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Oxycodon – Effektives Schmerzmittel mit hohem Suchtpotential | Wirkung | Risiken

Oxycodon ist schon seit 1919 als Analgetikum bekannt und heute aus der Schmerztherapie nicht wegzudenken
– Dr. Tobias Weigl


Von Medizinern geprüft und nach besten wissenschaftlichen Standards verfasst

Dieser Text wurde gemäß medizinischer Fachliteratur, aktuellen Leitlinien und Studien erstellt und von einem Mediziner vor Veröffentlichung geprüft.

Quellen ansehen

Oxycodon gehört zu den stark wirksamen Opioiden und ist bereits seit 1919 als Schmerzmittel (sog. ‚Analgetikum‘) bekannt. Es ist spielt aufgrund der hohen Wirksamkeit in der heutigen Schmerztherapie eine enorm wichtige Rolle. Als Stoff, der mit dem Opium verwandt ist, kann es aber schnell abhängig machen. Daher wird der Einsatz auch streng kontrolliert.

 

 

Die Schmerzen waren einfach grauenhaft! Nicht auszuhalten! Schnell hat der Arzt Richard aber Oxycodon verschrieben, damit er sich besser von der Operation erholt. Richard fühlt sich gut, wenn er die Tabletten nimmt. Die Schmerzen sind weg, er fühlt sich leicht, fröhlich, viel zu gut eigentlich für seinen Zustand. Wenn er vorgibt, weiterhin Schmerzen zu haben, dann kann er vielleicht viel mehr von dem Zeug bekommen …

Was ist Oxycodon?

Das Opioid Oxycodon wird bei der Behandlung von starken bis sehr starken Schmerzen eingesetzt und ist dabei etwas stärker wirksam als Morphin. Oxycodon ist ein verschreibungspflichtiges Betäubungsmittel. Es birgt, wie viele andere Opioidanalgetika, ein hohes Suchtpotenzial, was zu Arzneimittelmissbrauch führen kann. Aus diesem gefährlichen Grund ist es verschreibungspflichtig und darf nicht ohne Rezept abgegeben werden.

Edmund Speyer (1878–1942) und Martin Freund (1863–1920) haben im Jahre 1916 das Oxycodon synthetisiert. Kurz darauf wurde es unter dem Handelsnamen Eukodal® bekannt, allerdings nicht nur als schmerzlinderndes Mittel, sondern auch als Medizin gegen Husten. Seit 1919 wird Oxycodon offiziell als starkes Analgetikum anerkannt und wird seitdem in vielen Schmerztherapien angewandt.

Als Arzt, der sich besonders mit Schmerzen und ihrer Behandlung auskennt, hat Dr. Tobias Weigl täglich mit Opioiden zu tun. Alles Wissenswerte aus der ärztlichen Praxis im Umgang mit den Schmerzmitteln Morphin, Oxycodon, Hydromorphon, Buprenorphin & Fentanyl erfahren Sie in diesem Video.
 

 

Gut zu wissen!

Nach dem Betäubungsmittelgesetz ist der unerlaubte Besitz von Oxycodon (sowie anderer Opioide), der Anbau (z. B. von Schlafmohn, aus dem Opium gewonnen wird), die Herstellung und die Abgabe oder sonstige Arten, diese in den Verkehr zu bringen und weiterzugeben, verboten. Geahndet werden Verstöße mit einer Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahren oder einer Geldstrafe.

Wirkungsweise

In der folgenden Übersicht finden Sie wichtige Wirkungen und Nebenwirkungen des Oxycodons auf einen Blick.
 

Wirkungen
schmerzlindernd (sog. analgetisch)
beruhigend (sog. sedierend)
Angstlösend (sog. Anxiolyse)
euphorisch
Hemmung des Atemzentrums (sog. atemdepressiv)
Gegen Husten (sog. antitussiv)
Übelkeit und Erbrechen auslösend (sog. emetisch)
 
Nebenwirkungen (sehr häufig)Nebenwirkungen (häufig)Nebenwirkungen (selten)
Verstopfung (sog. Obstipation)SchwitzenStörung des Tränenflusses
Unterdrückung der AtmungKopfschmerzenTrockene Haut
JuckreizStimmungsveränderungenGesteigerter Appetit
SchwindelAlpträumeSchluckbeschwerden
Übelkeit/ErbrechenHarndrangHerzklopfen
Hautausschlag
 
Falls Sie sich für weitere Wirkungen und Nebenwirkungen von Oxycodon oder von anderen Opiaten wie Fentanyl oder Morphin interessieren, schauen Sie sich gerne das Video oben über die Opioide an.

