Sign up with your email address to be the first to know about new products, VIP offers, blog features & more.

Juckreiz – Ursachen, Symptome und Behandlung

Anhaltender Juckreiz ist nicht nur unangenehm, sondern auch nicht immer harmlos. Hinter juckenden Stellen können sich zuweilen schwerwiegende Erkrankungen verbergen, die unbedingt behandelt werden sollten.
— Dr. Tobias Weigl


Von Medizinern geprüft und nach besten wissenschaftlichen Standards verfasst

Dieser Text wurde gemäß medizinischer Fachliteratur, aktuellen Leitlinien und Studien erstellt und von einem Mediziner vor Veröffentlichung geprüft.

Quellen ansehen
Jucken, vor allem ein anhaltender Juckreiz, ist ein äußerst unangenehmes Phänomen auf der Haut, auf das man mit Reiben oder Kratzen reagiert. In Gesellschaft anderer ist es den meisten Menschen besonders unangenehm, sich zu kratzen – denn obwohl meist harmlose Ursachen hinter dem Juckreiz stehen, wird dieses Phänomen in der Regel eher negativ, als krank oder gar als ansteckend, wahrgenommen.

Die Ursachen für Juckreiz können höchst vielfältig sein: Trockene, überempfindliche Haut, allergische Reaktionen oder Erkrankungen der Haut sind besonders häufig dafür verantwortlich, dass es an einer ganz bestimmten Stelle oder sogar flächig auf der Haut juckt. Juckreiz kann jedoch auch von Erkrankungen der inneren Organe verursacht werden. In vielen Fällen beschränkt sich die Symptomatik auf bestimmte Körperstellen, z.B. die Kopfhaut, die Beine oder den Intimbereich.

Jonas sitzt am Schreibtisch und spielt mit einem Bleistift, während er einen Text für die Uni liest. Unbewusst fährt er mit dem Holz immer wieder über seinen Oberarm bis zum Ellbogen. Weil er damit die obere Hautschicht reizt, beginnt er mit der freien Hand über die Haut zu reiben, und als auch das unangenehm wird, zu kratzen. Ein Brennen auf der Haut sorgt dafür, dass er endlich von dem Text auf seinem Computerbildschirm aufblickt. Sein Oberarm juckt ganz schön heftig, und weil er schon gekratzt hat, überziehen dicke, rote Striemen die Haut. Schützend presst Jonas die Handfläche auf die empfindliche Stelle und wischt mit der anderen einige trockene Hautschuppen vom Schreibtisch. Weil ihm einfällt, dass er das jetzt schon häufiger erlebt hat, beschließt er, sich einen Termin beim Hautarzt zu holen.

Wie entsteht Juckreiz?

Da ein Jucken bzw. ein anhaltender Juckreiz in den meisten Fällen auf der Haut entsteht bzw. von ihr ausgeht, ist es naheliegend, auch die Ursache in der Haut zu suchen. Als größtes Organ des menschlichen Organismus ist sie täglich unzähligen zum Teil schädlichen Einflüssen ausgesetzt. Dazu gehören Klima- und Umwelteinflüsse wie UV-Strahlen, Temperatur, Wind und Wasser sowie Hautpflegeprodukte wie Cremes, Lotionen, Seifen oder Peelings, die direkt mit der Haut in Berührung kommen.

Daneben gibt es weitere Einflussfaktoren, die in innere sowie äußere Faktoren unterteilt werden. Zu den inneren Faktoren, die beeinflussen, wie unsere Haut beschaffen ist, zählen die genetische Veranlagung, Hormone und bestimmte Krankheiten wie z.B. Diabetes oder Nierenversagen. Als äußere, aber nicht in direktem Hautkontakt stehende Einflüsse werden zudem die Ernährung und Medikamente gewertet.

Hautveränderungen können aber auch im Zusammenhang mit dem persönlichen Lebenswandel entstehen. So kann eine gesunde, stressfreie Lebensweise dazu beitragen, den Alterungsprozess der Haut zu verzögern und Hautproblemen, die Juckreiz auslösen können, vorzubeugen. Wichtige Faktoren, von denen auch die Haut profitiert, sind in diesem Zusammenhang bspw.:

  • eine gesunde Ernährung
  • Stressabbau
  • regelmäßige Bewegung, Fitness und Sport
  • genügend Schlaf
  • der Verzicht auf Zigaretten und Alkohol

Die Symptome: Woran erkennt man Juckreiz?

