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Das blaue Auge – das Veilchen – das orbitale Hämatom – Ursachen und Behandlung

„In den meisten Fällen ist ein blaues Auge harmlos und kann durch Kühlen behandelt werden. Allerdings können sich hinter einem blauen Auge beizeiten auch weitaus schwerwiegendere Verletzungen verbergen.“
— Dr. Tobias Weigl


Von Medizinern geprüft und nach besten wissenschaftlichen Standards verfasst

Dieser Text wurde gemäß medizinischer Fachliteratur, aktuellen Leitlinien und Studien erstellt und von einem Mediziner vor Veröffentlichung geprüft.

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Ein periorbitales Hämatom – was sich kompliziert anhört, beschreibt im Grunde den im Volksmund als blaues Auge oder Veilchen bekannten Bluterguss um das Auge. Dieser ist schmerzhaft und kann mitunter zur Beeinträchtigung des Sehens führen. Oft ist ein blaues Auge Ergebnis einer Gewalteinwirkung von außen, man spricht in diesem Zusammenhang von einer traumatischen Ursache. Warum genau ein Hämatom, also ein Bluterguss, entsteht und worauf ein blaues Auge hindeuten kann, erfahren Sie im Folgenden.

 

 

„Kinder, nicht so schnell rennen im Haus!“, ruft Marianne ihren beiden Söhnen hinterher, während diese im Treppenhaus, durch die Küche und über Sofas hinweg Fangen spielen. Ein dumpfes Geräusch und ein schmerzerfüllter Aufschrei von Niklas lassen sie zusammenzucken, ehe sie hastig dem Ursprung der Geräusche folgt – und dort ihren weinenden Sohn vorfindet, der sich das Auge hält. „Zeig mal her!“, sagt Marianne. An der rechten Seite des rechten Auges findet sich eine kleine Platzwunde, die aber nicht so klein ist, als dass sie sich von selbst schließen würde. Marianne beschließt, den Notarzt zu rufen, und nutzt ein Tuch, um die nicht zu starke Blutung zu stillen, während sie versucht, Niklas auf ihrem Schoß gut zuzureden. Als sie sich für einen Moment umsieht, nimmt sie eine kleine Delle in der nur halb geöffneten Wohnzimmertür war, welche dem tobenden Jungen wohl zum Verhängnis wurde.

 

Was ist ein Hämatom und speziell ein blaues Auge?

Bei einem Hämatom handelt es sich um eine Blutansammlung außerhalb der Blutgefäße. Der Mediziner spricht in diesem Zusammenhang auch von Blutextravasaten (von lat. extra ‚außerhalb‘ und lat. vas ‚Gefäß‘). Das Blut befindet sich dann entweder im Gewebe oder in einem vorgebildeten Hohlraum, bspw. in einem Gelenk (sog. ‚Hämarthros‘) oder im Pleuraraum (sog. ‚Hämatothorax‘).
Entstehen kann ein Hämatom auf unterschiedliche Weise. So kann es z. B. die Folge einer unfall- oder operationsbedingten Gefäßverletzung, einer Gefäßarrosion oder einer hämorrhagischen Diathese sein. Unter einer Gefäßarrosion versteht man die Zerstörung von Gefäßwänden infolge von Entzündungsvorgängen, Geschwüren, Aneurysmen oder malignen, also bösartigen Tumoren. Die hämorrhagische Diathese hingegen beschreibt eine erhöhte Neigung zur Blutung. Dies fällt im Rahmen der Behandlung vor allem dann auf, wenn das Blutstillen nach einer Punktion durch bspw. eine Spritze schwer fällt.
Ein Hämatom durchläuft in der Regel einige markante farbliche Veränderungen. So ist es anfangs zunächst blaurot und färbt sich später, in Folge des Abbaus von Hämoglobin, welches das Blut rot färbt, gelblich und grünlich. Es kann dann zu Begleitsymptomen wie Schmerzen, Paralyse und bakterieller Superinfektion kommen. Die folgende Grafik zeigt einen wahrscheinlichen Verlauf der farblichen Veränderungen.