Einsatzgebiete

Oxycodon wird ähnlich wie andere Opioide zur Behandlung von starken bis sehr starken Schmerzen eingesetzt. Als Beispiel dienen hier intra- oder postoperative (während oder nach einer Operation oder einem chirurgischen Eingriff) Schmerzen oder auch Tumorschmerzen.

Außerdem kann Oxycodon auch bei chronischen Schmerzen eingesetzt werden. Zudem wird Oxycodon auch bei der Behandlung von Herzinfarkten, Luftnot oder akutem Lungenödem eingesetzt. Hierbei handelt es sich jedoch um keine offiziell zugelassene Therapie, sondern um eine Verordnung außerhalb des zugelassenen Gebrauchs (sog. ‚off-label-use‘).

Exkurs: Das Stufenschema für Schmerzen der WHO

Die Weltgesundheitsorganisation (World Health Organisation, WHO) hat ein sog. Stufenschema entwickelt, welches für die Therapie von Tumorschmerzen verwendet wird. Es wird aber auch bei anderen Schmerzzuständen häufig als Richtlinie verwendet. Anhand dieser drei Stufen können Ärzte besser eisnchätzen, was für Schmerzmittel sie verschreiben sollen.

In der 1. Stufe wird ein nicht-opioides Analgetikum (Schmerzmittel), z.B. Ibuprofen, Diclofenac oder Novalgin, allein oder zusammen mit einem Ko-Analgetikum eingesetzt.

In der 2. Stufe wird ein schwach wirksames Opioid, z.B. Tilidin oder Tramadol, allein oder in Kombination mit einem nicht-opioiden Analgetikum und/oder einem adjuvantem Stoff angewandt. Als adjuvant wird ein Stoff bezeichnet, der die Wirkung des Opioids unterstützt beziehungsweise verstärkt.

In der dritten und letzten Stufe erhält der Patient ein stark wirksames Opioid, z.B. Oxycodon oder Fentanyl, allein oder in Kombination mit einem nicht-opioiden Analgetikum und/oder einem Ko-Analgetikum. Oxycodon findet nur in dieser dritten Stufe Verwendung.

Anwendung & Dosierung

Oxycodon kann in verschiedenen Formulierungen abgegeben und angewendet werden. Diese verschiedenen Darreichungsformen sind angesichts der unterschiedlichen Schmerztypen und -intensitäten von großer Bedeutung. Die Dosierung von Oxycodon (wie auch von anderen Opioiden) erfolgt immer individuell und wird anhand der Schmerzcharakteristik, Schmerzintensität und der Schmerzdauer bei jedem einzelnen Patienten entschieden.

Oxycodon wird derzeit als Retardtablette (Oxygesic®) verabreicht, das heißt als Tablette mit verzögerter Wirkstofffreisetzung im Körper.

Die orale Bioverfügbarkeit, also wie viel man von der Wirkung „spürt“, liegt zwischen 40% und 80%. Als Vergleich liegt die Bioverfügbarkeit von Morphin zwischen 15% und 50%. Dies begründet unter anderem, wieso Oxycodon 1,5 mal stärker ist als Morphin.

Aufgrund des häufigen Missbrauchs der Tabletten (Auflösung der Tablette und anschließendes Spritzen als Droge), wurde eine neuartigere Verabreichung von Oxycodon überlegt. Oxycodon wird deshalb auch als Fixkombinantion, also ein Arzneimittel welches zwei oder mehrere Wirkstoffe enthält, als Retardtablette verkauft. Der Name dieses Präparates ist Targin. Es enthält neben Oxycodon auch Naloxon, einen „Opioid-Antagonisten“. Dies bedeutet, dass es beispielsweise als „Gegengift“ bei einer Überdosierung von Opioiden eingesetzt wird.

Durch diese Kombination von Oxycodon und Naloxon hat man zwei verschiedene Effekte. Erstens tritt die Verstopfung, welche eine häufige Nebenwirkung von Opioiden ist, seltener auf. Zweitens macht diese Kombination die Präparate als „Droge“ für opioid-abhängige Menschen weniger attraktiv.
 

OpioidMedikament/ Handelsname (Beispiele)DarreichungsformDosierung (mg)Wirkungsdauer (h)Therapeutische Potenz
OxycodonEukodal®
Oxygesic®
Targin®
Oral retard15-3011-141,5-2,0
 

Was sind die Gefahren einer dauerhaften Einnahme?

