführt als verbraucht werden. Allerdings existieren einige Risikofaktoren und körperliche Veränderungen, die eine Gewichtszunahme begünstigen.

Dazu zählen zum Beispiel:

  • Hormonelle Störungen: Diese können sich durch mehrere Veränderungen ergeben. Mögliche Umstände, die zur Gewichtszunahme führen, sind bspw. eine Schilddrüsenunterfunktion oder die Hashimoto-Thyreoditis, Testosteronmangel (bei Männern), das Cushing-Syndrom oder das nur Frauen betreffende polyzystische Ovarial-Syndrom.
  • Medikamente: An dieser Stelle seien vor allem zur Behandlung von psychischen Erkrankungen zugelassene Medikamente wie Antidepressiva zu nennen, die über verschiedene Mechanismen eine Gewichtszunahme begünstigen können. Weitere mögliche Medikamente sind Insulin, Steroide, Gestagene oder Thyreostatika. Letztere verwendet man zur Behandlung der Schilddrüsenüberfunktion.
  • körperliche und/oder psychische Erkrankungen: Auch die Erkrankung selbst kann neben den Medikamenten dafür sorgen, dass man zunimmt. So gehen bspw. Depressionen möglicherweise mit einer Gewichtszunahme einher, während auch die bei Arthrose eingeschränkte Beweglichkeit für mehr Gewicht sorgen kann.
  • Genetik: Es gibt einige vererbte Veranlagungen, die möglicherweise mit einem Mehr an Gewicht zusammenhängen. So existieren bspw. Gene, die unser Hunger- oder Sättigungsgefühl beeinflussen. Andere genetische Informationen beeinflussen ggf. die Art und Weise, wie unser Körper Nahrung verarbeitet.

Sie können sich in unserem Artikel „Abnorme Gewichtszunahme trotz richtiger Ernährung und Sport – Warum nehme ich so stark zu?“ ausgiebig über Möglichkeiten informieren, die trotz eines gesunden Lebens zu einem erhöhten Körpergewicht führen.

Die möglichen Folgen von Übergewicht

Während wir hier Risikofaktoren für die Entstehung von Übergewicht festgehalten haben, darf aber nicht vergessen werden: Übergewicht ist auch ein nicht unerheblicher Risikofaktor für die Entstehung anderer Erkrankungen. Was kann sich also durch Übergewicht bzw. Adipositas ergeben? Zu den möglichen Folgen zählen etwa:

Sind Sie übergewichtig? Haben Sie also einen BMI größer als 25? (BMI = Körpergewicht : (Körpergröße in m)²)

Was sind Grund- und Leistungsumsatz?

Wir nehmen Gewicht zu, wenn wir mehr Kalorien zu uns nehmen, als wir verbrauchen. Um Übergewicht zu vermeiden oder Gewicht zu verlieren, müssen wir also wissen, wie viele Kalorien wir verbrauchen und entsprechend weniger essen. Beim Kalorienverbrauch spricht man von Grundumsatz und Leistungsumsatz. Doch was ist das?

Grundumsatz – Der Körper verbraucht immer etwas Kalorien

Der Grundumsatz ist definiert als Energiebedarf des Körpers für die reine Aufrechterhaltung der Körperfunktionen, also den Organ- und Hormonhaushalt. Diese Energie verbrauchen wir beispielsweise auch als bettlägeriger Krankenhauspatient, also selbst wenn wir uns gar nicht bewegen. Die Energiemenge ist abhängig von Geschlecht, Körpergröße, Alter und der Zusammensetzung des Körpers. Muskeln brauchen zu ihrer Versorgung im Ruhezustand mehr Energie als Fett. Der Grundumsatz kann dementsprechend zwischen ca. 1.400 kcal bei einer kleinen, untrainierten weiblichen Person und über 3.000 kcal bei Athleten liegen.

Diese Energiemenge wird ebenso beeinflusst durch Wachstums- und Schilddrüsenhormone. Wachstumshormone werden beim Erwachsenen vor allem im Schlaf ausgeschüttet, sorgen für die Geweberegeneration und regulieren das Hungergefühl. Bei Schlafmangel kann es daher zu Fehlregulationen mit vermehrtem Appetit kommen.

