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Epilepsie – Wenn das Gehirn krampft

Auf einen Blick: Was ist Epilepsie?

  • Erkrankung, die sich häufig durch Krampanfälle äußert
  • Krämpfe ohne offensichtliche Ursache
  • Anfall entspringt dem Gehirn: Nervenzellen funktionieren nicht richtig

Wer bekommt Epilepsie?

  • keine eindeutige Risikogruppe, jedoch häufig in den ersten Lebensjahren und ab einem Alter von 60 Jahren
  • erhöhtes Risiko für Menschen aller Altersgruppen, die bereits eine Hirnschädigung haben sowie Menschen mit ungesundem Lebensstil (z. B. chronischer Schlafmangel oder hoher Alkoholkonsum)

Symptome (Auszug)

  • erhöhte Geruchswahrnehmung
  • Fieberkrämpfe
  • Krampanfälle und Zuckungen mit starker Muskelaktivität

Behandlung (Auszug)

  • medikamentöse Behandlung durch Antiepileptika
  • operative Behandlung des Gehirns
  • psychotherapeutische Verfahren

Tipps

  • gesunde Lebensweise mit genug Schlaf und keinem überhöhten Alkoholkonsum kann einer Epilepsie vorbeugen
  • wenn Sie sehen, dass ein Mensch unter Krampfanfällen leidet und diese nicht nach wenigen Minuten abklingen, verständigen Sie sofort einen Notarzt
  • sorgen Sie als unmittelbarer Zeuge eines epileptischen Krampfanfalls dafür, dass sich der Betroffene nicht selbst verletzt, indem Sie Gegenstände außerhalb seiner Reichweite bringen

Von Medizinern geprüft und nach besten wissenschaftlichen Standards verfasst

Dieser Text wurde gemäß medizinischer Fachliteratur, aktuellen Leitlinien und Studien erstellt und von einem Mediziner vor Veröffentlichung geprüft.

Quellen ansehen
„Bei einer Epilepsie hört das Gehirn kurzzeitig auf, seine Funktionen korrekt auszuführen. Es kommt aufgrund nervlicher Entladungen zu einer Art Gewitter im Gehirn. Zuckungen und Krampfanfälle sind die Folge.“ — Dr. Dr. Tobias Weigl Klick um zu Tweeten

Epilepsie ist eine Erkrankung der Nervenbahnen im Gehirn. Sie äußert sich meistens in spontanen Anfällenohne offensichtlichen Auslöser. Häufen sich die Anfälle, dann spricht man von einer chronischen Epilepsie-Erkrankung. Unter den neuronalen Erkrankungen ist Epilepsie die häufigste. Die Anzeichen für einen epileptischen Anfall reichen von einer erhöhten Geruchswahrnehmung über Fummeln an Gegenständen bis hin zu Krampanfällen mit unkontrollierten Muskelzuckungen.

Die Ursachen für Epilepsie sind nicht eindeutig geklärt, der Auslöser für die Veränderung im Gehirn bzw. die Fehlfunktion ist nicht bekannt. Verletzungen des Gehirns, andere Vorerkrankungen sowie der Lebensstil können Epilepsie begünstigen. Es existieren mehrere Therapiemöglichkeiten – die Gabe von Medikamenten kann bspw. in vielen Fällen Abhilfe schaffen. Bei schweren Fällen eignet sich ein operativer Eingriff am Gehirn. Aber auch psychologische Verfahren können zu einer Linderung der Symptome beitragen.

Was ist Epilepsie?

Epilepsie ist eine chronisch-neuronale Erkrankung. Patienten, die unter einer Epilepsie leiden, durchlaufen immer wieder auftretende Bewusstseinsstörungen, abnormale motorische Reaktionen und Krampfanfälle. Die Ursache der Anfälle ist eine kurzzeitige Fehlfunktion oder Ausfall einer Gruppe von Neuronen im Gehirn. Anstatt Informationen weiter zu leiten, hören bei einem epileptischen Anfall ganze Gruppen von Neuronen plötzlich auf zu arbeiten.

