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Vaskuläre Demenz – geistige Einschränkung nach Schlaganfall

Auf einen Blick – Vaskuläre Demenz

  • eine Demenzerkrankung, die sich durch Durchblutungsstörungen des Gehirns entwickelt
  • eine der häufigsten Formen der Demenz
  • etwa 1,5 Millionen Menschen in Deutschland sind von der Erkrankung betroffen

Wer bekommt vaskuläre Demenz?

  • Schlaganfallpatienten leiden häufig unter einer vaskulären Demenz, da die Gefäße krankhaft verändert sind
  • Risikogruppe sind überwiegend ältere Menschen

Symptome (Auszug)

  • verlangsamtes Denken
  • Orientierungsschwierigkeiten
  • Betroffene finden sich weniger gut in ihrem Alltag zurecht

Behandlung (Auszug)

  • Vermindern von Risikofaktoren
  • Maßnahmen zur Neurorehabilitation
Das Gehirn ist das Organ, das uns das Denken ermöglicht. Es wächst das ganze Leben lang, lernt und speichert Erinnerungen. Was aber, wenn das Gehirn zeitweise nicht ernährt wird? Eine Unterversorgung mit Blut führt dazu, dass die Nervenzellen keinen Sauerstoff erhalten. Dies ist beispielsweise so bei einem Schlaganfall. Eine vaskuläre Demenz kann die Folge sein.

Die vaskuläre Demenz hat sehr ähnliche Symptome wie die Alzheimer-Krankheit, ist jedoch eine eigene Erkrankung. Die Symptome äußern sich darin, dass die Betroffenen das Gefühl haben, langsamer zu denken und Erinnerungslücken haben. Sie fühlen sich oft mit Ihrem Alltag überfordert und wissen nicht genau, weshalb das so ist.

Es gibt viele verschiedene Ausprägungen dieses Krankheitsbildes, die durch verschiedene Ursachen hervorgerufen werden. Heilbar ist eine vaskuläre Demenz nicht, jedoch hilft die frühzeitige Diagnose dabei, eine Therapie gezielt einzuleiten und die Symptome zu lindern.

Was ist eine vaskuläre Demenz?

Eine Demenz ist eine Störung der geistigen Funktionen: Bei Demenzpatienten nehmen die geistigen Fähigkeiten nach und nach ab. Dies beeinträchtigt sowohl deren Lernfähigkeit als auch die Urteilskraft, das Gedächtnis und das allgemeine Denkvermögen.

Eine ähnliche, aber unterschiedliche Erkrankung ist das Delirium. Delirium-Patienten leiden vor allem unter Konzentrationsschwierigkeiten, Aufmerksamkeitsschwankungen und Desorientierung. Im Allgemeinen beeinträchtigt die Demenz eher das Gedächtnis, wohingegen das Delirium die Aufmerksamkeit verringert. Eine Demenz ist im frühen Stadium oft unerkannt – sie entwickelt sich schleichend.

Die vaskuläre Demenz ist eine mentale Funktionsstörung, die durch eine Unterversorgung des Hirngewebes (sog. ‚zerebrale Ischämie‘) hervorgerufen ist. Durch die Unterversorgung sterben die Nervenzellen (sog. ‚Neuronen‘) ab und das Gehirn kann nicht mehr richtig arbeiten. Das Wort vaskulär bedeutet im Deutschen etwa die Blutgefäße betreffend. Heilbar ist die Erkrankung nicht, da die zerstörten Bereiche des Gehirns nicht wiederbelebt werden können.

„Die vaskuläre Demenz wird häufig mit der Alzheimer-Krankheit verwechselt. Es handelt sich jedoch um zwei unterschiedliche Erkrankungen.“ — Dr. Dr. Tobias Weigl Klick um zu Tweeten

Unser Gehirn benötigt Sauerstoff und Glukose zum Arbeiten

Das Gehirn ist das Organ, das die meisten der Kalorien verbraucht, die wir zu uns nehmen. Zucker (sog. ‚Glucose‘) ist der Nährstoff, aus dem das Gehirn seine Leistung zieht. Es reicht jedoch nicht aus, dass die Glucose im Körper vorhanden ist. Es ist notwendig, dass auch immer genug Sauerstoff da ist, damit das Gehirn die Glucose verwerten kann. Diese Aufgabe erfüllen die Blutgefäße, die ununterbrochen Glucose und Sauerstoff in das Gehirn transportieren. Für unser Gehirn ist es sehr wichtig, dass dieser Versorgungsstrom nicht abreißt – kommt nur einige wenige Minuten keine Nahrung in Form von Glucose und Sauerstoff an, überleben die Nervenzellen nicht.

