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Das Antiallergikum Cetirizin

Als Antihistaminikum der zweiten Generation kann Cetirizin vorbehaltsfreier zur Bekämpfung von Allergiesymptomen verwendet werden als andere Antihistaminika. — Dr. Tobias Weigl.


Von Medizinern geprüft und nach besten wissenschaftlichen Standards verfasst

Dieser Text wurde gemäß medizinischer Fachliteratur, aktuellen Leitlinien und Studien erstellt und von einem Mediziner vor Veröffentlichung geprüft.

Quellen ansehen

Cetirizin ist eines der am häufig genutzten Antihistaminika zur Bekämpfung von Allergiesymptomen. Aufgrund der Tatsache, dass Cetirizin ein Antihistaminikum der zweiten Generation ist, ist es vergleichsweise nebenwirkungsarm und kann auch über einen längeren Zeitraum eingenommen werden.

„Hatschi!“, prustet Heiner, als er die Tür zum Garten aufmacht. „Da haben wir schon diesen schönen Garten hinter dem Haus und ich kann ihn nicht genießen“. Gudrun holt eine Packung Taschentücher hervor und reicht sie Heiner „Deine Augen sind ja ganz verquollen und du hast schon die ganze Nacht geschnieft. Du solltest dringend mal ein Antiallergikum nehmen, gegen die ganzen Pollen.“ Heiner winkt ab „Es gibt doch so viele, da weiß man doch gar nicht, welches man nehmen soll.“ Jetzt beginnen seine Augen auch noch zu jucken. Vielleicht wären Antiallergiemittel ja doch eine gute Idee. Er beschließt, Nachforschungen anzustellen.

Was ist Cetirizin?

Cetirizin (genauer Cetirizindihydrochlorid) ist ein Antihistaminikum, das meist zur Behandlung von Symptomen Anwendung findet, die durch Allergien ausgelöst werden. Man bezeichnet in diesem Zusammenhang das Medikament als sog. Antiallergikum. Cetirizin kann auch zur Behandlung von chronischer Nesselsucht (sog. ‚Urtikaria‘) eingesetzt werden, wenn kein gesicherter Ursprung (sog. ‚Pathogenese‘) vorliegt, die Nesselsucht also idiopathisch ist. Zumeist wird Cetirizin in Tablettenform gereicht und hat im Regelfall eine Dosierung von 1×10 Milligramm pro Tag p. o. (per os, auch peroral: über den Mund). Bevorzugt sollte das Mittel abends genommen werden.
Für Kinder unter 2 Jahren wird der Wirkstoff Levocetirizin vermarktet und ist auch zugelassen. Dieser wird ebenfalls sowohl für chronische idiopathische Nesselsucht verwendet als auch für Heuschnupfen (sog. ‚allergische Rhinitis‘). Anders als Cetirizin soll Levocetirizin eine doppelt so hohe Bindungsaffinität an H1-Rezeptoren haben, was dementsprechend sowohl Wirkungsgrad als auch Nebenwirkungen positiv beeinflussen soll. Tatsächliche Unterschiede zwischen der Wirkung von Cetirizin und Levocetirizin sind noch nicht durch Studien nachgewiesen. Bei chronischer Nesselsucht wird auch der Stoff Rupatadin verwendet.

Haben Sie schon einmal Cetirizin genommen?
Gut zu wissen!
Im Bereich der Behandlung von Kindern (pädiatrisch) wird Cetirizin oral verabreicht. Die Darreichungsform kann allerdings variieren, insgesamt gibt es bei der Behandlung Cetirizin in vier verschiedenen Formen:

  • Sirup
  • Tropfen
  • Tabletten
  • Schmelztabletten

Wirkungsweise von Cetirizin

Wie Antihistaminika der ersten und der zweiten Generation, fungiert auch Cetirizin als sogenannter Histamin-Antagonist. Das bedeutet, dass sich der Wirkstoff an die Histaminrezeptoren (sog. ‚H-Rezeptoren‘) im Körper setzt und somit verhindert, dass das Histamin selbst sich an ebendiese Rezeptoren setzen kann.
Histamin ist im Körper zum Teil für das Immunsystem verantwortlich. Da eine Allergie häufig eine überschießende Reaktion des Immunsystems gegenüber körperfremden Stoffen ist, ist Histamin meist in diese Reaktion involviert. Wird das Histamin nun durch den Antagonisten (also in diesem Fall das Cetirizin) daran gehindert, an den
H-Rezeptor anzudocken, ergibt sich eine geringere Histaminwirkung. Insgesamt gibt es vier verschiedene H-Rezeptoren, wobei Cetirizin am H1-Rezeptor wirkt.
Cetirizin wirkt peripher, also abseits des Zentrums. Es wirkt deswegen peripher, weil es nicht in das zentrale Nervensystem gelangen und sich dort an die H-Rezeptoren setzen kann. Würde es dies tun, hätte Cetirizin eine sedierende, also beruhigende Wirkung. Da es dies aber nicht tut, wirkt es nur im Bereich des Immunsystems. Es ist daher auch selektiver. Cetirizin wird hauptsächlich über die Niere ausgeschieden, dementsprechend über den Urin.

Exkurs: Antihistaminika der 1. Generation vs. Antihistaminika der 2. Generation

Antihistaminika der 1. Generation wurden während der 1950er Jahre zum ersten Mal eingesetzt. Auch Sie setzen an den H-Rezeptoren an und wirken damit histamin-antagonistisch. Allerdings haben Antihistaminika der ersten Generation folgende Besonderheiten:

  • Sie gelangen in größeren Ausmaßen durch die Blut-Hirn-Schranke und wirken daher auch im zentralen Nervensystem.
  • Sie binden nicht spezifisch an den H-Rezeptor, sondern können auch andere Rezeptoren blockieren, beispielsweise Dopamin. Dies kann zu niedrigerem Blutdruck oder auch erhöhtem Appetit führen.
  • Nebenwirkungen treten häufiger auf als bei Antihistaminika der zweiten Generation.
  • Wegen ihrer sedierenden Wirkung werden einige Antihistaminika der ersten Generation auch als Droge missbraucht.

Aufgrund der Tatsache, dass Antihistaminika durch die Blut-Hirn-Schranke gelangen können, werden einige Antihistaminika der ersten Generation auch als Antipsychotika verwendet. Ihre weitgefächerte Bindung führt aber noch zu weiteren Anwendungsgebieten, zum Beispiel als Schlafmittel, zur Bekämpfung von Übelkeit und Erbrechen (sog. ‚Antiemetikum‘) oder Schwindel.
Antihistaminika der 2. Generation wurden 1982 entdeckt. Sie haben im Gegensatz zu Antihistaminika der ersten Generation folgende Eigenschaften:

  • Sie passieren die Blut-Hirn-Schranke nicht, wirken somit eher peripher und daher auch gezielter im Körper, es ergibt sich keine ungewollte Streuung. Sie sind also peripherer und selektiver.
  • Sie sind bindungsaffiner, was bedeutet, dass gezielter nur Histamin-Rezeptoren besetzt werden. Andere Rezeptoren bleiben ungehindert. Damit ist das Nebenwirkungsrisiko geringer.
  • Durch ihre gezielte Wirkung können Antihistaminika der 2. Generation vorbehaltsfreier angewendet werden, auch bei anderen Krankheiten.

Antihistaminika der 2. Generation werden häufig gezielter eingesetzt als Antihistaminika der 1. Generation, die noch andere Wirkungsweisen haben können. Somit ist die 2. Generation zwar eingeschränkter in ihrer Wirkung, allerdings auch sicherer und führt eher zur Behandlung der gewünschten Symptome.
Zurzeit werden Antihistaminika der 3. Generation erforscht, befinden sich aber noch nicht auf dem Markt.

