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Burnout – Definition, Ursachen, Symptome & Therapie

„Psychische Erkrankungen sind die drittwichtigste Ursache für Arbeitsunfähigkeit in Deutschland.“
— Dr. Tobias Weigl


Von Medizinern geprüft und nach besten wissenschaftlichen Standards verfasst

Dieser Text wurde gemäß medizinischer Fachliteratur, aktuellen Leitlinien und Studien erstellt und von einem Mediziner vor Veröffentlichung geprüft.

Quellen ansehen

Lediglich Erkrankungen des Muskel-Skelett-Systems und Atemwegserkrankungen hielten Berufstätige in den vergangenen sechs Jahren noch häufiger von der Arbeit ab als psychische Erkrankungen. Gegenüber körperlichen Krankheiten zeichnen sich psychische dadurch aus, dass ihre Symptome sich auf Emotionen, Verhaltensweisen und Beziehungen zu anderen Menschen erstrecken. Burnout gilt als die am häufigsten auftretende psychische Erkrankung der vergangenen Jahre und ist in vielen Fällen auf übermäßigen Stress im Berufs- und Privatleben zurückzuführen. Diese Erkrankung lässt sich aber genauso wie andere psychische Beeinträchtigungen nicht generalisieren, denn die Ursachen sind in der Regel so individuell wie die betroffenen Personen.

Der Umgang mit Burnout ist leichter geworden, seit psychische Erkrankungen als „echte“ Krankheiten akzeptiert werden. Trotzdem ist es für die Betroffenen nicht leicht, über ihre Symptome und die Ursachen zu sprechen. Eine Behandlung bzw. Therapie wird oft erst dann in Betracht gezogen, wenn die psychische Disposition auch den körperlichen Zusammenbruch fordert. Wird Burnout aber schon in einem frühen Stadium als solcher erkannt, kann eine geeignete Therapie in Verbindung mit beruflicher und/oder privater Veränderung den endgültigen Zusammenbruch verhindern.

Schon länger hat Mirko das Gefühl, dass etwas mit seiner Partnerin nicht stimmt: Tina, die als Krankenschwester im örtlichen Krankenhaus arbeitet, ist ständig müde. Darüber hinaus klagt sie über die fordernden Schichten in der Klinik. Ihre Station ist unterbesetzt und sie ist deswegen ziemlich gestresst. Langsam macht sich Mirko Sorgen, ob sich das nicht langsam auf Tinas Psyche niederschlägt. Einmal darauf angesprochen, verwirft sie dies jedoch … Mirko ist allerdings nicht überzeugt und beginnt zu recherchieren.

 

Allgemeine Informationen: Burnout

Der Begriff Burnout kommt vom englischen Verb „to burn out“ und bedeutet „ausbrennen“ – damit beschrieben wird eine psychische Beeinträchtigung, die einen geistigen, emotionalen und körperlichen Erschöpfungszustand beschreibt, der aus einer monate- oder sogar jahrelangen Überarbeitung entsteht. Die Symptome für Burnout kündigen sich in vielen Fällen bereits lange vor dem endgültigen „Ausbrennen“ an, werden aber häufig verkannt oder ignoriert. Die moderne Leistungsgesellschaft verlangt schließlich, dass wir hohen Anforderungen im Beruf und Privatleben gerecht werden und auch bei Überforderung und Stress unsere Belastbarkeit unter Beweis stellen. Dass dieses Prinzip für viele Menschen nicht aufgeht, beweisen die hohen Zahlen der Betroffenen.

Unter dem Burnout-Syndrom leiden aber entgegen häufiger Annahmen nicht nur Top-Manager, Unternehmer und Ärzte, auch Studenten, Hausfrauen oder Arbeitslose können betroffen sein. Der Grund für Burnout liegt nicht allein in den beruflichen Aufgaben und der Anzahl der wöchentlichen Arbeitsstunden, vielmehr ist es ein komplexes Zusammenspiel aus individuellen Voraussetzungen und den Bedingungen des Arbeits- oder Privatlebens: Führen diese zu anhaltendem Stress und Überforderung, folgt schließlich die vollständige geistige und körperliche Erschöpfung.

Der Grund, warum das Burnout-Syndrom häufig erst viel zu spät erkannt wird, liegt in seiner schleichenden Entwicklung, die sich über Monate, manchmal sogar Jahre hinziehen kann. Erschöpfungssymptome werden lange Zeit heruntergespielt, weil sie zum Alltagsleben „dazugehören“. Problematisch wird es dann, wenn in allem beruflichen und privaten Stress die eigenen Bedürfnisse zu kurz kommen – und nicht zuletzt sorgt die auf Leistung gepolte Gesellschaft dafür, dass mit dem Eingeständnis einer Burnout-Erkrankung die Angst einhergeht, im Anschluss an die Therapie nicht mehr in den Beruf zurückkehren zu können.

