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Serotonin-Syndrom – Schüttelkrämpfe durch Antidepressiva und Drogen

Das Serotonin-Syndrom wird oft durch die Einnahme bzw. Kombination von Antidepressiva ausgelöst. Daher ist eine Monotherapie ratsam.
— Dr. Tobias Weigl


Von Medizinern geprüft und nach besten wissenschaftlichen Standards verfasst

Dieser Text wurde gemäß medizinischer Fachliteratur, aktuellen Leitlinien und Studien erstellt und von einem Mediziner vor Veröffentlichung geprüft.

Quellen ansehen
Das Serotonin-Syndrom bezeichnet eine Überdosis des Neurotransmitters Serotonin. Meist wird sie ausgelöst durch eine Überdosis an Medikamenten gegen Depressionen, die ungünstige Kombination mehrerer Antidepressiva oder die Einnahme von serotonergen Drogen wie Ecstasy oder LSD. Symptome sind charakteristischerweise Fieber und Schüttelfrost, Zittern, schnelle Atmung, starkes Schwitzen, Übelkeit. Die Diagnose ist nicht einfach, da die Symptome auch auf andere Erkrankungen hindeuten können und ein eindeutiges Testverfahren für das Serotonin-Syndrom nicht existiert. Die Therapie besteht vor allem aus dem Absetzen der auslösenden Substanzen und der Behandlung der Symptome. In diesem Artikel erfahren Sie mehr zu Beschwerden, Therapie und Behandlung des Serotonin-Syndroms.

„Bist du dir sicher, dass du zum Arzt musst?“, fragt Jaquelines Mutter skeptisch. Jaqueline hatte ihre Mutter auf dem Handy angerufen und bittet sie nun, sie dort hinzufahren, da sie sich den Weg selbst gerade nicht zutraut. Gestern erst hat Jaqueline von ihrem Psychiater ein neues Medikament gegen ihre Depressionen verschrieben bekommen, doch irgendetwas läuft verkehrt. Seit ein paar Stunden ist sie sehr unruhig, schwitzt wie verrückt und ihr Herz pocht schnell und schmerzt ein wenig. Außerdem ist ihr übel. Das kann doch nicht normal sein. „Ja, ich bin mir sicher.“, sagt sie daher. „Na gut, ich hole dich ab“, lenkt ihre Mutter ein und legt auf. Jaqueline seufzt. Hoffentlich kann der Arzt ihr helfen.

Was ist Serotonin?

Serotonin ist ein Neurotransmitter, ein Botenstoff. Die chemische Bezeichnung lautet 5-Hydroxyd-Tryptamin. Es kommt sowohl im peripheren Nervensystem (kurz PNS) als auch im zentralen Nervensystem (kurz ZNS) – besonders im Hirnstamm – und in den Thrombozyten (den Blutplättchen) vor. Gebildet wird es vor allem in enterochromaffinen Zellen (Zellen des Nervensystems des Darms), allerdings auch im Gehirn. Transportiert wird es im Blut über die Blutplättchen.

Im folgenden Video erklärt Dr. T. Weigl die Symptome und möglichen Ursachen eines Serotonin-Syndroms.

Als Botenstoff leitet Serotonin Informationen in unserem Nervensystem von einer Nervenzelle zur anderen weiter. Indem der Botenstoff sich an einen dazu passenden Rezeptor anheftet, wird die Information übermittelt. Serotonin hat eine Vielzahl an Funktionen. Im zentralen Nervensystem hat es unter anderem Wirkung auf:

  • Gedächtnisleistung
  • Schmerzempfinden
  • Thermoregulation (Wärmeempfinden)
  • Sexualverhalten
  • Essverhalten (Appetit)
  • Schlafsteuerung (Schlaf-Wach-Rhythmus)

Zudem ist Serotonin von großer Wichtigkeit für Emotionen, es beeinflusst beispielsweise Aggressionen und auch Angstempfinden. Weitere Wirkungsgebiete außerhalb des zentralen Nervensystems sind die Weitung der Blutgefäße und der Bronchien. Auch Blutgerinnung und Darmaktivitäten werden durch den Botenstoff gesteuert.