Der Juckreiz an sich ist als Symptom recht eindeutig erkennbar. Das Hauptsymptom ist ein Jucken auf oder unter der Haut. Dieses kann sowohl lokal als auch an mehreren Körperstellen oder über den Körper verteilt auftreten. Wie sich das Jucken anfühlt, ist individuell: Es kann mit oder ohne Schmerzen auftreten und sich anfühlen, als würde es an der Hautoberfläche oder darunter liegen. Meist ruft der Juckreiz eine unbewusste Reaktion hervor, die sich durch Reiben mit der Hand, den Fingern oder Kratzen mit den Fingernägeln über die betroffene Stelle äußert.

Oftmals zeigt sich an der Stelle, an der es juckt, eine Hautveränderung. Trockene, rissige Stellen weisen z.B. auf eine extrem trockene, überempfindliche Haut hin. Ähnlich verhält es sich mit Hauterkrankungen wie Neurodermitis oder Schuppenflechte: Auch hier zeigt die Haut deutliche optische Veränderungen wie beispielsweise Trockenheit, rote Quaddeln oder eine schuppende. oberste Hautschicht.

Video-Exkurs: Kortison als juckreizminderndes Medikament
Cortison ist ein Medikament, das bei einer Vielzahl von Krankheiten eingesetzt wird. Sowohl bei Schmerzen als auch bei Hauterkrankungen und Juckreiz sowie chronischen Erkrankungen kommt das „Wundermittel“ zum Einsatz. Warum Cortison aber durchaus Risiken und Nebenwirkungen birgt, erklärt Dr. Tobias Weigl im nachfolgenden Beitrag.

Wer ist betroffen?

Da Juckreiz viele verschiedene Ursachen haben kann, lässt sich keine eindeutige Eingrenzung einer Risikogruppe vornehmen. Sowohl in Bezug auf das Alter als auch das Geschlecht kann ein unangenehmer Juckreiz jeden treffen. Ob in Ihrem Fall das Risiko, einen anhaltenden Juckreiz zu entwickeln, hoch oder niedrig ist, hängt mit den Ursachen für den Juckreiz zusammen und ist somit sehr individuell.

Die wichtigsten Ursachen für Juckreiz hier noch einmal im Überblick:

  • trockene Haut
  • Hauterkrankungen (z.B. Neurodermitis, Nesselsucht, Schuppenflechte)
  • Überempfindlichkeiten gegen Lebensmittel, Medikamente, Insektenstiche
  • innere Erkrankungen (z.B. Diabetes mellitus, Leber- und Nierenfunktionsstörungen, Leukämie)
  • Kinderkrankheiten (z.B. Windpocken)
  • Parasiten (z.B. Läuse, Krätzmilben)
  • psychische Beschwerden
Gut zu wissen!
Auch Frauen während der Schwangerschaft können von einem anhaltenden Juckreiz betroffen sein. Rund 20 Prozent aller schwangeren Frauen erleben dieses Phänomen während der ersten Wochen ihrer Schwangerschaft sowie im weiteren Verlauf. Die Ursache für das Jucken ist meist auf die hormonelle Umstellung zurückzuführen, die der weibliche Körper während dieser Zeit durchläuft. Regelmäßiges Eincremen mit einer feuchtigkeitsspendenden Lotion ist oftmals ausreichend, um den Juckreiz zu lindern.

Vorsicht ist jedoch geboten, wenn im letzten Schwangerschaftsdrittel ein starker Juckreiz auftritt. Dieser kann nämlich auf eine gefährliche Lebererkrankung hinweisen, die sog. intrahepatische Schwangerschaftscholestase. Die Erkrankung ist selten (< 1%), kann aber zu einer Früh- oder Todgeburt führen.

Hat ein Arzt bei Ihnen schon einmal einen Juckreiz diagnostiziert? Welche Ursachen ließen sich feststellen? (Mehrfachnennungen möglich) Mit Ihrer Antwort helfen Sie anderen Lesern, ihre Symptome besser einzuschätzen.

