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Sehstörungen – Flimmern, Lichtblitze, schwarze Punkte & Doppeltsehen – Ursachen, Erkrankungen & Therapie

Sehstörungen müssen nicht unbedingt ernste Ursachen haben, sollten im Zweifelsfall aber ärztlich untersucht werden. Denn sie können ein Hinweis auf Erkrankungen des Auges sein, die möglicherweise Ihr Augenlicht bedrohen. Schlimmstenfalls können akute Sehstörungen auch ein Symptom etwa eines drohenden Schlaganfalls sein.
— Dr. Tobias Weigl


Von Medizinern geprüft und nach besten wissenschaftlichen Standards verfasst

Dieser Text wurde gemäß medizinischer Fachliteratur, aktuellen Leitlinien und Studien erstellt und von einem Mediziner vor Veröffentlichung geprüft.

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Flimmern, Lichtblitze, Doppelbilder oder tanzende schwarze Punkte – fast jeder Mensch leidet während seines Lebens einmal an Sehstörungen. Sie müssen nicht zwangsläufig auf Erkrankungen der Augen hinweisen, sollten aber ärztlich abgeklärt werden: Denn Sehstörungen können auch ein Symptom von schwerwiegenden Krankheiten wie multipler Sklerose sein oder sogar einen Schlaganfall ankündigen. Im folgenden Artikel wird Ihnen gezeigt, welche Ursachen Sehstörungen haben können und wie sie diagnostiziert und behandelt werden.

Inhalte

Dieter ist verunsichert. Seit einiger Zeit sieht er verschwommen. Nicht viel, aber es scheint langsam immer ein bisschen mehr zu werden. Trotz seiner 70 Jahre kann das ja nicht normal sein, oder? „Ach, das geht schon wieder weg… so schlimm wirds nicht sein!“, denkt er wieder mal bei sich und steigt mit seiner Frau Hannah ins Auto. Dieter muss sich ziemlich konzentrieren – und da passiert es fast: Er hat einen Fußgänger übersehen und konnte gerade noch mit einer Notbremsung Schlimmeres verhindern. „Dieter, bist du blind? Was ist los? Sowas ist dir in den letzten Wochen schon zwei, drei Mal passiert! Willst du jemanden umfahren?“, faucht ihn Hannah, selbst noch ganz erschrocken, an. Als die beiden wieder daheim sind, beichtet Dieter ihr seine Sehprobleme und macht einen Termin beim Augenarzt.

Was sind Sehstörungen?

Dieter ist mit seinen Sehstörungen nicht allein: Pro Jahr werden schätzungsweise rund 300.000 Verkehrsunfälle allein aufgrund von Sehstörungen verursacht. Dabei sind mit Sehstörungen sämtliche krankhaften Veränderungen des Sehvermögens gemeint. Nicht immer müssen nur Augenerkrankungen schuld sein, auch neurologische oder stoffwechselbedingte Krankheiten können Sehstörungen verursachen. Ratsam ist deshalb in vielen Fällen eine frühzeitige ärztliche Abklärung der Symptome, um Schlimmeres zu verhindern.

Wie zeigen sich Sehstörungen?

Sehstörungen können sich in verschiedenen Arten und Weisen zeigen, die Ihnen im Folgenden kurz vorgestellt werden sollen.

  • Verschwommen sehen: Ein Auge oder beide Augen sehen in der Ferne oder in der Nähe nur unscharf. Möglich ist aber auch, dass beide Distanzen von der Unschärfe betroffen sind. Hierfür kann es mehrere Ursachen geben. Häufiger sind Formen der Fehlsichtigkeit verantwortlich.
  • Doppelt sehen: Doppelbilder zu sehen, kann äußerst gefährlich sein: Betroffene haben heftige Orientierungsprobleme und können u. a. Entfernungen, Höhen und Tiefen nicht mehr richtig einschätzen, was nicht nur im Straßenverkehr die Verletzungsgefahr drastisch erhöht.
  • Ausfälle des Gesichtsfelds: Mit dem Begriff des Gesichtsfelds ist derjenige Sehraum gemeint, den wir mit unbewegtem Kopf und Augen wahrnehmen können. Augenerkrankungen oder Schädigungen des Sehnervs bspw. durch einen erhöhten Augeninnendruck beeinträchtigen dann mitunter dieses Sehfeld.
  • Rußregen: Rußregen äußert sich durch viele kleine, dunkle Punkte im Sichtfeld des Patienten. Er kann ein Hinweis auf Schädigungen der Netzhaut sein, weshalb zügig ein Arzt aufgesucht werden sollte.
  • Schwimmende oder tanzende dunkle Punkte: Vor den Augen tauchen plötzlich kleine dunkle tanzende Punkte oder Fädchen auf, die nach dem Französischen Mouches volantes (zu dt. etwa ‚fliegende Fliegen‘, ‚fliegende Mücken‘) benannt sind. In der Regel sind diese hin und her schwirrenden Punkte harmlos und Zeichen für eine altersbedingte Schrumpfung des Glaskörpers.
  • Photopsien: Photopsie ist der medizinische Ausdruck für einen optische Eindruck wie Lichtblitze, Lichtringe oder -funken, ohne dass ein konkreter äußerer Reiz vorliegt. Sie können ggf. bei Migräneattacken vorkommen, aber auch ein Hinweis auf Schädigungen der Netzhaut sein.

Weitere mögliche Symptome von Sehstörungen

  • Flimmern, flimmernde Punkte
  • Schleier bzw. dunkle Schwaden sehen
  • Schattensehen
  • Verzerrtsehen
  • generelle Minderung des Sehvermögens
  • erhöhte Licht- und Blendempfindlichkeit

Welche Erkrankungen der Augen führen zu Sehstörungen?

Viele der zahlreichen Augenerkrankungen haben zur Folge, dass Sehstörungen eintreten. Im Folgenden wird Ihnen eine Auswahl einiger wichtiger Erkrankungen und Störungen des Auges präsentiert, die Sehstörungen verursachen.

Liderfehlstellungen

Ektropium

Bei einem Ektropium ist in der Regel das Unterlid nach außen gewendet. Das heißt, dass das untere Lid vom Augapfel absteht. Am häufigsten ist das sogenannte Ectropium senile: Altersbedingt erschlafft der Aufhängeapparat des Lids, weswegen das Unterlid nach außen kippt. An sich verursacht das derart abfallende Lid eher keine Sehstörungen. Da das Lid aber durch seine Fehlstellung seine Schutz- und Befeuchtungsfunktion einbüßt, kann es in der Folge bspw. zu Austrocknungserscheinungen an der Hornhaut, einer Bindehautentzündung und einer Lidrandentzündung kommen. Diese Folgeerkrankungen sind schließlich verantwortlich für die Sehstörungen.

Entropium

Im Fall eines Entropiums sind die Lidränder einwärtsgedreht bzw. einwärtsgekippt. In Europa sind das altersbedingte Entropium (sog. ‚Entropium senile‘) und das Narbenentropium (sog. ‚Entropium cictriceum‘) die häufigsten Formen. Bei der ersten Form ist nur das Unterlid betroffen. Wie beim Ektropium ist der Aufhängeapparat altersbedingt erschlafft. Je nach Ausprägung der Fehlstellung reiben durch diese Fehlstellung die Wimpern auf den Augäpfeln, weshalb es zu einem ständigen Fremdkörperreiz der Bindehaut kommt. Dieser Reiz kann Lidkrämpfe (sog. ‚Blepharospasmus‘) verursachen. Dabei verkrampft sich zeitweilig oder längerfristig ein bestimmter Augenmuskel. Je nachdem, wie ausgeprägt diese Krämpfe sind, kann das Sehvermögen eingeschränkt sein. Bei heftigen Krämpfen kann es sogar sein, dass das Auge dann zeitweise „erblindet“, da das Lid nicht geöffnet werden kann. Bei der zweiten Form können u. a. Verbrennung, Verätzungen, Allergien oder auch eine postinfektiöse sowie posttraumatische Schrumpfungen der Bindehaut und des Lidknorpels ursächlich sein und die Lidfehlstellung hervorrufen.

Hornhauterkrankungen

Keratokonus

Bei einem Keratokonus dünnt sich zunehmend die Hornhaut aus und wölbt sich kegelförmig nach außen. Diese allmähliche Deformierung ist erblich bedingt und beginnt oft zwischen dem 15. und 30. Lebensjahr. Wieso ein Keratokonus entsteht, ist bisher noch nicht abschließend geklärt; man vermutet, dass das Hornhautkollagen geschwächt ist (Kollagene sind eine Gruppe von Proteinen und bilden den wichtigsten Faserbestandteil etwa von Haut und Knochen). Durch die fortschreitende und unregelmäßige Vorwölbung der Hornhaut entsteht ein sogenannter irregulärer myoper Astigmatismus, der nicht durch Brillengläser ausgeglichen werden kann. Stab- und Kurzsichtigkeit sind die Folge. Ein Keratokonus tritt häufiger bei Patienten auf, die u. a. vom Down-Syndrom oder Marfan-Syndrom betroffen sind.

Hornhauterosion

Bei einer Hornhauterosion (sog. ‚Erosio corneae‘) ist das Epithel (oberste Gewebeschicht) meistens durch äußere Einflüsse abgeschürft. Verätzungen, scharfe Fingernägel, Objekte, die ins Auge geschnellt sind oder auch das ungeschickte Einsetzen von Kontaktlinsen können derartige Erosionen verursachen. Sie sind sehr schmerzhaft. Symptome sind häufig starkes Tränen, Lidkrämpfe und Rötungen der Augen. Problematisch ist eine Hornhauterosion nicht nur wegen der Schmerzen: Da die oberste und damit schützende Schicht der Hornhaut beschädigt ist, können möglicherweise Bakterien eindringen und eine Hornhautinfektion verursachen. Neben den Schmerzen kann es dementsprechend zu Sehstörungen kommen.