Eine Schilddrüsenunterfunktion schlägt sich beispielsweise in allgemeiner „Verlangsamung“ des Stoffwechsels und damit einem reduzierten Grundumsatz nieder. Auch epigenetische Muster und die „Erfahrungen“ des Organismus wirken sich aus. Somit haben Menschen mit zahlreichen Hungerperioden in der eigenen und/oder Familiengeschichte tendenziell einen niedrigeren Grundumsatz bzw. eine effizientere Energieverwertung als Patienten, deren Vorgeschichte solche Phänomene nicht aufweist.

Leistungsumsatz – Der Energieverbrauch in Bewegung

Als Leistungsumsatz wird die Energiemenge bezeichnet, die wir durch Bewegung im Alltag sowie in zusätzlicher Form als Sport verbrauchen. Auch hier gibt es je nach Sportart und Trainingsintensität und -dauer erhebliche Unterschiede in Hinblick auf die Energiemenge. Auch unwillkürliche Alltagsbewegungen (z. B. sitzend mit dem Fuß wippen) und Gewohnheiten (Treppe anstelle des Aufzugs, kürzere Wege zu Fuß oder mit dem Rad zurücklegen) bestimmen in Summe und auf längere Zeiträume gerechnet, wie viel Energie wir täglich zusätzlich verbrauchen.

Grund- und Leistungsumsatz berechnen

Als Erhaltungskalorien wird die Kalorienmenge bezeichnet, die Grund- und Leistungsumsatz berücksichtigt und uns weder zu- noch abnehmen lässt. Rechnerisch wird sie wie folgt beschrieben:

30 bis 33 x Gewicht in kg

Dabei sollten Personen mit einem sitzend-stehenden Alltag und geringer sportlicher Aktivität ihr Gewicht eher mit dem Faktor 30 oder 31 multiplizieren, während körperlich schwer arbeitende oder im Leistungssport aktive Menschen mit 33 multiplizieren.

Die genannte Formel ist eine erste Annäherung. Wer es genauer wissen möchte, kann sich folgender Formeln bedienen.

  • Männer:
    Grundumsatz [kcal/24 h] = 66,47 + (13,7 * Körpergewicht [kg]) + (5 * Körpergröße [cm]) – (6,8 * Alter [Jahre])
  • Frauen:
    Grundumsatz [kcal/24 h] = 655,1 + (9,6 * Körpergewicht [kg]) + (1,8 * Körpergröße [cm]) – (4,7 * Alter [Jahre])

Um den tatsächlichen Leistungsumsatz zu ermitteln, wird der errechnete Wert um den Faktor 1,2–2,5 multipliziert, je nachdem, wie Ihr Alltag aussieht.

  • 1,2: sitzend, liegend; bettlägrige, kranke, alte Menschen
  • 1,3–1,5: sitzend, stehend; Büroangestellte, Schüler, Studenten
  • 1,6–1,7: sitzend, stehend, gehend; Schüler, Studenten, Verkäufer
  • 1,8–1,9: stehend, gehend; Kellner, Handwerker
  • 2,0–2,4: hohe körperliche Belastung; Leistungssportler

Wer ist von Übergewicht betroffen?

Einem Bereicht des Robert-Koch-Instituts zufolge sind deutschlandweit 62 Prozent der Männer und 47 Prozent der Frauen übergewichtig. Diese Zahlen schließen die Fettleibigkeit, also die Adipositas bei einem BMI von über 30, mit ein. Betrachtet man diese Fettleibigkeit isoliert, so sind ganze 18 Prozent der erwachsenen Menschen in Deutschland adipös.

Außerdem konnte man beobachten, dass die Häufigkeit mit dem Alter zunimmt, sowohl bei Frauen als auch bei Männern – und zwar beinahe unabhängig von der Bildungsgruppe. Nur bei Menschen, die zur oberen Bildungsgruppe gezählt wurden, ist die Häufigkeit etwas reduziert.

Im vergleich zu vorigen Untersuchungen konnte man sogar feststellen, dass die Häufigkeit von Adipositas zugenommen hat, besonders bei jüngeren Menschen.