Ursachen

Weil die konkreten Auslöser für Burnout höchst individuell sind, lassen sie sich häufig erst während der Therapie identifizieren. Im Allgemeinen gilt jedoch chronischer, d.h. langanhaltender Stress ohne die Aussicht auf Entspannung als Ursache für die psychische Erkrankung. Dabei bedingen sich sowohl äußere als auch innere stressauslösende Faktoren gegenseitig und treten in eine Wechselwirkung. Treffen mehrere dieser inneren und äußeren Faktoren zusammen und bleibt die Situation über einen langen Zeitraum unverändert bestehen, kommt es zu einer spiralförmigen Entwicklung aus Überlastung und (häufig selbstgesteuerter) Überforderung, die letztlich zum Burnout führt.

Äußere Ursachen für Stress (personenexterne Belastungsfaktoren)

im beruflichen Kontext:

  • hohe Verantwortung bei mangelnden Ressourcen
  • große Arbeitsmenge in Verbindung mit Termindruck
  • Wettbewerb & Konkurrenzdenken innerhalb des Unternehmens
  • fehlendes Feedback & schlechte Entlohnung
  • mangelnde Kommunikation & soziale Interaktion mit Kollegen & Vorgesetzten
  • Angst vor Verlust des Arbeitsplatzes

im privaten Umfeld:

  • Stress mit dem Partner und/oder den Kindern

Innere Ursachen für Stress (personeninterne Belastungsfaktoren)

  • hoher Leistungsanspruch an die eigene Person
  • Angst vor Versagen
  • Idealismus & Hang zu Perfektion
  • großer Ehrgeiz & Wunsch sich zu beweisen (in Verbindung mit dem Wunsch nach Anerkennung für Leistungen)
  • Unfähigkeit, Nein zu sagen
  • unrealistische berufsbezogene Erwartungen
  • mangelnde Distanzierungsfähigkeit von der Arbeit
  • dauerhaftes Zurückstellen der persönlichen Bedürfnisse
  • Verleugnung von körperlichen Warnsignalen (z.B. Erschöpfung, anhaltende Müdigkeit)
Gut zu wissen!
Das psychische Erkrankungen, hervorgerufen durch Überbelastungen, immer mehr Menschen betreffen, bestätigen aktuelle Zahlen. Die Zahl der Fehltage auf der Arbeit ist innerhalb von fünf Jahren von 19,97 Mio. im Jahr 2012 auf 30,53 Mio. gestiegen. Noch gibt es keine Zahlen von 2017, doch der Anstieg zeigt deutlich, wie viele Arbeitnehmer an die ihre psychischen und körperlichen Grenzen kommen.
Daneben zeigt eine aktuelle Umfrage von pronova BKK, dass sich jeder zweite Arbeitnehmer von Burnout bedroht fühlt. So würden sechs von zehn Befragten über Symptome wie ständige Müdigkeit, Rückenschmerzen und innere Anspannung sprechen. Neun von zehn fühlen sich von ihrer Arbeit gestresst. Als Gründe dafür wurden innerhalb der Studie vor allem Termindruck, emotionaler Stress durch Kunden sowie ein schlechtes Arbeitsklima genannt worden. Die Weltgesundheitsbehörde (WHO) geht derzeit davon aus, dass bereits 2020 Depressionen, die häufig mit Burnout zusammenhängen, die zweithäufigste Volkskrankheit werden kann. Die Wahrscheinlichkeit, im Laufe seines Lebens daran zu erkranken, ist mittlerweile auf 15 Prozent gestiegen.

Was tut der Arzt? Die Diagnose

Damit Burnout behandelt bzw. therapiert werden kann, muss zunächst eine Diagnose stattfinden. Als grundlegende Voraussetzung für die Diagnose ist es aber notwendig, dass die Betroffenen selbst die Symptome als Teil einer psychischen Belastung anerkennen. Allerdings gelten psychische Erkrankungen in weiten Teilen der Berufswelt noch immer als Tabuthema, das viele Betroffene nicht ansprechen, da mit Burnout oft Vorurteile wie mangelnde Belastbarkeit und geistige Schwäche einhergehen. Auch die persönliche Ablehnung dieser Schwäche führt dazu, dass Betroffene ihre eigene Lage falsch einschätzen und erst dann professionelle Hilfe suchen, wenn es bereits zu spät ist. Lediglich im Rahmen eines geschützten Raums – z.B. im Gespräch mit einem Psychologen oder unter anderen Burnout-Patienten – lernen viele Menschen das Burnout-Syndrom als das zu akzeptieren, was es ist: eine Krankheit.

