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Intervallfasten bei Migräne – Chancen, Risiken und Gefahren

Bei Migräne gilt: Lassen Sie keine Mahlzeit aus und vermeiden Sie Hungerphasen. Gerade bei Migräne ist es wichtig, dass das Nervensystem regelmäßig mit Energie versorgt wird. Ob Intervallfasten also bei Migräne hilfreich ist – das bleibt fraglich!
— Dr. Tobias Weigl


Von Medizinern geprüft und nach besten wissenschaftlichen Standards verfasst

Dieser Text wurde gemäß medizinischer Fachliteratur, aktuellen Leitlinien und Studien erstellt und von einem Mediziner vor Veröffentlichung geprüft.

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Die Wirkung von Heilfasten bei Migräne ist noch relativ unerforscht. In der Regel gilt es bei Migräne als wichtig, den Körper regelmäßig mit Nährstoffen zu versorgen. Eine Mahlzeit auszulassen oder unregelmäßige Nahrungsaufnahme gelten oft sogar als Auslöser einer Migräneattacke, da der Blutzuckerspiegel dabei stark abfällt. Fasten grundsätzlich und ebenso auch Intervallfasten als eine Form des Kurzzeitfastens scheinen daher zunächst kontraproduktiv. Allerdings gibt es auch gegenläufige Meinungen und erste Studien, die belegen, dass Fasten gezielt in der Migränetherapie eingesetzt werden kann und Linderung der Beschwerden verschafft.

Andreas stieß durch Zufall auf einen Zeitungsartikel über Intervallfasten und die vielen positiven Auswirkungen auf Körper und Gesundheit. Nach weiterer Recherche fand er online einige Erfahrungsberichte von Menschen, die davon erzählten, dass sie durch Fasten ihre Migräne lindern konnten oder sogar gänzlich beschwerdefrei wurden. Zu schön um wahr zu sein? Oder war da wirklich etwas dran? Andreas war selbst seit vielen Jahren Migränepatient und eine Alternative zu Tabletten wäre auch nicht schlecht. Aber hilft Fasten wirklich? Ist es nicht vielleicht sogar gefährlich und ist Intervallfasten überhaupt dasselbe wie Fasten? Andreas beschloss, sich erstmal weiter zu erkundigen.

Was ist Intervallfasten?

Andreas aus unserem Beispiel interessiert sich für Intervallfasten – auch als eine Möglichkeit zur Migränetherapie. Beim Intervallfasten, auch intermittierendes Fasten genannt, wird das gewöhnliche Essverhalten (Frühstück, Mittag- und Abendessen, Zwischenmahlzeiten) durch Fastenphasen unterbrochen. Es ist also ein vollständiger Verzicht auf Nahrung für eine bestimmte, aber vergleichsweise kurze Zeit.
Somit ist Intervallfasten eine Form des Kurzzeitfastens und unterscheidet sich vom klassischen Heilfasten – einer Form des Langzeitfastens: Intervallfasten kann in Eigenregie zu Hause durchgeführt werden, wohingegen Heilfasten unter ärztlicher Aufsicht mit einer ganzheitlich ausgearbeiteten Fastentherapie erfolgt, oft auch verbunden mit einem Aufenthalt in einer Fastenklinik.

Die Fastenphasen beim Intervallfasten können sich wie folgt gestalten:

  • 16/8-Methode: Bei dieser Methode wird 16 Stunden lang auf Nahrung verzichtet, was mit dem Verzicht auf eine Mahlzeit (Frühstück oder Abendessen) einhergeht. In einem Zeitraum von 8 Stunden werden eine Hauptmahlzeit (Mittagessen) und eine kleinere Mahlzeit (Frühstück oder Abendessen) zu sich genommen. Während der 16 Stunden Fastenphase sind Tee, Wasser und in Maßen Kaffee erlaubt.
  • 18/6-Methode: Dies ist eine abgewandelte Form der 16/8-Methode. Die Fastenphase ist hier zwei Stunden länger (18 Stunden), das Zeitfenster für die Nahrungsaufnahme zwei Stunden kürzer (6 Stunden).
  • 20/4-Methode: Das Zeitfenster von 4 Stunden, in dem gegessen wird, wird in der Regel auf den Abend gelegt. In den 20 Stunden in denen gefastet wird, sollten möglichst keine Kalorien aufgenommen werden, etwas Gemüse oder Nüsse sind allerdings erlaubt.
  • 5/2-Methode: An zwei Tagen pro Woche wird gefastet, während an den verbleibenden 5 Tagen normal gegessen werden kann. Die 2 Fastentage können je nach Wunsch und Bedürfnis selbst gewählt werden, sollten dann aber beibehalten und nicht gewechselt werden.

In diesem Video fasst Dr. Tobias Weigl einmal den Zusammenhang zwischen Intervallfasten und Migräne zusammen.

Weitere, ausführliche Informationen zum intermittierenden Fasten, den verschiedenen Methoden und ihrer Wirksamkeit finden Sie in diesem Artikel:

Ist Intervallfasten bei Migräne sinnvoll?

Grundsätzlich lässt sich sagen, dass die Ernährung durchaus einen Einfluss auf Migräne und Kopfschmerzen haben kann und dass es bestimmte Lebensmittel gibt, die vermieden werden sollten. Ob allerdings der Verzicht auf Nahrung in Intervalle förderlich oder schädlich ist im Zusammenhang mit Migräne, ist nicht hinreichend geklärt.
Dafür spricht, dass es beim Fasten nicht primär um bloßen Verzicht, um hungern oder schnelle Gewichtsreduktion geht, sondern um bewussten, ausgewogenen Konsum, eine bewusste Ernährung und eine Entschlackung des Körpers. Das Konzept ist also ganzheitlich – was grundsätzlich gesundheitsfördernd ist. Voraussetzung dafür ist aber, dass „richtig“ gefastet wird und bestimmte Risiken und Nebenwirkung berücksichtigt werden müssen. Das gilt sowohl für Heilfasten als auch für Intervallfasten.

Studie belegt Linderung von Migräneattacken durch Fasten

Eine Studie aus dem Jahr 1990 belegt eine deutliche Reduktion der Symptome bei Migräne. In dieser Studie wurden 400 Patienten untersucht, die in der Mehrzahl ab dem dritten Fastentag für mindestens ein halbes Jahr beschwerdefrei waren. Allerdings hatten viele mit starken Beschwerden zu Beginn des Fastens zu kämpfen. Darüber hinaus ist anzumerken, dass es sich hier um eine Fastentherapie unter strenger ärztlicher Aufsicht in einer spezialisierten Fastenklinik handelte und nicht um ein Intervallfasten zu Hause in Eigenregie.

Mehr Informationen zum Thema Migräne und Ernährung finden Sie in diesem Video!

 