Ursachen für eine vaskuläre Demenz: Schlaganfall ist nicht gleich Schlaganfall

Es gibt viele Mechanismen, die eine Unterversorgung der Nervenzellen zur Folge haben. Schlaganfälle (sog. ‚Hirninfarkt‘) sind medizinische Notfälle, die häufig zum Tode führen oder die Patienten körperlich sehr schädigen. Nach der ersten Rehabilitation ist die Behandlung jedoch noch nicht vorüber. Denn Infarkte des Gehirns bilden die Ursachen für die meisten vaskulären Demenzerkrankungen.

Die Multiinfarkt-Demenz ist die häufigste Form der vaskulären Demenz. Mehrere gleichzeitig ablaufende oder zeitlich versetzt vorkommende Infarkte des Gehirns (sog. ‚ischämische Schlaganfälle‘) führen dazu, dass Nervenzellen absterben. Wenn nur eine kleine Anzahl der Nervenzellen ihre Funktion verliert, kann unser Gehirn dies ausgleichen. Im Fall der Multiinfarkt-Demenz ist die Anzahl der absterbenden Nervenzellen jedoch so hoch, dass eine Funktionsstörung des Gehirns auftritt.

Die Häufung von Infarkten ist keine notwendige Bedingung dafür, dass Patienten eine vaskuläre Demenz erleiden – nur ein kleiner Infarkt an einem wichtigen Knotenpunkt im Gehirn reicht manchmal aus. Zum Beispiel hat das Zwischenhirn Verbindungen zur gesamten Hirnrinde. Viele Informationen laufen durch Strukturen dieser Hirnregion, wie beispielsweise den Thalamus. Tritt hier ein Infarkt auf, dann kann das weitreichende Folgen für unser Gehirn haben. Denn eine vaskuläre Demenz in dieser Hirnstruktur unterbricht wichtige Kommunikationsleitungen zu den anderen Bereichen des Gehirns.

Verengung der Gefäße

Eine Störung in der Durchblutung des Gehirn muss nicht durch einen Infarkt verursacht sein. Wenn die Blutgefäße, die die Nahrung für das Gehirn leiten, aus irgendeinem Grund nicht mehr schnell genug leiten oder defekt sind, kann ebenfalls eine vaskuläre Demenz in Folge einer Unterversorgung des Gehirns die Folge sein.

Eine Verengung der Blutgefäßwände kann dazu führen, dass das Gehirn nicht mehr richtig versorgt wird. Gerade die Versorgungsbahnen zu tiefer liegenden Hirnbereichen sind davon betroffen, da diese Gefäße besonders eng sind. Ist die Gefäßwand aus irgendeinem Grund verdickt, kann dies zur Folge haben, dass die Nervenfasern zu wenig Nahrung erhalten. Eine Schädigung der Nervenzellen ist die Folge. Man bezeichnet diese Prozesse auch als kleine Infarkte (sog. ‚Lakunen‘).

Hirnblutungen

Blutungen im Gehirn sind ein medizinischer Notfall und treten meist plötzlich und ohne Vorwarnung auf. Eine Hirnblutung ist eine Blutung der Gefäße, die sich im Gehirn befinden. Diese entstehen häufig durch unentdeckte Hämatome oder als Folge eines Schädel-Hirn-Traumas. Das Blut fließt an einer nicht vorgesehenen Stelle aus der Blutbahn heraus und kommt nicht mehr bei den zu ernährenden Hirnstrukturen an. Diese Art der Unterversorgung äußert sich ebenfalls in einem Infarkt des Gehirns. Patienten mit einer Hirnblutung müssen oft operativ behandelt werden und eine häufige Folge ist eine vaskuläre Demenz (sog ‚Hämorrhagische Demenz‘).

Viele Risikofaktoren für eine Vaskuläre Demenz: Erkrankungen

Eine vaskuläre Demenz wird durch eine Unterversorgung im Gehirn verursacht und hat zumeist keine direkten Auslöser. Dennoch existieren einige Faktoren, die die Krankheit und die vorausgehende Unterversorgung der Nervenzellen begünstigen.

