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Knubbel am Hals: Halslymphknoten – Was bedeuten Schwellung & Schmerzen? Krebs?

„Eine Schwellung der Halslymphknoten kann Hinweis auf eine ernstzunehmende Erkrankung sein. Der Gang zum Hausarzt sollte nicht zu lange aufgeschoben werden.“
— Dr. Tobias Weigl


Von Medizinern geprüft und nach besten wissenschaftlichen Standards verfasst

Dieser Text wurde gemäß medizinischer Fachliteratur, aktuellen Leitlinien und Studien erstellt und von einem Mediziner vor Veröffentlichung geprüft.

Quellen ansehen

Knubbel am Hals? Eine schmerzhafte oder schmerzlose Schwellung der Halslymphknoten (sog. Lymphadenopathie) kann unterschiedlichste Ursachen haben. Beschaffenheit und Empfindlichkeit geben dem Arzt bereits erste Hinweise auf die zugrunde liegende Erkrankung. Es sind eine isolierte Schwellung einzelner Lymphknoten oder eine generalisierte Schwellung vieler Lymphknoten des Körpers möglich. Die Ursachen reichen von Virusinfektionen und Entzündungen bis hin zu einem bösartigen Tumorleiden. Klarheit bringt hier meist nur der Gang zum Arzt.

Josephine, 21 Jahre alt, fühlt sich heute früh gar nicht gut. Sie hat leicht Fieber und fühlt sich sehr schlapp. Leichte Halsschmerzen hat sie auch. Ihr Freund Mario, Medizinstudent, sieht sie sich genauer an und untersucht sie, so wie er es im Studium gerade gelernt hat. Beim Abtasten der Lymphknotenstationen bemerkt er geschwollene und schmerzhafte Lymphknoten im Hals und den Achseln. Auch die Untersuchung des Bauches findet er komisch. Fühlt er da nicht eine vergrößerte Leber? „Du solltest lieber zum Arzt gehen. Wer weiß, was dahinter steckt.“, rät er Josephine.

 

Die Lymphknoten: Aufbau und Funktion

Die Lymphknoten sind bohnenförmig. Sie befinden sich in unmittelbarer Umgebung zu den einzelnen Organen (sog. ‚organnah‘) und im gesamten Körper verteilt (sog. ‚peripher‘). Verbunden werden sie durch die Lymphgefäße, welche die Lymphflüssigkeit (sog. ‚Lymphe‘) transportiert.
Die Lymphknoten sind Teil unseres Immunsystems. Sie werden auch als Wächterorgane bezeichnet und haben zwei grundliegende Funktionen:

  • Filterstation: Im lymphatischen System, also dem System bestehend aus Lymphknoten, Lymphgefäßen und Lymphe, haben die Lymphknoten eine Filterfunktion für Bakterien, Viren, Krebszellen und andere Fremdkörper. Zellen innerhalb der Lymphknoten (sog. ‚Makrophagen‘) nehmen diese Gefahrenquellen auf und versuchen sie unschädlich zu machen.
  • Aktivierung des Immunsystems: Aktivierung, Vermehrung und Ausbildung der Lymphozyten

In diesem Video erklärt Dr. Tobias Weigl alles Wichtige zu den Lymphknoten. Die Funktion und warum diese anschwellen.

Gut zu wissen!
Der Begriff der ‚Halsregion’ umschreibt folgende Bereiche: hinter den Ohren (sog. ‚retroaurikulär‘), vor den Ohren (sog. ‚präaurikulär‘), Bereich zwischen Kiefer und Kinn (sog. ‚submandibulär‘), unterhalb des Kinns (sog. ‚submental‘), Nacken und Hinterkopf (sog. ‚nuchal /okzipital‘), links und rechts am Hals abwärts Richtung Schlüsselbein (sog. ‚tiefe Halslymphknoten‘) und oberhalb des Schlüsselbeins (sog. ‚supraklavikulär‘).

Durch Infektionen (Bakterien oder Viren) oder Krebserkrankungen kann es zu einer Schwellung der Lymphknoten (sog. ‚Lymphadenopathie‘) kommen.

Achtung!
Bei einer schmerzlosen, stetig zunehmenden Lymphknotenschwellung muss immer auch an eine bösartige Tumorerkrankung gedacht werden.
Gutartige Erkrankungen wie Infektionen als Ursache sind wesentlich häufiger. Aufgrund der schwerwiegenden Konsequenzen sollten die bösartigen Erkrankungen wie Krebs allerdings bei unklarer Ursache nicht aus den Augen verloren werden.