Gibt es spezielle Fälle?

Typisch für Juckreiz ist, dass im Zusammenhang mit dem Jucken auch eine Veränderung der Haut auftritt. Dass etwas nicht in Ordnung ist, lässt sich also äußerlich an der Haut „ablesen“.

Ein Sonderfall ist dagegen der sog. idiopathische Juckreiz, bei dem keinerlei Hautveränderungen auftreten und auch im Rahmen einer ärztlichen Untersuchung keine erkennbare Ursache für das Jucken ausgemacht werden können. In diesem Fall stecken häufig psychische Probleme hinter den Beschwerden.

Gut zu wissen!
Dass der Juckreiz auf eine ernstzunehmende innere Erkrankung zurückzuführen ist, ist selten. In den meisten Fällen sind Stress, eine falsche Ernährung oder eine Hauterkrankung für das unangenehme Jucken verantwortlich – Ursachen also, die sich mit einem Arztbesuch und einer individuell abgestimmten Therapie in den Griff bekommen lassen.

Was tut der Arzt? Teil 1: Die Diagnose

Ein Juckreiz tritt in der Regel auf der Haut auf. Die meisten Patienten sind daher auf der richtigen Fährte, wenn sie bei Jucken nicht den Hausarzt, sondern direkt einen Dermatologen oder Hautarzt aufsuchen. Je nachdem, welche Grunderkrankung aber hinter dem Juckreiz steckt, können für die Behandlung auch Internisten, Neurologen, Gynäkologen bzw. Urologen oder Psychiater zuständig sein.

Den Beginn der Diagnose stellt auch bei einem Juckreiz (wie bei fast jeder Erkrankung, die einen Arztbesuch erfordert) ein ausführliches Anamnesegespräch zwischen Arzt und Patient dar. Dabei stellt der Arzt verschiedene Fragen. Stellt der aufgesuchte Arzt in diesem Zusammenhang bereits fest, dass der Auslöser des Juckreizes nicht in sein Fachgebiet fällt, kann er den Patienten direkt an einen Spezialisten überweisen, der mit der Diagnose fortfährt. Typische Fragen, die bei einem Juckreiz gestellt werden, sind:

  • Seit wann besteht der Juckreiz? Zu welchen Zeiten tritt er auf? Wie oft juckt die betroffene Stelle? Gibt es sich wiederholende Tageszeiten/Situationen?
  • An welcher Stelle juckt es? Lässt sie sich genau lokalisieren? Ist nur eine Stelle betroffen oder juckt es am ganzen Körper?
  • Reagieren Sie mit Kratzen oder Reiben? Lindert dies den Juckreiz oder verschlimmert es ihn?
  • Welche Qualität hat der Juckreiz? Kitzelt, brennt oder pocht er?
  • Verändert sich bei Juckreiz bei Wärme, Kälte, Kleidung, Wasser, Schwitzen?
  • Sind mit dem Jucken weitere Symptome aufgetreten?
  • Leiden Sie an einer chronischen Krankheit? Gibt es eine familiäre Vorgeschichte?
  • Nehmen Sie Medikamente ein?
  • Haben Sie Allergien?
  • Sind Sie schwanger?
  • Arbeiten Sie in einem Umfeld, in dem Sie mit potenziellen Kontaktallergenen in Berührung kommen?

Hat der Arzt sich im Vorgespräch einen ersten Eindruck verschafft, folgt eine körperliche Untersuchung bzw. äußere Begutachtung der juckenden Körperstelle(n). Hier kann der Arzt bspw. sehen, ob die betroffenen Stellen gerötet sind, ob sich Schuppen oder Quaddeln gebildet haben und wie weitreichend die Hautveränderungen sind. In diesem Zusammenhang kann auch ein Test erfolgen, wie die Haut auf bestimmte Einwirkungen reagiert. So kann die Haut z. B. empfindlich gegen Berührung sein, heißer sein als die gesunde Haut oder Krusten und Beläge gebildet haben. Um die Haut näher zu untersuchen, kann der Arzt einen Abstrich nehmen und diesen unter dem Mikroskop untersuchen.

