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Diclofenac (Voltaren®, Diclac®) – Wirkung, Dosierung & Nebenwirkungen

Diclofenac wirkt so, dass dort, wo der Schmerz auftritt, die Arbeitsfähigkeit der Schmerzrezeptoren gesenkt wird. Es wird weniger Schmerz am Ort der Verletzung aufgenommen und somit werden auch weniger als Schmerz empfundene Signale zum Gehirn weitergeleitet.
— Dr. Tobias Weigl

Von Medizinern geprüft und nach besten wissenschaftlichen Standards verfasst

Dieser Text wurde gemäß medizinischer Fachliteratur, aktuellen Leitlinien und Studien erstellt und von einem Mediziner vor Veröffentlichung geprüft.

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Was ist Diclofenac?

Diclofenac wird bei Schmerzen, Fieber und bei Entzündungen eingesetzt. Im Verkauf findet man es zum Beispiel unter den bekannten Handelsnamen Diclac®, Diclofenac-Rathiopharm®, Voltaren® und Voltaren® Dolo. Es ist ein oft verwendetes nicht-opioides bzw. nicht-steroidales Antiphlogistikum, also ein Medikament, welches Entzündungen hemmt..

Nichtopioid und nichtsteroidal bedeutet, dass es sich hierbei nicht um ein Opioid (also um eine mit dem Opium verwandte Substanz, wie etwa Morphin) handelt und dass keine Glucocorticoide in dem Medikament enthalten sind. Ein anderer Name für die nicht-steroidalen Anthiphlogistika ist ‚nichtsteroidales Antirheumatikum‘. Die geläufige Abkürzung lautet „NSAR“.  Die NSAR sind einander sehr ähnlich und unterscheiden sich nur geringfügig. Ein weiteres populäres Beispiel für diese Gruppe ist Ibuprofen.

In den 1960er-Jahren synthetisierten Alfred Sallmann und Rudolph Pfister in der Schweiz erstmals das Mittel.

Diclofenac ist auch ohne Rezept in der Apotheke erhältlich (in niedriger Dosierung). Dieser Fakt ist Fluch und Segen zugleich, da es zum einen einfacher erhältlich ist und vielen Menschen mit akuten Schmerzen sehr gut hilft. Andererseits unterschätzen viele das Medikament, nur weil es ohne Rezept erhältlich ist. Ein chronischer Gebrauch dieses Mittels oder auch des ähnlichen Ibuprofens kann beispielsweise zu erheblichen unangenehmen Nebenwirkungen im Magen-Darm-Bereich führen.

In folgenden Video klärt Dr. Tobias Weigl über die Dosierungen, Einsatzfelder aber auch Wirkungen und Nebenwirkungen von Diclofenac auf.

Wussten Sie schon?

  1. Wussten Sie, dass Diclofenac auch bei Menstruationsbeschwerden eingesetzt werden kann?
    Oft werden Frauen während ihrer monatlichen Menstruationsblutung von krampfartigen und dumpfen Unterleibsschmerzen geplagt. Desweiteren können Kopfschmerzen, Migräne, Übelkeit, Durchfall oder auch Schwindel auftreten. Diese Unterleibsschmerzen werden durch spezielle Gewebshormonen, den Prostaglandinen, ausgelöst. Das NSAR hemmt die Bildung der Gewebshormone. Dadurch treten weniger oder weniger intensive Schmerzen auf.
  2. Wussten Sie, dass Diclofenac weniger Magen-Darm-Verträglich ist als Ibuprofen?
    Bei einer längerfristigen Einnahme kann es sehr schnell zu Magen-Darm-Beschwerden wie Schleimhautreizungen führen. Aus diesem Grund sollte unter anderem von einem langfristigen Gebrauch von Diclofenac abgesehen werden.
  3. Wussten Sie, dass die Geier in Indien durch Diclofenac vom Aussterben bedroht sind?
    In Indien gelten die Geier als sehr wichtig, da sie die Kadaver der in Indien als heilig geltenden Kühen fressen. Seitdem in den neunziger Jahren Diclofenac in Indien in der Tiermedizin eingeführt worden ist, stehen die Geiern vorm Aussterben. Für diese ist das Mittel nämlich tödlich, da es Nierenversagen auslöst.

Wirkungsweise von Diclofenac

Im Folgenden werden einige wichtige Wirkungen und Nebenwirkungen von Diclofenac dargestellt.

Wirkungen
schmerzlindernd (sog. analgetisch)
entzündungshemmend (sog. antiphlogistisch)
fiebersenkend (sog. antipyretisch)
Nebenwirkungen (sehr häufig)Nebenwirkungen (häufig)Nebenwirkungen (selten)
Verdauungsstörungen (sog. Gastrointestinale Störungen)MagengeschwüreBlutarmut (sog. Anämie)
ÜbelkeitBlähungenNesselfieber
BauchschmerzenKopfschmerzenLeberschäden
Leichte Blutungen im Magen-Darm-TraktMüdigkeitBlutiges Erbrechen
ErbrechenVerdauungsstörungen (sog. Dyspepsie)Haarausfall
Die hier aufgeführten Wirkungen sowie Nebenwirkungen sind natürlich nicht vollständig. Es können beispielsweise weitere Nebenwirkungen eintreten, welche hier nicht aufgelistet sind. Aus diesem Grund sollte immer bei dem Gebrauch von Medikamenten die Packungsbeilage gelesen werden.

