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Schmerzmittel & Opioid Tapentadol (Palexia®, Yantil®) – Wirkung & Nebenwirkungen

„Tapentadol ist ein stark wirksames Opioid. Wie bei vielen anderen Opioiden aber auch, muss bei der Einnahme besonders auf Neben- und Wechselwirkungen sowie das Suchtpotenzial geachtet werden.“ — Dr. Tobias Weigl


Von Medizinern geprüft und nach besten wissenschaftlichen Standards verfasst

Dieser Text wurde gemäß medizinischer Fachliteratur, aktuellen Leitlinien und Studien erstellt und von einem Mediziner vor Veröffentlichung geprüft.

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Tapentadol gilt als stark wirksames Opioidanalgetikum (schmerzstillendes Opioid), das besonders zur Therapie chronischer Schmerzen genutzt wird. Es weist wie Tramadol einen dualen Wirkmechanismus auf, der es erlaubt, Schmerzen auf zwei unterschiedliche Arten zu lindern. Allerdings kommt es wie andere Opioide auch nicht ohne eine Vielzahl an Nebenwirkungen aus und verträgt sich nicht immer mit anderen Arzneistoffen. Worin diese Neben- und Wechselwirkungen bestehen, wie Tapentadol angewendet und dosiert wird und warum die Gefahr einer Abhängigkeit von dem Wirkstoff nicht zu unterschätzen ist, erfahren Sie im nachfolgenden Artikel.

Heinz nimmt gegen seine Kniegelenksarthrose jetzt schon länger Tramadol. Zu lang, um die Dosierung zu erhöhen, auch wenn er laut Doktor schon bei der maximalen Dosis liegt. Vielleicht gibt es irgendeine Möglichkeit, weniger, aber dafür stärkere Tabletten zu nehmen?

Was ist Tapentadol?

Bei Tapentadol handelt es sich um ein stark wirksames Opioidanalgetikum, das strukturelle Ähnlichkeiten zu Tramadol und Oxycodon aufweist. Der Wirkstoff kommt zum Einsatz bei Patienten mit nicht-tumorbedingten starken Schmerzen. Die Ähnlichkeit zu Tramadol rührt daher, dass beide Wirkstoffe sowohl als Opioide als auch als Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer fungieren. Der Wirkstoff Tapentadol wurde erstmals am 1. Oktober 2010 als Präparat mit dem Handelsnamen Palexia® von der Grünenthal GmbH auf den deutschen Markt gebracht. Ein weiterer Handelsname, unter dem der Wirkstoff zu erhalten ist, ist Yantil®.

Die Wirkweise von Tapentadol

Wie bereits erwähnt ähnelt Tapentadol dem Wirkstoff Tramadol. Genauer gesagt haben die beiden Wirkstoffe ein ähnliches Rezeptorprofil. Denn ihre schmerzlindernde Wirkung ist auf einen sogenannten dualen Wirkmechanismus zurückzuführen. Bei beiden Substanzen handelt es sich sowohl um Opioide als auch um Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer.

Als Opioid wirkt Tapentadol am μ-Rezeptor, wo es die Weiterleitung von Schmerzimpulsen im zentralen Nervensystem (ZNS) vor und nach den Synapsen, also den Kontaktstellen zwischen Nervenzellen, dämpft. Auf diese Weise wird Schmerzlinderung erzielt.

Als Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer hingegen erhöht Tapentadol die Konzentration von Noradrenalin im synaptischen Spalt. Diesen Spalt müssen bestimmte Überträgerstoffe (sog. ‚Neurotransmitter‘) durchlaufen, um von der präsynaptischen Membran zu den Rezeptoren in der postsynaptischen Membran zu gelangen. Eine durch Tapentadol erzielte, erhöhte Noradrenalin-Konzentration an dieser Stelle führt dazu, dass die vom zentralen Nervensystem in das periphere Nervensystem absteigenden Nervenbahnen gehemmt werden, so die Ausbreitung von Schmerzimpulsen unterdrücken und letztlich die Schmerzen von Patienten lindern.

Als Wirkung von Tapentadol kann man also ganz klar die Schmerzlinderung (sog. ‚Analgesie‘) festhalten. Aber wie immer gilt: Keine Wirkung ohne Nebenwirkung! Worin diese Nebenwirkungen bestehen und wie häufig es zu diesen kommen kann, können Sie der Tabelle im Folgenden entnehmen.