Gibt es keine sichtbaren Hautveränderungen oder tritt der Juckreiz im Intim- oder Analbereich auf, kann der Arzt eine Blutuntersuchung anordnen und zudem gynäkologische, urologische oder rektale Untersuchungen durchführen.

Ergänzend kann der Arzt zudem einen Allergietest durchführen, um zu untersuchen, ob es bestimmte Allergene gibt, auf die der Organismus besonders stark reagiert. Ein klassischer Test ist der sog. Prick-Test, bei dem die Haut leicht eingestochen und mit potenziellen Allergenen versetzt wird, um die allergische Reaktion zu überprüfen. Weitere Möglichkeiten, die Diagnose abzusichern, sind eine Ultraschalluntersuchung sowie Röntgenaufnahmen, diese werden in der Regel jedoch nur durchgeführt, wenn ein konkreter Verdacht auf eine entsprechende Erkrankung vorliegt.

Exkurs: Was ist ein Allergietest und welche gibt es?
Als Allergie bezeichnet man Abwehrreaktionen des menschlichen Immunsystems. Die allergische Reaktion erfolgt aufgrund von Unverträglichkeiten mit eigentlich harmlosen Stoffen wie Pollen, Hausstaub oder bestimmten Lebensmitteln. Die Beschwerden sind umso stärker, je intensiver das Immunsystem auf einen bestimmten Stoff reagiert.
Um herauszufinden, was eine allergische Reaktion auslöst, führen Hautärzte einen Allergietest durch. Am bekanntesten ist der sog. Prick-Test, doch es gibt auch andere Verfahren, um Allergien zu bestimmen:

  • Prick-Test: Bei diesem Hauttest werden verschiedene Stoffe auf die Haut aufgebracht und auf die Reaktion der Haut geprüft. Möglich macht dies ein kurzer Einstich (engl. „prick“), durch den der jeweilige Stoff in die Gewebezellen unter der Haut gelangen kann. Zeigen sich an den getesteten Stellen Rötungen oder Quaddeln, liegt eine allergische Reaktion vor. Je stärker diese ausfällt, desto höher ist der Faktor der Allergie-Reaktion. Weil einige Stoffe direkt nach dem Auftragen „wirken“, andere aber erst tiefer ins Gewebe eindringen müssen, wird der Test in der Regel erst nach 24 oder 48 Stunden ausgewertet.
  • Intrakutantest: Bei diesem Test werden die zu prüfenden Stoffe nicht auf die Haut gegeben, sondern direkt ins Hautgewebe eingespritzt. Der Vorteil dieses Tests gegenüber dem Prick-Test ist, dass auch schwächere allergische Reaktionen erkannt werden können. Weil das Spritzen unter die Haut aber unangenehm ist und ggfs. auch zu starke Reaktionen auslösen kann, wird dieser Test vorrangig angewendet, wenn der Prick-Test keine ausreichende Reaktion hervorgerufen hat.
  • Scratch-Test: Der sog. „Kratztest“ kann ebenfalls zum Einsatz kommen, wenn der Prick-Test keine ausreichende Reaktion ausgelöst hat. Hier wird die Haut oberflächlich angeritzt und das potenzielle Allergen anschließend über die oberste Hautschicht gerieben. Ziel ist, dass der allergene Stoff tiefer in die Haut gelangt als beim Prick-Test, wo er im Falle einer Unverträglichkeit eine stärkere Reaktion auslösen soll. Dieser Test gilt jedoch als weniger zuverlässig, da sich die Menge des Allergens nicht bestimmen lässt und durch die Reibung zusätzliche, von der allergischen Reaktion unabhängige Hautirritationen auftreten können.
  • Epikutantest: Der auch als Patch- oder Pflastertest bezeichnete Hauttest wird vor allem bei Stoffen angewendet, von denen man vermutet, dass sie erst nach längerer Zeit, also einem halben bis drei Tagen, eine allergische Reaktion auslösen. Das können Medikamente sein, aber auch Schmuck, Kosmetika oder Latex. Um den Test durchzuführen, werden für 24 Stunden Pflaster mit potenziellen Allergenen auf den Rücken geklebt. Auch wenn sich nach dem Entfernen noch keine Reaktion zeigt, erfolgt nach weiteren 24 Stunden noch einmal eine Überprüfung. Besteht eine Allergie, färbt sich die Haut an der betreffenden Stelle rot, schwillt an und bildet ggfs. kleine Bläschen.
Fakten-Box
Juckreiz