Besonders hoch ist das Risiko für eine Erkrankung in den ersten Lebensjahren und ab einem Alter von 60 Jahren. Rund 5% der Menschen bis zu einem Alter von 20 Jahren erleiden mindestens einen epileptischen Anfall. Bei einem einzelnen Anfall spricht man jedoch noch nicht von einer Epilepsie – diese wird erst dann diagnostiziert, wenn die Symptome regelmäßig wiederkehren. Unter einer Epilepsie leiden knapp 1% der Jugendlichen unter 20.

Ein epileptischer Anfall – Falsche Synchronisation der Neuronen

Wenn das Gehirn normal arbeitet, dann laufen die Informationen durch die Neuronen. Die elektrischen Potentiale der Neuronen sorgen dafür, dass diese immer abwechselnd aufgeladen und entladen sind. Durch das Auf- und Entladen kodieren die Gehirnzellen Informationen und leiten diese weiter. Gewisse Auslöser führen dazu, dass sich die Neuronen gleichzeitig, also synchron, entladen. Durch entladene Neuronen laufen aber keine Informationsimpulse mehr, da sie sich nicht mehr elektrisch aufladen können. Dadurch ist der Bereich im Gehirn mit den entladenen Nervenbahnen kurzzeitig nicht arbeitsfähig und hört auf, seine Aufgaben zu erfüllen.

Wie kommt es dazu, dass sich die Neuronen entladen?

Neuronen haben eine dünne Schicht (sog. ‚Membran‘) um sich herum, die undurchlässig ist für elektrisch aufgeladene Teilchen (sog ‚Ionen‘), die sich im Gehirn befinden. Damit die Neuronen überhaupt eine elektrische Aktivität haben, regelt die Membran, welche Ionen zu welchem Zeitpunkt in das Innere der Nervenzellen hinein- oder aus dieser herauswandern dürfen. Für diese Aufgabe existieren Kanäle in der Membran. Die Membran kann also steuern, ob sich eine Nervenzelle auflädt und einen Impuls weitergibt oder ob dies in Ruhe bleibt. Es besteht im Normalfall also immer die Möglichkeit, dass die Nervenzelle aktiv wird. Dies bezeichnet man als Membranpotential. Ist die Verteilung der Ionen innerhalb und außerhalb der Membran gestört, dann kann das Membranpotential zu niedrig sein. Die Folge ist die elektrische Entladung der Zelle, die zu einem kurzzeitigen Funktionsausfall führt.

 

Was bewirken Antiepileptika im Körper? Wie helfen sie bei Schmerzen? Im folgenden Video widmet sich Dr. Dr. Tobias Weigl den Medikamenten Pregabalin, Gabapentin & Carbamazepin bei Schmerzen.

Medikamente Pregabalin, Gabapentin & Carbamazepin bei Schmerzen – Antikonvulsiva/ Antiepileptika

Die Symptome: Welche Beschwerden verursacht eine Epilepsie?

Eine Epilepsie verursacht Symptome verschiedener Schwere. Leichte Symptome sind ein übermäßig starkes Empfinden von Gerüchen, das Gefühl etwas schon einmal gesehen zu haben (sog. ‚Dèja-vu–Erlebnis‘) oder unruhiges Herumfummeln an Gegenständen mit den Händen. Diese Symptome bleiben manchmal unerkannt, da man sie häufig nicht als epileptischen Anfall identifiziert. Das häufigste Symptom sind die Krampfanfälle. Es gibt verschiedene Arten von epileptischen Krampfanfällen, die sich in ihrer Schwere unterschieden.

Kleinere epileptische Anfälle

Kleine Anfälle äußern sich ausschließlich in einem kurzen Aussetzen des Bewusstseins. Bei dieser Art des Anfalls kommt es meistens nicht dazu, dass die betroffene Person hinfällt. Gerade bei Kindern treten diese Anfälle häufig auf. Das Bewusstsein des Kindes schweift kurz ab, was Erwachsene häufig als die sogenannten Träumereien von Kindern wahrnehmen. Daher erkennen die Eltern oftmals nicht, dass ihr Kind einen epileptischen Anfall erlitten hat.