Das blaue Auge

Das eher als blaues Auge bekannte orbitale Hämatom kann entweder spontan, durch sog. Gefäßanomalien, durch Gewalteinwirkungen von außen (sog. ‚Traumata‘) oder im Zusammenhang mit Nasennebenhöhleneingriffen entstehen. Man unterscheidet dahingehend zwischen einem ein- und einem beidseitigen Hämatom. Ist nur ein Auge betroffen, spricht man von einem sogenannten Monokelhämatom. Befinden sich die Blutergüsse an beiden Augen, ist die Rede von einem sogenannten Brillenhämatom. In der Regel sind die Ober- sowie Unterlider des Auges dann geschwollen und eine sich flächenmäßig ausbreitende Blutung (sog. ‚Hyposphagma‘) liegt vor. Ebenso kann die Sehkraft eingeschränkt oder gar nicht mehr vorhanden sein.
 

Worauf kann ein blaues Auge hinweisen?

In den meisten Fällen ist ein blaues Auge harmlos. Es ist möglich, dass infolge der Gewalteinwirkung von außen „nur“ Gefäße beschädigt sind und sich daher Blut im Bereich um das Auge ansammelt. Allerdings kann dieses lokale Trauma auch schwerwiegendere Verletzungen zur Folge haben, bspw.:

  • Fraktur der Augenhöhle (sog. ‚Orbitafraktur‘)
  • Fraktur des Orbitabodens (sog. ‚Blow-out-Fraktur‘)
  • Schädelbasisbruch
  • Nasenbeinverletzungen
  • Mittelgesichtsfrakturen

Die Therapie der einzelnen Beschwerdebilder hängt stets mit ihrem Ausmaß zusammen.

Bei einer Fraktur der Augenhöhle muss bspw. eine konstante HNO-ärztliche Betreuung erfolgen, bei der zunächst ein Rückgang der Schwellung abgewartet wird. Sodann wird der Befund erneut kontrolliert und entschieden, ob eine Operation vonnöten ist. Dies ist z. B. dann der Fall, wenn der Augapfel unnatürlich tief (sog. ‚Enophthalmus‘) oder weit vorne (sog. ‚Exophthalmus‘) liegt. Letzteres weist vor allem auf ein Hämatom hinter dem Augapfel hin.
Bei einem Schädelbasisbruch kommt es indes erst frühestens eine Stunde nach der äußeren Gewalteinwirkung zu einem Brillen- oder Monokelhämatom. Auch hier wird zunächst die Entwicklung der Verletzung berücksichtigt. Oft bekommen Patienten mit nicht verschobenen Frakturen zunächst Antibiotika. Eine Operation ist aber dann vonnöten, wenn der Bruch verschoben ist, gleichzeitig andere Verletzungen vorliegen oder das Gehirn zu stark zu Schaden gekommen ist.
Im Normalfall ist ein blaues Auge als harmlos zu betrachten. Ein Arztbesuch wird aber dann empfohlen, wenn das blaue Auge mit weiteren Begleiterscheinungen einhergeht, die auf schwerwiegendere Beschädigungen des Auges hindeuten und sich ohne Therapie verschlimmern, im schlechtesten Fall bis hin zur Erblindung. Zu diesen Begleiterscheinungen zählen:

  • Lichtempfindlichkeit
  • Doppelbilder (man sieht doppelt)
  • Sicht ist beeinträchtigt (bspw. getrübt oder es flimmert)
  • Bewusstseinsstörungen
  • Wahrnehmungsstörungen
  • (Blutige) Ausflüsse aus Mund, Nase und Ohren
  • Blutungen im Auge

 

Wie kann man Hämatome am besten selbst behandeln?

