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Haarausfall – Effluvium und Alopezia

„In gewissen Maßen ist es ganz natürlich, Haare zu verlieren. Erst wenn es gesteigert vorkommt, spricht man von Haarausfall.“ — Dr. Tobias Weigl


Von Medizinern geprüft und nach besten wissenschaftlichen Standards verfasst

Dieser Text wurde gemäß medizinischer Fachliteratur, aktuellen Leitlinien und Studien erstellt und von einem Mediziner vor Veröffentlichung geprüft.

Quellen ansehen

Jeder kennt den Verlust von Haaren: Einige Haare pro Tag in der Haarbürste oder auf dem Kopfkissen vorzufinden, ist jedoch absolut noch kein Warnsignal, sondern ganz normal. Vermehrter Haarausfall dagegen ist eine Problematik, unter der klassischerweise besonders Männer leiden. Er ist oft genetisch bedingt, doch es gibt noch einige weitere Faktoren, die für Haarausfall verantwortlich sein können. Mehr dazu erfahren Sie im folgenden Artikel.

Martin steht vor dem Spiegel und beäugt kritisch seinen Kopf. Die Geheimratsecken sind langsam aber sicher wieder etwas höher gewandert. Er betastet sein Haar und hat den Eindruck, dass es auch im Ganzen dünner geworden ist. „Kannst du dich nicht von deinem Spiegelbild losreißen, du kleiner Narziss?“, neckt ihn seine Freundin Sandra. Martin seufzt. „Ich habe das Gefühl, ich habe stärkeren Haarausfall bekommen. Bald sehe ich schon so aus wie mein Vater!“ Sandra verdreht die Augen. „Na, so weit ist es ja noch nicht, du bist doch erst fünfunddreißig. Außerdem wird Haarausfall gar nicht vom Vater vererbt, sondern über die Mutter.“ Doch das beruhigt Martin wenig. „Wenn du dir so große Gedanken machst, geh doch mal zum Arzt.“, ermuntert ihn Sandra. „Du hast Recht. Vielleicht kann der ja etwas feststellen.“, stimmt ihr Martin zu und beschließt gleich, einen Termin zu machen.

Das Haar

Das Haar hat bei uns mehrere Funktionen:

  • Schutz der Haut: Das Haar schützt die darunter liegende Haut vor Feuchtigkeit und auch vor UV-Strahlung.
  • Wärmedämmung: Die Haare liegen nicht glatt am Kopf an, sondern sind ein wenig aufgestellt. Dadurch erzeugen sie ein Luftpolster über der Haut, welches hilft, den empfindlichen Kopf gegenüber der Außentemperatur zu isolieren.
  • Soziale Funktion: Unser Haar, insbesondere das Kopfhaar, hat auch eine ästhetische Funktion.

Wie ist das Haar aufgebaut?

Haare bestehen aus Keratin, einem sogenannten Strukturprotein, das auch der Grundstoff von Nägeln und Hornhaut ist. Jedes einzelne Haar bildet ein ‚Haarfollikel‘, also eine Einstülpung in der Epidermis, gemeinsam mit einer Talgdrüse und einem keinen glatten Muskel (sog. ‚M. arrector pili‘). Das Haar selber besteht aus drei Schichten: Dem Mark (die sog. ‚Medulla‘), welches quasi der Kern des Haares ist. Darum liegt die Rinde (der sog. ‚Cortex‘), welche den Großteil des Haardurchmessers ausmacht. Und zuletzt liegt ein Häutchen (die sog. ‚Cuticula‘) um die Rinde. Die Cuticula besteht, wie die anderen beiden Schichten auch, aus Hornzellen. Bei der Cuticula überlappen sich diese, und liegen in gesundem Zustand flach an. Diese glatte Oberfläche sorgt für den Glanz des Haares. Bei weniger gesunden Haaren ist die Cuticula geschädigt, wodurch das Haar stumpf und aufgeraut wirkt. Diese äußerste Schicht des Haares ist also ein Anzeiger für den Gesundheitszustand des Haars.

Gut zu wissen!
Wie viele Haare ein Mensch hat, richtet sich nach der Anzahl der vorhandenen Haarfollikel. Diese Anzahl ist allerdings schon bei der Geburt festgelegt. Das heißt, dass sich im Laufe des Lebens keine weiteren Anlagen für Haare ausbilden können.

