Sign up with your email address to be the first to know about new products, VIP offers, blog features & more.

Grüner Star – Entstehung, Diagnose und Behandlung eines Glaukoms

Eine Heilung eines Glaukoms ist bisher leider noch nicht möglich. Deshalb spielt die Früherkennung des Glaukoms eine entscheidende Rolle, um die Sehkraft so lange und so gut wie möglich zu erhalten.
— Dr. Tobias Weigl


Von Medizinern geprüft und nach besten wissenschaftlichen Standards verfasst

Dieser Text wurde gemäß medizinischer Fachliteratur, aktuellen Leitlinien und Studien erstellt und von einem Mediziner vor Veröffentlichung geprüft.

Quellen ansehen
Das Glaukom, umgangssprachlich oft Grüner Star genannt, bezeichnet eine Reihe von Augenerkrankungen, die unbehandelt zur Erblindung führen und für die es bisher noch keine Heilung gibt. Die meisten Formen verursachen keine Beschwerden und werden deshalb erst relativ spät entdeckt. Bemerken Patienten eine Sehverschlechterung, sind die Schäden oft schon stärker vorangeschritten. Im folgenden Artikel wird gezeigt, wie ein Glaukom entsteht, welche Formen es gibt und wie diese Erkrankung diagnostiziert und therapiert wird.

Berthold besucht seine Mutter Erna. Freudig umarmen sich beide, essen gemeinsam ein Stück Kuchen und gehen danach etwas in der Sonne spazieren. Sie besuchen das nahegelegene Wildtiergehege. Berthold fällt dabei auf, dass seine Mutter sehr angestrengt schaut und oft blinzelt, als könne sie etwas nicht genau erkennen. „Ist alles in Ordnung?“, fragt er sie. Erna berichtet, dass sie den äußeren Rand ihres Blickfelds seit einiger Zeit nur verschwommen wahrnimmt und dies langsam, aber stetig schlimmer wird. „Wieso sagst du nicht früher Bescheid, Mama? Wir müssen auf jeden Fall jetzt zum Augenarzt. Nachher wirst du noch blind!“

Was ist ein Grüner Star?

Das Glaukom, das umgangssprachlich oft Grüner Star genannt wird, bezeichnet eine Gruppe von Augenkrankheiten, bei denen der Sehnerv allmählich irreparabel geschädigt wird. Dies kann unbehandelt zur Erblindung führen. Das Glaukom gilt allgemein als eine der häufigsten Erblindungsursachen in der westlichen Welt: Europaweit sind etwa 2 Prozent aller Personen betroffen, die über 40 Jahre alt sind. In Deutschland sind etwa 800.000 Menschen von einem Glaukom betroffen.
Tückisch ist ein Glaukom deshalb, da es meistens über einen langen Zeitraum hinweg unerkannt bleibt, weil die Erkrankung in den meisten Fällen keine Schmerzen bereitet und das Auge oftmals äußerlich keine Veränderungen aufweist. Zudem zeigen sich erhebliche Einschränkungen des Gesichtsfelds zumeist erst in späteren Stadien der Erkrankung, wenn bereits eine stärkere Beschädigung stattgefunden hat. Mit Gesichtsfeld ist der Bereich gemeint, den man mit dem unbewegten Auge erblicken kann.

Nicht verwechseln: Grauer Star und Grüner Star
Bei Grünem Star und Grauem Star handelt es sich um zwei verschiedenen Krankheiten, die nicht verwechselt werden dürfen. Beim Grauen Star wird die Linse getrübt; Betroffene haben das Gefühl, ständig durch einen Nebel zu sehen. Der Graue Star tritt typischerweise im höheren Alter auf und meist gehen die Betroffenen selbst zum Arzt, da sie eine Sehverschlechterung bemerken. Im Vergleich dazu verläuft ein Glaukom symptomfrei und tritt durchschnittlich erheblich früher auf. Betroffene bemerken die Sehverschlechterung meistens erst dann, wenn der Sehnerv schon stärker geschädigt ist.

Wie entsteht ein Glaukom?