Wie im vorherigen Abschnitt bereits angedeutet, richtet sich die Therapie eines blauen Auges stets nach den Verletzungen, die damit zusammenhängen. Liegt hingegen „nur“ ein Veilchen vor, sind also nur Gefäße betroffen, wird in der Regel zunächst ein Rückgang der Schwellung abgewartet. Dabei können einige Hausmittel behilflich sein.
Im Allgemeinen sollten Blutergüsse zunächst immer umgehend mit einem kalten feuchten Waschlappen oder Ähnlichem gekühlt werden. Auch in ein Handtuch eingewickelte Eiswürfel, die auf die betroffene Stelle gedrückt werden, können eine Schwellung vorbeugen. Durch die Kälte reduziert man nämlich die Blutung unter der Haut. Man sollte stets darauf achten, Gefrorenes nicht direkt mit der Haut in Verbindung zu bringen, da dies einerseits zu schmerzhaften Erfrierungen führen kann. Andererseits entstehen bei einem Bluterguss möglicherweise minimale Risse in der Haut, durch welche – bei direktem Kontakt mit Gefrorenem – Bakterien eindringen können.

Speziell gegen das blaue Auge

Kälte gilt auch bei blauen Augen als das wichtigste Erste-Hilfe-Mittel. Dabei sollten in ein Handtuch gewickelte Eiswürfel im besten Fall bis zu dreißig Minuten auf das geschlossene Auge gelegt werden.
Ein Veilchen kann überdies bspw. mit Rizinusöl eingerieben werden. Dabei sollte stets darauf geachtet werden, dass das Öl nicht in das Auge gelangt. Dieses Hausmittel hilft dabei, Schmerzen zu lindern, die Schwellung zu reduzieren und die weiter oben beschriebene Hautverfärbung schneller vergehen zu lassen.
 

Exkurs: Heilerde


Auch sogenannte Heilerde soll Besserung versprechen. Dahingehend gelten aufgrund ihrer schwellungslindernden Eigenschaften vor allem Lehm und Löß als gute Erden. Die gewählte Heilerde soll mit kaltem Wasser zu einem streichfähigen Brei vermengt werden, der anschließend auf ein Leinentuch aufgebracht wird. Das Leinentuch sollte dann mit der unbehandelten Seite auf das Auge gelegt werden, das dann noch einmal mit einem Handtuch verdeckt wird. Es wird empfohlen, sich dann für etwa eine halbe Stunde entspannt hinzulegen. Die Studienlage ist hier allerdings nicht ausreichend.

 

Hatten Sie schon einmal ein blaues Auge? Welches Hausmittel hat bei Ihnen am besten geholfen? (Mehrfachnennungen möglich)
 

Häufige Patientenfragen

Kann ich gegen die Schmerzen nicht einfach Tabletten nehmen?

Dr. T. Weigl
Das ist natürlich möglich. Aber im Handel erhältliche Schmerzmedikamente behandeln oft nur das Symptom Schmerz, nicht aber die bspw. die Schwellung. Überdies gehen gängige Präparate wie Paracetamol , Ibuprofen oder Diclofenac auf Dauer auch mit einigen Nebenwirkungen einher, derer Sie sich vielleicht gar nicht bewusst sind.

Exkurs: Paracetamol


Möchten Sie mehr über die Wirkungen und Nebenwirkungen von Paracetamol wissen, können Sie sich gerne den folgenden Beitrag anschauen.

 

Was ist eine Blow-out-Fraktur?

Dr. T. Weigl
Bei einer Blow-out-Fraktur handelt es sich um eine häufige Form von Fraktur im Bereich der Augenhöhle. Dabei verlagern sich der Augenhöhlenboden (sog. ‚Orbitaboden‘) oder die Augenhöhlenwand (sog. ‚Orbitawand‘) nach außen, wodurch möglicherweise Inhalte der Augenhöhle wie bspw. die Augenmuskeln eingeklemmt werden können. Dazu kommt es meist, wenn ein Gegenstand wie ein Ball direkt auf den Augapfel einwirken, welcher dann nach hinten oder unten ausweicht und wo der Orbitaboden dann an der dünnsten Stelle bricht. Wenn keine gravierenden Sensibilitätsausfälle oder Muskeleinklemmungen vorliegen, kann zunächst der Rückgang der Schwellung abgewartet werden. Andernfalls wird der Orbitaboden operativ rekonstruiert.