Einsatzgebiete

Cetirizin wird vor allem wegen seiner Wirkung an den Histaminrezeptoren zur Behandlung und Linderung von allergischen Reaktionen verwendet. In der allgemeinen Anwendung findet Cetirizin zur Bekämpfung folgender Beschwerden Verwendung:

  • Nasen- und Augensymptome (z. B. saisonale und ganzjährige Schleimhautentzündung, die sogenannte Rhinitis)
  • Linderung von chronischer Nesselsucht

Hierbei ist es wichtig, darauf zu achten, für welches Mindestalter das Medikament vorgesehen ist. Einige Medikamente können Personen ab einem Alter von 2 Jahren verabreicht werden, andere dürfen erst ab dem 6. Lebensjahr Anwendung finden.

Wogegen haben Sie schon einmal Cetirizin genommen? (Mehrfachnennungen möglich)

Mögliche Nebenwirkungen

Da Cetirizin ein Antihistaminikum der zweiten Generation ist, hat das Medikament deutlich weniger Nebenwirkungen als Antihistaminika der ersten Generation. Anders als Antihistaminika der ersten Generation kann Cetirizin nämlich nicht die Blut-Hirn-Schranke passieren.

Gut zu wissen!
Die Blut-Hirn-Schranke ist die Schranke zwischen der Hirnsubstanz und dem Blutstrom, filtert also Stoffe aus dem Blut, die nicht für das zentrale Nervensystem gedacht sind.

Da also Cetirizin nicht die Blut-Hirn-Schranke passieren kann, treten (die für Antihistaminika der ersten Generation üblichen) Nebenwirkungen wie Müdigkeit, Kopfschmerzen oder Benommenheit (also die sedierende Wirkung) nur in einem von hundert Fällen auf. In noch selteneren Fällen sind Herzrhythmusstörungen möglich.
Wechselwirkungen mit Cetirizin sind nicht bekannt, auch nicht mit moderaten Mengen Alkohol (ca. 1 Glas Wein). Allerdings ist es ratsam, Cetirizin, wie alle anderen Antihistaminika auch, nicht gleichzeitig mit Alkohol einzunehmen. Auch sollten Allergietests nicht während der Einnahme von Cetirizin gemacht werden, da Cetirizin das Ergebnis von Allergietests beeinflussen könnte.
Da Cetirizin über die Niere ausgeschieden wird, sollte vorher mit einem Arzt über die Einnahme gesprochen werden, wenn ein Nierenleiden (z. B. eingeschränkte Nierenfunktion) vorliegt.
Auch eine Überdosis von Cetirizin ist möglich. Daher sollten Sie sich an die Einnahmeregelung auf der Packungsbeilage oder an die Anweisung des Arztes halten. Eine Überdosis kann sich wie folgt bemerkbar machen:

Bei Eintreten dieser Symptome sollte umgehend der Arzt kontaktiert werden.

Aktuelles aus der Forschung!

Anders als viele andere Antihistaminika gehört Cetirizin zum Mittel der Wahl sowohl während der Schwangerschaft als auch während der Stillzeit. Eine Studie von 2011 über Auswirkungen in der Frühschwangerschaft zeigte, dass sich kein Einfluss auf Schwangerschaftsabbrüche, weder durch Cetirizin noch durch Levocetirizin, nachweisen ließ. Allerdings gibt es heute gewisse Cetirizin-Präparate, die ausdrücklich eine Verwendung während der Schwangerschaft oder Stillzeit verbieten. Daher lesen Sie immer die Packungsbeilage und fragen Sie im Zweifelsfall immer lieber noch einmal bei einem Arzt nach, bevor Sie eine Medikation beginnen.

Medikamente, die während der Schwangerschaft genommen werden, sind häufig Gegenstand von Debatten. Wie der Einfluss von Paracetamol sich auf die Schwangerschaft auswirkt und was die Forschung dazu sagt, erklärt Ihnen Dr. Tobias Weigl im nachfolgenden Beitrag.

Häufige Patientenfragen

Wann sollte ich ein Medikament mit Cetirizin nehmen? Wann nicht?