Hornhautentzündungen

Im Vergleich zur Bindehautentzündung ist eine Hornhautentzündung (sog. ‚Keratitis‘) seltener, aber deutlich gefährlicher. Langfristig und unbehandelt kann sie das Sehvermögen verringern. Entzündungen können alle Schichten der Hornhaut betreffen. Je nachdem, welche Schicht entzündet ist, zeigt sich ein anderes Bild: Im Fall des Epithels ist die Oberfläche der Hornhaut getrübt, während sich bei einer tieferliegenden Entzündung weißlich-fleckige Stellen zeigen, die das Sehvermögen einschränken. Ist das Endothel entzündet, kann die Hornhaut auch scheibenartig aufquellen. Eine Hornhautentzündung kann u. a. folgende Ursachen haben:

  • Bakterielle Keratitis: Gerade bei jüngeren Patienten sind zu lang getragene oder verschmutzte Kontaktlinsen der Grund für eine bakterielle Infektion der Hornhaut. Bei älteren Betroffenen ist eine solche Infektion häufiger auf eine allgemeine Abwehrschwäche zurückzuführen, die bspw. durch einen schlecht eingestellten Diabetes mellitus oder Alkoholismus verursacht wird. Altersunabhängig können eine Verletzung des Hornhautepithels sowie eine akute Tränensackentzündung das Eindringen der Bakterien begünstigen. Symptome sind neben Schmerzen und Lidkrämpfen auch eine hohe Lichtscheu. Eine bakterielle Keratitis tritt in der Regel zusammen mit einer Bindehautentzündung auf.
  • Pilzkeratitis: Im Vergleich zu einer bakteriellen Keratitis ist eine Pilzinfektion der Hornhaut erheblich seltener. Ähnlich wie bei einer bakteriellen Infektion kommen hier oft kontaminierte Kontaktlinsen und u. a. Alkoholismus und Diabetes als Ursache in Frage. Möglich ist aber auch, dass die Tränenwege infiziert sind und eine Pilzkeratitis damit begünstigen. Der Entzündungsverlauf ist deutlich langsamer als bei einer bakteriellen Keratitis. Das Auge ist gerötet, in der Hornhaut sind weiße Infiltrate (bspw. in Form etwas größerer weißer Punkte) erkennbar. Der Erreger, der am häufigsten festgestellt wird, ist Candida albicans. Sehr selten sind auch gefährlichere Arten der Schimmelpilze für die Infektion verantwortlich.
  • Viruskeratitis: In den meisten Fällen handelt es sich bei einer Virusinfektion der Hornhaut um Herpes-simplex-Viren, Varizella-zoster-Viren oder Adenoviren. Eine große Rolle spielt hierbei der Herpes-simplex-Virus: Die Erstinfektion verläuft oftmals ohne größere Symptome. Die Viren verharren nach dem Ausheilen der primären Infektion und werden erst durch äußere Reize wie andere Infekte, eine UV-Bestrahlung oder auch Stress aktiviert. Die Viren gelangen dann u. a. über bestimmte Nervenbahnen in die Hornhaut. Je nachdem, welche Hornhautschicht befallen ist, treten u. a. Schmerzen, Rötungen und Fremdkörpergefühle auf. Zudem kann die Infektion auch auf andere Bereiche des Auges übergreifen.

Hornhautdystrophie

Bei Hornhautdystrophien ist der Stoffwechsel der Hornhaut gestört. Meistens sind diese Störungen erblich bedingt und trüben nach und nach die Hornhaut. Die Trübungen verlaufen nicht immer gleich, sondern können über die gesamte Struktur der Hornhaut verteilt und verschieden dicht sein und somit das Sehvermögen einschränken. Zwei wichtige Formen dieser Erkrankung sind:

  • Fuchs-Endotheldystrophie: Hierbei gehen die sogenannten Endothelzellen zugrunde. In der Folge kann die Hornhaut nicht mehr entwässert werden, sodass das Epithel der Hornhaut sich langfristig u. a. blasenförmig abheben kann. Die Erkrankung ist meistens erblich bedingt und tritt eher im höheren Alter auf.
  • Map-Dot-Fingerprint-Dystrophie: Bei dieser Form kommt es zu Erosion oder auch zu Rissen der Hornhaut. Die Trübungen sind häufiger wie eine Landkarte gestaffelt, weshalb manchmal auch von einer „Landkartendystrophie“ gesprochen wird.

Netzhauterkrankungen

Netzhautablösung

Die Netzhautablösung (sog. ‚Amotio‘ oder ‚Ablation retinae‘) ist eine eher seltene, aber enorm bedrohliche Netzhauterkrankung. Ursächlich ist, dass sich die lichtempfindliche Schicht der Netzhaut von der darunterliegenden Pigmentepithel löst. Dieser Prozess führt zu Gesichtsfeldausfällen und unbehandelt in den meisten Fällen zur Erblindung. Die Erkrankung kommt im höheren Alter häufiger vor, ist teilweise erblich bedingt und wird von einer stark ausgeprägten Kurzsichtigkeit befördert. In frühen Phasen der Erkrankung sehen Betroffene zum Beispiel Lichtblitze, ein Flimmern oder viele dunkle Punkte und ähnliches.

Achtung!
Die Netzhautablösung ist ein absoluter Notfall! Treten bei Ihnen derartige Symptome auf, sollten Sie so schnell wie möglich einen Augenarzt aufsuchen: Ihr Augenlicht ist womöglich in Gefahr!

Retinale Venenverschlüsse

Der Venenverschluss ist neben der diabetischen Retinopathie die wichtigste Gefäßerkrankung der Netzhaut. Die wichtigste Ursache für einen solchen Venenverschluss ist eine lokal auftretende Gefäßwandveränderung. Dort bildet sich ein Blutgerinnsel, das die Vene verschließt, wodurch die Netzhaut nicht mehr richtig durchblutet wird. Bluthochdruck und ein erhöhter Augeninnendruck (etwa bei einem Glaukom) sind wichtige Risikofaktoren für einen retinalen Venenverschluss. Ist bspw. eine Zentralvene betroffen, sehen Patienten eine Art Schleier vor dem betroffenen Auge, der das Sehvermögen einschränkt. Ein solcher Verschluss der Zentralvene ist bei älteren Menschen eine der häufigsten Erblindungsursachen. Möglich ist aber auch, dass sich ein Venenast verschließt.

Altersbezogene Makuladegeneration

Die Makula spielt bei unserem Sehvermögen eine große Rolle. Denn sie ist für die zentralen Sehleistungen wie bspw. Lesen, Gesichtserkennung oder auch das Erkennen von Feinheiten zuständig. Sie ist auf der Netzhaut als „gelber Fleck“ erkennbar. Die übrige Netzhaut nimmt größtenteils lediglich Hell-Dunkel-Kontraste und Umrisse wahr. Bei der altersbezogenen Makuladegeneration (kurz: AMD) handelt es sich nun um eine fortschreitende degenerative Erkrankung der Makula. Bei über 85-Jährigen beträgt das Risiko für diese Erkrankung zwischen 11 und 18,5 Prozent.
Die AMD ist darauf zurückzuführen, dass es altersbedingt zu Störungen im Makulastoffwechsel kommt: Normalerweise werden über das sogenannte retinale Pigmentepithel Abbaustoffe entsorgt, die beim Stoffwechsel in diesem Bereich entstehen. Mit zunehmendem Alter verschlechtert sich der Abbauprozess dieser Gewebsschicht, Ablagerungen bilden sich. Dies führt dazu, dass Betroffene eine langsame Sehverschlechterung bemerken. In der Regel ist davon das zentrale Gesichtsfeld betroffen, da die Makula mittig in der Netzhaut liegt. Das äußere Gesichtsfeld ist normalerweise nicht betroffen. Teilweise sehen Patienten auch verzerrt. Diese Form der Makuladegeneration wird als „trockene“ altersbedingte Makuladegeneration bezeichnet.
Aus dieser trockenen Form kann sich in wenigen Fällen auch eine späte „feuchte“ Form entwickeln: Sie ist wesentlich schneller fortschreitend und aggressiver. Verantwortlich dafür sind bestimmte Wachstumsfaktoren, die sogenannten VEGF (kurz für: Vascular Endothelial Growth Factor), die für die Bildung neuer Gefäße verantwortlich sind. Bei einer derartigen Makuladegeneration werden diese Wachstumsfaktoren vermehrt produziert, wodurch nach und nach kleine Blutgefäße in die Netzhaut sprießen. Die Wand dieser Gefäße ist allerdings undicht; es treten u. a. Blut und Lipide aus, wodurch die Netzhaut anschwellen kann. Im Endstadium dieser Form entwickelt sich ein bestimmtes Narbengewebe, das zu unwiderruflichen Schädigungen des Sehvermögens führt. 90 Prozent der Betroffenen erblinden sogar.

Sehnerventzündung

Bei einer Neuritis nervi optici (auch Optikneuritis) ist der Sehnerv (sog. ‚Nervus opticus‘) entzündet. Diese Entzündung führt dazu, dass das Sehvermögen beeinträchtigt wird: Besonders im zentralen Bereich des Gesichtsfeldes kann die Sehschärfe erheblich eingeschränkt sein. Beim Bewegen der Augen spüren Betroffene häufiger einen dumpfen Schmerz im Auge, hinzukommt möglicherweise ein generelles Unscharf- oder Nebelsehen. Je nachdem kann auch die Farbwahrnehmung gestört sein. Laut der aktuellen Leitlinie (Stand März 2018) für Sehnerventzündungen lassen diese sich in zwei grundlegende Formen einteilen:

  • Typische Optikusneuritis: Eine typische Sehnerventzündung ist eine in vielen Fällen einseitige Entzündung des Sehnervs, bei der häufig die Multiple Sklerose eine wichtige Rolle spielt. Allerdings kann die typische Sehnerventzündung auch idiopathisch sein, also keine erkennbare Ursache haben. Bei dieser typischen Form richtet sich das körpereigene Immunsystem gegen das Sehnervgewebe und schädigt dieses.
  • Atypische Optikusneuritis: Diese Art der Sehnerventzündung lässt sich auf eine andere Grunderkrankung bzw. Infektionskrankheit zurückführen, bspw. Borreliose.

