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Kopfschmerztablette: Triptane gegen Migräne

Kopfschmerzen beziehungsweise Migräne spielen eine sehr wichtige Rolle – hierbei sind Triptane sehr wichtige und wirksame Medikamente bei Migräne.
— Dr. Tobias Weigl

Von Medizinern geprüft und nach besten wissenschaftlichen Standards verfasst

Dieser Text wurde gemäß medizinischer Fachliteratur, aktuellen Leitlinien und Studien erstellt und von einem Mediziner vor Veröffentlichung geprüft.

Quellen ansehen

Was sind Triptane?

Triptane sind spezielle Arzneistoffe, die meist bei mittelschwerer bis schwerer und längerdauernder Migräne eingesetzt werden. Sie sind „Aktivierer“ (sog. ‚Agonisten‘) von spezifischen Serotonin-Rezeptoren. Serotonin ist ein wichtiges „Glückshormon“, welches dafür zuständig ist, dass wir uns wohl fühlen und unsere Stimmung gut ist. Bei einem Migräneanfall ist der Serotonin-Haushalt jedoch nicht im Gleichgewicht und es folgen die typischen Anzeichen einer Migräneattacke. Der Grund für so eine Attacke ist meist eine erhöhte Aktivität von spezifischen Nervenzellen (sog. ‚Neuronen‘) durch eine Gefäßerweiterung (sog. ‚Vasodilatation‘) der Blutgefäße im Gehirn und mehrere Entzündungsreaktionen. Durch die Einnahme von Triptanen können die erweiterten Blutgefäße wieder verengt werden (sog. ‚Vasokonstriktion‘) und es kann weiterhin einer Entzündung gegengesteuert werden. Außerdem werden die meist sehr unangenehmen Begleitsymptome einer Migräne, wie Übelkeit, Erbrechen oder auch die Aura, durch das Einnehmen von Triptanen gelindert und das Allgemeinbefinden gefördert.
Hierbei gilt: Je früher mit der Einnahme von Triptanen begonnen wird, desto besser ist die Wirkung dieser.
Bereits in den 60er Jahren konnte beobachtet werden, dass die Gabe von Serotonin in die Vene (sog. ‚intravenös‘) den Migräneschmerz lindert. Schnell bemerkte man jedoch, dass dies mit einigen Nebenwirkungen in Verbindung gebracht werden kann und die Gabe von Serotonin nicht die beste Lösung zur Bekämpfung von Migräneattacken ohne beträchtliche Nebenwirkungen ist. Somit wurden Serotoninderivate, also Abkömmlinge des Serotonins, wie die Triptane hergestellt, die zwar auch blutgefäßverengend sind, also zu einer Linderung der Symptome führen, jedoch keine systemischen Nebenwirkungen besitzen. 1922 wurde dann schließlich das erste Triptan „Sumatriptan“ zur Behandlung von Migräne zugelassen.

Video: Triptane erklärt

Im folgenden Video geht Schmerztherapeut Dr. Tobias Weigl auf den Einsatz von Triptanen bei Migräne ein und erörtert Wirkungen sowie Nebenwirkungen.

 

Wussten Sie schon?

Wussten Sie schon, was man unter einer „Migräne ohne Aura“ und unter einer „Migräne mit Aura“ versteht?

Unter Migräne versteht man einen chronisch wiederkehrenden, meist halbseitig auftretenden Kopfschmerz. Die Häufigkeit des Auftretens sowie die Dauer und die Stärke können hierbei jedoch variieren. Die Migräne kann in zwei verschiedene Formen eingeteilt werden. Die erste Form ist hierbei die Migräne ohne Aura und die zweite die Migräne mit Aura.

  • Migräne ohne Aura (früher „einfache Migräne“)
    Diese Form der Migräne ist die häufigste Form der Migräne. Hierbei nimmt der Kopfschmerz immer langsam zu und hält dann schließlich 18 bis maximal 72 Stunden an. Des Weiteren kommt es währenddessen meist zu Übelkeit, Erbrechen, Lichtscheue und Geräuschempfindlichkeit. Körperliche Tätigkeit verstärkt indes den Schmerz.
  • Migräne mit Aura (früher „klassische Migräne“)
    Diese Form der Migräne ist im Gegensatz zur Migräne ohne Aura die seltenere Form. Bevor der typische Kopfschmerz beginnt, kommt es meist zu 5–20-minütigen neurologischen Ausfallserscheinungen, die selten sogar 60 Minuten andauern und die sich in einer unangenehmen und schmerzhaften Körperempfindung (sog. ‚Parästhesie‘), Sprachstörungen und Augensymptomen bemerkbar machen. Diese Augensymptome machen sich wiederrum bemerkbar durch Flimmern, Funkensehen oder auch auftretende Sehschwäche. Außerdem treten auch Symptome wie Erbrechen oder Übelkeit ein, die ebenso bei einer Migräne ohne Aura auftreten.