Der Körper hat verschiedene Arten von Haaren. Unser Kopfhaar wird als sogenanntes Terminalhaar bezeichnet, welches im Laufe des Haarzyklus’ immer wieder erneuert wird. Daher ist es ganz natürlich, pro Tag einige Haare zu verlieren, sie werden im Rahmen des Haarzyklus’ ersetzt. Unser Haar durchläuft innerhalb dieses Wachstumszyklus’ 3 Phasen:

  • Die Wachstumsphase (sog. ‚Anagen‘):
    Normalerweise befinden sich etwa 85 Prozent der Haare in diesem Stadium. Die Wachstumsphase dauert 3–8 Jahre und in ihr findet das eigentliche Längenwachstum des Haares statt.
  • Die Rückbildungsphase (sog. ‚Katagen‘):
    Nur 1–2 Prozent der Haare befinden sich gleichzeitig in dieser Phase, sie dauert ungefähr 3 Wochen an. Hierbei löst sich das Haar langsam ab und der Haarfollikel bildet sich zurück.
  • Die Ruhephase (sog. ‚Telogen‘):
    Etwa 10–15 Prozent der Haare befinden sich in diesem Stadium. Die Ruhephase bedeutet, dass das Haar ausfällt und sich der Haarfollikel regeneriert, bevor die Wachstumsphase erneut einsetzt. Diese Regeneration dauert bei Kopfhaaren 3–8 Monate an.

Haarausfall

Gesteigerter Haarausfall, sogenannter Effluvium (von lat. effluvium ‚Ausfluss, Ausdünstung‘), ist gegen die sogenannte Alopezie abzugrenzen. Ersteres beschreibt den Vorgang des Haarausfalles, letztere beschreibt den Zustand der Haarlosigkeit, also die Kahlköpfigkeit.
Jeder Mensch verliert täglich circa 100 Haare. Das ist normal und entspricht dem oben beschriebenen Haarzyklus. Bei einer Haarwäsche kann man sogar noch mehr Haare verlieren, ohne sich Sorgen machen zu müssen. Übersteigt der Ausfall pro Tag allerdings diesen Richtwert über Wochen hin, oder bilden sich kahle Flecken, dann spricht man von wirklichem Haarausfall, dem Effluvium. Dieser muss nicht zwangsläufig zu einer Haarlosigkeit führen. Beispielsweise kann es im Frühjahr oder Herbst zu einer jahreszeitenwechselbedingten Häufung kommen.

Formen von Haarausfall

Haarausfall in dem Maß, dass er zur Kahlheit oder Alopezie führt, kann in verschiedenen Formen auftreten. Grob untergliedert man in diffuse Alopezien (von ‚diffus‘, also unregelmäßig, zerstreut, nicht scharf umgrenzt), zirkumskriptive Alopezien (‚zirkumskriptiv‘, also kreisrund, begrenzt) und krankheitsbedingte Alopezien.

Diffuse Alopezien

Hier unterscheidet man zwischen Diffusen kongenitalen Alopezien und Diffusen erworbenen Alopezien. Erstere beschreiben gemäß des Wortes kongenital einen aufgrund einer Erbanlage bei Geburt vorhandenen angeborenen etwa münzgroßen haarlosen Bereich, der meist an der Haargrenze im Bereich der Schläfe auftritt. Diese Form nennt man auch ‚Alopecia triangularis congenita‘. Die Diffusen erworbenen Alopezien werden indes unterteilt in:

  • Progressiv: Hierbei handelt es sich um die Form des Haarausfalles, die am bekanntesten ist, den sogenannten ‚männlichen Haarausfall‘, im medizinischen auch ‚Alopecia androgenetica‘. Er ist zum Teil genetisch bedingt, zum Teil aber auch durch Alterung verursacht. Circa 95 Prozent aller männlichen Alopezien sind dieser Art zuzuordnen. Sie beginnt mit Einsetzen der Pubertät und verläuft in vier Stadien: Es bilden sich Geheimratsecken aus, das Haar am Hinterkopf schwindet, das Haar im Scheitelbereich lichtet sich und die kahlen Bereiche verschmelzen und zu guter Letzt verbleibt lediglich ein hufeisenförmiges Band an Haaren.
Gut zu wissen!
Es gibt auch eine Form der Alopecia androgenetica, die Frauen betrifft. Dies ist die ebenfalls genetische und alterungsbedingte Form des Haarausfalles. Sie stellt ebenso wie die oben beschriebene männliche Form 95 Prozent aller weiblichen Alopezien dar. Bei Frauen verläuft der Haarausfall jedoch zumeist milder (normalerweise eher eine Lichtung des Haares anstatt einer Glatzenbildung) als bei der männlichen Form und setzt auch später ein, meist erst nach dem Klimakterium, also den Jahren der hormonellen Umstellung.
  • Akut: Diese Form wird ausgelöst durch Medikamente oder physikalische Einwirkungen wie etwa Röntgenstrahlen. Dabei kommt es innerhalb kurzer Zeit (Stunden oder Tage) zu einem starken, akuten Haarausfall. Dieser kann jedoch durch die Ausschaltung der Ursachen behoben werden und zumeist wachsen die Haare nach.
  • Chronisch: Die chronische diffuse erworbene Alopezie kann bei Säuglingen oder Neugeborenen nach der Geburt durch Medikamente (wie etwa Ibuprofen oder Diclofenac) verursacht auftreten. Auch hier kann sie durch die Behandlung der Ursache aufgehalten werden und die Haare wachsen innerhalb von Wochen nach.

Zirkumskripte Alopezien

Hier unterscheidet man zwischen nicht vernarbenden und vernarbenden Alopezien. Zu den nicht vernarbenden gehören:

  • Kreisrunder Haarausfall (sog. ‚Alopecia areata‘):
    Dieser betrifft besonders Kinder oder junge Menschen, es treten ein oder mehrere kreisrunde haarlose Stellen auf. Die Stellen sind jedoch nicht vernarbt und in 70 Prozent beleben sich die betroffenen Stellen wieder.
  • Zirkumskripte, postinfektiöse Alopezie:
    Hierbei kommt es zu einem herdförmigen Haarausfall, der durch toxische Schädigung der Haarfollikel hervorgerufen wird.
  • Zirkumskripte, traumatische Alopezie:
    Hierbei sind begrenzte Stellen des Kopfhaares betroffen, der Haarausfall wird durch chronischen Druck, etwa durch das Tragen von Haarschmuck, oder durch Zug, etwa bei bestimmten Frisuren, ausgelöst.

Bei den vernarbenden Alopezien handelt es sich um Alopezien, die entweder durch angeborene Krankheiten, bspw. Dyskeratosen (der frühzeitigen Verhornung von Hautstellen), ausgelöst werden, oder die erworben werden, z. B. durch Viruserkrankungen oder Verbrennungen. Der Haarverlust ist hier nicht rückgängig zu machen.

Krankheitsbedingte Alopezien

Diese Form des Haarausfalls ist chronisch und nicht rückgängig zu machen, sie beschreibt einen diffusen Haarausfall. Sie wird ausgelöst durch chronische Infekte oder schwere Krankheiten, die den allgemeinen Gesundheitszustand stark verringern, bspw. Tuberkulose, Leukämie oder Diabetes mellitus.

Ursachen

Wie die oben beschriebenen unterschiedlichen Formen des Haarausfalles zeigen, kann er durch diverse Ursachen hervorgerufen werden.

Genetische Ursachen

Vererbung spielt, bspw. beim ‚Alopecia androgenetica‘, also dem klassischen männlichen Haarausfall, eine Rolle. Dabei beeinflussen über 200 verschiedene Gene die Glatzenbildung beim Mann. Davon liegen einige auf dem X-Chromosom, was die These stützt, dass diese Form des Haarausfalles über die Mutter vererbt wird, also der Haarstatus der Großväter mütterlicherseits weitergegeben wird.

Haarausfall als Reaktion auf Einwirkungen

Haarausfall, der nicht unbedingt zu Alopezien führen muss, kann auch als Folge von Einwirkungen auf das Haar bzw. die Kopfhaut erfolgen. So können bspw. Haarfärbemittel oder Shampoos zu Allergien führen.
Auch die Einnahme von Medikamenten kann Haarausfall als Nebenwirkung mit sich bringen. Medikamente wie Betablocker, Heparine oder auch Antidepressiva können dazu beitragen, ebenso wie Bestrahlung (akute, diffuse erworbene Alopezie).