Sobald die Anerkennung dessen aber erfolgt ist, sollte ärztliche oder therapeutische Hilfe aufgesucht werde, damit es nicht zum vollständigen emotionalen und körperlichen Zusammenbruch kommt. Auch wenn dieser bereits erfolgt ist, verlangt die Diagnose absolute Ehrlichkeit vonseiten des Patienten. Häufig wird auch bei körperlichen Anzeichen für Burnout weiterhin Verleugnung betrieben. Die Erkenntnis, dass es sich um einen Burnout handelt, ist für Betroffene und für Spezialisten häufig ein weiter Weg, nicht zuletzt, weil sich die Krankheit schleichend entwickelt.

Hat ein Arzt auch bei Ihnen Burnout diagnostiziert? Welche der folgenden Ursachen haben Sie bei sich selbst festgestellt? Bitte kreuzen Sie die, die auf Sie zutreffenden an. Mehrfachantworten sind möglich!

Was tut der Arzt? Die Behandlung

Am Beginn einer Burnout-Behandlung steht deshalb immer eine individuelle und gründliche Analyse der Lebenssituation des Patienten, die andere psychische Erkrankungen wie Depressionen oder Borderline ausschließt. Nur mit einer intensiven Herangehensweise kann das Syndrom verlässlich erkannt und die passende Therapieform ausgewählt werden. Suchen Betroffene schon in einem relativ frühen Stadium der Erkrankung einen Spezialisten auf, kann auf diese Weise der fortschreitende Prozess der Krankheit aufgehalten werden.

Eine klassische Form der Burnout-Behandlung ist die Psychotherapie. Je nach Stadium und Schwere der Burnout-Symptome kann diese ambulant oder stationär erfolgen. Während die ambulante Behandlung den Patienten ein weitgehend normales Alltagsleben ermöglicht, hilft ein stationärer Aufenthalt in einer Therapieeinrichtung vielen Betroffenen dabei, nicht nur körperlich, sondern auch geistig und emotional vollständig aus dem Alltag und den damit verbundenen Stressfaktoren auszusteigen. In der Psychotherapie geht es darum, zunächst die Ursachen für die Erkrankung mit Mitteln verbaler und nonverbaler Kommunikation zu identifizieren und diese in einem zweiten Schritt verändern und an ein weniger stressbasiertes Leben anzupassen. Neben der Förderung der Freizeit und der persönlichen Bedürfnisse steht dabei der Versuch im Vordergrund, die Energien des Patienten neu zu verteilen, und dabei die belastenden und fordernden Tätigkeiten zu reduzieren.

Eine wichtige Stellung innerhalb der Therapie nimmt das Thema Zeitmanagement ein. Die Betroffenen müssen lernen, die Freizeit als festen Bestandteil eines gesunden Lebens anzuerkennen und Freizeit- und Entspannungsphasen in ihren Alltag zu integrieren. Neben der Psychotherapie selbst helfen auch Entspannungstechniken wie Meditation, Yoga oder Autogenes Training dabei, den stressigen Lebensinhalten eine entspannte Haltung entgegenzusetzen. Indem die Patienten sich bewusst zu entspannen lernen, sollen die Belastungsfaktoren identifiziert und bewusst gemacht werden und in der Folge eingefahrene Denkmuster aufgelöst und neu geformt werden. Das Ziel von Entspannungstechniken liegt darin, das Anspannungsniveau in einer gesunden Balance zwischen Anspannung (Beruf, Privatleben) und Entspannung (Freizeit, Meditation) zu halten.

In Verbindung mit der psychologischen Betreuung im Rahmen der Psychotherapie werden in vielen Fällen auch Medikamente eingesetzt. Da starke Medikamente wie Antidepressiva neue Probleme auslösen können, geht der Ansatz der modernen Medizin zu pflanzlichen Medikamenten und beruhigenden Pflanzenpräparaten. Diese gleichen die häufig gereizte Stimmung aus. Grundsätzlich können Medikamente den Einstieg in die Therapie so zwar erleichtern, allerdings sind es vor allem Zeit und Ruhe, die dem Burnout langfristig entgegenwirken.

Mehr Informationen zu Burnout in diesem Video

Burnout und auch andere psychische Erkrankungen haben Auswirkungen auf chronische Schmerzen. Wie diese Zusammenhänge genau aussehen, erklärt Dr. Tobias Weigl im folgenden Interview detaillierter.

