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Schilddrüsenüberfunktion / Hyperthyreose – Symptome | Behandlung | Risiken

Zu viele Hormone aus der Schilddrüse führen zu einer Mehrarbeit im Körper, der Organismus gerät in eine Dysbalance. Dieser erhöhte Grundumsatz des Körpers führt zu Symptomen wie Schwitzen und Herzrhythmusstörungen.
— Dr. Tobias Weigl


Von Medizinern geprüft und nach besten wissenschaftlichen Standards verfasst

Dieser Text wurde gemäß medizinischer Fachliteratur, aktuellen Leitlinien und Studien erstellt und von einem Mediziner vor Veröffentlichung geprüft.

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Bei einer Schilddrüsenüberfunktion (sog. ‚Hyperthyreose‚) produziert die Schilddrüse im Hals zu viele Hormone. Dies führt dazu, dass Körperfunktionen aus dem Gleichgewicht geraten. Symptome können sein: schwitzige Hände, Nervosität, Herzrasen, brüchige Nägel, Gewichtsverlust und ein Kropf (sog. ‚Struma‘). In den meisten Fällen ist eine medikamentöse Behandlung der meist ungefährlichen Erkrankung möglich.

„Wenn der Chef noch so einen Spruch drückt, dann raste ich aus!“ Kerstin ballt die Fäuste. Ihre Kollegin Daniela versucht sie zu beruhigen: „Entspann dich doch. Das war doch nur ein harmloser Witz. Früher hast du nicht so allergisch darauf reagiert.“ Kerstin überlegt: Stimmt, früher war sie lockerer. Überhaupt ist sie seit einigen Wochen schon überreizt. Schon Kleinigkeiten regen sie auf, sie fühlt sich unruhig und nachts kann sie schlecht schlafen, weil ihr Herz rast. „Und ungesund viel abgenommen hast du anscheinend auch. Hast du viel Stress zurzeit?“ Daniela legt Kerstin eine Hand auf die Schulter. „Nein“, antwortet Kerstin, „eigentlich nicht. Und stimmt, abgenommen habe ich wirklich. Dabei plündere ich in letzter Zeit wirklich oft den Kühlschrank. Woran liegt das nur?“

Die Schilddrüse und ihre Aufgaben

Kerstin aus unserem Beispiel könnte an einer Veränderung der Schilddrüse leiden, genauer einer Schilddrüsenüberfunktion. Der Mediziner spricht dabei von einer ‚Hyperthyreose‘ (von gr. hyper ‚über‘ und lat. Glandula thyreoidea ‚Schilddrüse‘). Ursachen dafür können die Autoimmunerkrankung Morbus Basedow sein oder mit steigendem Alter eine funktionelle Schilddrüsenautonomie, also eine fehlerhafte Abstimmung zwischen der Schilddrüse und anderen Teilen des Körpers.

Die Schilddrüse ist ein Organ im Hals unterhalb des Kehlkopfes und vor der Luftröhre. Sie hat die Form eines Schmetterlings und produziert für den Organismus wichtige Hormone. Die Hormone Trijodthyronin (auch bekannt als T3) und Thyroxin (auch bekannt als Tetraiodthyroin oder T4) steuern die Entwicklung des neugeborenen Menschen und beeinflussen im weiteren Leben den Stoffwechsel der meisten Organe im Körper, insbesondere wirken Sie auf die Herzfrequenz und den Blutdruck sowie auf die Schweißproduktion und die Darmmotorik. Das Hormon Calcitonin ist am Kalziumstoffwechsel beteiligt.

Wenn die Schilddrüse also zu viele Hormone produziert, arbeiten also insbesondere Schweißdrüsen und das Herz übermäßig viel.

Die Symptome: Woran erkennt man, dass die Schilddrüse nicht richtig funktioniert?

Bei den meisten Betroffenen wird die Schilddrüsenüberfunktion nicht diagnostiziert, da die Symptome oft nicht als Krankheitssymptome wahrgenommen werden. Sie können auch andere Ursachen wie Stress haben. Wenn Sie mehrere der folgenden Symptome haben, sollten Sie ihre Schilddrüse untersuchen lassen.