Eine etwas ausgeprägtere Form der epileptischen Anfälle, die im Kindesalter auftreten, ist die Rolando-Epilepsie. Die Anfälle äußern sich darin, dass Kinder nachts durch ein seltsames Gefühl im Mundraum aufwachen. Sie sind nicht in der Lage zu sprechen und aus den Mundwinkeln läuft ihnen oft Speichel heraus. Wenn ihre Eltern sie während des Anfalls ansprechen, wirken die Kinder verträumt und geistig abwesend.

Eine weitere Form des epileptischen Anfalls ist der örtlich begrenzte Anfall (sog. ‚fokaler Anfall‘). Bei dieser Art von Anfall treten zunächst Zuckungen einzelner Gliedmaßen auf, die sich im Laufe des Anfalls auf eine Hälfte des Körpers ausbreiten. Bei einem fokalen Anfall bleiben die Betroffenen oftmals bei Bewusstsein, jedoch ist deren Verhalten seltsam: sie lachen unerwartet oder schmatzen.

Schwerere epileptische Anfälle

Der große Anfall ist die bekannteste Form des epileptischen Anfalls. Die meisten Menschen haben dieses Bild vor Augen, wenn sie an Epilepsie denken: bei einem großen Anfall verliert der Patient das Bewusstsein und verfällt in starke Zuckungen des Körpers. Die Atmung ist oftmals unruhig und die Gliedmaßen bewegen sich unkontrolliert. Diese Form des Anfalls kann bis zu einigen Minuten andauern. Die betroffenen Personen sind danach so erschöpft, dass sie in einen tiefen Schlaf fallen. Wenn die Betroffenen wieder aufwachen, sind sie zumeist sehr müde und benommen. Diese Art des Anfalls ist in den meisten Fällen nach maximal fünf Minuten vorbei und nicht lebensbedrohlich.

Der epileptische Status (sog. ‚Status epilepticus‘) ist die schwerste Form eines epileptischen Anfalls. Er besteht entweder aus einem sehr langen epileptischen Anfall oder aus einer Reihe epileptischer Anfälle, die kurz nacheinander ablaufen. Verfällt eine Person in den Status, kann die Folge von Anfällen über zehn Minuten lang andauern. Diese Form der Epilepsie ist lebensbedrohlich und muss medikamentös unterbrochen werden. Falls also der Verdacht besteht, dass es sich bei einem epileptischen Anfall um einen epileptischen Status handelt, dann ist es sehr wichtig, umgehend einen Arzt zu verständigen.

 

Gut zu wissen!

Epileptische Anfälle kann man verschieden deuten. Während heutzutage viele wissen, dass ein epileptischer Anfall einer Nicht-Funktion des Gehirns geschuldet ist, hat man früher andere Ursachen als Auslöser angesehen. Im Mittelalter haben die Menschen zum Beispiel angenommen, dass epileptische Anfälle durch die Besessenheit von einer dunklen Macht ausgelöst werden. Die Betroffenen mussten sich danach einem Exorzismus unterziehen. Das Prozedere war teilweise so anstrengend für den Patienten, dass dabei weitere Anfälle ausgelöst wurden.

Wer ist am ehesten betroffen?

Es existiert keine eindeutige Risikogruppe für Epilepsie. Jedoch sind Menschen in den ersten Lebensjahren und ab dem frühen Alter häufiger betroffen. Bestimmte Risikofaktoren sorgen dafür, dass die Nervenzellen sich entladen und ein epileptischer Anfall erfolgt. Grob lassen sich diese in äußere und innere Faktoren unterteilen.

