Sign up with your email address to be the first to know about new products, VIP offers, blog features & more.

Kurz- und Weitsichtigkeit – Ursachen, Symptome und Behandlung

„Kurz- und Weitsichtigkeit sind die häufigsten Formen der Fehlsichtigkeit und betreffen viele Menschen weltweit. In den meisten Fällen schaffen Brillen und Kontaktlinsen Abhilfe, manchmal ist aber auch eine Operation sinnvoll.“
— Dr. Tobias Weigl


Von Medizinern geprüft und nach besten wissenschaftlichen Standards verfasst

Dieser Text wurde gemäß medizinischer Fachliteratur, aktuellen Leitlinien und Studien erstellt und von einem Mediziner vor Veröffentlichung geprüft.

Quellen ansehen

Kurz- und Weitsichtigkeit sind wahrscheinlich die zwei bekanntesten Formen von Fehlsichtigkeit. In beiden Fällen wird das einfallende Licht im Auge nicht richtig gebrochen, wodurch Betroffene nahe bzw. ferne Dinge nur noch unscharf sehen können. Der folgende Artikel erklärt, wie Kurz- und Weitsichtigkeit entstehen und wie sie diagnostiziert und therapiert werden.

Herbert und sein Sohn Michael besuchen heute gemeinsam das erste Saisonspiel ihres Fussballvereins, in dem auch Michaels Bruder Tom kickt. Das Spiel wiegt hin und her, bis Tom das erste Tor schießt und Herbert jubeln lässt. Michael hingegen steht mit zusammengekniffenen Augen dort und fragt, wer das Tor geschossen habe. Nach dem dritten Tor meckert Herbert Michael an: „Sag mal, was ist los? Siehst du nichts? Immer sitzt du auch so nah vorm Fernseher, das kann doch nicht richtig sein. Vielleicht solltest du doch einmal zum Augenarzt.“

Was sind Kurz- und Weitsichtigkeit?

Kurz- und Weitsichtigkeit sind die wahrscheinlich bekanntesten Formen von Fehlsichtigkeit (der sog. ‚Ametropie‘). Fehlsichtigkeit bedeutet, dass das Licht im Auge nicht mehr richtig gebrochen wird und sich die Lichtstrahlen nicht genau auf den Brennpunkt auf der Netzhaut treffen. Dadurch treten, je nach Art der Fehlsichtigkeit, verschiedene Sehunschärfen auf. Das Gegenteil dazu ist die Normalsichtigkeit (sog. ‚Emmetropie‘). Fehlsichtigkeiten sind eher die Regel als die Ausnahme und treten bei den meisten Menschen auf. So benutzen rund 50% der deutschen Bevölkerung eine Sehhilfe, die den Zustand der Normalsichtigkeit wiederherstellen soll. Was aber genau sind Kurz- Weitsichtigkeit?

Kurzsichtigkeit

Kurzsichtigkeit (sog. ‚Myopie‘) heißt, dass entfernte Gegenstände unscharf wahrgenommen werden, nahe Dinge hingegen scharf. Es gibt verschiedene Formen der Kurzsichtigkeit, die zwei wichtigsten sind:

  • einfache Myopie (sog. ‚Myopia simplex‘): Diese angeborene Form der Kurzsichtigkeit beginnt häufig zwischen dem zehnten und zwölften Lebensjahr und verschlechtert sich in den meisten Fällen nach dem 25. Lebensjahr nicht mehr. Rund 30% der deutschen Bevölkerung sind von dieser Art der Myopie betroffen, aber weniger als 3% der Betroffenen haben eine schlechtere Sehschärfe als -6 dpt (minus 6 Dioptrien).
  • hohe Myopie (auch ‚Myopia progressiva‘ oder maligne Myopie): Im Gegensatz zur Myopia simplex ist die hohe Myopie eine seltenere Krankheit, die unabhängig von äußeren Einflüssen voranschreitet. Bei dieser Form kann es zu starken Sehschwächen von -15 Dioptrien oder darüber hinaus kommen. Das Risiko für schwere Schäden wie einer Netzhautablösung ist unter Umständen sehr hoch.

Weitsichtigkeit

Von Weitsichtigkeit (sog. ‚Hyperopie‘ oder auch ‚Hypermetropie‘) Betroffene können Gegenstände und Personen in der Nähe nur noch unscharf wahrnehmen. Weitsichtigkeit ist in den meisten Fällen angeboren. Teilweise wird die Weitsichtigkeit aber erst später erkannt, wenn bereits Probleme wie häufige Kopfschmerzen beim Lesen auftreten.

