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Das Auge – Ein Einblick in unseren Sehvorgang und mögliche Erkrankungen

Auf einen Blick – Das Auge

Was ist das Auge?

  • das Auge ist unser wichtigstes Sinnesorgan
  • täglich erlaubt es und die Aufnahme und Selektion unzähliger visueller Eindrücke

Welche Aufgaben hat das Auge?

  • es bündelt visuelle Lichtreize und wandelt sie in elektrische Nervenimpulse um
  • diese werden an das Gehirn weitergeleitet und verarbeitet – wir sehen

Was sind häufige Erkrankungen des Auges?

  • trockene und entzündete Augen
  • Erkrankungen am Augenlid
  • Grauer und Grüner Star
  • Makuladegeneration und Erkrankungen der Netzhaut

Was sind häufige Beschwerden des Auges? (Auszug)

  • brennende und tränende Augen
  • Fremdkörpergefühl
  • Sehbeeinträchtigungen
„Augen lügen nicht.“ Vielleicht. Aber sie sehen. Für einen Großteil der Menschen ist das ganz selbstverständlich. Der Sehvorgang ist ein hochkomplexer, fein abgestimmter und daher leider störungsanfälliger Ablauf. Wie groß schätzen Sie eigentlich ihr Wissen rund um das Thema Auge ein? Wussten Sie, dass es eine Vielzahl an scheinbar harmlosen Symptomen gibt, die auf eine ernstzunehmende Erkrankung der Augen hinweisen können? Alleine unsere alltägliche Umwelt bietet genug Situationen, in denen unsere empfindlichen Augen schnell Schaden nehmen. Wie sich mögliche Krankheiten konkret äußern und durch welche Faktoren sie begünstigt werden, wird im folgenden Artikel ausführlich behandelt.

Was ist das Auge und wo liegt es?

Das Auge ist das Organ, welches uns das Sehen ermöglicht. Es liegt in der sogenannten Orbita, der knöchernen Augenhöhle, im Schädel. Sie bietet dem komplexen und angreifbaren Auge Schutz.

Wie ist das Auge aufgebaut?

Das Auge ist ein kugelförmiges Organ und wird darum im Gesamten auch als Augapfel (sog. ‚Bulbus oculi‘) bezeichnet. Es besteht aus verschiedenen Komponenten.

Lederhaut (sog. ‚Sklera‘)

Es handelt sich um eine sehr feste Haut, die den Augapfel umhüllt und ihm somit Schutz bieten und ihn gleichsam in Form halten kann.

Aderhaut (sog. ‚Choroidea‘)

Sie befindet sich direkt unter der Lederhaut und sorgt durch ihre hohe Anzahl an Blutgefäßen für eine Nährstoffversorgung der äußeren Netzhaut. Zudem verhindert ihre Pigmentierung den Eintritt von störendem Streulicht.

Netzhaut (sog. ‚Retina‘)

Die Netzhaut befindet sich wiederum unter der Aderhaut. Sie beherbergt die Sehsinneszellen, deren Aufgabe es ist, einfallendes Licht in Nervenreize umzuwandeln. Man unterscheidet bei den Sinneszellen zwischen sogenannten Zäpfchen und Stäbchen. Die Zäpfchen ermöglichen uns das Sehen von Farben, Formen und Bewegungen bei Tag. Für unsere Sicht bei Nacht springen die Stäbchen ein. Mit ihrer Hilfe können wir Hell und Dunkel unterscheiden und sind in der Lage, grobe Umrisse und Bewegungen wahrzunehmen.

„Gelber Fleck“ (sog. ‚Macula lutea‘)

So wird ein ca. 3 mm großer Teil der Netzhaut bezeichnet, der besonders hoch aufgelöstes Sehen ermöglicht. Dadurch trägt er maßgeblich zum Lesen, dem Erkennen von Gesichtern und feinen Einzelheiten sowie der Unterscheidung von Farben bei.

Hornhaut (sog. ‚Cornea‘)

In dem Bereich des Augapfels, der außerhalb der Augenhöhle liegt und für uns sichtbar ist, befindet sich auch die Hornhaut. Sie ist mit der Lederhaut verwachsen, aber im Gegensatz zu ihr durchsichtig und berührungsempfindlich. Sie wird durch die Tränenflüssigkeit benetzt.