Kommt es zu einer Störung des Serotoninhaushaltes, beeinflusst das also eine große Menge an Mechanismen im menschlichen Körper. Bei einem Mangel an Serotonin kann es beispielsweise zu Antriebslosigkeit, Gereiztheit, verstärkter Schmerzwahrnehmung und erhöhter Müdigkeit kommen. Auch bei Krankheiten wie Depressionen oder Angststörungen liegt ein gestörtes Serotonin-Gleichgewicht vor, was jedoch nicht die alleinige Ursache ist.

Mehr zum Neurotransmitter Serotonin, seiner Funktion, den Wirkungsbereichen und seiner Rolle in Medikamenten erfahren Sie in diesem Artikel: Der Neurotransmitter Serotonin

Im folgenden Video erklärt Dr. T. Weigl das Glückshormon Serotonin

 

Achtung!
Ein Serotoninmangel kann beispielsweise durch einen Mangel an Vitamin B6 oder durch eine Krebserkrankung ausgelöst werden. Doch auch langanhaltender Stress kann eine Ursache sein!

Das Serotonin-Syndrom

Das Serotonin-Syndrom wird auch als serotoninerges oder serotonerges Syndrom bezeichnet. Es beschreibt einen Überschuss des Transmitters Serotonin im synaptischen Spalt (dem Raum zwischen zwei Neuronen, in dem diese miteinander kommunizieren). Resultat ist eine serotonerge Hyperaktivität: Die Rezeptoren werden zu stark stimuliert, was wiederum eine überschießende Reaktion auslöst.

Das Serotonin-Syndrom selbst beschreibt keine Erkrankung, es ist vielmehr eine Vielzahl an Symptomen, die sich auf den Serotonin-Überschuss zurückführen lassen.

Symptome

Die Symptome eines Serotonin-Syndroms treten meist innerhalb der ersten 24 Stunden nach Medikamenteneinnahme auf. Bei mehr als der Hälfte getesteter Probanden traten Reaktionen bereits in den ersten 6 Stunden auf. Die Symptome lassen sich in vier Kategorien aufteilen:

Vegetativ (unbewusst wirkend):

Gastrointestinal (Magen und Darm betreffend):

Psychiatrisch:

Neurologisch:

  • Gesteigerte Reflexbereitschaft (sog. ‚Hyperreflexie‘)
  • Schüttelkrämpfe (sog. ‚Myoklonien‘)
  • Muskelzittern (sog. ‚Tremor‘)
  • Störungen im Ablauf und der Koordination von Muskelbewegungen (sog. ‚Ataxie‘)
Achtung!
Die Symptome eines Serotonin-Syndroms ähneln denen eines malignen Neuroleptika-Syndroms. Wichtiger Unterschied ist die Reaktionszeit: Anders als beim Serotonin-Syndrom entwickeln sich die Symptome des malignen Neuroleptika-Syndroms langsamer, nämlich innerhalb mehrerer Tage.

Die Symptome eines Serotonin-Syndroms können in starken Fällen durchaus lebensbedrohlich werden. Beispielsweise können epileptische Anfälle bis hin zum Koma auftreten oder Komplikationen durch anhaltende Herzrhythmusstörungen vorkommen.

Ursachen

Die Ursache für ein Serotonin-Syndrom ist die Überdosierung von Medikamenten, die auf den Serotoninhaushalt wirken. Beispiele dafür sind Antidepressiva oder eine Kombination verschiedener serotonerger Medikamente. Man kann das Serotonin-Syndrom also als Neben- oder Wechselwirkung dieser bezeichnen.

Oft entsteht das Syndrom in Folge ärztlich verordneter Medikamente oder durch fehlgeleitete Eigenmedikation. Antidepressiva, die als MAO-Hemmer wirken (so nennt man Medikamente, die die Wirkung von Monoaminooxidase-Enzymen hemmen, welche beim Abbau und Speichern von Serotonin beteiligt sind), können diese Wirkung alleine in Überdosierung oder in Kombination mit Serotonin-Aufbau-Hemmern entfalten. Dazu zählen beispielsweise:

  • Ranylcypromin
  • Fluoxetin
  • Paroxetin
  • Citalopram
  • Doxepin
  • Imipramin
  • Tramadol
  • Johanniskraut
  • Buspiron

Die folgende Tabelle gibt ergänzend eine Gesamtübersicht über Medikamente, Drogen und Pflanzen, die das Serotonin-Syndrom hervorrufen können:

Systematische Wirkung im seretonergen SystemWirkstoff
vermehrte Freisetzung an SerotoninEctasy, Kokain, Amphetamine, Mirtazapin, Methadon, L-Dopa
vermehrte Bildung von SerotoninTryptophan
Hemmung des Abbaus von SerotoninMonoaminooxidase (MAO-Hemmer), z. B. Linezolid, Tranylcypromid oder Moclobemid
Hemmung der Rückführung von Serotonin zwischen zwei Nervenzellen
  • Tramadol, Trazodon, Pethidin, Johanniskraut, Kokain, Ectasy, Granisetron und Ondansetron (Wirkstoffe gegen Übelkeit/Erbrechen)

  • trizyklische Antidepressiva: Doxepin, Desipramin, Imipramin, Clomipramin, Nortriptylin

  • Selektive Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahme-Hemmer (sog. SSNRI), z. B. Duloxetin, Venlafaxin

  • Selektive Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer (sog. SSRI), z. B. Citalopram, Fluoxetin, Paroxetin und Setralin
  • verstärkt die SerotoninwirkungLithium
    stimulieren den Serotonin-RezeptorMigränemittel Triptane (z. B. Almotriptan und Sumatriptan), zudem Buspiron
    Aktuelles aus der Forschung:
    Auch in einem eher unvermuteten Bereich existiert ein Stoff, der nach aktueller Forschung serotonerg wirkt: Die Aminosäure Tryptophan. Sie ist am Proteinaufbau im Körper beteiligt und wird manchen Nahrungsergänzungsmitteln beigemischt. In Kombination mit anderen serotonergen Medikamenten, vor allem den bereits erwähnten MAO-Hemmern, kann es so zum Serotonin-Syndrom kommen.
    Quelle: Leslie V. Simon, Michael Keenaghan (2018): Serotonin Syndrome. StatPearls Publishing, Treasure Island (FL)

    Aus diesem Grund sollten Antidepressiva grundsätzlich als Monotherapie (also nur ein Medikament) eingenommen werden und ihre Einnahme mit einem Facharzt abgesprochen und angeleitet sein, ebenso wie eventuelle Komedikationen (begleitende Einnahme von weiteren Medikamenten). Bei einer Medikamentenumstellung kann eine Regenerationsphase ratsam sein, in der das vorherige Medikament im Körper abgebaut werden kann, um Wechselwirkungen mit dem neuen Medikament zu vermeiden.

    Gut zu wissen!
    Ärzte gingen lange davon aus, dass die Einnahme von Triptanen (Abkömmlinge des Serotonins als Arzneistoff gegen Migräne) wie beispielsweise Rizatriptan, in Kombination mit Antidepressiva das Risiko für ein Serotonin-Syndrom erhöhen. Dies wurde nun widerlegt, es besteht kein erhöhtes Risiko.

    Exkurs: Tramadol

    Tramadol ist ein Medikament aus der Reihe der schwachen Opioide und wird zur Behandlung von mittelstarken bis starken Schmerzen angewandt. Entwickelt wurde es im Jahr 1977.

    Tramadol hemmt die Wiederaufnahme von Serotonin und Noradrenalin in die Nervenzellen. Das führt dazu, dass sich die Konzentration dieser zwei Stoffe im Körper erhöht, was wiederum Schmerz, bzw. die Schmerzweiterleitung dämpft. Es wirkt zudem leicht euphorisierend, angstlindernd, und entspannend: Es hat also schwache antidepressive Wirkung. Aufgrund dieser Wirkungen muss unbedingt große Vorsicht geboten sein bei der Kombination von Tramadol mit sog. MAO-Hemmern. Durch diese Kombination kann es zu einem Serotonin-Syndrom kommen.

    Angewendet wird Tramadol vor allem in der Schmerztherapie. Es wird bei starken Gelenkschmerzen, wie etwa bei Arthrose, bei Rückenschmerzen, oder auch bei Tumorschmerzen eingesetzt. Es gibt Tramadol in verschiedenen Formen, beispielsweise als Tablette, Zäpfchen oder flüssig zur intravenösen Verabreichung.
    Mit dem Tramadol verwandte Substanzen sind beispielsweise weitere Opioide, die in der Schmerztherapie Anwendung finden. Dazu gehören u.a. Fentanyl, Morphin oder Tilidin.

