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Finasterid – ein effektives Haarwuchsmittel mit Risiken

Auf den ersten Blick ist der Wirkstoff Finasterid natürlich ein Segen, um etwas gegen den Haarausfall zu tun. Allerdings kann Finasterid schwerwiegende Nebenwirkungen haben. Deshalb sollte seine Anwendung gut mit einem Arzt abgesprochen werden.
— Dr. Tobias Weigl


Von Medizinern geprüft und nach besten wissenschaftlichen Standards verfasst

Dieser Text wurde gemäß medizinischer Fachliteratur, aktuellen Leitlinien und Studien erstellt und von einem Mediziner vor Veröffentlichung geprüft.

Quellen ansehen
Gerade Männern lastet dieses Problem häufig an: Der vorzeitige Haarausfall. Er ist vielen Betroffenen unangenehm, sodass sie nach Mitteln und Wegen suchen, diesen zu stoppen und Haare nachwachsen zu lassen. Finasterid ist ein Mittel, das hierbei zum Einsatz kommt. Außerdem wird es bei gutartiger Vergrößerung der Vorsteherdrüse (sog. Prostata-Hyperplasie) eingesetzt. Sowohl seine Wirksamkeit als auch seine Nebenwirkungen sind durch Studien belegt.

Bernd dreht sich vor dem Spiegel hin und her, kämmt die Haare mal so und mal so, aber vergeblich: Den kahlen Fleck mitten auf seinem Kopf bekommt er nicht kaschiert. Ihm sind dort nach und nach in den letzten Jahren die Haare ausgefallen. „Dabei bin ich erst 32…“, denkt sich Bernd. „Das ist mir viel zu früh, um eine Glatze zu bekommen…und ein Toupet will ich auch nicht.“ Bernd beschließt, sich von seinem Hausarzt beraten zu lassen.

Was ist Finasterid?

Finasterid ist ein Wirkstoff, der in seiner chemischen Struktur dem Testosteron ähnelt. Es kommt z. B. in Medikamenten mit den Namen Propecia, Finapil und Finasterid-ratiopharm vor und ist der weltweit meistverkaufte Wirkstoff gegen Haarausfall. Der Wirkstoff wurde 1997 in den USA zugelassen für 1mg starke Tabletten.
In Deutschland ist der Wirkstoff seit 1998 zugelassen. Allein 2017 verkauften Apotheken bundesweit 120.000 Packungen mit Finasteridmedikamenten.

Welche Wirkung hat Finasterid im Körper?

Das Hormon Testosteron – auch bekannt als das „männliches Sexualhormon“ – wird im Körper durch ein bestimmtes Enzym (sog. 5α-Reduktasehemmer) in seine wirksame Form DHT (sog. 5a-Dihydrattestosteron) umgewandelt. DHT bildet äußere Männlichkeitsmerkmale wie Bartwuchs heraus und sorgt allgemein für Antrieb und Lebenslust. Außerdem sorgt es für ein gutartiges Wachstum der Vorsteherdrüse (sog. Prostata). Wird das Enzym gehemmt, wird also dieses Wachstum unterdrückt. Der Testosteronspiegel im Körper bleibt weiterhin normal, da nur seine Umwandlung in DHT gehemmt wird.
Finasterid ist außerdem in der Lage, die schädigende und schwächende Wirkung von DHT auf die Haarfollikel (die Struktur, die für den Haarwuchs verantwortlich ist) zu blockieren. Dadurch wird ein Haarausfall gestoppt – allerdings nur, wenn dieser erblich bedingt ist. Wenn eine andere Ursache wie beispielsweise die Nebenwirkung eines Medikaments für den Haarausfall verantwortlich ist, wird Finasterid keinen Nutzen bringen.
Dem Mythos entgegen wird übermäßiger Haarausfall nicht durch einen zu hohen Testosteronspiegel an sich verursacht, sondern oft durch eine erblich bedingte Empfindlichkeit der Haarwurzel auf das DHT. Daneben können noch verschiedene Medikamente, hormonelle Umstellungen (u. a. eine Schilddrüsenunterfunktion) oder Mangelerscheinungen wie ein Vitaminmangel die Ursache für vermehrten Haarausfall sein.