Die Symptome: Wie äußert sich eine Lymphknotenschwellung?

Bei einer Lymphknotenschwellung wird grundsätzlich zwischen einer schmerzhaften (sog. ‚dolenten‘) und einer nicht schmerzhaften (sog. ‚nicht dolenten‘) Schwellung unterschieden.

Ist der Lymphknoten schmerzhaft vergrößert, ist auf Begleiterscheinungen zu achten: Schwellung, Rötung, Fieber, Überwärmung, Hautveränderungen (z.B. Ausschlag) können Anzeichen für einen bakteriellen oder viralen Infekt sein.

Gut zu wissen!
Treten begleitend zur Lymphknotenschwellung Fieber und ein allgemeines Krankheitsgefühl auf, ist an eine Infektion als Ursache zu denken. Dabei kommen Viren und Bakterien in Frage. Auch eine Autoimmunerkrankung wäre möglich.

Liegt eher eine schmerzlose Schwellung vor, die seit einiger Zeit an Größe zunimmt, muss eine bösartige Erkrankung im Sinne von Krebs ausgeschlossen werden.

Achtung!
Lässt sich als Ursache für die Schwellung eine Krebserkrankung nicht sicher ausschließen, wird meist eine Probe im Rahmen einer Biopsie oder der gesamte Lymphknoten operativ entnommen und pathologisch untersucht.

Exkurs: Was ist Krebs?

Was ist Krebs? Wie entsteht er eigentlich? Was für Risikofaktoren gibt es? Wichtige Grundlagen und Wissenswertes zum Thema erklärt Dr. Tobias Weigl in diesem Video.

Außerdem finden Sie weitere Informationen zum Thema Krebs in folgenden Artikeln:
Krebs Teil 1 – Definition, Entstehung, Risikofaktoren und Vorsorge
Krebs Teil 2 – Von der Diagnose zur Therapie: allgemeine Erläuterungen zu Klassifikaiton und Staging

Wen kann es erwischen? Welche Ursachen gibt es?

Grundsätzlich können jede Altersgruppe und jedes Geschlecht von einer Lymphknotenschwellung der Halsregion betroffen sein.

Gut zu wissen!
Als mögliche Ursachen für eine Schwellung der Halslymphknoten gelten:
Röteln, Herpes zoster, Bindehautentzündung (sog. ‚Konjunktivitis‘), Masern, bösartige Tumore, Metastasen sowie sämtliche Entzündungen im Kopf- und Halsbereich.Die Ursachen für eine Lymphknotenschwellung der Halsregion umfassen:
LymphknotenMögliche Ursachen
RetroaurikulärRöteln
(Viruserkrankung)
Präaurikulär Herpes Zoster (Virus)
Konjunktivitis (Bindehautentzündung, unterschiedliche Ursachen)
Sonstige Infektion in der näheren Umgebung
Submandibulär Tumore der Mundhöhle
Tonsillitis (sog. ‚Mandelentzündung‘)
SubmentalTumore der Mundhöhle
Lokale Infektionen
Tiefer HalsInfektionen
Tumorerkrankungen des gesamten Kopf- und Halsbereiches
Supraklavikulär oft in Verbindung mit Krebserkrankungen u.a. von Lunge, Speiseröhre, Magen
Achtung!
Bei einer generalisierten, schmerzhaften Lymphknotenschwellung (eine Schwellung von mehr als zwei nicht direkt benachbarten Lymphknotenstationen) sind zum Teil schwerwiegende (Virus-)Erkrankungen als Ursache denkbar. Dazu zählen u.a.:
HIV, Mononukleose (sog. ‚Pfeiffer Drüsenfieber‘), Mumps, Masern, Röteln, Varizellen (sog. ‚Windpocken‘), Syphilis oder Malaria.
Hat ein Arzt bei Ihnen eine Schwellung der Halslymphknoten diagnostiziert? Welche Erkrankung wurde bei Ihnen festgestellt? (Mehrfachnennungen möglich) Damit helfen Sie anderen Lesern, ihre eine mögliche Erkrankung besser einzuschätzen.

Was tut der Arzt? Teil 1: Die Diagnose

Um die Ursache für eine Lymphknotenschwellung zu ermitteln, erfolgt wie bei jedem Arztbesuch als erstes die Anamnese, also die Befragung des Patienten nach seinem Befinden. Seit wann bestehen die Beschwerden? Was ist Ihnen in letzter Zeit noch aufgefallen? Was hat sich verändert? Was für andere Beschwerden liegen ggf. vor?

