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Die Sommergrippe – erkältet im Frühsommer: Ursachen, Symptome & Therapie

Menschen unterschätzen die Möglichkeit, im Sommer an einem grippalen Infekt zu erkranken. Dabei begünstigen viele Faktoren wie Temperaturunterschiede eine Infektion durch eine geschwächte Immunabwehr.
— Dr. Tobias Weigl


Von Medizinern geprüft und nach besten wissenschaftlichen Standards verfasst

Dieser Text wurde gemäß medizinischer Fachliteratur, aktuellen Leitlinien und Studien erstellt und von einem Mediziner vor Veröffentlichung geprüft.

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Bei der in der Umgangssprache als Sommergrippe bezeichneten Erkrankung handelt es sich tatsächlich nicht um eine echte Grippe (sog. ‚Influenza‘), sondern „lediglich“ um einen grippalen Effekt bzw. eine Erkältung. Darauf deuten vor allem die Ursachen, die Symptome und der Verlauf der Erkrankung hin. Zwar wird die Sommergrippe auch durch Viren übertragen. Allerdings handelt es sich bei diesen vorwiegend um sogenannte Entero-Viren, die über den Darm ausgeschieden und durch eine mangelhafte Hygiene beim Stuhlgang verbreitet werden. Anders als bei einer echten Grippe fallen die Beschwerden bei einer Sommergrippe schwächer aus und klingen auch schneller ab. In der Regel ist eine medikamentöse Therapie zwar nicht vonnöten, kann aber unterstützend wirken. Spätfolgen wie sekundäre Infektionen sind bei der Sommergrippe eine Seltenheit. Eine Sommergrippe wird meist symptomatisch behandelt und kann auch mit diversen Hausmitteln angegangen werden.

Sommer, Sonne, Sonnenschein und … eine verstopfte und laufende Nase, Husten und Kopfschmerzen. „Warum muss ich mich bei 29 Grad im Schatten mit einer Erkältung rumschlagen?“, ärgert sich Torben, der sich im Hochsommer eine Kanne Kamillentee gemacht hat, im Bett liegt und verstimmt durch die Fernsehkanäle schaltet. Er fühlt sich fiebrig und kann dieses Hitzegefühl mittlerweile nicht mehr nur auf die hohen Außentemperaturen schieben …

Was ist die Sommergrippe? Wieso erkältet man sich im Sommer?

Der arme Torben hat sich wohl eine Sommergrippe eingefangen. Dabei handelt es sich um einen grippalen Infekt bzw. eine Erkältung, die ihren Höhepunkt zwischen Juni und September hat. Der Begriff Erkältung ist dahingehend etwas irreführend, da es sich grundlegend um eine Virusinfektion der oberen Atemwege handelt. Diese Erkrankung sollte nicht verwechselt werden mit der echten Grippe, der Influenza. Denn die Unterschiede sind groß. Während sich bei der Influenza teils schwerwiegende Spätfolgen wie Sekundärinfektionen ergeben können, ist das Risiko für derlei Folgen bei der Sommergrippe verhältnismäßig gering.
 
Die Beschwerden einer Sommergrippe werden hauptsächlich durch sogenannte Enteroviren, vor allem Coxsackieviren, ausgelöst. Diese vermehren sich, ungleich der Rhino- und Coronaviren im Winter, vor allem bei feuchtem und warmem Klima. Die Viren werden bspw. über Tröpfcheninfektion, also bspw. das Niesen, übertragen oder verursachen die Sommergrippe infolge einer fäkal-oralen Infektion, bei der durch mangelhafte Hygiene nach dem Stuhlgang bspw. über ein Händeschütteln oder das Anfassen infizierter Flächen Erreger übertragen werden. Dies wird bezeichnet als Kontaktinfektion, vielleicht besser bekannt als Schmierinfektion. Erreger werden über eine Kette von Berührungen weitergereicht, entweder von Mensch zu Mensch oder über Gegenstände.

Gut zu wissen!
Schützen Sie sich und andere, indem Sie stets gründlich Ihre Hände waschen. Denn ebendieses Händewaschen unterbricht den Übertragungsweg vieler Krankheitserreger, die andernfalls ihren Weg in die Schleimhäute von Mund, Nase oder Augen finden, so in den Körper eindringen und dort eine Infektion auslösen können!

Aber eine mangelnde Hygiene alleine trägt nicht zur Infektion mit der Sommergrippe bei. Als weitere Ursachen für eine erhöhte Infektionsgefahr gelten:

  • Zu viel Sonne (kann das Immunsystem schwächen)
  • Temperaturunterschiede verursacht durch bspw. Klimaanlagen oder Zugluft
  • Flüssigkeitsmangel
  • Ungesunde Ernährung
  • Unsteter Lebenswandel

Eine erhöhte Ansteckungsgefahr besteht, wenn sich viele Menschen auf engem Raum zusammenfinden, bspw. im Freibad oder auf sommerlichen Großveranstaltungen wie Konzerten und Festen. Zu den ersten Symptomen, die im folgenden Kapitel erläutert werden, kommt es nach etwa 3–5 Tagen.