Exkurs: Weitere Formen von Fehlsichtigkeit

Kurz- und Weitsichtigkeit sind nicht die einzigen Formen von Fehlsichtigkeit. Einige andere häufge Formen sollen an dieser Stelle erwähnt werden:

  • Stabsichtigkeit (‚Astigatismus‘) – Stabsichtigkeit tritt auf, wenn die Krümmung der Hornhaut nicht mehr gleichmäßig ist. Dann spricht man von Hornhautverkrümmung. Bei einer Hornhautverkrümmung werden die Lichtstrahlen, die ins Auge fallen, auf der Netzhaut nicht zu einem Punkt gebündelt. Vielmehr werden sie dort als Linie abgebildet. Gegenstände in der Nähe und in der Ferne werden nur verzerrt oder unscharf wahrgenommen. Stabsichtigkeit ist meistens angeboren und tritt häufig zusammen mit Kurz- oder Weitsichtigkeit auf.
  • Nachtblindheit (‚Hermeralopie‘) – In der Netzhaut gibt es zwei Arten von Zellen, die lichtempfindlich sind: die Zapfen und die Stäbchen. Die Zapfen sind vor allem am Tag aktiv und ermöglichen dann das scharfe Sehen und das Erkennen von Farben. Die farbenblinden Stäbchen hingegen arbeiten nachts und ermöglichen das Sehen. Wenn diese Stäbchen nun nicht mehr oder nur teilweise funktionieren, kann das Sehen in der Dunkelheit bzw. im Dämmerlicht sehr schwerfallen. In diesen Zusammenhang wird dann von „Nachtblindheit“ gesprochen. Nachtblindheit kann erblich bedingt sein, aber u. a. auch auf Schäden der Netzhaut zurückzuführen sein.
  • Farbfehlsichtigkeit – Ist die Funktion der Zapfen hingegen eingeschränkt, kann es zu Problemen bei der Farbwahrnehmung kommen, seltener sogar zum ihrem völligen Ausfall. Tatsächlich sind Männer mit 8% deutlicher häufiger von derartigen Farbwahrnehmungsstörungen betroffen als Frauen mit rund 0,4%. Am häufigsten und am bekanntesten ist die Rot-Grün-Schwäche. Äußerst selten gibt es eine totale Farbenblindheit (sog. ‚Achromasie‘).

Ursachen von Kurz- und Weitsichtigkeit

Damit Sie verstehen, wie Kurz- und Weitsichtigkeit entstehen, erklären wir Ihnen zunächst, wie überhaupt die natürliche Sehschärfe gewährleistet wird. Damit man sowohl in der Nähe als auch in der Ferne scharf sehen kann, muss das Auge nämlich einigen Aufwand betreiben.

Unser Auge funktioniert wie eine Linse, die das Licht bricht. Ähnlich wie eine Lupe, die das Licht an einem Punkt konzentriert, dass es Feuer erzeugen kann. Die Lichtstrahlen, die nun das Auge aufnimmt, müssen so gebrochen werden, dass sie passend auf der Netzhaut (sog. Retina) zusammentreffen, um ein scharfes Bild zu ermöglichen. Dabei gilt: Je näher ein Gegenstand ist, desto stärker muss das Licht gebrochen werden, um ein scharfes Abbild auf der Netzhaut zu ermöglichen. Das Auge muss also abhängig von der Entfernung des Gegenstandes die Lichtbrechung anpassen können. Diese Fähigkeit des Auges wird Akkommodation genannt.

Dass diese Akkommodation überhaupt stattfinden kann, ist hauptsächlich auf die variable Form der Augenlinse zurückzuführen. Die Linse ist dabei über Fasern an den Ziliarmuskel aufgehängt. Spannen sich diese Muskeln an, krümmt sich die Linse bzw. wird rundlicher, wodurch ihre Brechkraft zunimmt. Auf diese Weise lassen sich nahe Gegenstände auf der Netzhaut scharf abbilden. Entspannen sich die Ziliarmuskeln, wird die Augenlinse flacher und in die Länge gezogen: Die Brechkraft sinkt und entferntere Gegenstände werden fokussiert. Bei Kurz- und Weitsichtigkeit ist dieses Verhältnis zwischen Brechkraft des Auges und der Länge des Augapfels gestört.

Wie entsteht Kurzsichtigkeit?

Für die Kurzsichtigkeit ist ein verlängerter Augapfel verantwortlich. Die ankommenden Lichtstrahlen bündeln sich bereits vor der Netzhaut. Der Brennpunkt liegt dann also nicht auf der Netzhaut, sodass ein unscharfes Bild entsteht. In diesem Fall spricht man von einer Achsen-Myopie: Der Betroffene nimmt Gegenstände in der Ferne nur unscharf war.

Selbst minimale Normabweichungen können große Auswirkungen haben: Ist der Augapfel bspw. nur einen Millimeter länger als zuvor, kann es schon zu einer Kurzsichtigkeit von -3 dpt kommen.