    Video-Beitrag zu Tramadol und Tilidin

    In diesem Beitrag geht Dr. Tobias Weigl auf die beiden Opioide Tramadol und Tilidin ein, die vor allem bei starken Schmerzen zum Einsatz kommen, und erläutert deren Wirkungen sowie Nebenwirkungen.

    Weitere Informationen zum Thema Tramadol, seiner Wirkweise, Nebenwirkungen und Verwendung lesen Sie in diesem Artikel: Das Opioid Tramadol

    Eine weitere mögliche Ursache für das Serotonin-Syndrom ist der Konsum von Drogen, die Einfluss auf das serotonerge System haben. Dazu zählen beispielsweise Ecstasy oder LSD. Sie können, insbesondere in Kombination mit anderen Drogen oder serotonergen Medikamenten, ein Serotonin-Syndrom auslösen.

    Wer ist betroffen?

    Das Serotonin-Syndrom kann in unterschiedlicher Ausprägung bei Menschen jeden Geschlechts und Alters auftreten, da es sich um eine Reaktion auf einen Serotoninüberschuss handelt.

    Ist bei Ihnen schon einmal ein Serotonin-Syndrom diagnostiziert worden? Welche dieser Symptome traten dabei auf (Mehrfachnennungen möglich)? Mit Ihrer Teilnahme helfen Sie anderen Lesern, ihre Symptome besser einzuschätzen.
    Fakten-Box
    Serotonin

    • Ein Neurotransmitter, 5-Hydroxyd-Tryptamin
    • Serotonin leitet Informationen in unserem Nervensystem von einer Nervenzelle zur anderen weiter
    • Vielzahl an Funktionen, beeinflusst u.a. Wärmeempfinden, Gedächtnisleistung, Schmerzempfinden

    Serotonin-Syndrom

    • an sich keine Erkrankung, es ist vielmehr eine Vielzahl an Symptomen
    • beschreibt einen Überschuss des Transmitters Serotonin im synaptischen Spalt
    • eine Überdosierung von Medikamenten, die auf den Serotoninhaushalt wirken, oder eine Kombination verschiedener serotonerger Medikamente

    Symptome

    • Vegetativ (wie bspw. Fieber, Bluthochdruck)
    • Gastrointestinal (wie bspw. Übelkeit, Durchfall)
    • Psychiatrisch (wie bspw. Angst, Delir)
    • Neurologisch (wie bspw. Muskelzittern, gesteigerte Reflexbereitschaft)

    Was tut der Arzt? Teil 1: Die Diagnose

    Die Diagnose des Serotonin-Symptoms ist nicht einfach. Die Symptome können denen anderer Krankheitsbilder – etwa dem oben erwähnten malignen Neuroleptika-Syndroms – ähneln. Zudem entwickeln sich die Symptome unter Umständen sehr zügig, was einer ausgiebigen Untersuchung entgegensteht. Sie wird ausschließlich aufgrund der Symptome und der Medikationshistorie gestellt, konkrete Laboruntersuchungen, die ein Serotonin-Syndrom belegen könnten, gibt es keine.

    Um ein Serotonin-Syndrom zu ermitteln erfolgt zunächst die Anamnese, also das ausführliche Gespräch mit dem Arzt, bzw. der Ärztin. Dabei werden Fragen geklärt wie etwa:

    • Welche Beschwerden haben Sie?
    • Seit wann leiden Sie unter den Beschwerden?
    • Sind bei Ihnen Vorerkrankungen bekannt?
    • Nehmen Sie Medikamente ein, wenn ja welche?
    • Wurden Ihre Medikamente kürzlich umgestellt?

    Darauf folgt die körperliche Untersuchung, bei der der Arzt auf typische Symptome des Serotonin-Syndroms achtet, wie beispielsweise ein erhöhter Blutdruck, beschleunigte Atmung, Muskelzucken oder eine abweichende Körpertemperatur. Weitere Punkte sind überschießende Reflexe oder Unruhe.

