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Schürfwunden – Erste Hilfe und Therapie

Schürfwunden sind in der Regel leicht zu behandeln. Zum Problem können aber Infektionen werden, wenn die Wunde nicht ausreichend gereinigt und desinfiziert wurde. Gerade bei tieferen Schürfwunden sollte im Zweifel besser ein Arzt aufgesucht werden.
— Dr. Tobias Weigl


Von Medizinern geprüft und nach besten wissenschaftlichen Standards verfasst

Dieser Text wurde gemäß medizinischer Fachliteratur, aktuellen Leitlinien und Studien erstellt und von einem Mediziner vor Veröffentlichung geprüft.

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Schürfwunden passieren schnell und sind eine alltägliche Verletzung, ob im Haushalt oder auf dem Sportplatz: einmal nicht richtig aufgepasst und weggerutscht, schon können Knie, Ellenbogen oder Hände etwas bluten und brennen. In der Regel lassen sich Schürfwunden schnell und einfach behandeln, sich entzündende Wunden können aber gefährlich werden. Welche Sofortmaßnahmen Sie ergreifen können und wann es ratsam ist, einen Arzt aufzusuchen, erklärt Ihnen dieser Artikel.
 

 

Daniel freut sich: „Endlich wieder Fußball! Mann, darauf warte ich schon seit Wochen!“ Es ist ein schöner Sonntagmittag und die Kreisliga startet nach der scheinbar endlos langen Sommerpause wieder in ihre nächste Saison. Daniel hat hart trainiert und ist hochmotiviert, schließlich ist es nicht nur der Saisonauftakt, sondern es steht auch das Stadtderby an. Viele Zuschauer, Freunde und Bekannte sind dabei, als angepfiffen wird. Es läuft gut für Daniel, bis ihm plötzlich der Ball verspringt: mit einer beherzten Grätsche kann er das Gegentor noch verhindern, als plötzlich sein rechtes Bein schmerzt. Scheinbar hat er sich eine stärkere Schürfwunde zugezogen. „Puh, tut das weh“, denkt er zähneknirschend, als er nach dem Spiel die Wunde mit Wasser reinigt und dann desinfiziert. Das Bein brennt an der Stelle und ist gerötet. Am nächsten Morgen schmerzt die Wunde immer noch stark, sodass Daniel beschließt, einen Arzt aufzusuchen.

 
Daniels Verletzung ist typisch für die Entstehung von Schürfwunden, die häufig bei verschiedenen Sportarten auftritt. Besonders Kinder haben im jüngeren Alter häufiger Schürfwunden, da sie zum Beispiel auf dem Spielplatz unachtsam umher toben und dann stürzen. Oft sind es dann nur kleine Verletzungen, die schnell behandelt werden können. Problematisch werden Schürfwunden erst, wenn sie sich entzünden.

Wie entstehen Schürfwunden?

Schürfwunden werden in der Regel durch raue Gegenstände oder Oberflächen wie Asphalt verursacht, die an der Haut entlangstreifen und diese entsprechend abschürfen. Hierbei wird die oberste Hautschicht, die Epidermis, verletzt. Die darunterliegenden Hautschichten Lederhaut und Unterhaut, im Fachjargon als Dermis und Subcutis bezeichnet, sind meistens nicht betroffen. Wird die Lederhaut bei zum Beispiel schweren Stürzen doch verletzt, werden Blutgefäße aufgerissen. Infolgedessen kommt es zu kleineren, meist punktförmig austretenden Blutungen.
Häufig von Schürfwunden Betroffene sind vor allem Fahrradfahrer, aber auch Sporttreibende anderer Sportarten wie Fußball oder Basketball sowie generell häufig Kinder. Körperbereiche, die oft von Schürfwunden betroffen sind, sind Knie, Ellenbogen und Handflächen. Das lässt sich darauf zurückführen, dass Stürze in der Regel durch diese Körperteile abgefangen werden.