Äußere Faktoren

Äußere Faktoren (sog ‚exogene Faktoren‘) beschreiben Umstände, die von außen auf den Körper wirken. Ein exogener Faktor, der zu epileptischen Anfällen führen kann, ist eine optische Überreizung. Sehr schnelle Computerspiele mit vielen Lichtimpulsen sind ein Beispiel dafür. Bei manchen Menschen führt auch ein erhöhter Konsum des Fernsehens zu epileptischen Anfällen. Denn das Licht, das aus dem Bildschirm oder Fernseher kommt, flackert in einer schnellen Frequenz. Besonders empfindliche Personen nehmen sogar schon das Flackern von Licht beim Fahren durch Alleen als unangenehm wahr.

Auch der Lebensstil beeinflusst die Nervenzellen. Schlafmangel über längere Zeit und ein hoher Alkoholkonsum können sich schlecht auf die allgemeine Gesundheit auswirken und epileptische Anfälle begünstigen. Vorsicht ist vor allem bei einer abrupten Abstinenz nach langem Alkoholkonsum geboten.

Fehlfunktionen im Körper

Fehlfunktionen des Körpers stellen Risikofaktoren für epileptisch Anfälle dar. Man bezeichnet sie als innere Faktoren (sog. ‚endogene Faktoren‘), da sie aus dem Körper selbst kommen und keinen Einfluss von außen darstellen. Innere Faktoren sind langanhaltendes Fieber, geringer BlutzuckerBlutzuckerBlutzucker oder ein Mangel an Sauerstoff im Blut. Eine falsche Zusammensetzung der Botenstoffe im Gehirn (sog. ‚Neurotransmitter‘) ist außerdem ein begünstigender Faktor für epileptische Anfälle. Die anregenden und hemmenden Botenstoffe müssen immer in einem gewissen Verhältnis im Gehirn vorhanden sein, damit es richtig arbeiten kann. Ist von einer Sorte der Botenstoffe ein Überschuss vorhanden, kann dies die Entladung der Neuronen und einen epileptischen Anfall zur Folge haben. Auch Veränderungen der Gehirnstruktur können epileptische Anfälle verursachen. Zum Beispiel erfolgen epileptische Anfälle nach Hirnblutungen, Narbenbildungen im Gehirn, nach Verletzungen des Gehirngewebes oder durch Tumore. Auch Schlaganfälle können einen epileptischen Anfall oder Epilepsie auslösen.

Denken Sie, dass Sie selbst schon einmal einen epileptischen Anfall erlitten haben? Vielleicht haben Sie auch schon einen Anfall bei anderen beobachtet. Wenn ja, welche Dinge sind Ihnen dabei aufgefallen? Mit Ihrer Antwort helfen Sie dabei, dass Betroffene die Symptome besser erkennen und in einer Notfallsituation schneller handeln können (Mehrfachnennungen sind möglich).

Was tut der Arzt? Teil 1: Die Diagnose von Epilepsie

Die Diagnose durch den Arzt erfolgt durch Patientengespräche. Bei der sogenannten Anamnese des Patienten erfragt er den genauen Ablauf des aufgetretenen Anfalls. Da sich die Formen der Epilepsie unterscheiden, ist es sehr wichtig, dass die Betroffenen die Symptome genau schildern. Gerade im Fall von leichten Epilepsieformen, wie sie bei Kindern auftreten, ist dies wichtig. Vor allem die Häufigkeit der Anfälle ist eine relevante Information für die Diagnose durch den Arzt. Denn wenn nur ein einzelner epileptischer Anfall aufgetreten ist, handelt es sich noch nicht um eine Epilepsie. Diese liegt erst vor, wenn die Anfälle wiederkehren.

Die Diagnose mit Hirnstrommessung

Die Hirnstrommessung mit einem Messgerät (sog. ‚Elektroenzephalogramm‘, kurz ‚EEG‘) ist die einzige Methode, die eine vorhandene Epilepsie direkt anzeigen kann. Elektroden, die man am Kopf platziert, messen bei dieser Methode die elektrischen Ströme des Gehirns durch die Schädeldecke hindurch. Das Verfahren tut nicht weh und ist kein Eingriff in den Körper. Wenn an einem Punkt kein Signal der Hirnströme ankommt, dann deutet dies auf eine Nicht-Funktion dieser Region des Gehirns hin. Mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit ist dieser Bereich des Gehirns für den Anfall verantwortlich. Die identifizierte Region des Gehirns wird als Herd bezeichnet, da sie den Anfall sozusagen entfacht.

