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Naratriptan gegen Migräne | Die Medikamente Formigran, Naramig und weitere

Kehrt der Migränekopfschmerz wieder, können eine bis höchstens zwei weitere Triptane-Tabletten eingenommen werden. Sollten dennoch Schmerzen wiederkehren, sollte sich für ein neues Therapiekonzept entschieden werden. Meistens empfiehlt sich dann die Gabe eines langwirkenden Triptans wie Naratriptan.

— Dr. Tobias Weigl

Von Medizinern geprüft und nach besten wissenschaftlichen Standards verfasst

Dieser Text wurde gemäß medizinischer Fachliteratur, aktuellen Leitlinien und Studien erstellt und von einem Mediziner vor Veröffentlichung geprüft.

Quellen ansehen

Was ist Naratriptan?

Naratriptan ist eines der verschiedenen, bei mittelschwerer bis schwerer und vor allem länger andauernder Migräne eingesetzten Triptane. Besser bekannt ist es unter den beiden Handelsnamen Formigran® und Naramig®. Die Funktionsweise der Triptane basiert auf einem ursprünglich unausgeglichenen Haushalt unseres Glückshormons, dem Serotonin, welches zu einer Gefäßerweiterung (sog. ‚Vasodilatation‘) der Blutgefäße im Gehirn führt. Diese Gefäßerweiterung führt zu den besagten Migräneattacken beziehungsweise Kopfschmerzen und daraufhin auch zu den berühmten Nebeneffekten wie Übelkeit und Erbrechen.

Die Triptane greifen insoweit in diesen Prozess ein, als dass sie der Gefäßerweiterung entgegenwirken und für eine Gefäßverengung (sog. ‚Vasokonstriktion‘) sorgen. Allgemein kann jedoch gesagt werden, dass die Wirkung von Triptanen besser ist, je früher mit der Einnahme begonnen wird.

1922 kam das erste Triptan mit dem Namen Sumatriptan auf den Markt. Darauf folgten nach und nach die anderen Triptane wie das hier beschriebene Naratriptan. Zwar haben alle Triptane denselben Wirkungsmechanismus. Aber sie unterscheiden sich in einzelnen Punkten, auf die jedes Individuum verschieden anspricht. Hierzu gehören die Wirkungsdauer, die Stärke der Wirkung, aber bspw. auch die Wahrscheinlichkeit eines Wiederauftretens von Schmerzen.

Video: Alles Wichtige über Triptane

In diesem Beitrag geht Dr. Tobias Weigl auf verschiedene Triptane ein. Dabei erläutert er deren Anwendung in Zusammenhang mit Migräne. Ist ihre Einnahme gefährlich?

 

Exkurs: Kinder und Migräne

Wussten Sie schon, dass viele Kinder von Migräne betroffen sind, dies aber viel zu spät diagnostiziert wird?

Ein Grund für die späte Diagnose besteht darin, dass bei Kindern eine Migräne einfach schwerer festzustellen ist. Eine Migräne kann sich bei jungen Menschen nämlich in vielen verschiedenen Formen bemerkbar machen. Viele Eltern, Lehrer und auch Ärzte hegen lange Zeit keinen Verdacht auf Migräne, da manche Verhaltensweisen oder Beschwerden nicht typisch sind für eine Erwachsenen-Migräne.

So kann es sein, dass die einen Kinder über Bauchweh klagen, andere lediglich Kopfschmerzen haben und wieder andere während einer Migräneattacke einschlafen. Somit ist es für die Eltern oder Ärzte nicht leicht, die Migräne zu diagnostizieren. Im Schnitt dauert es ganze vier Jahre, eine angemessene Therapie für diese Kinder zu finden. Dies kann jedoch zu Problemen in der Schule führen, etwa wenn sich durch die Fehltage häufen.

Insgesamt dauern Migränekopfschmerzen bei Kindern nicht so lange an wie bei Erwachsenen. Allerdings sind Kinder mit Migräne geruchsempfindlicher und klagen öfter über Bauchschmerzen, Erbrechen und Übelkeit.

Wirkungsweise

Im Folgenden werden vereinfacht einige Wirkungen und Nebenwirkungen von Triptanen, inklusive Naratriptan, zusammengefasst.
Wirkungen

  • Gefäßverengend
  • Hemmt neurogene, also von den Nerven ausgehende Entzündungen
  • Schwächt die Schmerzwahrnehmung
  • Lindert die vegetativen Begleitsymptome wie Erbrechen oder Übelkeit

Nebenwirkungen

  • Müdigkeit
  • Schwindel
  • Blutdruckanstieg
  • Engegefühl in der Brust
  • Kopfschmerzen
  • Missempfindungen, Kribbeln, Wärme- oder Hitzegefühl
  • Leichte Übelkeit, selten bis zum Erbrechen

Weitere mögliche Wirkungen und Nebenwirkungen finden Sie in der Packungsbeilage des Medikaments. Dort steht zum Beispiel auch, wie häufig die jeweiligen Nebenwirkungen auftreten. Auch Ihr Arzt oder Apotheker kann Ihnen weiterhelfen.