Linsenerkrankungen

Grauer Star

Als Grauer Star (sog. ‚Katarakt‘) werden sämtliche Linsentrübungen bezeichnet, die das Sehvermögen – besonders die Sehschärfe – beeinträchtigen. Durch die Trübung der Linse kann das einfallende Licht nicht mehr ungehindert die Augenlinse passieren, weshalb man mit dem betroffenen Auge weniger scharf sehen kann. Ohne Behandlung kann ein Grauer Star zur Erblindung führen. Je nachdem, wie stark der Katarakt schon ausgeprägt ist und um welche Form es sich konkret handelt, können u. a. folgende Symptome auftreten:

  • Doppeltsehen
  • das Sehen ist bei Dämmerung oder Dunkelheit erheblich erschwert
  • die Hell-Dunkel-Anpassung ist beeinträchtigt
  • das räumliche Sehen ist eingeschränkt
  • das Sehen von Objekten in der Nähe (z. B. beim Lesen) und in der Ferne fällt schwer
  • die Farbwahrnehmung kann gestört sein
  • Lichtempfindlichkeit
  • Bei einem weiter fortgeschrittenen Grauen Star sehen Betroffene wie durch ein Milchglas, der Katarakt kann sogar von Außenstehenden gesehen werden.

Bis zu einem gewissen Grad gehört eine Linsentrübung zum normalen Alterungsprozess des Auges. Dementsprechend ist der Graue Altersstar die häufigste Form der Katarakte und macht etwa 90 Prozent der Fälle aus. Unter anderem starke Kurzsichtigkeit, Verletzungen des Auges, medikamentöse Nebenwirkungen oder Diabetes können seltener auch ursächlich für einen Grauen Star sein. Im Gegensatz zum Grünen Star kann der Graue Star allerdings operativ gut behandelt werden: Die trübe Linse wird zumindest teilweise entfernt und durch eine künstliche Linse ersetzt.

Linsenluxation

Bei der Linsenluxation handelt es sich um einen vollständigen Abriss der Linse aus ihrer Aufhängung, die in der Folge im Glaskörper schwebt. Dadurch entstehen beim Sehen starke Verzerrungen, die mit einem mehr oder weniger ausgeprägten Sehfeldverlust einhergehen. Die häufigste Ursache für eine Linsenluxation sind Verletzungen. In seltenen Fällen führen bspw. auch das Marfan-Syndrom oder eine stark ausgeprägte Kurzsichtigkeit zu einer Luxation. Neben der Luxation gibt es noch die Linsensubluxation. In diesem Fall ist die Linsenaufhängung gelockert, sodass sich die Linse verlagert. Je nachdem, wie diese Linsenverlagerung ausfällt, kann es sein, dass der Patient davon nur wenig oder sogar gar nichts bemerkt.

Fehlsichtigkeiten

Kurz- und Weitsichtigkeit

Kurz- und Weitsichtigkeit (sog. ‚Myopie‘ bzw. ‚Hyperopie‘) sind die häufigsten Formen der Fehlsichtigkeit. Das einfallende Licht im Auge wird nicht richtig gebrochen, weswegen die Lichtstrahlen nicht exakt auf den Brennpunkt der Netzhaut treffen. Infolgedessen kommt es zu Sehunschärfen: Betroffene sehen bei Kurzsichtigkeit ferne Objekte unscharf, während weitsichtige Personen nahe Objekte nicht scharf wahrnehmen können. Beide Formen sind in den meisten Fällen angeboren und können mithilfe von Brillengläsern bzw. Kontaktgläsern oder refraktiven Eingriffen, mit denen operativ die Brechkraft der Augenlinse verändert wird, behandelt werden. Eine vollständige Heilung ist bisher allerdings noch nicht möglich. Unbehandelt treten neben den Sehunschärfen ggf. Kopfschmerzen, Schwindel, Übelkeit auf. Sowohl Kurz- als auch Weitsichtigkeit können unter Umständen die Entstehung von Glaukomen begünstigen. Bei einer stark ausgeprägten Myopie kann es zudem zu einer Glaskörpertrübung kommen: Der Patient sieht dann schwarze Punkte in seinem Blickfeld herumschwirren, die Mouches volantes genannt werden (franz. für „fliegende Fliegen“). Dies ist in der Regel nicht weiter gefährlich, kann aber als sehr lästig empfunden werden.

Gut zu wissen!
Rund 50 Prozent der Bevölkerung in Deutschland sind von Kurz- und/oder Weitsichtigkeit betroffen. Gleiches gilt für den europäischen Kontinent: Neuere Erhebungen haben gezeigt, dass auch europaweit ca. 50 Prozent der Bevölkerung betroffen sind.

Stabsichtigkeit

Von Stabsichtigkeit (sog. ‚Astigmatismus‘) spricht man, wenn die Krümmung der Hornhaut nicht mehr gleichmäßig ist. Diesen Umstand bezeichnet man als Hornhautverkrümmung: Die ins Auge einfallenden Lichtstrahlen werden nicht, wie es normalerweise sein sollte, zu einem Punkt gebündelt, sondern als Linie abgebildet. Aufgrund dessen werden Gegenstände in der Nähe und in der Ferne nur verzerrt oder unscharf gesehen. Astigmatismus ist meistens angeboren.

Farbfehlsichtigkeit

Farbfehlsichtigkeiten wie die Rot- und Grünschwäche sind darauf zurückzuführen, dass die Zapfen der Netzhaut, die für die Farbwahrnehmung zuständig sind, nicht richtig funktionieren. Dabei treten angeborene Farbfehlsichtigkeiten vergleichsweise oft auf: 8 Prozent der Männer haben eine gestörte Farbwahrnehmung, während Frauen mit 0,4 Prozent erheblich seltener betroffen sind. Möglich ist aber auch, dass es bspw. infolge eines erblich bedingten Abbaus der Sehnervfasern (sog. ‚Optikusatrophie‘) zu Farbwahrnehmungsstörungen kommt.

Schielen

Schielen (sog. ‚Strabismus‘) bedeutet, dass ein Auge oder beide Augen von der normalen Sehachse abweichen. Wann kommt es aber zu Sehstörungen? Normalerweise fängt das normalsehende Auge jeweils Bilder ein, die sich eher wenig von dem des anderen Auges unterscheiden. Diese Bilder werden dann vom Gehirn zu einer Sinneswahrnehmung verarbeitet. Schielt nun ein Auge, kann das Gehirn unter Umständen dessen „falsche“ Sehinformationen unterdrücken. Ist dies nicht der Fall, sehen Betroffene häufig doppelt. Besteht ein Strabismus bereits im frühkindlichen Alter, kann sich womöglich das räumliche Sehen nicht richtig entwickeln.

Grüner Star

Grüner Star ist der umgangssprachliche Ausdruck für ein Glaukom. Mit einem Glaukom werden verschiedene Augenerkrankungen beschrieben, bei denen allmählich der Sehnerv unwiderruflich beschädigt wird und unbehandelt die Erblindung des betroffenen Auges zur Folge hat. In vielen Fällen ist dafür ein deutlich erhöhter Druck im Auge verantwortlich. Dieser erhöhte Druck entsteht bspw. dadurch, dass das sogenannte Kammerwasser, welches die Augenlinse und die Hornhaut mit Nährstoffen versorgt, nicht mehr ungehindert abfließen kann.
Möchten Sie mehr über den Grünen Star erfahren? Dieser Artikel erklärt Ihnen, wie ein Glaukom entsteht, welche Formen es gibt und wie es behandelt wird.

Welche anderen Erkrankungen haben Sehstörungen als Symptom?

Sehstörungen können nicht nur auf Erkrankungen oder Schädigungen des Auges zurückgehen, sondern sind ein Symptom vieler anderer Krankheiten. Im Folgenden wird Ihnen eine Auswahl wichtiger Erkrankungen vorgestellt, die Sehstörungen verursachen können.

Sehstörungen durch Diabetes mellitus

Auch Diabetes kann langfristig die Augen schädigen und Sehstörungen verursachen. Eine unbehandelte chronische Blutzuckererhöhung schädigt die Netzhautgefäße, die die Netzhaut mit Nährstoffen versorgen. In diesem Fall spricht man von einer diabetischen Retinopathie (von lat. retina ‚Netzhaut‘). Tückisch ist die diabetische Retinopathie, da sie lange unbemerkt verlaufen kann: Erst, wenn die Netzhaut stärker geschädigt wurde, treten überhaupt Symptome auf. Bemerkbar macht sich die krankhafte Veränderung der Netzhautgefäße bspw. durch Rußregen vor dem Auge oder durch verzerrtes Sehen. Schlimmstenfalls kann die Erkrankung sogar zur Erblindung führen.

Videoexkurs: Diabetes mellitus und diabetische Retinopathie
Die diabetische Retinopathie ist eine häufige Folgeerscheinung von Diabetes. Im folgenden Video informiert Sie Dr. Tobias Weigl über diese und andere Folgen der ‚Zuckerkrankheit‘.