Bluthochdruck (sog. ‚Hypertonie‘) zählt zu den häufigsten Leiden, die Schlaganfälle und Infarkte begünstigen. Die Erkrankung schädigt die Gefäße langfristig, da diese auf Dauer einer zu hohen Beanspruchung ausgesetzt sind. Durch die Überbeanspruchung sind die Blutgefäße von Bluthochdruckpatienten besonders anfällig für Schlaganfälle und vaskuläre Demenzen.

Erkrankungen des Herzens sind ebenfalls ein Risikofaktor für das Auftreten einer vaskulären Demenz. Herzrhythmusstörungen führen dazu, dass das Blut nicht gleichmäßig in das Gehirn fließt. Auch bei einem zu schwachen Herzen aufgrund einer chronischen Erkrankung oder einer Operation kann eine Unterversorgung des Gehirns folgen.

Ein weiterer Risikofaktor ist die Zuckerkrankheit (sog ‚Diabetes mellitus‘). Diabetespatienten leiden unter einem krankhaft erhöhten Blutzuckerspiegel, verursacht durch eine Störung des Stoffwechsels. Sie erleiden dadurch oft eine Schädigung der inneren Organe (z.B. mit den Nieren wie eine chronische Niereninsuffizienz). Auch das Gehirn leidet unter einem dauerhaft erhöhten Blutzuckerspiegel. Zu viel Glukose im Gehirn kann ein Verstopfen der Blutbahnen begünstigen.

Übergewicht (sog. ‚Adipositas‘) ist ein weiterer Faktor, der die Entstehung von Gefäßerkrankungen und vaskulären Demenzen fördert. Das Übergewicht hat zur Folge, dass die Betroffenen ihren Körper dauerhaft überbeanspruchen. Sowohl die Gelenke als auch die inneren Organe leiden darunter. Fettablagerungen verengen die Blutbahnen des gesamten Körpers. Dadurch ist das Risiko für eine Verstopfung und Unterversorgung der Blutbahnen im Gehirn bei Patienten mit Übergewicht besonders hoch.

Viele Risikofaktoren für eine Vaskuläre Demenz: Lebensstil

Der Lebensstil bestimmt im Allgemeinen die Gesundheit und hängt eng mit auftretenden Erkrankungen zusammen. Viel Bewegung hilft bei der Gesunderhaltung des Körpers. Denn Bewegungsmangel hat einen Leistungsabfall des Körpers zur Folge, wodurch die Muskeln, aber auch das Herzkreislaufsystem geschädigt werden können. Je weniger das Herzkreislaufsystem in Benutzung ist, desto schwerer fällt es dem Körper, das Blut durch die Gefäße zu transportieren.

Die Einnahme von Genussmitteln stellt ebenfalls ein Risiko für eine Gefäßverengung, Infarkte und eine vaskuläre Demenz dar. Nikotin und Alkohol in großen Mengen verengen die Gefäße und erschweren es dem Herzen, mit Sauerstoff angereichertes Blut in das Gehirn zu transportieren.

Der größte Risikofaktor für Demenzen aller Art ist jedoch das Alter. Die vaskuläre Demenz tritt – so wie die anderen Formen der Demenz – mit zunehmendem Alter immer häufiger auf.

Welche Erkrankungen sind noch typisch für das Alter? Im folgenden Video widmet sich Dr. Dr. Tobias Weigl den 7 häufigsten Alterserkrankungen.

An diesen 7 Alterserkrankungen erkranken Sie wenn Sie alt sind: Arthrose, Glaukom, Rheuma, Demenz…

Die Symptome: Welche Beschwerden verursacht eine vaskuläre Demenz?

Die Symptome für eine Demenz lassen sich oft auf den ersten Blick nicht erkennen. Insgesamt nehmen im Fall einer Demenz geistige Fähigkeiten (sog ‚kognitive Fähigkeiten‘) ab. Denn die betroffenen Neuronen leiten keine Informationen mehr weiter. Je nachdem, wo die vaskuläre Demenz im Gehirn aufgetreten ist, können manche Denkprozesse stärker betroffen sein als andere.

Patienten bemerken zunächst, dass sie insgesamt langsamer denken und sich Neues nicht mehr so leicht aneignen können. Hinzu kommt eine Einschränkung der Urteilskraft – oft auch über alltägliche Dinge wie die Entscheidung für ein Produkt im Supermarkt. Demenzpatienten finden sich immer weniger in ihrem Alltag zurecht, da die ansonsten automatisch ablaufenden Denkprozesse nicht mehr funktionieren.

