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Schwindel – wenn sich alles dreht | Ursachen und Behandlung

Auf einen Blick: Was ist Schwindel?

  • keine Erkrankung, sondern Symptomen-Spektrum
  • ggf. schon durch Kopfbewegungen oder schnelles Aufstehen ausgelöst
  • mögliche Form: Drehschwindel/Lagerungsschwindel
  • meist harmlos, aber chronischer Dauerschwindel möglich

Wem wird am ehesten schwindelig?

  • Frauen > Männer
  • ca. 50 Prozent der Patienten sind über 70 Jahre alt

mögliche Begleitsymptome

  • Übelkeit und Erbrechen
  • Sehstörungen
  • Kopfschmerzen

Behandlung (Auszug)

  • Behandlung richtet sich nach der Ursache
  • bei anderweitig nicht heilbarem Schwindel: Medikamente, Physio- und Ergotherapie

Von Medizinern geprüft und nach besten wissenschaftlichen Standards verfasst

Dieser Text wurde gemäß medizinischer Fachliteratur, aktuellen Leitlinien und Studien erstellt und von einem Mediziner vor Veröffentlichung geprüft.

Quellen ansehen
„Schwindel“ ist streng genommen keine Diagnose, sondern bezeichnet ein breites Spektrum an Symptomen. Sie können vielfältige Ursachen haben und oft bestimmte Begleiterscheinungen mit sich bringen: Benommenheit, Unsicherheit beim Gehen, das Gefühl, dass sich alles dreht, Sehstörungen oder Übelkeit. Der häufig kurzzeitig auftretende Drehschwindel ist meist harmlos, allerdings kann er auch zu chronischem Dauerschwindel führen oder auf lebensbedrohliche Erkrankungen hindeuten wie bspw. Herzrhythmusstörungen oder einen Schlaganfall. Schwindel in Kombination mit Bewusstseinsstörungen oder Lähmungserscheinungen sollten unbedingt ernst genommen und von einem Arzt untersucht werden!

Wieso wird uns schwindelig?

Haben Sie schon einmal die Art Schwindel erlebt, die sich nach dem schnellen Aufstehen ergeben kann? Dann sind Sie auch schon einmal von einer akuten Drehschwindelattacke überrascht worden. Man spricht hier auch von Lagerungsschwindel, da er typischerweise durch eine Kopfbewegung bzw. Lageänderung des Kopfes ausgelöst wird. Das ist bspw. beim Zurückbiegen des Kopfes oder einer Verlagerung aus der liegenden in eine stehende Position beim morgendlichen Aufstehen der Fall.

Ausgelöst wird eine solche Schwindelattacke möglicherweise durch Ohrsteinchen, die sich im Innenohr ablagern. Ist der Schwindel bewegungsabhängig, so kann der Grund dafür eine bilaterale Vestibulopathie sein – so bezeichnet man eine beidseitige Funktionsstörung des Gleichgewichtsorgans.

Im nachfolgenden Video erklärt Dr. Dr. Tobias Weigl alles Relevante zum Thema Schwindel. Er geht im Beitrag darauf ein, wer von Schwindel betroffen ist, wie dieser entsteht und welche Ursachen es für ihn gibt. Ebenso nimmt er Spezialfälle unter die Lupe und widmet sich häufigen Patientenfragen.

Wieso bekomme ich Schwindel & was kann ich tun? Ursache für Schwindelanfall & psychogenen Schwindel

Die drei Säulen unseres Orientierungssystems

Allgemeiner gesprochen ist Schwindel das Resultat von Störungen unseres Orientierungssystems. Die drei Säulen unseres Orientierungssystems sind die Augen, die Ohren und Rezeptoren in den Beinen.

Mit den Augen nehmen wir unsere Umgebung wahr. Die visuellen Informationen und die Augenbewegungen spielen bei der Entstehung und der Beurteilung von Schwindel eine wichtige Rolle, als dass verwackeltes oder verschwommenes Sehen eines der häufigsten Symptome ist, die Patienten wahrnehmen und angeben.