    Ist der Konsum von Drogen alleine oder in Kombination mit serotonergen Medikamenten ursächlich für das Serotonin-Syndrom, kann ein Urintest Aufschluss geben.
    Den Symptomen des Serotonin-Syndroms kann man mit diversen weiteren Untersuchungen nachspüren (beispielsweise kann ein Blutbild Aufschluss über einen erniedrigten Thrombozytenspiegel bieten). Es gibt jedoch kein Untersuchungsverfahren, um das bloße Syndrom sicher zu bestätigen.

    Da das Serotonin-Syndrom ähnliche Symptome aufweist wie andere Erkrankungen, ist eine Differentialdiagnose wichtig, um es von diesen Erkrankungen abzugrenzen.

    Was tut der Arzt? Teil 2: Die Behandlung

    Der erste Schritt in der Behandlung des Serotonin-Syndroms ist das Absetzen der auslösenden Medikamente, bzw. aller serotonergen Medikamente. In den meisten Fällen reicht das aus, um das Serotonin-Syndrom zu bekämpfen. Zudem werden die Vitalfunktionen (wie bspw. Atmung, Herztätigkeit, Blutdruck) normalisiert. Es findet also eine symptomatische Behandlung statt. Medikamente, die hierfür in Frage kommen, sind Lorazepam oder Propranolol.

    In schwereren Fällen kann eine intensivmedizinische Betreuung unumgänglich sein, da Symptome wie beispielsweise die Hyperthermie lebensbedrohlich sein können. Daher ist die Überwachung und Behandlung der Vitalparameter (Puls, Herzfrequenz, Puls, etc.) auf der Intensivstation notwendig.

    Häufige Patientenfragen

    Ich habe Sorge, dass mein Partner an einem Serotonin-Syndrom leidet. Sollte ich auf einen Arztbesuch drängen?

    Dr. T. Weigl:
    Auf jeden Fall. Da das Serotonin-Syndrom Symptome haben kann, die das Leben des Betroffenen gefährden, ist es überaus wichtig, schnellstmöglich einen Arzt aufzusuchen. Die Symptome des Syndroms entwickeln sich zumeist innerhalb weniger Stunden nach der Medikamenteneinnahme, also ist eine schnelle Behandlung wichtig, um gefährliche Symptome wie Hyperthermie oder Herzrhythmusstörungen erkennen und regulieren, bzw. behandeln zu können. Beim Serotonin-Syndrom handelt es sich um eine Überdosierung, bzw. Wechselwirkung von Medikamenten, es können jedoch auch Drogen die Ursache sein. In jedem Fall ist von einer Eigenbehandlung abzusehen.

    Wie lange hält das Serotonin-Syndrom an?

    Dr. T. Weigl:
    In den meisten, weniger schwerwiegenden Fällen, lässt das Serotonin-Syndrom innerhalb von ein bis zwei Tagen nach. Voraussetzung dafür ist jedoch das Absetzen der auslösenden Medikamente. Die Behandlung sollte unbedingt in ärztlicher Obhut stattfinden, um Komplikationen vorzubeugen und die möglicherweise schwerwiegenden Symptome angemessen behandeln zu können. Dabei sind Art und Intensität der Beschwerden von entscheidender Bedeutung für die Behandlung.

    Wie erkenne ich ein Serotonin-Syndrom?

    Dr. T. Weigl:
    Es ist tatsächlich schwierig, ein Serotonin-Syndrom zu erkennen. Die Symptome, wie Herzrasen, Bluthochdruck, erhöhte Reflexbereitschaft, Delir, Unruhe usw. ähneln denen einiger anderer Erkrankungen und selbst Ärzte haben Schwierigkeiten, sie eindeutig zuzuordnen. Hilfreich sind dabei die Krankengeschichte des Betroffenen und auch die Medikamentenhistorie. Da die Symptome des Serotonin-Syndroms schwerwiegend ausfallen und durchaus das Leben des Betroffenen gefährden können, ist es absolut sinnvoll, im Zweifelsfalle einen Arzt aufzusuchen.