Neues aus der Forschung: Gesundheitsrisiken von Kosmetika werden unterschätzt

Kosmetika erscheinen zunächst nicht wie gesundheitsschädigende oder riskante Produkte. Schließlich sind sie dazu da, den Körper zu reinigen oder zu verschönern. Doch: Kosmetika, wie etwa Shampoos und andere Haarpflegeprodukte, unterliegen – anders als Medikamente – keiner behördlichen Zulassungspflicht. Zwar gibt es Ausnahmen, wie bspw. den Gehalt von Konservierungsstoffen, Farbstoffen etc., doch gibt es keine übergeordnete Prüfung der Produkte, dafür sind die Hersteller selbst verantwortlich.
Eine amerikanische Studie hat ergeben, dass Meldungen über unerwartete Reaktionen auf Kosmetika in den vergangenen Jahren stark zugenommen haben. So kam es zum Beispiel zu Beschwerden über Haarausfall als Folge der Verwendung eines Conditioners von „WEN von Chaz Dean“. Das Mittel ist jedoch weiterhin erhältlich, auch hier in Deutschland.
Die Forschung ist sich einig, dass eine verpflichtende Registrierung aller Produkte von Kosmetika-Herstellern, samt Hinterlegung der Produktbestandsteile, der einzige Weg ist, Kosmetika mit unsicheren oder gesundheitsschädigenden Stoffen vom Markt zu entfernen.

Quelle: rme/aerzteblatt.de (2017): Studie: Gesundheitsrisiken von Kosmetika werden unterschätzt.

Hormonelle Gründe

Kommt es zu hormonellen Dysbalancen oder Umstellungen im Körper, so können auch diese Haarausfall hervorrufen. So kann bspw. eine Schilddrüsenüberfunktion als Auslöser für Haarausfall fungieren. Ebenso kann Stress ein Auslöser sein. Doch auch natürliche hormonelle Umstellungen, die der Körper durchläuft, bspw. die Menopause bei Frauen, kann Haarausfall hervorrufen (Alopecia androgenetica der Frau).

Mangelerscheinung

Auch Mangelerscheinungen können der Auslöser von Haarverlust sein. Hier stehen besonders Eisen- oder Vitaminmangel im Vordergrund.

Exkurs: Eisenmangel

Eisen wird von unserem Körper benötigt, weil es eine wichtige Aufgabe erfüllt: Gebunden an unsere roten Blutkörperchen macht es den Sauerstofftransport im Blut möglich. Der normale Eisenwert im Körper eines Erwachsenen liegt bi 3–5 Gramm. Der Körper verwertet täglich ca. 1 mg Eisen bei Männern und ca. 2 mg Eisen bei Frauen. Dieser kontinuierliche Verlust muss durch die Aufnahme von Eisen ausgeglichen werden, andernfalls kommt es zu Eisenmangel.
Typische Symptome von Eisenmangel sind:

  • Müdigkeit
  • Blässe
  • Eingeschränktes Denkvermögen
  • Haarausfall
  • Brüchige Nägel
  • Mundwinkelrhagaden
  • Aphten der Mundschleimhaut
  • Brennende Zunge

Als Ursachen für Eisenmangel gelten 4 Hauptgründe:

  • Erhöhter Eisenbedarf (z. B. Schwangerschaft, Stillzeit)
  • Erhöhte Eisenverluste (z. B. Chronische Blutungen)
  • Zu geringe Eisenzufuhr (z. B. Alkoholiker, Vegetarier)
  • Schlechte Aufnahme im Darm (Magen-Darm-Störungen)

Um den Eisenmangel zu therapieren, sollte die Ursache des Mangels erforscht und im Bestfall behoben werden. Des Weiteren ist eine Erhöhung der Eisenzufuhr sinnvoll. Das kann in Form von Eisentabletten, -kapseln oder -tropfen erfolgen.
Weiteres zum Thema Eisenmangel, wie er entsteht, wie man ihn verhindert, was man dabei beachten sollte und welche Tipps es für den Alltag gibt, lesen Sie in unserem Artikel.