Wenn die entsprechenden Bereiche im Gehirn betroffen sind, dann kann auch eine Einschränkung im Sprachvermögen ein Hinweis auf eine vaskuläre Demenz sein. Langes Suchen nach dem passenden Wort oder eine undeutliche Aussprache sind Anzeichen dafür, dass das Sprachzentrum des Gehirns durch eine vaskuläre Demenz beeinträchtigt ist.

Ebenso ist es möglich, dass sich die Persönlichkeit der Betroffenen verändert. Hinweise sind Stimmungsschwankungen oder depressive Verstimmungen. Die Demenz kann sich jedoch auch darin äußern, dass die Emotionen einer betroffenen Person nicht der Situation angemessen sind, zum Beispiel ein plötzliches Lachen oder Weinen ohne einen passenden Kontext.

Gut zu wissen!
„Demenz“ bedeutet auf Deutsch „erworbener Schwachsinn“. Das Wort leitet sich aus dem lateinischen ab und setzt sich aus zwei Teilen zusammen: „de“ – von/weg und „mens“ – Verstand. Als dement galten also Menschen, die ihren Verstand verloren haben. Heutzutage verbinden wir mit „den Verstand verlieren“ eher, dass eine Person in einem Wahn ist, wie es bei einer Psychose der Fall ist. Dies trifft jedoch auf die vaskuläre und die anderen Formen der Demenz nicht zu.

Wer ist am ehesten betroffen?

Die vaskuläre Demenz ist eine Folgeerkrankung. Die Betroffenen sind ehemalige Schlaganfallpatienten und Patienten, die eine Hirnblutung erlitten haben. Zudem erkranken Menschen, bei denen Nervenzellen im Gehirn schlecht durchblutet wurden, an einer vaskulären Demenz. Eine schlechte Durchblutung des Gehirns ist das Resultat vieler Risikofaktoren. Außerdem erkranken Menschen mit zunehmendem Alter häufiger an einer vaskulären Demenz als junge Menschen.

Frauen erkranken häufiger an einer vaskulären Demenz als Männer. Dies liegt zum einen daran, dass Frauen insgesamt älter werden und es daher mehr weibliche als männliche Personen im hohen Alter gibt. Jedoch ist auch das weibliche Sexualhormon Östrogen eine mögliche Erklärung dafür, dass Frauen häufiger betroffen sind.

Haben Sie Angehörige, bei denen eine Demenz diagnostiziert wurde? Welche Symptome haben Sie beobachtet? Ihre Angaben helfen anderen Betroffenen dabei, ihre Symptome besser einzuschätzen. (Mehrfachnennungen sind möglich)

Was tut der Arzt? Teil 1: Die Diagnose von vaskulärer Demenz

Wenn der Verdacht auf eine vaskuläre Demenz vorliegt, gibt es verschiedene Tests, um eine eindeutige Diagnose zu stellen. Die Diagnose läuft grob in zwei Schritten ab.

Der erste Schritt der Diagnose ist die Befragung nach eigenen Erfahrungen

Ein Arzt wird bei der Diagnosestellung zunächst die eigenen Erfahrungen erfragen. Liegen Vorerkrankung wie ein Infarkt vor? Haben Sie im Alltag Schwierigkeiten, sich zurecht zu finden? Wie genau äußert sich die Problematik? Anhand der Aussagen des Patienten schätzt der Arzt ab, ob es sich um eine vaskuläre Demenz handeln könnte. Ist dies der Fall, folgen Tests und Untersuchungen.

Der zweite Diagnoseschritt erfolgt mit bildgebenden Verfahren und kognitiven Tests

Erhärtet sich der Verdacht, dass eine vaskuläre Demenz vorliegt, erfolgt eine Untersuchung des Gehirns mit bildgebenden Verfahren. Möglichkeiten bieten die Computertomografie (CT), die Elektroenzephalographie (EEG) und die Magnetresonanztomographie (MRT). Diese Untersuchungen ermöglichen es, die Hirnströme an der Oberfläche zu messen oder die Struktur des Gehirns durch einen Scan dreidimensional bildlich darzustellen. Wenn das Gerät in einer Region des Gehirns keinerlei Hirnströme aufzeichnet oder wenn eine strukturelle Veränderung auf dem Gehirnscan zu sehen ist, deutet dies auf abgestorbene Neuronen hin.