Sehstörungen durch Multiple Sklerose

Multiple Sklerose (kurz: MS, auch bekannt als ‚Enzephalomyelitis disseminata‘) ist eine entzündliche Erkrankung des zentralen Nervensystems. Sie kann das Gehirn, die Sehnerven und das Rückenmark befallen. Das Gehirn sendet Signale über das Rückenmark zum Körper oder empfängt von dort Signale. Diese Signale werden von Nervenfasern weitergeleitet, die mit einer Art Schutzschicht umgeben sind, dem sogenannten Myelin. Entwickelt sich nun im Bereich dieser Schutzschicht eine Entzündung, so können die Signale, die vom Gehirn ausgehen, nicht mehr wie bisher weitergegeben werden. Aufgrund dessen tendieren MS-Betroffene dazu, häufig zu stolpern oder Probleme beim Sehen zu bekommen. Treten rasch eine oder mehrere dieser Entzündungen mit dementsprechenden körperlichen Störungen auf, spricht man von einem Schub. Ein solcher Schub kann sich innerhalb kürzerer Zeit entwickeln und ebenso nach einiger Zeit wieder abklingen. Nach einem solchen Schub kann sich die körperliche Störung wieder weitgehend normalisieren. Möglich ist aber auch, dass Narben auf dem entzündeten Nervengewebe entstehen.
Aber wie verursacht MS nun Sehstörungen? Dadurch, dass auch der Sehnerv von den Entzündungen betroffen sein kann, ist auch die Informationsweitergabe gestört: Betroffene sehen möglicherweise verschwommen, haben eine veränderte Farbwahrnehmung oder Teile des Gesichtsfeldes fallen aus oder sind mit Flecken bedeckt. Hinzukommt, dass ggf. Schmerzen beim Bewegen der Augen auftreten. Ist der Sehnerv durch wiederholte Entzündungen stark in Mitleidenschaft gezogen worden, kann es auch zur Erblindung des betroffenen Auges kommen.
Sind andere Teile der Hirnnerven betroffen, kann es vorkommen, dass die Augäpfel nicht mehr richtig gesteuert werden können. Dadurch können Betroffene unter Umständen doppelt oder verschwommen sehen.

Gut zu wissen!
Sehstörungen sind ein wichtiges Erstsymptom von Multipler Sklerose: Bei rund einem Drittel der an MS Erkrankten tauchten zuerst Beschwerden beim Sehapparat auf.

Sehstörungen durch Morbus Basedow

Morbus Basedow ist eine Autoimmunerkrankung, bei der die körpereigenen Abwehrzellen fälschlicherweise an den TSH-Rezeptor der Schilddrüse binden. Dies treibt die Schilddrüse dann dazu an, mehr Schilddrüsenhormone zu produzieren, als eigentlich nötig wären. In diesem Fall spricht man dann von einer Schilddrüsenüberfunktion (sog. ‚Hyperthyreose‘). Morbus Basedow ist hierbei eine der häufigsten Ursachen einer Schilddrüsenüberfunktion und betrifft besonders Menschen im mittleren Alter, wobei Frauen wesentlich öfter betroffen sind.
Bei rund 50 Prozent der Erkrankten treten die Augäpfel stärker aus den Augenhöhlen hervor, wodurch die Augen übermäßig groß und weit aufgerissen erscheinen (sog. ‚Exophthalmus‘, ugs. ‚Glubschaugen‘). Ursächlich dafür ist, dass das Gewebe hinter dem Augapfel zunimmt. Weshalb das Gewebe zunimmt, ist bisher noch nicht endgültig geklärt. Unabhängig davon kann es infolge dieses Prozesses neben Schwellungen der Lider, übermäßig tränenden Augen oder Bindehautentzündungen zu Sehstörungen wie Doppeltsehen kommen. Selten kann auch der Sehnerv geschädigt sein.

Sehstörungen durch ein Hirnaneurysma

Aneurysmen sind sackähnliche Ausbuchtungen an einer Schlagader, die infolge von Gefäßwandschädigungen entstehen. Aneurysmen können sich prinzipiell an jeder Arterie ausbilden. Die Gefäßwandschädigungen können, je nach Art des Aneurysmas, bspw. durch Bluthochdruck, bakterielle Infektionen oder Arteriosklerose entstehen. Häufig bemerken Betroffene nicht, dass sie von einem Aneurysma betroffen sind; Oftmals verursachen die Arterienausbuchtungen erst Probleme, wenn sie reißen – es besteht mitunter Lebensgefahr! Aneurysmen können auf verschiedene Nerven oder Gewebe im Gehirn drücken. Dadurch kann es zu Sehstörungen und Schmerzen im oder um das Auge herum kommen.

Sehstörungen und Schlaganfall

Der Schlaganfall ist nach Krebs und dem Herzinfarkt die dritthäufigste Todesursache in Deutschland. Dabei kommt es zu einem plötzlichen Ausfall bestimmter Gehirnfunktionen, die von einer Durchblutungsstörung oder einer Blutung verursacht werden. Verursacht wird dies dadurch, dass u. a. Ablagerungen an den Gefäßinnenwänden der Arterien oder Blutgerinnsel ein Gefäß oder sogar mehrere Gefäße eingeengt oder völlig verschlossen haben. Die Gehirnregionen, die davon betroffen sind, können nicht mehr mit ausreichend Sauerstoff und Nährstoffen versorgt werden. Dadurch sterben Nervenzellen ab.
Typisch ist dabei, dass neben Lähmungserscheinungen u. a. spontan sowohl Seh- als auch Sprachstörungen auftreten können. Sehstörungen sind eines der häufigsten Schlaganfallsymptome, und in diesem Zusammenhang damit zu erklären, dass bei einem Schlaganfall nicht das Auge selbst, sondern der Okzipitallappen geschädigt wurde. Dieser Teil des Gehirns ist dafür zuständig, die visuellen Eindrücke, die unsere Augen aufnehmen, zu verarbeiten. Je nachdem, wie stark ausgeprägt der Schaden ist und wo genau er sich ereignet hat, kann es zu verschiedenen Ausfällen im Gesichtsfeld kommen. Ebenso möglich ist es, dass Betroffene bspw. doppelt und/oder verschwommen sehen oder auf einem Auge kurzzeitig blind werden (sog. ‚Amaurosis fugax‘). Diese Symptome können nach einiger Zeit wieder abklingen; erhalten sich derartige Komplikationen nur vorrübergehend und klingen dann wieder ab, spricht man von einer transitorischen ischämischen Attacke (kurz: ITA). Rund ein Drittel der Schlaganfall-Patienten ist von einer ITA betroffen, die auch als „Mini-Schlaganfall“ bezeichnet wird.

Achtung!
Sollten Sie auch nur von vorrübergehenden Seh- und/oder Sprachstörungen oder auch Lähmungserscheinungen betroffen sein, ist allerhöchste Eile geboten: Suchen Sie so schnell wie möglich ein Krankenhaus auf. Möglicherweise schweben Sie in Lebensgefahr und nur ein schnelles ärztliches Eingreifen kann Sie vor Schlimmerem bewahren!

Sehstörungen durch Migräne

Bei Migräne werden Betroffene von heftigen, in vielen Fällen einseitig pulsierenden und/oder pochenden Kopfschmerzen geplagt. Derartige Migräneattacken sind oftmals von Appetitlosigkeit, Übelkeit, teilweise Erbrechen, Lichtscheue und Lichtempfindlichkeit begleitet. In Deutschland leiden rund 10 Prozent der Menschen an Migräneattacken, davon sind ein Drittel von sogenannten Migräne-Auren betroffen: Diese treten vor der Kopfschmerzphase auf und verursachen neben Sensibilitäts- oder Gleichgewichtsstörungen häufig auch visuelle Störungen. Auftreten können u. a.

  • unscharfes Sehen,
  • eine zeitlich begrenzte Teilerblindung,
  • schwarze Flecken im Sichtfeld sowie
  • stärker gestörte räumliche Wahrnehmung.

Die konkreten Ursachen einer Migräne sind bisher ungeklärt. Jedoch konnte festgestellt werden, dass im Verlauf einer Migräneattacke die Blutgefäße im Gehirn stark gereizt werden. Mit Blick auf die Sehstörungen, die eine Migräne-Aura verursachen kann, wird angenommen, dass Migräne auch die Nervenzellen betrifft und so die Sinnesstörungen verursacht.

Videoexkurs: Migräne
Möchten Sie mehr über Migräne erfahren? Im folgenden Beitrag erklärt Ihnen Dr. Tobias Weigl, welche gängigen Mythen es über Migräne gibt und welche Ursachen die halbseitigen Kopfschmerzen haben.

Sehstörungen durch Bluthochdruck

Ein unbehandelter chronischer oder akuter Bluthochdruck kann auf Dauer auch die Augen, genauer die Netzhaut schädigen. Im Zusammenhang mit den Augen wird auch von einer hypertensiven, also den Blutdruck betreffenden, Retinopathie gesprochen. Aufgrund von Arteriosklerose (eine Gefäßverkalkung) oder eines Vasospasmus’ (eine krampfhafte Verengung der Blutgefäße, die plötzlich auftritt) der Netzhautgefäße kommt es zu Veränderungen der Netzhaut. Wie genau aber verursacht Bluthochdruck Sehstörungen? Die Netzhautgefäße verengen sich durch den zu hohen Blutdruck, es kann auch zu Gefäßverstopfungen kommen. Derartige Gefäßstörungen führen dazu, dass die Netzhaut langfristig nicht mehr ausreichend mit Nährstoffen versorgt werden kann. Beschwerden treten zumeist erst in späteren Stadien auf und werden deshalb oft nicht sofort bemerkt. Dann treten zumeist Sehverschlechterung ein und es kann u. a. zu Gesichtsfeldausfällen, Doppelbildern oder verschwommenem Sehen kommen.

Videoexkurs: Bluthochdruck
Möchten Sie mehr zum sogenannten „Silent Killer“ Bluthochdruck erfahren? Im folgenden Video informiert Sie Dr. Tobias Weigl über die Ursachen, Folgen und Behandlungsmöglichkeiten einer Hypertonie.

Mögliche weitere Ursachen, die Sehstörungen verursachen können

Wer ist von Sehstörungen betroffen?

Prinzipiell kann jeder von Sehstörungen betroffen sein, was darauf zurückzuführen ist, dass die Ursachen äußerst vielfältig sind. Ein erhöhtes Risiko haben aber tendenziell diejenigen, die an Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes oder einer Schilddrüsenüberfunktion leiden. Einige der Augenerkrankungen treten gehäuft im höheren Alter auf.