 

Wussten Sie, dass die Lust auf Schokolade beziehungsweise auf etwas Süßes einen bevorstehenden Migräneanfall ankündigen kann?

Im Gegensatz zu anderen Lebensmitteln oder Einflüssen wie Rotwein, hormonellen Veränderungen bei Frauen, Rauchen, Stress, muskulären Verspannungen, depressiver Verstimmung oder Wetterumschwung, welche Auslöser (sog. ‚Trigger‘) für einen Migräneanfall sein können, ist die Lust Schokolade teilweise ein Hinweis auf einen bevorstehenden Anfall.

Wussten Sie schon, dass durch die Migräne in Europa Kosten von bis zu 173 Milliarden Euro entstehen?

Viele Menschen, die an Migräne leiden, können durch die Attacken, die Schmerzen und durch die begleitenden Effekte wie die Aura, das Erbrechen oder die Übelkeit nicht zur Arbeit gehen. Die Hälfte der Frauen mit Migräne und ungefähr 40 Prozent der Männer mit Migräne verlieren pro Jahr ungefähr 6 oder teilweise mehr Arbeitstage. Der Grund für diesen Verlust ist die immer wieder auftretende Migräne. Durch das Fehlen der Arbeitskräfte und den damit zusammenhängenden Produktivitätsverlust während der Arbeit kommt es jährlich zu Milliardenverlusten.

Wirkungsweise

Im Folgenden werden vereinfacht einige Wirkungen und Nebenwirkungen von Triptanen zusammengefasst.

Wirkungen

  • Gefäßverengung (sog. ‚Vasokonstriktion‘)
  • Hemmung der von den Nerven ausgehenden (sog. ‚neurogenen‘) Entzündung
  • Abschwächung der Schmerzwahrnehmung (sog. ‚Nozizeption‘)
  • Linderung der vegetativen Begleitsymptome wie Erbrechen oder Übelkeit

Nebenwirkungen

  • Müdigkeit
  • Schwindel
  • Blutdruckanstieg
  • Engegefühl in der Brust
  • Triptan-induzierte Kopfschmerzen
  • Missempfindungen, Kribbeln, Wärme- oder Hitzegefühl
  • Leichte Übelkeit, selten bis zum Erbrechen

Für weitere mögliche Wirkungen und Nebenwirkungen lesen Sie sich am besten die Packungsbeilage des jeweiligen Triptans durch oder fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker.

Einsatzgebiete

Triptane werden bei mittelschwerer bis schwerer und längerdauernder Migräne eingesetzt. Sie finden Anwendung bei Migräneanfällen mit und ohne Aura. Außerdem können Triptane auch bei Cluster-Kopfschmerzen eingesetzt werden. Die Schmerzen des Cluster-Kopfschmerzes sind meist einseitig und fühlen sich so an als befänden sie sich „hinter dem Auge“. Es treten Kopfschmerzattacken in zeitlicher Häufung (cluster) von ungefähr zwei Wochen bis drei Monaten auf, wobei nächtliche Attacken am häufigsten eintreten. Ganz wichtig ist jedoch, dass Triptane nicht bei Spannungskopfschmerzen eingesetzt werden können, da sie in diesem Fall nicht wirken und den Schmerz nicht lindern können.

Kontraindikationen
Triptane sind kontraindiziert bei Patienten mit kardiovaskulären Erkrankungen, also bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie bspw. Koronarer Herzkrankheit (KHK) oder Morbus Raynaud. Bei einem überstandenen Herzinfarkt, Schlaganfall oder Verschluss der Beinarterien besteht ebenso eine Kontraindikation. Auch sollten Triptane nicht eingenommen werden, wenn eine schwere Leber- oder Niereninsuffizienz, Bluthochdruck oder eine Schwangerschaft bestehen, man sich in der Stillzeit befindet oder unter 12 Jahre alt ist. Triptane sollten außerdem laut Hersteller-Angaben nur bis zu einem Alter von 65 Jahren eingenommen werden.