Grundsätzlich liegen bei einem Glaukom Beschädigungen des Sehnervs vor, die auf eine mechanische, also druckbedingte, oder eine vaskuläre, also durchblutungsbedingte, Schädigung zurückzuführen ist. Abhängig davon, um welche Form des Glaukoms es sich handelt, spielt entweder die mechanische oder die vaskuläre Schädigung die größere Rolle. In den meisten Fällen ist allerdings ein (stark) erhöhter Druck im Auge für die Entstehung eines Glaukoms verantwortlich. Doch wie entsteht dieser Druck überhaupt?
Der Augeninnendruck ist das Ergebnis aus dem Wechselspiel von Kammerwasserproduktion, Kammerwasserzirkulation und -abfluss. Das Kammerwasser ist für das Auge insofern wichtig, da es die Augenlinse und Hornhaut mit Nährstoffen versorgt. Es wird von dem sogenannten Ziliarkörper gebildet, der sich in der hinteren Augenkammer befindet – Von dort umfließt das Kammerwasser die Augenlinse. Es strömt durch die Pupille und fließt in die vordere Augenkammer, wo das Kammerwasser u. a. die Hornhaut benetzt. Durch die siebartige Struktur des Kammerwinkels fließt dann ein Großteil des Wassers ab und gelangt in den Blutkreislauf: Das Kammerwasser im Kammerwinkel fließt durch das schwammähnliche Trabekelwerk in den sogenannten Schlemm-Kanal. Über diesen Kanal gelangt das Wasser schließlich in den Blutkreislauf.
Hornhaut, Iris und die vordere Augenkammer treffen im vorderen Bereich des Auges winkelförmig aufeinander, weswegen diese Struktur als Kammerwinkel bezeichnet wird.
Steigt der Augeninnendruck, ist dies meistens darauf zurückzuführen, dass das Kammerwasser nicht mehr richtig abfließen kann. Ist der Druck zu hoch, werden die Blutversorgung und die Ernährung der Nervenzellen gestört. Der normale Druckwert liegt zwischen 10 und 21 mmHg und schwankt im Tagesverlauf leicht.

Formen des Glaukoms

Grundsätzlich wird bei Glaukomen zwischen primären und sekundären Formen unterschieden. Allen Formen haben gemeinsam, dass sie früher oder später zu einem Gesichtsfeldverlust führen. Im Folgenden werden einige der wichtigsten Glaukomformen vorgestellt.

Primäre Glaukome

Primäre Glaukome sind die mit Abstand häufigsten Glaukome. Sie sind nicht auf eine andere Erkrankung zurückzuführen und entstehen häufig zeitversetzt in beiden Augen. Entwickelt sich in einem Auge ein Glaukom, kann die Erkrankung unter Umständen einige Jahre später auch im anderen Auge auftreten.

Offenwinkelglaukom

Die häufigste Art des Glaukoms ist das sogenannte primäre Offenwinkelglaukom. Dabei ist der Augeninnendruck teils stark erhöht (zwischen 25 und 44 mmHg), weil das Kammerwasser nur vermindert abfließen kann. Dass das Kammerwasser nicht abfließen kann, ist auf Veränderungen der Zellen im Trabekelmaschenwerk zurückzuführen, die eine Art Plaque ablagern. Häufig wird das Offenwinkelglaukom erst sehr spät bemerkt, wenn die Schäden bereits irreparabel sind. In den frühen Stadien der Erkrankung zeigen sich in der Regel keine Symptome, nur wenige Betroffene klagen über dumpfe Kopfschmerzen, die dann meistens auf andere Ursachen zurückgeführt werden. Eine Sonderform des Offenwinkelglaukoms ist das sogenannte Normaldruckglaukom. Der Unterschied besteht darin, dass nur Augeninnendruckwerte gemessen werden, die unter 21 mmHg liegen. Dies ist insofern problematisch, als dass die Diagnose eines derartigen Glaukoms erheblich erschwert wird.

Winkelblockglaukom

Das Winkelblockglaukom, auch Pupillarblock genannt, entsteht, wenn der Kammerwinkel verschlossen ist. Hierbei wird zwischen drei Formen unterschieden:

  • Akutes Winkelblockglaukom: Diese Form wird auch als Glaukomanfall bezeichnet. Damit ist eine schlagartige starke Erhöhung des Augeninnendrucks gemeint, wobei häufig Werte bis 70 mmHg erreicht werden können. Der Glaukomanfall ist ein Notfall, der innerhalb kürzerer Zeit zur Erblindung führen kann. Die häufigste Ursache für einen Glaukomanfall ist ein sogenannter Pupillarblock: Die Rückfläche der Iris liegt direkt auf der Linse und blockiert so den Kammerwasserfluss. Das Kammerwasser staut sich nun hinter der Iris, wodurch diese nach vorne gedrückt wird und damit den Kammerwinkel verengt bzw. verschließt. Als Symptome treten u. a. Schmerzen im betreffenden Auge, Übelkeit und Erbrechen, ggf. Herzrhythmusstörungen und Sehstörungen auf.
  • Chronisches Winkelblockglaukom: Das chronische Winkelblockglaukom tritt in den allermeisten Fällen infolge eines Glaukomanfalls auf, wenn dieser nicht rechtzeitig behandelt werden konnte. Dann nämlich verklebt der Kammerwinkel allmählich, was eine chronische Steigerung des Augeninnendrucks nach sich zieht. In der Folge wird die Papille geschädigt und das Gesichtsfeld wird nach und nach eingeschränkt. Die Papille ist ein Bereich der Netzhaut, in dem sich die Nervenfasern der Netzhaut sammeln. Ohne Glaukomanfall tritt diese chronische Form eher selten auf.
  • Intermittierendes Glaukom: Diese Form des Winkelblockglaukoms ist aus medizinischer Sicht eine Art Vorstufe des akuten Winkelblockglaukoms. Drucksteigerungen ereignen sich nur vorrübergehend durch den Verschluss des Kammerwinkels, dieser löst sich aber spontan wieder auf.

Sekundäre Glaukome

Sekundäre Glaukome lassen sich auf andere Augenerkrankungen oder andere Grunderkrankungen wie Diabetes zurückführen. Beispiele dafür sind:

Pigmentdispersionsglaukom

Dieses Glaukom entsteht dadurch, dass sich von der Rückseite der Iris feine Pigmentkörnchen lösen, die mittelfristig das Trabekelwerk und damit den Hauptabfluss des Kammerwassers blockieren. Diese Pigmentkörnchen sind verstreut auf der Iris sichtbar. Das Pigmentdispersionsglaukom lässt sich häufiger bei jüngeren Männern finden, die von Kurzsichtigkeit betroffen sind.

Pseudoexfoliationsglaukom

Bei dieser häufiger auftretenden Form des sekundären Glaukoms lagert sich ein feines proteinähnliches Material u. a. im Kammerwinkel und auf der Linse ab. Dadurch werden die Abflusswege des Kammerwassers verstopft. Oft zeigen sich bei diesem Glaukom hohe Augeninnendruckwerte, die mitunter heftig schwanken können.

Neovaskularisationsglaukom

Diese sekundäre Glaukomform wird am häufigsten durch die diabetische Retinopathie und Gefäßverschlüsse im Auge hervorgerufen. Durch die Grunderkrankung wird das Auge nur noch mangelhaft mit Sauerstoff versorgt. Infolgedessen produziert und schüttet der Körper Botenstoffe aus, die darauf abzielen, neue Gefäße zu bilden und die Unterversorgungen aufzuheben. Allerdings können sich auch Gefäße in Bereichen des Auges bilden, in denen sie eher kontraproduktiv sind. Dies ist vor allem dann ein Problem, wenn sich neue Gefäße im Kammerwinkel und auf der Iris bilden. Diese behindern dann unter Umständen den Abfluss des Kammerwassers. Möglicherweise entsteht auch im Bereich des Kammerwinkels eine Membran, die den Kammerwasserabfluss zusätzlich einschränkt.

Glaukom bei Verletzungen

Ein Glaukom kann ebenfalls durch Verletzungen des Auges verursacht werden. Wird bspw. der Augapfel verletzt, kann u. a. eine mögliche Blutung in der Vorderkammer des Auges den Abfluss des Kammerwassers behindern. Liegt eine schwere Augapfelprellung vor, können so Risse im Trabekelwerk entstehen. Die sich bildenden Narben und der dadurch behinderte Kammerwasserabfluss lassen den Augeninnendruck ansteigen.

Kortisonglaukom

Unter Umständen kann eine längere Kortisonbehandlung die Entstehung eines Offenwinkelglaukoms begünstigen. Sogenannte Mukopolysacchariden sammeln sich im Trabekelwerk an und verstopfen es. In Verbindung mit starker Kurzsichtigkeit tritt dieses Glaukom häufig auf.

Sind Sie von einem Glaukom betroffen? Wenn ja, um welche Form handelt es sich?

Welche Risikogruppen gibt es?