Wesentlich seltener als eine Achsen-Myopie ist dagegen die Brechungs-Myopie, bei der der Augapfel zwar normal lang ist, allerdings u. a. die Augenlinse die Lichtstrahlen zu stark bricht, sodass der Brennpunkt vor der Netzhaut liegt.

Gut zu wissen: Dioptrien
Dioptrie (kurz: dpt) ist die Maßeinheit für die Stärke, mit der das Brillenglas das Licht bricht. Bei Kurzsichtigkeit werden Minus-Werte angegeben, bei Weitsichtigkeit Plus-Werte. Je höher die Dioptrie-Zahl (ohne Vorzeichen) ist, desto höher ist die Fehlsichtigkeit. Ein Dioptrie-Wert von -1 dpt bedeutet eine leichte Kurzsichtigkeit, während Werte ab -5 dpt eine starke Kurzsichtigkeit ergeben.

Wie entsteht Weitsichtigkeit?

Bei der Weitsichtigkeit verhält es sich oft genau andersherum als bei der Kurzsichtigkeit. In den meisten Fällen ist der Augapfel im Verhältnis zur Brechkraft zu kurz. Dann spricht man von einer Achsen-Weitsichtigkeit. Die Lichtstrahlen, die im Auge eintreffen, würden eigentlich erst hinter der Netzhaut aufeinandertreffen. Daher erscheinen nahe Gegenstände unscharf. Eine seltenere Variante ist die Brechungs-Weitsichtigkeit. Hierbei ist u. a. die Brechkraft der Linse zu gering.

Problematisch ist hierbei, dass gerade Kinder und jüngere Menschen häufiger nicht bemerken, dass sie weitsichtig sind. Grund hierfür ist die Akkommodationsfähigkeit des Auges: Sie gleicht diese Fehlsichtigkeit zumindest bis zu einem gewissen Grad aus. Zwar kann der Betroffene in der Ferne scharf sehen, allerdings müssen auch hier die Ziliarmuskeln arbeiten, da die Brechkraft der Linse im entspannten Zustand sogar für ferne Objekte nicht ausreicht. Durch die ständige Belastung der Ziliarmuskeln leiden Weitsichtige daher auf Dauer schnell unter Kopfschmerzen oder Schwindel. Das Sehen ist für Betroffene eine anstrengende Tätigkeit, vor allem bei Tätigkeiten in der Nähe, etwa vor dem Computerbildschirm.

Welche Symptome und Folgeerkrankungen können bei Kurz- und Weitsichtigkeit auftreten?

Begleiterscheinungen bei Kurzsichtigkeit

Bei Kurzsichtigkeit kommt es u. a. zu folgenden Symptomen:

  • Kopfschmerzen, vor allem bei oder nach Tätigkeiten, bei denen eine scharfe Fernsicht gefordert ist (z. B. Autofahren)
  • Schwindel
  • Übelkeit (bei starker Anstrengung der Augen)
  • Konzentrationsschwierigkeiten

Möglich ist es zudem, dass Patienten mit stärkerer Myopie im Verlauf der Krankheit von einer Glaskörpertrübung betroffen sind. Dabei sieht der Patient schwarze Punkte (sog. ‚mouches volantes‘, franz. für „fliegende Fliegen“) in seinem Blickfeld herumschwirren. Eine Glaskörpertrübung ist im Grunde genommen harmlos, wird aber oftmals als sehr unangenehm und lästig empfunden.

Zudem kann Kurzsichtigkeit die Entstehung des Grünen Stars (eines sog. ‚Glaukoms‘) begünstigten. Das Kammerwasser, eine Flüssigkeit im Auge, die sich in der vorderen und hinteren Augenkammer befindet, kann unter Umständen schlechter abfließen. Dadurch erhöht sich der Augeninnendruck, was wiederum zu einem Glaukom führen kann.

Im Falle einer hohen Myopie kann es zu Löchern in der Netzhaut oder schlimmstenfalls sogar zu einer Netzhautablösung kommen, die unbehandelt wiederum zur Erblindung des betroffenen Auges führen kann.

Exkurs: Was ist ein Glaukom?

Ein Glaukom, den meisten als Grüner Star bekannt, bezeichnet eine Gruppe von Augenkrankheiten, bei denen der Sehnerv unwiderruflich geschädigt wird. Diese Augenerkrankungen sind häufig symptomarm und bereiten keine Schmerzen. Daher bleiben sie oft lange unerkannt.
Mehr Informationen zum Grünen Star erhalten Sie in diesem Artikel.