Dünne Nägel und brüchiges Haar oder gar Haarausfall können Zeichen für eine Schilddrüsenüberfunktion sein. Direkt mit der Funktion der Schilddrüsenhormone hängt auch die Aktivität der Schweißdrüsen zusammen. Vermehrtes Schwitzen, insbesondere an den Handflächen, zählt also ebenfalls zu den Symptomen. In der Brust äußert sich die Hyperthyreose durch anfallsartige Schmerzen (sog. ‚Stenokardien‚), Herzrhythmusstörungen und Herzrasen sowie durch Bluthochdruck.

Auch am Gemüt lassen sich Veränderungen feststellen. Wenn Sie merken, dass Sie oft grundlos nervös, gereizt oder unruhig sind, könnte Ihre Schilddrüse der Grund sein. Da Ihr Organismus in diesem Fall ungewollte Mehrarbeit leistet, kann es aber auch zu Apathie, also Lustlosigkeit, und schnellen Ermüdungserscheinungen kommen.

Ein sichtbares und eindeutiges Zeichen für eine hyperaktive Schilddrüse ist die Struma. Diese Verdickung des Halses wird auf Deutsch auch Kropf genannt. Diese taucht in 70–90 % aller Fälle auf.

Ernährung und Stoffwechsel können gemeinsam aus dem Gleichgewicht geraten

Ebenso ist die Ernährung und Ihr Gewicht ein Indikator: Obwohl Betroffene oft der Heißhunger befällt (den sie bisweilen befriedigen), nehmen sie nicht zu, sondern vielmehr ab. Auch das ist mit dem erhöhten Energiebedarf des Körpers zu erklären. Aus diesem Grund kann man insbesondere unter jungen Frauen den Missbrauch von Schilddrüsenmedikamenten, um abzunehmen, beobachten. Davon ist natürlich dringend abzuraten!

Weitere Symptome einer Schilddrüsenüberfunktion sind Schmerzen in den Oberschenkeln, erhöhter Blutzuckerspiegel nach der Einnahme von Glukose sowie, seltener, Durchfall. Morbus Basedow zeigt noch weitere Symptome, auf die unten genauer eingegangen wird.

Epidemiologie: Wen kann es erwischen?

Grundsätzlich können jede Altersgruppe und jedes Geschlecht von einer Hyperthyreose betroffen sein. Tatsächlich gibt es aber eine deutlich differenzierte Bevölkerungsgruppe, bei der die Krankheit auftritt. So tritt Morbus Basedow bei Frauen fünfmal öfter auf als bei Männern. Ältere Menschen sind häufiger Patienten als Junge: Zwei Drittel aller Fälle werden demnach nach dem 35. Lebensjahr diagnostiziert. Auch die Wahrscheinlichkeit einer funktionellen Schilddrüsenautonomie, der anderen Ursache für eine Überfunktion, steigt mit zunehmendem Alter.

Hat ein Arzt bei Ihnen eine Hyperthyreose diagnostiziert? Welche dieser Symptome traten bei Ihnen auf? (Mehrfachnennungen möglich) Damit helfen Sie anderen Lesern, ihre Symptome besser einzuschätzen.
Testen Sie Ihr Risiko für eine Schilddrüsenüberfunktion mit diesem Video von Dr. Tobias Weigl. Darin erklärt der Arzt, wie Sie einen Selbsttest durchführen können. Nebenbei verrät er noch mehr Wissenswertes zur Schilddrüse.

Eine mögliche Ursache: Was ist Morbus Basedow?

Morbus Basedow (auch Basedow’sche Krankheit oder Graves’ disease) ist eine Untererkrankung der Schilddrüsenüberfunktion. Es handelt sich dabei um eine Autoimmunerkrankung, das heißt, dass der Organismus Antikörper gegen eigene Körperstrukturen bildet. Der Morbus Basedow hat drei ganz typische Symptome, die bei etwa bei der Hälfte aller Patienten auftreten. Wegen dieser Dreiheit der Symptome spricht man auch von der Merseburg-Trias.

  • Struma – Verdickung am Hals, Kropf
  • Exophthalmus – hervortretende Augen
  • Tachykardien Herzrasen

Treten diese drei Symptome gemeinsam auf, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass es sich dabei um die Basedow’sche Krankheit handelt.

Medizin historisch
Die Basedow’sche Krankheit wurde in Deutschland zuerst im Jahr 1840 vom Arzt Carl Adolph von Basedow (1799-1854) beschrieben. Damit war er fünf Jahre später dran als der Ire Robert James Graves (1797-1853), weshalb die Krankheit im englischsprachigen Raum auch Graves’ disease genannt wird. Erst 1886 allerdings stellte Paul Julius Möbius den Bezug zur Schilddrüse her.

