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Daumenarthrose bzw. Rhizarthrose – Symptome und Behandlung

Es gibt ein paar Gelenke, die im menschlichen Bewegungsapparat besonders häufig Beschwerden machen. Dazu gehört auch das Daumensattelgelenk.
— Dr. Tobias Weigl


Von Medizinern geprüft und nach besten wissenschaftlichen Standards verfasst

Dieser Text wurde gemäß medizinischer Fachliteratur, aktuellen Leitlinien und Studien erstellt und von einem Mediziner vor Veröffentlichung geprüft.

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Die Daumensattelgelenksarthrose (sog. ‚Rhizarthrose‘) beschreibt den fortschreitenden Verschleiß des Daumensattelgelenks. Die Ursachen hierfür sind vielseitig und können bspw. in Knochenbrüchen, Alterungsprozessen oder anderen Gelenkerkrankungen zu finden sein.

Zu den Beschwerden zählen schmerzhafte Greif- und Haltebewegungen, ein Anschwellen des Daumens sowie Kraftverlust im Daumen, der durch ebendiesen Schmerz ausgelöst wird. Behandelt wird eine Daumensattelgelenksarthrose zunächst, indem Überlastung vermieden wird. Zudem können eine Daumenbandage getragen, das Gelenk gekühlt und entzündungshemmende Medikamente verabreicht werden. Zu guter Letzt können auch operative Möglichkeiten in Betracht gezogen werden.

In der Küche fühlt sich Emil wohl. Mit 16 Jahren begann er die Ausbildung zum Koch und führt jetzt, im Alter von 45, sein eigenes Restaurant. Doch er hat festgestellt, dass es ihm schwer fällt, die Pfanne zu schwenken, weil er Schmerzen in der Hand hat, im Bereich des Daumens. Selbst das Öffnen einer Flasche Olivenöl tut weh und die Bewegung fühlt sich eingeschränkt an. Außerdem sind gleich beide Hände betroffen. Wenn das so weiter geht, muss er wohl eine Auszeit nehmen. Denn die Schwellung ließ ihn vor kurzem schon einen Tag aussetzen.

Was ist eine Daumensattelgelenksarthrose?

Bei Emil aus unserem Beispiel könnte eine Daumensattelgelenksarthrose vorliegen. Der Mediziner spricht in diesem Zusammenhang von einer sogenannten ‚Rhizarthrose‘ (von gr. arthron ‚Gelenk‘ und gr. rhíza ‚Wurzel‘). Dass es sich um eine natürliche Verschleißerkrankung handelt, macht auch das Alter deutlich, in dem Patienten beginnen, entsprechende Symptome zu verspüren. Die Symptome entstehen, wenn sich der natürliche Abrieb des Knorpels im Gelenk bemerkbar macht. Aber nicht nur der Alterungsprozess, sondern auch vorangegangene Gelenkverletzungen oder -entzündungen können die beschleunigten Abnutzungserscheinungen verursachen.

Die Daumensattelgelenksarthrose beschreibt den Knorpelverschleiß zwischen dem großen Vieleckbein und dem Mittelhandknochen des Daumens, welche in Kombination die kreisende Bewegung des Daumens ermöglichen. Sie ist die am häufigsten vorkommende Verschleißerkrankung der Handgelenke. Zunächst verläuft diese Form der Arthrose schleichend, im Verlauf deformiert sich das Gelenk aber zunehmend: Da kein Knorpel mehr vorhanden ist, reiben die Knochen ungeschützt gegeneinander. Je weiter die Krankheit fortschreitet, desto schwerer fällt das Greifen. Lassen Betroffene die Erkrankung nicht behandeln, könnte die Hand im Endstadium überhaupt nicht mehr belastbar sein. Wie Arthrose im Allgemeinen ist auch die Daumensattelgelenksarthrose nicht heilbar. Allerdings können diverse moderne Therapiemethoden dabei helfen, die Beschwerden maßgeblich zu lindern und das Fortschreiten der Erkrankung einzudämmen.

Mehr Informationen zu Arthrose in diesem Video

In diesem Video erklärt Dr. Weigl, wie eine Arthrose verläuft, welche Therapiemethoden es gibt und wie medizinisch mit einer Arthrose verfahren werden kann.

 

Die Symptome: Woran erkennt man eine Daumensattelgelenksarthrose? Wie verläuft die Erkrankung?

Als klassische Symptome der Daumensattelgelenksarthrose gelten Griffschmerzen, bspw. beim Heben von Flaschen. Ebenso kommt es zu Schwellungen durch Flüssigkeitseinlagerungen infolge des Knorpelschadens, die bisweilen schmerzhaft sein können.