Regenbogenhaut (sog. ‚Iris‘)

Sie ist durch Größenregulierung der Pupille in der Lage, die eintretende Lichtmenge in die Linse zu regulieren.

Pupille

Als zentrale Öffnung des Auges reguliert sie den Einfall des Lichtes auf die Netzhaut. Auf nahe Distanz schafft eine enge Pupille Tiefenschärfe, sodass Objekte scharf gesehen werden können.

Linse

Die Linse ist ein faseriges Gebilde, das weder von Nerven noch von Blutgefäßen durchzogen ist. Sie muss je nach dem, ob wir ein Objekt in der Ferne oder von Nahem betrachten wollen, ihre Wölbung verändern. Dafür ist sie mit den Ziliarmuskeln verbunden. Diese sorgen durch ihre Eigenelastizität dafür, dass die Linse, für das Sehen in die Ferne, flach gezogen wird. Wollen wir hingegen einen nah gelegenen Gegenstand betrachten, sorgen die Ziliarmuskeln aktiv für eine stärkere Wölbung der Linse. Diesen automatischen Vorgang der Entfernungsveränderung nennt man Akkomodation.

Glaskörper

Der Glaskörper verleiht unserem Auge Stabilität, indem er es als eine gelartige Masse im Inneren ausfüllt.

Sehnerv

Der Sehnervenkopf schließt unmittelbar an das Auge an. Hier treffen sich die ca. 1,2 Millionen Nervenfasern der Netzhaut, treten über die Lederhaut in Bündeln aus und bilden so den Sehnerv. Dieser hat die wichtige Aufgabe, die elektrischen Impulse der Sehzellen an das Gehirn weiterzuleiten.

Welche Aufgaben hat das Auge?

Beim Sehen nehmen wir jeden Tag viele visuelle Reize auf und leiten sie an das Gehirn weiter. Dem Auge fällt bei diesem Prozess eine Schlüsselrolle zu – es wird sozusagen zu einem „Codewandler“. Es ist in der Lage, das einfallende Licht zu bündeln und ein Abbild des Gesehenen bis auf die Netzhaut zu projizieren. Ab hier wird das Bild in elektrische Nervenimpulse umgewandelt, sodass es über den Sehnerv an das Gehirn weitergeleitet werden kann. Das Gehirn ist dann in der Lage, die Eindrücke beider Augen zu einem sinnvollen Bild zusammenzufügen.

Gut zu wissen!
Die Verarbeitung des Gesehenen geschieht im sogenannten visuellen Kortex, einer Region im Gehirn. Hier enden über 1,5 Millionen Nervenfortsätze der Netzhaut, etwa 200 Millionen Kortex-Neuronen sorgen für die weitere Verarbeitung. Bemerkenswert ist, dass jeder Punkt der Netzhaut eine exakte Repräsentationsstelle im Kortex aufweist. Um uns hochaufgelöstes Sehen zu ermöglichen, sind entsprechende Bereiche der Netzhaut überdurchschnittlich repräsentiert.

Läuft doch wie geschmiert – Tränenflüssigkeit

Der Tränenflüssigkeit kommen mehrere wichtige Aufgaben zu. Sie schützt und befeuchtet Bindehaut und Hornhaut und trägt zu deren Reinigung bei. Hauptbestandteile der Tränenflüssigkeit sind Wasser und Proteine. Zudem ist sie von innen nach außen in drei unterschiedliche Schichten zu unterteilen. Direkt an der Hornhaut ist der Tränenfilm schleimhaft, darüber liegt eine sehr wässrige Schicht. Die dritte ist hingegen sehr fetthaltig und schließt nach außen ab.

Gibt es Symptome, die auf Erkrankungen des Auges hindeuten können?