HäufigkeitNebenwirkungen (unter anderem)
sehr häufigSchwindel, Bewusstseinsstörung (sog. ‚Somolenz‘), Kopfschmerzen, Übelkeit, Verstopfung (sog. ‚Obstipation‘)
häufigVerminderter Appetit, Angst, depressive Verstimmung, Schlafstörungen, Nervosität, Zittern, Durchfall, Erbrechen, Müdigkeit, Hautausschlag
gelegentlichGewichtsverlust, Desorientiertheit, Verwirrung, Euphorie, Gleichgewichtsstörungen, Wahrnehmungsstörungen, Reizbarkeit, Harnverhalt
sehr seltenAbhängigkeit, Krampfanfälle, Atembeschwerden, Gefühl der Trunkenheit, abnormes Denken
 

Gut zu wissen!
In mehreren Studien konnte bereits nachgewiesen werden, dass Tapentadol bei ähnlicher schmerzlindernder Wirkstärke (sog. ‚analgetische Potenz‘) im Vergleich zu dem strukturähnlichen Oxycodon mit weniger Nebenwirkungen einhergeht. Die für Opioide typischen Nebenwirkungen Übelkeit, Erbrechen, Juckreiz, Verstopfung und Schwindel traten in Studien deutlich seltener zum Vorschein.

Einsatzgebiete von Tapentadol

Tapentadol kommt sowohl bei akuten als auch bei chronischen Schmerzen zum Einsatz. Allerdings liegt der Fokus des Wirkstoffs vor allem auf letzterem. So konnten in einer Studie unter 7.000 Schmerzpatienten, mit u. a. Arthrose -Schmerzen, diabetischer Polyneuropathie oder chronischen Rückenschmerzen, vor allem Patienten mit sogenanntem „mixed-pain“ von dem Wirkstoff profitieren.

Gut zu wissen!
Der Mediziner spricht von „mixed-pain“, wenn sich die zwei Schmerzartenarten nozizeptiver Schmerz und neuropathischer Schmerz gleichzeitig vorfinden lassen. Bei nozizeptivem Schmerz sind die für die Schmerzweiterleitung verantwortlichen Nervenstrukturen intakt und körpereigene Schmerzrezeptoren der Haut, Muskeln, Sehnen oder Gelenke leiten Schmerzsignale über das zentrale Nervensystem weiter. Bei neuropathischen Schmerzen hingegen sind Teile des zentralen oder peripheren Nervensystems geschädigt, wodurch sich Schmerzen ergeben.

Generell erfolgt die Gabe von einem Präparat mit dem Wirkstoff Tapentadol dann, wenn es sich bei den Anwendern um Erwachsene handelt, bei denen so starke chronische Schmerzen vorliegen, dass eine Behandlung mit Opioidanalgetika notwendig ist. Dies sollte aber laut der Kassenärztlichen Bundesvereinigung erst dann geschehen, wenn Patienten entweder Morphin nicht vertragen oder die Schmerzkontrolle unter Gabe von Morphin nicht ausreichend gewährleistet wird.
 

Kontraindikationen!
Der Wirkstoff Tapentadol sollte nicht verabreicht werden, wenn

  • der Patient eine Überempfindlichkeit für den Wirkstoff aufweist,
  • gleichzeitig sogenannte MAO-Hemmer verabreicht werden (dies kann zu Störwirkungen des Herz-Kreislaufsystems führen),
  • der Patient an akutem oder starkem Bronchialasthma leidet,
  • der Patient einen erhöhten Kohlendioxidgehalt im Blut aufweist (sog. ‚Hyperkapnie‘),
  • ein Darmverschluss (sog. ‚paralytischer Ileus‘) besteht oder in Verdacht steht,
  • eine akute Intoxikation durch Alkohol, Schlafmittel, zentral wirksame Schmerzmittel oder psychotrope, also die Psyche beeinflussende, Substanzen besteht.

Wechselwirkungen

Wechselwirkungen, auch bekannt als Arzneimittelinteraktionen oder Arzneimittelwechselwirkungen, beschreiben die Veränderung der Wirkweise eines Arzneistoffs, wenn dieser zusammen mit einem oder mehreren anderen Arzneistoffen oder bestimmten Genussmitteln wie bspw. Tabak oder Koffein eingenommen wird. In der Folge kann es zu unerwünschten Wirkungen, einem Verlust der Wirkstärke oder einer Erhöhung ebendieser kommen. Dabei müssen diese Wechselwirkungen nicht immer negativ ausfallen, sondern können sogar therapeutischen Mehrwert bieten. Im Fall von Tapentadol aber kann es zu mitunter gefährlichen Wechselwirkungen kommen, auf die im Folgenden näher eingegangen werden soll.

