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Das Antihistaminikum Dimenhydrinat (Vomex®) – Gegen Übelkeit und Erbrechen

Bei Schwindel und Übelkeit möchte man meist schnell eine Lösung. Trotzdem sollte man bei Medikamenten, die schnelle Linderung versprechen, die Dosis beachten. — Dr. Tobias Weigl.


Von Medizinern geprüft und nach besten wissenschaftlichen Standards verfasst

Dieser Text wurde gemäß medizinischer Fachliteratur, aktuellen Leitlinien und Studien erstellt und von einem Mediziner vor Veröffentlichung geprüft.

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Dimenhydrinat ist ein Antihistaminikum, das sowohl als Antiallergikum als auch als Antiemetikum (gegen Übelkeit und Erbrechen) verwendet wird. Häufig wird Dimenhydrinat daher bei Reisebeschwerden genutzt. Es kann allerdings unangenehme Nebenwirkungen herbeiführen.

„Ich hätte diese Seefahrt nicht machen sollen“, sagt Dieter, während er sich ein Kissen an den Bauch hält. „Mir ist die ganze Zeit schon ungut.“ Die Seekrankheit überkam ihn gleich nachdem das Schiff abgelegt hatte. Helena schaut beunruhigt zu ihm herüber und fragt: „Willst du nicht vielleicht etwas nehmen? Es gibt bestimmt Mittel gegen Seekrankheit.“ Dieter überlegt kurz. Die Idee ist gut, wenn auch etwas spät. Er beschließt, sich über Mittel gegen Übelkeit zu informieren.

Was ist Dimenhydrinat?

Dimenhydrinat ist ein Antihistaminikum, welches sowohl als Antiallergikum als auch als Antiemetikum (gegen Übelkeit und Erbrechen) verwendet wird. Es handelt sich dabei um einen zusammengesetzten Wirkstoff, der zum einen aus dem Antihistaminikum Diphenhydramin und zum anderen aus dem Stoff Chlorotheophyllin besteht. Normalerweise ist Dimenhydrinat ein weißes, geruchsloses Salz, das aber in verschiedenen Darreichungsformen vertrieben wird. Dimenhydrinat wird meist in Tablettenform oral eingenommen, kann aber auch in anderer Form sowohl rektal, intravenös (in die Vene injiziert) als auch intramuskulär (in den Muskel injiziert) verabreicht werden. Die Dosierung ist abhängig von der Verabreichungsmethode. Dimenhydrinat wird unter anderem unter den Handelsnamen Vomex A® oder Vomacur® vertrieben. Anal wird das Medikament meist per Zäpfchen eingeführt. Für intravenöse Medikation wird das Medikament in Ampullen aufbewahrt. Bei der oralen Einnahme gibt es mehre Darreichungsformen:

  • Tablette
  • Kautablette
  • Sirup
  • Dragées
  • Kaugummi-Dragées
Haben Sie schon einmal Dimenhydrinat genommen?
 

Gut zu wissen!
Dimenhydrinat wird auch in der Behandlung von Kindern (pädiatrische Medizin) verwendet. Zugelassen ist das Mittel für Kinder ab 6 Monaten oder einem Gewicht von mindestens 6 kg.

Wirkungsweise von Dimenhydrinat

Dimenhydrinat funktioniert als Antihistaminikum. Das bedeutet, dass es die Rezeptoren im Körper für den Stoff Histamin blockiert. Histamin ist zusammengefasst ein Stoff, der im ganzen Körper sowohl für das Immunsystem als auch für andere Funktionen zuständig ist. Insgesamt gibt es vier verschiedene Arten von Histamin-Rezeptoren. Dimenhydrinat setzt sich an den H1-Rezeptor. Dadurch, dass Histamin blockiert wird, spricht man im Zusammenhang mit Antihistaminen auch von Histamin-Antagonisten.
Blockiert nun Dimenhydrinat diese Rezeptoren, senkt dies die Histaminwirkung und somit die Intensität von allergischen Reaktionen sowie den von Histamin verursachten Brechreflex. Allerdings blockiert Dimenhydrinat nicht nur den H1-Rezeptor. Es blockiert auch den Acetylcholin-Rezeptor (A-Rezeptor). Dieser Stoff ist ein wichtiger Neurotransmitter. Das heißt, er ist für die Reizübertragung von Nervenzelle zu Nervenzelle zuständig und spielt somit eine wichtige Rolle im Regulieren von Körpervorgängen. Werden die A-Rezeptoren nun blockiert, verlangsamt dies die Reaktionszeit der Nerven, sowohl im zentralen als auch im peripheren Nervensystem. Daher kann Dimenhydrinat beruhigend (sog. ‚sedierend‘) wirken.
Diese Nebenwirkungen sind möglich, da Dimenhydrinat ein Antihistaminikum der ersten Generation ist. Diese sind in der Lage, die Hirn-Blut-Schranke zu passieren und somit im zentralen Nervensystem zu wirken. Ähnlich wie andere Antihistaminika der ersten Generation neigt Dimenhydrinat aufgrund von unerwünschten Wirkungen an anderen Rezeptoren zu Nebenwirkungen.
Mehr zum Antihistaminika und den Unterschieden zwischen Antihistaminika der ersten und der zweiten Generation finden Sie hier. Ebenso empfehlen wir die Lektüre des umfassenden Artikels zum Thema Cetirizin, bei dem es sich um ein Antihistaminikum der zweiten Generation handelt, das dementsprechend verhältnismäßig wirkungsarm daherkommt.
Die Wirkung von Dimenhydrinat setzt in der Regel eine halbe bis volle Stunde nach Einnahme ein und kann 3–6 Stunden anhalten. Es gibt allerdings auch Medikamente, welche die Wirkung auf bis zu 12 Stunden verlängern können. Diese Medikamente bezeichnet man als Retard-Medikamente.