Das Risiko, von einem Glaukom betroffen zu sein, steigt mit zunehmendem Alter: Bei rund 2,5 Prozent aller über 40-Jährigen tritt ein erhöhter Augeninnendruck (mit oder ohne Glaukom) auf, ab dem 75. Lebensjahr lässt sich ein solcher Augeninnendruck sogar bei 7–8 Prozent der Personen dieser Altersgruppe in Deutschland feststellen. Daneben sind erblich bedingte, familiäre Vorbelastungen sowie eine Kurzsichtigkeit ab minus 5 Dioptrien zwei wichtige Risikofaktoren, welche die Entstehung eines Glaukoms begünstigen können. Falls bereits eine Glaukom-Erkrankung vorliegt, kann der Konsum von Nikotin ein weiteres Risiko darstellen. Unter Umständen kann Diabetes ein sogenanntes Sekundärglaukom verursachen, falls die Augen bereits durch stärkere krankhafte diabetische Veränderungen geschädigt sind.

Gut zu wissen: Was heißt Dioptrien?
Dioptrie (kurz: dpt) bezeichnet eine Maßeinheit für die Stärke, mit der das Brillenglas das Licht bricht. Für die Kurzsichtigkeit werden Minus-Werte angegeben, für die Weitsichtigkeit Plus-Werte. Hierbei gilt: Je höher die Dioptrie-Zahl ist, desto höher ist letztlich die Fehlsichtigkeit. Ein Dioptrie-Wert von -1 dpt bedeutet eine leichte Kurzsichtigkeit, während bspw. Werte ab -5 dpt eine starke Kurzsichtigkeit ergeben.

 

Videoexkurs: Diabetes
Diabetes kann neben einem Glaukom auch andere Krankheiten begünstigen oder hervorrufen. Was Diabetes genau ist und welche Folgeschäden diese Erkrankung verursachen kann, erklärt Ihnen Dr. Tobias Weigl im folgenden Video.

Was tut der Arzt? Teil 1: Die Diagnose

Zuerst wird der Arzt ein Patientengespräch mit Ihnen führen, das sogenannte Anamnesegespräch. Dort wird er Sie nach den aufgetretenen Beschwerden befragen und sich erkundigen, ob Familienangehörige bereits von einem Glaukom betroffen sind oder waren und ob bspw. eine Diabetes-Erkrankung vorliegt. Meistens erfolgt dann eine allgemeine Untersuchung des Augenarztes, in der Sie bspw. auf Kurz- oder Weitsichtigkeit oder Hornhautverkrümmungen hin untersucht werden. Mit Blick auf ein Glaukom sind u. a. folgende Untersuchungen die wichtigsten:

  • Messung der Durchblutung: Da längst nicht bei jedem Patienten ein erhöhter Augeninnendruck für die Entstehung eines Glaukoms verantwortlich ist, kann eine Untersuchung hinsichtlich etwaiger Durchblutungsstörungen sinnvoll sein. Wichtig in diesem Zusammenhang ist der sogenannte Perfusionsdruck (der Druck, mit dem ein Gewebe durchblutet wird), der sich aus der Differenz von Augeninnendruck und Blutdruck errechnet. Fällt dieser auf unter 50 mmHg, erhöht das die Wahrscheinlichkeit eines Glaukomschadens enorm. Vor allem ein niedriger Blutdruck in Verbindung mit einem erhöhten Augeninnendruck steigert das Glaukomrisiko. Deshalb sind bei Verdachtsfällen ggf. Untersuchungen des Blutdrucks oder eine Ultraschallmessung der Augendurchblutung erforderlich. Für die Untersuchung der Durchblutungssituation des Auges können folgende Verfahren verwendet werden:
    • Bei der sogenannten Fluoreszenzangiographie wird die Durchblutung der Netzhaut überprüft: Dem Patienten wird ein Kontrastmittel in die Vene gespritzt, wodurch sich diese Flüssigkeit auch in den Gefäßen des Auges ausbreitet und so die Gefäße beim Röntgen sichtbar werden.
    • Bei der Thermographie kann anhand der Wärmeabgabe der Durchblutung geprüft werden, ob und inwiefern die Durchblutung des Auges vermindert ist. Je stärker bspw. ein Organ durchblutet ist, desto mehr Wärme wird nach außen abgesondert. Wird das Auge nun weniger durchblutet, weil etwa ein Blutgefäß verschlossen ist, so wird dies anhand eines thermographischen Bildes deutlich, dass die geringere Wärmeabgabe abbildet.
    • Die dritte gängige Untersuchungsmethode der Durchblutung ist die Kapillarmikroskopie. Hierbei werden mikroskopisch die feinsten Blutgefäße – die Kapillaren – der Netzhaut untersucht, um dortige Störungen der Durchblutung festzustellen.
Videoexkurs: Bluthochdruck
Eine der zentralen Erkrankungen im Zusammenhang mit dem Blutdruck ist die sogenannte Hypertonie. Im folgenden Video erklärt Ihnen Dr. Tobias Weigl, was Hypertonie eigentlich genau bedeutet und wie sie diagnostiziert und behandelt wird.