 

Dosierung & Anwendung

Es gibt verschiedene Sorten beziehungsweise Arten von Triptanen, die sich in ihren Eigenschaften unterscheiden. So hat z. B. Zolmitriptan eine höhere Bioverfügbarkeit (40 %) als Sumatriptan (14 %) und kann daher schneller vom Körper aufgenommen werden. Aber die Triptane unterscheiden sich auch hinsichtlich der verschiedenen Darreichungsformen. Sie können als Tablette, Schmelztablette, Suppositorien, Nasenspray und Injektion eingenommen werden. Die verschiedenen Arten der Triptane unterscheiden sich hinsichtlich ihrer Geschwindigkeit des Wirkeintritts, der Wirkdauer, der Applikationsdauer sowie der Verträglichkeit. Beispielsweise ist bei langandauernden Migräneanfällen eine lange Wirkdauer und bei kurzandauernden Migräneanfällen ein schneller Wirkeintritt wichtig.
Es ist sehr wichtig, Triptane nicht während einer Aura einzunehmen, da dies nicht mehr zur Linderung der Kopfschmerzen führt. Es kann sogar zu einer Verschlimmerung der Kopfschmerzen kommen, wenn man Triptane während einer Auraphase einnimmt. Aus diesem Grund sollten Triptane erst nach Ende der Aura eingenommen werden. Es darf frühestens nach zwei Stunden die nächste Tablette eingenommen werden und insgesamt nicht mehr als drei Tabletten pro Tag. Dabei muss darauf geachtet werden, dass man nicht an mehr als 10 Tagen pro Monat Triptane nimmt. So kommt man auf eine Maximaldosis von höchstens 30 Tabletten pro Monat.
Außerdem haben die Triptane eine relativ kurze Halbwertszeit, sie werden schnell verstoffwechselt und ausgeschieden, ungefähr über einen Zeitraum von zwei bis fünf Stunden. Diese kurze Halbwertszeit ist auch der Grund dafür, dass in ungefähr 20–40 Prozent der Fälle die Migräne wieder auftritt. In einem solchen Fall kann jedoch eine zweite Tablette eingenommen werden und wie bei der ersten Einnahme die Schmerzen lindern.
In der folgenden Tabelle finden sich einige bekannte Triptane und deren Handelsnamen zusammengefasst:

Wirkstoff

Handelsnamen (Beispiele)
Almotriptan
Almogran®
Eletriptan
Relpax®
Frovatriptan
Allegro®
Naratriptan
Naramig®, Formigran®
Rizatriptan
Maxalt®
Sumatriptan
Imigran®
ZolmitriptanAsco Top®

Was sind die Gefahren einer dauerhaften Einnahme?

Bei einer dauerhaften beziehungsweise zu häufigen Einnahme von Triptanen kann es zu einer Zunahme der Migräne-Attackenfrequenz kommen. Dies kann wiederrum zu Medikamenten-induzierten Kopfschmerzen führen. Wie schon unter der Rubrik „Anwendung & Dosierung“ beschrieben, sollte man höchstens 10 Tage pro Monat auf Triptane zurückgreifen. Da die Maximaldosis pro Tag drei Tabletten sind, macht dies insgesamt 30 Tabletten pro Monat. Wird diese Maximaldosis überschritten, kann dies zu den eben genannten Kopfschmerzen führen und somit kontraproduktiv sein.

Zunehmend gibt es auch einen Kopfschmerzmittel-Missbrauch unter Kindern und Jugendlichen. Darauf geht Dr. T. Weigl in diesem Video ein.

 

Verwandte Substanzen – Ergotaminderivate (Mutterkornalkaloide)

Eine Alternative zu den Triptanen sind die Ergotaminderivate wie Ergo-Kranit® oder Dihytamin®. Diese können auch bei schweren Migräneanfällen eingesetzt werden. Ergotaminderivate ähneln den Triptanen in der Hinsicht, dass sie auch an spezifische Serotonin-Rezeptoren binden. Dies führt wie bei der Einnahme von Triptanen zu einer Gefäßverengung (sog. ‚Vasokonstriktion‘) und daraufhin zur Hemmung der Entstehung einer Entzündung. Ein wichtiger Unterschied ist hierbei, dass sie jedoch an eine Reihe von weiteren Rezeptoren andocken, die nicht für die Migränetherapie relevant sind. Aus diesem Grund treten meist noch zusätzliche Nebenwirkungen auf, welche bei der Einnahme von Triptanen nicht vorkommen.

