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Demenz – Symptome, Verlauf und Medikamente

Demenz ist nur der Oberbegriff einer Gruppe von Erkrankungen, bei denen langfristig die geistige Leistungsfähigkeit verloren geht. Bis heute ist Demenz nicht heilbar.


Von Medizinern geprüft und nach besten wissenschaftlichen Standards verfasst

Dieser Text wurde gemäß medizinischer Fachliteratur, aktuellen Leitlinien und Studien erstellt und von einem Mediziner vor Veröffentlichung geprüft.

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Aus gutem Grund sind die Demenz bzw. ihre verschiedenen Ausdrucksformen Erkrankungen, vor denen die meisten Menschen Angst haben: Es handelt sich um eine anhaltende und fortschreitende neurologische Erkrankung, bei der nach und nach das Gedächtnis, das Denken und andere Hirnleistungen beeinträchtigt werden und schließlich gänzlich verloren gehen können. Der Verlust des Gedächtnisses löst bei vielen Menschen eine größere Angst aus als körperliche Erkrankungen, bei denen sie geistig noch „fit“ sind.
Die genauen Ursachen für verschiedene Demenzformen wie Alzheimer oder die vaskuläre Demenz sind unklar und werden noch immer erforscht. Fakt ist, dass nach und nach Nervenzellen im Gehirn absterben. Die Symptome und der Verlauf der Erkrankung variieren je nach den einzelnen Formen der Demenz. Mit der richtigen Behandlung kann der Verlauf verzögert werden, aufhalten lässt sich eine Demenzerkrankung jedoch nicht.

Wütend schüttet Herta die Schublade des kleinen Telefonschränkchens aus und verteilt den Inhalt auf dem Boden. Sie kann sich nicht erinnern, wo sie den Haustürschlüssel hingelegt hat. Obwohl die 71-Jährige dort schon mehrfach nachgesehen hat, fühlt sie in die Taschen ihres Rocks und ihrer Strickjacke, durchsucht ihre Handtasche, die an der Garderobe hängt. Als sie hört, wie sich das Schloss der Haustüre dreht, seufzt sie erleichtert auf und überfällt sogleich ihren Sohn Ralph: „Mein Schlüssel ist weg! Hast du ihn gesehen?“ Ralph schüttelt sorgenvoll den Kopf. „Wir hatten doch abgemacht, dass du ihn immer neben die Türe hängst.“ Herta sieht zur Tür, und tatsächlich, dort hängt er. „Das ist unmöglich! Gib zu, dass du ihn gerade dorthin gehängt hast, Rudi!“ Ralph beißt sich auf die Zunge. Seine Mutter hat ihn nun schon zum wiederholten Mal mit seinem jüngeren Bruder verwechselt. Wie soll das nur weitergehen?

Was ist Demenz und wie entsteht sie?

Der Begriff Demenz beschreibt im eigentlichen Sinne keine bestimmte Erkrankung, sondern das gesammelte Auftreten von bestimmten Symptomen. Die einzelnen Erscheinungsformen können unterschiedlichste Ursachen haben und werden in ihrer Akkumulation als Syndrom bezeichnet. Insgesamt werden unter dem Begriff Demenz rund 50 Krankheitsformen zusammengefasst, zu denen leichtere Formen des Gedächtnisverlustes genauso zählen wie die schwersten Formen, z. B. die Alzheimer-Krankheit.
Obwohl jede Form der Demenz individuelle Symptome zeigen kann, ist ihnen doch eins gemein: Die Demenz äußert sich durch eine Beeinträchtigung des Gedächtnisses, die sowohl anhaltend als auch fortschreitend ist. Betroffen davon sind auch das Denken sowie weitere Hirnleistungen. Weitere Symptome, z. B. im zwischenmenschlichen Verhalten oder in Form von Depressionen, variieren zwischen den einzelnen Erscheinungsformen der Demenz.