 

Was tut der Arzt? Teil 1: Die Diagnose

Wie bei jedem Arztbesuch erfolgt als erstes die Anamnese, also die Befragung des Patienten nach seinem Befinden. Teilen Sie Ihrem Arzt mit, weshalb Sie ihn aufgesucht haben. Was sind ihre Beschwerden? Welche Veränderungen an Ihrem Körper und Ihrem Befinden haben Sie in der letzten Zeit festgestellt? Der Arzt wird Ihnen relevante Fragen stellen, die die in Frage kommenden Ursachen immer weiter einschränken.

Hat der Arzt einen Verdacht, folgt die körperliche Untersuchung. Deuten Ihre Symptome auf eine Hyperthyreose hin, schaut sich der Arzt wahrscheinlich Ihre Hände an: Schwitzen sie? Er wird Ihren Hals abtasten, um eine Vergrößerung festzustellen.

Für einen objektiven und gründlichen Befund ist allerdings eine Untersuchung Ihres Blutes unabdingbar. Nach der Blutabnahme wird Ihr Blut im Labor auf seinen Hormongehalt untersucht. Erhöhte fT3- und fT4-Werte (also mehr freies Trijodthyronin und freies Thyroxin) sowie niedrige TSH(Thyreotropin)-Werte festigen den Verdacht. Die Analyse der im Blut vorhandenen Antikörper gibt zudem Rückschlüsse darauf, ob ein Morbus Basedow vorliegt.

Mittels bildgebender Verfahren wie Ultraschall oder Szintigrafie können Vergrößerungen der Schilddrüse dann letztlich bestätigt und andere Erkrankungen ausgeschlossen werden.

Symptome

  • Schwitzen, dünne Nägel, brüchiges und ausfallendes Haar
  • Struma (Kropf)
  • Herzrhythmusstörungen, Herzrasen, Bluthochdruck
  • Heißhungerattacken bei gleichzeitigem Gewichtsverlust
  • Schmerzen in der Brust und im Oberschenkel
  • Gereiztheit, Unruhe, Nervosität

Was tut der Arzt? Teil 2: Die Behandlung

In aller Regel ist die Schilddrüsenüberfunktion nicht gefährlich und muss auch nicht behandelt werden. Ob behandelt wird, hängt natürlich von vielen Faktoren ab. Zum Beispiel davon, wie sehr Sie sich von den Symptomen im Alltag beeinträchtigt fühlen. Aber auch das Alter des Patienten spielt eine Rolle, denn mit zunehmendem Alter können insbesondere die Auswirkungen der Erkrankung auf das Herz- und Kreislaufsystem ein Risiko darstellen.

In 90 % der Fälle wird eine Behandlung mit Medikamenten verschrieben. Es gibt viele verschiedene Mittel, die unterschiedlich wirken. Manche Theyreostatika hemmen die Schilddrüsenhormonsynthese andere verhindern die Aufnahme von Jod in Follikelepithelzellen der Schilddrüse (sog. ‚Thyreozyten‚). Bei der sog. Jod-Plummerung wird mit einer hohen Dosis Jod ebenfalls die Jodaufnahme der Schilddrüse verhindert. Bei allen gilt aber: Sie müssen regelmäßig und dauerhaft eingenommen werden. Besondere Vorsicht ist – wie bei allen Medikamenten – bei schwangeren und stillenden Frauen geboten. Sprechen Sie in so einem Fall noch einmal mit Ihrem Arzt.

Eine weitere Möglichkeit besteht in der operativen Entfernung von Teilen oder der ganzen Schilddrüse.

Die dritte Möglichkeit ist die sogenannte Radiojodtherapie. Diese Strahlentherapie wird auch bei bösartigen Schilddrüsenerkrankungen wie Schilddrüsenkrebs eingesetzt. Das Jodisotop I-131 mit einer Halbwertszeit von 8 Tagen wird nur von der Schilddrüse aufgenommen, daher ist die Behandlung nebenwirkungsarm. Obwohl das Isotop lediglich oral in Kapselform aufgenommen wird, geschieht dies in Deutschland stationär in entsprechenden Behandlungszentren.

Häufige Patientenfragen

Was ist eine Struma?