Begleiterscheinungen bei Weitsichtigkeit

Bei einer Weitsichtigkeit kommt es unbehandelt vor allem zu sogenannten asthenopischen Beschwerden. Dass bedeutet, dass die Beschwerden infolge der Belastungen des Auges entstehen. Dazu zählen u. a.

  • Augenschmerzen
  • Kopfschmerzen
  • schnelles Ermüden der Augen
  • brennende Augen
  • Bindehautentzündung

Weitsichtigkeit kann zudem Einwärtsschielen (auch Innenschielen) begünstigen. Zudem kann Weitsichtigkeit auch das Risiko für bestimmte Formen des Grünen Stars erhöhen. Zu nennen sind hier etwa der Glaukomanfall, bei dem der Druck im Auge spontan drastisch steigt und das Winkelblockglaukom.

Sind Sie von Kurz- oder Weitsichtigkeit betroffen? Unter welchen Symptomen haben Sie neben der unscharfen Wahrnehmung gelitten, bevor Sie sich einer Behandlung unterzogen haben? Damit helfen sie anderen Patienten, die Symptome besser einschätzen zu können. (Mehrfachnennungen möglich)

Welche Risikofaktoren gibt es für Kurz- und Weitsichtigkeit?

Kurzsichtigkeit und Weitsichtigkeit sind häufig erblich bedingt. Allerdings erhöhen bestimmte Erkrankungen die Wahrscheinlichkeit, dass eine Myopie entsteht.

Wer an Diabetes mellitus erkrankt ist, kann im Laufe dieser Erkrankung von Kurzsichtigkeit betroffen sein. Als eine Folge von Diabetes kann es nämlich zu einer sogenannten diabetischen Retinopathie kommen, durch die die Netzhautgefäße des Auges krankhaft verändert werden. Bei älteren Menschen kann zudem eine Form des Grauen Stars, der sogenannte Kernstar bzw. Kernkatarakt, auftreten. Dieser trübt zunächst weniger die Linse, sondern verstärkt ihre Brechkraft. Dies bewirkt, dass Betroffene zunächst wieder besser aus der Nähe sehen können. Über die Zeit trübt der Kernkatarakt aber die Linse und die Sehschärfe in jede Entfernung nimmt ab.

Ebenfalls lässt sich bei einigen Krankheitssyndromen das Auftreten einer mitunter starken Kurzsichtigkeit beobachten. Beispiele hierfür sind das Down-Syndrom oder das Marfan-Syndrom. Zusätzlich begünstigt in vielen Fällen eine Frühgeburt die Kurzsichtigkeit bei Kindern.

Videoexkurs: Diabetische Retinopathie und Diabetes mellitus

Die diabetische Retinopathie ist eine der häufigsten Folgeerscheinung von Diabetes. Welche Ursachen Diabetes hat und welche andere Folgeerscheinung die Erkrankung mit sich bringt, erklärt Ihnen Dr. Tobias Weigl im folgenden Video.

Was tut der Arzt? Teil 1: Diagnose

Zunächst wird der Arzt Sie in einem sogenannten Anamnesegespräch zu Ihren Beschwerden befragen. Dabei stellt er u.a. diese Fragen:

  • Schmerzen die Augen bei längerer Belastung?
  • Haben Sie (häufiger) Kopfschmerzen?
  • Tragen Sie eine Brille oder Kontaktlinsen?
  • Treten Schwierigkeiten beim Lesen auf?
  • Können sie nahe/ferne Objekte/Personen scharf erkennen?
  • Wann haben Sie eine Sehverschlechterung bemerkt?
  • Wie zeigen sich diese Sehverschlechterungen?
  • Ist die Sehverschlechterung plötzlich eingetreten oder schleichend?
  • Haben Sie Fälle von Kurz- und/oder Weitsichtigkeit in Ihrer Familie?
  • Gibt es anderweitige Augenerkrankungen in Ihrer Familie?
  • Hatten Sie bereits Augen-Operationen?

Zudem befragt der Arzt Sie nach anderen Krankheiten. Im Mittelpunkt stehen dabei solche Krankheiten, die auch das Auge schädigen können. Neben Diabetes ist etwa Bluthochdruck als Risikofaktor zu nennen. Ebenfalls erkundigt sich der Arzt nach Medikamenten, die Sie möglicherweise einnehmen.