Das Auge ist ein sehr komplexes und gleichzeitig empfindliches Organ. Es existiert eine Vielzahl an unterschiedlichen Erkrankungen, die im und um das Auge auftreten können. Dennoch gibt es einige Symptome, die typisch für Augenleiden sind und im Folgenden kurz aufgeführt werden:

  • Brennen und Jucken der Augen
  • Fremdkörper- oder Sandkorngefühl
  • Gefühl des Tränens und tatsächliche Flüssigkeitsabsonderungen
  • Sehschwankungen und Lichtempfindlichkeit
  • geschwollene Lidränder

Diese Symptome sind nur ein grober Überblick über mögliche Krankheitsbilder des Auges. Nachfolgend gehen wir daher differenzierter auf einzelne Krankheitsbilder ein.

Das Auge auf einen Blick

  • Dreh- und Angelpunkt für eine erfolgreiche Abbildung und Verarbeitung der visuellen Eindrücke in unserer Umgebung

Aufbau

  • der runde Augapfel beherbergt alle wichtigen Funktionsträger wie Pupille, Linse und Netzhaut um das Sehen zu ermöglichen

Aufgaben

  • Licht aus der Umgebung bündeln und abbilden
  • Reize vorsortieren und an das Gehirn weiterleiten
  • so wird das Licht in elektrische Impulse gewandelt

Welche Erkrankungen des Auges gibt es?

Wir haben nun gelernt, dass wir durch ganz unterschiedliche Symptome auf Erkrankungen unserer Augen aufmerksam werden können. Aber welche Krankheitsbilder gibt es genau? Einen beispielhaften Überblick erhalten Sie im folgenden Kapitel.

Trockene Augen

Tränen Ihre Augen häufig? Trockene Augen könnten hierfür die Ursache sein. Was zunächst widersprüchlich klingt, hat eine logische Erklärung. Denn die Ursache für trockene Augen liegt in einer Benetzungsstörung der Augenoberfläche. Hat der Tränenfilm eine veränderte Zusammensetzung, etwa einen zu geringen Fettanteil, verdunstet er auch bei erhöhter Tränenproduktion zu schnell, sodass das Auge austrocknet. Selbstverständlich kann auch eine zu geringe Menge an Tränenflüssigkeit ursächlich sein. Für trockene Augen typische Beschwerden sind:

  • gerötete Augen
  • Fremdkörpergefühl
  • Kratzen und Brennen
  • Schleimabsonderung
  • Lichtempfindlichkeit
  • müde und geschwollene Augen
  • Unverträglichkeit von Kontaktlinsen und Kosmetika

Ein Fünftel aller Patienten beim Augenarzt leidet unter diesen Beschwerden. So vielfältig wie die Symptome präsentieren sich auch mögliche Ursachen.

Viele Gründe für trockene Augen

Generell ist von einer physiologischen Schwankung der Qualität und Quantität der Tränenflüssigkeit auszugehen. Vor allem gegen Abend nimmt beides häufig ab. Darüber hinaus wird diese Tendenz häufig mit zunehmendem Alter oder in Verbindung mit weiblichen Sexualhormonen, Stichwort Östrogen, in Verbindung gebracht. Doch schon Kinder leiden unter trockenen Augen. Sowohl bei ihnen als auch Erwachsenen gilt, dass die Symptomatik häufig gekoppelt mit anderen Allgemeinerkrankungen zu beobachten ist.

Zu diesen zählen immunologische, neurologische und Zucker-, Haut- und Schilddrüsenerkrankungen sowie Rheumatismus und entzündliche Gefäßerkrankungen. Auch Medikamente wie Psychopharmaka, Schlafmittel, Beta-Blocker, Hormon- und Allergiepräparate können die Menge und Zusammensetzung der Tränenflüssigkeit beeinflussen. Vorsicht gilt zudem bei einigen Umwelteinflüssen. Feinstaubbelastete und trockene Luft wie auch Zigarettenrauch können Auslöser sein. Ebenso wie Aktivitäten, bei denen die Frequenz des Blinzelns vermindert wird. Etwa beim Fernsehen oder Tätigkeiten an Bildschirmen. Hierbei sollen sogar 80 Prozent der Personen, die über 3 Stunden am Bildschirm verbringen, Symptome von trockenen Augen aufweisen.