Dr. T. Weigl:
Eine Struma ist eine Verdickung der Schilddrüse, die außen am Hals sichtbar ist. Auf Deutsch heißt sie Kropf. Sie ist eines der häufigsten Symptome einer Schilddrüsenüberfunktion bzw. als Teil der Marburg-Trias des Morbus Basedow. Besonders in Jodmangelgebieten und -zeiten war sie verbreitet. Im späten Mittelalter etwa trug man daher Halskrausen, um sie zu verdecken.

Was ist Morbus Basedow?

Dr. T. Weigl:
Morbus Basedow (auch Basedow’sche Krankheit oder Graves’ disease) ist eine Autoimmunerkrankung, die zur Schilddrüsenüberfunktion führt. Anhand der drei Symptome Struma (Verdickung der Schilddrüse), Exophthalmus (Glubschaugen) und Tachykardie (Herzrasen) – der Marburg-Trias – lässt sich der Morbus Basedow recht eindeutig feststellen.

Ist eine Schilddrüsenüberfunktion gefährlich?

Dr. T. Weigl:
In vielen Fällen schränkt eine Schilddrüsenüberfunktion/Hyperthyreose Ihren Alltag höchstens etwas ein und kann mit Medikamenten behandelt werden. Wird sie aber nicht oder falsch behandelt, kann es in seltenen Fällen zu einer sog. thyreotoxischen Krise kommen, die sofortige Maßnahmen erfordert.

Muss man eine Schilddrüsenüberfunktion behandeln?

In den allermeisten Fällen ist eine Schilddrüsenüberfunktion nicht gefährlich. Oft wird sie gar nicht erst erkannt, weil die Symptome schwach ausgeprägt sind. Aber auch nach einer Diagnose ist eine Behandlung nicht zwingend erforderlich. Bei starken Symptomen kann sie relativ nebenwirkungsarm mit Medikamenten oder der Radiojodtherapie bekämpft werden. Wenn die thyreostatische, also medikamentöse Behandlung nicht anschlägt, entscheiden sich die meisten Patienten in Deutschland für eine operative Entfernung der Schilddrüse statt für die Radiojodtherapie.

In seltenen Fällen kann es zu einer sog. thyreotoxischen Krise kommen. Diese ist akut lebensgefährlich und kann mit hochdosierten Medikamenten, einer Blutbehandlung (sog. ‚Plasmapherese‘) oder einer Notfall-Operation behandelt werden. Diese Krise befällt Patienten, die bereits an einer nicht oder unzureichend behandelten Hyperthyreose leiden. Ausgelöst wird die Krise unter anderem durch schwere (Infektions-)Krankheiten und Herzerkrankungen oder das Absetzen der Schilddrüsenmedikamente.

„Ich sehe, dir geht es wirklich schon viel besser als noch vor einem halben Jahr“, sagt Daniela zu Kerstin, die Kaffeetasse in der Hand. „Damals warst du wirklich unausstehlich.“ „Ja“, antwortet Kerstin, „damals hätte ich dir für diesen Spruch wahrscheinlich den Kaffee über die Bluse gekippt.“ Beide schauen sich gespielt böse an. „Aber ehrlich, wer hätte gedacht, dass das an dieser Schilddrüse gelegen hat. Jetzt nehme ich diese Medikamente und fühle mich super. Nur schade, dass ich jetzt wieder auf meine Figur achten muss“, lacht sie. „Na, immerhin ernährst du dich jetzt wieder gesünder“, antwortet Daniela. Auch wieder wahr, denkt sich Kerstin und macht sich entspannt wieder an die Arbeit.

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Autoren: Dr. Tobias Weigl, Marek Firlej
Redaktion: Dr. Tobias Weigl
Veröffentlicht: 07.02.2018 / Zuletzt aktualisiert: 02.07.2018

Die hier beschriebenen Punkte (Krankheit, Beschwerden, Diagnostik, Therapie, Komplikationen etc.) erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Es wird genannt, was der Autor als wichtig und erwähnenswert erachtet. Ein Arztbesuch wird durch die hier genannten Informationen keinesfalls ersetzt.

Quellen

  • Frank Grünwald/Karl-Michael Derwahl (2015): Diagnostik und Therapie von Schilddrüsenerkrankungen: Ein Leitfaden für Klink und Praxis. Lehmanns Media, Berlin.
  • D. Führer (2016): Schilddrüse 2015 – Henning-Symposium. Personalisierte Schilddrüsenmedizin. 22. Konferenz über die menschliche Schilddrüse. Lehmanns Media, Berlin.
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