Komplikationen

Problematisch wird eine Schürfwunde dann, wenn sie sich entzündet – beim Abschürfen gelangen nämlich häufig Keime und Bakterien in die Wunde. Diese verursachen dann möglicherweise eine Entzündung. Ohne eine Behandlung verstärken sich die Symptome teils beträchtlich und in der Folge kommt es zu einer starken Eiterbildung. Die Schürfwunde muss spätestens dann dringend ärztlich versorgt werden. Bei einer Infektion kann es zudem zu einer Tetanusinfektion, dem sogenannten Wundstarrkrampf, kommen, weswegen eine regelmäßige Auffrischung des Tetanus-Impfschutzes dringend zu empfehlen ist. In seltenen Fällen kann es auch zu einer Blutvergiftung kommen.

Die Symptome: Woran erkennt man eine Schürfwunde?

Die Symptome von Schürfwunden sind recht eindeutig. Abhängig von der Schwere der Verletzung tritt eine geringe Blutung auf, die in der Regel nach kurzer Zeit wieder nachlässt. Je nach Grad der Verletzung schmerzt die Wunde stärker oder schwächer. Oft nässt die Wunde, da Gewebsflüssigkeit austritt. Bei größeren und tieferen Wunden treten größere Blutungen auf, die dementsprechend behandelt bzw. gestillt werden müssen. Äußerlich ist die betroffene Körperfläche gerötet und brennt stark.

Was tut der Arzt? Teil 1: Diagnose und Maßnahmen

Gerade weil Schürfwunden oft voreilig für vergleichsweise banale Verletzungen gehalten werden, wird der Arzt nicht aufgesucht und das Fortschreiten einer Entzündung begünstigt. Aber gerade bei großflächigen und tieferen Schürfwunden sollte ein Arzt die weitere Wundversorgung übernehmen, besonders, wenn es bereits Anzeichen einer Entzündung gibt.
Der Arzt kann dann schnell eine treffende Diagnose erstellen. Wird eine Wunde als Schürfwunde identifiziert, erfragt der behandelnde Arzt in der Regel, unter welchen Umständen es zur Verletzung gekommen ist. So kann er abschätzen, wie hoch das Risiko ist, dass Fremdkörper in die Schürfwunde gelangt sind. Bei starker bzw. tiefliegender Verschmutzung muss die Wunde unter Umständen auch mit einer Bürste, gegebenenfalls unter örtlicher Betäubung, gereinigt werden. Zudem wird geprüft, wie aktuell der Tetanus-Impfschutz des Patienten ist, da es ansonsten zum Wundstarrkrampf kommen kann. Bei Bedarf wird der Impfschutz aufgefrischt. Darüber hinaus reinigt der Arzt die Wunde professionell und verbindet sie mit speziellen Wundauflagen dann vor Ort. Diese Wundauflagen sind aber auch für den privaten Gebrauch in Apotheken erhältlich. Dieser Verband muss täglich gewechselt werden. Im Fall einer Wundinfektion wird diese mit einem Antibiotikum behandelt.