Dr. Tobias Weigl bespricht mit Dr. Catharina Latz im nachfolgenden Video-Beitrag anschaulich die Ursachen, mögliche Behandlungsweisen und interessante Fragen rund ums Thema trockene Augen.

Wieso habe ich oft ein brennendes, juckendes & tränendes Auge?🤔 Tränenflüssigkeit | Augentropfen

Entzündungen des Auges

Unter dieser Bezeichnung lassen sich Entzündungen unterschiedlicher Bereiche im und um das Auge zusammenfassen. Sie werden zumeist durch Infektionen mit Bakterien und Viren übertragen, können aber ebenfalls durch Fremdkörper oder Umweltreize begünstigt werden. Zu den drei häufigsten Entzündungen zählen

  • Bindehautentzündung (sog. ‚Konjunktivitis‘): Hierbei unterscheidet man zwischen nicht-infektiöser und infektiöser Entzündung. Erstere wird durch Umweltreize (grelles Licht, Zugluft, Staubpartikel, Feinstaub…) ausgelöst. Auch mechanische Verletzungen und Allergien sind zu berücksichtigen.

Die infektiöse Bindehautentzündung hingegen wird durch Bakterien und Viren verursacht. In diesem Fall ist die Konjunktivitis ansteckend. Beide Formen zeichnen sich durch Symptome wie rote und brennende Augen, verklebte und geschwollene Lider sowie ein Fremdkörper- und Druckgefühl aus. Bei der infektiösen Form können Schleim und Eiter abgesondert werden.

  • Lidrandentzündung (sog. ‚Blepharitis‘): Sie wird verursacht durch eine gestörte Fettproduktion in der äußersten Schicht des Tränenfilms. Ist der Fettanteil zu gering, kommt es zu einer starken Reibung und einer daraus resultierenden Reizung von Augapfel und Augenlid. Dies kann zum einen die Hornhaut strapazieren und zum anderen durch abgelagerte Fettrückstände die Lidrandentzündung verursachen. Häufig äußert sie sich durch Brennen und Jucken, ein Reibegefühl und verklebte und gerötete Augen. Auch die Sehschärfe kann beeinträchtigt sein.
  • Hornhautentzündung (sog. ‚Keratitis‘): Ursache für diese Form der Entzündung kann zum einen die Beschädigung der Hornhaut sein. Kontaktlinsen, aber auch Fremdkörper können ihre Oberfläche beschädigen und das Eintreten von Bakterien ermöglichen. Bei trockenen Augen wird die Hornhaut nicht ausreichend befeuchtet und wird so auch anfälliger. Zum anderen sind Herpes-Viren und Pilzinfektionen bekannte Auslöser. Symptome sind hier ebenfalls brennende und schmerzende Augen, ein Fremdkörpergefühl und die Beeinträchtigung des Sehvermögens, welche bei unzureichender Behandlung auch dauerhaft bleiben können.

Weniger häufige Formen der Augenentzündung

  • Gefäßhautentzündung (sog. ‚Uveitis‘): Hierbei können unterschiedliche, weiter vorne oder weiter im Inneren des Auges gelagerte, Abschnitte der Gefäßhaut betroffen sein. Es gibt akute, schubartige und chronische Formen. Symptomatisch ist eine Rötung des Auges in Verbindung mit vermehrtem Tränenfluss, gesteigertem Blendeempfinden, Verschwommensehen und stechenden Augenschmerzen. Bei hinteren Formen können die Symptome schwach auftreten oder ausbleiben, sodass eine Erkennung erschwert wird. Als Komplikationen können letztendlich bleibende Sehbehinderungen auftreten.
  • Lederhautentzündung (sog. ‚Skeleritis‘): Verursacht durch rheumatische Erkrankungen oder Gürtelrose, äußert sie sich vor allem durch diffuse Schmerzen des Auges und später auch durch bläulich-rote Flecken und gelbe Vorwölbungen. Bleibende Beeinträchtigungen des Sehens oder auch der Verlust des Auges sind mögliche Folgen.

Bei allen Formen der Augenentzündungen oder Verdacht darauf gilt es, so rasch wie möglich eine gezielte medizinische Aufklärung und Behandlung in Anspruch zu nehmen, um dauerhafte und schwerwiegende Schäden zu vermeiden.