Eisenmangel ist weltweit die häufigste Mangelerkrankung. Aber wofür genau braucht unser Körper eigentlich Eisen, was bewirkt ein Mangel daran und wie kann man dem entgegenwirken? Das und noch mehr dazu verrät Dr. Tobias Weigl in folgendem Video.

Fakten-Box
Haarausfall

  • Haarverlust kann in gewissem Umfang (ca. 100 Haare pro Tag) normal sein, erst bei anhaltender Überschreitung des Richtwertes spricht man von Haarausfall
  • Gesteigerter Haarverlust auch bei Jahreszeitenwechsel
  • Haarausfall, der zu Haarlosigkeit führt, nennt man Alopezie
  • Man unterscheidet 3 übergeordnete Formen der Alopezie: diffuse Alopezien, zirkumskriptive Alopezien und krankheitsbedingte Alopezien

Ursachen

  • Genetisch (Vererbung)
  • Reaktion auf Einwirkungen (bspw. als allergische Reaktion auf Inhaltsstoffe von Shampoo, Nebenwirkung einer Medikamenteneinnahme)
  • Hormonelle Ursachen (bspw. Stress, Schilddrüsenüberfunktion, hormonelle Umstellung des Körpers, z. B. in der Menopause)
  • Mangelerscheinungen (bspw. Eisenmangel)

Was tut der Arzt? Teil 1: Die Diagnose

Haarausfall verursacht bei Betroffenen oft einen großen Leidensdruck. Zudem kann Haarausfall durchaus das Symptom einer zugrundeliegenden Mangelerscheinung, eines hormonellen Ungleichgewichtes oder eine Reaktion auf eingenommene Medikamente sein. Daher ist es sinnvoll, einen Arzt zu Rate zu ziehen. Erster Ansprechpartner ist hier der Dermatologe. Zunächst erfolgt ein Anamnesegespräch, also ein Gespräch zwischen Arzt und Patient, in dem Fragen geklärt werden wie: Gibt es eine familiäre Vorgeschichte der Problematik? Werden Medikamente eingenommen und wenn ja welche? Gibt es weitere Beschwerden? Befindet man sich gerade in einer stressigen Lebensphase oder durchläuft körperliche Veränderungen wie z. B. eine Schwangerschaft?
Genauer verfolgt werden kann der Haarausfall mithilfe eines sogenannten Trichogramms. Das bedeutet eine lichtmikroskopische Untersuchung der Haarwurzeln, um eine Alopezie (genauer) diagnostizieren zu können. Dafür werden 60–70 Haare von der Kopfhaut entfernt, die Methode ist also nicht-invasiv. Das Trichogramm hilft auch bei der Bestimmung des Haarverteilungsmusters.
Auch eine Blutuntersuchung kann hilfreich sein. Mithilfe derer können beispielsweise Mangelerscheinungen bestimmt werden.

Leiden Sie auch unter Haarausfall? Wenn ja, kennen Sie die Ursache? (Mehrfachnennungen möglich)

Was tut der Arzt? Teil 2: Die Behandlung

Da Haarausfall bzw. Alopezie unterschiedliche Ursachen haben kann, gibt es nicht die eine allgemeingültige Behandlung.
Ist der Haarausfall die Folge einer Mangelerscheinung, so wird der behandelnde Arzt dazu anleiten, den Mangel auszugleichen. Ebenso bei hormonellen Ursachen, wie etwa einer Schilddrüsenüberfunktion, wird der Arzt zunächst das zugrunde liegende Problem angehen und damit nach Möglichkeit auch dem Haarausfall entgegenwirken.
Bei der häufigsten Form, der Alopecia androgenetica, ist der Haarausfall teils genetisch, teils alterungsbedingt. Die Therapie ist hier schwer möglich. Es gibt zwar Möglichkeiten der Behandlung, etwa Versuche mit Minoxidil, eine Behandlung mit Finasterid oder operative Haartransplantationen. Ein allgemein wirksames Mittel gibt es aber bislang nicht.

Häufige Patientenfragen

Seit einer Weile finde ich jeden Morgen Haare auf meinem Kopfkissen und meine Haarbürste erscheint mir auch voller als sonst. Sollte ich mir Sorgen machen?