Achtung!
Besonders dann, wenn es in ihrer Familie Fälle von Augenerkrankungen gibt, bspw. Grüner Star, oder Sie von Stoffwechselerkrankungen betroffen sind, sollten Sie in regelmäßigen Abständen Ihren Augenarzt aufsuchen, um Vorsorgeuntersuchungen durchführen zu lassen. So können Erkrankungen, die unter Umständen irreparable Schäden verursachen, frühzeitig erkannt und behandelt werden!
Waren Sie schon einmal von Sehstörungen betroffen? Auf welche Weise hat sich das veränderte Sehen bei Ihnen bemerkbar gemacht? (Mehrfachnennungen möglich) Mit Ihrer Teilnahme an der Umfrage helfen Sie anderen Betroffenen dabei, Ihre Symptome besser einschätzen zu können.

Was tut der Arzt? Teil 1: Diagnose

Als erstes wird der Arzt mit Ihnen ein Arzt-Patienten-Gespräch führen, das sogenannte Anamnesegespräch. Hierbei erfragt der Arzt vor allem, welche Beschwerden vorliegen. Mögliche weitere Fragen können sein:

  • Schmerzen die Augen bei längerer Belastung?
  • Schmerzen die Augen, wenn Sie sie bewegen?
  • Haben Sie (häufiger) Kopfschmerzen?
  • Tragen Sie eine Brille oder Kontaktlinsen?
  • Können Sie nahe/ferne Objekte/Personen scharf erkennen?
  • Wann haben Sie Sehstörungen bemerkt?
  • Wie zeigen sich diese Sehstörungen?
  • Ist die Sehverschlechterung plötzlich eingetreten oder schleichend?
  • Gibt es Augenerkrankungen in Ihrer Familie?
  • Hatten Sie bereits Augen-Operationen?
  • Haben Sie Allergien? Wenn ja, welche?
  • Werden Ihre Augen in Ihrem Beruf stärker beansprucht?
  • Können Sie Ihre Lider ohne Probleme auf- und zuschlagen?

Außerdem wird der Arzt Ihre Augen zu Beginn im Normalfall ohne größere Hilfsmittel betrachten. So lassen sich bspw. Lidschlussdefekte schon oft mit bloßem Auge erkennen. In der Regel wird er mit einer kleinen Taschenlampe in Ihre Augen leuchten und kann womöglich anhand des Lichtreflexes erste Rückschlüsse ziehen. Zudem befragt der Arzt Sie nach anderen Erkrankungen. Im Mittelpunkt stehen dabei solche Krankheiten, die auch das Auge schädigen können. Neben Diabetes sind etwa Bluthochdruck oder eine Schilddrüsenüberfunktion wichtige Risikofaktoren. Ebenfalls erkundigt sich der Arzt nach Medikamenten, die Sie möglicherweise einnehmen.
Je nach Einschätzung des Arztes werden dann verschiedene körperliche Untersuchungen durchgeführt. Welche das sein können, hängt u. a. vom Anfangsverdacht des Arztes ab. Im Folgenden wird Ihnen daher eine Auswahl wichtiger Untersuchungen vorgestellt, die im Zusammenhang mit Sehstörungen durchgeführt werden können.

Spaltlampen-Untersuchung

Die Spaltlampe ist ein Mikroskop, das geschwenkt werden kann. Bei der Untersuchung legt der Patient sein Kinn in eine gepolsterte Stütze, wobei die Stirn ein Halteband berührt. Dadurch wird verhindert, dass Kopfbewegungen die Untersuchung stören. Nun wird der Augenarzt das Mikroskop mitsamt der Lichtquelle ca. 2–10 cm vor dem zu untersuchenden Auge positionieren und durch das Gerät blicken. Dabei kann er verschiedene Vergrößerungen auswählen. Entscheidend ist dabei, dass die Spaltlampe die Möglichkeit besitzt, die Beleuchtung spaltförmig einzustellen. Auf diese Weise kann der Arzt das gesamte Auge ausleuchten. Diese Untersuchung ist wichtig, da sich mit ihr bspw. Netzhautveränderungen, wie sie durch Bluthochdruck, Diabetes oder auch durch Glaukome entstehen, gut erkennen lassen.

Subjektive Refraktionsbestimmung

Bei dieser Methode ist der Arzt im hohen Maße auf die gute Mitarbeit des Patienten angewiesen. Systematisch werden Gläser mit verschiedener Refraktionskraft ausprobiert, bis die passende Dioptrien gefunden sind. Der Patient muss dabei genau angeben, ob seine entsprechende Fehlsichtigkeit durch das Glas korrigiert wird oder noch Unschärfen bestehen.

Objektive Refraktionsbestimmung

Refraktionsautomat

Ebenfalls wird die Sehschärfe mit einem Refraktionsautomaten untersucht. Hierbei legt der Patient sein Kinn in eine Halterung und schaut durch eine Gerätelinse. Dabei leuchtet der Apparat in das Auge des Patienten und projiziert eine Figur oder ein Muster auf die Netzhaut. Der Augenarzt schiebt nun verschiedene Linsen in den Lichtstrahl des Geräts, bis das Muster oder die Figur scharf auf der Netzhaut zu sehen sind. Der Patient muss dabei Kopf und Auge so gut wie möglich ruhig halten, damit die Untersuchung ohne Probleme durchgeführt werden kann.

Skiaskopie

Die Skiaskopie ist ebenfalls eine objektive Refraktionsprüfung und stellt vor allem bei Kindern und Säuglingen eine wichtige Untersuchung der Fehlsichtigkeit dar, da keine aktive Mitarbeit seitens der Patienten nötig ist. Sie müssen lediglich in die Richtung des Lichts schauen. Die Untersuchung findet normalerweise in einem abgedunkelten Raum statt. Häufig wird der Ziliarmuskel mit entsprechenden Medikamenten ‚gelähmt‘, sodass er die Brechkraft der Linse und damit die Scharfeinstellung nicht mehr anpassen kann (sog. ‚Zykloplegie‘).
Der Augenarzt beleuchtet nun mit dem Skiaskop das Auge des Patienten und deutet eventuelle Sehfehler durch die Lichtreflexe im Auge. Das Licht bzw. die Lichtstreifen, die das Skiaskop ins Auge wirft, bewegt der Arzt in aufeinander senkrecht stehenden Achsen über die Pupille. Aufgrund der verschiedenen Lichtreflexe kann der behandelnde Arzt nun darauf schließen, ob eine Normal- oder Fehlsichtigkeit vorliegt: Der Arzt schaut dabei, ob die Pupille ganz rot aufleuchtet oder nur teilweise. Ersteres zeigt eine Normalsichtigkeit, letzteres eine Fehlsichtigkeit. Um nun genau zu bestimmen, ob es sich um eine Kurz- oder Weitsichtigkeit handelt, bewegt der Arzt den Lichtstreifen. Läuft der in der Pupille sichtbare Lichtstreifen in die gleiche Richtung, in die der Arzt das Skiaskop schwenkt, spricht man von Mitläufigkeit. Läuft der in der Pupille sichtbare Lichtstreifen entgegen der Bewegung des Skiaskops, wird dies Gegenläufigkeit genannt. Nun werden so lange verschiedene Brillengläser vor das Patientenauge gehalten, bis sich die Pupille nicht mehr bei Bewegungen des Skiaskops bewegt.

Sehzeichentest

Eine der grundlegendsten Diagnosemöglichkeiten ist die Sehschärfeprüfung durch Testzeichen oder -bilder. Für die Sehschärfemessung in der Ferne wird in ungefähr vier bis sechs Metern Entfernung eine Tafel aufgehängt, während für die Sehschärfemessung in der Nähe der Abstand circa 30–40 cm beträgt. Auf einer Tafel sind Buchstaben, Gegenstände, Pflüger-Haken oder Landolt-Ringe abgebildet. Pflüger-Haken sind E-förmige Sichtzeichen, die in alle Richtungen zeigen können und Landolt-Ringe sind Kreise, die Öffnungen nach oben, unten, links oder rechts haben können. Der Patient muss nun das jeweilige Sichtmuster bestimmen, wobei die Muster in der Regel immer kleiner werden. Beide Augen werden getrennt überprüft. Das jeweils andere Auge ist dabei abgedeckt.

Messung des Augeninnendrucks

Die Messung des Augeninnendrucks (sog. ‚Tonometrie‘) ist eine außerordentlich wichtige Untersuchung hinsichtlich der Früherkennung eines Glaukoms. Diese Messung wird der Arzt besonders dann durchführen, wenn bei der Anamnese klar wird, dass es bereits in der Familie Fälle von Glaukomen gab. Sie wird ebenfalls als Kontrollinstrument eingesetzt, falls bereits eine Erkrankung vorliegt. Bei der Untersuchung selbst unterscheidet man zwischen Geräten, die das Auge bei der Messung berühren oder bei denen das Auge nur durch einen Luftstrahl berührt wird (sog. ‚Non-Contact-Tonometer‘). Die Untersuchungsweisen sind jeweils schmerzfrei.
Für eine Messung, bei der das Auge direkt berührt wird, nutzt man häufig das sogenannte Applanationstonometer. Der Druck wird dabei bestimmt, indem das Tonometer die Hornhaut mithilfe eines runden, platten Messkörpers innerhalb eines Bereichs von vier Millimetern applaniert, d. h. abplättet. Der ‚Kraftaufwand‘, der hierfür nötig war, wird in mmHg gemessen und zeigt den aktuellen Augeninnendruck an. Bei der Non-Contact-Methode ist die Vorgehensweise ähnlich: Hier wird die Hornhaut mit einem Luftstrahl abgeplättet. Dabei werden Geschwindigkeit und Ausmaß dieser Abplättung durch eine spezielle Optik erfasst, wodurch sich dann der Augeninnendruck errechnen lässt. Da der Augeninnendruck im Tagesverlauf Schwankungen unterliegt, sind gegebenenfalls ein Tagesdruckprofil oder ein 24-Stunden-Druckprofil sinnvoll, die entweder in der Klinik oder vom Patienten selbst erstellt werden. Dafür erhält der Patient ein Gerät, mit dem er den Augeninnendruck selbstständig messen und protokollieren kann.