  • Messung des Augeninnendrucks (sog. ‚Tonometrie‘): Die Tonometrie ist eine außerordentlich wichtige Untersuchung hinsichtlich der Früherkennung eines Glaukoms. Sie wird ebenfalls als Kontrollinstrument eingesetzt, falls bereits eine Erkrankung vorliegt. Bei der Untersuchung selbst wird zwischen Geräten unterschieden, die das Auge bei der Messung berühren oder bei denen das Auge lediglich durch einen Luftstrahl berührt wird (sog. ‚Non-Contact-Tonometer‘). Beide Untersuchungsweisen sind schmerzfrei.
    Für eine Messung, bei der das Auge direkt berührt wird, wird häufig das sogenannte Applanatationstonometer verwendet. Der Druck wird dabei bestimmt, indem das Tonometer die Hornhaut mithilfe eines runden, platten Messkörpers innerhalb eines Bereichs von vier Millimetern applaniert, d. h. abplättet. Der ‚Kraftaufwand‘, der hierfür nötig war, wird in mmHg gemessen und zeigt den aktuellen Augeninnendruck an. Bei der Non-Contact-Methode ist die Vorgehensweise ähnlich: Hier wird die Hornhaut mit einem Luftstrahl abgeplättet. Dabei werden Geschwindigkeit und Ausmaß dieser Abplättung durch eine spezielle Optik erfasst, wodurch sich dann der Augeninnendruck errechnen lässt. Da der Augeninnendruck Schwankungen im Tagesverlauf unterliegt, sind gegebenenfalls ein Tagesdruckprofil oder ein 24-Stunden-Druckprofil sinnvoll, die entweder in der Klinik oder vom Patienten selbst erstellt werden. Dafür erhält der Patient ein Gerät, mit dem er den Augeninnendruck selbstständig messen und protokollieren kann.
  • Gesichtsfelduntersuchung (sog. ‚Perimetrie‘): Die Untersuchung des Gesichtsfelds ist die wichtigste Basisuntersuchung, um die Sehleistung der Patienten festzustellen. Dabei wird an verschiedenen Stellen des Sehraums die jeweilige Sehleistung getestet. Hierfür werden beide Augen getrennt voneinander untersucht. Lichtmarken werden in verschiedenen Helligkeitsstufen projiziert und im Sehfeld des Patienten platziert. Nimmt er die jeweilige Lichtmarke wahr, muss er einen Druckknopf betätigen. Auf diese Art und Weise wird an verschiedenen Stellen des Sehfelds überprüft, welche Lichtintensität vonnöten ist, damit der Patient die Lichtmarken wahrnimmt. So kann der Arzt eine Art ‚Karte‘ erstellen, an der die verschiedenen Lichtempfindlichkeiten im Gesichtsfeld sichtbar gemacht werden. Sind dabei Areale im Sehfeld erkennbar, an denen der Patient die Lichtmarken nicht wahrgenommen hat, so spricht man von einem sogenannten absoluten Skotom. Areale, bei denen die Wahrnehmung nicht völlig verschwunden, aber reduziert ist, werden als relative Skotome bezeichnet.
  • Spaltlampen-Untersuchung: Die Spaltlampe ist ein Mikroskop, das geschwenkt werden kann. Bei der Untersuchung legt der Patient sein Kinn in eine gepolsterte Stütze, wobei die Stirn ein Halteband berührt. Dadurch wird verhindert, dass Kopfbewegungen die Untersuchung stören. Nun wird der Augenarzt das Mikroskop mitsamt der Lichtquelle ca. 2–10 cm vor dem zu untersuchenden Auge positionieren und durch das Gerät blicken. Dabei kann er verschiedene Vergrößerungen auswählen. Entscheidend ist dabei, dass die Spaltlampe die Möglichkeit besitzt, die Beleuchtung spaltförmig einzustellen. Auf diese Weise kann der Arzt die Tiefe der vorderen Augenkammer und die Größe des Kammerwinkels beurteilen.
  • Untersuchung der Kammerwinkel (sog. ‚Gonioskopie‘): Hegt der Augenarzt den Verdacht, dass der Abfluss des Kammerwassers gestört oder der Kammerwinkel beschädigt ist, werden die Kammerwinkel auf Ablagerungen oder etwaige Verklebungen untersucht. Dazu verwendet der Arzt bei der Untersuchung mit der Spaltlampe ein Kontaktglas. Dieses Kontaktglas kann gedreht werden, sodass der Kammerwinkel über die 360 Grad ausgeleuchtet und gut untersucht werden kann. Dadurch können u. a. Ablagerungen und Verklebungen gut erkannt werden, die womöglich den Kammerwasserabfluss behindern.