Auch wird es Patienten zunehmend schwerer fallen, Drehbewegungen unter Krafteinsatz durchzuführen, was sich vor allem beim Drehen eines Schlüssels im Schloss oder dem Öffnen einer Wasserflasche bemerkbar macht. Es kann dann dazu kommen, dass sich der Daumen wackelig und instabil anfühlt.

Typische Symptome einer Rhizarthrose sind also:

  • Griffschmerzen
  • schmerzhafte Schwellung des Daumens
  • Kraftverlust v. a. bei Drehbewegungen
  • instabiles Gefühl im Daumengelenk

Im Verlauf tritt dann eine sichtbare Deformierung des Daumensattelgelenks in den Vordergrund. Dies ist die Folge entzündlicher Vorgänge, während denen die Gelenkkapsel und Bänder des Daumens angegriffen werden.

In einem späteren Stadium setzen dann häufiger Schmerzen ein, meist im Bereich des Daumenballens. Dieser muss dann nicht mehr belastungsabhängig in Erscheinung treten, sondern kann auch im Ruhezustand vorliegen.

Epidemiologie: Wer ist betroffen?

Circa 10 Prozent der Bevölkerung leiden unter einer Daumensattelgelenksarthrose, was sie zur häufigsten Arthrose an der Hand macht. Da das Gelenk eine hohe Bewegungsfreiheit aufweist, speziell das Abspreizen und Berühren der Fingerkuppen, und es langen Greifbelastungen unterliegt, setzt über die Jahre ein natürlicher Verschleiß ein, der auch zu Arthrose führen kann.

Bei der Erstdiagnose sind Patienten meist älter als 40 Jahre. Die am häufigsten unter Daumensattelgelenksarthrose leidende Gruppe bilden Frauen nach den Wechseljahren im Alter von 50-60 Jahren. Rund 30 Prozent der Frauen über 50 sind betroffen, weshalb in der Medizin noch darüber diskutiert wird, ob eine Erschlaffung des Bandapparats um das Daumensattelgelenk auch hormonell bedingt sein kann.

Als gefährdet gelten zum einen Leistungssportler oder schwer körperlich Arbeitende, da diese den Knorpel im Daumensattelgelenk über einen langen Zeitraum einer Überlastung aussetzen. Zum anderen kann eine Unterbelastung des Knorpels hingegen dazu führen, dass der Knorpel keine Nährstoffe mehr aus der Gelenkflüssigkeit beziehen kann, was ihn wiederum schwächt. Sowohl zu viel als auch zu wenig Bewegung ist also schädlich.

Hat ein Arzt bei Ihnen eine Daumensattelgelenksarthrose diagnostiziert? Welche dieser Symptome traten bei Ihnen auf? (Mehrfachnennungen möglich) Damit helfen Sie anderen Lesern, ihre Symptome besser einzuschätzen.

Was tut der Arzt? Teil 1: Die Diagnose

Wenn Sie als Patient mit den oben genannten Beschwerden einen Arzt aufsuchen, wird dieser zunächst ein sogenanntes Anamnesegespräch mit Ihnen führen. Dies dient dazu, die grundlegende Krankengeschichte zu ermitteln. Der Arzt wird Sie bspw. fragen, wo und wie lange Sie die Schmerzen bereits haben und wie stark diese sind. Ebenso zur Sprache kommen etwaige Medikamente, die Sie dauerhaft einnehmen, sowie Vorerkrankungen. Dabei werden häufig schon Symptome der Daumensattelgelenksarthrose, z. B. Koordinationsprobleme oder Kraftverlust, angesprochen. Der Arzt kann bei Verdacht auf Arthrose dann weitere Untersuchungen veranlassen, um seine Vermutung zu bestätigen. Es gibt viele Erkrankungen, die mit einem Verlust der Beweglichkeit der Finger einhergehen, die durch diese Untersuchungen ausgeschlossen werden sollen. Dazu gehört bspw. Gicht, weshalb auch eine Untersuchung des Harnsäurestoffwechsels empfehlenswert ist.

In der auf das Gespräch folgenden körperlichen Untersuchung widmet sich der Arzt dann dem Ertasten des Gelenks. Dabei können Verknöcherungen, Fehlstellungen oder Konturveränderungen des Gelenks festgestellt werden, letztere sind in fortgeschrittenen Krankheitsstadien sogar sichtbar. Eine spezielle Methode, die dazu dient, eine Arthrose-Diagnose abzusichern, ist der sogenannte ‚Grind-Test‘.