    Den Weg zum Arzt hat Jaqueline nur bruchstückhaft mitbekommen, sie war geistig nicht mehr ganz da. Zum Glück hat die Sprechstundenhilfe sofort erkannt, dass es ihr wirklich schlecht ging und hat sie und ihre Mutter direkt zum Arzt durchgeschickt. Die Fragen des Arztes, was genau ihre Beschwerden seien und ob sie Medikamente nehme, hat sie kaum beantworten können und war froh, dass ihre Mutter diese Auskünfte geben konnte. Nach einer körperlichen Untersuchung hat der Arzt sie direkt ins Krankenhaus geschickt. Ihre Symptome deuteten auf einen Überschuss an Serotonin hin, wie ihr die Ärzte dort einen Tag später erklären. Es geht ihr mittlerweile schon viel besser. Die neuen Antidepressiva haben wohl mit ihren bisherigen Medikamenten zusammen zu dem Serotoninüberschuss geführt. Sie bekommt nun ein anderes Medikament, das sie nicht mit weiteren kombinieren muss.

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    Haben auch Sie Erfahrungen mit dem Serotonin-Syndrom? Haben Sie Fragen zum Thema? Nutzen Sie unsere Kommentarfunktion unten für den Austausch untereinander und mit uns!

    Die hier beschriebenen Punkte (Krankheit, Beschwerden, Diagnostik, Therapie, Komplikationen etc.) erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Es wird genannt, was der Autor als wichtig und erwähnenswert erachtet. Ein Arztbesuch wird durch die hier genannten Informationen keinesfalls ersetzt. Autoren: Dr. Tobias Weigl und Sarah Sodke
    Redaktion: Christopher Keck
    Veröffentlicht am: 23.12.2018, zuletzt aktualisiert: 23.01.2019

    Quellen

    • Banaure u. a. (2007): Innere Medizin. Springer-Verlag, Heidelberg.
    • Bandelow u. a. (2008): Kurzlehrbuch Psychiatrie. 2. Auflage. Steinkopff.
    • Herold u. a. (2012): Innere Medizin. Eigenverlag.
    • Lüllmann u. a. (2010): Pharmakologie und Toxikologie. Georg Thieme Verlag.
    • Yulia Orlova, Paul Rizzoli, und Elizabeth Loder (2018): Association of Coprescription of Triptan Antimigraine Drugs and Selective Serotonin Reuptake Inhibitor or Selective Norepinephrine Reuptake Inhibitor Antidepressants With Serotonin Syndrome. In: JAMA Neurology 75(5): S. 566–572
    • Brigitte M. Gensthaler(2012) Pharmazeutische Zeitung: Serotonin-Syndrom – Lebensbedrohlicher Überschuss. In: Pharmazeutische Zeitung 35/2012.
    • rme/aerzteblatt.de (2018): Serotonin-Syndrom: Geringes Risiko bei gleichzeitiger Einnahme von Triptanen und Antidepressiva. In: aerzteblatt.de
    • Randy Sansone und Lori Sansone (2009): Tramadol: seizures, serotonin syndrome, and coadministered antidepressants. In: Psychiatry (Edgmont) 6 (4), S. 17–21.
    [Gesamt:13    Durchschnitt: 4.6/5]
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    • V. Wittwer
      30.08.2019 13:18