Das Ohr oder genauer die Bogengänge (sog. ‚Vestibularapparat‘) hinter dem Ohr sind unser Ortungsorgan und regulieren unser Gleichgewicht. Die Bogengänge sind mit Flüssigkeit gefüllt und besitzen etliche Sinneszellen mit kleinen Härchen. Sinnesinformationen werden durch Schwingungen über die Härchen weitergegeben. So werden Kopfbewegungen verarbeitet, bspw. Drehungen oder Neigungen zur Seite.

Zuletzt seien noch die Rezeptoren genannt, die Informationen von den Muskeln und Gelenken weitergeben. Man spricht hier von dem Kinästhesiesinn, auch bekannt als Propriorezeption. Denn die Informationen über An- und Entspannung des Körpers, über Lage und Stellung bestimmter Gliedmaßen oder Gelenke sind für Schwindel ebenfalls von Bedeutung.

Alle drei dieser Säulen bzw. Systeme senden im Normalfall übereinstimmende Informationen, wenn wir aufstehen, den Kopf zur Seite neigen o. Ä. Für eine Orientierung im Raum ist das richtige Zusammenspiel der Systeme überaus wichtig.

Ist eines der Systeme geschädigt und übermittelt von den anderen abweichende Informationen, entsteht Schwindel.

Was sind mögliche Ursachen für Schwindel?

Die für Schwindel infrage kommenden Ursachen sind in der Tat vielfältig. Mögliche Ursachen für eine solche Störung sind u. a. Sehstörungen, ein Ausfall des Gleichgewichtsorgans, psychische Störungen oder aber auch eine gestörte Reizverarbeitung im Gehirn. Man kann die Ursachen grob unterteilen in organische Störungen, psychische Störungen, medikamentöse Ursachen sowie Grunderkrankungen, die Schwindel zur Folge haben können.

Schwindel durch körperliche Fehlfunktionen

In unserem Körper kann es aufgrund diverser Einflüsse zu den verschiedensten Fehlfunktionen kommen. Wir empfinden bspw. Schwindel, wenn unser Gleichgewichtsorgan im Ohr erkrankt oder unser Gleichgewichtsnerv entzündet ist, aber auch dann, wenn sich durch Unfälle Verletzungen ergeben oder wir uns eine Vergiftung zugezogen haben. Der Schwindel kann seinen Ursprung aber auch bspw. direkt im Gehirn haben, denn dort sitzt unser Gleichgewichtszentrum im Hirnstamm. Die dort zu findenden Gleichgewichtsnerven erleiden oft Schaden durch Durchblutungsstörungen, die sich wiederum durch andere Krankheiten oder Umstände wie bspw. Atherosklerose, Schlaganfall oder Multiple Sklerose ergeben.

Der Schwindel liegt in der eigenen Psyche

Wenn der Schwindel aber nicht auf eine körperliche Fehlfunktion zurückzuführen ist, so mag er seinen Ursprung in der Psyche habe. In vielen Fällen hängt er dann mit Ängsten, Panikattacken oder Stress zusammen. Übrigens können sich aus Schwindelerkrankungen, die organischen Ursprungs sind, auch in sogenannten psychogenen Schwindel äußern, der in solchen Fällen häufig in den Vordergrund tritt und sogar chronisch werden kann.

Schwindel durch Substanzen und Medikamente

Dass uns ab einem bestimmten Punkt von Alkohol schwindelig wird, ist klar. Aber es gibt auch viele verschiedene Medikamente, die derlei Beschwerden auslösen können. Darunter fallen bspw. Beruhigungsmittel, Migräne-Medikamente, Antidepressiva, Antibiotika, Herz-Kreislauf-Medikamente und einige weitere.

Welche Erkrankungen lösen Schwindel aus?

Viele Erkrankungen können Schwindel auslösen. Oben haben wir ja bereits einige angedeutet, bspw. die Multiple Sklerose oder Augenerkrankungen. Aber auch einige andere Grunderkrankungen können Formen von Schwindel auslösen. So kann bspw. ein gestörter Tastsinn von Schwindel begleitet werden. Dieser kann seinen Ursprung dann wiederum z. B. in der Zuckerkrankheit Diabetes mellitus oder einem Vitamin-B12-Mangel haben. Diabetes kann übrigens auch bei Unterzuckerung Schwindel verursachen. Weitere Erkrankungen, die möglicherweise von Schwindel begleitet werden, sind Demenz, Migräne, Epilepsie sowie diverse Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems (u. a. Bluthochdruck, Herzrhythmusstörungen, Schlaganfall).