Es ist z. B. möglich, dass bei der Einnahme von Tapentadol das Risiko steigt, dass die Atmung abflacht (sog. ‚respiratorische Depression‘), wenn es in Kombination mit anderen Substanzen eingenommen wird, die dämpfend auf die Atmung oder das zentrale Nervensystem wirken. Überdies kann es sein, dass Wirkstoffe wie Alkohol, Benzodiazepine oder andere Opioide, die auf das zentrale Nervensystem dämpfend wirken, die beruhigende (sog. ‚sedative‘) Wirkung von Tapentadol verstärken, wodurch die Aufmerksamkeit vermindert werden kann. Eine erhöhte Wahrscheinlichkeit für Nebenwirkungen ergibt sich indes dann, wenn zeitgleich zur Behandlung mit Tapentadol der Beginn oder das Ende einer Behandlung mit Enzyminduktoren ansteht. Des Weiteren sind bei Tapentadol besonders Interaktionen mit sogenannten serotoninergen Stoffen zu beachten. Dabei handelt es sich um Substanzen, die den Neurotransmitter Serotonin enthalten oder auf diesen reagieren. Denn ebendiese Interaktion kann ein sogenanntes Serotonin-Syndrom zur Folge haben.
 

Gut zu wissen!
Bei dem Serotonin-Syndrom kommt es zu einem erhöhten Serotoninspiegel, der sowohl zentral als auch peripher die synaptische Serotoninwirkung verstärkt. Als Symptome gelten eine schnelle Herzfrequenz, ein instabiler Blutdruck, Erbrechen, Fieber, Muskelzucken und Durchfall. Der Zustand kann mitunter sogar tödlich verlaufen.

Exkurs: Benzodiazepine – Nutzen und Risiken

Benzodiazepine wie Valium, Dormicum oder Tavor gelten als klassische Beruhigungstabletten. Sie wirken

  • angstlösend (sog. ‚anxiloytisch‘),
  • schlaffördernd (sog. ‚hypnotisch‘) und beruhigend (sog. ‚sedativ‘),
  • krampflösend (sog. ‚antikonvulsiv‘),
  • muskelentspannend (sog. ‚muskelrelaxierend‘) und
  • bewirken einen kurzzeitigen Gedächtnisverlust, wirken also anamnetisch.

Allerdings kommt in der Medizin besonders im Bereich Medikamente kaum ein Wirkstoff oder Präparat ohne Nebenwirkung aus. Und auch Benzodiazepine können mitunter starke Nebenwirkungen verursachen. Zu diesen gehört vor allem das Abhängigkeitspotenzial, das nach einer Einnahme von sechs Wochen stark ansteigt.

In diesem Beitrag erläutert Schmerztherapeut Dr. Tobias Weigl im Detail die Vor- und Nachteile von Benzodiazepinen und geht besonders auf den wichtigen und gefährlichen Aspekt Abhängigkeit ein.

Weitere Nebenwirkungen von Benzodiazepinen umfassen Müdigkeit, Kopfschmerzen, Niedergeschlagenheit, Muskelschwäche, Benommenheit, eine verminderte Reaktionsfähigkeit, akute Gedächtnisstörungen, ein Schwindelgefühl, das Nachlassen sexueller Bedürfnisse sowie Verwirrung und ein „Kick-Gefühl“.

Anwendung und Dosierung von Tapentadol

Üblicherweise wird Tapentadol in Form einer sogenannten Retard-Tablette gereicht. Dabei handelt es sich um eine Darreichungsform, bei welcher der in der Tablette enthaltene Wirkstoff zu einer Art Vorrat im Körper gelagert und langsamer freigesetzt wird als bei normalen Tabletten. Auf diese Weise kann eine gleichbleibende Wirkung des Wirkstoffs über mehrere Stunden erzielt werden. Die Retard-Tablette Palexia® z. B. ist als Tablette mit

  • 50 mg (weiß),
  • 100 mg (blassgelb),
  • 150 mg (blassrosa),
  • 200 mg (blassorange) und
  • 250 mg (braunrot) Wirkstoff erhältlich.