Die Diagnose mit psychologischen Tests

Tests über die Denkfähigkeit des Patienten dienen als Unterstützung für die anderen Diagnosemethoden. Die allgemeine Aufmerksamkeit, Intelligenz und das Sprachvermögen können dabei helfen, die Ursache der Epilepsie weiter einzugrenzen. Wenn ein Patient beispielsweise Schwierigkeiten hat, Gegenstände zu benennen, kann dies auf eine Störung des Sprachzentrums im Gehirn hindeuten. Hat das EEG ergeben, dass aus dieser Region keine elektrischen Impulse ankommen, wird die Beobachtung durch den psychologischen Test untermauert.

Fakten-Box

Epilepsie

  • Sie ist eine Erkrankung der Neuronen
  • Ein epileptischer Anfall wird ausgelöst durch die kurzzeitige Nicht-Funktion einiger Neuronen

Mögliche Symptome

  • Verlieren des Bewusstseins
  • Zuckungen
  • Unkontrollierte Bewegungen der Gliedmaßen

Was tut der Arzt? Teil 2: Die Behandlung von Epilepsie

Epilepsie ist auf verschiedenen Wegen behandelbar. Je nachdem, welche Form der Epilepsie vorliegt, entscheidet der Arzt, welche Behandlungsmethode am besten zu dem Patienten passt.

Die Behandlung mit Medikamenten

Liegt eine diagnostizierte Epilepsie vor, kann der Arzt den Patienten medikamentös einstellen. Es kann jedoch lange dauern, bis der Arzt das richtige Präparat für den Patienten gefunden hat. Denn zunächst muss der Arzt abwarten und die Häufigkeit und den Verlauf der Anfälle beobachten. Es gibt Medikamente, die Epilepsie-Patienten dauerhaft einnehmen können, um die Anfälle zu unterdrücken. Diese nennt man Antiepileptika beziehungsweise Antikonvulsiva.

Achtung: Setzen Sie Antiepileptika nie eigenmächtig ab!

Antiepileptika sollten immer nach Anweisung des Arztes eingenommen werden. Sollten Sie Zweifel an der Wirksamkeit des verordneten Medikaments haben, besprechen Sie diese mit Ihrem Arzt. Setzen Sie jedoch nicht vom einen auf den anderen Tag das Medikament ab. Es kann dadurch zu einem akuten Krampfanfall kommen.

Beim Status epilepticus ist eine schnelle intravenöse Medikamentengabe erforderlich, da der Patient in Lebensgefahr schwebt. Zunächst versucht man es mit der Gabe von Benzodiazepinen wie Diazepam (Valium) oder Lorazepam (Tavor). Reicht die Wirkung nicht aus, sollte Phenytoin gegeben werden. Ein Monitoring ist dabei erforderlich, weil es durch Phenytoin zu Arrhythmien kommen kann. Wirkt auch dieser Arzneistoff nicht, ist die zusätzliche Barbiturat-Gabe erforderlich. Erst, wenn auch dieser Stoff nicht wirkt, wird eine Narkose mit Barbituraten als letztes Mittel eingeleitet.

Die Behandlung durch eine Operation

Reicht die Gabe von Medikamenten nicht aus und sind die epileptischen Anfälle so heftig, dass eine Bedrohung für den Patienten vorliegt, kann ein operativer Eingriff ratsam sein. Bei einem solchen Eingriff ist es wichtig, die auslösende Hirnregion, beziehungsweise den Herd genau zu identifizieren. Wenn ein kleines Areal des Gehirns immer wieder die epileptischen Anfälle auslöst, entfernen die Ärzte dieses. Es ist dabei wichtig, nicht zu viel herauszuschneiden. Eine weitere Möglichkeit für einen operativen Eingriff besteht darin, die Verbindung der verursachenden Hirnregion zum Rest des Gehirns zu durchtrennen.