Was tut der Arzt? Teil 1: Die Diagnose

Eine Erkältung wird im Rahmen des Anamnesegesprächs zwischen Arzt und Patient diagnostiziert. Anhand der beschriebenen Symptome kann dieser die Erkältung bzw. hier Sommergrippe feststellen und geeignete Therapieformen vorschlagen. Insbesondere wenn das Fieber sehr hoch ausfällt, sollte ein Arzt aufgesucht werden, da dieser dann andere, schwerwiegendere Erkrankungen ausschließen kann.
 
Anhand der körperlichen Untersuchung kann der Arzt dann besonders durch Abhören von Lunge und Herz, das Abtasten der Lymphknoten sowie einen Blick in Mund und Hals den Verdacht weiter erhärten.
 
Bei Bedarf oder wenn Zweifel an der Diagnose bestehen, können weitere Untersuchungen initiiert werden.

Verwechslungsgefahr!
Die Symptome einer Sommergrippe treffen in großen Teilen auch auf eine durch Zecken übertragene Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) oder eine Pollenallergie zu. Bei der Diagnose einer Sommergrippe sollten diese beiden Erkrankungen daher auch stets mit in Betracht gezogen werden. Denn FSME ist potenziell lebensgefährlich. Zwar ähneln die Beschwerden in Form von Fieber sowie Kopf- und Gliederschmerzen der Sommergrippe. Allerdings kann es im Nachgang zu erneutem Fieberanstieg kommen, in dessen Folge Hirnhaut, Gehirn und Rückenmark von den Erregern befallen werden können. Auch eine Pollenallergie geht mit ähnlichen Symptomen einher. Diese lässt sich allerdings relativ leicht von der Sommergrippe unterscheiden, da ein Heuschnupfen bspw. plötzlich und stets zur gleichen Zeit einsetzt, während sich eine Sommergrippe durch ein Kratzen im Hals langsam aber stetig aufbaut.
Fakten-Box
Sommergrippe

  • Die Sommergrippe ist keine echte Grippe (sog. ‚Influenza‘)
  • Die Übertragung der Erreger erfolgt vor allem durch Schmierinfektion infolge mangelhafter Hygiene
  • Eine Schwächung des Immunsystems durch intensives Sonnenbaden oder Temperaturunterschiede begünstigt eine Infektion
  • Erkältungen im Allgemeinen suchen Erwachsene im Jahr durchschnittlich zwei- bis viermal heim, Kinder sind sogar sechs- bis achtmal von einer Erkältung betroffen

Symptome

  • Langsamer Krankheitsverlauf, beginnend mit einem Kratzen im Hals und Halsschmerzen
  • Husten und Schnupfen
  • Leichtes Fieber
  • Kopf-, Ohren- und Gliederschmerzen
  • Typisch für die Sommergrippe: Durchfall und Erbrechen

Was tut der Arzt? Teil 2: Die Behandlung

Grundsätzlich gilt, dass Erkältungen, auch eine Sommergrippe, im Schnitt innerhalb von 7–14 Tagen ganz von allein ausheilen. Allerdings können einem die diversen Beschwerden stark zu schaffen machen. Die Behandlung einer Sommergrippe erfolgt daher symptomatisch, hat also die Besserung der einzelnen Beschwerden zum Ziel. Daher empfiehlt sich gegen eine verstopfte und tropfende Nase bspw. die Anwendung
abschwellender Nasensprays und Nasentropfen. Überdies können Medikamente wie Ibuprofen oder Paracetamol die Beschwerden, vor allem die Schmerzen und eventuelles Fieber, lindern.

Exkurs: Was ist Paracetamol?

Schmerztherapeut Dr. Tobias Weigl erklärt in diesem Video die Einsatzgebiete von Paracetamol und weist auf Wirkungen sowie Nebenwirkungen hin.

Kommt es im Verlauf der Sommergrippe zu Durchfall oder Übelkeit und Erbrechen, können auch diese Beschwerden medikamentös behandelt werden. In diesem Zusammenhang sollte allerdings darauf geachtet werden, dass die körpereigene Viruselimination durch die Gabe bestimmter Medikamente nicht behindert wird. Antibiotika kommen in der Regel nicht zum Einsatz, da sie nur gegen Bakterien, nicht gegen Viren helfen. Auf diese wird nur dann zurückgegriffen, wenn sich als Begleiterscheinung eine bakterielle Infektion ergibt, die Komplikationen verursachen kann.

Achtung!
Leiden Sie unter einer Immunschwäche, welche im Idealfall im Rahmen des Anamnesegesprächs festgestellt wird, sollten Sie von einer Selbstmedikation absehen und stattdessen den Rat Ihres behandelnden Arztes einholen.