Kosten und Finanzierung

Da einer Burnout-Therapie in aller Regel eine ärztliche Diagnose sowie die medizinische Notwendigkeit einer Behandlung vorausgehen, übernehmen die meisten Krankenkassen die Kosten für die Therapie. Zu den Kosten, die (zumindest anteilig) übernommen werden, zählen

  • Therapiesitzungen (Psychotherapie, psychosomatische Beratung)
  • Kosten für ärztlich verschriebene Medikamente
  • der stationäre Aufenthalt in einer psychologischen oder psychosomatischen Einrichtung
  • eine mehrwöchige Kur in einer psychosomatischen Einrichtung.

Bis zu welcher Summe die Krankenkassen die Kosten der Burnout-Therapie übernehmen, hängt stark von der jeweiligen Kasse und deren Versicherungsinhalten ab. Grundsätzlich muss zwischen den Leistungen der gesetzlichen und der privaten Kassen unterschieden werden. In der Regel zahlen die Krankenkassen eine feste Anzahl von Therapiesitzungen, einen stationären Aufenthalt oder eine mehrwöchige Kur in einer psychosomatischen Einrichtung.

Häufige Patientenfragen

Wer kann daran erkranken?

Dr. T. Weigl
Entgegen der gängigen Annahme, erkranken nicht nur Manager, Ärzte oder Unternehmer an Burnout: Menschen aus verschiedenen sozialen und beruflichen Gruppen können die Diagnose Burnout bekommen. Es ist schwierig, konkrete Ursachen verallgemeinernd zu nennen. Grund hierfür ist, dass es sich um individuelle Umstände handeln, die aus einem Mix aus externen Ursachen im beruflichen oder privatem Kontext sowie inneren Ursachen bestehen.

Wie sieht die Therapie aus?

Dr. T. Weigl
Es gibt verschiedene Möglichkeiten der Therapie, allerdings sind vor allem zwei Grundpfeiler wichtig. Zunächst sollte eine psychische oder psychosomatische Therapie angestrebt werden. Diese kann jeweils stationär oder ambulant erfolgen. Hinzukommend sollten Sie sich im Rahmen einer weiteren Therapie Entspannungsmethoden widmen. So lernen Sie langfristig einen Ausgleich innerhalb ihres Lebens zu den stressenden Situationen Ihres Lebens zu schaffen. Dazu eignen sich beispielsweise Yoga oder Meditation.

Muss ich Medikamente nehmen?

Dr. T. Weigl
Einige Psychotherapeuten verschreiben im Rahmen ihrer Therapien Medikamente wie Antidepressiva. Weil diese allerdings ihre eigenen Nebenwirkungen haben, versuchen moderne Ansätze ohne diese auszukommen!

 

Es ist ein warmer Sommerabend, als Tina Mirko um ein Gespräch bittet. „Ich glaube, ich habe Burnout.“ Es ist still auf der Terrasse. „Ich weiß nicht, was ich tun soll!“, sagt sie weiter und schläft die Augen nieder. Mirko weiß, dass das Thema Burnout immer noch tabuisiert wird und ist in diesem Moment stolz auf sie, dass sie die Anzeichen allerdings gedeutet hat. Darauf hat Mirko nämlich gewartet: „Das kriegen wir hin. Die Schwester einer Arbeitskollegin ist Psychotherapeutin. Bei ihr machen wir einen Termin und dann besprechen wir gemeinsam, wie Du in Deinem Leben weg von Stress kommst!“

 

Verwandte Themen

Haben auch Sie Erfahrungen mit Burnout? Haben Sie Fragen zum Thema? Nutzen Sie unsere Kommentarfunktion unten für den Austausch untereinander und mit uns!

Autoren: Dr. Tobias Weigl

Lektorat: Andrea Lorenz

Die hier beschriebenen Punkte (Krankheit, Beschwerden, Diagnostik, Therapie, Komplikationen etc.) erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Es wird genannt, was der Autor als wichtig und erwähnenswert erachtet. Ein Arztbesuch wird durch die hier genannten Informationen keinesfalls ersetzt.

Quellen

    • Deutsches Ärzteblatt: Jeder Zweite fühlt sich von Burnout bedroht. Beitrag vom 9. April 2018.
    • Deutsches Ärzteblatt: Immer mehr Fehltage im Job wegen Überlastung. Beitrag vom 7. Mai 2018.
    • Andreas Hillert (2017): Burnout und chronischer beruflicher Stress: Ein Ratgeber für Betroffene und Angehörige (Ratgeber zur Reihe »Fortschritte der Psychotherapie«, Band 39). Hogrefe-Verlag, Göttingen.
    • Manfred Nelting (2014): Burn-out – Wenn die Maske zerbricht: Wie man Überbelastung erkennt und neue Wege geht. Goldmann-Verlag, München.
[Gesamt:3    Durchschnitt: 5/5]

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