Je nach Einschätzung des Arztes werden dann u. a. folgende körperlichen Untersuchungen am Auge durchgeführt:

Sehzeichentest

Das grundlegendste Diagnosemittel ist die Sehschärfeprüfung durch Testzeichen oder -bilder. Für die Messung der Sehschärfe in der Ferne wird in ungefähr vier bis sechs Metern Entfernung eine Tafel aufgehängt, für die Sehschärfemessung in der Nähe beträgt der Abstand circa 30–40 cm. Auf der Tafel sind Buchstaben, Gegenstände, Pflüger-Haken oder Landolt-Ringe abgebildet. Pflüger-Haken sind E-förmige Sichtzeichen, die in alle Richtungen zeigen können, während Landolt-Ringe Kreise darstellen, die Öffnungen nach oben, unten, links oder rechts haben können. Der Patient muss nun das jeweilige Sichtmuster benennen, wobei die Muster meist immer kleiner werden. Beide Augen werden getrennt überprüft. Das jeweils andere Auge ist dabei abgedeckt.

Subjektive Refraktionsbestimmung

Bei dieser Methode ist der Arzt im hohen Maße auf die gute Mitarbeit des Patienten angewiesen. Systematisch werden Gläser mit verschiedener Refraktionskraft ausprobiert, bis die passende Dioptrien gefunden wird. Der Patient muss dabei genau angeben, ob seine entsprechende Fehlsichtigkeit durch das Glas korrigiert wird oder noch Unschärfen bestehen.

Refraktionsautomat

Die Sehschärfe kann auch mit einem Refraktionsautomaten untersucht werden. Hierbei legt der Patient sein Kinn in eine Halterung und schaut durch eine Gerätelinse. Dabei leuchtet der Apparat in das Auge des Patienten und projiziert eine Figur oder ein Muster auf die Netzhaut. Der Augenarzt schiebt nun verschiedene Linsen in den Lichtstrahl des Geräts, so lange, bis das Muster oder die Figur scharf auf der Netzhaut zu sehen ist. Dann weiß man, welche Sehstärke der Patient hat. Der Patient muss dabei Kopf und Auge so ruhig wie möglich halten, damit die Untersuchung ohne Probleme durchgeführt werden kann.

Skiaskopie

Die Skiaskopie ist, wie die Untersuchung am Refraktionsautomaten, ebenfalls eine objektive Refraktionsprüfung. Sie stellt vor allem eine wichtige Untersuchung der Fehlsichtigkeit bei Kindern und Säuglingen dar, da keine aktive Mitarbeit seitens der Patienten nötig ist. Sie müssen lediglich in die Richtung des Lichts schauen. Die Untersuchung findet normalerweise in einem abgedunkelten Raum statt. Häufig wird der Ziliarmuskel mit entsprechenden Medikamenten ‚gelähmt‘, sodass er die Brechkraft der Linse und damit die Scharfeinstellung nicht mehr anpassen kann.

Der Augenarzt beleuchtet nun mit dem Skiaskop das Auge des Patienten und deutet eventuelle Sehfehler durch die Lichtreflexe im Auge. Das Licht bzw. die Lichtstreifen, die das Skiaskop ins Auge wirft, bewegt der Arzt in zueinander senkrecht stehenden Achsen über die Pupille. Aufgrund der verschiedenen Lichtreflexe kann der behandelnde Arzt nun darauf schließen, ob eine Normal- oder Fehlsichtigkeit vorliegt:

Der Arzt schaut dabei, ob die Pupille ganz rot aufleuchtet oder nur teilweise. Ersteres zeigt eine Normalsichtigkeit, letzteres eine Fehlsichtigkeit. Um nun genau zu bestimmten, ob es sich um eine Kurz- oder Weitsichtigkeit handelt, bewegt der Arzt den Lichtstreifen. Dies tut er, indem er deutet, in welche Richtung sich der in der Pupille sichtbare Lichtstreifen bewegt. Nun werden so lange verschiedene Brillengläser vor das Patientenauge gehalten, bis sich die Pupille nicht mehr bei Bewegungen des Skiaskops bewegt.

Spaltlampen-Untersuchung

Die Spaltlampe ist ein Mikroskop, das geschwenkt werden kann. Bei der Untersuchung legt der Patient sein Kinn in eine gepolsterte Stütze, wobei die Stirn ein Halteband berührt. Dadurch wird verhindert, dass Kopfbewegungen die Untersuchung stören. Nun wird der Augenarzt das Mikroskop mitsamt der Lichtquelle ca. 2–10 cm vor dem zu untersuchenden Auge positionieren und durch das Gerät blicken. Dabei kann er verschiedene Vergrößerungen auswählen. Entscheidend ist dabei, dass die Spaltlampe die Möglichkeit besitzt, die Beleuchtung spaltförmig einzustellen. Auf diese Weise kann der Arzt das gesamte Auge ausleuchten.

Wichtig ist diese Untersuchung u. a. deshalb, da sich bspw. Netzhautveränderungen, wie sie durch Bluthochdruck, Diabetes oder auch durch Glaukome entstehen, gut erkennen lassen.