Gesichtsfelduntersuchung

Die Gesichtsfelduntersuchung (sog. ‚Perimetrie’) ist die wichtigste Basisuntersuchung, um die Sehleistung von Patienten festzustellen. Dabei wird an unterschiedlichen Stellen des Sehraums die jeweilige Sehleistung getestet. Hierfür werden beide Augen getrennt voneinander untersucht. Lichtmarken werden in verschiedenen Helligkeitsstufen projiziert und im Sehfeld des Patienten platziert. Nimmt er die jeweilige Lichtmarke wahr, muss er einen Druckknopf betätigen. Auf diese Art und Weise wird an verschiedenen Stellen des Sehfelds überprüft, welche Lichtintensität vonnöten ist, damit der Patient die Lichtmarken wahrnimmt. So kann der Arzt eine Art ‚Karte‘ erstellen, mithilfe welcher die verschiedenen Lichtempfindlichkeiten im Gesichtsfeld sichtbar gemacht werden. Sind dabei Areale im Sehfeld erkennbar, in denen der Patient die Lichtmarken nicht wahrgenommen hat, so spricht man von einem sogenannten absoluten Skotom. Areale, bei denen die Wahrnehmung nicht völlig verschwunden, aber reduziert ist, werden als relative Skotome bezeichnet.

Messung der Durchblutung

Für die Untersuchung der Durchblutungssituation des Auges können folgende Verfahren verwendet werden:

  • Bei der sogenannten Fluoreszenzangiographie wird die Durchblutung der Netzhaut überprüft. Dafür wird ein Kontrastmittel in die Vene gespritzt, wodurch sich diese Flüssigkeit auch in den Gefäßen des Auges ausbreitet. Auf diese Weise werden die Gefäße beim Röntgen sichtbar.
  • Bei der Thermographie kann anhand der Wärmeabgabe der Durchblutung geprüft werden, ob und inwiefern die Durchblutung des Auges vermindert ist. Je stärker bspw. ein Organ durchblutet ist, desto mehr Wärme wird nach außen abgesondert. Wird das Auge nun weniger durchblutet, weil etwa ein Blutgefäß verschlossen ist, so wird dies anhand eines thermographischen Bildes deutlich, das die geringere Wärmeabgabe abbildet.
  • Bei der Kapillarmikroskopie werden mikroskopisch die feinsten Blutgefäße – die sogenannten Kapillaren – der Netzhaut untersucht, um dortige Durchblutungsstörungen festzustellen.

Opthtalmoskopie

Bei der Opthtalmoskopie (auch Funduskopie genannt) wird der Augenhintergrund (sog. ‚Fundus‘) untersucht, wodurch der Arzt Erkrankungen der Netzhaut, der Aderhaut oder des Sehnervs feststellen kann. Wichtig ist diese Untersuchung hinsichtlich einer Diagnose bzw. Verlaufskontrolle von Augenveränderungen, die durch Diabetes oder Bluthochdruck verursacht werden. Hierfür benutzt er einen Augenspiegel (sog. ‚Ophthalmoskop‘). Man unterscheidet zwischen direkter und indirekter Ophthalmoskopie, wobei stets beide Untersuchungen durchgeführt werden, da sie einen verschieden großen Überblick über den Augenhintergrund geben.

Direkte Opthtalmoskopie

Bei diesem Verfahren hält der Arzt einen Augenspiegel dicht vor das Auge des Patienten: Durch einen Spiegel wird das Licht des Augenspiegels in das Auge des Patienten geworfen, der dabei mit dem freien Auge ein Objekt in der Ferne fixiert. Der Augenhintergrund des Patienten ist nun beleuchtet und der Arzt kann ein aufrechtes Bild sehen, dass etwa 16-fach vergrößert ist. Fehlsichtigkeiten können durch Linsen ausgeglichen werden, die zwischengeschaltet werden. Bei korrekter Ausführung kann der Arzt bspw. auch kleinere Netzhauveränderungen wahrnehmen. Ein Nachteil dieser Untersuchung ist, dass nur kleine Abschnitte des Fundus angesehen werden können.

Indirekte Opthtalmoskopie

Die indirekte Methode bietet dagegen einen deutlich größeren Überblick über den gesamten Hintergrund des Auges, da es sich lediglich um eine vierfache Vergrößerung handelt. Dabei wird das Licht, das auf den Augenhintergrund des Patienten gespiegelt wird, durch eine lupenähnliche Sammellinse betrachtet. Das Bild, das der Arzt durch diese Linse sieht, ist seitenverkehrt und steht auf dem Kopf.

Was tut der Arzt? Teil 2: Therapie

Grundsätzlich gilt es, die Ursache für die Sehstörungen zu beheben. Liegen Krankheiten vor, die Sehstörungen als Begleitsymptom haben, muss die Grunderkrankung, also bspw. Diabetes, behandelt werden. Sehstörungen, die auf eine Erkrankung oder Störung der Augen selbst zurückgehen, können auf viele unterschiedliche Arten und Weisen behandelt werden. Daher wird Ihnen im Folgenden eine Auswahl wichtiger Behandlungsmöglichkeiten für Sehstörungen vorgestellt.

Behandlung bei Fehlsichtigkeiten

Bei Fehlsichtigkeiten, allen voran Kurz- und Weitsichtigkeit, gibt es verschiedene Möglichkeiten, wie diese behandelt werden können. Abhängig von der Art der Fehlsichtigkeit und des Schweregrades sind zum Beispiel folgende Behandlungen durchführbar:

Brille/Kontaktlinse

Vor allem bei Kurz- und Weitsichtigkeit ist der Einsatz von Brillen und Kontaktlinsen nach wie vor die Basistherapie. Die Kurzsichtigkeit lässt sich dabei mit Minusgläsern verbessern; die Minusgläser verringern die Brechkraft des Auges. Dies gelingt mit Zerstreuungslinsen, indem die einfallenden Lichtstrahlen weiter gestreut werden und so dafür sorgen, dass sich die Lichtstrahlen erst auf der Netzhaut vereinigen.
Die Weitsichtigkeit hingegen wird mit Plusgläsern korrigiert. Auf diese Weise wird die Brechkraft erhöht. Dies gelingt durch sogenannte Sammellinsen, die die Lichtstrahlen entsprechend brechen, damit diese auf der Netzhaut zusammentreffen.

Refraktive Chirurgie

Mit der refraktiven Chirurgie können diagnostizierte Fehlsichtigkeiten behandelt werden. Bei der Operation verändert der Arzt die Brechkraft der Augenlinse. Allerdings lassen sich so nur Symptome behandeln: Die konkreten Ursachen für Kurz- und Weitsichtigkeit können bislang nicht behandelt werden. Naturgemäß beinhalten Operationen gewisse Risiken, weshalb im Vorfeld sowohl vom Augenarzt als auch vom Patienten die Vor- und Nachteile des Eingriffs abgewogen werden müssen. Mögliche Operationen können etwa sein:

  • Photorefraktive Keratektomie (PRK): Bei der PRK wird die oberste Hornhautschicht (sog. ‚Hornhautepithel‘) entfernt, woraufhin die Hornhaut schichtweise vorsichtig abgeflacht wird. Dadurch wird die Brechkraft des Auges nach hinten verlegt.
  • Laser-in-situ-Keratomileusis (LASIK): Bei diesem Eingriff wird eine dünne Schicht der obersten Hornhaut vorsichtig gelöst und seitlich aufgeklappt. Das Gewebe, das unter dieser Schicht liegt, wird mit einem Laser abgeschliffen. Nach der Operation wird die zuvor gelöste Hornhautschicht wieder zurückgeklappt.
  • Laserthermokeratoplastik (LTK): Am Hornhautrand werden kleine Hitzepunkte mithilfe eines Lasers platziert. Aufgrund dieses Reizes zieht sich die Hornhaut im Bereich der Hitzepunkte zusammen, wodurch im Zentrum der Hornhaut eine leichte Biegung entsteht. Diese Verbiegung gleicht die Weitsichtigkeit aus.
  • Linsenimplantation: Bei ausgeprägten Formen von Kurz- und Weitsichtigkeit kann es sinnvoll sein, neben der eigenen Augenlinse eine künstliche Linse einzusetzen.

Möchten Sie mehr über die Behandlungsmöglichkeiten besonders von Kurz- und Weitsichtigkeit erfahren? Dann sehen Sie sich gerne unseren Artikel zum Thema an.

Behandlung von Linsenerkrankungen

Behandlung des Grauen Stars

Im Gegensatz zum Grünen Star kann der graue Star (sog. ‚Katarakt‘) langfristig und mit guten Erfolgen behandelt werden. Mittlerweile führen die Eingriffe in aller Regel zum gewünschten Erfolg und sind standardisiert. Gemäß den Leitlinien werden im Normalfall bei einem operativen Eingriff bestimmte Teile der trüben Linse entfernt und eine künstliche intraokulare Linse eingesetzt. Häufig wird dabei eine sogenannte Phakoemulsifikation durchgeführt: Dabei wird zunächst die Linsenkapsel, in der die Linse liegt, mit einem winzigen Schnitt vorsichtig eröffnet. Der Linsenkern wird mit einem Ultraschall verflüssigt und gemeinsam mit der Linsenrinde abgetragen. In den nun freien Teil der Linsenkapsel wird eine künstliche Linse, die aus Acrylat, Silikon und Plexiglas bestehen kann, eingesetzt.

Gut zu wissen!
Die Staroperation ist eine der häufigsten Operationen auf der Welt. Allein in Deutschland werden jährlich rund 700.000 Operationen durchgeführt, die einen Katarakt behandeln sollen.

Behandlung einer Linsenluxation/Linsensubluxation

Ob eine Linsenluxation bzw. -subluxation überhaupt behandelt wird, hängt davon ab, ob und wie stark das Sehvermögen des Patienten beeinträchtigt ist. Je nachdem, wie stark die Linse in diesem Zusammenhang aus ihrem gewohnten Platz verschoben wurde, wird die Linse entfernt und durch eine künstliche ersetzt.