Liderkrankungen

Ein intaktes Augenlid ist in der Lage, das Auge vor Verletzungen und infektiösen Beschädigungen zu beschützen. Außerdem trägt es zur Pflege des Auges durch die Benetzung mit dem Tränenfilm bei. Beeinträchtigungen und Beschwerden unterschiedlichen Grades lassen sich genauer unterteilen.

  • Gerstenkorn (sog. ‚Hordeolum‘): Es handelt sich hierbei um eine im Allgemeinen recht bekannte und gleichsam ungefährliche Erkrankung. Ursächlich ist eine bakterielle Entzündung der Talg- und Schweißdrüsen des Augenlides. Es äußert sich durch die schmerzhafte Schwellung und Rötung des Augenlides. Unbehandelt kann eine längerfristige Rötung der Lidkante zurückbleiben.
  • Fibrome, Warzen, Dermoidzysten: Hierunter fasst man eine Reihe gutartiger Hauttumoren zusammen. Sie führen unter Umständen zu leichten mechanischen Beeinträchtigungen und können, ebenso wie aus rein optischen Gründen, entfernt werden. Ärztlicher Rat ist jedoch in jedem Fall gefragt, um eine Verwechselung von gut- und bösartigen Tumoren auszuschließen.
  • Hagelkorn (sog. ‚Chalazion‘): So wird der feste Knoten bezeichnet, der sich durch eine Verstopfung der Talgdrüsen des Lids und dem daraus folgenden Sekretstau entwickeln kann. Obwohl im Zuge dessen Rötungen und Schwellungen entstehen, ist ein Hagelkorn in der Regel nicht schmerzhaft – es kann allerdings chronisch werden. Nur in seltenen Fällen beeinträchtigt es die Sehfähigkeit.
  • Tumor der Lidhaut (sog. ‚Basaliom‘): Zwar gibt es keine kausalen Ursachen für ein Basaliom, als Risikofaktoren gelten allerdings UV-Strahlen und gewisse Erbfaktoren. Es handelt sich um bösartige Tumoren, die sich auch auf umliegende Knochen ausweiten können. Um ernste Schäden zu vermeiden, ist eine operative Entfernung notwendig.

Lidfehlstellungen

Durch Erschlaffung der Lidmuskulatur, Vernarbung durch Vorerkrankungen, Verletzungen, Gesichtslähmungen oder angeborene Erkrankungen kann sich die Position des Augenlides verändern. Man unterscheidet für gewöhnlich zwischen drei unterschiedlichen Fehlstellungen. Bei dem nach innen gedrehtem Lidrand (sog. ‚Entropium‘) ist das Lid weiter als gewöhnlich in das Innere des Auges gedreht. Durch den ständigen Kontakt von Wimpern und Horn-/Bindehaut kommt es zu Rötungen und einem Fremdkörpergefühl im Auge. Ohne Operation ist die Fehlstellung dauerhaft. Im Gegensatz zu diesem Krankheitsbild sind bei dem nach außen gedrehten Lidrand (sog. ‚Ektropium‘) die unteren Lider nach außen gekehrt. Tränenflüssigkeit kann über den ganzen Lidrand austreten. Dies ist operativ zu beheben. Auch die Oberlider können bei der sogenannten Ptosis erschlaffen. Unter Umständen können hier ein beeinträchtigtes Blickfeld und mangelnde Sehschärfe sowie das Schielen im Kindesalter eine Operation notwendig machen.

Keratokonus

Unter dieser Bezeichnung versteht man eine Vorwölbung und Verdünnung der Hornhaut. Die Erkrankung ist erblich bedingt und beeinträchtigt mit der Zeit die Sehfähigkeit.

Grauer Star (sog. ‚Katarakt‘)

In den meisten Fällen kommt es, altersbedingt, zu einer zunehmenden Eintrübung der Linse. Dadurch wird die Sicht beeinträchtigt und ab einem gewissen Zeitpunkt wird eine Operation notwendig.

Dr. Tobias Weigl hat Dr. Alireza Mirshahi eingeladen, um sich mit ihm über die Alterserkrankung „Grauer Star“ zu unterhalten. Sie besprechen die wichtigsten Symptome sowie Möglichkeiten und den geeigneten Zeitpunkt zur Intervention.