  • je nach Ursache kann jeder Mensch einen Juckreiz entwickeln
  • Hauptursachen sind Hautirritationen, Hauterkrankungen sowie Allergien
  • Therapie erfolgt ursachenabhängig

Symptome

  • anhaltendes Jucken auf oder unter der Haut
  • Hautrötungen
  • trockene, schuppige Haut
  • Hautveränderungen

Was tut der Arzt? Teil 2: Die Behandlung

Wie die Behandlung bei einem Juckreiz erfolgt, hängt von der Ursache für das Jucken ab. Sind beispielsweise trockene Hautstellen, Hautirritationen sowie Rötungen oder Pusteln aufgetreten, kann der Arzt Medikamente verschreiben, die das Jucken lindern – dazu zählen u. a. cortisonhaltige Salben. Auch für Hauterkrankungen wie Neurodermitis oder Schuppenflechte gibt es Salben, die die Beschwerden lindern und zugleich die Haut mit ausreichend Feuchtigkeit und Fett versorgen. Werden die Beschwerden trotz einer ausreichenden Hautpflege mit verträglichen, parfumfreien Cremes nicht besser, sollte der Arzt in einer weitergehenden Diagnose untersuchen, ob eine ernstzunehmende innere Erkrankung vorliegt, die die Symptome auslöst. Vor allem bei Juckreiz, der am ganzen Körper auftritt, sollte der Arzt eine ernsthafte Erkrankung wie Diabetes mellitus, Erkrankungen der Niere oder eine Schilddrüsenerkrankung als Möglichkeit in Betracht ziehen. Ist dies der Fall, richtet sich die Behandlung nach der vorliegenden Grunderkrankung.

Gehen mit dem Juckreiz Hautrötungen und andere Symptome einher, die eine Allergie vermuten lassen, führt der Arzt während der Diagnose einen oder mehrere Allergietests durch. Wie die Behandlung im Einzelnen ausfällt, richtet sich nach den dabei erkannten Allergien. So sollten z. B. Kleidungsstücke oder Schmuck, die bestimmte Allergien auslösen, vermieden werden. Bei Lebensmittelunverträglichkeiten kann zudem eine Ernährungsumstellung angeraten sein. Für den Übergang kann der Arzt zudem cortisonhaltige Salben verschreiben, um die Beschwerden zu lindern. Treten die juckenden Hautirritationen an den Beinen auf, sollten Patienten ihre Körperpflege umstellen: pH-neutrale Duschgels und fetthaltige Cremes helfen oftmals schon dabei, die Beschwerden in den Griff zu bekommen.

Lassen sich keine erkennbaren Ursachen für den Juckreiz finden, handelt es sich möglicherweise um idiopathisches Jucken. In diesem Fall kann der Arzt lediglich juckreizstillende Salben oder Medikamente verschreiben. Sind die juckenden Stellen klein oder tritt der Juckreiz nur lokal auf, können Salben aufgetragen werden, die die Reizweiterleitung der Nervenzellen hemmen. Betrifft der Juckreiz dagegen den gesamten Körper, lässt er sich bspw. durch die Einnahme von H1-Rezeptorenblockern lindern. Diese Medikamente hemmen im Organismus die Wirkung von Histamin, das für die Entstehung eines Juckens verantwortlich sein kann.

Eine ursachenbezogene Behandlung erfolgt auch bei einem Juckreiz am After oder im Intimbereich. Weil ein Juckreiz am After sowohl banale Auslöser wie scharfe Speisen oder bestimmte Lebensmittel, aber auch ernstzunehmende Ursachen wie Pilzinfektionen oder chronische Darmerkrankungen haben kann, ist eine genaue Diagnose, gefolgt von einer spezifischen Behandlung, von größter Wichtigkeit. Chronische Darmerkrankungen sowie der Verdacht auf Darmkrebs sollten auf jeden Fall in Betracht gezogen und bei der Therapie berücksichtigt werden.