Altersbeschwerden als Auslöser für Schwindel

Bei älteren Menschen kommen neben Erkrankungen des Gleichgewichtsorgans auch oft noch andere Alterserscheinungen als Auslöser in Frage. Kreislaufschwäche, Abnutzungserscheinungen der Wirbelsäule sowie Nerven- oder Sehstörungen tragen dazu bei, dass das Gleichgewicht und somit die allgemeine Bewegungssicherheit nachhaltig gestört werden und Schwindel herbeiführen. In diesem Falle spricht man auch von Altersschwindel.

Die Symptome: Wie äußert sich Schwindel?

Oft tritt ein Schwindelanfall ganz plötzlich auf – meistens ins Form von Lagerungs- bzw. Drehschwindel, der bei bestimmten Bewegungen auftritt. Manchmal dauert er wenige Momente, kann aber auch bis zu mehrere Stunden anhalten. Gelegentlich wird er von Übelkeit und Sehstörungen (verwackelt sehen) begleitet. Handelt es sich um Dauerschwindel, kann er ununterbrochen Tage oder Monate andauern.

Der Begriff Schwindel wird oft undifferenziert für verschiedenste Symptome verwendet. Es ist daher besonders wichtig zu klären, was genau Sie damit als Patient meinen. Und achten Sie auf andere Symptome – kommt es zu Schwindel gepaart mit Gangstörungen, Taubheitsgefühlen, Sprachstörungen oder Lähmungserscheinungen, kann ein gefährlicher Schlaganfall dahinter stecken.
— Dr. Dr. Tobias Weigl

Auffälliger sind die Symptome bei einem bewegungsabhängigen Drehschwindel, bei dem die Funktion des Gleichgewichtsorgans gestört ist. Davon betroffene Patienten klagen über eine allgemeine Unsicherheit, sie sehen unscharf. Das Gehen auf unebenem Untergrund oder im Dunkeln ist besonders schwierig. Für die Betroffenen wirkt es so, als würde sich die Umgebung bewegen oder gar drehen.

Nicht selten geht auch Schwindel mit Kopfschmerzen oder Benommenheit einher. In diesem Video können Sie den Selbsttest machen und herausfinden, ob Sie unter Migräne, Spannungskopfschmerzen oder einer anderen Art von Kopfschmerzen leiden.

Selbsttest🖊Habe ich Migräne, "normale" Kopfschmerzen, Spannungskopfschmerzen? sogehtgesund Test#3

Hat Ihnen häufiger oder dauerhafter Schwindel zugesetzt? Wie hat er sich geäußert und welche Begleiterscheinungen traten auf? (Mehrfachnennungen möglich) Damit helfen Sie anderen Lesern, ihre Situation besser einzuschätzen.

Wer ist von Schwindel betroffen?

Abhängig vom Auslöser des Schwindels sind viele Menschen im Laufe ihres Lebens schon von Schwindelattacken betroffen gewesen – und sei es nur nach übermäßigem Alkoholkonsum oder wenn sie zu schnell aus dem Bett aufgestanden sind.

Es lässt sich allerdings feststellen, dass eine Vielzahl der Patienten, die häufig oder sogar ständig unter einem Schwindelgefühl leiden, mehr als 70 Jahre alt ist. Einerseits ist dies bedingt durch alterstypische Erkrankungen, andererseits aber auch durch Medikamente, die viele ältere Menschen einnehmen müssen. Diese führen nicht selten zu Nebenwirkungen wie Schwindel-Attacken.

Es existieren auch einige Sonderfälle des Schwindels, die im Folgenden aufgeführt sind:

  • Vestibuläre Migräne, auch als Schwindelmigräne bekannt: Der Schwindel tritt hier meist mit der Aura auf, die einen Migräneanfall ankündigt.
  • Morbus Menière, eine Erkrankung des Innenohrs: Plötzliche Schwindelattacken treten gemeinsam mit Tinnitus und Schwerhörigkeit auf.
  • Über- oder Unterzuckerung bei Diabetikern: Schwindel und Benommenheit sind Anzeichen hierfür.
  • Phobischer Schwindel: Schwindel tritt in Situationen auf, die Ängste (Phobien) auslösen.
Gut zu wissen!
Für Sigmund Freud stellte der Schwindel schon seinerzeit eines der herausragendsten Symptome von Angstneurosen dar. Auch heute noch ist der Schwindel neben den Kopfschmerzen die zweithäufigste Begleiterscheinung bei psychischen Erkrankungen.