Dr. T. Weigl
Prinzipiell lautet die Antwort: Nein. Haare auf dem Kissen oder der Haarbürste vorzufinden, ist absolut normal, da jeder Mensch täglich etwa um die 100 Haare auf natürlichem Wege verliert. Manchmal fällt so etwas stärker auf, manchmal eher weniger. Zudem verliert man bei oder nach dem Haarewaschen noch zusätzlich Haare, auch das ist normal. Ebenso kann es zu Häufungen während der Jahreszeitenwechsel, insbesondere in Frühjahr und Herbst, kommen. Hält der verstärkte Haarverlust jedoch über einen längeren Zeitraum an oder lichtet sich das Haar merklich, so ist es durchaus angeraten, einen Arzt aufzusuchen, da vermehrter Haarverlust auf eine Mangelerscheinung (besonders häufig tritt Eisenmangel auf), die Reaktion auf ein Medikament oder auf andere Ursachen hindeuten kann.

Ich bekomme langsam schütteres Haar, in meiner Familie kommt das häufiger vor. Sollte ich trotzdem einen Arzt aufsuchen?

Dr. T. Weigl
Die genetisch vererbte Form des Haarausfalles, die Alopecia androgenetica, ist die häufigste Form der Alopezie. Bei Männern stellt sie 95 Prozent aller männlichen Alopezien dar, die weibliche Form liegt bei Frauen prozentual genauso hoch. Dass Haarausfall also erblich und alterungsbedingt auftritt, ist sehr wahrscheinlich. Trotzdem ist es sinnvoll, im Zweifelsfall einen Arzt hinzuzuziehen. Falls der Haarausfall auf etwas anderes zurückzuführen ist, so wird der Arzt dies bestimmen können und eine entsprechende Behandlung durchführen. Zudem ist es hilfreich, auch bei erblich bedingtem Haarausfall, etwaige Möglichkeiten mit dem Arzt zu besprechen, anstatt sich von dem breiten Angebot in Läden und Internet in eine unnötig teure und fruchtlose Behandlung locken zu lassen.

Ich habe das Gefühl, dass ich mehr Haare verliere, seit ich ein neues Shampoo benutze. Kann das sein?

Dr. T. Weigl
Haarverlust als Folge der Nutzung eines Shampoos oder eines anderen Kosmetikartikels ist durchaus möglich. Die Kopfhaut ist sehr sensibel. Kommt es zu einer allergischen Reaktion auf einen Inhaltsstoff von bspw. einem Shampoo, so ist Haarverlust durchaus eine mögliche Folge. Besteht der Verdacht, der Haarverlust könnte durch ein solches Produkt ausgelöst werden, empfiehlt es sich, auf ein anderes Produkt zu wechseln, meist ist das schon die Lösung der Problematik. Bleibt der Haarausfall ein anhaltendes Problem, sollte zusätzlich ein Arzt hinzugezogen werden, um eventuell anhaltende Schädigungen diagnostizieren und behandeln zu lassen.

„Siehst du mal“, meint Sandra. „Gut, dass du zum Arzt gegangen bist. Jetzt musst du nicht mehr ewig vor dem Spiegel stehen und deinen Haaransatz unter die Lupe nehmen.“ Martin lacht. „Stimmt. Aber auch wenn du dich lustig machst, hatte ich recht: Ich habe mehr Haare verloren als vorher! Ein Glück, dass das nichts mit der Glatze meines Vaters zu tun hat! Auf einen Eisenmangel wäre ich von alleine nie gekommen, ich wusste gar nicht, dass man dadurch auch Haarausfall bekommen kann.“ “Und der Stress, den wir wegen dem Umzug in letzter Zeit hatten, hat bestimmt auch nicht geholfen“, meint Sandra nachdenklich. „Aber jetzt, wo der Umzug um ist, können wir uns gleich einen entspannten Abend machen. Und da der Arzt dir direkt ein paar Eisentabletten verschrieben hat, ist der Haarausfall sicher bald Geschichte.“

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Die hier beschriebenen Punkte (Krankheit, Beschwerden, Diagnostik, Therapie, Komplikationen etc.) erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Es wird genannt, was der Autor als wichtig und erwähnenswert erachtet. Ein Arztbesuch wird durch die hier genannten Informationen keinesfalls ersetzt.

Autoren: Dr. Tobias Weigl, Sarah Sodke
Lektorat: Tobias Möller
Datum: 30.08.2018

Quellen

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