Altersstar: schlechter Sehen trotz Brille – Grauer Star (Katarakt) Ursachen, Symptome & Operation

Grüner Star (sog. ‚Glaukom‘)

Häufig ausgelöst durch erhöhten inneren Augendruck, kommt es beim Grünen Star zu einer Schädigung des Sehnervs und einer fortschreitenden Verschlechterung des peripheren und mit der Zeit auch des scharfen Sehens. Eine Operation kann die bereits entstandenen Symptome nicht rückgängig machen, den weiteren Verlauf allerdings anhalten oder stark entschleunigen.

Makuladegeneration

Die Altersbedingte Makuladegeneration (kurz: AMD) ist die am häufigsten auftretende Form. Durch eine Störung des Zellstoffwechsels kann es zu Ablagerungen von Abbauprodukten unter der Netzhaut kommen. Sie führt durch das Angreifen der Makula zu Symptomen wie verzerrter und verschwommener Wahrnehmung im Zentrum des Gesichtsfeldes oder auch dem Sehen eines dunklen Flecks. Der Sehverlust schreitet stets fort und führt letztendlich zu einer teilweisen Erblindung. Peripheres Sehen und Orientierung im Raum bleiben jedoch wie gewohnt erhalten. Etwa 85 Prozent der Betroffenen leiden unter der trockenen Form der AMD. Es kommt zu einer Rückbildung der Netzhaut, sodass vermehrt Sehzellen ausfallen. Aus dieser Form kann gelegentlich die feuchte AMD hervorgehen. Durch das Entstehen neuer, poröser Blutgefäße in der Aderhaut und deren Wucherung in die Netzhaut werden Blutungen, Schwellungen und Narben verursacht. Oft schreitet diese Form schneller voran als die AMD.

Netzhauterkrankungen

Die Netzhaut beherbergt circa 30 Millionen Sinneszellen und kann leicht geschädigt werden. Auch hier gibt es unterschiedliche Krankheitsbilder.

  • Gefäßverschlüsse: Die Netzhaut ist auf einen optimalen Stoffwechsel über ihre Vielzahl an Blutgefäßen angewiesen. Es sind sowohl Verengungen als auch Verschlüsse unterschiedlicher Gefäße möglich, die dies verhindern. Je nach Funktion des Gefäßes und Intensität der Verengung, kann es zu einer Sehbeeinträchtigung bis hin zu einer Erblindung kommen.
  • Retinopathia pigmentosa: Dahinter verbirgt sich eine Sammlung unterschiedlicher, vererbbarer Netzhauterkrankungen. Durch das fortschreitende Absterben der Netzhautzellen wird die Sicht nach und nach eingeschränkt. Typischerweise werden zunächst die Stäbchen (Dämmerungssehen) und im Folgenden die Zäpfchen (Farbensehen) in Mitleidenschaft gezogen. Dadurch entwickelt sich zunehmend ein „Tunnelblick“ mit schlussendlicher Erblindung. Die Symptome beginnen häufig im jungen Erwachsenenalter und können sich über Jahrzehnte erstrecken.
  • Netzhautablösung: Bei dieser Erkrankung löst sich die Netzhaut von der Pigmentepithel, einer Schicht zwischen Aderhaut und Netzhaut, ab. Wenn Sie helle Lichtblitze oder Flimmern sehen, dunkle Punkte oder „Spinnengewebe“, könnten dies erste Hinweise sein. Später entstehen Schatten und „Mauern“ im Bereich der betroffenen Partie. Ist die Makula miteinbezogen, kann es zu unscharfem, verzerrtem und erschwertem Sehen kommen. Unbehandelt folgt vollständige Erblindung. Eine Laserbehandlung ermöglicht in einigen Fällen, die Netzhaut erfolgreich wieder anzuschweißen.
Gut zu wissen!
Die Auftretenshäufigkeit von Sehbehinderungen wird unter anderem als Indikator für den allgemeinen Gesundheitszustand und die Krankheitsbelastung in der Bevölkerung verwendet. Der aktuelle Trend hierbei: Die generelle Häufigkeit von Erblindungsfällen und vermeidbaren Ursachen sind vor allem im frühkindlichen Bereich zurückgegangen. Durch den immer steigenden Altersdurchschnitt der Bevölkerung ist das Risiko einer Sehbehinderung für chronische und altersbedingte Augenerkrankungen jedoch gestiegen.