Einsatzgebiete

Diclofenac wird ähnlich wie Ibuprofen bei Fieber, Entzündungen und Schmerzen eingesetzt. Hierbei handelt es sich meist um Sportverletzungen, Rheuma, Gicht, Gelenkschmerzen, Migräne aber auch beispielsweise um Menstruationsbeschwerden. Wird Diclofenac zur Behandlung von Rheuma und Gicht eingesetzt, wird meist jedoch eine höhere Dosierung benötigt. Es wird also dann verwendet, wenn es sich um entzündlich bedingte Krankheiten handelt. Das Medikament hemmt dann die für die Entzündung verantwortlichen Gewebshormone, die sogenannten Prostaglandine. Somit wirkt das Medikament der Entstehung von Entzündungen entgegen.

In dem Video über Diclofenac und Ibuprofen oben geht Dr. Weigl ebenfalls auf die Einsatzgebiete der beiden beliebten Schmerzmittel ein.

Anwendung und Dosierung

Diclofenac ist in unterschiedlichen Darreichungsformen, welche an den Patienten angepasst und dosiert werden, erhältlich: Gele, Salben, Pflaster oder Tabletten. Man kann es auch zur Behandlung von nicht-spezifischen Entzündungen des äußeren Auges und zur lokalen Schmerztherapie am Auge in Form von Augentropfen verwenden (Difen-Stulln®, Voltaren® opththa). Des Weiteren gibt es, um einer Gastritis oder sogar Magen-Darm-Geschwüren vorzubeugen, eine Kombination aus Diclofenac und einem anderen Wirkstoff, Misoprostol. Das Misoprostol unterstützt die Magen- und Darm-Schleimhaut, in dem es die Schleimproduktion fördert. Somit können die durch Schmerzmittel verursachten Schäden im Magen- und Darm-Bereich verringert werden. Dieses kombinierte Medikament trägt den Namen Arthotec®.

Vergleicht man Diclofenac und Ibuprofen, nimmt man Diclofenac in viel geringeren Mengen ein. Dies liegt an der höheren Wirkung. Die Maximaldosierung liegt bei 150 mg pro Tag. Dies entspricht ungefähr zwei Tabletten. Mehr als diese Menge sollte nicht überschritten werden. Außerdem sollte Diclofenac höchstens drei bis vier Tage hintereinander eingenommen werden.

Wechselwirkungen mit anderen Mitteln

Kontraindikationen: Diclofenac sollte Sie nicht einnehmen, wenn Sie bereits Magen-Darm-Geschwüre, Herzinsuffizienz oder Leber-und Nierenschäden haben. Schwangere sollten vor allem in den letzten Wochen auf das Schmerzmittel verzichten.

Interaktionen: Diclofenac sollten Sie nicht einnehmen, wenn Sie gleichzeitig Glucocorticoide einnehmen. Dabei kann es nämlich zu einer Erhöhung der Gefahr von gastrointestinalen Komplikationen wie Magen-Darm-Geschwüren kommen. Auch kann das Mittel die blutzuckersenkende Wirkung von oralen Antidiabetika steigern oder auch die Blutdruck senkende Wirkung von Antihypertonika, wie den ACE-Hemmern (z.B. Ramipril) verringern.

Was sind die Gefahren einer dauerhaften Einnahme?

Bei einer dauerhaften Einnahme von Diclofenac kann es zu einigen unerwünschten Nebenwirkung kommen. Die größte Gefahr liegt hier bei der Entstehung von Magen-Darm-Beschwerden bis hin zu Geschwüren.

Es können gastrointestinale Störungen, Bauchschmerzen, Übelkeit und auch Blutungen auftreten. Auch kann es zu Allergien, Asthma (sog. Analgetikaasthma) oder auch zu Kopfschmerzen kommen. Zudem kann ein langfristiger Gebrauch auch zu einem Herzinfarkt oder einem Schlaganfall führen.

In diesem Video spricht Dr. Tobias Weigl zusammen mit dem Kardiologen Dr. Stefan Waller darüber, wie gefährlich Schmerzmittel fürs Herz sind.

Menschen mit Bluthochdruck sollten also vorsichtig sein. Außerdem führt Diclofenac häufiger als andere NSARs zur Erhöhung von Enzymleberwerten. Mehr zum Thema Leberwerte erfahren Sie in unserem umfassenden Artikel zum Thema.

Aus diesen Gründen sollte Diclofenac als Medikament ernst genommen werden und nicht dauerhaft angewendet werden. Viele Menschen denken, dass Medikamente ohne Rezeptpflicht keine Risiken bergen. Dies ist jedoch ein Denkfehler. Überall wo eine Wirkung ist, kann es auch eine Nebenwirkung geben.