Fakten-Box
In der Onkologie wird Patienten unter anderem Dimenhydrinat als Reserveantiemetikum verschrieben. Die Dosis beträgt hier 3-malig 50-100mg oral oder 1 bis 2-malig 150mg rektal.

Fachlicher Diskurs

In einem Artikel über Medikationsfehler wurde Dimenhydrinat als Beispiel verwendet. So wurde einer 38-jährigen Patientin wegen Migräne von ihrem Hausarzt Dimenhydrinat intravenös verabreicht. Allerdings war dieses Präparat nicht für eine Injektion in die Venen, sondern in die Muskeln gedacht, was aufgrund schlechter Lichtverhältnisse übersehen worden war. Nach einer kurzen Venenentzündung (sog. ‚Phlebitis‘) erholte sich die Patientin allerdings wieder.

Wogegen haben Sie schon einmal Dimenhydrinat genommen? (Mehrfachnennungen möglich)

Einsatzgebiete und Dosierung

Gerade in der Vorbeugung (sog. ‚Prophylaxe‘) und Behandlung von Drehschwindel sowie Übelkeit und Erbrechen wird Dimenhydrinat genutzt. Daher findet es sein Einsatzgebiet meist in der Reisemedikation, beispielsweise bei Seekrankheit.
Die Dosierung, wie oben bereits erwähnt, ist je nach Alter, Gewicht und Darreichungsform unterschiedlich. Auch die Schwere bzw. der Leidensdruck spielen bei der Dosierung eine Rolle. Allerdings sollte die Dosierung immer den Anweisungen der Packungsbeilage bzw. primär den Anweisungen des Arztes folgen, sollten dahingehend unterschiedliche Angaben bestehen. Eine Standarddosierung für Erwachsene sieht wie folgt aus:

DarreichungsformDosisMaximaldosis am Tag
Oral (p.o.) und rektal Bis zu 3-mal 70mg am Tag
oder
bis zu 2-mal 150mg am Tag
5 mg pro kg (max. 400 mg)
IntravenösBis zu 3-mal 1 Ampulle (á 62 mg pro 10 ml) am TagBis zu 4 Mal 1–2mg pro kg (max. 400 mg)
Langsame Kurzinfusion10 ml alle 20 MinutenBis zu 4 Mal 1–2mg pro kg (max. 400 mg)
Bei Kindern wird die Dosis nach Gewicht differenziert zwischen:

  • 6–15 Kilogramm
  • 16–25 Kilogramm
  • Mehr als 25 Kilogramm
  • Mehr als 60 Kilogramm bzw. ein Jugendlicher von 14 Jahren oder älter

Video-Exkurs: Schwindel

Dimenhydrinat wird häufig auch gegen Schwindel verwendet. Wieso bekomme ich Schwindel? Was kann man dagegen tun? Wichtige Grundlagen und Wissenswertes zum Thema erklärt Dr. Tobias Weigl in diesem Artikel und dem folgenden Video.