Zusätzliche kognitive Tests helfen dabei, die Region weiter einzuschränken, in der die Nervenzellen abgestorben sind. Stellt das EEG zum Beispiele keine Strömung im Sprachzentrum des Gehirns fest, geht dies oft mit Wortfindungsschwierigkeiten in kognitiven Tests einher. So bestätigen Tests über die Fähigkeiten des Patienten die Ergebnisse aus bildgebenden Untersuchungen.

Fakten-Box

Vaskuläre Demenz

  • etwa 1,5 Millionen Menschen in Deutschland leiden unter eine vaskulären Demenz
  • die vaskuläre Demenz ist eine Folgeerkrankung nach Infarkten
  • viele Risikofaktoren wie Bluthochdruck und Fettleibigkeit begünstigen eine vaskuläre Demenz
  • die meisten Fälle von vaskulärer Demenz treten bei Menschen im hohen Alter auf
  • mögliche Symptome sind Orientierungsschwierigkeiten im Alltag und langsames Denken

Was tut der Arzt? Teil 2: Die Behandlung von vaskulärer Demenz

Die Behandlungsmöglichkeiten einer vaskulären Demenz sind vielfältig. Ist die vaskuläre Demenz auf den Verlust von Nervenzellen durch eine Infarkt zurückzuführen, kann die Ursache der Erkrankung nicht behoben werden – dann behandelt man die Symptome. Denn die Nervenzellen lassen sich nicht wiederbeleben. Ist die vaskuläre Demenz jedoch die Folge eines Risikofaktors, erfolgt eine gezielte Behandlung, um das Risiko zu minimieren.

Beheben der Risikofaktoren ohne Medikamente

Risikofaktoren wie Übergewicht erhöhen das Risiko für eine vaskuläre Demenz. Eine Reduzierung der Risikofaktoren kann das Voranschreiten der Demenzerkrankung verringern. Der Verzicht auf Nikotin und regelmäßige Bewegungen wirkt sich insgesamt positiv auf die Gesunderhaltung aus. Ist das Herz-Kreislauf-System regelmäßig in Benutzung, laufen gewünschte Prozesse im Körper ab: Das Übergewicht wird reduziert, der Blutfettanteil verringert und der Blutdruck gesenkt.

Medikamentöse Behandlungen

Ist die vaskuläre Demenz auf eine Erkrankung der Blutgefäße zurückzuführen, hilft eine Behandlung der Blutgefäßerkrankung dabei, das Voranschreiten der vaskulären Demenz zu verlangsamen. So können Medikamente gegen die verursachende Krankheit – wie ein erhöhter Fettanteil im Blut, Bluthochdruck oder die Zuckerkrankheit – das Risiko für weitere Schädigungen der Blutgefäße verringern.

Behandlung mit Stimulation der Hirnrinde

Wenn ein Bereich des Gehirns durch den Verlust der Nervenzellen geschädigt ist, dann können andere Teile des Gehirns die Funktion übernehmen. Im Rahmen der Infarkt-Therapie setzen Ärzte daher die Methode der Hirnstimulation ein. Diese erfolgt mit transkranieller Magnetstimulation (kurz: TMS). Das Gerät schickt schwache Impulse in die Hirnrinde hinein, um diese anzuregen. Die Stimulation erleichtert es den Patienten, Bewegungen nach einem Schlaganfall wieder zu erlernen, da das Gehirn an der Stelle angeregt wird, an der es die Bewegung zukünftig steuern soll.

Auch in der Therapie von vaskulärer Demenz etabliert sich die Methode, um Funktionen des Gehirns zu erhalten und verlorene Funktionen zurückzuholen.

Alternative Therapieformen – Musiktherapie

In den letzten 20 Jahren sind neue Therapieformen hinzugekommen, die unterstützend zur Vorbeugung von Risikofaktoren und zur medikamentösen Therapie hinzukommen. Ein Beispiel hierfür ist die Musiktherapie. Musik hilft dem Gehirn dabei, Erinnerung abzurufen. So kann das Hören von bekannter Musik dabei helfen, dass das Gehirn Erinnerung wiederfindet. Musik hören steigert auch das emotionale Wohlbefinden der Demenzpatienten und mindert kurzzeitig emotionale Unruhe.