Ähnlich verhält es sich bei einem Juckreiz im Intimbereich. Den meisten Menschen ist es unangenehm, über Beschwerden im Intimbereich zu sprechen, doch da die Schleimhäute hier sehr empfindlich sind, kann es immer wieder zu einem Juckreiz kommen. Typische Ursachen sind Pilzinfektionen oder Störungen des Schleimhautmilieus, die sich mit speziellen Salben oder Vaginalzäpfchen behandeln lassen. Doch auch ernstzunehmende Erkrankungen wie Diabetes, Schilddrüsenerkrankungen oder Geschlechtskrankheiten können einen Juckreiz im Intimbereich auslösen und sollten spezifisch behandelt werden.

Achtung!
Hinter einem Juckreiz, der insbesondere zwischen den Fingern und Zehen sowie in den Achseln und im Intimbereich auftritt, kann auch die sehr ansteckende Krankheit Krätze stecken. Es handelt sich dabei um eine Hautkrankheit, die durch Milben verursacht wird – diese graben sich in die oberste Schicht der Hornhaut ein und können dort unbehandelt lange Zeit überleben.

Ein typisches Anzeichen für Krätze ist neben dem anhaltenden Juckreiz ein roter Hautausschlag, der knötchenförmig auftritt. Dieser entsteht, weil die sog. Krätzmilben sich unter der Haut Gänge graben. Behandelt werden kann die Erkrankung mit Tabletten, speziellen Vollbädern und Anti-Milben-Salben.

Häufige Patientenfragen

Muss ich bei einer allergischen Reaktion zum Arzt?

Dr. T. Weigl
Geht der Juckreiz von einer allergischen Reaktion aus, ist ein Arztbesuch nicht immer notwendig. Wenn das Jucken nur an einer bestimmten Körperstelle auftritt und diese gerötet ist oder Pöckchen zeigt, kann man meist von einer Kontaktallergie ausgehen. Auslöser können z.B. Kleidungsstücke oder Schmuck sein. Wird die allergische Reaktion aber durch innere Faktoren, etwa eine Lebensmittelunverträglichkeit oder Medikamente ausgelöst, ist es für Laien nicht ganz so einfach, den Auslöser zu erkennen. Gibt es keine lokalen Rötungen bzw. gehen diese nicht innerhalb weniger Tage zurück, nachdem Sie an den entsprechenden Stellen auf Schmuck verzichten und Kleidung aus verträglichen Materialien tragen, ist ein Arztbesuch angeraten, um die genaue Ursache abzuklären.

Welche Ursachen hat ein Jucken der Kopfhaut?

Dr. T. Weigl
Bei Erwachsenen verbergen sich hinter einem Jucken auf der Kopfhaut meist harmlose Ursachen wie trockene Haut, Schuppen oder eine Unverträglichkeit des verwendeten Shampoos. Abhilfe schaffen spezielle bzw. pH-neutrale Haarpflegemittel. Klagen jedoch Kinder über einen anhalten Juckreiz an der Kopfhaut, ist eine genaue Untersuchung der Kopfhaut oder ein Arztbesuch angeraten. Denn häufig ist ein Läusebefall für das Jucken verantwortlich. Da dieser ansteckend ist, sollten schnellstmöglich eine Behandlung mit Läuseshampoo sowie ein Auskämmen der Nissen, d.h. der abgelegten Eier, erfolgen.

Der Juckreiz im Intimbereich ist mir unangenehm. Was soll ich machen?

Dr. T. Weigl
Dass Beschwerden im Intimbereich den meisten Menschen unangenehm sind, ist vollkommen normal. Die wenigsten sprechen einen Juckreiz gerne an, schon gar nicht vor Fremden, zu denen ein Arzt in der Regel gezählt wird. Ignorieren und hoffen, dass der Juckreiz wieder weggeht, ist jedoch keine Option. Weil der Intimbereich aufgrund der Schleimhäute sehr empfindlich ist, wird der Juckreiz zunehmend unangenehm. Ein Arztbesuch ist daher in jedem Fall angeraten – denn dahinter können neben harmlosen Überreaktionen auf Hygieneprodukte auch ernstzunehmende Geschlechtskrankheiten stecken.