Verwandte Substanzen

Ibuprofen

Ibuprofen gehört ebenfalls zu den NSARs und hat sehr große Ähnlichkeit mit Diclofenac. Wie dieses findet auch Ibuprofen bei Fieber, Entzündungen und Schmerzen Anwendung. Auch stimmen die möglichen Nebenwirkungen, wie die Magen-Darm-Geschwüre oder die Übelkeit bei chronischem Gebrauch überein. Ein Unterschied ist, dass Ibuprofen weniger stark wirkt und daher in höheren Mengen als Diclofenac dosiert wird. Ibuprofen wird bei Schmerzen und Fieber mit höchstens 1200 mg eingesetzt. Bei einer Behandlung von beispielsweise Rheuma kann die Dosis auf 2400 mg erhöht werden.

Exkurs aus der Natur

Die folgenden beiden Pflanzen beziehungsweise pflanzlichen Stoffe sind eine Alternative zu NSAR. Hierbei handelt es sich jedoch nicht um Arzneimittel im herkömmlichen Sinne. Aus diesem Grund stellen sie eine pflanzliche Alternative zur Linderung von Entzündungen oder auch Schmerzen dar.

  1. Weihrauch
  2. Apfelessig

Weihrauch

Weihrauch war früher bei den Ägyptern nicht nur bloß ein Hilfsmittel bei der Mumifizierung, sondern auch ein Heilmittel in der Medizin. Er galt schon früher als entzündungshemmend und wird auch heute als Alternative gegen Entzündungen eingesetzt. Weihrauch findet schon längst Einsatz bei Gelenkerkrankungen wie Rheuma oder auch bei Darmentzündungen wie Morbus Crohn.

Apfelessig

Was viele Menschen nicht wissen, ist, dass Apfelessig viele verschiedene wertvolle Inhaltsstoffe enthält, die zum Teil schmerzlindernd wirken und vitaminreich sind. Viele dieser Inhaltsstoffe können bei Bauchschmerzen, Muskelschmerzen und auch Sodbrennen helfen. Daneben kann Apfelessig Verdauungsstörungen oder Erkältungserscheinungen lindern. Also beim nächsten Einkauf im Supermarkt den Apfelessig einpacken und sich überraschen lassen?

Häufige Patientenfragen

Sollte ich bei Entzündungen Diclofenac lieber als Salbe anwenden oder als Tablette einnehmen?

Dr. T. Weigl:

Bei gleicher Dosierung ist bei beiden Formen dieselbe Wirkungsstärke gegeben. Manche finden es angenehmer die Salbe zum Beispiel nach einer Sportverletzung oder bei einer Gelenkentzündung auf die betroffene Stelle aufzutragen, andere bevorzugen die Tablette. Somit ist es Ihnen selbst überlassen, für welche Darreichungsform Sie sich entscheiden.

Ist Diclofenac verschreibungspflichtig?

Dr. T. Weigl:
Prinzipiell ist Diclofenac rezeptfrei in der Apotheke erhältlich. Passen Sie jedoch auf, das Mittel nicht chronisch einzunehmen. In höheren Dosen, zum Beispiel zur Behandlung von Rheuma,, ist es verschreibungspflichtig. Somit ist die Dosierung ein Kriterium für die Rezeptfreiheit. Eine kurze Diskussion über die Rezeptfreiheit von Diclofenac und auch Ibuprofen führe ich außerdem in dem Video oben.

Ist Diclofenac oder Ibuprofen besser verträglich?

Dr. T. Weigl:
Allgemein kann man sagen, dass beide Arzneimittel Entzündungen und Schmerzen lindern. Beide haben auch sehr ähnliche Nebenwirkungen. Diclofenac hat jedoch eine stärkere Wirkung im Vergleich zu Ibuprofen. Dies ist mitunter ein Grund, wieso es dementsprechend auch schneller zu Magen-Darm-Beschwerden beziehungsweise Schleimhautreizungen führen kann.

Verwandte Themen

Autor: Dr. Tobias Weigl
Redaktion: Marek Firlej
Veröffentlicht am: 14.03.2018, letzte Aktualisierung: 06.07.2018

Die hier beschriebenen Punkte (Krankheit, Beschwerden, Diagnostik, Therapie, Komplikationen etc.) erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Es wird genannt, was der Autor als wichtig und erwähnenswert erachtet. Ein Arztbesuch wird durch die hier genannten Informationen keinesfalls ersetzt.

Quellen

  • Alfred Sallmann, Rudolf Pfister (1967): Verfahren zur Herstellung einer neuen, substituierten Phenylessigsäure. Schweizerische Patentschrift Nr. 487 116.
  • Ernst Mutschler (2013): Arzneimittelwirkungen: Lehrbuch der Pharmakologie und Toxikologie, 10. Auflage. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft Stuttgart,  2013
  • Klaus Aktories u. a. (2017): Allgemeine und spezielle Pharmakologie und Toxikologie, 2017
[Gesamt:9    Durchschnitt: 4.1/5]

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