Hausmittel

Bei einer Sommergrippe können zusätzlich einige Mittel aus dem Haushalt zum Einsatz kommen, um die Beschwerden zu lindern. Der Schnupfen kann bspw. mit Dampfbädern aus Kamillenblüten oder der Inhalation mit Kochsalz behandelt werden. Natürlich empfiehlt sich auch das Lutschen von Hustenbonbons oder das Trinken heißer Kräutertees zur Bekämpfung des Hustenreizes. Dem Fieber kann mithilfe von Linden- oder
Holunderblütentee sowie mit Wadenwickeln entgegengewirkt werden. Generell gilt, dass das Immunsystem bei dem natürlichen Heilungsprozess unterstützt werden soll. Einzelne Faustregeln, die das Verhalten betreffen, sind dahingehend:

  • Viel trinken
  • Stress, Nikotin und Alkohol vermeiden
  • Für eine ausreichende und entspannende Nachtruhe sorgen
  • Tagsüber entspannen
  • Um einer erneuten Infektion vorzubeugen: regelmäßig gründlich die Hände waschen

Wirkungen und Nebenwirkungen von Medikamenten bei Sommergrippe

In diesem Beitrag geht Schmerztherapeut Dr. Tobias Weigl auf diverse Medikamente ein, die bei einem grippalen Infekt zum Einsatz kommen, u. a. auf Ibuprofen und Aspirin. Ihre Wirkungen und Nebenwirkungen erörtert er im Gespräch mit Apotheker Steffen Kuhnert.

Häufige Patientenfragen

Wie vertragen sich Sommergrippe und Sport?

Dr. T. Weigl
Nicht besonders gut. Und das wird Ihnen Ihr Körper auch signalisieren. Gönnen Sie sich eine Auszeit und wirken Sie den Befehlen Ihres Körpers nicht aus falschem Stolz o. Ä. entgegen. Denn es ist möglich, dass, vor allem im Rahmen von Husten oder einer gesundheitlichen Vorbelastung, die vermeintlich kleine Erkältung eine sehr gefährliche Herzmuskelentzündung verursacht. Und diese kann das Herz nachhaltig schädigen.

Kann man einer Sommergrippe vorbeugen?

Dr. T. Weigl
Auf jeden Fall. Dazu tragen vor allem eine ausgewogene Ernährung und ein gesunder Lebenswandel bei, wodurch das Immunsystem gestärkt wird und etwaige Krankheitserreger daran gehindert werden, sich weiter auszubreiten. Hinzu kommt, dass eine gute körperliche Konstitution zusätzlich Ihre Abwehr stärkt. Weitere Verhaltensweisen, nach denen Sie sich auch im Rahmen der Sommergrippe-Vorbeugung richten können, wurden bereits im Zusammenhang mit der Behandlung erläutert.

Torbens sommerliche Erkältung ging so schnell wie sie kam. Zwar hat er noch einige Tage im Bett verbringen und neidvoll aus dem Fenster schauen müssen, aber jetzt ist er bereit, gesund und der Sommer kann kommen. Seine Beschwerden hat er durch diverse Hausmittel und ein bisschen Ibuprofen loswerden können. In diesem Sinne greift Torben zu seinem Skateboard und macht sich auf in den Park, um bei ein paar Kickflips und Nosegrinds die letzten Tage gemeinsam mit seinen Freunden vergessen zu machen.

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Haben auch Sie Erfahrungen mit Sommergrippe? Möchten Sie sich bei uns weiter über grippale Infekte in der wärmsten Jahreszeit? Nutzen Sie unsere Kommentarfunktion unten, um von Ihren Erfahrungen zu berichten und sich mit anderen auszutauschen!
 
Die hier beschriebenen Punkte (Krankheit, Beschwerden, Diagnostik, Therapie, Komplikationen etc.) erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Es wird genannt, was der Autor als wichtig und erwähnenswert erachtet. Ein Arztbesuch wird durch die hier genannten Informationen keinesfalls ersetzt.
 
Autoren: Tobias Möller und Dr. Tobias Weigl
Lektorat: Claudia Scheur
Veröffentlicht: 04.08.2018

Quellen

  • Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung: Händewaschen.
  • erkaeltet.info (2015): Sommergrippe was tun?
  • erkaeltet.info (2017): Verkühlt trotz Hitze – Ursachen und Faktoren der Sommergrippe.
  • Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) (2017): Schnupfen, Husten und Halsschmerzen lindern.
  • Helmut Keudel (2009): Kinderkrankheiten. Gräfe Und Unzer, München.
  • pharmazeutische-zeitung.de (2017): Sommergrippe – Vorsicht vor Verwechslung.
  • sommergrippe.eu: Sommergrippe oder Influenza?
  • sommergrippe.net: Sommergrippe/Sommererkältung 2014.
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