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Das Glückshormon Dopamin – Aufgaben & Mangel

Dopamin ist der entscheidende Botenstoff für die Initiation und Ausführung von Bewegungen, wirkt aber auch als Glückshormon. Störungen im Dopamin-Haushalt äußern sich daher immer in Bewegungsstörungen und der Stimmungslage. – Dr. Tobias Weigl

Von Medizinern geprüft und nach besten wissenschaftlichen Standards verfasst

Dieser Text wurde gemäß medizinischer Fachliteratur, aktuellen Leitlinien und Studien erstellt und von einem Mediziner vor Veröffentlichung geprüft.

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Alisa sieht ihrem Vater besorgt dabei zu, wie er die Kaffeetasse langsam, mit zittriger Hand zum Mund führt und gefühlt eine Ewigkeit später wieder abstellt. Dabei wippt er die ganze Zeit mit einem Bein hin und her, was so überhaupt nicht zu seiner ansonsten ruhig-soliden Art passt. Auch seine Mimik scheint ihr seltsam starr und eintönig. „Du hast ja ein richtiges Pokerface bekommen, Papa.“, sagt sie scherzend. Als sie später dann in den Garten gehen wollen, fällt Alisa auf, dass ihr Vater nur noch sehr kleine, vorsichtige Schritte macht und sichtlich Mühe hat, überhaupt „in Gang“ zu kommen.
Auf der Rückfahrt nach Hause ruft sie ihre Freundin Louisa an und fragt sie um Rat. Louisa wird als Stationsleiterin eines örtlichen Krankenhauses bei der Symptomkonstellation „Starre, langsame Bewegungen, kleine Schritte, ruhelose Beinbewegungen“ sofort hellhörig und rät ihrer Freundin einen Neurologen zur Abklärung der Symptome aufzusuchen.

Was ist Dopamin und welche Funktion hat es im Körper?

Dopamin ist ein wichtiger Neurotransmitter im zentralen Nervensystem. Ein Neurotransmitter ist ein Botenstoff, welcher Informationen von einer Nervenzelle zur anderen überträgt. Aufgrund seiner Wirkung spricht man im Allgemeinen auch vom sogenannten Belohnungs- oder Glückshormon. Die Ausschüttung kann also z.B. beim Kauf neuer Kleidung entstehen oder aber das typische „Verliebtheitsgefühl“ mit „Schmetterlingen im Bauch“ auslösen. Hauptsächlich ist er jedoch für die Beurteilung der Wahrnehmung und für die Motorik zuständig. Außerdem hat Dopamin Einfluss auf das psychische Befinden und wirkt stimulierend auf die Magenperistaltik.

Störungen des Dopamin-Haushaltes und damit verbundene Krankheiten

Kommt es zu Veränderungen im Dopamin Haushalt, so treten – abhängig davon, ob die Dopaminkonzentration erhöht oder vermindert ist – typische „Störungen“ auf:

Dopaminmangel:

ADHS

Bei ADHS (sog. Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitärsstörung) handelt es sich um eine komplexe Störung, welche durch impulsives und aufmerksamkeitsvermindertes Verhalten bei gleichzeitiger Hyperaktivität gekennzeichnet ist. Ein Mangel an Dopamin korreliert mit diesem Verhalten – als auslösender Faktor wird ein beschleunigter Abbau von Dopamin im Körper diskutiert. Dadurch, dass Dopamin in unzureichender Menge zur Verfügung steht, kommt es zu erschwerten bzw. gestörten Signalübertragungen in den Nervenzellen und folglich zur Beeindträchtigung des Aufmerksamkeits- und Motivationssystems.

In diesem Video erkärt Dr. T. Weigl die Rolle von Ritalin bei ADHS. Ritalin behandelt den Dopamin-Mangel im synaptischen Spalt.

Depression

Das Krankheitsbild der Depression ist geprägt von negativer Stimmung, einem gehemmten Antrieb und negativ-kreisenden Gedankengänge. Typische Symptome sind der Verlust von Freude bzw. Aktivitäten, die diese Emotion hervorrufen (soziales Umfeld, Treffen mit Gleichaltrigen, gemeinschaftliche Aktivitäten) bzw. ein fehlendes Interesse am Leben selbst. Bei starken depressiven Erkrankungen wird im Krankheitsverlauf klinisch häufig eine verminderte Wirksamkeit von Dopamin beobachtet.
 