Exkurs: Tetanus

Tetanus, auch Wundstarrkrampf genannt, ist eine gefährliche Infektionskrankheit. Der Erreger „Clostridium tetani“ kommt in Staub, Erde und oft in Tierkot vor. Dieser Erreger kann dann bei einer Schürfwunde leicht in den Blutkreislauf des Menschen gelangen. Zentrales Symptom sind starke und sich hinziehende Muskelkrämpfe. Unbehandelt führt die Infektion zum Tod. Die Inkubationszeit, also die Zeit zwischen dem Eindringen der Krankheitserreger in den Körper bis zum Auftreten der ersten Symptome, beträgt 3 Tage bis 3 Wochen. Ansteckend von Mensch zu Mensch ist Tetanus nicht.
Bei einer Tetanus-Infektion bilden die Bakterien, die zum Beispiel über die Schürfwunde in den Körper gelangt sind, Giftstoffe aus. Über die Nerven wandern diese Giftstoffe zum Rückenmark und sogar bis ins Gehirn. Die Giftstoffe lösen Krämpfe aus und behindern die Muskelkontrolle. Da bei kleineren Verletzungen der Arzt oft nicht aufgesucht wird, ist eine regelmäßige Auffrischung der Schutzimpfung umso wichtiger: Die Infektion mit Tetanus fällt dem Laien zunächst selten auf, da die Wunde selbst unauffällig erscheint. Die Erkrankung zeigt sich zunächst mit einem unangenehmen Gefühl im Wundbereich, einem allgemeinen Krankheitsgefühl oder auch Kopfschmerzen. Schon nach kurzer Zeit beginnen dann die charakteristischen Muskelkrämpfe.
Da Verletzungen sich letztlich nie ganz vermeiden lassen, wird die Impfung gegen Tetanus als einzig sicherer Schutz empfohlen. Eine Auffrischung der Tetanusimpfung ist lebenslang alle zehn Jahre notwendig. Hierbei wird mit einem Toxoid geimpft, also dem unschädlich gemachten Gift des Bakteriums.

Was können Sie selbst tun? Teil 2: Erste Hilfe und Therapie bei Schürfwunden

Wie der Heilungsprozess bei einer Schürfwunde verläuft, hängt unter anderem davon ab, wie schwer die Verletzung ist. Häufig verheilen leichte Schürfwunden schon nach wenigen Tagen völlig. Narben bilden sich hier in der Regel nicht. Bei stärkeren Verletzungen, die nicht nur die obere Hautschicht, sondern auch die darunter liegenden betreffen, verläuft der Heilungsprozess teils deutlich langsamer. Manchmal können einige Wochen vergehen, bis die Wunde vollständig verheilt ist.

Erste-Hilfe-Maßnahmen

Als oberstes Gebot gilt es, Infektionen so gut wie möglich vorzubeugen, indem die Wunde zügig und sorgfältig von Schmutz und anderen Fremdkörpern befreit wird. Dies sollte bestenfalls innerhalb der ersten sechs Stunden erfolgen, ansonsten gilt sie als infiziert. Bei leichten, oberflächlichen Schürfwunden genügt dafür sauberes Wasser, wenn möglich auch eine Kochsalzlösung. Größere Schmutzteilchen können gegebenenfalls mit einer Pinzette vorsichtig entfernt werden, solange sie nicht zu tief sitzen. Zusätzlich sollte die Wunde mit einem Desinfektionsmittel versorgt werden. Ist die Wunde sauber, sollte sie mit einer Salbenkompresse oder einer speziellen Wundauflage abgedeckt werden. Wichtig ist hierbei, dass diese die Wunde feucht halten: Andersfalls bliebe die Wundauflage auf der verletzten Hautschicht haften und würde diese bei jedem Verbandswechsel wieder aufreißen. Das wiederum verzögert letzten Endes auch den Heilungsvorgang. Bei kleineren Schürfwunden genügt auch ein Sprühverband, der als Spray auf die betroffene Hautfläche aufgetragen wird.

Kurz und bündig – Vorgehen bei Schürfwunden

  • Wunde rasch mit sauberem Wasser gründlich reinigen. Fremdkörper wie kleine Steinchen entfernen. Bei tiefer liegenden Fremdkörpern den Arzt aufsuchen
  • Wunde mit einem Wundinfektionsmittel desinfizieren
  • Wunde mit einem sterilen Verband, ggf. einem Sprühverband, Salbenkompressen oder anderen speziellen Wundauflagen, abdecken
  • Heilungsverlauf beobachten – bei Schwellung oder Eiterbildung einen Arzt aufsuchen
Lassen Sie Ihre Tetanusimpfung regelmäßig auffrischen?

Häufige Patientenfragen

Sollten bereits Säuglinge gegen Tetanus geimpft werden?