Leiden Sie unter Migräne? Welche Triptane helfen Ihnen am besten? (Mehrfachnennungen möglich)

Exkurs aus der Natur – Pestwurz und Pfefferminzöl

  • Die im Frühjahr blühende Pestwurz hat zahlreiche Wirkungen, die seit mehreren Jahrhunderten geschätzt werden. Früher wurde sie gegen Geschwüre oder die Pest eingesetzt, heutzutage ist sie als schleimlösend, entkrampfend oder auch als schmerzlindernd bekannt. Ein weiterer hier relevanter Einsatz ist der Einsatz bei Migräneprophylaxe. Sie wird also bei einer Vorbeugung von Migräneanfällen eingesetzt, ist gut wirksam und hat kaum Nebenwirkungen. Hierbei wird die Pestwurz jedoch zu einem speziellen Extrakt verarbeitet, damit spezielle Inhaltsstoffe (Pyrrolizidinalkaloide) der Pestwurz, die potentiell giftig sind, entfernt werden. Aus diesem Grund darf die Pestwurz auch nicht selbst gesammelt, sondern nur als pflanzliches Präparat gekauft und eingesetzt werden.
  • Pfefferminzöl hat zahlreiche Wirkungen, die in verschiedenen Situationen hilfreich sein können. Zum einen wirkt es bei bspw. Bauchschmerzen entkrampfend. Auch hat es eine desinfizierende und erfrischende Wirkung. Bei einem Migräneanfall kann Pfefferminzöl verwendet werden, indem es auf Schläfen und Stirn aufgetragen wird. Es wirkt entspannend auf Gefäße sowieso Muskeln und lindert so den Kopfschmerz. Außerdem wirkt es kühlend auf der Haut.

 

Häufig gestellte Fragen

Helfen Triptane auch bei Spannungskopfschmerzen?

Dr. T. Weigl
Nein, Triptane helfen nicht bei Spannungskopfschmerzen, da sie in diesem Fall nicht wirken. Triptane sind nur Migräne-Therapeutika, da sie, wie schon unter der Rubrik „Was sind Triptane“ von mir beschrieben, spezifische Serotonin-Rezeptoren stimulieren. Diese Wirkungsweise hilft nicht bei akuten Spannungskopfschmerzen. Hierbei werden Cox-Inhibitoren wie die Schmerzmittel ASS, Ibuprofen, Diclofenac oder Naproxen empfohlen, die auch bei Migräneanfällen eingesetzt werden. Es ist jedoch zu beachten, dass es immer auf den Patienten ankommt und wie er auf das Medikament anspricht. Manche vertragen die Cox-Inhibitoren besser, manche die Triptane. Außerdem kann es sein, dass bei einem Patientenkollektiv die Triptane besser wirken, bei dem anderen jedoch die Cox-Inhibitoren. Somit können Triptane nicht bei Spannungskopfschmerzen helfen, Cox-Inhibitoren jedoch bei Migräneanfällen.

 

Sind Triptane verschreibungspflichtig?

Dr. T. Weigl
Ja, fast alle Triptane sind verschreibungspflichtig. Ausgenommen von der Verschreibungspflicht sind Naratriptan (Naramig®, Formigran®) und Almotriptan (Almogran®) in gewissen Einheiten und Packungsgrößen. Hier handelt es sich bei Naratriptan um Einheiten, die 2 Tabletten zu je 2,5 mg enthalten und bei Almotriptan um eine Einzeldosis von 12,5 mg bei einer Packungsgröße von 25 mg.

 

Helfen Triptane jedem Patienten mit Migräne?

Dr. T. Weigl
10–30 Prozent der Migränepatienten sind sog. Non-Responder, was bedeutet, dass die Triptane bei diesen Patienten nicht wirken. Bei ihnen spricht das erste Triptan nicht an und es kommt zu keiner beziehungsweise zu kaum einer Linderung der Schmerzen. 50 Prozent dieser Non-Responder sprechen dann jedoch auf ein zweites Triptan an. Somit kann es bei der Auswahl der Triptane zu einem möglichen Wechsel innerhalb der Triptane kommen, sobald man bemerkt, dass ein anderes Präparat oder eine andere Darreichungsform besser wirken. Somit ist der Einsatz der verschiedenen Triptane individuell an den Patienten angepasst.
Bei Non-Respondern lohnt sich außerdem immer ein Wechsel zwischen Triptanen und Cox-Inhibitoren wie Naproxen.

Haben Sie Erfahrungen mit Triptanen gemacht? Möchten Sie sich bei uns über die einzelnen Präparate erkundigen? Nutzen Sie unsere Kommentarfunktion unten, um von Ihren Erfahrungen zu berichten und sich mit anderen auszutauschen!

Autoren: Mona Alinezhad und Dr. Tobias Weigl
Lektorat: Tobias Möller
Die hier beschriebenen Punkte (Krankheit, Beschwerden, Diagnostik, Therapie, Komplikationen etc.) erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Es wird genannt, was der Autor als wichtig und erwähnenswert erachtet. Ein Arztbesuch wird durch die hier genannten Informationen keinesfalls ersetzt.

Quellen

Hilft eigentlich Intervallfasten bei Migräne? In diesem Video geht Dr. T. Weigl darauf ein. Auch sehr interessant.

 

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