Mögliche Nebenwirkungen

Dimenhydrinat kann zu diversen Nebenwirkungen führen. Sehr häufige Nebenwirkungen sind:

  • Muskelschwäche
  • Benommenheit
  • Leichte Schwindelgefühle

Häufige Nebenwirkungen von Dimenhydrinat können sein:

  • Mundtrockenheit
  • Probleme beim Urinieren
  • Ein erhöhter Augeninnendruck
  • Ein Anstieg der Herzfrequenz (sog. ‚Tachykardie‘)

Bei älteren Patienten und Kindern sollte Dimenhydrinat nur mit Vorsicht angewandt werden, bei den folgenden Leiden sollte auf Dimenhydrinat verzichtet werden:

  • Eine höhere Krampfbereitschaft
  • Epilepsie
  • Überempfindlichkeit
  • Eine vergrößerte Prostata (sog. ‚Prostatahyperplasie‘)
  • Die Stoffwechselkrankheiten der Gruppe Porphyrien
  • Hormonell aktive Tumoren (sog. ‚Phäochromozytom‘)
  • Bei einem Engwinkelglaukom

Dies ist jedoch keine vollständige Auflistung der möglichen Kontraindikationen (Grundlagen zum Verzicht auf Medikation). Weitere Kontraindikationen finden sich in der Packungsbeilage des Medikaments und können bei einem Gespräch mit dem Arzt erörtert werden. Generell sollte bei dem Verdacht auf mögliche Komplikationen die Medikation in der Packungsbeilage nachgelesen und im Zweifelsfall mit dem Arzt abgesprochen werden.
Dimenhydrinat wirkt nicht nur anders bei bestimmten Krankheiten, sondern sollte auch wegen seiner Wechselwirkung mit anderen Stoffen mit Bedacht genommen werden. Zu den Mitteln, bei denen diese Wechselwirkungen bekannt sind, gehören unter anderem:

  • Antidepressiva
  • Alkohol
  • Anticholinergika (Mittel bspw. zur Pupillenweitstellung, zur Verringerung des Speichelflusses etc.)
  • Blutdrucksenkende Mittel, wie ACE-Hemmer oder Beta-Blocker (sog. ‚Antihypertonika‘)

Generell sind Medikamente, die das QT-Intervall verlängern (Ein QT-Inverall ist kurz gesagt der Zeitraum, in dem sich das Herz einmal zusammenschließt und wieder entspannt), ebenso von Wechselwirkungen betroffen. Leidet der Patient an einem angeborenen Long-QT-Syndrom, also einer angeborenen Verlängerung des QT-Intervalls, sollte ebenfalls auf die Einnahme des Medikamentes verzichtet werden.
In der Schwangerschaft sollte Dimenhydrinat nur eingeschränkt und nach ausführlicher Nutzen-Risiko-Abwägung verwendet werden, da es im dritten Trimenon, also in den letzten drei Monaten der Schwangerschaft, zu verfrühten Wehen führen kann. In der Stillzeit sollte die Substanz nicht genommen werden.
Eine Nierenbeeinträchtigung (sog. ‚Insuffizienz‘) wirkt sich nicht negativ auf die Dosierung aus, bei einer eingeschränkten Leberfunktion ist allerdings wichtig, streng nachzuprüfen, welche Indikationen zutreffen.

Vorsicht!
Überdosierungen mit Dimenhydrinat können lebensgefährlich werden.

 

Gut zu wissen!
Aufgrund seiner sowohl sedierenden als auch halluzinogenen Wirkung wird Dimenhydrinat auch immer wieder zu nicht-therapeutischen Zwecken missbraucht. Dies hat es als Antihistaminikum mit Promethazin gemein.
Woher kommt Medikamentenmissbrauch? Wie viele Deutsche missbrauchen Medikamente? Wichtige Grundlagen und Wissenswertes zum Thema erklärt Dr. Tobias Weigl in diesem Video.

Häufige Patientenfragen

Wann sollte ich ein Medikament mit Dimenhydrinat nehmen? Wann nicht?

Dr. T. Weigl
Sofern Sie sich vergewissert haben, dass Sie Dimenhydrinat sicher einnehmen können, nehmen Sie es entweder, wenn Sie Übelkeit und Erbrechen schon erwarten können, oder wenn bereits bestehende Übelkeit zu einem Leidensdruck führt. Erwarten können Sie Schwindel und Übelkeit oder auch Erbrechen, wenn Sie beispielsweise eine Seefahrt machen und wissen, dass sie schnell seekrank werden. Dimenhydrinat wirkt, je nach Medikamentenform, relativ schnell. Sie können bereits nach etwa einer halben bis ganzen Stunde von einer Wirkung ausgehen.
Sie sollten Dimenhydrinat vermeiden, wenn Sie gewisse Vorerkrankungen haben, oder zurzeit andere Medikamente nehmen bzw. unter dem Einfluss von anderen Mitteln stehen. Falls sie sich nicht sicher sind, sollten Sie zusätzlich noch einmal einen Arzt über die Einnahmevoraussetzungen befragen. Wenn die Symptome von einem Mittel verursacht worden sind, das sich nicht gut mit Dimenhydrinat verträgt, versteht es sich von selbst, dieses nicht dagegen zu nehmen. Ein Beispiel: Schwindel, Übelkeit und Erbrechen kommen unter anderem natürlich auch bei übermäßigem Alkoholkonsum vor, sollten aber nicht mit Dimenhydrinat behandelt werden, da es hier zu unangenehmen Wechselwirkungen kommen kann.