Wird Oxycodon längerfristig eingenommen, ist Abhängigkeit die größte Gefahr. Daraus entstehe dann weitere Gefahren für den Körper. Diese müssen ernst genommen werden und vor der Aufnahme des Wirkstoffs bekannt sein.

Die Gefahren können in drei Kategorien eingeteilt werden:

  1. Toleranz (Gewöhnung)
  2. Physische Abhängigkeit
  3. Psychische Abhängigkeit

Toleranz (Gewöhnung)

Bei einer längerfristigen Einnahme von Opioiden wie Oxycodon kann es zu einer Toleranzentwicklung kommen. Dies hat zur Folge, dass nach einiger Zeit mehr Wirkstoff zu sich genommen werden muss, um denselben Effekt zu erhalten. Aus diesem Grund können nach einiger Zeit die positiven Wirkungen wie Schmerzlinderung, Euphorie oder Beruhigung nachlassen, wenn die Dosis nicht erhöht wird.
Eine Überdosis allerdings kann zu einer lebensgefährlichen Opioidvergiftung führen!

Keine Toleranz entwickelt sich jedoch gegen die Nebenwirkungen Verstopfung (sog. ‚Obstipation‘) und der Pupillenverengung (sog. ‚Miosis‘), die auch nach längerer Opioid-Einnahme unverändert stark und häufig auftreten.

Physische Abhängigkeit

Durch die physische oder körperliche Abhängigkeit kann es wie beim Entzug von gewöhnlichen Drogen zu Entzugserscheinungen kommen, wenn Opioide nach längerer Einnahme abgesetzt werden. Beispiele für Entzugserscheinungen sind Zittern, Herzrasen, Erbrechen, Durchfall oder schlechte Stimmung.

Psychische Abhängigkeit

Die psychische Abhängigkeit ist meist die hartnäckigste Abhängigkeit bei einer längerfristigen Opioid-Einnahme. Sie besteht in vielen Fällen länger als die physische Abhängigkeit. Die psychische Abhängigkeit rührt daher, dass Oxycodon dem Konsumenten ein gutes Gefühl gibt. Das kann ihn dazu veranlassen, das Medikament zu missbrauchen. Diese Gefühle können Beruhigung, Wohlbefinden oder, wie auch schon bei „Wirkungsweise“ erwähnt, die eintretende Euphorie sein. Es kann zu einem sogenannten ‚Craving‘ kommen, dem unwiderstehlichen Verlangen nach dem Medikament. Dieses Gefühl ist für viele Süchtige schwer auszuhalten, wodurch viele den Entzug nicht durchziehen und rückfällig werden.

Verwandte Substanzen / weitere Opioide

Mehrmals wurde Oxycodon in diesem Artikel schon mit anderen Opioiden verglichen. Die bekanntesten anderen stark wirksamen Opioide sind:

Diese werden auch in der Schmerztherapie eingesetzt.

Morphin ist das erste aus dem Opium isolierte Opioid. Seine Wirkung ist im Vergleich zu den anderen hier aufgeführten Opioiden am schwächsten. Sie ist aber dennoch sehr stark und wird wie die anderen Opioide bei starken bis sehr starken Schmerzen eingesetzt. Dabei gilt Morphin als Referenz, also als „Vergleich“ für die weiteren Opioide im Bezug auf die Wirkstärke.

Fentanyl ist ein Opioid, welches eine ungefähr 100 mal stärkere Wirkung als Morphin besitzt und somit außerordentlich stark wirksam ist. Es wird meist in der chronischen Schmerztherapie (z. B. bei Tumorschmerzen) als das typische Fentanylpflaster, ein sogenanntes transdermales (von lat. trans ‚über, durch‘ und griech. δέρμα derma ‚Haut‘, also durch die Haut) therapeutisches System, eingesetzt.

Ein weiteres Opioid ist das Buprenorphin, welches eine schwächere Maximalwirkung, aber eine höhere schmerzlindernde Wirkung als Morphin hat. Buprenorphin wird bei der Entwöhnung von Opioid-Abhängigkeit eingesetzt.

Das letzte zu erwähnende Opioid ist das Hydromorphon. Es ist circa 7,5 mal stärker als Morphin.

 

Wenn sie Opioide einnehmen: Welche Nebenwirkungen treten bei Ihnen auf? (Mehrfachnennungen möglich)
 

Exkurs aus der Natur

In diesem Abschnitt werden Ihnen alternative pflanzliche Lösungen zur Linderung von Schmerzen vorgestellt. Hierbei ist es wichtig zu wissen, dass diese Alternativen kein Äquivalent zum Medikament, hier dem Oxycodon, darstellen, sondern einen weiteren Weg bieten sollen, Ihre Schmerzen auf natürliche Weise zu lindern.