Aktuelles aus der Forschung – Kann der Körper in die Zukunft sehen? Biomarker zeigen bei depressiven Patienten eine mögliche zukünftige Demenzerkrankung an

Depressive Verstimmungen im Alter gehen häufig mit einer Demenzerkrankung einher. Demenzerkrankungen wiederum haben als eine Begleiterscheinung oft Depressionen. Laut einer aktuellen Studie, die von Prof. Dr. Thomas Leyhe und Kollegen an der Universitätsklinik für Psychiatrie in Basel veröffentlich wurde, erhöht eine Depression sogar das Risiko, im Alter an einer Demenzerkrankung zu leiden. Dies wirft die Frage auf, ob diese Wechselwirkung irgendwo im Körper messbar und vorhersagbar ist. Leyhe ist ärztlicher Leiter des Zentrums für Alterspsychiatrie der Einrichtung. In seiner Studie hat er mit Kollegen untersucht, ob im Körper von depressiven Patienten Hinweise für eine spätere Erkrankung an Demenz zu finden sind.

Biomarker können Hinweise geben, sind aber noch nicht ausreichend erforscht

In der Studie haben die Wissenschaftler herausgefunden, dass sogar mehrere Hinweise im Körper dafür existieren, ob ein Mensch an einer Demenzerkrankung leiden wird. Der Körper kann zwar nicht in die Zukunft blicken, die Risiken für eine Erkrankung sind jedoch messbar zum Beispiel durch die sogenannten Biomarker.

Biomarker sind im Körper messbare Parameter, die auf einen krankhaften Prozess im Körper hindeuten können. Im Fall der Demenz gibt es sogar mehrere Biomarker, die bei der Risikoeinschätzung helfen. Diese sind neurophysiologische und neurochemische Biomarker sowie Biomarker, die mit bildgebenden Verfahren aufgenommen werden können. Wann genau welcher Biomarker in welcher Intensität anzeigt, dass ein Patient mit Depressionen tatsächlich an einer Demenz erkranken wird, ist jedoch noch nicht ausreichend erforscht.

Daher empfehlen die Wissenschaftler, Studien mit älteren Versuchspersonen, die an Depressionen leiden, durchzuführen. Diese sollen dann Aufschluss darüber geben, welche Biomarker genau ein Risiko für eine spätere Demenz vorhersagen.

Quelle: Thomas Leyhe u. a. (2018). Demenz und Altersdepression. Swiss archives of neurology, psychiatry and psychotherapy, 169/3, S. 70–74.

Häufige Patientenfragen

Ist eine vaskuläre Demenz eine Form von Alzheimer?

Dr. Dr. T. Weigl
Nein. Die vaskuläre Demenz verläuft zwar mit ähnlichen Symptomen wie eine Alzheimer-Erkrankung, ist aber eine andere Erkrankung. Die Ursachen für Alzheimer können genetischer Natur sein oder durch Eiweißablagerungen im Gehirn hervorgerufen sein. Die vaskuläre Demenz hingehen ist eine Folgeerkrankung einer Unterversorgung der Nervenzellen des Gehirns.

Gibt es Möglichkeiten, einer vaskulären Demenz durch Ernährung vorzubeugen?

Dr. Dr. T. Weigl
Eine gesunde Ernährung wirkt sich insgesamt positiv auf den Körper aus. Risikofaktoren für eine vaskuläre Demenz sind Fettleibigkeit und Bluthochdruck. Um die Risiken zu reduzieren, eignet sich eine eher fettarme und Ballaststoffreiche Ernährung. Grünes Gemüse und der Verzehr von Fisch helfen dabei, Risikofaktoren zu reduzieren.

Darf man Blutverdünner einnehmen, wenn eine vaskuläre Demenz diagnostiziert wurde?

Dr. Dr. T. Weigl
Die dauerhafte Einnahme von Blutverdünnern steigert das Risiko für eine Demenzerkrankung. Gerade Patienten mit Vorhofflimmern nehmen langfristig Blutverdünner ein. Sprechen Sie auf jeden Fall mit Ihrem Arzt darüber, wie Sie am besten medikamentös einzustellen sind.

Ist eine vaskuläre Demenz heilbar?

Dr. Dr. T. Weigl
Nein, die Erkrankung ist nicht heilbar. Es ist jedoch möglich, die Risikofaktoren zu reduzieren und den Verlauf der Erkrankung dadurch zu verlangsamen. Zudem kann eine Therapie die Symptome lindern.