Was tut der Arzt? Teil 1: Die Diagnose von Übergewicht

Zuerst wird der Arzt Ihren BMI bestimmen und je nach Bedarf eine Körperzusammensetzungsanalyse durchführen, die Ihren Anteil an Fett- und Magermasse (Muskelgewebe) widergibt. Diese Analyse ist ein präziseres Kontrollinstrument als eine reine Gewichtsbeobachtung. Bereits hier ist eine annähernde Unterscheidung zwischen Unterhautfettgewebe und Bauchfett möglich. Diese Trennung ist wichtig, weil ein erhöhtes Risiko für Erkrankungen im Herz-Kreislauf-System oder Diabetes vor allem mit einem hohen Anteil an viszeralem Fett zusammenhängt. Unterhaut-Fettpolster an Oberschenkeln und Hüfte (wie sie vor allem bei Frauen natürlich sind) wirken sich hingegen in deutlich geringerem Maße auf Herz- und Gefäß-Funktionen aus.

Ein exaktes Werkzeug dafür ist die Darstellung mittels MRT (Magnetresonanztomografie). Diese Methode wird eher bei stark fettleibigen Patienten eingesetzt, um den Anteil sowie die Veränderungen des Bauchfetts überwachen und entsprechende Fortschritte als Form der Risikoreduktion nachvollziehen zu können.

Neben der rein körperlichen Untersuchung wird der Arzt nach Ihren Ernährungs- und Bewegungsgewohnheiten sowie auffälligem Essverhalten fragen. Bei letzterem geht es um psychologischen Hunger in Form von „Frust- und Trostessen“ oder unkontrollierten Essattacken (sog. ‚binge eating‘). Auch der Anlass und die Häufigkeit solcher Vorfälle sind relevant.

Fakten-Box: Übergewicht

  • definiert als BMI über 25
  • deutschlandweit 62 Prozent der Männer und 47 Prozent der Frauen betroffen
  • Häufigkeit steigt mit dem Alter
  • zunehmend auch immer jüngere Menschen von Adipositas (BMI über 30) betroffen

mögliche Folgen

Was tut der Arzt? Teil 2: Die Behandlung von Übergewicht

Von Übergewicht sind fast zwei Drittel der Männer und etwa die Hälfte der Frauen in Deutschland betroffen. Es gibt aber unterschiedliche Möglichkeiten, dagegen anzugehen!
— Dr. Dr. Tobias Weigl

Vorab: Wenn das Übergewicht seinen Ursprung in einer anderen Erkrankung hat, wird natürlich versucht, diese ursächlich zu therapieren, sodass man das Problem sozusagen an der Wurzel packt.

Bei „normalem“ Übergewicht aber, wenn die Kalorienzufuhr an den zusätzlichen Pfunden schuld ist, erfolgt in der Regel die gemeinsame Erarbeitung eines Ernährungs- und Bewegungsplans mit dem Arzt. Dieser Plan sollte sich jeweils nach Ihren Bedürfnissen und Vorlieben richten und Sie auch ein wenig fordern. Regelmäßige Kontrolltermine unterstützen Sie langfristig bei Ihrem Vorhaben und sollten als eine Art Rückmeldesystem etabliert werden, um über einen längeren Zeitraum motiviert zu bleiben und die Ernährung sowie den Bewegungsumfang an die aktuelle Situation anpassen und nachjustieren zu können.

Ein wichtiger Aspekt ist in diesem Zusammenhang natürlich auch Sport. Um wieder Freude an der Bewegung zu finden, ist es sinnvoll, sich einen Sport herauszusuchen, der Spaß macht. Sie sollten jedoch auch darauf achten, dass einige Sportarten problematisch in Bezug auf beispielsweise die Gelenke sind – ein Effekt, der gerade durch Übergewicht verstärkt werden kann.

Welche Vor- und Nachteile populäre Sportarten wie Fußball, Joggen oder Zumba haben, erklärt Dr. Dr. Tobias Weigl im folgenden Video.

Wichtig für jeden Sporttreibenenden ❗ 10 beliebteste Sportarten: Gefahr für Rückenschmerz & Arthrose

Aktuelles aus der Forschung – Arbeitende Eltern haben dicke Kinder

Dass eine schlechte Ernährung und wenig Sport auch und vor allem bei Kindern zu Übergewicht oder gar Adipositas führen können, wissen wir bereits. Aber wodurch werden diese Faktoren beeinflusst? Wissenschaftler um Jianghong Li (Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung) haben eine mögliche Erklärung: Das Risiko, schon im Vorschulalter übergewichtig oder adipös zu sein, erhöht sich bei Kindern, deren Eltern lange Arbeitszeiten haben. Diese Ergebnisse wurden jüngst im Journal of Epidemiology & Community Health veröffentlicht.