Pfefferminze

Bei Pfefferminze denkt man sonst eher an erfrischenden Pfefferminztee oder leckere Pfefferminzbonbon. Doch die Pfefferminze hat neben dem älltäglichen Gebrauch auch andere Qualitäten.

Das in der Pfefferminze enthaltende Menthol wirkt schmerzlindernd, muskelentspannend und lokal betäubend. Die Pfefferminze wird beispielsweise als Pfefferminzöl eingesetzt und hilft bei Kopfschmerzen oder auch bei Magenkrämpfen.

Arnika

Besonders für Sportler, die sich hin und wieder Sportverletzungen zuziehen, ist die Arnika von Bedeutung. Diese hilft durch den Wirkstoff Helenalin bei Sportverletzungen und bei Gelenkschmerzen durch schmerzlindernde und abschwellende Eigenschaften. Bis jetzt hat sich eine Schmerzsalbe mit 25%-iger Arnikatinktur bewährt. Auch wird Arnika in Form von homöopathischen Mittel eingesetzt.

Häufige Patientenfragen

Was passiert bei einer Oxycodon-Überdosis?

Dr. T. Weigl:
Bei einer Oxycodon-Überdosis kann es zu einer akuten Opioidvergiftung kommen. Die Pupillen verengen sich maximal, der Patient fällt in ein tiefes Koma. Durch die oberflächliche bis fast fehlender Atmung herrscht akute Lebensgefahr. Aus diesem Grund muss bei dem kleinsten Verdacht sofort gehandelt werden und Hilfe geholt werden. Dem Vergifteten wird ein sogenanntes „Gegengift“, das Naloxon, verabreicht. Das Naloxon stellt die Atmung wieder her.

Was passiert wenn ich Oxycodon dauerhaft einnehme?

Dr. T. Weigl:
Bei einer dauerhaften Oxycodon-Einnahme herrscht die Gefahr einer Abhängigkeit. Dies kann sich zuerst als Toleranz, also einer Gewöhnung bemerkbar machen und dann aber weiter schreiten zu einer physischen und einer psychischen Abhängigkeit. Die Abhängigkeit kann zu einer lebensbedrohlichen Situation führen, wenn beispielsweise überdosiert worden ist.
Unter „Was sind die Gefahren einer dauerhaften Einnahme?“ weiter oben können Sie außerdem nachlesen, wie sich Toleranz, physischen und psychische Abhängigkeit bemerkbar machen.

Ist Oxycodon verschreibungspflichtig?:

Dr. T. Weigl:
Ja, Oxycodon ist wegen seiner sehr starke Wirkung und der hohen Missbrauchsgefahr verschreibungspflichtig. Es ist wie die anderen Opioide als Betäubungsmittel eingestuft und unterliegt somit dem Betäubungsmittelgesetz.

Ist Oxycodon gefährlicher als Morphin?

Dr. T. Weigl:
Oxycodon wirkt 1,5 mal stärker als Morphin. Die Gefahr liegt in der vergleichsweise einfachen Verfügbarkeit, da es ein verbreitetes Schmerzmittel ist. Eine Oxygesic-Tablette mit 80 mg Oxycoding kann für einen nicht toleranten Erwachsenen tödlich sein.

Der Arzt hatte ein Auge auf Richard, seine Schmerzen hielten ungewöhnlich lange an. Also hat der Arzt Richards Frau gebeten, mal mit ihm zu sprechen. Dabei kam Richards Plan raus … „Im Nachhinein ziemlich blödsinnig“, denkt Richard.

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Autoren: Mona Alinezhad, Dr. Tobias Weigl
Redaktion: Marek Firlej
Veröffentlicht: 20.02.2018 / Zuletzt aktualisiert: 28.07.2018

 
Die hier beschriebenen Punkte (Krankheit, Beschwerden, Diagnostik, Therapie, Komplikationen etc.) erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Es wird genannt, was der Autor als wichtig und erwähnenswert erachtet. Ein Arztbesuch wird durch die hier genannten Informationen keinesfalls ersetzt.  

Haben Sie vorher schon von Oxycodon gehört? Wenn ja, in welchem Zusammenhang? Haben Sie Erfahrungen mit dem Mittel? Nutzen Sie die Kommentarfunktion unten!

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