Gut zu wissen!
Beim Bodybuilding und Kraftsport wird Finasterid eingenommen, um einen vermehrten Haarausfall durch eingenommene anabole Steroide zu vermeiden. Anabole Steroide sind nämlich nichts anderes als synthetisch erzeugte Abkömmlinge des Hormons Testosteron.

Wo kommt Finasterid zum Einsatz?

Anwendungsgebiet von Finasterid ist zum einen die gutartige Form des Prostatawachstums (sog. benigne Postatahyperplasie, BPH). Dies tritt gewöhnlich bei Männern mittleren oder hohen Alters auf. Dieses Wachstum wird erst dann als Krankheit bezeichnet, wenn es einhergeht mit Symptomen wie Harnverhalt, Wasserlassen bei Nacht oder einem erhöhten Blasendruck bei gleichzeitig schwachem Urinstrahl. Die Krankheit ist heute gut behandelbar. Unbehandelt kann sich jedoch das Wachstum fortsetzen, bis der Blasenauslass verschlossen ist und die Niere so nicht mehr ausscheiden kann. Der Harn gelangt in die Blutbahn, führt zur inneren Vergiftung und schließlich zum Tod. Finasterid hilft, indem es das für das Prostatawachstum verantwortliche Hormon DHT hemmt. Ursprünglich wurde Finasterid sogar für genau diesen Zweck entwickelt.
Zum anderen kommt Finasterid bei Haarausfall zum Einsatz. In gewissem Umfang ist ein tägliches Ausfallen der Haare völlig normal. Bei Betroffenen fallen jedoch chronisch Haare aus, die nicht wieder nachwachsen. Dies wirkt sich oft negativ auf die Psyche aus und senkt – gerade bei den häufiger betroffenen Männern – das Selbstwertgefühl. Das Stoppen des Haarausfalls soll frühestens nach drei bis sechs Monaten Therapie auftreten. Außerdem regt der Wirkstoff ein erneutes Haarwachstum der betroffenen Kahlstellen an. Dies hält jedoch nur so lange an, wie das Medikament eingenommen wird: Setzt man Finasterid ab, lichtet sich das Haar wieder.

Exkurs: Haarausfall (sog. Effluvium)
Haarausfall ist nicht gleich Haarausfall. Täglich verliert der Mensch ungefähr 100 Haare, was ganz natürlich ist und nicht auf eine Krankheit oder genetische Vorbelastung zurückzuführen ist. Im Frühling oder Herbst kann Haarausfall vermehrt auftreten, auch dies ist natürlich. Ab wann also spricht man von einem krankheitsbedingten Haarausfall? Wo sind dabei die Unterschiede zwischen Männern und Frauen? Und was können neben den Genen weitere Gründe für den Haarausfall sein? Mehr Informationen dazu gibt Ihnen Dr. Tobias Weigl im folgenden Artikel.

Was sind die Nebenwirkungen von Finasterid?

Das Hormon Testosteron bzw. seine wirksame Form DHT haben Effekte auf verschiedene Bereiche des Körpers. Daher zeigen sich hier auch die Nebenwirkungen des Arzneistoffes. Dazu können – zusammengefasst unter dem Namen „Post-Finasterid-Syndrom“ – zählen:

  • verminderter Sexualtrieb und Potenzstörungen wie ein vermindertes Ejakulatvolumen oder eine erektile Dysfunktion
  • Hodenschmerzen
  • depressive Verstimmung, Stimmungsänderung und psychische Störungen und schlimmstenfalls bis hin zu Suizidgedanken
  • Brustvergrößerung

Wechselwirkungen von Finasterid mit anderen Medikamenten, die von klinischer Bedeutsamkeit sind, sind bisher nicht bekannt.

Aktuelle Forschung: Die Langzeiteffekte von Finasterid
Es wurden verschiedene Studien zu Finasterid durchgeführt, um dessen kurzfristigen und langfristigen Nebenwirkungen zu untersuchen. Eine davon im Jahr 2018 konnte zwar keinen eindeutigen Zusammenhang zwischen einer erektilen Dysfunktion und der Einnahme des Finasterid herstellen. Dennoch gibt es Hinweise aus anderen Studien, dass Patienten unter Einnahme von Finasterid die beschriebenen Nebenwirkungen vermehrt zeigten. Eine andere Studie von 2018 äußert den starken Verdacht, dass verminderte Sexuallust und eine erektile Dysfunktion in Zusammenhang mit Finasterid stünden. Jedoch konnte keine klare Antwort darauf gegeben werden, wann und unter welchen Einnahmebedingungen dies auftritt.