In der Studie werteten die Forscher um Li die Daten von 2.400 Kindern in einem Alter zwischen 0 und 6 Jahren aus. Dabei kam heraus: Wenn Mütter mehr als 35 Stunden pro Woche arbeiten, ist bei den Kindern das Risiko für Übergewicht oder Fettleibigkeit erhöht. Dies stellten die Forscher fest, indem sie Familien mit arbeitenden Müttern und Familien mit nicht erwerbstätigen Müttern verglichen. Aber auch der Vater hat einen Einfluss auf das Risiko. Dieses war nämlich auch dann erhöht, wenn die Väter mehr als 55 Stunden pro Woche arbeiteten. In diesem Fall erhöhte sich das Risiko sogar dann, wenn die Mütter weniger arbeiteten.

Einfluss des Einkommens

Die Forscher konnten diesen negativen Zusammenhang aber lediglich in Familien beobachten, die über ein mittleres oder hohes Einkommen verfügten. Sie mutmaßen, dass ein niedrigeres Einkommen vielleicht auch bedeutet, dass die Eltern nicht so viel über den Zusammenhang zwischen Ernährung, körperlicher Aktivität und Übergewicht bei Kindern wissen. Dies würde bedeuten, dass die Arbeitszeiten die Ernährung oder die Aktivität nicht sonderlich beeinflussten.

Die Forscher konnten aber auch beobachten, dass das Risiko für Übergewicht und Fettleibigkeit bei den Kindern verringert war, wenn sie eine Kindertagesstätte besuchten – und zwar unabhängig von den Einkommensverhältnissen. So schlussfolgern die Forscher, dass vom Staat getätigte Investitionen zur Kita-Verbesserung (in puncto Ernährung und Aktivität) Eltern bei der Erwerbstätigkeit unterstützen können.

Li und seine Kollegen mutmaßen letztlich, dass die Qualität der Ernährung sowie auch das Niveau der körperlichen Aktivität von Kindern abnimmt, je länger ihre Mütter arbeiten. Auch ein durch die langen Arbeitszeiten bedingter unregelmäßiger und unterbrochener Schlaf könne Einfluss haben. Allerdings müssten diese Aspekte noch weiter untersucht werden.

Quelle: Jianghong Li u. a. (2019): Long work hours of mothers and fathers are linked to increased risk for overweight and obesity among preschool children: longitudinal evidence from Germany. In: Journal of Epidemiology & Community Health 73/8, S. 723–729.

Häufige Patientenfragen

Spielt es neben der Kalorienmenge eine Rolle, welche Art Nahrungsmittel ich zu mir nehme?

Dr. Dr. T. Weigl
Grundsätzlich ist die Kalorienbilanz entscheidend. Die Wahl der Lebensmittel kann Ihnen den Weg zum Normalgewicht jedoch erheblich leichter oder eben auch schwerer machen.Für die Grundbausteine unserer Nahrung gilt: 1 g Eiweiß oder Kohlenhydrate hat 4 kcal, 1 g Fett schlägt mit 9 kcal zu Buche und 1 g Ethanol (Alkohol) mit ca. 7 kcal. Entsprechend können wir mit einer Mahlzeit, die vorwiegend aus Fett und Kohlenhydraten (wie es bei vielen verarbeiteten Lebensmitteln der Fall ist) besteht, schon mit einer geringen Menge so viele Kalorien zu uns nehmen wie mit einer vollwertigen Mahlzeit. In beiden Fällen hätten wir dem Körper also gleich viel Energie zugeführt.
Allerdings würde ein gefüllter Magen nach der vollwertigen Mahlzeit dem Gehirn viel länger ein Gefühl der Sättigung melden. Nach der kalorienreichen, aber volumenmäßig kleinen Mahlzeit bekommen wir dagegen schneller wieder Hunger und wollen somit eher mehr Nahrung zu uns nehmen. Lebensmittel mit einem hohen glykämischen Index wie Süßigkeiten, Weißmehlprodukte, aber auch Bananen und Trockenobst lassen den Hunger schnell wiederkehren. Das beruht in erster Linie darauf, dass sie zu einem starken Anstieg des Blutzuckerspiegels führen, dem der Körper mit schneller Aufnahme des Zuckers in Fett- und Muskelgewebe entgegenwirkt. Deshalb fällt der Blutzuckerspiegel ebenso rasant wieder und ein neues Hungergefühl wird ausgelöst.
Man darf jedoch nicht vergessen, dass Teile unseres Organismus essenziell auf Zucker (sog. ‚Glukose‘) angewiesen sind. Das gilt vor allem für rote Blutkörperchen und das Gehirn. Führen wir dem Körper also gar keine Kohlenhydrate zu, kann sich das in Abgeschlagenheit, Blässe sowie verminderter körperlicher und geistiger Leistungsfähigkeit äußern und den Hormonhaushalt aus dem Gleichgewicht bringen.
Die Wahl der Lebensmittel ist neben der Energiebilanz somit ganz entscheidend für das Sättigungsempfinden, den Hormonhaushalt und letztlich auch den Abnehmerfolg.