Einsatzgebiete und Besonderheiten des Triptans

Allgemein werden Triptane bei mittelschwerer bis schwerer und längerdauernder Migräne mit oder ohne Aura eingesetzt. Falls sie weiteres über Triptane wissen möchten, z. B. über ihren Einsatz bei Cluster-Kopfschmerzen, empfehlen wir unseren Artikel über Triptane im Allgemeinen.

Vergleicht man Naratriptan mit anderen Triptanen, kann man eine gute Zentralnervensystemgängigkeit feststellen. Dies bedeutet, dass Naratriptan leichter als beispielsweise Sumatriptan durch die Blut-Hirn-Schranke gelangt und so leichter bzw. eher seine Wirkung entfalten kann.

Bei Naratriptan handelt es sich um das Triptan, das die höchste Bioverfügbarkeit besitzt (60–70 %). Das bedeutet, dass es besonders schnell vom Körper bzw. vom systemischen Kreislauf aufgenommen (‚resorbiert‘) wird und somit am Wirkort am schnellsten zur Verfügung steht. Dementsprechend ist seine Halbwertszeit – also die Zeit, die nötig ist, damit der Wirkstoff abgebaut wird – auch hoch, nämlich 6 Stunden.

Naratriptan ist eines der Triptane, bei dem die Schmerzen nur selten wiederkehren. Nicht nur in diesem wichtigen Punkt hat es sich bewährt, sondern auch bei den geringen Nebenwirkungen. Aus diesem Grund wird Naratriptan vor allem bei Patienten eingesetzt, die empfindlich für Nebenwirkungen sind.

Aus diesem Grund empfiehlt sich Naratriptan besonders für den Einsatz bei jungen Patienten und solchen, die das erste Mal Triptane einnehmen.

Weiteres zum Wirkstoff entnehmen Sie der Tabelle unten.

Kontraindikationen: Wann sollte man Triptane nicht einnehmen?

Triptane sollten nicht bei bestehender schwerer Leber- oder Niereninsuffizienz sowie bei Koronarspasmen oder bei symptomatischer ischämischer Herzkrankheit eingenommen werden. Auch sind sie kontraindiziert bei überstandenem Herzinfarkt, Schlaganfall, Verschluss der Beinarterien und Bluthochdruck. Des Weiteren sollten Triptane nicht während der Schwangerschaft, der Stillzeit, ab einem Alter von 65 Jahren oder bei Kindern unter 12 Jahren eingesetzt werden.

Im Folgenden werden die hier erwähnten Besonderheiten des Naratriptans in einer Tabelle zusammengefasst und mit den anderen Triptanen verglichen:

TriptanartZNS-GängigkeitOrale Bioverfügbarkeit (in %)Halbwertszeit (in h)Ansprechquote (in %)Wiederauftreten von Schmerzen (in %)
Sumatriptan
(Imigran®)
(+)14250–70 oral
80 s.c.
30–40 oral
50 s.c.
Zolmitriptan
(AscoTop®)
+40~360–8030 oral
Naratriptan
(FORMIGRAN®,
Naramig®)
++60–70660–6827
Rizatriptan
(MAXALT®)
+40–452–362–7130–35
Eletriptan
(Relpax®)
+++~504–564 (40 mg)21 (80 mg)
Almotriptan
(Almogran®)
+++~703–457–70~25
Frovatriptan
(Allegro®)
+20–30~2537–4620

Anwendung & Dosierung

Naratriptan gibt es als Tablette mit einer Dosis von 2,5 mg. Neben den üblichen 2,5 mg kann Naratriptan auch als Tablette mit 5 mg eingesetzt werden. Diese kann vor allem dann Anwendung finden, wenn die normale Tablette nicht genug wirkt und Sie somit noch Beschwerden haben.

Wie bei allen Triptanen sollte auch Naratriptan recht früh beziehungsweise direkt nach Eintreten der Migräne eingenommen werden.

Des Weiteren kann, wie bei den meisten anderen Triptanen auch, nach der Einnahme von Triptanen bei einem Wiedereintritt von Kopfschmerzen nach frühestens zwei Stunden eine zweite Tablette eingenommen werden. Allgemein sollte jedoch bei jeder Einnahme darauf geachtet werden, dass die Tablette auf keinen Fall während einer Aura eingenommen wird. Dies könnte die Kopfschmerzen nämlich sogar verstärken.

Exkurs: Ernährung bei Migräne

In diesem Beitrag geht Schmerztherapeut Dr. Tobias Weigl auf ernährungswissenschaftliche Erkenntnisse bei der Behandlung von Migräne ein.