Die Untersuchung wird mit der Anfertigung eines Röntgenbildes abgeschlossen. Wenn auf diesem eine fortgeschrittene Verschleißsituation zu sehen ist, gilt die Diagnose Arthrose als sicher.

Gut zu wissen!
Beim Grind-Test wird das Vorliegen einer Arthrose zu überprüft. Dabei wird die Hand des Patienten fixiert und der Daumen im Gelenk gedreht. Sind Mahl- oder Reibegeräusche zu hören, erhöht sich die Wahrscheinlichkeit, dass die Beschwerden des Patienten durch eine Daumensattelgelenksarthrose verursacht werden.
Fakten-Box
Daumensattelgelenksarthrose/Rhizarthrose
Frauen > Männer
30 Prozent der Frauen über 50 sind betroffen
Symptome

  • Schmerzen beim Zugreifen
  • schmerzhafte Schwellungen
  • instabiles und wackliges Gefühl im Daumen
  • eingeschränkte Bewegungsfreiheit
  • Gelenkgeräusche (Knacken oder Reiben)
  • Sichtbare Deformierung
  • Schmerzen im Ruhezustand

Was tut der Arzt? Teil 2: Die Behandlung

Die Daumensattelgelenksarthrose ist, wie jede Arthrose, nicht vollständig zu heilen. Vorwiegend soll es bei der Behandlung der Erkrankung darum gehen, die Schmerzen Betroffener zu lindern und die Funktionsfähigkeit des Daumensattelgelenks zu erhalten.

Wie bei anderen Formen der Arthrose setzen Ärzte zunächst meist auf eine konservative Therapie, bevor eine Operation in Erwägung gezogen wird.

Bei der konservativen Therapie wird zunächst darauf geachtet, dass der Patient Überlastung sowie belastende Tätigkeiten in Zusammenhang mit dem Gelenk vermeidet. Sollten Patienten dennoch belastenden Tätigkeiten nachgehen müssen, kann dabei eine Daumenbandage getragen werden.

Die weiteren grundlegenden Methoden umfassen auch den Einsatz physikalischer Reize, meist Kälte oder Wärme, da diese eine entzündungshemmende Wirkung haben. Da diese Methode nebenwirkungsfrei ist, steht sie bei der Behandlung im Vordergrund.

Zwar entzündungshemmend, nicht aber gänzlich nebenwirkungsfrei, ist die medikamentöse Behandlung mit bspw. Ibuprofen oder Diclofenac. Diese haben nämlich bei längerer Anwendung einen schädlichen Einfluss auf Magen und Verdauungstrakt. Ebenso ist es möglich, dass der Arzt es – bei akuten Schmerzen – für angemessen hält, Injektionen zu verabreichen, z. B. Spritzen mit dem entzündungshemmenden Hormon Cortison. Allerdings ist auch dabei von einer längeren Anwendungsdauer abzuraten, da sich Cortison negativ auf das Gewebe und seine Regenerationsfähigkeit auswirkt.

Mehr Informationen zu Arthrose-Medikamenten in diesem Video

In diesem Video von Dr. Weigl erfahren Sie, welche Medikamente bei der Behandlung von Arthrose zum Einsatz kommen und warum und zu welchem Zeitpunkt diese Anwendung finden.

Operative Eingriffe bei Rhizarthrose

Lässt die Griffstärke des Betroffenen nach und werden die Schmerzen stärker, so kann das Daumengrundgelenk gegebenenfalls durch eine Daumenschiene (sog. ‚Orthese‘) unterstützt werden. Auf diese Weise können dem Daumen und dem Handgelenk Stabilität verliehen werden.

Befindet sich die Daumensattelgelenksarthrose in einem fortgeschrittenen Stadium und fällt den Betroffenen bspw. bereits das Tragen eines Buches schwer, kann nur noch eine Operation für Schmerzfreiheit und die Wiederherstellung der Einsatzfähigkeit seiner Hand sorgen.

Dabei werden generell drei Verfahren unterschieden, die unterschiedlich erfolgreich sind, aber auch unterschiedliche Vor- und Nachteile haben. Diese drei operativen Maßnahmen sind die Resezierende Arthroplastik, auch Goldstandard genannt, die Arthrodese und der Endoprothetische Ersatz des Daumensattelgelenks.