Primäre und Sekundäre Demenzformen

Zu unterscheiden gilt es bei der Demenz zwischen zwei Formen: der primären Demenz und der sekundären Demenz.
Alle Formen der Demenz, die als eigenständiges Krankheitsbild beschrieben werden können, gelten als sog. „primäre Demenz“. Ihr Ursprung, so viel weiß die Forschung inzwischen, liegt im Gehirn, wo im Verlauf der Erkrankung immer mehr Nervenzellen absterben. Auch die häufigste demenzielle Erkrankung, die Alzheimer-Krankheit, fällt unter den Begriff der primären Demenz. Die bekanntesten (und häufigsten) Formen der primären Demenz sind:

  • Alzheimer-Krankheit
  • Vaskuläre Demenz
  • Frontotemporale Demenz
  • Lewy-Körperchen-Demenz

Abgegrenzt werden muss die primäre Demenz von der sog. „sekundären Demenz“. Unter diesem Begriff werden alle demenziellen Erkrankungen zusammengefasst, die durch Vorerkrankungen oder Medikamente ausgelöst werden. Ursachen für eine sekundäre Demenz können u. a. sein:

  • Depression
  • Alkoholsucht
  • Schilddrüsenerkrankungen
  • Vitamin-Mangelerkrankungen

Kortikale und subkortikale Demenz

Demenzerkrankungen lassen sich jedoch auch nach anderen Systemen einteilen. Als sinnvolle Einteilung hat sich die kortikale/subkortikale Verteilung herauskristallisiert: Diese Einteilung richtet sich nach der Verteilung, wo im Gehirn die neuronalen Veränderungen auftreten, die für die Demenz verantwortlich sind.
Eine kortikale Demenz ist demnach auf Veränderungen in der Hirnrinde (sog. ‚Cortex cerebri‘) zurückzuführen. Formen der kortikalen Demenz sind bspw. Alzheimer und die Frontotemporale Demenz.
Tritt die Veränderung dagegen unterhalb der Hirnrinde oder tiefer im Gehirn auf, spricht man von einer subkortikalen Demenz (von lat. sub- ‚unter‘). Zu dieser Form der Demenz zählt u. a. die Subkortikale Arteriosklerotische Enzephalopathie (SAE), eine Form der vaskulären Demenz.
Nicht immer kann eine demenzielle Erkrankung eindeutig der kortikalen bzw. subkortikalen Demenz zugeschrieben werden – Mischformen sind nicht unüblich.

Das demenzielle Syndrom

Nicht immer wird medizinisch von einer Demenz gesprochen. Frühe bzw. leichte Formen der Erkrankung werden unter dem Begriff „demenzielles Syndrom“ zusammengefasst, das jedoch im Sprachgebrauch häufig mit Demenz gleichgesetzt wird.
Als demenzielles Syndrom beschreibt die Medizin einen allgemeinen Abbau bzw. eine Beeinträchtigung der intellektuellen Fähigkeiten. Dazu gehören Symptome wie Gedächtnisstörungen, Sprachstörungen und Orientierungsstörungen sowie ggfs. Persönlichkeitsveränderungen.
Abzugrenzen vom demenziellen Syndrom wiederum ist die sog. Pseudodemenz. Unter diesem Begriff werden Hirnleistungsstörungen zusammengefasst, die vorübergehend auftreten und sich oftmals durch eine Denk- oder Antriebshemmung äußern. Die Pseudodemenz ist typisches Symptom einer schweren Depression.

Symptome: Woran erkennt man eine Demenz?

Das wichtigste Symptom der Demenz und all ihrer Ausdrucksformen ist der langfristige Verlust der Gedächtnisleistung. Langfristig heißt in diesem Zusammenhang, dass sich die abgestorbenen Nervenzellen auch durch eine Behandlung nicht wieder herstellen lassen – Demenz ist also eine irreversible und somit auch nicht heilbare Krankheit.
Wie sich der Gedächtnisverlust im Einzelnen äußert, hängt von der jeweiligen Form der Demenz ab. Während einige Formen sich ausschließlich im Verlust der Hirnleistung manifestieren, geht mit anderen auch eine Persönlichkeitsveränderung einher.
Stellvertretend betrachten wir die vier häufigsten Formen der Demenz und deren jeweilige Symptome:

AlzheimerVaskuläre DemenzLewy-Körperchen-DemenzFrontotemporale Demenz
Vergesslichkeit Vergesslichkeit Vergesslichkeit Veränderungen der Persönlichkeit
Konzentrations-schwierigkeitenKonzentrations-schwierigkeitenKonzentrations-schwierigkeitenReizbarkeit, Aggressivität
WortfindungsstörungenProbleme, Gesprächen oder Reden zu folgenHalluzinationentaktloses, peinliches Verhalten
OrientierungsproblemeOrientierungsproblemeOrientierungsproblemeMaßloses Essen
zunehmend schlechtere Erinnerung an länger zurückliegende EreignisseGangstörungenParkinson-Symptome: steife Bewegungen, unkontrolliertes Zittern, instabile KörperhaltungApathie
nahestehende Personen werden nicht mehr erkanntWesensveränderungWechselhaftigkeit der Laune: zeitweise aktiv und wach, dann wieder verwirrt und in sich gekehrtGedächtnisprobleme, u. a. typische Demenzsymptome, treten erst im späteren Verlauf auf
Störungen der BlasenentleerungSprachverarmung
Depression (u. a. psychiatrische Symptome)

Video-Exkurs: Typische Erkrankungen des Alters

Niemand wird gerne alt, lässt doch in den späteren Lebensjahrzehnten die Muskulatur, das Bindegewebe und die Beweglichkeit nach. Mit dem Alter einher gehen aber auch typische Alterserkrankungen, die uns alle irgendwann einmal betreffen – sowohl selbst als auch als Angehörige. Im folgenden Video erklärt Dr. Tobias Weigl die 7 häufigsten Alterserkrankungen unserer Gesellschaft.

https://youtube.com/watch?v=nO000ud_MYA%22+

 

Nachdem er mit seiner Mutter viele Stunden bei deren Hausarzt verbracht hat, weiß Ralph, dass seine Sorgen berechtigt waren. Lange hatte er auf Herta einreden müssen, dass ein Arzttermin der richtige Schritt sei, doch die alte Frau hatte befürchtet, wegen ein bisschen Vergesslichkeit gleich entmündigt zu werden. Dahingehend konnte der Hausarzt sie zum Glück beruhigen, denn mit einer früh erkannten Demenz können Betroffene noch lange Zeit ein eigenständiges Leben führen. Um Herta darin bestmöglich zu unterstützen, wollen Ralph und sein Bruder Rudi nun noch öfter zu Besuch kommen und ihre Mutter außerdem in einer Tagespflege für Demenzkranke anmelden, wo sie unter Gleichgesinnten ist und mit speziellen Einheiten ihre Gedächtnisleistungen trainieren kann.

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Die hier beschriebenen Punkte (Krankheit, Beschwerden, Diagnostik, Therapie, Komplikationen etc.) erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Es wird genannt, was der Autor als wichtig und erwähnenswert erachtet. Ein Arztbesuch wird durch die hier genannten Informationen keinesfalls ersetzt. Autoren: Dr. Tobias Weigl, Christine Pepersack
Lektorat: Tobias Möller
Veröffentlicht: 06.08.2018

Quellen

  • Wolfgang Maier et al (2011): Alzheimer & Demenzen verstehen: Diagnose, Behandlung, Alltag, Betreuung. Trias, Stuttgart.
  • Claus-Werner Wallesch, Hans Förstl (2017): Demenzen, 3. Auflage. Thieme, Stuttgart.
  • Dr. Ulrich Kastner, Rita Löbach (2018): Handbuch Demenz. Fachwissen für Pflege und Betreuung, 4. Auflage. Urban & Fischer Verlag, München.
  • Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde/Deutsche Gesellschaft für Neurologie (2016): S3-Leitlinie „Demenzen“. Köln/Bonn.
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2 Antworten
  • Andre Schreiner
    08.03.2019 12:41

    Ein sehr Informativer Artikel. Ich bin er Meinung, dass es nur bedingt zum Einsatz von Medikamenten kommt, da diese zu starken Persönlichkeitsveränderungen führen kann. Durch einen abwechslungsreichen Tagesablauf und Kommunikation mit dem Betroffenen kann Demenz auch ohne Einnahme von Medikamenten entgegengewirkt werden.

  • Andre
    15.03.2019 21:50

    Schau doch mal beim Alzheimer Leitfaden vorbei, falls du dieselben Beschwerden hast. https://www.alzheimer-leitfaden.de/

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