Was tut der Arzt? Teil 1: Die Diagnose

Da Schwindel ein sehr oft auftretendes Symptom ist, das viele mögliche Ursachen haben kann, sind ein umfassendes Gespräch (die sog. ‚Anamnese‘) und eine körperliche Untersuchung unumgänglich. Der Arzt sollte dabei die folgenden Punkte berücksichtigen und erfragen.
Die Anamnese:

  • Art des Schwindels
  • Beginn und Verlauf der Beschwerden
  • mögliche Auslöser (z. B. Lageänderung, bestimmte Situationen, Traumata)
  • Dauer des Schwindels
  • auftretende Begleitsymptome (z. B. Herzrasen, Übelkeit, Ohrgeräusche)
  • Vorliegen anderer Grunderkrankungen
  • Einnahme von Medikamenten

In der körperlichen Untersuchung konzentriert sich der Arzt dann auf die folgenden Aspekte:

  • Überprüfung von Herz und Kreislauf, Blutdruck, Temperatur, Atemfrequenz
  • Untersuchung von Augen und Ohren
  • Prüfung von Reflexen, Sensibilität und Koordination
  • Nystagmusprüfung (Augenzittern)

Fakten-Box: Schwindel

  • Frauen sind häufiger betroffen als Männer
  • ca. 50 Prozent der Patienten sind über 70 Jahre alt
  • Schwindel ist genaugenommen keine Diagnose, sondern ein Symptom
  • Behandlung richtet sich nach der Ursache des Schwindels

Symptome

  • plötzliches Auftreten bei raschen Bewegungen oder schnellem Aufstehen
  • Übelkeit
  • Sehstörungen
  • „alles dreht sich“

Was tut der Arzt? Teil 2: Die Behandlung

Die Behandlung hängt stark davon ab, was den Schwindel auslöst. Steht fest, welche Erkrankung oder Störung für den Schwindel verantwortlich ist, kann man sie auch meist erfolgreich therapieren.

Daher soll an dieser Stelle lediglich auf Maßnahmen eingegangen werden, die ein Arzt ergreifen kann, um akut oder langfristig die Art von Schwindel zu behandeln, deren Ursache nicht therapier- oder heilbar ist. Dies trifft unter anderem auf Altersschwindel zu.

Für die symptomatische Behandlung von Schwindel oder auch Erbrechen kommen sogenannte Antivertiginosa in Frage: Das sind Medikamente, die zwar die Symptome lindern, aber nicht die Ursache behandeln können. Daher empfehlen sich gerade bei Altersschwindel auch eine Physio- und Ergotherapie. Mit ihrer Hilfe kann man Gang und Gleichgewicht trainieren und lernen, wie weitere Schwindelattacken durch angemessenes Verhalten vermieden werden können.

Aktuelles aus der Forschung – Haben Forscher die Ursache für funktionellen Schwindel ausgemacht?

Weiter oben haben wir bereits erwähnt, dass es den sogenannten somatoformen bzw. phobischen Schwindel gibt. Dieser wird bisweilen auch funktioneller Schwindel genannt. Da für ihn keine organischen Veränderungen vorliegen, gestalten sich sowohl Diagnose als auch Behandlung schwierig. Nadine Lehnen vom TUM-Universitätsklinikum München und ihre Kollegen haben jetzt möglicherweise eine Erklärung für diese Art Schwindel gefunden: Eine fehlerhafte Verarbeitung von Wahrnehmungsreizen. Die Ergebnisse wurden in der Fachzeitschrift Progress in Brain Research veröffentlicht.