Was sind die Nebenwirkungen?

Dr. T. Weigl
Bei Dimenhydrinat können eine Reihe von Nebenwirkungen auftreten, schließlich blockiert der Stoff wichtige Neurotransmitter-Rezeptoren im Körper. Nebenwirkungen können daher Benommenheit oder Muskelschwäche, aber auch Mundtrockenheit sein. Für eine genauere Beschreibung möglicher Nebenwirkungen schauen Sie besser in das spezifische Beipackheft des Medikaments und brechen bei Auftreten von Nebenwirkungen die Medikation ab. Sollten die Nebenwirkungen fortbestehen, sollten sie umgehend einen Arzt aufsuchen.

Wie sollte ich Dimenhydrinat dosieren? Ist eine Überdosierung möglich?

Dr. T. Weigl
Die Standarddosierung variiert je nach Medikament, im Allgemeinen sollten aber täglich 400 mg nicht überschritten werden. Zumeist wird das Medikament 2–3 Mal pro Tag mit der angegebenen Dosis eingenommen. Hier empfiehlt es sich ebenfalls, die Packungsbeilage zu lesen. Da Dimenhydrinat nicht zwingend verschreibungspflichtig ist, können Sie die Dosierung anhand der Packungsbeilage vornehmen. Falls Sie sich nicht sicher sind, ist es natürlich ratsam, sich bei einem Arzt über eine individuelle Dosierung zu erkundigen.
Bei Kindern ist die Dosierung noch einmal anders und sollte strenger überwacht werden als bei Erwachsenen. Die Gefahr, bei Kindern unerwünschte Arzneimittelwirkungen hervorzurufen, ist bei Dimenhydrinat leider möglich.
Eine Dauertherapie sollte mit Dimenhydrinat nicht gemacht werden. Der akute Drehschwindel mit Übelkeit und Erbrechen sowie die vorausschauende Einnahme sind möglich.

„Ist die Aussicht nicht schön?“, fragt Dieter, während er an der Reling steht. „So habe ich mir Schiffurlaub immer vorgestellt.“ Helena reicht Dieter eine Tablette. „Gut, dass du sich noch einmal beim Arzt erkundigt hast. Diese Tabletten wirken sehr gut, aber mit der Dosierung sollten wir vorsichtig sein.“ Dieter atmet die Seeluft ein. „Das ist wahr, aber den Urlaub kann es mir nicht vermiesen.“

Verwandte Themen

Haben auch Sie Erfahrungen mit Dimenhydrinat gemacht? Haben Sie Fragen zum Thema? Nutzen Sie unsere Kommentarfunktion unten für den Austausch untereinander und mit uns!

Die hier beschriebenen Punkte (Krankheit, Beschwerden, Diagnostik, Therapie, Komplikationen etc.) erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Es wird genannt, was der Autor als wichtig und erwähnenswert erachtet. Ein Arztbesuch wird durch die hier genannten Informationen keinesfalls ersetzt.

 
Autoren: Dr. Tobias Weigl, Mathis Gronau
Lektorat: Tobias Möller
Veröffentlicht: 01.08.2018

Quellen

  • Karin Jordan et. al. (2017): Supportive Therapie bei onkologischen Patienten, in: Dtsch Arztebl Int 2017; 114(27-28): 481–7.
  • Thomas Karow, Ruth Lang-Roth (2012): Allgemeine und Spezielle Pharmakologie und Toxikologie. Vorlesungsorientierte Darstellung und klinischer Leitfaden für Studium und Praxis. Thomas Karow Verlag.
  • Wolfram Karges, Sascha Al Dahouk (2009): Innere Medizin… in 5 Tagen. Springer Medizin Verlag, Heidelberg.
  • Christian Prinz (2012): Basiswissen Innere Medizin. Springer Medizin Verlag, Heidelberg.
  • rme/aerzteblatt.de (2016): „Aus der UAW-Datenbank“ Nebenwirkungen durch Medikationsfehler, in: Dtsch Arztebl 2016; 113(43).
  • Klaus-Peter Schaps et al. (Hg.) (2007): Innere Medizin. Springer Medizin Verlag, Heidelberg.
  • Stefan Wimmer et. al. (2015): Arzneimitteltherapiesicherheit bei Kindern. In: Dtsch Arztebl Int 2015; 112(46): 781–7.
  • [Gesamt:2    Durchschnitt: 5/5]

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