Was tut der Arzt? Teil 2: Die Behandlung

Das Grundprinzip einer jeden Glaukombehandlung ist die Senkung des Augendrucks, während das primäre Behandlungsziel die Erhaltung des noch verfügbaren Gesichtsfeldes. Bisher ist noch keine Heilung der Glaukomschäden möglich. Da ein Glaukom eine chronisch voranschreitende Erkrankung ist, muss der Patient sich in eine dauerhafte Behandlung begeben.
Bei der Behandlung eines Glaukoms gilt das Prinzip des individuellen Zieldrucks. Auf diesen Zieldruck sollen die Druckverhältnisse im Auge gebracht werden, um Schäden vorzubeugen bzw. weitere Schäden zu verhindern. Der Zieldruck wird anhand folgender Kriterien festgelegt:

  • bisherige Größe der Glaukomschäden
  • Druckverhältnisse im Auge, bevor die Therapie begann bzw. unter welchen Druck die Schädigungen entstanden sind
  • sogenannte Progressionsrate, also wie sehr sich das Glaukom in der Vergangenheit bisher verschlimmert hat
  • Alter des Patienten

Der Zieldruck ist dabei abhängig vom Therapieverlauf und muss dementsprechend regelmäßig geprüft und angepasst werden. Dabei gilt folgendes:

  • Grundsätzlich ist die Drucksenkung unter 21 mmHg angestrebt, um die Druckverhältnisse in den Normwertbereich von ca. 10–20 mmHg zu bringen. Je nach dem, welches Ausmaß die Schäden schon erreicht haben, wird eine
    20–40prozentige Drucksenkung angestrebt.
  • Ist der Glaukomschaden schon fortgeschritten, wird es das Ziel sein, den Druck unter 18 mmHg zu senken.
  • Besteht eine okuläre Hypertension, sind Druckwerte bis 25 mmHg im Toleranzbereich.
Gut zu wissen: Was ist eine okuläre Hypertension?
Mit einer okulären Hypertension ist ein Augeninnendruck gemeint, der oberhalb des Normwertes 21 mmHg liegt. Allerdings liegen weder Schädigungen der Papille noch Einschränkungen des Gesichtsfeldes vor. Dementsprechend ist eine okuläre Hypertension kein Glaukom, mit ihr erhöht sich aber das Risiko für eine Glaukomenstehung um ca. 10 Prozent pro fünf Jahre.

Liegt eine sekundäre Glaukomform vor, muss die Grunderkrankung behandelt werden, damit die Glaukomtherapie erfolgreich sein kann.
Um den Augeninnendruck zu senken, gibt es drei grundlegende Therapiemöglichkeiten, die im Folgenden erklärt werden.

Medikamentöse Behandlung

Zu Beginn einer Glaukomtherapie muss der Patient in aller Regel Augentropfen verwenden, die den Augendruck senken sollen. Hierfür stehen mehrere verschiedene Wirkstoffgruppen (z. B. Betablocker) zur Verfügung; begonnen wird zunächst mit einem Wirkstoff, im Bedarfsfall können mehrere Wirkstoffe kombiniert werden. Eines der Probleme bei der medikamentösen Behandlung sind aber Unverträglichkeiten seitens der Patienten, die unter Umständen auf die Einnahme der Augentropfen mit allergischen Reaktionen und anderen Nebenwirkungen reagieren können. Abhängig davon, welcher Wirkstoff eingesetzt wird, können Nebenwirkungen wie trockene Augen, Müdigkeit, aber auch ein langsamer Puls oder – in seltenen Fällen – Herzrhythmusstörungen auftreten. Daher ist eine enge Absprache zwischen Arzt und Patient von zentraler Bedeutung.