Fazit: Die Studien zu den negativen Langzeitauswirkungen von Finasterid sind noch recht jung. Auch sind sie bisher nicht eindeutig genug, um einen klaren Zusammenhang herzustellen und daraus eine Regelung bezüglich der Einnahme abzuleiten. Dennoch steht Finasterid stark im Verdacht, erektile Dysfunktion und andere Nebenwirkungen über 10 Jahre hinaus verursachen zu können.
In den USA mehren sich die Klagen gegen finasteridhaltige Medikamente und auch in Deutschland reichten im Jahr 2017 Patienten eine Sammelklage gegen den Hersteller des finasteridhaltigen Medikaments Propecia ein (Merck Sharp & Dohme).

Quellen

  • E.R. Coskuner et al. (2018): Sexual Problems of Men With Androgenic Alopecia Treated With 5-Alpha Reductase Inhibitors. Sexual Medicine Reviews.
  • Y.S. Shin et al. (2018): Finasteride and Erectile Dysfunction in Patients with Benign Prostatic Hyperplasia or Male Androgenetic Alopecia. The World Journal of Men’s Health.
Vielleicht haben Sie schon einmal Finasterid eingenommen oder nehmen es aktuell ein. Welche Nebenwirkungen haben sich bei der Therapie gezeigt? Mit Ihrer Teilnahme helfen Sie anderen Betroffenen, ihre Nebenwirkungen besser einschätzen zu können. (Mehrfachnennungen möglich)

Wann sollte Finasterid nicht eingenommen werden?

Finasterid sollte – wie andere Arzneistoffe auch – nicht bei einer Überempfindlichkeit gegen diesen Arzneistoff eingenommen werden. Frauen und Personen, die unter 18 Jahre alt sind, sowie Patienten mit häufig auftretender Harnentleerung sind ebenfalls ausgeschlossen. Der Wirkstoff ist in der Lage, über die Haut in den Körper zu gelangen, weshalb die genannten Personengruppen zerkleinerte oder gebrochene Tabletten nicht berühren sollten. Frauen, die an vermehrtem Haarausfall leiden und sich für eine medikamentöse Behandlung interessieren, können alternativ mit ihrem Hausarzt die Anwendung von Minoxidil besprechen. Dies ist ein Wirkstoff, der ebenfalls bei Haarausfall zum Einsatz kommt.

Achtung!
Die Dosierung sowie die Therapiedauer von Finasterid wirken sich auf das Risiko aus, eine lang anhaltende erektile Dysfunktion davonzutragen. Daher sollten Sie die Anwendung mit dem verordnenden Arzt gründlich besprechen. Studien belegen: Je länger die Therapie mit Finasterid dauert, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, eine lang andauernde Nebenwirkung davonzutragen.

Ferner darf Finasterid nicht von schwangeren Frauen eingenommen werden, da der Wirkstoff Missbildungen der äußeren Geschlechtsteile bei männlichen Föten hervorrufen kann. Umgekehrt ist es unproblematisch, wenn der Mann Finasterid einnimmt und ein Kind zeugt; es kommt hier nicht zu Fehlbildungen des Fötus. Jedoch sollte aus Sicherheitsgründen ein Kondom beim Sex verwendet werden, wenn die Sexualpartnerin schwanger ist.
Die Einnahme von Finasterid verbietet eine Blutspende an andere, da es sich bei den Empfängern um schwangere Frauen handeln könnte. Wer Blut spenden möchte, muss ungefähr einen Monat auf Finasterid verzichten, um seinen DHT-Hormonspiegel wieder auszugleichen.

Verschwinden die Nebenwirkungen, wenn Finasterid abgesetzt wird?

Nach Absetzen von Finasterid verschwinden die genannten Nebenwirkungen nicht immer vollständig. Einige Patienten berichteten von einer fortbestehenden erektilen Dysfunktion, bei einer vorherigen Dosis von 1mg Finasterid pro Tag.
Die Dosis und die Therapiedauer sind entscheidend dafür, mit welcher Wahrscheinlichkeit die Nebenwirkungen auftreten können. So klagten rund 0,1–1% der Patienten mit einer Dosis von 1mg/Tag gelegentlich über Potenzstörungen. Häufiger trat dagegen eine Potenzstörung auf, nämlich bei 1-10% der Behandelten, wenn sie eine Dosis von 5mg/Tag zu sich nahmen.