Waren Sie bereits von einer Augenerkrankung betroffen? Wenn ja: Welcher Art war die Erkrankung? (Mehrfachnennungen möglich) Mit Ihrer Teilnahme an der Umfrage helfen Sie anderen Menschen dabei, ihre Beschwerden besser einschätzen zu können.

Aktuelles aus der Forschung – Stress kann Sehkraft beeinträchtigen

Das Institut für Medizinische Psychologie an der Universität Magdeburg unter der Leitung von Bernhard Sabel sieht eine andere Verbindung von Stress und Sehverlust als allgemeinhin zu vermuten ist. Dass Einbußen in der Sehfähigkeit Stress auslösen, ist anzunehmen. Doch nun soll es Hinweise auf eine psychosomatische Komponente geben. Sprich: Stress wird als Auslöser bestimmter Erkrankungen des Auges gehandelt. Um dies zu belegen, wurden medizinische Berichte über den Zusammenhang von Stress und Augenerkrankungen analysiert.

Ganzheitlicher Ansatz im klinischen Management von Augenerkrankungen empfohlen

Bestimmte Erkrankungen, wie etwa das Glaukom, sollen durch dauerhaften Stress begünstigt werden können. Denn Stress wirkt sich negativ auf das vegetative Nervensystem aus, sodass beispielsweise ein Fehlregulation der Blutgefäße möglich ist. Eine Steigerung des Augeninnendruck kann die Folge sein. Der Einsatz von Entspannungstechniken wie Meditation oder autogenem Training sollte daher nicht nur unterstützend, sondern in Zukunft auch viel stärker präventiv erfolgen.

Quelle: Bernhard Sabel; Jiaqi Wang u. a. (2018): Mental stress as consequence and cause of vision loss: the dawn of psychosomatic ophthalmology for preventive and personalized medicine. In: EPMA Journal 9 (2), S.133–160.

Häufige Patientenfragen

Verbessert der Verzehr von Karotten tatsächlich meine Sehkraft?

Dr. Dr. T. Weigl
Das kommt darauf an. Karotten und auch andere Obst- und Gemüsesorten enthalten wichtige Vitamine für den gesamten Körper und die Augen. Ein Mangel, beispielsweise an Vitamin A, kann dementsprechend Auswirkungen auf Ihr Sehvermögen haben. In diesem Fall kann der Verzehr von Karotten helfen, die Mangelerscheinungen zu beheben. Besteht bei Ihnen jedoch eine Fehlsichtigkeit oder Alterssichtigkeit, hat die Ernährung keinen Einfluss auf Ihre Sehkraft.

Bei mir wurde eine Sehschwäche festgestellt. Gibt es eine Alternative zu Brille und Kontaktlinsen?

Dr. Dr. T. Weigl
Ob aus ästhetischen oder aus praktischen Gründen, viele Patienten würden trotz Sehschwäche gerne auf den täglichen Gebrauch von Brillen und Kontaktlinsen verzichten. Der Bereich der Refraktiven Chirurgie hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Brechkraftfehler des Auges durch operative Eingriffe zu beheben. Dies ist jedoch nicht in jedem Fall möglich und mit einigen Risiken verbunden. Allgemeinhin wird daher immer noch die Verwendung von Sehhilfen empfohlen.

Woran kann es liegen, wenn ein Gerstenkorn immer wieder auftritt?

Dr. Dr. T. Weigl
Normalerweise handelt es sich bei einem Gerstenkorn um eine harmlose Entzündung der Talg- und Schweißdrüsen am Augenlid. Heilt es bei Ihnen jedoch sehr langsam ab, oder tritt gehäuft auf, kann dies ein Hinweis auf ein geschwächtes Immunsystem sein. Dadurch kann sich der Körper nicht mehr ausreichend gegen die bakteriellen Erreger wehren. Faktoren wie Stress, Bewegungsmangel, Alkohol und Nikotin, aber auch Krankheiten wie Diabetes, können sich negativ auf das Immunsystem auswirken. Eine ärztliche Abklärung ist daher in jedem Fall empfehlenswert.