Die Dosierung hängt dabei vom Schweregrad der zu behandelnden Schmerzen ab. Weitere Faktoren, welche die Dosierung beeinflussen, sind die bisherige Behandlungserfahrung sowie die zur Verfügung stehenden Möglichkeiten zur Überwachung des Patienten während der Behandlung. Generell sollte eine Palexia® Retard-Tablette mit 100 mg Tapentadol aber zwei Mal täglich, also alle 12 Stunden eine Tablette, eingenommen werden.

Zu Therapiebeginn sollten vor allem diejenigen Patienten, die noch nie Opioidanalgetika genommen haben, mit einer zwei Mal täglichen 50 mg Einzeldosis Tapentadol starten. Hat ein Patient, der fortan Tapentadol nehmen soll, bereits Opioidanalgetika eingenommen, so ist möglicherweise eine höhere Dosis nötig.

Hinsichtlich der Erhaltungsdosis muss der Arzt dann den Patienten weiterhin genauestens überwachen und die Dosierung unter Umständen individuell anpassen. Diese Anpassung sollte dahingehend erfolgen, dass durch Tapentadol eine ausreichende Schmerzlinderung sowie minimale Nebenwirkungen bestehen. Die Dosierung wird im Verlauf der Therapie möglicherweise gesteigert.

Gut zu Wissen!
Bei Patienten mit mäßiger bis starker Einschränkung von Leber- oder Nierenfunktion wird die Dosis angepasst und vorsichtiger gewählt. Gleiches trifft auf Patienten ab einem Alter von 65 Jahren zu. Allerdings hängt auch dies damit zusammen, dass in hohem Alter öfter Einschränkungen von Leber- und/oder Nierenfunktion vorliegen. Eine Verabreichung von Tapentadol an Kinder oder Jugendliche ist nicht empfohlen, da dahingehend bisher keine ausreichenden Studien stattgefunden haben.
Haben Sie schon einmal Tapentadol z. B. in Form der Präparate Palexia® oder Yantil® genommen? Kam es bei Ihnen zu Nebenwirkungen? Wenn ja, zu welchen? (Mehrfachnennungen möglich) Mit Ihrer Teilnahme an der Umfrage helfen Sie anderen Menschen dabei, ihre Situation besser einschätzen zu können.

Was sind die Gefahren einer dauerhaften Einnahme von Tapentadol?

Die wohl größte Gefahr einer dauerhaften Einnahme von Tapentadol besteht, wie bei anderen Opioiden auch, in dem erhöhten Abhängigkeitspotenzial. Dahingehend unterscheidet der Mediziner zwischen drei Formen der Abhängigkeit, nämlich:

  • Toleranz: Der Körper gewöhnt sich an Wirkstoff und Dosis und wird im Verlauf der Zeit weniger empfänglich für den Wirkstoff. In der Folge kommt es oft zu einer Dosiserhöhung, die aber in Abhängigkeit zum subjektiven Schmerzempfinden des Patienten zu sehen ist. Eine erhöhte Dosis lindert dann zwar wieder die Schmerzen, dem Körper wird aber mehr Wirkstoff zugeführt, sodass die Wahrscheinlichkeit für unerwünschte Nebenwirkungen steigt.
  • Physische Abhängigkeit: Diese kommt vor allem dann zum Tragen, wenn das Medikament nicht mehr eingenommen wird und es zu Entzugserscheinungen kommt. Damit einhergehende Symptome umfassen u. a. Herzrasen, Zittern, weite Pupillen, Missstimmung und Muskelschmerzen.
  • Psychische Abhängigkeit: Der Körper entwickelt ein Verlangen nach dem verabreichten Wirkstoff, wodurch der psychische Stress betroffener ansteigt und erst dann abnimmt, wenn der Wirkstoff dem Körper zugeführt wird. Aufgrund dieser Art Abhängigkeit ergeben sich die häufigsten Rückfälle.

Da es sich bei Tapentadol um einen sogenannten µ-Agonisten handelt, besteht auch bei diesem Wirkstoff ein Abhängigkeits- bzw. Missbrauchspotenzial, das beim Absetzen Entzugserscheinungen verursachen kann. Daher wird der Arzt den Patienten, der regelmäßig Tapentadol einnimmt, auch engmaschig überwachen und dabei vor allem die Aspekte Missbrauch und Abhängigkeit berücksichtigen.