Dr. T. Weigl
Falls Sie allergische Reaktionen absehen können, bietet es sich an, Cetirizin am Abend vorher zu nehmen. Im Allgemeinen können Sie Cetirizin aber bei Auftreten der Symptome einnehmen. Dann sollte die Dosierung ca. 1 Mal täglich betragen. Falls Ihr Arzt Ihnen eine andere Anweisung zur Einnahme gegeben hat, halten Sie sich an diese. Für Kinder zwischen 6 und 12 sowie zwischen 2 und 6 Jahren gelten andere Einnahmeregeln. Kontaktieren Sie im Zweifelsfall auch dazu lieber noch einmal Ihren Arzt.
Einnehmen sollte man Cetirizin nicht oder nur in geringeren Dosen, wenn man unter Nierenschwäche leidet, auch hierbei wenden Sie sich bitte an den Arzt. Wird Cetirizin falsch eingenommen, kann sich die Wirkungsweise verschlechtern oder es zu Nebenwirkungen kommen.

Was sind die Nebenwirkungen?

Dr. T. Weigl
Wird Cetirizin falsch eingenommen kann es passieren, dass es nicht richtig wirkt. Ansonsten sind Nebenwirkungen wie Sedierung, also beispielsweise Müdigkeit, Kopfschmerzen oder Benommenheit. Diese treten aber nur in ca. 1% der Fälle auf, sind daher im Regelfall nicht zu erwarten. Noch seltener treten Herzrhythmusstörungen auf. Falls diese eintreten, brechen Sie die Medikation am besten ab und wenden sich an einen Arzt.

Wie sollte ich Cetirizin dosieren? Ist eine Überdosierung möglich?

Dr. T. Weigl
Sollte Ihr Arzt Ihnen keine andere Dosierung empfohlen haben, richten Sie ich im Regelfall nach der Packungsbeilage. Bei einem Erwachsenen mit 10 mg Wirkstoff sollte das Medikament durchschnittlich 1 Mal täglich genommen werden. Bei Kindern zwischen 6 und 12 Jahren sollten 2 Mal täglich 5 mg genommen werden. Haben Sie einmal vergessen, eine Dosis zu nehmen, sollten Sie nicht versuchen, dies über eine doppelte Dosis nachzuholen.
Denn es kann in der Tat zu Überdosierungen kommen. Falls Sie also glauben, zu viel eingenommen zu haben, wenden Sie sich umgehend an einen Arzt. Die möglichen Nebenwirkungen hierbei können Müdigkeit, Kopfschmerzen, Benommenheit und diverse andere sein. Ob und welche Maßnahmen ergriffen werden sollten, besprechen Sie am besten mit Ihrem Arzt.

Kann ich Cetirizin über einen längeren Zeitraum einnehmen?

Dr. T. Weigl
Je nach Länge der Behandlung kann Cetirizin auch über einen längeren Zeitraum eingenommen werden. Hierbei ist die Frage, welche Maßnahmen mit Ihrem Arzt besprochen worden sind.

„Heute mal kein Taschentuch!“, sagt Heiner, als er die Tür zum Garten aufmacht. „Einmal abends die Tablette, wie der Arzt gesagt hat, und meine Allergien sind wieder erträglich“. Gudrun steckt die Packung mit den Taschentüchern zurück in ihre Tasche. „Ein bisschen rot sind deine Augen noch“, sagt sie, „aber gut, dass du beim Arzt noch einmal nachgefragt hast. Jetzt können wir endlich einmal in Ruhe den Sommer genießen.“

Haben auch Sie Erfahrungen mit Cetirizin gemacht? Haben Sie Fragen zum Thema? Nutzen Sie unsere Kommentarfunktion unten für den Austausch untereinander und mit uns!

Die hier beschriebenen Punkte (Krankheit, Beschwerden, Diagnostik, Therapie, Komplikationen etc.) erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Es wird genannt, was der Autor als wichtig und erwähnenswert erachtet. Ein Arztbesuch wird durch die hier genannten Informationen keinesfalls ersetzt.

 

Autoren: Dr. Tobias Weigl, Mathis Gronau
Redaktion: Tobias Möller
Veröffentlicht am: 01.08.2018, zuletzt aktualisiert: 11.11.2018

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