Muss ich also generell auf Süßes verzichten?

Dr. Dr. T. Weigl:
Nein. Letztlich führt die Summe unserer Entscheidungen dazu, ob wir auf lange Sicht zu- oder abnehmen. Sie werden ebenso wenig durch eine Festtagsmahlzeit übergewichtig, wie Sie durch einen Tag ausgewogener Ernährung Normalgewicht erreichen. Allerdings sollten Sie sich vor Augen führen, dass ein tägliches Kaloriendefizit von 200 kcal über mehrere Tage durch ein oder zwei fett- und kohlenhydratreiche Mahlzeiten am Wochenende oder entsprechend ausgeprägten Alkoholkonsum schnell wieder zunichtegemacht wird. Die Devise lauter hier: Maßhalten. Sie können zu festlichen Anlässen gern nach Lust und Laune essen, wenn Sie das Mehr an Kalorien im Nachhinein wieder ausgleichen. Oftmals reicht es schon, die folgenden Tage etwas mehr Gemüse und dafür weniger Sättigungsbeilagen zu sich zu nehmen und ein paar Spaziergänge oder eine zusätzliche Sporteinheit einzulegen. Und seien Sie versichert: Abnehmen darf Spaß machen!

Wieso kommt es bei Übergewicht eher zu Arthrose?

Dr. Dr. T. Weigl:
Der Zusammenhang ist eigentlich recht simpel. Bei der Arthrose, die eine Verschleißerkrankung ist, wird nach und nach der Knorpel zerstört, der zwischen zwei Gelenkteilen liegt. Man kann sich das in etwa wie einen Reifen vorstellen, der mit der Zeit immer mehr abgefahren wird. Daher gilt die Erkrankung vor allem als Alterserscheinung. Wenn wir aber mehr wiegen, lastet mehr Gewicht auf unseren Gelenken, sodass diese Abnutzungsprozesse schneller fortschreiten. Daher ist Übergewicht ein wichtiger Risikofaktor für Arthrose, vor allem im Bereich des Knies oder der Hüfte.

Wieso entwickelt man bei Übergewicht Diabetes?

Dr. Dr. T. Weigl:
Bei Übergewicht herrscht im Körper in der Regel ein Überangebot an Zucker. Dadurch erhöht sich auch der Insulin-Spiegel dauerhaft, da dieser Stoff den Zucker abbauen soll. Es kann nun dazu kommen, dass der Körper gar nicht mehr dazu in der Lage ist, den ganzen Zucker abzubauen, sodass es zu einem relativen Insulinmangel kommt. Daraufhin will der Körper immer mehr Insulin produzieren, überlastet aber damit die entsprechenden Zellen in der Bauchspeicheldrüse und schadet so auch dem Organ – das Ergebnis ist dann ein Typ-2-Diabetes. Das Risiko für die Entwicklung der Zuckerkrankheit ist durch Übergewicht bisweilen um das 30-fache erhöht.

Welchen Rat haben Sie für jemanden, der sich bisher nicht mit ausgewogener oder gesunder Ernährung beschäftigt hat?