Mögliche Risiken und Nebenwirkungen

Bei Psychosen, in der Schwangerschaft oder Stillzeit, bei Erschöpfungszuständen, Anorexie oder auch Depressionen ist vom Fasten allgemein abzuraten. Eine konstante, ausgewogene Nahrungsaufnahme ist absolut notwendig.
Das Intervallfasten als eine Form des Kurzzeitfastens birgt normalerweise keine großen Gefahren, da der Körper trotzdem ausreichend mit Nährstoffen versorgt wird. Dennoch sollte in Bezug auf Migräne folgendes beachtet werden:
Gerade zu Beginn des Fastens, wenn der Körper sich noch umstellen muss, kommt es häufig zu Müdigkeitserscheinungen, Abgeschlagenheit oder auch „gewöhnlichen“ Kopfschmerzen. Dies hängt auch damit zusammen, dass in den „Hungerphasen“ der Körper nicht optimal versorgt wirkt und beispielsweise der Blutzucker stark sinkt – etwas, was man bei Migräne grundsätzlich vermeiden sollte. Aus diesem Grund ist auch das Frühstück besonders wichtig für Migränepatienten, damit die verbrauchten Energiereserven nach der Nacht wieder aufgefüllt werden können. Um die Nerven nicht zu strapazieren und so eine mögliche Migräneattacke zu triggern ist eine ausreichende, konstante Versorgung mit Kohlenhydraten über den Tag notwendig.
Beim Intervallfasten allerdings wird eine Mahlzeit ausgelassen: Frühstück oder Abendessen. Da gerade das Frühstück und das Vermeiden von Hungerphasen für Migränepatienten eine wichtige Rolle spielt, sollte dieses also möglichst nicht ausgelassen werden. Die Schmerzklinik Kiel warnt sogar: „Fasten macht dick und Migräne“ – was eine absolut gegenläufige Ansicht ist zu den vielen positiven Auswirkungen, die häufig angeführt und teils auch belegt sind. Ob Intervallfasten nun eine sinnvolle Therapiemöglichkeit sein kann oder doch ein Risikofaktor ist, bleibt offen. Weitere Studien dazu sind nötig.
Abschließend sei allerdings gesagt, dass gerade Patienten mit einer starken oder sogar chronischen Migräne, wenn sie sich dazu entschließen eine Fastentherapie zu machen, diese nur unter ärztlicher Aufsicht und in stationärer Behandlung durchführen sollten.

5 Dinge, die Sie bei Intervallfasten und Migräne beachten sollten

  1. Auch wenn Intervallfasten überwiegend unbedenklich ist, sollten Sie als Migränepatient dies niemals ohne ärztliche Rücksprache und Begleitung durchführen.
  2. Das Frühstück ist für Migränepatienten essentiell – sollten Sie Intervallfasten in Erwägung ziehen, sollten Sie möglichst nicht das Frühstück ausfallen lassen.
  3. Vermeiden Sie lange Hungerphasen: Beim Intervallfasten haben Sie die Möglichkeit, das Intervall anzupassen und eine Dauer zu wählen, die nicht bedenklich ist.
  4. Intervallfasten, wie auch Heilfasten, ist ein ganzheitliches Konzept, das mit einer bewussten, ausgewogenen Ernährung einhergeht. Erst Hungern und dann Burger und Cola wird keinen nachhaltigen, gesundheitsfördernden Effekt haben und auch bei Migräne nicht helfen.
  5. Zu Beginn der Fastenphase schüttet der Körper vermehrt Stresshormone aus. In dieser Phase kann es zu Nebenwirkungen wie z.B. auch Kopfschmerzen und Migräne kommen. Um mit dem Fasten zu beginnen, sollten Sie also einen Zeitpunkt wählen, in dem Sie ich in einem gesunden, ausgeglichenen Zustand befinden und nicht während einer akuten Migräneattacke.

 

Gut zu wissen!
Auch Kinder können schon Migräneattacken erleiden. Zwischen dem 6. und dem 7. Lebensjahr entwickeln sich schon in der Einschulungsphase meist die typischen Schmerzsymptome. Allgemein lässt sich sagen, dass etwa 3 % der Kinder bereits in der ersten Klasse an Migräne leiden. In dieser Phase sind meist Jungen von Migräneanfällen betroffen. Während der Pubertät hingegen steigt der Anteil an Mädchen, die betroffen sind stark an (14 %), Jungen hingegen sind seltener betroffen (7 %).

Häufige Patientenfragen

Kann ich durch Intervallfasten einer Migräneattacke vorbeugen?

Dr. T. Weigl:
Es gibt Studien, die belegen, dass Fasten – allerdings eher in der Form von Heilfasten – Symptome lindern kann und Patienten sogar für einen langen Zeitraum beschwerdefrei blieben. Die Wirkung von Intervallfasten ist noch nicht hinreichend erforscht und belegt.

Muss ich Intervallfasten bei Migräne mit einem Arzt absprechen?