Lasertherapie

Bei der Lasertherapie stehen verschiedene Verfahren zur Verfügung, die bei einer Glaukomtherapie zum Einsatz kommen können. Abhängig von der Art des Glaukoms sind u. a. folgende Methoden möglich:

  • Lasertrabekuloplastik: Mit diesem Verfahren wird das Trabekelwerk behandelt, damit das Kammerwasser wieder besser abfließen und dadurch der Augeninnendruck gesenkt werden kann. Dafür werden mithilfe eines Kontaktglases an der Spaltlampe sogenannte Laserherde gesetzt. Die dadurch entstandenen Lasernarben verringern die Möglichkeit des Trabekelwerks, sich zusammenzuziehen, wodurch das Kammerwasser wieder besser abfließen kann. Damit ist eine potenzielle Drucksenkung von rund 30 Prozent möglich. Allerdings ist eine frühzeitig einsetzende Behandlung notwendig: Bereits nach fünf Jahren sinkt die Erfolgsquote dieser Behandlungsmethode auf unter 50 Prozent. Die Laserbehandlung ist risikoarm und kann sogar mehrfach durchgeführt werden. Für die meisten Patienten ist der Eingriff unter lokaler Betäubung schmerzfrei. Ziel ist es, die bisherige Tropfentherapie zu reduzieren bzw. die Notwendigkeit einer Glaukomoperation hinauszuzögern. Ein vollständiger Verzicht auf Medikamente kann dabei aber nicht erreicht werden.
  • Cyclophotokoagulation: Bei diesem Verfahren wird gezielt ein Teil des für die Produktion von Kammerwasser verantwortlichen Ziliarkörpers mithilfe eines speziellen Lasers verödet. So soll pro Behandlung die Kammerwasserproduktion vorsichtig gesenkt werden. Der Vorgang dauert pro Auge in der Regel nur wenige Minuten.
  • Laseriridotomie: Bei dieser Laseroperation wird mithilfe des Lasers ein kleines Loch in der Iris erzeugt (sog. ‚Photodisruption‘). Dadurch wird eine Verbindung zwischen der hinteren und vorderen Augenkammer geschaffen, wodurch das Kammerwasser durch diese beiden Räume wieder bzw. besser zirkulieren kann. Auf diese Weise kann eine Drucksenkung im Auge erreicht werden. Die Laseriridotomie wird bei einem engen Kammerwinkel, sofern dieser anfallsgefährdet ist, und bei Glaukomanfällen eingesetzt.

Operativer Eingriff

Ein operativer Eingriff ist in der Regel dann nötig, wenn die medikamentöse Therapie keine Erfolge gezeigt hat oder etwa aufgrund von Unverträglichkeiten nicht möglich ist. Ebenfalls kann eine Operation notwendig sein, wenn der Augeninnendruck bereits sehr hoch und/oder der Glaukomschaden schon weit vorangeschritten ist. Abhängig davon, um welche Form eines Glaukoms es sich handelt, gibt es diverse Möglichkeiten der Operation, von denen im Folgenden drei wichtige vorgestellt werden.

  • Trabekulektomie: Bei der Trabekulektomie wird in der Nähe des Trabekelmaschenwerks ein kleineres Stück der Lederhaut entnommen. Dadurch wird für das Kammerwasser ein neuer Abflussweg unter die Bindehaut geschaffen, wodurch eine Drucksenkung erreicht werden kann.
    Die Operation wird meistens mit einer örtlichen Betäubung durchgeführt und dauert etwa eine halbe Stunde. Das operierte Auge wird mit einem Verband bedeckt, der häufig schon am darauffolgenden Tag vom Arzt entfernt werden kann. In den nächsten Wochen muss der Patient entzündungshemmende Medikamente einnehmen und sich regelmäßig beim Augenarzt kontrollieren lassen. Idealerweise wird durch die Operation der Druck dauerhaft gesenkt, oftmals ist aber eine kleinere Nachbehandlung nötig, bei der bspw. die Spannung des Nahtfadens mit dem Laser geändert wird oder Medikamente eingenommen werden müssen.
  • Chirurgische Iridektomie: Die chirurgische Iredektomie funktioniert im Prinzip wie die Laseriridotomie: In der Iris soll ein kleines Fenster bzw. Loch geschaffen werden, damit das Kammerwasser wieder zwischen Hinter- und Vorderkammer des Auges zirkulieren kann, um so eine Drucksenkung zu erreichen. Sie wird ebenfalls bei einem engen Kammerwinkel oder einem Glaukomanfall eingesetzt.
  • Kanaloplastik: Bei der Kanaloplastik wird der natürliche Abfluss des Kammerwassers, der sog. Schlemm-Kanal, mit einem Mikrokatheter erweitert, wodurch eine bessere Abflussmöglichkeit des Kammerwassers gewährleistet werden kann.