Aktuelles aus der Forschung
Viele Patienten mit einer diagnostizierten Neurodermitis leiden unter einem beständigen Juckreiz. Nun haben Forscher der LMU München in einer Phase-2-Studie bestätigt, dass ein Antikörper namens Nemolizumab diesen Juckreiz lindern kann. Mithilfe von Injektionen des Antikörpers in die Haut ging der Juckreiz bei den Probanden abhängig von der Dosis zurück.
(Quelle: Thomas Ruzicka et al (2017): Anti-Interleukin-31 Receptor A Antibody for Atopic Dermatitis. New England Journal of Medicine 2017; 376:826-835.)

Muss man einen Juckreiz behandeln?

In den meisten Fällen steckt hinter einem Juckreiz eine harmlose Ursache. In einzelnen Fällen aber kann sich dahinter auch eine bislang unerkannte, schwerwiegende Krankheit oder Allergie verbergen. Diese sollten, sobald sie von einem Arzt diagnostiziert worden sind, umgehend behandelt werden.

Doch auch harmlose Auslöser sollten behandelt werden. Schließlich ist das Jucken ein sehr unangenehmes Phänomen. Stellt sich heraus, dass eine trockene Haut, eine Hauterkrankung oder eine Allergie vorliegt, lassen sich mit geringem Aufwand Wege finden, die Beschwerden zu lindern und das Allgemeinbefinden zu verbessern.

Die Hautärztin fragt Jonas zunächst darüber aus, seit wann er das Jucken verspürt, wie oft und wie stark es auftritt. Dann sieht sie sich seine Oberarme und Ellbogen, aber auch die Knie ganz genau an. Auf der hochauflösenden Kamera, die mit einem Computer verbunden ist, kann Jonas sehen, dass die Haut dort ganz trocken, schuppig und, wie er findet, „richtig hässlich“ aussieht. Für heute verschreibt die Ärztin erst einmal ein cortisonhaltige Creme und empfiehlt Jonas, zu pH-neutralen Duschgels ohne Parfums zu wechseln. In einer Woche will sie die Haut erneut kontrollieren, um festzustellen, ob er nur extrem trockene Haut hat oder ob eine ernstzunehmende Hauterkrankung wie Neurodermitis oder Schuppenflechte dahintersteckt.

Verwandte Themen

Haben auch Sie Erfahrungen mit Juckreiz? Haben Sie Fragen zum Thema? Nutzen Sie unsere Kommentarfunktion unten für den Austausch untereinander und mit uns!

Die hier beschriebenen Punkte (Krankheit, Beschwerden, Diagnostik, Therapie, Komplikationen etc.) erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Es wird genannt, was der Autor als wichtig und erwähnenswert erachtet. Ein Arztbesuch wird durch die hier genannten Informationen keinesfalls ersetzt.

Autoren: Dr. Tobias Weigl, Christine Pepersack
Lektorat: Andrea Lorenz
Veröffentlicht: 10.11.2018

Quellen

  • Lutz Kowalzick, Gunnar Wagner (2013): Dermatologie von Fall zu Fall. Spannende Kasuistudien aus der Praxis. Thieme-Verlag, Stuttgart.
  • Martin Röcken et al. (2010): Taschenatlas Dermatologie. Grundlagen, Diagnostik, Klinik. Thieme-Verlag, Stuttgart.
  • Gernot Rassner (2009): Dermatologie Lehrbuch und Atlas. 9. Auflage. Elsevier, München.
  • Joachim Saloga et al. (2011): Allergologie-Handbuch. Grundlagen und klinische Praxis. 2., überarbeitete und erweiterte Auflage. Thieme-Verlag, Stuttgart.
  • Axel Trautmann, Jörg Kleine-Tebbe (2017): Allergologie in Klinik und Praxis: Allergene, Diagnostik, Therapie. Thieme-Verlag, Stuttgart.
  • [Gesamt:2    Durchschnitt: 5/5]

    Noch keine Kommentare.

    Was denkst Du?

    Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.