Videoexkurs: Depression und chronische Schmerzen

Zwischen Depression und chronischen Schmerzen gibt es sehr enge Zusammenhänge. Viele Patienten sind von beiden Erkrankungen betroffen. Warum und welche Gründe dafür unser Körper liefert, erklärt Dr. T. Weigl in diesem Video.
 

Morbus Parkinson

Bei Parkinson handelt es sich um die sogenannte „Schüttelkrankheit“. Im Verlauf kommt es zum Verlust dopaminproduzierender Nervenzellen, weshalb Parkinson auch zu den neurodegenerativen Erkrankungen gezählt wird. Symptomatisch fallen Muskelstarre (sog. Rigor), verlangsamte Bewegungen (sog. Bradykinese) bzw. Bewegungslosigkeit (sog. Akinese) und Muskelzittern (sog. Tremor) auf. Des Weiteren ist das sogenannte „Restless-Legs-Syndrom“ eine Folge der Erkrankung, bei der die Betroffenen einen Bewegungsdrang in den Beinen verspüren und diesem durch unwillkürliche Bewegungen Ausdruck verleihen. Die Erkrankung ist mit einer verminderten Dopaminausschüttung im Gehirn (sog. präfrontaler Cortex) assoziiert, was zu kognitiven Störungen, Verlangsamung des Denkens bzw. der Sprache und allgemeiner Antriebsminderung führt. Da Dopamin die Entstehung von Bewegungsabläufen initiiert, resultiert aus einer verminderten Freisetzung die oben beschriebene, typische Symptomatik der Parkinson-Patienten – L-Dopa und Levodopa sind typische Parkinson-Medikamente.

In diesem Video erklärt Dr. T. Weigl ausführlich das sog. Restless Legs Syndrom. Er diskutiert mögliche Ursachen und auch die Therapiemöglichkeiten.

 

Dopaminüberschuss:

Ist die Wirkung von Dopamin im zentralen Nervensystem verstärkt, führt dies zu psychischer Stimulierung im Sinne eines Motivationsschubs, zum Gefühl geistiger Klarheit und Wachheit bzw. zum verstärkten Gefühl des Wohlbefindens. Auf der anderen Seite kann aus einer solchen Konzentrationserhöhung folgendes Krankheitsbild resultieren:

Schizophrenie

Eine der häufigsten psychiatrischen Erkrankungen ist die Schizophrenie, welche mit einer Störung im Bereich der Wahrnehmung, der Denkweise, der Ich-Funktion, des Gefühls- und Gemütserlebnisses und des Antriebs verbunden ist. Das wohl charakteristischste Symptom sind wahnhafte Vorstellungen, die häufig mit dem Vorhandensein von Stimmen assoziiert sind. Auch bei dieser Krankheit besteht eine Verknüpfung zum Neurotransmitter Dopamin. So soll die erhöhte Synthese und Freisetzung von Dopamin in einem Teil des Gehirns, welches für die Verarbeitung von Emotionen zuständig ist (sog. libische System), zur Wahnbildung, Fehlinterpretation von Situationen und Halluzinationen führen.
 

Therapie mit Dopamin

Adipositastherapie

Bei der Behandlung von Fettleibigkeit werden ebenfalls Medikamente eingesetzt die eine Veränderung des Dopamin-Haushaltes bewirken. Durch unsere physiologische Kopplung bei erhöhter Aufmerksamkeit und körperlicher Anstrengung keinen Hunger zu verspüren, wirkt eine Steigerung der Dopaminkonzentration unterdrückend auf den Appetit.

Neuroleptika

Bei den Neuroleptika handelt es sich um eine Arzneistoffgruppe der Psychopharmaka mit antipsychotischer und dämpfender Wirkweise. Effektiv werden diese zur Behandlung von Halluzinationen und Wahnvorstellungen, die zu den typischen Symptomen einer Schizophrenie gehören, eingesetzt. Da diese wie oben erwähnt eng mit einer erhöhten Dopaminausschüttung im Gehirn zusammenhängt, hemmen Neuroleptika die Signalweiterleitung von Dopamin im Gehirn und wirken den Symptomen entgegen. Ein beispielhafter neuroleptischer Arzneistoff ist Clozapin. Als Medikament findet man Clozapin unter dem Handelsnamen Leponex. Es besitzt hohe antipsychotische Wirkung bei geringer motorischer Beeinträchtigung.