Was tut der Arzt? Teil 2: Therapie

Nach den Untersuchungen der Sehschärfe und ggf. weiteren Teilen des Auges kann der Augenarzt das genaue Ausmaß der Fehlsichtigkeit bestimmen und errechnen, wie viel Dioptrien für das jeweilige Auge nötig sind, um Normalsichtigkeit zu erreichen. Unter Umständen kann auch eine Operation vielsprechend sein. Im Folgenden erläutern wir die möglichen Behandlungsmethoden von Kurz- und Weitsichtigkeit.

Brille/Kontaktlinse

Die wichtigste Behandlungsmethode von Kurzsichtigkeit wie auch Weitsichtigkeit sind nach wie vor die Brille oder Kontaktlinsen. Die Kurzsichtigkeit lässt sich dabei mit Minusgläsern verbessern. Minus bedeutet in diesem Zusammenhang, dass die Brechkraft des Auges verringert werden muss. Dies gelingt mit sogenannten Zerstreuungslinsen, indem die einfallenden Lichtstrahlen weiter gestreut werden und so dafür sorgen, dass sich die Lichtstrahlen erst auf der Netzhaut vereinigen.
Die Weitsichtigkeit hingegen wird mit Plusgläsern korrigiert, mit denen die Brechkraft erhöht werden soll. Die Erhöhung der Brechkraft gelingt durch sogenannte Sammellinsen, die die Lichtstrahlen entsprechend brechen, damit diese auf der Netzhaut zusammentreffen.

Gut zu wissen: Brillen gibt es seit dem Mittelalter
Die Brille ist keine Erfindung der Moderne, sondern gibt es in einer vergleichbaren Form bereits seit dem Ende des 13. Jahrhunderts. Dabei halfen die Linsen zuerst nur jenen, die von Weitsichtigkeit oder Alterssichtigkeit betroffen waren. Ein Gestell gab es zunächst noch nicht, die Linsen wurden lediglich vor die Augen gehalten. Wer genau der Erfinder Brille war, ist bis heute nicht genau geklärt.

Refraktive Chirurgie

Als refraktive Chirurgie werden Eingriffe am Auge bezeichnet, die die diagnostizierte Fehlsichtigkeit des Patienten korrigieren sollen. Bei der Operation verändert der Arzt die Brechkraft der Augenlinse. Problematisch bei dieser Form der Behandlung ist, dass sich lediglich Symptome behandeln lassen. Die konkreten Ursachen für Kurz- und Weitsichtigkeit können bisher nicht behandelt werden. Zudem beinhalten Operationen naturgemäß Risiken, weshalb im Vorfeld besonders vom Augenarzt, aber auch vom Patienten die Vor- und Nachteile des Eingriffs abgewogen werden müssen. Einige mögliche Operationsmethoden sollen im Folgenden vorgestellt werden.

Photorefraktive Keratektomie (PRK)

Die PRK kann bei einer Korrektur der Kurzsichtigkeit bis -6 dpt eingesetzt werden und im Falle einer Weitsichtigkeit bis +4 dpt.

Vor der eigentlichen Behandlung wird zunächst via Laser das Hornhautepithel, also die oberste, abdeckende Schicht der Hornhaut entfernt. Daraufhin wird die Hornhautoberfläche durch schichtweises Abtragen abgeflacht. Auf diese Weise wird die Brechkraft des Auges nach hinten verlegt. In einigen Fällen kann sich eine Hornhautnarbe bilden. Dagegen können kortisonhaltige Augentropfen helfen, allerdings kann Kortison den Augeninnendruck erhöhen und ist deshalb gerade bei Glaukompatienten riskant. Durch die während des Eingriffs freiliegenden Hornhautschicht hat der Patient höchstwahrscheinlich Schmerzen, bis die Hornhautepithel wieder geschlossen ist.

Laser-in-situ-Keratomileusis (LASIK)

Dieser Eingriff wird ähnlich wie die PRK bei einer Fehlsichtigkeit von -2 bis -6 dpt bzw. bei +3 bis +4 dpt eingesetzt. Dabei wird eine sehr dünne Schicht der obersten Hornhaut (sog. Hornhautlamelle) vorsichtig losgelöst und zur Seite geklappt. Dass darunter liegende Gewebe wird dann mit einem Laser abgeschliffen, nach Ende dieses Vorgangs wird die obere Hornhautschicht wieder zurückgeklappt. Im Vergleich zur PRK hat die LASIK-Methode die Vorteile, dass es im Normalfall keine Beschwerden beim Patienten gibt, die optimale Sehschärfe schnell und präzise herbeigeführt werden kann und dass sich in den meisten Fällen keine Narben bilden.