Behandlung von Schielen

Die Schielbehandlung sollte so zügig wie möglich einsetzen, um ein entsprechend optimales Ergebnis erzielen zu können. Die Behandlung kann dabei bis über das 10. Lebensjahr hinausgehen. Wie die konkrete Behandlung aussieht, hängt von der Art des Schielens ab. Das frühkindliche Innenschielen, eine Art des Begleitschielens, ist dabei in Deutschland die häufigste Schielform.
Bei dieser Form prüft der Arzt zunächst, ob dem Schielen eine Ursache zugrunde liegt, die mit einer Brille behandelt werden kann. Ist dies nicht oder nur teilweise möglich, kann der Arzt eine sogenannte Okklusionsbehandlung einleiten (ggf. parallel mit einer Brillenverordnung): Um eine durch das Schielen verursachte Schwachsichtigkeit (sog. ‚Schielamblyopie’) zu vermeiden bzw. zu behandeln, wird mit einem speziellen Hautpflaster das führende, also nichtschielende Auge abgedeckt. Damit soll das schielende Auge trainiert werden. Die Dauer des Vorgehens muss individuell abgestimmt sein, damit beim schielenden Auge die Sehstärke (sog. ‚Visus’) zunimmt. Liegt bspw. eine leichte Schwachsichtigkeit (sog. ‚Amblyopie’) vor, kann das führende Auge für einige Stunden, bei schweren Fällen für einige Tage mit dem Pflaster abgedeckt werden. Wichtig ist in diesen Zusammenhang, dass das bessere Auge nicht an Sehschärfe verliert, weshalb es nicht zu lang abgedeckt sein sollte. Auch bei einer zunächst erfolgreichen Therapie kann es mittel- und langfristig wieder zu einem Visusabfall kommen, weshalb die Okklusion ggf. mehrfach erfolgen muss.
War die Behandlung der Schwachsichtigkeit erfolgreich, kann eine Augenmuskel-Operation erfolgen. Dabei wird durch einen chirurgischen Eingriff der Schielwinkel entsprechend korrigiert. Je nach Fehlstellung der Augen werden bei der Operation die Muskeln am Augapfel zurückgelagert oder gestrafft. Allerdings muss nicht jede Fehlstellung operativ behandelt werden, da kleinere Fehlstellungen nicht zwangsläufig das Sehvermögen des Patienten beeinträchtigen.

Behandlung des Grünen Stars

Je nach Einschätzung des Arztes können mehrere Behandlungsmöglichkeiten in Frage kommen. Welche davon letztlich angewendet werden, hängt u. a. auch davon ab, in welchem Stadium sich das Glaukom befindet. Ziel einer Glaukomtherapie ist es, den Druck so gut wie möglich in den Normbereich von 10–20 mmHg zu bringen. Die vollständige Heilung des Glaukoms ist bisher noch nicht möglich.

Medikamentöse Therapie

Vor allem am Anfang einer Glaukombehandlung müssen zumeist Augentropfen genommen werden, die den Augendruck senken sollen. Mehrere Wirkstoffgruppen wie bspw. Beta-Blocker (etwa Metoprolol) können eingesetzt werden. Möglich ist auch eine Kombination mehrerer Wirkstoffe. Problematisch kann eine medikamentöse Behandlung aber werden, wenn der Patient Unverträglichkeiten zeigt. Je nach Wirkstoff können auch Nebenwirkungen wie Müdigkeit, trockene Augen und seltener auch Herzrhythmusstörungen auftreten.

Videoexkurs: Beta-Blocker
Möchten Sie mehr über Beta-Blocker erfahren? Im folgenden Video erklärt Ihnen Dr. Tobias Weigl, wie Beta-Blocker funktionieren und welche Nebenwirkungen auftreten können.

Lasertherapie

  • Lasertrabekuloplastik: Bei diesem Eingriff wird das sogenannte Trabekelwerk behandelt. Das Trabekelwerk ist der Hauptabfluss für das Kammerwasser im Auge. Ist es aus verschiedenen Gründen blockiert oder zieht sich zusammen, kann das Kammerwasser nicht richtig abfließen, wodurch der Augeninnendruck steigt. Bei der Lasertrabekuloplastik werden nun Laserherde platziert, wodurch Narben entstehen. Diese Lasernarben verringern die Möglichkeit des Trabekelwerks, sich zusammenziehen zu können. Der Druck im Auge kann mit dieser Methode um ungefähr 30 Prozent reduziert werden.
  • Cyclophotokoagulation: Hierbei wird ein Teil des Ziliarkörpers im Auge mit einem Laser verödet, der u. a. für die Kammerwasserproduktion zuständig ist.
  • Laseriridotomie: Bei dieser Operation wird mit einem Laser ein kleines Loch in der Iris gebildet. Damit soll eine Verbindung zwischen der hinteren und vorderen Augenkammer geschaffen werden. Auf diese Weise soll das Kammerwasser wieder besser durch beide Kammern zirkulieren können und eine Drucksenkung erreicht werden. Diese Methode wird u. a. bei den gefährlichen Glaukomanfällen verwendet.

Operativer Eingriff

Operationen sind häufig dann notwendig, wenn die Behandlung mit Medikamenten nicht möglich ist oder kaum Erfolg gezeigt hat. Auch bei bereits größeren Schäden kann eine Operation sinnvoll sein. Zwei wichtige Eingriffsmöglichkeiten sind:

  • Trabekulektomie: Bei dieser Operation wird nahe des Trabekelmaschenwerks – ein wichtiger Bestandteil des Abflusssystems im Auge – ein kleines Stück der Lederhaut entnommen. Das Kammerwasser erhält auf diese Weise einen neuen Abflussweg unter die Bindehaut, wodurch der Druck gesenkt werden soll.
  • Chirurgische Iridektomie: Im Grunde genommen funktioniert dieser Eingriff wie die Laseriridotomie: Ein kleines Loch wird in der Iris geschaffen, um eine Zirkulation des Kammerwassers zwischen Hinter- und Vorderkammer des Auges zu ermöglichen.

Wenn Sie mehr Informationen über die Behandlung des Grünen Stars erhalten möchten, können Sie sich gerne unseren Artikel über das Glaukom ansehen.

Behandlung der Lidfehlstellungen

Ektropium

Vor allem bei der altersbedingten Form wird eine Operation durchgeführt, um die Lidfehlstellung zu behandeln. Beim Eingriff selbst wird das erschlaffte Unterlid gestrafft. Dies wird erreicht, indem der keilartige Lidknorpel entfernt und die Haut dann horizontal gestrafft wird. Die Operation erfolgt im Normalfall ambulant und bei örtlicher Betäubung.

Entropium

Beim einwärtsgedrehten Lid wird ebenfalls ein chirurgischer Eingriff vorgenommen. Wie beim Ektropium wird dies erreicht, indem versucht wird, Unterlidspannung wiederherzustellen bzw. zu verbessern, die Unterlidretraktoren (kleine Lidmuskeln) zu verkürzen und/oder den Augenringmuskel abzuschwächen.

Behandlung von Hornhauterkrankungen

Hornhautentzündungen

Bei einer bakteriellen Hornhautentzündung wird in aller Regel auf lokale Antibiotika wie Kanamycin, Gentamycin oder Ofloxacin zurückgegriffen. Bei einer virenbedingten Keratitis, die lediglich das Hornhautepithel betrifft, werden die Virostatika (Medikamente gegen Viren) Trifluridin oder Gaciclovir eingesetzt. Bei bspw. intraokularen Herpes-simplex-Virus-Infektionen wird dagegen Aciclovir in Form von Augentropfen eingesetzt. In der Regel wird bei einer Pilzkeratitis auf Antimykotika, also auf gegen Pilze gerichtete Medikamente, zurückgegriffen. Beispiele hierfür sind etwa Natamycin oder Nystatin.

Hornhautdystrophie

Bei einer Hornhautdystrophie kann, abhängig von der Sehverschlechterung des Patienten und der Einschätzung des Arztes, eine Hornhauttransplantation sinnvoll sein. Dabei können zum Beispiel folgende Eingriffe durchgeführt werden:

  • Perforierende Keratoplastik (PKP): Aus der erkrankten Hornhaut wird ein kleines rundes Scheibchen geschnitten. Ein dementsprechendes Stück Hornhaut wird der Spenderhornhaut entnommen und in die entstandene Öffnung mit feinsten Hornhautnähten eingesetzt.
  • Lamelläre Keratoplastik (LKP): Bei der LKP werden nur diejenigen Hornhautschichten ersetzt, die tatsächlich erkrankt sind.

Keratokonus

Die einsetzenden Sehschärfeeinschränkungen könnten kurzfristig u. U. noch mit einer Brille ausgeglichen werden, bei stärkerem Voranschreiten nur noch mit harten Kontaktlinsen. Ab einem bestimmten Krankheitsstadium kommt es allerdings häufig vor, dass der Patient aufgrund der Wölbung ständig seine Kontaktlinsen verliert.
Mittlerweile ist es möglich, die Hornhaut mithilfe des sogenannten Crosslinkings zu stabilisieren. Dies gelingt, indem die Hornhaut mit Riboflavin (Vitamin B2) getränkt und danach mit UV-Licht bestrahlt wird. Durch dieses Vorgehen werden die Kollagenfasern vernetzt, was die Hornhaut stabilisiert. Eine Stabilisierung kann auch durch die Implantation sogenannter kornealer Ringsegmente erfolgen. Hierfür werden kleine Kunststoffringe in die Hornhaut gelegt, deren Druck die Hornhaut zumindest etwas abflacht. Eine andere Behandlungsmöglichkeit ist auch die perforierende Keratoplastik.

Hornhauterosion

Da es sich bei einer Hornhauterosion um eine oberflächliche Verletzung handelt, heilt diese in der Regel gut ab. Der Arzt wird die Erosion zumeist mit einem antibiotischen Salbenverband versorgen. Möglich ist auch, dass dem Patienten therapeutische Kontaktlinsen und dazu antibiotische Augentropfen gegeben werden. Therapeutische Kontaktlinsen sind Speziallinsen, die weich und sehr dünn sind (0,05 mm). Sie wirken wie eine Art Bandage und fördern damit die Neubildung der beschädigten Hornhautoberfläche. Zudem wirken sie schmerzreduzierend.