L-DOPA gegen Morbus Parkinson

Da Dopamin im Zentralnervensystem nicht die sogenannte Blut-Hirn-Schranke passieren kann, wird ein inaktiver Stoff (sog. Prodrug) bei der Parkinson-Krankheit verabreicht. Hierbei handelt es sich um L-DOPA (sog. Levodopa), welches eine Vorstufe des Neurotransmitters Dopamin darstellt. Dieses Prodrug entfaltet seine Wirkung erst durch die körpereigene Weiterverstoffwechselung zu Dopamin.

Kokain, Speed und Nicotin

Die stimulierende Wirkung von Dopamin kann von verschiedenen Drogen beeinflusst werden und zu Veränderungen der Stimmungslage führen.

Kokain

Die Wirkung von Kokain auf das menschliche Gehirn ist komplex – vereinfacht kommt es zu einer Anreicherung von verschiedenen Neurotransmittern im Gehirn. Dopamin ist einer dieser Botenstoffe. Die Anreicherung begründet sich darin, dass Kokain die Wiederaufnahme (sog. reuptake) in die Nervenzellen hemmt, sprich als ein Dopamin-Wiederaufnahme-Hemmer (sog. Dopamin-reuptake-Inhibitor) fungiert. Die daraus resultierende erhöhte Neurotransmitterkonzentration (Dopamin dazugehörend) äußert sich in einer gesteigerten Bewegungs- und Denkaktivität und dem Gefühl von Stärke und Aufregung. Nach einigen Stunden kommt es allerdings zum Abklingen des beschriebenen „Stimmungshochs“ und zur Entwickelung einer depressiven Phase.

Speed

Bei Speed handelt es sich um einen Wirkstoff aus der Reihe der Amphetamine. Seine Wirkweise beruht auf einer indirekten Freisetzung des Neurotransmitters Dopamin im Gehirn. Dadurch ist Speed für psychisch stimulierende Effekte verantwortlich und bewirkt eine Erhöhung der Wachheit oder Aufmerksamkeitsfähigkeit bei zeitgleicher Verminderung des Hunger-und Durstgefühls.

Nikotin

Eine der Wirkungen von Nikotin ist die Unterdrückung von Müdigkeit bei zeitgleicher Erhöhung der Leistungsbereitschaft. Diese Wirkung erzielt aber nicht das Nikotin selbst, sie kommt viel mehr durch die gesteigerte Dopamin-Ausschüttung zustande, was zusätzlich das Belohnungszentrum in unserem Gehirn stimuliert. Auf die erhöhte Dopaminkonzentration folgen die oben erwähnten Effekte.
 

Wussten Sie schon?

Wussten Sie schon, dass Dopamin indirekt die Suchtentwicklung fördern kann?

Bei der Einnahme von Drogen, die den Dopamin-Spiegel im Körper beeinflussen, wird durch hohe Dopaminkonzentrationen der Mensch psychisch „positiv“ gestimmt. Diese als positiv erlebte Beeinflussung äußert sich wie oben erwähnt in Form geistiger Wachheit und Klarheit, aber auch in einem Gefühl von Stärke und Antriebsbereitschaft. Nach Abklingen der Wirkung, wird der Dopamin-Gehalt im Körper wieder gesenkt und das psychische Verlangen nach den positiven Effekten steigt. Vermeintlich nur die erneute Einnahme der Droge kann das Verlangen befriedigen. Dieser Prozess wiederholt sich immer wieder, bis der Betroffene sich selbst zu dem entsprechenden Handlungskreisluaf konditioniert hat und dadurch abhängig bzw. süchtig wird.

Wussten Sie schon, dass Dopamin als Arzneistoff zur Behandlung von Schockzuständen im Bereich der Herz-Kreislauf-Erkrankungen Verwendung findet?

Der Einsatz solcher Arzneistoffe wird allerdings immer weiter reduziert, da es auch zu starken, unerwünschten Nebenwirkungen (z.B. Herzrythmusstörungen) kommen kann.

Wussten Sie schon, dass Drogen ebenfalls eine Art Psychose auslösen können?