Verwandte Substanzen von Tapentadol

Als verwandte Substanzen von Tapentadol gelten Oxycodon und vor allem Tramadol. Die Ähnlichkeit zwischen Tapentadol und Tramadol beruht auf dem dualen Wirkmechanismus, der zu Beginn bereits erläutert wurde. Für die weiterführende Schmerztherapie kommen mitunter aber auch stärkere Opioidanalgetika zum Einsatz, je nach Intensität der Schmerzen. Dazu zählen u. a.:

Alle Opioidanalgetika werden gemäß ihrer Wirkstärke (sog. ‚Potenz‘) in Relation zu Morphin betrachtet. Morphin fungiert in diesem Zusammenhang als sogenannte Referenzsubstanz mit dem Wert 1. Der folgenden Tabelle können Sie die Wirkstärke der bisher genannten Opioide entnehmen:

OpioidWirkstärke
Tramadol0,1
Tilidin0,16-0,19
Tapentadol0,3-0,5
Morphin1
Fentanyl100
 

Exkurs: Die Opioide Tramadol, Tilidin und Fentanyl

Tramadol und Tilidin gelten als schwach wirksame Opioide und werden üblicherweise in der Anästhesiologie (also als Narkose-Medikamente), der Intensiv- und Notfallmedizin, der Schmerztherapie und bei Tumorschmerzen angewendet. So eignen sie sich besonders zur Behandlung Rückenschmerzen oder Schmerzen infolge von bspw. Arthrose.
Mehr über die beiden Opioide erfahren Sie im nachfolgenden Beitrag, in dem Schmerztherapeut Dr. Tobias Weigl Nebenwirkungen und Nutzen der Wirkstoffe erörtert.

Wichtig ist aber: Derlei schwache Opioide sollten in keinem Fall mit hochpotenten Opioiden kombiniert werden. Ein Beispiel für ein solches Opioid wäre Fentanyl, das die 100-fache Potenz von Morphin aufweist. Es handelt sich daher um einen sehr starken und nützlichen Wirkstoff. Allerdings hängen mit ihm auch Gefahren zusammen. Im Jahr 2015 belief sich die Anzahl der Tode aufgrund einer Fehldosierung von Fentanyl auf 87 Fälle. Überdies kann Fentanyl stark abhängig machen und wird mitunter als Droge missbraucht, was ebenso gefährlich sein kann.

Worin die Gefahren von Fentanyl bestehen und wie der korrekte Umgang mit dem Wirkstoff aussieht, erklärt Schmerztherapeut Dr. Tobias Weigl im nachfolgenden Beitrag.

 

Häufige Patientenfragen

Ist Tapentadol rezeptpflichtig?

Dr. T. Weigl
Ja. Dies ist auf das Sucht-, Missbrauchs- und Abhängigkeitspotenzial zurückzuführen, aufgrund wessen Tapentadol der Betäubungsmittelverschreibungsverordnung (BtMVV) unterstellt ist.

Darf ich die Dosis eigenständig anpassen?

Dr. T. Weigl
Das sollten Sie in jedem Fall unterlassen. Denn eine eigenständige Anpassung der Dosis kann schnell zu einer Überdosierung führen – und diese kann schwerwiegende Folgen haben. Zu den Symptomen einer Überdosierung mit Tapentadol gehören eine Pupillenverengung (sog. ‚Miosis‘), Erbrechen, ein Herz-Kreislauf-Kollaps, Bewusstseinsstörungen bis zum Koma, Krämpfe sowie eine Abflachung der Atmung bis hin zum Atemstillstand. Besprechen Sie eine nachlassende schmerzlindernde Wirkung daher immer mit Ihrem Arzt, der dann wichtige Schritte für ein schmerzärmeres Leben einleiten kann.

Wo erfahre ich, welche Medikamente für meine Narkose zum Einsatz kommen?

Dr. T. Weigl
Die Medikamente, die bei Ihrer persönlichen Narkose zum Einsatz kommen, können Sie im Aufklärungsgespräch vor Ihrer Operation in Erfahrung bringen. In diesem erfragt der Anästhesist z. B. auch Allergien und Unverträglichkeiten, aufgrund derer bestimmte Wirkstoffe dann vermieden werden. Einen umfassenden Überblick über das Aufklärungsgespräch, auch präoperative Visite genannt, erhalten Sie hier.