Ich arbeite täglich viele Stunden am PC. Wie kann ich meine Augen möglichst gut schonen?

Dr. Dr. T. Weigl
Wenn sie berufsbedingt eine lange Zeit täglich vor einem Display verbringen, kann das Ihre Augen schnell strapazieren. Um trockenen Augen vorzubeugen, gibt es einige Tipps, die Sie berücksichtigen können. Eine hohe Bildschirmauflösung und möglichst eine Schwarz-Weiß-Einstellung des Monitors helfen, die Augen nicht unnötig zu belasten. Auch eine befeuchtete (etwa 50 Prozent Luftfeuchtigkeit sind ideal), rauchfreie und entstaubte Umgebungsluft sind förderlich. Um für zusätzliche Entspannung zu sorgen, decken Sie Ihre Augen hin und wieder mit der Hand ab, schauen Sie regelmäßig vom Bildschirm hoch und Blinzeln oder Gähnen sie bewusst. Auch getönte PC-Brillen verschaffen den Augen Erholung.

Typisches Patientenbeispiel

Seit Wochen hat Günther einen kleinen Knubbel an seinem unteren Augenlid. ‚Eine Warze, ein Pickelchen… sowas wird es schon sein‘, denkt er sich. Außerdem geht er nicht gerne zum Arzt. Als es aber überhaupt nicht besser wird, beginnt seine Frau, sich immer mehr zu sorgen. Zähneknirschend vereinbart Günther einen Termin bei seinem Augenarzt und ist nach dem Besuch ziemlich baff. Der Arzt hat doch tatsächlich ein Basaliom bei ihm festgestellt – Hautkrebs! „Gut, dass Sie so früh gekommen sind!“, hat er gesagt. „Ein kleiner ambulanter Eingriff wird reichen, um den Tumor vollständig zu entfernen.“ Erleichtert über die gute Prognose verlässt Günther die Praxis und ersteht auf dem Heimweg einen riesigen Blumenstrauß für seine hartnäckige Frau.

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Die hier beschriebenen Punkte (Krankheit, Beschwerden, Diagnostik, Therapie, Komplikationen etc.) erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Es wird genannt, was der Autor als wichtig und erwähnenswert erachtet. Ein Arztbesuch wird durch die hier genannten Informationen keinesfalls ersetzt.

Autoren: Dr. Dr. Tobias Weigl, Clara Spottke
Redaktion: Tobias Möller
Veröffentlicht am: 26.08.2019

Quellen

  • Antonio Bergua (2017): Das menschliche Auge in Zahlen. Springer-Verlag, Berlin.
  • Berufsverband der Augenärzte Deutschlands e. V.: Wie wir sehen – Der Sehvorgang, Augenquerschnitt, Augenerkrankungen, Fehlsichtigkeit, Augen und gesunde Ernährung, Sehen ohne Brille – Refraktive Chirurgie. In: augeninfo.de.
  • Deutsches Grünes Kreuz e.V.: Härtetest für die Augen. In: dgk.de.
  • Stefanie Hanke (2019): Multifaktorielle Erkrankung der Augenoberfläche: Volkskrankheit „trockenes Auge“. In: Deutsches Ärzteblatt 116 (16) S. A- 801. In: aerzteblatt.de.
  • Bernhard Sabel; Jiaqi Wang u. a. (2018): Mental stress as consequence and cause of vision loss: the dawn of psychosomatic ophthalmology for preventive and personalized medicine. In: EPMA Journal 9 (2), S.133–160.
  • Christian Wolfram; Alexander Schuster u. a. (2019): Prävalenz von Sehbehinderung in der erwachsenen Bevölkerung. Erkenntnisse aus der Gutenberg-Gesundheitsstudie. In: Deutsches Ärzteblatt 116 (17) S. 289–95. In: aerzteblatt.de.
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