Diese Art der Psychose wird auch Drogenpsychose oder substanzinduzierte Psychose genannt. Rauschmittel mit einem solchen Effekt sind beispielsweise Kokain, Amphetamine oder Heroin. Dabei muss die Einnahme nicht regelmäßig erfolgen, um eine Psychose auszulösen. Oft reicht die einmalige Applikation der Droge schon aus, damit der Betroffene psychoseähnliche Symptome entwickelt. Wie oben bereits erwähnt erhöhen bestimmte Drogen den Dopamin-Gehalt im Körper. Eine zu hohe Dopamin-Konzentration kann Symptome auslösen, die der Schizophrenie stark ähneln. Deshalb steht die Frage im Vordergrund, ob solche Drogen generell eine Ursache der Krankheit Schizophrenie sein könnten oder ob das Krankheitsbild einer Drogenpsycho doch klar von der klassischen Schizophrenie unterschieden werden soll. Der einzige Unterschied ist, dass der Betroffene sich meist im Klaren darüber ist, woher die wahrgenommenen Symptome (z.B. Halluzination) kommen. Das heißt, er kann sich im Idealfall bewusst sein, dass das Wahrgenommen durch den Rausch induziert wird. Dies ist beim Schizophrenen nicht der Fall.

Der Neurologe hat bereits nach dem ersten Vorstellen die Verdachtsdiagnose Parkinson gestellt. „Ursächlich sind der Untergang dopaminproduzierender Zellen im Gehirn.“, sagt er und erklärt, dass Dopamin für die Bewegungsausführung besonders wichtig ist. Als Therapiemöglichkeit stellt er die Gabe einer Dopaminvorstufe mit Namen „Levodopa“ in Aussicht, die den Dopaminspiegel wieder anheben und die Bewegungseinschränkung vermindern könne. Alisas Vater wird zur weiteren diagnostischen Abklärung und medikamentösen Einstellung auf die neurologische Station des Stadtkrankenhauses verlegt.

Haben auch Sie Erfahrungen mit der Einnahme von Dopamin-Präparaten gemacht? Was war der Anlass? Welche Symptomatik ist bei Ihnen aufgetreten? Oder haben Sie allgemein Fragen zum Thema? Nutzen Sie die Kommentarfunktion unten, um sich mit uns und anderen auszutauschen!
 
Autoren: Dr. Tobias Weigl, Schajan Salahijekta
Lektorat: Anna-Alice Ortner
 
In diesem Artikel ist zusammengefasst, was der Autor für wichtig und beachtenswert hält. Er erhebt keinerlei Anspruch auf Vollständigkeit und ersetzt nicht den Arztbesuch!
 

Quelle

  • Reinhard Larsen: Anästhesie und Intensivmedizin in Herz-, Thorax- und Gefäßchirurgie. (1. Auflage 1986) 5. Auflage. Springer, Berlin/ Heidelberg/ New York u. a. 1999
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  • Datenblatt 3,4-Dihydroxy-L-phenylalanine bei Sigma-Aldrich, abgerufen am 7. April 2011
  • Johan Cullberg: Therapie der Psychosen. Psychiatrie-Verlag, Bonn 2008
  • Hans-Christoph Steinhausen u. a. (Hrsg.): Handbuch ADHS – Grundlagen, Klinik, Therapie und Verlauf. Kohlhammer 2009
  • Michael Bauer, Anne Berghöfer, Mazda Adli (Hrsg.): Akute und therapieresistente Depressionen. Pharmakotherapie – Psychotherapie – Innovationen 2., vollständig überarbeitete und erweiterte Auflage. Springer, Berlin 2005
  • Manfred Gerlach, Heinz Reichmann, Peter Riederer: Die Parkinson-Krankheit: Grundlagen, Klinik, Therapie. 3. Auflage, Springer, Wien / New York, NY 2003
  • Christian Scharfetter: Schizophrene Menschen. Diagnostik, Psychopathologie, Forschungsansätze. 5. Auflage. Beltz-PVU, Stuttgart 1999
  • P. Schauder, G. HYPERLINK „https://de.wikipedia.org/wiki/G%C3%BCnter_Ollenschl%C3%A4ger“Ollenschläger: Ernährungsmedizin. Prävention und Therapie. 2006
  • Datenblatt Clozapine bei Sigma-Aldrich, abgerufen am 23. März 2011
  • Helmut Schievelbein (Hrsg.): Nikotin – Pharmakologie und Toxikologie des Tabakrauches. Thieme Verlag, Stuttgart 1968
  • Christian Rätsch: Enzyklopädie der psychoaktiven Pflanzen. AT-Verlag, Aarau/Schweiz 2004
  • Walter Reginald Bett u. a.: Amphetamin in der klinischen Medizin. Springer, Berlin 1956
  • John G. Nicholls, Vom Neuron zum Gehirn, Stuttgart, Gustav Fischer, 1995
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