Gut zu wissen!
Bei einer Lymphknotenvergrößerung wird der Arzt auch nach der aktuellen Medikamenteneinnahme und kürzlich stattgefundenen Reisen fragen. Beides kann Hinweise auf die Ursachen liefern.

Anschließend erfolgt die körperliche Untersuchung. Dabei wird der Arzt besonderes Augenmerk auf die geschwollenen Lymphknoten legen. Er wird alle abtasten, um weitere Schwellungen auszuschließen. Dabei achtet er besonders auf Größe, Druckschmerzhaftigkeit, Rötung und die Konsistenz der betroffenen Lymphknoten. Außerdem ist relevant, ob der Lymphknoten sich gegen seine Umgebung verschieben lässt.Bei der Untersuchung wird der Arzt auch die Leber und die Milz nach einer möglichen Vergrößerung untersuchen. Möglicherweise findet er auch Anzeichen einer lokalen Infektion im Einzugsgebiet der Lymphknoten.

Gut zu wissen!
Eine Vergrößerung von Leber und Milz kann auf eine Infektion hindeuten, die im gesamten Körper ausgebreitet ist. Der Mediziner spricht hier von einer systemischen Infektion. Bekanntes Beispiel hierfür ist die Mononukleose (sog. ‚Pfeiffer Drüsenfieber‘) mit einer oft ausgeprägten Schwellung von Leber und Milz (sog. ‚Hepatosplenomegalie‘).

Bei schmerzhaften Lymphknotenvergrößerungen mit Verdacht auf eine Infektion als Ursache und solchen ohne Progress ist i.d.R. keine weitere Diagnostik notwendig.

Bei jeglicher Form von unklaren Lymphknotenschwellungen, bei schmerzlosen, stetig zunehmenden Schwellungen und bei unklaren Lymphknotenschwellungen einzelner oder mehrerer Lymphknoten sollte immer eine weitere Abklärung erfolgen.

Achtung!
Eine schmerzlose Lymphknotenschwellung, die stetig zunimmt, ist immer verdächtig für eine Krebserkrankung!

AAls weiterführende Diagnostik stehen die Laboruntersuchung des Blutes und bildgebende Verfahren in Form von Ultraschall und Röntgen zur Verfügung. Lässt sich anhand dieser Untersuchungen keine Ursache finden, kann der Lymphknoten schließlich operativ entfernt werden (sog. ‚Exstirpation‘) und vom Pathologen untersucht werden. Bei weiteren Unklarheiten stehen weitere spezielle Untersuchungen z.B. im Rahmen einer Leukämiediagnostik zur Verfügung.

Fakten-Box
Schwellung der Lymphknoten der Halsregion

  • Grundsätzlich jedes Alter und jedes Geschlecht gleichermaßen betroffen
  • Ursachen reichen von bakteriellen oder viralen Infektionen bis hin zu Krebserkrankungen

Symptome

  • Schmerzhafte Lymphknotenschwellung mit ggf. Begleitsymptomen (Fieber, Hautveränderungen, Rötung, Überwärmung o.ä.)
  • Schmerzlose Lymphknotenschwellung, an Größe zunehmend

Was tut der Arzt? Teil 2: Die Behandlung

Die Behandlung richtet sich nach der zu Grunde liegenden Ursache und kann sehr spezifisch sein.
Im Allgemeinen können die Symptome behandelt werden. Fieber und Schmerzen können beispielsweise durch die Einnahme eines Schmerzmittels (z.B. Paracetamol oder Ibuprofen) kontrolliert werden. Ist eine bakterielle Infektion die Ursache, kann die Einnahme eines Antibiotikums erwogen werden. Ist eine Viruserkrankung der Auslöser, hängt die Behandlung stark von der vorliegenden Erkrankung ab.

Exkurs: Schmerzmittel im Check

Wichtiges zur Anwendung, Wirkungen und Nebenwirkungen von Ibuprofen und Diclofenac erläutert Arzt und Schmerzforscher Dr. Tobias Weigl in folgendem Video.