Dr. T. Weigl
Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt dringend, dass ausnahmslos alle Säuglinge, Kinder, Jugendliche und Erwachsene einen vollständigen Impfschutz gegen Tetanus aufweisen können. Entsprechend des Impfkalenders der STIKO gilt, dass im Säuglingsalter die Grundimmunisierung vorgenommen werden sollte. Im weiteren Verlauf sollte die Impfung im Vorschulalter aufgefrischt werden und dann erneut im Alter von 9 bis 17. Danach, also im Erwachsenenalter, sollten dann im Abstand von 10 Jahren regelmäßig Impfauffrischungen erfolgen.

Sterben heute noch viele Menschen an Tetanus?

Dr. T. Weigl
In Deutschland sterben heutzutage kaum noch Menschen an einer Tetanusinfektion. In den letzten Jahren waren hierzulande jährlich im Schnitt 15 Personen erkrankt, während es vor 1970 noch weit über 100 Erkrankungen waren. Allgemein ist das Risiko, in Europa und Nordamerika an Tetanus zu sterben, vergleichsweise gering, vor allem dank der flächendeckenden Impfungen und den verbesserten Lebensbedingungen. In Entwicklungsländern sieht das leider anders aus: Die Impfquoten sind in diesen Ländern oft niedrig und die medizinische Versorgung schlecht. Dementsprechend steigt das Infektions- und Sterberisiko. Weltweit sind 2006 noch rund 290.000 Menschen an Tetanus gestorben.

Lassen sich Schürfwunden verhindern?

Dr. T. Weigl
Nur bedingt. Das hängt größtenteils davon ab, welchen Beruf und welchen Sport sie ausüben. Manchmal lassen sich derartige Verletzungen leider nicht vermeiden, gerade bei spielenden Kindern. Entscheidend ist, das Infektionsrisiko durch eine rasche Säuberung und Desinfektion zu vermindern. Grundsätzlich hilft sowohl für den Beruf als auch den Sport, dass man entsprechende Schutzkleidung trägt, um derartigen Verletzungen vorzubeugen. Eine vollständige Sicherheit gibt es aber nicht.

 

„Eine typische Fußballerverletzung“, murmelt Daniels Arzt und untersucht die Stelle genauer. Er ist etwas angespannt, da die Saison ja gerade erst wieder losgegangen ist und er nicht ausfallen will. Der Arzt beruhigt ihn aber: „Gut, dass sie die Wunde gereinigt haben, ansonsten hätte es schon zu Infektionen kommen können.“ Er gibt Daniel noch Tipps, welche Wundauflagen möglich wären und ermahnt ihn, ein paar Tage auf das Fußballspielen zu verzichten. Das nächste Saisonspiel ist aber nicht gefährdet.

 

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Die hier beschriebenen Punkte (Krankheit, Beschwerden, Diagnostik, Therapie, Komplikationen etc.) erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Es wird genannt, was der Autor als wichtig und erwähnenswert erachtet. Ein Arztbesuch wird durch die hier genannten Informationen keinesfalls ersetzt.
 
Autoren: Dr. Tobias Weigl, Sebastian Mittelberg
Lektorat: Tobias Möller
 

Quellen

  • Katrin von Bechtolsheim, Verena Nittka (2017): Tetanus – Achtung: Erde, Staub und Tierkot!
  • Ingo Blank (2007): Wunderversorgung und Verbandwechsel, 2. Aufl., Kohlhammer, Stuttgart.
  • Chiara Dold, Gregor Voggenreiter (2004): Wundtherapie: Wunden professionell beurteilen und erfolgreich behandeln, Georg Thieme Verlag, Stuttgart.
  • Hans Lippert (2001): Wundatlas. Kompendium der komplexen Wundbehandlung; 141 Tabellen, J.A. Barth Verlag, Heidelberg.
  • Thorsten Rarreck et al. (2011): TCM in der Sportmedizin, Karl F. Haug Verlag, Stuttgart.
  • Ständige Impfkommission am Robert Koch Institut (2017): Epidemiologisches Bulletin.
  • [Gesamt:3    Durchschnitt: 5/5]

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