Was ist bei der Einnahme und Dosierung von Finasterid zu beachten?

Finasterid wird einmal täglich in Form einer Tablette eingenommen, die entweder zu 1mg (gegen Haarausfall) oder 5mg (gegen gutartig vergrößerte Prostata) Finasterid pro Tablette einzeldosiert ist. Die Tablette wird zusammen mit einem Glas Wasser eingenommen. Die Gesamtmenge an Wirkstoff pro Tag sollte nicht ohne eine Absprache mit dem behandelnden Arzt oder einem Apotheker überschritten werden.

Medikamentencheck

  • Wirkstoff: Finasterid
  • Einsatzgebiet: gutartiges Wachstum der Prostata, Haarausfall
  • Einnahmeform: oral über Tabletten, mit Wasser und unabhängig von Mahlzeiten
  • Wirkstärken: 1mg oder 5mg pro Tablette
  • Tagesdosis: je nach Anwendungsgebiet 1mg oder 5mg
  • Verschreibungspflicht: Ja

Häufige Patientenfragen

Sind Medikamente, die Finasterid enthalten, verschreibungspflichtig?

Dr. T. Weigl
Ja, sind sie. Da die Nebenwirkungen wie z. B. eine erektile Dysfunktion einen großen Einfluss auf die Lebensqualität der Patienten haben können und mitunter auch lange anhalten, ist der Wirkstoff nicht leichtfertig einzunehmen. Grundsätzlich sollte eine ausführliche Rücksprache mit dem behandelnden Arzt stattfinden.

Videoexkurs: Arzneimittel mit den häufigsten Nebenwirkungen
Nebenwirkungen sind manchmal leider der Preis für eine wirksame Behandlung. Im folgenden Video stellt Ihnen Dr. Tobas Weigl diejenigen Arzneimittelgruppen vor, die häufiger im Verdacht stehen, Nebenwirkungen zu verursachen.

Was soll ich tun, wenn ich das Gefühl habe, mir fielen immer mehr Haare aus?

Dr. T. Weigl
Sie sollten nicht direkt eine Eigentherapie einleiten. Gehen Sie stattdessen zu einem Arzt, mit dem Sie den Haarausfall, sonstige Symptome und Ihre Medikamenteneinnahme besprechen können. Möglicherweise könnte Ihr Haarausfall die Folge einer Krankheit, einer Hormonumstellung oder ähnlichem sein. Fakt ist, das genetisch bedingter Haarausfall nur schwer behandelbar ist.

Was kann ich tun, um Haarausfall vorzubeugen?

Dr. T. Weigl
Manchmal sind Shampoos die Ursache für vermehrten Haarausfall, weil der Körper unter Umständen empfindlich auf verschiedene Inhaltsstoffe dieser Shampoos reagiert. Wechseln Sie in diesem Fall das Shampoo und beobachten, ob sich eine Besserung einstellt. Ernähren Sie sich ausgewogen, denn manchmal ist ein Eisen– oder Vitaminmangel der Grund. Ebenso kann auch Stress den Haarausfall fördern, weshalb Sie auf eine ausgeglichene Lebensweise achten sollten.

Bernd lässt sich von seinem Hausarzt umfassend über Finasterid beraten. Er erfährt, dass sich bei langer Anwendung zwar wahrscheinlich seine Haare wieder zurückbilden würden, dies jedoch auch zu lang anhaltender erektiler Dysfunktion führen könne. „Nein, das Risiko ist mir zu hoch…“, erklärt er nach kurzer Bedenkzeit seinem Hausarzt. Einige Tage später hat Bernd ein erneutes Beratungsgespräch – diesmal allerdings mit dem Frisör seines Vertrauens.

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Die hier beschriebenen Punkte (Krankheit, Beschwerden, Diagnostik, Therapie, Komplikationen etc.) erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Es wird genannt, was der Autor als wichtig und erwähnenswert erachtet. Ein Arztbesuch wird durch die hier genannten Informationen keinesfalls ersetzt.  

Autoren: Dr. Tobias Weigl, Christopher Keck
Lektorat: Sebastian Mittelberg
Veröffentlicht: 01.12.2018

Quellen

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