Dr. T. Weigl:
Ja, das sollten Sie in jedem Fall tun. Die ausgewogene und regelmäßige Ernährung ist einer der wichtigsten Pfeiler in der Migränetherapie. Ein unkontrolliertes Fasten und die Unterbrechung eines konstanten Essverhaltens können zu einem möglichen Trigger für eine Migräneattacke werden.

Kann es beim Intervallfasten mit Migräne zu Risiken und Nebenwirkungen kommen?

Dr. T. Weigl:
Grundsätzlich gilt Intervallfasten als eher ungefährlich, da der Zeitraum, in dem keine Nahrung aufgenommen wird, vergleichsweise kurz ist. Allerdings ist das Auslassen einer Mahlzeit, besonders das Auslassen des Frühstücks, ein häufiger Trigger bei Migräne. Fasten kann also, auch wenn es gelegentlich als Therapiemöglichkeit genutzt wird, das genaue Gegenteil bewirken und eine Migräneattacke auslösen.

Nach weiteren Recherchen und Rücksprache mit dem Hausarzt entscheidet sich Andreas letztlich gegen Intervallfasten. Ohne ärztliche Anleitung zu fasten traut er sich nicht zu. Außerdem erinnert ihn der Hausarzt daran, dass eine regelmäßige, über den Tag verteilte Ernährung ein wesentlicher Bestandteil in der Migränetherapie ist. Er rät Andreas eher zu einer Fastentherapie mit einem stationären Aufenthalt in einer Fastenklinik, wenn er ausprobieren möchte, ob es seine Beschwerden lindert. Fasten ohne ärztliche Begleitung empfiehlt er nicht.

Die hier beschriebenen Punkte (Krankheit, Beschwerden, Diagnostik, Therapie, Komplikationen etc.) erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Es wird genannt, was der Autor als wichtig und erwähnenswert erachtet. Ein Arztbesuch wird durch die hier genannten Informationen keinesfalls ersetzt.

Verwandte Themen

 
Haben auch Sie Erfahrungen mit Intervallfasten als Therapiemöglichkeit bei Migräne? Haben Sie Fragen zum Thema? Nutzen Sie unsere Kommentarfunktion unten für den Austausch untereinander und mit uns!
 
Autoren: Dr. Tobias Weigl, Katharina Mraz
Veröffentlicht: 07.05.2018, zuletzt aktualisiert: 18.09.2018
 
Die hier beschriebenen Punkte (Krankheit, Beschwerden, Diagnostik, Therapie, Komplikationen etc.) erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Es wird genannt, was der Autor als wichtig und erwähnenswert erachtet. Ein Arztbesuch wird durch die hier genannten Informationen keinesfalls ersetzt.

Quellen

  • Gunda Backes (2018): Heilfasten, Basenfasten, Intervallfasten – ein Überblick. In: Deutsche Gesellschaft für Ernährung e. V. (Hg.): DGEinfo 02/2018, S. 18–25.
    https://www.dge.de/fileadmin/public/doc/fm/dgeinfo/DGEinfo-02-2018-Fasten.pdf
  • Hartmut Göbler (2016): Erfolgreich gegen Kopfschmerzen und Migräne: Ursachen beseitigen, gezielt vorbeugen, Strategien zur Selbsthilfe. Springer Berlin Heidelberg.
  • Kuno Hottenrott & Laura Hottenrott (2017): Intermittierendes Fasten und Sport. In: Swiss Journal of Integrative Medicine 29, S. 265–268.
  • Andreas Michalsen u. a. (2013): Fasting Therapy – an Expert Panel Update of the 2002 Cinsensus Guidelines. Forschende Komplementärmedizin. Wisschenschaft – Praxis – Perspektiven 20, S. 434–443.
  • Schmerzklinik Kiel (Hg.) (2009): Die 10 wichtigsten Tipps gegen Migräne – und Kopfschmerzen.
  • Rainer Stange & Claus Leitzmann (Hg.) (2018): Ernährung und Fasten als Therapie. Berlin: Springer, 2018.
[Gesamt:1    Durchschnitt: 5/5]

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