Dr. Dr. T. Weigl
Allgemein können Sie damit beginnen, mehr Gemüse in ihre Ernährung zu integrieren. Dies sollte möglichst ohne fetthaltige Dressings oder Soßen angerichtet sein – Gewürze, Zwiebeln, Nüsse, Zitrone und ein hochwertiges Speiseöl können in Maßen für den Geschmack sorgen und Ihren Gerichten das gewisse Etwas verleihen.
Daneben empfiehlt sich ein Proteinanteil von ca. 1 g pro kg Körpergewicht – bei Hochleistungssportlern oder Menschen, die Muskeln aufbauen wollen, auch mehr. Gut geeignet sind mageres Fleisch, Geflügel, Fisch, magere Milchprodukte, Eier, Tofu und Hülsenfrüchte. Eine proteinreiche Ernährung hat mehrere Vorteile. Erstens werden circa 30 Prozent der z. B. in Fleisch enthaltenen Energie vom Körper für die Verdauung des Lebensmittels verbraucht. Zweitens dauert die Verdauung selbst vergleichsweise lange. Deshalb sorgt sie für ein entsprechend langwährendes Sättigungsgefühl, das Ihnen dabei hilft, ein bisschen weniger Energie aufzunehmen, als Sie verbrauchen.
Den eher kleineren Anteil dürfen die Kohlenhydrate ausmachen, wobei auf möglichst unverarbeitete und komplexe Kohlenhydrate zurückzugreifen ist. Diese finden sich in Getreide (Haferflocken), Vollkornprodukten, Kartoffeln, ungeschältem Reis und zuckerarmen Obstsorten. Nach längeren Fastenzeiten (also morgens nach dem Schlafen) können die Kohlenhydrate getrost den Hauptanteil der Mahlzeit ausmachen und liefern Ihnen damit die nötige Energie für das Tagesgeschäft.
Ein weiterer Abnehmhelfer sind sogenannte Ballaststoffe. Sie sind besonders in Gemüse, Obst, aber auch in Hafer- oder Weizenkleie enthalten, verlängern die Darmpassagezeit und damit das Gefühl der Sättigung und wirken sich positiv auf die Darmflora aus. Diese bestimmt unser Essverhalten maßgeblich mit.
Daneben sollten Sie auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr, am besten in Form von Wasser und ungesüßtem Tee, achten.

Typisches Patientenbeispiel

Sabrina fühlt sich unwohl. Schon als Kind gehörte sie eher zu den „fülligen“ Mädchen, musste sich oftmals dumme Sprüche ihrer Mitschüler anhören und gewöhnte sich über die Jahre an, unangenehme Gefühle und innere Leere mit Essen zu kompensieren. Mittlerweile passen ihr nur noch Kleidungsstücke der Größe XXL, jede Form von Bewegung fällt ihr nach kurzer Zeit schwer, aus ihrem Umfeld hat sie sich weitgehend zurückgezogen und zeigt auch sonst kaum Lust an sozialen Aktivitäten oder Ausflügen mit Freunden. Sie weiß selbst, dass sie etwas an ihren Lebensgewohnheiten und ihrem Essverhalten ändern muss – aber wie? In ihrer Familie sind alle übergewichtig! Wirklich Ahnung, wo sie anfangen soll, hat sie auch nicht, denn an Diäten hat sie ziemlich alles hinter sich – ohne langfristigen Erfolg. Sabrina beschließt schließlich, ihren Arzt ins Vertrauen zu ziehen und ihn um Hilfe zu bitten.

Drei Monate später: Sabrina hat nach dem intensiven Gespräch mit ihrer Hausärztin einen Ernährungsleitfaden sowie unzählige Tipps zu einem aktiveren Alltag mitbekommen und schon vieles umgesetzt. Früher bestand ein Großteil ihrer Mahlzeiten aus Fastfood und Süßigkeiten, jetzt probiert sie verschiedene Gemüsesorten, die neben langkettigen Kohlenhydraten sowie hochwertigen Proteinquellen den Hauptanteil ihrer Mahlzeiten ausmachen. Zusätzlich hat sie sich angewöhnt, kürzere Strecken zu Fuß zu gehen und an sonnigen Tagen mit dem Rad zur Schule zu fahren. Auch das Schwimmen – ein Sport, den sie als Kind sehr mochte – hat sie für sich wiederentdecken können und trifft sich nun regelmäßig mit einer Freundin, um gemeinsam Bahnen zu ziehen. Ohne zu hungern hat sie mit diesen kleinen Veränderungen schon 5 Kilogramm abgenommen. Sie fühlt sich großartig und ist sich sicher, dass sie die 10 Kilogramm, die sie von einem BMI im Normbereich trennen, genauso unmerklich und fast von allein verlieren wird.