 

Heinz hat sich zurückhalten müssen, die Dosis von Tramadol aber nicht in Eigenregie erhöht. Nach einer Woche und zunehmend stärker werdenden Schmerzen konnte er dann endlich den vereinbarten Termin bei seinem Arzt wahrnehmen. Dieser hat sich seine Beschwerden eindringlich angehört und einen Medikamentenwechsel vorgeschlagen. Das neue Präparat soll 3–5 Mal so stark sein wie das Alte! Jetzt kriegt Heinz doch ein bisschen Bammel. Aber ausprobieren muss er es ja schon. Denn auch wenn die Physiotherapie ihm etwas hilft, schafft sie die Schmerzen nicht auf Dauer ab.

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Welche Erfahrungen haben sie mit Tapentadol gemacht? Möchten Sie sich bei uns weiter über das Thema erkundigen? Nutzen Sie unsere Kommentarfunktion unten, um von Ihren Erfahrungen zu berichten und sich mit anderen auszutauschen!

Die hier beschriebenen Punkte (Krankheit, Beschwerden, Diagnostik, Therapie, Komplikationen etc.) erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Es wird genannt, was der Autor als wichtig und erwähnenswert erachtet. Ein Arztbesuch wird durch die hier genannten Informationen keinesfalls ersetzt.

Autoren: Dr. Tobias Weigl, Tobias Möller
Lektorat: Mathis Gronau
Datum: 20.08.2018

Quellen

  • Adriano Aguzzi et al (2000): Lexikon der Neurowissenschaft. Spektrum Akademischer Verlag, Heidelberg.
  • arznei-telegramm.de (2010): Opioidanalgetikum Tapentadol (Palexia retard). In: a-t 2010;41; 103–4.
  • der-arzneimittelbrief.de (2011): Schmerztherapie mit Opioiden.
  • deutsche-apotheker-zeitung.de (2010): Neues Analgetikum Tapentadol. In: DAZ 40/2010.
  • gelbe-liste.de: Fachinformation: Palexia® retard 100 mg Retardtabletten.
  • gie/aerzteblatt.de (2018): Serotonin-Syndrom: Geringes Risiko bei gleichzeitiger Einnahme von Triptanen und Antidepressiva.
  • Christine Greiner (2009): Interaktionslexikon – Teil 2: Interaktionen. In: Neurotransmitter 11/2009, S. 53–55.
  • Thomas Herdegen (2013): Kurzlehrbuch Pharmakologie und Toxikologie, 3. Auflage. Georg Thieme Verlag, Stuttgart.
  • Constanze Rémi, Elisabeth Albrecht (2012): Neues aus der Palliativmedizin. In: Bayerisches Ärzteblatt 11/2012, S. 600–604.
  • Hans Walter Striebel (2002): Therapie chronischer Schmerzen – Ein praktischer Leitfaden, 4. Auflage. Schattauer, Stuttgart.
  • Wirkstoff AKTUELL, eine Information der KBV in Kooperation mit der ARZNEIMITTELKOMISSION DER DEUTSCHEN ÄRZTESCHAFT (2012): Tapentadol.
[Gesamt:5    Durchschnitt: 4/5]
2.000000e+0 Antworten
  • Christiane
    13.11.2018 18:07

    Ich nehme Palexia 150 mg dreimal am Tag ein. Zusätzlich hat mein Arzt Palexia 50 mg Filmtabletten verschrieben, die ich nach Bedarf nehmen kann.

    Wird nun der Wirkstoff von den Retardtabletten mit den schnell wirkenden Tabletten zusammen gerechnet? Also wenn ich drei Retardtabletten nehme und beispielsweise drei schnell wirkende, habe ich dann 450 mg Wirkstoff oder 600 mg?
    Gruß Christiane

    • Dr. Tobias Weigl
      13.11.2018 18:34

      Hallo Christiane, danke für die Frage – eine sehr gute und berechtigte Frage: Also es gibt da kein festes Umrechnungsschema aber auf den Tag verteilt kann man die Dosis so zusammenrechnen. Wobei die Retardtabletten sich eher gleichmäßig verteilen nd die Filmtabletten auf einmal Ihren Wirkstoff freisetzen. Viele Grüße
      Dr. Tobias Weigl

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