Lehnen und ihre Kollegen haben in einer Pilotstudie acht von funktionellem Schwindel betroffene Patienten mit elf gesunden Personen verglichen. Dafür wurden die Teilnehmer in einem dunklen Raum platziert. Schnell wechselnd blinkten dort Lichter rechts und links von den Probanden auf, zu denen sie dann blicken mussten. Währenddessen wurden die Bewegungen ihrer Augen und ihres Kopfes erfasst. In einem zweiten Schritt bekamen die Teilnehmer dann einen beschwerten Helm aufgesetzt und mussten den gleichen Test sozusagen unter erschwerten Bedingungen wiederholen – denn die Trägheit des Kopfes hat sich so verändert.

Wackelnde Köpfe

Durch das hinzugekommene Gewicht schwankte der Kopf der Teilnehmer stark, wenn sie ihn schnell in eine Richtung bewegten. Allerdings konnten die Forscher beobachten, dass sich der Kopf der gesunden Patienten bald nicht mehr ins Wackeln bringen ließ, während sich die Patienten mit funktionellem Schwindel weiterhin schwer taten – so wie Patienten mit Schwindel, der von einer organischen Ursache herrührt.

Eine mögliche Erklärung für den Schwindel könnte also wie folgt lauten: Menschen bilden auf Grundlage von Vorerfahrungen gewisse Erwartungen an sensorische Eindrücke, die sich durch Bewegung ergeben. Ebendiese Erwartungen werden dann mit den Informationen verglichen, die das Gleichgewichtsorgan anbietet. Stimmen die Informationen nicht mit den Erwartungen überein, kommt es also zu Schwindel. Während die Gesunden problemlos Anpassungen an die neue Situation vornehmen können, greifen die Patienten mit funktionellem Schwindel auf Erinnerungen bzw. gespeicherte Informationen zurück, die nicht der vorliegenden Realität entsprechen.

Lehnen möchte die in dieser eher kleinen Studie gewonnenen Erkenntnisse künftig in einer größer angelegten Untersuchung überprüfen.

Quelle: Nadine Lehnen u. a. (2019): Deficient head motor control in functional dizziness: Experimental evidence of central sensory-motor dysfunction in persistent physical symptoms. In: Progress in Brain Research 249, S. 385–400.

Häufige Patientenfragen

Welche Ursachen haben Schwindelbeschwerden?

Dr. Dr. T. Weigl:
Die Frage nach den Ursachen für Schwindel ist schwer allgemein zu beantworten. In den meisten Fällen löst ein Lagerungswechsel den Schwindel aus. Schwindel kann aber auch Symptom einer Angsterkrankung oder Phobie sein, einer Mittelohrentzündung oder sogar eines Schlaganfalls.

Wann sollte ich damit zum Arzt?

Dr. Dr. T. Weigl:
Tritt der Schwindel einmalig auf und vergeht wieder schnell, ist ein Arztbesuch nicht zwingend nötig. Leiden Sie aber häufiger unter Schwindelanfällen und treten Begleiterscheinungen wie Übelkeit, Benommenheit oder Angstgefühle auf, ist eine weitere Abklärung durch einen Arzt ratsam.

Kann Schwindel auf eine ernsthafte Erkrankung hindeuten?

Dr. Dr. T. Weigl
Schwindel ist häufig harmlos, aber kann – wie bereits erwähnt – auch Anzeichen für etwas weitaus Ernsteres sein. Sie sollten auf jeden Fall zum Arzt gehen, wenn der Schwindel ohne erkennbaren Grund erneut auftritt, Sie von derartigen Attacken regelrecht überfallen werden. Sollten Sie häufig das Gefühl haben, dass sich Ihre Umgebung bewegt, der Schwindel bei bestimmten Bewegungen (vor allem Kopfbewegungen) auftritt oder andere Begleiterscheinungen wie Übelkeit, Kopfschmerzen, Ohrgeräusche oder Herzstolpern hinzukommen, sollte auch das mit einem Arzt abgeklärt werden. Besondere Vorsicht ist geboten, wenn zu einer Drehschwindelattacke und Unsicherheit beim Gehen noch Lähmungserscheinungen, Taubheitsgefühle, Seh- und Sprachstörungen kommen. Dies sind Warnzeichen für einen Schlaganfall. In einem solchen Notfall ist eine umgehende Untersuchung und Behandlung notwendig!

Was genau ist denn ein Schlaganfall?