Laserthermokeratoplastik (LTK, konduktive Keratoplastik)

Die LTK kommt bei vergleichsweise geringer Weitsichtigkeit von +1,5 dpt zum Einsatz. Am Rand der Hornhaut werden mit einem Laser winzige Hitzepunkte gesetzt. Dieser Reiz veranlasst die Hornhaut, sich in diesem Bereich zusammenzuziehen, wodurch sich die Hornhaut im Zentrum leicht verbiegt. Diese Verbiegung gleicht die Weitsichtigkeit aus. Diese Methode birgt aber auch das Risiko der Narbenbildung im Bereich der Hornhaut. Zudem geht der Behandlungseffekt nach einiger Zeit wieder zurück, sodass die LTK eher weniger eingesetzt wird.

Intrakornealer Ring (ICR)

Die ICR wird bei schwach ausgeprägter Kurzsichtigkeit eingesetzt. Hierfür werden kleine Kunststoffringe um die Hornhaut gelegt. Durch den mechanischen Druck, den die Ringe ausüben, flacht die Hornhaut ab, wodurch die Sehschwäche ausgeglichen wird. Der Effekt dieses Eingriffs ist allerdings nicht präzise vorhersagbar, weshalb diese Technik mittlerweile eher selten eingesetzt wird.

Intraokulare Kontaktlinse (ICL)

Das Auge wird bei diesem Eingriff geöffnet, um eine sehr dünne Kunststofflinse zwischen die Iris und die natürliche Linse zu legen. Problematisch ist in diesem Zusammenhang aber, dass eine Zerstreuungslinse eingesetzt werden muss, um die Myopie korrigieren zu können. Da diese am Rand dicker als im Zentrum ist, kann unter Umständen der Kammerdurchfluss eingeschränkt werden, wodurch der Augeninnendruck steigt. Damit steigt ggf. das Risiko für Grünen Star.

Deshalb werden normalerweise bei diesem Eingriff zusätzlich noch zwei Laser-Iridotomien durchgeführt. Bei dieser Laseroperation wird ein kleines Loch in der Iris erzeugt (sog. ‚Photodisruption‘). Dadurch wird eine Verbindung zwischen der hinteren und vorderen Augenkammer geschaffen, wodurch das Kammerwasser durch diese beiden Räume wieder bzw. besser zirkulieren kann.

Eine ICL wird bei einer starken Kurzsichtigkeit eingesetzt, während es für schwächere Formen der Myopie noch nicht uneingeschränkt empfohlen wird. Da die Kunstlinse die natürliche Linse berührt, kann es langfristig zu einer Linsentrübung kommen.

Linsenimplantation

Bei Patienten, die eine ausgeprägte Form von Kurz- oder Weitsichtigkeit vorweisen, kann neben der eigenen Augenlinse auch eine künstliche Linse ins Auge gesetzt werden.

Wichtige Hinweise im Umgang mit eingeschränkter Sehkraft

Unabhängig davon, ob die Fehlsichtigkeit mit Sehhilfen oder Operationen behandelt wird, sind regelmäßige Kontrollgänge des Patienten unerlässlich. Auf diese Weise lässt sich der Behandlungserfolg überprüfen und es können bei Bedarf Anpassungen etwa der Brillengläser vorgenommen werden.

Bei Kontaktlinsen ist außerdem zu beachten, dass diese nicht ununterbrochen getragen werden dürfen, da sie u. a. den Stoffwechsel der Hornhaut stören oder die Hornhaut von Bakterien befallen wird, wenn die Linsen verunreinigt waren. Je nach Art der Kontaktlinse müssen diese auch regelmäßig ausgetauscht werden. Deshalb ist in vielen Fällen neben Kontaktlinsen eine Brille als Ergänzung empfehlenswert.

Faktenbox: Kurzsichtigkeit und Weitsichtigkeit

Kurz- und Weitsichtigkeit sind die zwei häufigsten Formen von Fehlsichtigkeit.
Ein Großteil der Menschen ist davon in unterschiedlich starken Ausprägungen betroffen.
Diese Formen der Fehlsichtigkeit sind darauf zurückzuführen, dass das Licht im Auge nicht richtig gebrochen wird und der Brennpunkt somit nicht genau auf der Netzhaut liegt. So können Objekte nicht richtig fokussiert werden.
Symptome
Die Symptome hängen z. T. davon ab, ob sich um Weit- oder um Kurzsichtigkeit handelt. Gemeinsam ist beiden, dass bei längerer Anstrengung der Augen Kopfschmerzen und generell Augenschmerzen auftreten können. Unter Umständen können brennende und schnell ermüdende Augen sowie Schwindel und Übelkeit hinzukommen.
Risikofaktoren
Kurz- und Weitsichtigkeit sind in den meisten Fällen erblich bedingt. Gerade für Kurzsichtigkeit gibt es aber noch andere Risikofaktoren wie Diabetes mellitus, eine Frühgeburt und das Down- bzw. Marfan-Syndrom.
Behandlung
In den meisten Fällen werden Brillen eingesetzt, um die Fehlsichtigkeit zu korrigieren. Möglich sind aber ggf. auch operative Eingriffe.