Die Behandlung mit psychologischen Methoden

Psychotherapeutische Verfahren helfen zwar nicht dabei, die epileptischen Anfälle zu unterdrücken. Sie können dem Betroffenen jedoch dabei helfen, mit den Anfällen im Alltag besser zurecht zu kommen.

Eine weitere relativ neue psychologische Methode ist das Erlernen der Selbstkontrolle der Hirnströme (sog. ‚Neurofeedback‘). Dabei lernen die Patienten, ihre Hirnströme zu kontrollieren. Man stattet sie mit einem Elektroenzephalogramm aus, das von einem Computer ausgewertet wird. Die Patienten erhalten ständig eine Rückmeldung darüber, wie ihre Hirnströme in diesem Moment sind. Dadurch lernen sie, die Ströme aktiv zu kontrollieren. Dies kann ihnen dabei helfen, einen drohenden epileptischen Anfall zu kontrollieren oder zu mindern.

Aktuelle Forschung – Wie der technische Fortschritt zum Erfolg von Operationen bei Epilepsie Patienten beiträgt

Bereits seit den 1980er Jahren befassen sich Wissenschaftler damit, die Herde für epileptische Anfälle im Gehirn mit Hilfe von Computerprogrammen zu identifizieren. Seither haben sich die Verfahren weiterentwickelt, jedoch ist noch nicht klar, welcher Algorithmus die besten Ergebnisse liefert. Dr. Ikeda und sein Team von der neuropsychiatrischen Abteilung der Kansai Universität in Japan haben eine Studie durchgeführt, indem sie ein Computerverfahren zum Erkennen der Herde getestet haben.

Das Berechnungsverfahren für Epilepsie-Herde im Gehirn

Das getestete Verfahren ist eine Technik, die aufgezeichnete Daten aus dem Gehirn dreidimensional darstellt. Die Grundlage hierfür liefern die Daten über Hirnströme, die ein Elektroenzephalogramm aufzeichnet. Diese Daten bestehen jedoch nur aus Informationen über Hirnsignale, die an der Schädeldecke ankommen. Sie sind also zweidimensional. Es ist notwendig, computergestützte Analysen durchzuführen, um ein dreidimensionales Bild des Gehirns zu erhalten und ein Hirnareal als Herd der Epilepsie zu finden. Das Verfahren, mit dem die Herde berechnet werden, bezeichnet man als exakte niedrig auflösende elektromagnetische Gehirntomographie (sog. ‚exact low-resolution brain electromagnetic tomography‘, kurz ‚eLORETA‘). Die Forscher haben in ihrer Studie herausgefunden, dass das Berechnungsverfahren gut funktioniert und mit den von Hand durchgesehen Daten übereinstimmt.

Hilfe von Computern für zukünftige Operationen

Mit dem Verfahren ist es möglich, einen Lageplan für das Gehirn von Epilepsiepatienten zu erstellen. So wissen die operierenden Ärzte vor dem Eingriff genau, wo sich der Herd befindet. Das Verfahren spart Zeit, da ein solcher Algorithmus sehr schnell viele Daten des Gehirns auswerten kann. Zudem ist es sehr genau, da der Lageplan bei einer Operation anzeigen kann, wo der Chirurg seinen Schnitt setzen soll.

Quelle: Shunichiro Ikeda u.a. (2019):  Automated Source Estimation of Scalp EEG Epileptic Activity Using eLORETA Kurtosis Analysis. Neuropsychobiology, 77/2, S. 101-109.

Häufige Patientenfragen

Meine 7- jährige Tochter hat einen epileptische Krampfanfall erlitten. Muss ich nun damit rechnen, dass sich das häuft?

Dr. Dr. T. Weigl
Ein einzelner epileptische Anfall bedeutet noch nicht, dass eine Person häufiger Anfälle erleiden wird. Von einer Epilepsie spricht man erst dann, wenn die Anfälle regelmäßig erfolgen. Sprechen Sie mit dem Kinderarzt Ihrer Tochter und planen Sie mit ihm zusammen, wie die weitere Diagnostizierung erfolgt.