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Litten oder leiden Sie an Übergewicht? Welche Faktoren haben Ihrer Meinung nach maßgeblich zu der Gewichtszunahme beigetragen? Mit welchen Ernährungs- und Bewegungsgewohnheiten hatten Sie Erfolge bei der Gewichtsreduktion? Und welche Form von Unterstützung würden Sie Sich von Ihrem Arzt wünschen?! Nutzen Sie die Kommentarfunktion unten!

Die hier beschriebenen Punkte (Krankheit, Beschwerden, Diagnostik, Therapie, Komplikationen etc.) erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Es wird genannt, was der Autor als wichtig und erwähnenswert erachtet. Ein Arztbesuch wird durch die hier genannten Informationen keinesfalls ersetzt.  
Autor: Dr. Dr. Tobias Weigl, Anna-Alice Ortner, Tobias Möller
Lektorat: Andrea Lorenz
Veröffentlicht am: 08.05.2018, zuletzt aktualisiert: 20.09.2019

Quellen

  • Hans Konrad Biesalski u. a. (Hg.) (2017): Ernährungsmedizin – Nach dem Curriculum Ernährungsmedizin der Bundesärztekammer. Georg Thieme Verlag, Stuttgart.
  • Deutsche Gesellschaft für Ernährung e. V. (Hg.) (2007): Ursachen für Übergewicht und Fettsucht sind hinreichend bekannt. DGE beklagt Verunsicherung durch plakatives Infotainment. In: dge.de.
  • Deutsches Ärzteblatt (2019): Lange Arbeitszeiten von Eltern erhöhen das Risiko für Übergewicht ihrer Kinder. In: aerzteblatt.de.
  • I. Gellhaus u. a. (2018): Ambulante Reha und Nachsorge für Kinder und Jugendliche mit Adipositas. Chancen und Hürden für Leistungserbringer und Rehabilitanden. In: Adipositas – Ursachen, Folgeerkrankungen, Therapie 12/03, S. 120–126.
  • Christian Herder; Redaktion von diabetesinformationsdienst.de (2018): Adipositas (Fettleibigkeit). In: diabetesinformationsdienst.de.
  • Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (Hrsg.) (2019): Starkes Übergewicht (Adipositas). In: gesundheitsinformation.de.
  • W. Keuthage, T. Schoppe (2018): Strukturierte Gewichtsreduktionsprogramme bei Adipositas: Welches Angebot für welchen Patienten!? Erfahrungen aus einer Schwerpunktpraxis für Diabetologie und Adipositas. In: Adipositas – Ursachen, Folgeerkrankungen, Therapie 12/03, S. 127–133.
  • Jianghong Li u. a. (2019): Long work hours of mothers and fathers are linked to increased risk for overweight and obesity among preschool children: longitudinal evidence from Germany. In: Journal of Epidemiology & Community Health 73/8, S. 723–729.
  • Gert Mensink u. a. (2014): Übergewicht und Adipositas in Deutschland. Ergebnisse der Studie zur Gesundheit Erwachsener in Deutschland (DEGS1). In: Bundesgesundheitsblatt – Gesundheitsforschung – Gesundheitsschutz Mai/Juni 2018.
  • Hans-Christian Pape, Armin Kurtz, Stefan Silbernagl (2014): Physiologie. Georg Thieme Verlag, Stuttgart.
  • P. von Philipsborn u. a. (2018): Prävention von Adipositas und Diabetes mellitus als gesundheitspolitische Herausforderung. In: Adipositas – Ursachen, Folgeerkrankungen, Therapie 12/03, S. 113–119
  • Robert Koch-Institut (2017): Übergewicht und Adipositas bei Erwachsenen in Deutschland. In: Journal of Health Monitoring 2/2.
[Gesamt:5    Durchschnitt: 4.4/5]
1 Kommentar
  • Ester Diemer
    30.01.2019 13:25

    Erst einmal vielen Dank, dass Sie hier über die vielen Gründe adipös zu sein berichten – hier gibt es ein großes Stigma. Vor allem die Unterscheidung zwischen viszeralem und subkutanem Fett kann meiner Ansicht nach mit viel Unwissen aufräumen was die Symptome von Adipositas betrifft. Besonders wichtig finde ich, dass Sie hier die Zusammenhänge zwischen Diabetes und Adipositas herausgestellt haben: die meisten Menschen verwechseln hier Korrelation mit Kausalität.

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