Häufige Patientenfragen

Kann ich einem Glaukom vorbeugen?

Dr. T. Weigl
Aus medizinischer Perspektive gibt es keine vorbeugenden Maßnahmen, um das Auftreten eines Glaukoms zu verhindern. Das Fortschreiten der Erkrankung kann allerdings mit entsprechenden medikamentösen oder operativen Maßnahmen eingedämmt werden. Da ein Glaukom bisher nicht geheilt werden kann, ist eine Früherkennung die beste Vorbeugung: Ab dem 40. Lebensjahr sollten Sie alle ein bis drei Jahre Ihre Augen entsprechend untersuchen lassen. Falls in Ihrer Familie bereits engere Verwandte an einem Glaukom erkrankt sind, sollten Sie dies jährlich tun. Gleiches gilt für Menschen ab dem circa 70. Lebensjahr.

Was kann ich bei einem Glaukomanfall tun?

Dr. T. Weigl
Der Glaukomanfall ist ein absoluter Notfall. Auf jeden Fall sollten Sie rasch den Rettungsdienst alarmieren, damit der Betroffene sofort eine ärztliche Behandlung bekommt. Bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes sollten Sie den Patienten nicht alleine lassen. Kontrollieren Sie seinen Puls und sein Bewusstsein. Falls Ihnen bekannt ist, dass der Patient bspw. wegen eines Glaukoms in Behandlung ist, informieren Sie diesbezüglich die Rettungskräfte. Da die Symptome des Anfalls nicht zwangsläufig auf eine Augenerkrankung hinweisen, können Sie möglicherweise so die Behandlung des Betroffenen erleichtern.

Welche Risikofaktoren gibt es für ein Glaukom?

Dr. T. Weigl
Bei Glaukomen gilt: Je älter der Patient ist, desto wahrscheinlicher ist es, dass der Augeninnendruck erhöht ist. In Deutschland sind von den Menschen, die 75 Jahre oder älter sind, ca. 7–8 Prozent von einem erhöhten Augeninnendruck betroffen. Starke Kurzsichtigkeit, Glaukomvorfälle in der Familie und unter Umständen eine Diabeteserkrankung sind wesentliche Risikofaktoren. Menschen mit dunkler Hautfarbe erkranken ebenfalls häufiger an einem Glaukom.

„Es war wichtig, dass Sie zu uns gekommen sind“, sagt der Arzt zu Berthold und Erna. „Ihre Mutter leidet an einem sogenannten Offenwinkelglaukom, wodurch ihr Gesichtsfeld schon eingeschränkt ist. Das kann man leider bisher noch nicht heilen, wir können aber mit entsprechender Behandlung den Krankheitsverlauf so eindämmen, dass sie noch länger so gut wie möglich sehen kann.“

Verwandte Themen

Sind Sie vom Grünen Star betroffen? Oder einer Ihrer Familienangehörigen? Wie sind Sie damit umgegangen? Nutzen Sie unsere Kommentarfunktion unten für den Austausch untereinander und mit uns!

Die hier beschriebenen Punkte (Krankheit, Beschwerden, Diagnostik, Therapie, Komplikationen etc.) erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Es wird genannt, was der Autor als wichtig und erwähnenswert erachtet. Ein Arztbesuch wird durch die hier genannten Informationen keinesfalls ersetzt. Autoren: Dr. Tobias Weigl, Sebastian Mittelberg
Redaktion: Tobias Möller
Veröffentlicht am: 13.11.2018, zuletzt aktualisiert: 08.12.2018

Quellen

  • Thomas S. Dietlein, Manuel M. Hermann, Jens F. Jordan (2009): Medikamentöse und chirurgische Therapie des Glaukoms. In: Deutsches Ärzteblatt International 106(37): S. 597-606.
  • Franz Grehn (2012): Augenheilkunde, 31. überarbeitete Auflage. Springer, Heidelberg.
  • Bernhard Lachenmayr (Hg.) (2012): Begutachtung in der Augenheilkunde, 2. aktualisierte Auflage. Springer, Heidelberg.
  • Niklas Plange und Peter Walter (2017): Basiswissen Augenheilkunde. Springer, Heidelberg.
[Gesamt:7    Durchschnitt: 5/5]

Noch keine Kommentare.

Was denkst Du?

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.