Ich spiele sehr gerne PC Spiele. Ist es wahr, dass man davon Epilepsie bekommt?

Dr. Dr. T. Weigl
Lichtimpulse, wie sie in schnellen Computerspielen zu sehen sind, können einen epileptischen Anfall begünstigen. Es muss jedoch nicht der Fall sein, dass Computer spielen einen Anfall oder gar eine chronische Epilepsie auslöst. Wenn Sie jedoch einen Anfall beim Spielen am PC erleiden, dann sollten Sie mit ihrem Arzt darüber sprechen.

Darf man noch Auto fahren, wenn man Epilepsie hat?

Dr. Dr. T. Weigl
Grundsätzlich stellt eine Erkrankung an Epilepsie ein Risiko für die Sicherheit im Straßenverkehr dar. Denn wenn ein Anfall auftritt während die betreffende Person aktiv fährt, können schwere Unfälle die Folge sein. Es gibt jedoch Kategorien, in die die Patienten je nach Schwere der Epilepsie Erkrankung eingeteilt werden. Diese Einteilung bestimmt, welche Kraftfahrzeuge die betroffene Person bedienen darf.

Ertrinken Menschen, die einen epileptischen Anfall im Wasser erleiden?

Dr. Dr. T. Weigl
Das Risiko ist ständig gegeben, dass Epilepsie-Patienten einen Anfall erleiden. Ein Anfall kann also auch beim Schwimmen erfolgen. Daher ist es für Menschen mit Epilepsie ratsam, nur unter Aufsicht schwimmen zu gehen. Im Fall eines Anfalls ist eine schnelle Rettung auf diese Weise gewährleistet. Der Betroffene ertrinkt nicht sofort im Wasser, jedoch stellt das Schwimmen ohne Aufsicht ein zu hohes Risiko dar.

Exkurs: Medikamente gegen Epilepsie können abhängig machen.

Pregabalin ist ein krampflösender, entspannender Wirkstoff der Gruppe der Antiepileptika bzw. Antikonvulsiva. Der Wirkstoff wirkt auch beruhigend und hat daher eine angenehme Wirkung auf die Patienten. Die Einnahme hat bereits in vielen Fällen zu einem Missbrauch  durch Patienten geführt. Sogar ein Fall von Missbrauch durch einen Arzt ist im Jahr 2011 bekannt geworden. Der Wirkstoff Tavor ist ebenfalls in Medikamenten gegen Epilepsie zu finden. Auch hier besteht eine Gefahr der Abhängigkeit.

Typisches Patientenbeispiel

Maria ist mit ihrer Freundin Leia in der Stadt unterwegs. Endlich haben die beiden mal wieder die Zeit gefunden, einen richtigen „Mädels-Nachmittag“ zu machen. Vor allem nach der stressigen Klausuren-Phase mit wenig Schlaf tut ein bisschen Freizeit nun echt gut.

Nach dem Kino – sie haben den neuen 3D-Film von Disney angesehen – gehen sie noch in die Stadt, um ein paar Dinge einzukaufen. „Die Effekte waren schon richtig cool, oder?“, sagt Leia zu Maria. „Ja, die bunten Farben und auch, dass es so schien als würde das Wasser richtig auf uns zu spritzen“, lacht Maria. „Jetzt bin ich aber auch ein bisschen müde – ich war die letzten Tage ja jeden Abend feiern. Nach den Klausuren war es schon nice, den Kopf bei der Semesterparty so richtig frei zu bekommen. Jetzt erstmal keine Biochemie mehr, nur noch Party. Ich meine, ich habe lieber Schlafentzug, weil ich die ganze Nacht durchtanze und Alkohol trinke als die ganze Nacht irgendwelche Alkoholverbindungen auswendig zu lernen.“ „Ja, da hast du Recht“, entgegnet Leia, „lass uns mal noch kurz nach einem neuen Parfüm schauen gehen.“