Behandlung von Netzhauterkrankungen

Netzhautablösung

Netzhautlöcher, bei denen sich nur wenig Netzhaut abgelöst hat, können mit einem Laser behandelt werden. In diesem Fall wird die Netzhaut um das Loch herum wieder angebracht. Das Loch selbst bleibt zwar bestehen, die durch die Lasertherapie entstandene Narbe wird aber eine weitere Netzhautablösung verhindern. Gravierendere Formen der Netzhautablösung werden mit einer Silikonschaumplombe versorgt, die außen auf die Lederhaut des Auges aufgenäht wird. Auf diese Weise wird an der Stelle des Netzhautloches die Augapfelwand eingedellt, sodass das Gebiet des Netzhautloches wieder mit dem retinalen Pigmentepithel in Kontakt treten kann. Um diese Verbindung zu stabilisieren, erzeugt man eine künstliche Narbe. Diese Narbe wird verursacht, indem man an der entsprechenden Stelle einen Entzündungsreiz setzt; diese Narbe verhindert dann, dass die Netzhaut sich erneut ablösen kann. Gibt es mehrere Netzhautlöcher oder ist das Loch nicht auffindbar, wird der Augapfel mit einem Silikonband umschnürt.

Altersbedingte Makuladegeneration

Für die trockene Form der AMD gibt es bis dato keine sicher wirksame Behandlung mit Medikamenten. Bei der feuchten Form existieren hingegen mehrere Therapiemöglichkeiten:

  • Medikamentöse Behandlung: Hier werden VEGF-Hemmer verwendet, die das Gefäßwachstum und deren Wucherung in die Netzhaut blockieren. Je nachdem, wie schwerwiegend die Erkrankung ist, können die Medikamente mehrmals in den Glaskörper (sog. ‚intravitreal‘) gegeben werden. Dazu zählen z. B. die Arzneistoffe Ranibizumab und Bevacizumab.
  • Lasertherapie: Mit einem thermischen Laser können die neugebildeten Blutgefäße verödet werden. Bedingung dafür ist allerdings, dass die Fovea, also der Ort des schärfsten Sehens im Auge, nicht von dieser Gefäßneubildung betroffen ist. Der Nachteil dieser Vorgehensweise besteht aber darin, dass sich in vielen Fällen innerhalb von zwei Jahren neue Gefäße bilden, die wieder behandlungsdürftig wären.
  • Photodynamische Therapie (PDT): Diese Methode kann eingesetzt werden, wenn die Gefäßneubildungen subfoveal, also unter der Stelle des schärfsten Sehens, liegen. Hierfür wird dem Patienten intravenös ein Farbstoff verabreicht, der sich in den krankhaften Gefäßen anreichert. Der Farbstoff wird nun mit einem nicht thermischen Laser bestrahlt. Dies führt zu einer durch das Laserlicht verursachten chemischen Reaktion (sog. ‚photochemische Reaktion’): Der Farbstoff wird „aktiviert“ und reagiert mit den Gefäßen, wodurch diese verschlossen werden. So können die Gefäße keine Flüssigkeit mehr absondern.

Retinale Venenverschlüsse

Je früher ein Venenverschluss erkannt wird, desto besser stehen die Behandlungschancen. Ein wichtiger, oft erster Schritt ist dabei die intravitreale, also direkt in den Glaskörper erfolgende Gabe von Medikamenten, die den Botenstoff VEGF hemmen. Dies gelingt, indem das Arzneimittel mit einer feinen Nadel in das Augeninnere injiziert wird. Ebenso kann eine Behandlung durch Blutverdünnung sinnvoll sein, indem bestimmte Flüssigkeiten (etwa Plasmaexpander) die Durchblutung befördern. Dies wird ggf. auch mit einem Aderlass kombiniert.

Häufige Patientenfragen

Ich habe Sehstörungen – wann sollte ich zum Arzt gehen?

Dr. T. Weigl
Sehstörungen müssen nicht zwangsläufig auf Erkrankungen des Auges oder systemische Krankheiten wie Diabetes hinweisen. Der übermäßige Alkoholkonsum kann bspw. dazu führen, dass der/die Betroffene Objekte in seiner Umgebung doppelt oder verzerrt sieht. Dieser Effekt sollte im Normalfall nach einer gewissen Zeit wieder verschwinden. Unbedingt den Arzt aufsuchen sollten Sie, wenn

  • die Sehstörungen u. a. Lichtblitze, Lichtkegel o. Ä. beinhalten,
  • die Sehstörungen akut, ohne größere Vorwarnung auftreten,
  • die Sehstörungen länger (z. B. 24 Stunden) anhalten,
  • sie Schmerzen haben,
  • sich neben den Sehstörungen noch andere Symptome wie Kopfschmerzen oder Funktionsausfälle bzw. Lähmungen einzelner Körperbereiche zeigen.

Vorsicht ist zudem geboten, wenn Verwandte von Augenerkrankungen betroffen sind. Sicherheitshalber sollten Sie regelmäßige Kontrollgänge zum Augenarzt unternehmen, um frühzeitig Beeinträchtigungen und Schädigungen des Auges feststellen zu können. Regelmäßige Kontrollen sind zum Beispiel auch für Diabetiker wichtig, da ein falsch eingestellter Blutzuckerspiegel Netzhautschädigungen verursacht.

Beeinträchtigt eine Bindehautentzündung das Sehvermögen?

Dr. T. Weigl
Die Bindehautentzündung (sog. ‚Konjunktivitis‘) ist die häufigste entzündliche Erkrankung der Augen. Dabei kann zwischen einer nicht-infektiösen Art und einer infektiösen unterschieden werden: Erstere ist etwa auf Umwelteinflüsse wie Staub, Abgase, Zugluft, Fremdkörper im Auge oder auch Allergien zurückzuführen, während letztere durch Bakterien und/oder Viren verursacht wird. Diese Form ist hochgradig ansteckend. Ein häufiges Symptom, das in Verbindung mit einer Bindehautentzündung auftritt, sind gerötete Augen, die zudem jucken, tränen oder brennen können. Zudem kann das betroffene Auge lichtempfindlich reagieren. Wenn man die Augenlider auf- oder zuschlägt, kann es sich außerdem so anfühlen, als sei ein Fremdkörper im Auge. Gerade morgens sind die Lider verklebt und Schleimfäden auf der Hornhaut können möglicherweise das Sehvermögen beeinträchtigen. Normalerweise reicht es dann aber, das Auge zu reinigen, um wieder problemlos sehen zu können.

Können Medikamente einen Grauen Star verursachen?

Dr. T. Weigl
Ja, Linsentrübungen können durch Medikamente verursacht werden. Besonders wichtig ist dabei das sogenannte Kortisonkatarakt, bei dem durch die längerfristige Gabe von Kortison Linsentrübungen entstehen können. Andere Arzneistoffe, die u. U. einen Grauen Star verursachen, sind Busulphan, das bei der Behandlung von Leukämie eingesetzt wird und die pupillenverengenden Miotika, wobei vor allem Cholinesterasehemmer eine wichtigere Rolle spielen.

Dieter muss schwer schlucken. „Sie haben einen Katarakt, den Sie wahrscheinlich besser als Grauen Star kennen. Dabei wird nach und nach die Linse getrübt, wodurch Sie letztlich Ihre Sehstörungen bekommen.“ Sein Augenarzt erklärt ihm ruhig, dass ein Katarakt meistens gut behandelt werden kann und zeigt ihm, wie die Behandlung in nächster Zeit aussehen wird. Das beruhigt Dieter wieder etwas.

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Die hier beschriebenen Punkte (Krankheit, Beschwerden, Diagnostik, Therapie, Komplikationen etc.) erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Es wird genannt, was der Autor als wichtig und erwähnenswert erachtet. Ein Arztbesuch wird durch die hier genannten Informationen keinesfalls ersetzt.

 

Autoren: Dr. Tobias Weigl, Sebastian Mittelberg
Lektorat: Tobias Möller
Veröffentlicht: 15.01.2019

Quellen

  • Berufsverband der Augenärzte Deutschland e. V. (Hg.): Sehen im Straßenverkehr.
  • Berufsverband der Augenärzte Deutschlands e. V. (Hg.): Bindehautentzündung.
  • Berufsverband der Augenärzte Deutschlands e. V. (Hg.): Keratitis.
  • Berufsverband der Augenärzte Deutschlands e. V. (Hg.): Netzhautablösung.
  • Berufsverband der Augenärzte Deutschlands e. V. (Hg.): Staroperation und Intraokularlinse.
  • Berufsverband Orthoptik Deutschland e. V. (Hg.): Sehstörungen.
  • Deutsche Multiple Sklerose-Gesellschaft, Bundesverband e. V. (Hg.): Seh- und Augenbewegungsstörungen bei MS.
  • Franz Grehn (2012): Augenheilkunde, 31. überarbeitete Auflage. Springer, Heidelberg.
  • Bernhard Lachenmayr (Hg.) (2012): Begutachtung in der Augenheilkunde, 2. aktualisierte Auflage. Springer, Heidelberg.
  • Gerhard K. Lang (2014): Augenheilkunde, 5. überarbeitete Auflage. Thieme, Stuttgart.
  • Neurologen und Psychiater im Netz. Das Informationsportal zur psychischen Gesundheit und Nervenerkrankungen (Hg.): Was ist ein Schlaganfall?
  • Niklas Plange und Peter Walter (2017): Basiswissen Augenheilkunde. Springer, Heidelberg.
  • Öffentliches Gesundheitsportal Österreichs (Hg.): Aneurysma im Gehirn.
  • Wolfgang Piper (2013): Innere Medizin, 2. überarbeitete Auflage. Springer, Heidelberg.
  • rme/aerzteblatt.de (2015): Jeder zweite Europäer ist kurz- oder weitsichtig.
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