      Ich habe nachgerade Angst vor ärztlichen Verordnungen nachdem ich mit – für mich schwerwiegenden Symptomen – in der Hausarztpraxix niedergemacht wurde. Ich hatte zu diversten Medikamenten – u.A. Tramal-Tropfen – Brintelex verordnet und erlebte damit eines Tages den Schock meines Lebens zumal ich allein lebe. Weil die Arztgehilfin meine Infos nicht korrekt weitergegeben sondern sich über mein Insistieren einen Arzt konsultieren zu können beklagte. Schliesslich hat sie mir am Telefon gesagt, dann können sie „halt“ (Zeichen von nicht Ernstnehmen „renitenter“ Patienten dann noch dazwischen kommen. Da sagte ich nein danke und konnte beim Endokrinologen zumindest mal eine Blutkontrolle machen lassen. Durch die Rheumatologin, einzige Aerztin die die Interaktionen verschiedener Medikamente geprüft hat wurde zwar auf die Möglichkeit eines Serotonin-Syndroms hingewiesen aber damit von den anderen ignoriert. Ich will nicht ausführlicher werden und auf keinen Fall über „die Ärzte schimpfen“. Aber ich bin hochgradig verunsichert. Ich bezog meine Medikamente bei einer Versandapotheke die auf der Rechnung vermerkt bei Problemen solle man sich an den Arzt wenden. Habe ich getan. Ich beziehe sie nun wieder in einer Apotheke wo man mir über das Zusammenspiel der verschiedenen Medikamente erst Auskunft gibt, wenn ich Papierrezepte vorlege. Dies obwohl ich die Liste mit den Verordnungen von der Versandapotheke vorgelegt habe. Indiskretionen inbegriffen. Ich wurde dann das nächste Mal auf unserer Poststelle darauf angesprochen, dass diese Pakete der Versandapotheke wohl eingeschrieben zugestellt würden weil darin Mittel wären die man auf dem illegalen Drogenmarkt verscherbeln könnten. Dass es Zuhörer hatte ist keine Frage.
      Nicht nur fühle ich mich alleingelassen und verunsichert, weil offensichtlich Apotheken – nur von da konnte die Postangestellte auf eine derart unsinnige Idee kommen – ihr Berufsgeheimnis nicht sonderlich ernst nehmen. Wenn die Gerüchteküche erst angeheizt ist wird das mit dem als Patient ernst genommen werden noch schwieriger.
      Ich halte mich momentan an die Rheumatologin die offensichtlich die einzige ist die „bei der Sache ist“ und eben die Interaktionen der Medikamente prüft und anspricht in der Sprechstunde. Denn leider war auch eine Intervention an eine andere Fachärztin folgenlos, im Gegenteil, die hat die Dosierung eines Antidepressivums erhöht und ein schlafanstossendes Medikament zusätzlich verordnet, das im Zusammenspiel mit Tramal nicht eben vorteilhaft war.

    • V. Wittwer
      30.08.2019 13:48

      Um nicht missverstanden zu werden möchte ich nochmals darauf hinweisen, dass mir nicht daran liegt Ärzte zu verunglimpfen. Ich habe in früheren Jahren leider schon einmal erlebt, dass die Symptome einer zu Anfang leicht zu behandelnden Erkrankung als „etwas Psychisches nicht behandelt wurde mit entsprechenden Konsequenzen.
      Und nun erlebe ich, dass etwas was doch bekannt und überprüfbar wäre, neuerlich nicht sonderlich ernst genommen wird. Die Rheumatologin ist mein Rettungsanker und ich hoffe sehr, dass das mit den Medikamenten nun geregelt wird – habe ich an hausärztlicher Stelle drum gebeten – wurde aberabgewimmelt. Auch das empfohlene EKG wurde nicht angemeldet. Ich selbst hätte quasi meine Behandlung bestimmen sollen aber dafür brauche ich keinen Hausarzt, ist für mich irgendwie eine Farce. Ich hoffe ebenfalls, dass man der Ursache auf den Grund geht und die Behandlung entsprechend konzipiert. Ein weiteres Anliegen wäre für mich die sachlich-fachliche Kommunikation unter den Ärzten und Hausärzte die Bereit sind die „Fäden in die Hand zu nehmen“.
      Wie schwierig das ist habe ich einige Jahre mit meiner Mutter erlebt wo man mir tatsächlich unterstellte ich würde ihre Medikamente -v.A. Marcoumar – nicht ordentlich für sie bereitstellen. Nach einem Herzstillstand fand man dann heraus, dass sie schwer Krebskrank mit multiplen Metastasen war. Zuvor war sie mehrmals ins selbe Spital eingewiesen worden wo das bis dahin offensichtlich nicht bemerkt worden war.
      Mir scheint, da liegt die Krux, dass Abklärung und Ausschliessen möglicher Erkrankungen manchmal erst dann erfolgen wenn es zu spät ist. Habe ich an mir selber erlebt. Dass ich in diesen Jahren durch die Hölle ging unter aktiver Mithilfe diverser Ansprechstellen und ihren Mitarbeitern. Eine schrie mir solange ins Ohr: Wir sind dafür nicht zuständig..bis ich einfach den Hörer auflegte. Die Dame der Patientenorganisation sagte mir – als ich um Hilfe bat – ihre Mutter ist ja schon alt, die stirbt ja sowieso.
      Unser Gesundheitswesen ist für mich zu einem Krankheitswesen geworden. Ich bitte alle Leser mich nicht falsch zu verstehen. Ich schreibe wirklich weil ich zunehmen genau daran verzweifle, wo ich doch eigentlich meine Gesundheit solange wie möglich erhalten möchte.

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