Haben sie aufgrund von Migräne Naratriptan eingenommen? Welche Nebenwirkungen traten bei ihnen ein? (Mehrfachnennungen möglich)
Abstimmen

Gefahren einer dauerhaften Einnahme

Generell besteht eine Faustregel für die Häufigkeit der Einnahme von Triptanen. Es gilt, dass Triptane höchstens zwei- bis dreimal an einem Tag eingenommen werden dürfen und höchstens 10 Tage im Monat. Somit ergibt sich eine Höchstdosis von 30 Tabletten pro Monat. Sollte diese Faustregel nicht eingehalten werden, es also zu einer dauerhaften Einnahme kommen, besteht die Gefahr einer „Überdosierung“. In so einem Fall kann es zu einem gegenteiligen Effekt der sonst gewünschten Linderung der Kopfschmerzen kommen, nämlich zu Medikamenten-induzierten Kopfschmerzen. Überdies kann sich die Attackenfrequenz erhöhen. Das heißt die Migräneattacken können öfter auftreten.

Verwandte Substanzen

Die folgende Auflistung beinhaltet alle weiteren Triptane. Die Triptane ähneln sich zwar grundlegend, unterscheiden sich aber in einzelnen, wichtigen Punkten, die auch unter dem Punkt „Einsatzgebiete und Besonderheiten des Triptans“ in einer Tabelle aufgeführt sind.

  • Zolmitriptan (AscoTop®)
  • Sumatriptan (Imigran®)
  • Rizatriptan (MAXALT®)
  • Eletriptan (Relpax®)
  • Almotriptan (Almogran®)
  • Frovatriptan (Allegro®)

Häufig gestellte Fragen

Ist Naratriptan wie die meisten Triptane rezeptflichtig?

Dr. T. Weigl:
Nein, seit dem 1. April 2016 ist Naratriptan, bekannt als Formigran®, als erstes Triptan rezeptfrei in der Apotheke erhältlich. Dabei enthält eine Packung Formigran® zwei Filmtabletten mit je 2,5 mg Naratriptan. Naratriptan wurde als rezeptfrei zugelassen, da es im Vergleich zu den anderen Triptanen weniger und weniger häufig Nebenwirkungen mit sich bringt und somit ein guter Kompromiss zwischen Wirkung und Verträglichkeit besteht.

Was unterscheidet Naratriptan von anderen Triptanen?

Dr. T. Weigl:
Der Wirkmechanismus aller Triptane ist gleich. Allerdings reagiert jeder Mensch unterschiedlich auf die einzelnen Wirkstoffe. Generell gilt Naratriptan aber als verträglicher und ärmer an Nebenwirkungen als ähnliche Wirkstoffe. Tendenziell wirkt es auch schneller.

Gibt es Alternativen, Migräne nicht-medikamentös vorzubeugen?

Dr. T. Weigl:
Viele verschiedene Faktoren wie Stress, Anspannung oder auch bestimmte Schlafgewohnheiten können dazu beitragen, dass Migräne ausgelöst oder aber auch verstärkt wird. Aus diesem Grund können verschiedene Entspannungsverfahren durchgeführt werden, um den Migräneattacken vorzubeugen. Auch kann man sich einzelne Pausen in den Alltag einbauen, um dem Stress ein wenig entgegenzuwirken, und sich bestimmte Schlafgewohnheiten abgewöhnen. Dazu gehört vor allem der Schlafmangel, aber auch das richtige Verhalten vor dem Zu-Bett-Gehen. Sie sollten bspw. vor Ihrem wohlverdienten Schlaf auf laute Musik oder Fernsehen verzichten.

Als Entspannungstherapien eignen sich bspw. autogenes Training, eine Biofeedback-Therapie sowie eine progressive Muskelrelaxation.

Verwandte Themen

Haben Sie Erfahrungen mit Naratriptan gemacht? Möchten Sie sich bei uns über den Wirkstoff erkundigen? Nutzen Sie unsere Kommentarfunktion unten, um von Ihren Erfahrungen zu berichten und sich mit anderen auszutauschen!

 

Autoren: Mona Alinezhad und Dr. Tobias Weigl
Redaktion: Tobias Möller, Marek Firlej
Veröffentlicht am: 07.05.2018, zuletzt aktualisiert: 12.10.2018

Die hier beschriebenen Punkte (Krankheit, Beschwerden, Diagnostik, Therapie, Komplikationen etc.) erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Es wird genannt, was der Autor als wichtig und erwähnenswert erachtet. Ein Arztbesuch wird durch die hier genannten Informationen keinesfalls ersetzt.

Quellen

  • Ernst Mutschler (2006): Arzneimittelwirkungen. Lehrbuch der Pharmakologie und Toxikologie. Wissenschaftliche Verlags-Gesellschaft, Stuttgart.
  • Thomas Herdegen (2013): Kurzlehrbuch Pharmakologie und Toxikologie. Georg Thieme Verlag, Stuttgart.
  • Heinz Lüllmann u. a. (2016): Pharmakologie und Toxikologie: Arzneimittelwirkungen verstehen. Medikamente gezielt einsetzen. Georg Thieme Verlag, Stuttgart.
  • Michael J. Marmura, Stephen D. Silberstein, Todd J. Schwedt (2015): American Headache Society Evidence Assessment: The Acute Treatment of Migraine in Adults: The American Headache Society Evidence Assessment of Migraine Pharmacotherapies. In: Headache. The Journal of Head an Face Pain 55 (1).
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