In diesem weiteren Video setzt sich Dr. Tobias Weigel außerdem mit der Frage nach Fehldosierungen und Nebenwirkungen von Paracetamol auseinander. Gut 50 Millionen Mal werden Paracetamol-Präparate jährlich in Deutschland verkauft. Antworten auf die Frage nach möglichen Risiken dieses rezeptfreien Medikamentes erhalten sie hier:

Übersicht Erkrankungsursachen und Behandlungsbedarf

LymphknotenMögliche UrsachenBehandlungsbedarf
RetroaurikulärRöteln
(Viruserkrankung)
Symptomatisch
Präaurikulär Herpes Zoster (Virus)

Konjunktivitis
(Bindehautentzündung, unterschiedliche Ursachen)
Sonstige Infektion in der näheren Umgebung
symptomatisch und antivirale Therapie mit Aciclovir
symptomatisch, antibiotische Augentropfen möglich

je nach Ursache
Submandibulär Tumore der Mundhöhle
Tonsillitis
(sog. ‚Mandelentzündung‘)
Abklärung und spezielle Therapien
Symptomatisch, ggf. Antibiotika

SubmentalTumore der Mundhöhle
Lokale Infektionen
Abklärung, spezielle Therapien
Symptomatisch, je nach Ursache
Tiefer HalsInfektionen
Tumorerkrankungen des gesamten Kopf- und Halsbereiches
je nach Ursache
weitere Abklärung und spezielle Therapie
Supraklavikulär oft in Verbindung mit Krebserkrankungen u.a. von Lunge, Speiseröhre, Magen weitere Abklärung und spezielle Therapien

Exkurs: Weiterführende Artikel zum Thema Krebs

Interessieren Sie weiterführende Informationen zum Thema Krebs? Haben Sie fragen zu Entstehung, Risikofaktoren, Diagnostik oder Therapie? Lesen Sie dazu auch diese Artikel:

Krebs Teil 1 – Definition, Entstehung, Risikofaktoren und Vorsorge
Krebs Teil 2 – Von der Diagnose zur Therapie: allgemeine Erläuterungen zu Klassifikaiton und Staging

Lesen Sie gerne auch auf unserer Website zu konkreten Krebserkrankungen, wie:
Speiseröhrenkrebs
Magenkrebs
Darmkrebs
Analkrebs
Tumorschmerz
Ihnen fehlt ein wichtiges Thema? Schreiben Sie uns Ihre Anregungen gerne in die Kommentarfunktion.

Häufige Patientenfragen

Meine Halslymphknoten sind geschwollen. Was soll ich tun?

Dr. T. Weigl
Im Zweifelsfall sollten Sie bei einer Lymphknotenvergrößerung unklarer Ursache besser den Hausarzt aufsuchen. Dieser kann anhand der entsprechenden Untersuchungen und der Anamnese helfen, eine Ursache zu finden und, falls nötig, eine Behandlung einleiten. Oftmals ist eine eher harmlose Infektion der Grund und eine symptomatische Therapie ist ausreichend.

Was haben geschwollene Lymphknoten mit Krebs zu tun?

Dr. T. Weigl
Im Falle einer Krebserkrankung können die Krebszellen über die im Körper verteilten Lymphgefäße bis hin zu den Lymphknoten wandern und sich dort ansiedeln. Es kommt zu einer oft schmerzlosen Schwellung der Lymphknoten, die tastbar und manchmal sogar sichtbar sein kann. Diese Lymphknotenmetastasen sind bei einigen Krebserkrankungen das erste Zeichen.

 

Josephine geht zum Hausarzt. Der untersucht sie genau und bestätigt eine Vergrößerung von Milz und Leber sowie geschwollene Halslymphknoten. Die Diagnose lautet Mononukleose. Er verordnet Josephine Bettruhe und ein Medikament gegen Schmerzen und Fieber. Da es eine Virusinfektion ist, bleibt sonst nur Abwarten übrig.

 

Verwandte Themen

Haben auch Sie Erfahrungen mit Lymphknotenschwellungen? Haben Sie Fragen zum Thema? Nutzen Sie unsere Kommentarfunktion unten für den Austausch untereinander und mit uns!

Autoren: Claudia Scheur und Dr. Tobias Weigl
Lektorat: Andrea Lorenz
Veröffentlicht: 15.8.2018

Die hier beschriebenen Punkte (Krankheit, Beschwerden, Diagnostik, Therapie, Komplikationen etc.) erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Es wird genannt, was der Autor als wichtig und erwähnenswert erachtet. Ein Arztbesuch wird durch die hier genannten Informationen keinesfalls ersetzt.

Quellen

    • Alexander Claviez et al. (2012): S1- Leitlinie der Gesellschaft für Pädiatrische Onkologie und Hämatologie: Lymphknotenvergrößerung.
    • Doris Henne-Bruns (2012): Duale Reihe Chirurgie, 4. Auflage. Thieme, Stuttgart.
    • Herold et al. (2013): Innere Medizin. Eigenverlag.
    • M. Müller (2014/15): Chirurgie für Studium und Praxis, 12. Auflage. Medizinische Verlags- und Informationsdienste, Breisach.
[Gesamt:3    Durchschnitt: 5/5]

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