In der Parfüm-Abteilung eines Drogeriemarkts angekommen, bemerkt Maria, dass die neuen Düfte ziemlich stark riechen. Sie fragt Leia, ob sie auch findet, dass es so stinkt, aber diese nimmt keine Veränderung wahr. Der Geruch wird immer schlimmer, sodass Maria den Laden lieber verlassen möchten „Du, ich warte draußen“, sagt sie zu Leia. „Ach komm schon, bleib‘ doch hier; ich bin ja gleich fertig mit aussuchen.“ Maria denkt sich „na gut, ich werde das schon aushalten“.

Kontrollverlust

Jedoch wird der Geruch immer stärker und sie fühlt sich plötzlich benommen. Sie hört Leias Stimme sagen „Hey, ist alles ok? Ist der Geruch wirklich so schlimm für dich? Guck’ doch nicht so!“, während die Stimme ihrer Freundin sich immer weiter zu entfernen scheint. Maria muss plötzlich laut lachen, obwohl ihr gar nicht zum Lachen zumute ist. Es fühlt sich an, als verliere sie die Kontrolle über ihren Körper. Sie scheint neben sich zu stehen. Plötzlich wird es ihr schwarz vor Augen. Gleich danach kehrt ihre Wahrnehmung jedoch zurück und sie bemerkt, wie sie immer noch neben ihrer Freundin Leia in der Drogerie steht. Ein paar Sekunden lang ist Maria vollkommen verwirrt, da sie nicht einschätzen kann, was gerade mit ihr geschehen ist. „Was ist passiert?“, fragt sie.

Maria geht an diesem Abend nicht feiern. Als sie das Erlebnis am nächsten Tag nicht loslässt, geht sie zu ihrer Hausärztin. Sie schildert der Ärztin genau, was passiert ist. Nach ein paar Untersuchungen ist der Verdacht der Ärztin bestätigt: Maria hatte einen epileptischen Anfall. Ob es sich um einen einmaligen Anfall handelt oder ab es sich um einen Epilepsie handelt, wird sich herausstellen. Die Ärztin rät ihr, mehr auf ihren Lebensstil zu achten. „Es ist gut möglich, dass der Anfall durch Schafentzug und Alkoholkonsum begünstigt worden ist. Was der endgültige Auslöser war, ist schwer zu sagen. Aber Sie hatten ja erwähnt, dass Sie einen Film im Kino angesehen hatten, bevor der Anfall aufgetreten ist. Manche Menschen vertragen helle Lichter und das Flackern von Bildschirmen weniger gut als andere. Es kann schon sein, dass die Faktoren Müdigkeit und Alkohol in Kombination mit dem Licht die Auslöser waren.“

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Die hier beschriebenen Punkte (Krankheit, Beschwerden, Diagnostik, Therapie, Komplikationen etc.) erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Es wird genannt, was der Autor als wichtig und erwähnenswert erachtet. Ein Arztbesuch wird durch die hier genannten Informationen keinesfalls ersetzt.

 

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Autoren: Dr. Dr. Tobias Weigl, Melinda Mende
Lektorat: Christopher Keck
Datum: 06.10.2019

Quellen

  • Julia Geither u.a. (2018): Epilepsien. In: Neurologische Pathophysiologie, S.99-116. Springer, Berlin, Heidelberg.
  • Shunichiro Ikeda u.a. (2019): Automated Source Estimation of Scalp EEG Epileptic Activity Using eLORETA Kurtosis Analysis. Neuropsychobiology, 77/2, S. 101-109.
  • Adam Strzelczyk u.a. (2018): Stufenadaptierte Therapie des Status epilepticus. Neurologie up2date, 1/01, S. 67-79.
  • Hansjörg Schneble (2017): Epilepsie.
  • Julia Taube u.a. (2018): Neuropsychologische Diagnostik bei Epilepsie. Zeitschrift für Epileptologie, 31/1, S. 22-27.
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