Exkurs: Entspannung hilft bei der Therapie und Vorbeugung

Im Rahmen der Therapie von Schlaganfällen hat sich herausgestellt, dass Entspannung den Therapieerfolg steigert. Bei Schlaganfallpatienten hat eine Studie ergeben, dass Entspannungsübungen hinsichtlich der Sturzgefahr einen besseren Therapieerfolg erzielen als Laufbandtraining. Auch in der Schlaganfallrehabilitation kann man den Therapieerfolg nicht erzwingen – zu viel Druck wirkt kontraproduktiv. Stresssituationen im Alltag sind außerdem ein Risikofaktor für Infarkte. Gerade in der Weihnachtszeit muten wir uns oftmals zu viel zu. Der Vorbereitungsdruck steigert dann das gesundheitliche Risiko.

 

Typisches Patientenbeispiel

Frau Aumeier ist unglücklich – seit Monaten verhält sich ihr Mann immer wieder seltsam ihr gegenüber. Er ist in der einen Minute fröhlich, kurz darauf geistig abwesend und betrübt. Wenn sie ihn darauf anspricht, reagiert er abweisend und tut so, als sei nichts. Sie hat auch schon versucht, mit ihren Freundinnen und den gemeinsamen Bekannten darüber zu sprechen, aber die stellen keinen Unterschied im Verhalten ihres Mannes fest. Bildet sie sich das alles nur ein?

Frau Aumeier zweifelt an sich selbst und spielt bereits mit dem Gedanken, zu einem Psychologen zu gehen, um sich durchchecken zu lassen. Ihr Mann sagt zwar immer: „Ach, geh doch nicht wegen jedem Kinkerlitzchen zum Arzt“, aber als ihn die Ärzte letztes Jahr nach seiner Hirnblutung durch eine Notoperation vor dem Tod gerettet haben, war er doch froh, dass es sie gab.

Als sie eines Tages ihre Enkel besuchen sind, passiert etwas Unglaubliches: Ihr Mann ruft sie panisch aus dem Wohnzimmer, sie greift nach ihrer Gehhilfe und humpelt aus der Küche, wo sie mit ihrer Enkelin Kuchen gebacken hat, zu ihm. „Was ist denn, Ernie?“, fragt Frau Aumeier ihren Mann. Dieser steht mit einem ungläubigen Gesichtsausdruck an einen Sessel gelehnt im Wohnzimmer und fragt: „Elsa, wo sind wir?“ Mit Tränen in den Augen versucht Frau Aumeier, ihren Mann zu beruhigen.

Ihre Enkelin fährt die beiden am Tag darauf zu ihrem Hausarzt, um dessen Meinung zu dem Ereignis zu erfahren. Nach einigen Gesprächen und Untersuchungen äußert der Arzt einen Verdacht auf eine vaskuläre Demenz – höchstwahrscheinlich durch die Hirnblutung im Jahr zuvor. Die Eheleute Aumeier sind über die Diagnose bestürzt. Aber Frau Aumeier ist auch erleichtert – immerhin weiß sie jetzt, dass sie nicht verrückt ist und ihr Mann sich wirklich verändert hat. Sie hofft darauf, dass der Arzt das Fortschreiten der Symptome wenigstens verlangsamen kann.

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Die hier beschriebenen Punkte (Krankheit, Beschwerden, Diagnostik, Therapie, Komplikationen etc.) erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Es wird genannt, was der Autor als wichtig und erwähnenswert erachtet. Ein Arztbesuch wird durch die hier genannten Informationen keinesfalls ersetzt. Autor: Dr. Dr. Tobias Weigl, Melinda Mende
Lektorat: Tobias Möller
Veröffentlicht am: 26.09.2019

Quellen

  • Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend: Vaskuläre Demenz – Die zweithäufigste Demenzform. In: wegweiser-demenz.de.
  • Deutsche Alzheimer Gesellschaft e. V.: Vaskuläre Demenz. In: deutsche-alzheimer.de.
  • Deutsche Gesellschaft für Neurologie (2008): Vaskuläre Demenzen. In: dgn.org.
  • Gerhard W. Eschweiler (2017). Diagnostik und multimodale Therapie der Altersdepression. Zeitschrift für Gerontologie und Geriatrie 50(2), S. 99–105.
  • Katja Marquart (2019): Musik gegen Demenz – Der Schlüssel zur Erinnerung. Goethe Institut. Sprache. Kultur. Deutschland. In: goethe.de.
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