Bei einer Resezierenden Arthroplastik wird das von der Arthrose betroffene große Vieleckbein (sog. ‚Os trapezium‘), einer der acht Handwurzelknochen, entfernt. Der dadurch entstandene Hohlraum wird dann mit einem Sehnenbündel gefüllt. Das Ziel dieser Methode liegt darin, den Daumen wieder schmerzfrei bewegen zu können. Langzeitstudien haben ergeben, dass 80-95 Prozent aller Resektionsarthroplastiken gute bis sehr gute Ergebnisse erzielen. Der Nachteil dieser Methode: Die Kraft im Daumen ist geringfügig verringert. Allerdings ist die Kraft schmerzbedingt vor der Operation meist stärker herabgesetzt, weshalb diese Methode der Behandlung als die gängigste gilt.

Eine Arthrodese, also eine Versteifungsoperation, hingegen eignet sich vor allem für junge Menschen, die ihre Hand täglich stark belasten, bspw. wenn sie in handwerklichen Berufen tätig sind. Der Eingriff ist nicht zu empfehlen, wenn arthrotische Veränderungen an den angrenzenden Gelenken vorliegen, da die Last infolge der Operation auf diese abgeleitet wird. Nach einer Arthrodese ist das Gelenk zwar belastbarer, jedoch auch in der Beweglichkeit eingeschränkt.

Zu guter Letzt sei noch der Endoprothetische Ersatz des Daumensattelgelenks zu erwähnen. Diese Prothesen, also „Ersatzteile“, bestehen aus Silikon, Metall oder Kunststoff, wie er auch bei Hüfte oder Knie zum Einsatz kommt. Aktuell liegen bzgl. dieser Methode aber noch keine positiven Langzeitstudien vor und es kommt häufiger zu Komplikationen; besonders das eingesetzte Fremdmaterial lockert mit der Zeit aus. Daher hat sich dieses Verfahren noch nicht standardmäßig durchgesetzt.

Häufige Patientenfragen

Wie lange muss ich nach einer Operation aussetzen?

Dr. T. Weigl
Das hängt meist vom individuellen Fall ab, vor allem gemessen an Ihrer Tätigkeit. Sollten Sie bspw. einem handwerklichen Beruf oder einer anderen Tätigkeit nachgehen, bei der das Daumensattelgelenk stark belastet wird, sollte eine Zeit von 3-4 Monaten eingeplant werden. Wenn die Belastung nicht allzu groß ist oder Sie diese selbst bestimmen können, fällt die Arbeitsunfähigkeit deutlich kürzer aus.

Wird meine Hand nach einer OP eingegipst sein?

Dr. T. Weigl
Nicht unbedingt, auch wenn es manchmal sinnvoll ist, um sowohl die innere als auch die äußere Wundheilung zu begünstigen. Der Gips, den Sie tragen müssten, ließe aber die Beweglichkeit der vier Finger und des Endgelenks des Daumens zu. Als Alternative bietet sich eine Ruhigstellung durch eine Daumenschiene an, allerdings erst dann, wenn die Fäden gezogen worden sind.

Kann auch die übermäßige Nutzung eines Smartphones zum Verschleiß beitragen?

Dr. T. Weigl
So merkwürdig es klingt: Was früher der Tennisarm war, ist heute der sogenannte Handydaumen. Durch die langfristige einseitige Beanspruchung des Daumens wird das Daumensattelgelenk beschädigt. Mittlerweile gibt es ergonomische Touchpads, Mäuse und Tastaturen, die das Risiko verringern, die Hand zu überlasten. Beim Smartphone hingegen finden dauerhaft kleine Dreh- und Drückbewegungen statt, die die Gelenke instabil machen und gegebenenfalls eine Arthrose zur Folge haben können.

Als Emil erfährt, dass es sich bei den Schmerzen in seiner Hand um Arthrose handelt, ist er zunächst sehr besorgt. Doch durch Übungen und den schonenden Einsatz von Medikamenten ist es ihm möglich, weiterzuarbeiten und seine Gäste weiterhin kulinarisch zu begeistern. Das Lächeln in den Gesichtern der Gäste oder das Lob an die Küche trösten locker darüber hinweg, die kleine Schiene am Daumen tragen zu müssen. Sein Arzt hat ihm gesagt, das könnte über Jahre erstmal ausreichend sein. Ob er sich später einer Operation unterziehen muss, wird sich dann zeigen.

Haben auch Sie Erfahrungen mit Daumensattelgelenksarthrose? Haben Sie Fragen zum Thema? Nutzen Sie unsere Kommentarfunktion unten für den Austausch untereinander und mit uns!

Autoren: Tobias Möller & Dr. Tobias Weigl

Lektorat: Christine Pepersack

Quellen

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