Wieso kann man von einem Nasennebenhöhleneingriff ein blaues Auge bekommen?

Dr. T. Weigl
Eingriffe in den Nasennebenhöhlen finden in der Nähe des Auges statt. Dadurch kann es während der Operation zu Verletzungen des Auges oder Augenhöhleninhalts kommen, wodurch sowohl Augapfel als auch Sehnerv geschädigt werden. Derlei Verletzungen äußern sich durch einen Bluterguss im oder am Auge.

 

Niklas ist wortwörtlich mit einem blauen Auge davongekommen. Und einer kleinen Platzwunde, die direkt mit wenigen Stichen genäht wurde. Einige Tage nach der Untersuchung rennt er schon wieder rum, scheinbar aber mit größerer Vorsicht. Marianne hat ihn gestern zu seinem Bruder sagen hören, dass er bitte nicht so schnell rennen soll, weil er Angst hat, dass auch er sich verletzt.

 

Verwandte Themen

 

Haben auch Sie Erfahrungen mit blauen Augen? Möchten Sie sich bei uns über mögliche Ursachen erkundigen? Nutzen Sie unsere Kommentarfunktion unten, um von Ihren Erfahrungen zu berichten und sich mit anderen auszutauschen!
 

Die hier beschriebenen Punkte (Krankheit, Beschwerden, Diagnostik, Therapie, Komplikationen etc.) erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Es wird genannt, was der Autor als wichtig und erwähnenswert erachtet. Ein Arztbesuch wird durch die hier genannten Informationen keinesfalls ersetzt.
 

Autoren: Tobias Möller und Dr. Tobias Weigl
Lektorat: Sebastian Mittelberg
Datum: 23.07.2018
 

Quellen

  • Susanne Andreae (2008): Lexikon der Krankheiten und Untersuchungen, 2. Auflage. Georg Thieme Verlag, Stuttgart.
  • Michael Buchfelder, Albert Buchfelder (2006): Handbuch der Ersten Hilfe, 4. Auflage. Schattauer, Stuttgart.
  • Dagmar Dolcker (2018): Heilpraktiker-Prüfungswissen: Auf den Punkt gebracht. Urban & Fischer, München.
  • Michael R. Gaab (2018): Brillenhämatom, in: Pschyrembel Online.
  • Michael R. Gaab (2018): Monokelhämatom, in: Pschyrembel Online.
  • Georg Thieme Verlag (Hrsg.) (2015): I care Krankheitslehre. Georg Thieme Verlag, Stuttgart.
  • Sebastian Hentsch (2018): Hämatom, in: Pschyrembel Online.
  • Andreas Hirner, Kuno Weise (Hrsg.) (2008): Chirurgie, 2. Auflage. Georg Thieme Verlag, Stuttgart.
  • Elmar Oestreicher (2003): HNO, Augenheilkunde, Dermatologie und Urologie für Pflegeberufe. Georg Thieme Verlag, Stuttgart.
  • Reader’s Digest Verlag Das Beste (2014): Natürliche Hausmittel für die schnelle Hilfe: Erkältung, Migräne, Schlaflosigkeit und andere Beschwerden sanft lindern.
  • Bernhard Schick et al. (1996): Orbitale Hämatome, in: Laryngo-Rhino-Otol 75/6, S. 363–367
  • Hans-Peter Zenner (Hrsg.) (2008): Praktische Therapie von Hals-Nasen-Ohren-Krankheiten. Schattauer, Stuttgart.
  • Jörg Zittlau (2010): Jetzt helfe ich mir selbst. Die besten Hausmittel für alle Fälle. Südwest Verlag, München.
[Gesamt:3    Durchschnitt: 5/5]

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