Dr. Dr. T. Weigl:
Bei einem Schlaganfall kommt es zu einem plötzlichen Ausfall bestimmter Regionen im Gehirn. Häufige Folgen sind dann plötzlich einsetzende Kopfschmerzen, Schwindel oder Lähmungserscheinungen, meist auf einer Körperhälfte. Ein Schlaganfall hat grundlegend zwei Ursachen: eine Durchblutungsstörung des Gehirns oder Blutungen in das Gehirngewebe hinein. Beide Formen führen zu einer Unterversorgung mit Sauerstoff und müssen schnellstmöglich – innerhalb von Stunden – behandelt werden, um bleibende Schäden vermeiden zu können.

Wie verursacht Alkohol Schwindel?

Dr. Dr. T. Weigl:
Der Alkohol hemmt die Funktionen unseres Kleinhirns – dieses ist dafür zuständig, unsere Augen- und Körperbewegungen aufeinander abzustimmen. Ist es durch Alkohol aber beeinträchtigt, ereignen sich die typischen Folgen: unsicheres Stehen, noch unsichereres Gehen und wir „lallen“. Außerdem bahnt sich der Alkohol seinen Weg auch in das Gleichgewichtsorgan hinein und beeinflusst die Funktion der dort sitzenden Sinneszellen, sodass wir in der Folge Schwindel empfinden.

Typisches Patientenbeispiel

Annegret erwacht an diesem Morgen wie immer schon recht früh. Sie streckt sich ausgiebig und springt sofort auf, um sich einen Kaffee zu kochen. Auf dem Weg in die Küche überkommt sie plötzlich ein Gefühl von Schwindel. Es scheint, als drehe sich alles um sie herum, wie bei einer Karussellfahrt. Sie stützt sich mit der Hand an der Wand ab und tastet sich langsam vor. Sie verspürt eine leichte Übelkeit. In der Küche angekommen bemerkt sie, dass alles vor ihren Augen verschwimmt und wackelt.

Annegret setzt sich sofort auf einen Küchenstuhl und atmet tief durch. Nach ein paar Minuten hört der Schwindel auf. Sie beschließt nicht nur, demnächst vielleicht etwas langsamer und behutsamer aufzustehen, sondern auch einen Termin mit ihrem Hausarzt zu vereinbaren. Solche Schwindelanfälle, die sie sich selbst nicht erklären kann, haben sie in den letzten Monaten schon häufiger überrascht.

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Die hier beschriebenen Punkte (Krankheit, Beschwerden, Diagnostik, Therapie, Komplikationen etc.) erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Es wird genannt, was der Autor als wichtig und erwähnenswert erachtet. Ein Arztbesuch wird durch die hier genannten Informationen keinesfalls ersetzt.

Autor: Dr. Dr. Tobias Weigl, Katharina Mraz, Tobias Möller
Redaktion: Christine Pepersack
Veröffentlicht am: 08.05.2018, zuletzt aktualisiert: 19.09.2019

Quellen

  • Berufsverband Deutscher Neurologen e. V. (BDN), BKJPP, BVDN, BVDP, DGPPN, SGPP, SGKJPP: Ursachen von Schwindel. In: neurologen-und-psychiater-im-netz.org.
  • Eberhard Biesinger und Heinrich Iro (Hg.) (2007): HNO Praxis heute. Band 27: Schwindel. Springer: Heidelberg.
  • Deutsches Ärzteblatt (2019): Mögliche Erklärung für funktionellen Schwindel gefunden. In: aerzteblatt.de.
  • Diana Dubrall u. a. (2018): Häufige Nebenwirkungen und als ursächlich verdächtigte Arzneimittelgruppen. Deskriptive Analyse der Spontanberichte in der Nebenwirkungsdatenbank des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) von 1978 bis 2016. In: Deutsches Ärzteblatt International 115 (23).
  • Nadine Lehnen u. a. (2019): Deficient head motor control in functional dizziness: Experimental evidence of central sensory-motor dysfunction in persistent physical symptoms. In: Progress in Brain Research 249, S. 385–400.
  • Wolfgang Stoll, Eckhard Most und Martin Tegenthoff (2004): Schwindel und Gleichgewichtsstörungen. Thieme: Stuttgart, New York.
[Gesamt:6    Durchschnitt: 5/5]

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