Häufige Patientenfragen

Was ist Alterssichtigkeit?

Dr. T. Weigl:
Alterssichtigkeit (sog. ‚Presbyopie‘) ist keine Krankheit, sondern resultiert aus dem natürlichen Alterungsprozess der Augenlinse. Ab ungefähr dem 40. Lebensjahr verliert die Linse in einem schleichenden Prozess ihre Fähigkeit zur Akkommodation. Dabei bleibt die Sehschärfe in der Ferne zunächst noch gut, während das Nahsehen schlechter wird. Texte lassen sich so bspw. Nur mit größerem Abstand und in hellem Licht lesen. Alterssichtigkeit kann mit einer Lesebrille bzw. Kontaktlinsen ausgeglichen werden. Falls diese Möglichkeiten aus verschiedenen Gründen nicht in Frage kommen, können auch operative Eingriffe erwogen werden.

Der individuelle Seheindruck ist bei Weitsichtigkeit und Alterssichtigkeit vergleichbar, aber die Ursachen sind andere. Die Alterssichtigkeit resultiert vor allem daraus, dass altersbedingt das Auge die Sehschärfe der Augenlinse nicht mehr optimal einstellen kann, die Fähigkeit des Auges zur Akkommodation also allmählich abnimmt. Zudem tritt diese Form verstärkt erst mit fortschreitendem Alter auf, während Weitsichtigkeit sich meistens im Kindesalter herausbildet.

Sind beide Augen gleichermaßen immer von Kurz- oder Weitsichtigkeit betroffen?

Dr. T. Weigl:
Häufig, aber nicht zwangsläufig sind beide Augen von der Fehlsichtigkeit betroffen. Allerdings unterscheidet sich die Sehschärfe der Augen unter Umständen stärker und es kann sogar vorkommen, dass das eine Auge weitsichtig ist, während das andere nur nahe Dinge richtig sieht. In solchen Fällen spricht man von einer ‚Anisometropie‘ oder einer ungleichen Fehlsichtigkeit, die ab einer Differenz von 0,5 Dioptrien behandelt werden sollte.

Ab wann sollte ich mit Kindern zum Augenarzt gehen?

Dr. T. Weigl:
Grundsätzlich sollten Sie frühzeitig mit Ihrem Kind zum Augenarzt gehen, wenn stärkere Fehlsichtigkeiten oder Augenerkrankungen wie der Grüne oder Graue Star bereits in der Familie aufgetreten sind. Dies sollte sogar schon während des ersten Lebensjahres geschehen, um zeitige Maßnahmen ergreifen zu können. Allgemein gilt aber, dass sie spätestens während des Kindergartenalters den ersten Kontrollbesuch beim Augenarzt machen, um mögliche Fehlsichtigkeiten oder sogar ein kleinwinkliges Schielen ausreichend früh zu entdecken. Heranwachsende Kinder sollten aber unabhängig von möglichen Erkrankungen regelmäßig zur Vorsorge zum Augenarzt gehen. Der Augenarzt wird Ihnen diesbezüglich eine Empfehlung aussprechen.

Herberts Verdacht hat sich als richtig erwiesen: Michael braucht tatsächlich eine Brille. Der Augenarzt konnte bei ihm durch die Sehtests eine Kurzsichtigkeit feststellen. Schon zwei Wochen später kann er seinem Bruder Tom wieder ohne Probleme beim Kicken zu gucken und mit ihm jubeln – Kontaktlinsen sei Dank!

Verwandte Themen

Sind Sie oder einer Ihrer Familienangehörigen von Kurz- oder Weitsichtigkeit betroffen? Konnten Sie die Fehlsichtigkeit frühzeitig feststellen? Wie gehen Sie damit um? Nutzen Sie unsere Kommentarfunktion unten für den Austausch untereinander und mit uns!

Autoren: Dr. Tobias Weigl und Sebastian Mittelberg
Redaktion: Marek Firlej
Veröffentlicht am: 08.12.2018

Die hier beschriebenen Punkte (Krankheit, Beschwerden, Diagnostik, Therapie, Komplikationen etc.) erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Es wird genannt, was der Autor als wichtig und erwähnenswert erachtet. Ein Arztbesuch wird durch die hier genannten Informationen keinesfalls ersetzt.

Quellen

 

[Gesamt:1    Durchschnitt: 5/5]

Noch keine Kommentare.

Was denkst Du?

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.