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Aktuelles aus der Forschung – Mit Ernährung gegen Depression

Je älter Studierende sind, desto höher das Risiko für eine Depression. Das konnte der von der Barmer GEK erstellte Arztreport Anfang 2018 belegen. Grund genug, sich weiter mit dem Thema zu befassen. Heather Francis, Neuropsychologin an der Macquarie University, Sydney, nahm in diesem Zusammenhang einmal genauer das Thema Ernährung unter die Lupe. Es sei zwar bekannt, dass sich depressive Menschen schlecht ernähren. Einige Hinweise deuten aber darauf hin, dass dies nicht ausschließlich die Folge der Erkrankung ist. Francis und ihre Kollegen haben weiter geforscht und sind in ihrer aktuellen Studie zu folgendem Ergebnis gekommen:

Eine Ernährungsintervention in Richtung gesunder Ernährung kann unter jungen Menschen zu einer Verbesserung der depressiven Symptome führen.
„Eine gesunde Ernährung ist die Grundlage für einen gesunden Körper und eine gesunde Psyche – das bestätigen die Studienergebnisse noch einmal.“ — Dr. Dr. Tobias Weigl Klick um zu Tweeten

Was sagt die Studie genau?

Eingangs hatten wir bereits erwähnt, dass feststeht, dass sich viele depressive Menschen schlecht ernähren. Die Frage ist nur, inwiefern dieses Ernährungsverhalten Folge der Depressionen oder aber ein ursächlicher Faktor ist. In Studien konnten nämlich bereits Hinweise darauf gefunden werden, dass eine schlechte Ernährung mit einem erhöhten Risiko für die Entwicklung von Depressionen einhergeht. Auch das Gegenteil hat man schon zeigen können: Eine Ernährung, die Früchte, Gemüse, Fisch und mageres Fleisch enthält, reduziert das Risiko für Depressionen. Überdies hat eine Studie aus dem Jahr 2017 bereits zeigen können, dass eine Ernährungsberatung bei bereits bestehender Depression die entsprechenden Symptome lindern kann.

Heather Francis und ihre Kollegen sind daher der Ansicht, dass es sich bei der Ernährung um einen modifizierbaren Risikofaktor für die Entstehung von Depressionen handelt, der ein geeignetes Ziel einer frühen Intervention darstellt, um also schon früh der psychischen Erkrankung vorzubeugen.

Studiendesign – gegen Depression mit Videos, Beratung und Geschenken

  • 76 Studenten in einem Alter von 17–35 Jahren wurden untersucht. Auswahl-Kriterium war, dass die Teilnehmer zu Beginn der Behandlung mehr als 7 Punkte auf der sogenannten Depressions-Angst-Stress-Skala 21 (s. blaue Box) hatten.
  • Per Zufall wurden diese Studenten in eine Kontrollgruppe und eine sogenannte Interventionsgruppe unterteilt.
  • Die Interventionsgruppe bekam ein Video über Ernährung zu sehen. Darin forderte sie eine Ernährungsberaterin zur Umstellung ihres Ernährungsverhaltens auf. Auf Wunsch konnten die entsprechenden Teilnehmer das Video später auch nochmal online ansehen.
  • Als Motivation erhielten alle Teilnehmer der Interventionsgruppe einen Korb mit gesunden Lebensmitteln sowie einen Einkaufsgutschein im Wert von etwa 54,41 Euro (60 US-Dollar).
  • Zudem wurden sie – über die drei Wochen, in denen sie untersucht worden sind – einmal an Tag 7 und einmal an Tag 14 von der Ernährungsberaterin angerufen, für zusätzliche Motivation.
  • Die Teilnehmer in der Kontrollgruppe bekamen weder das Video zu sehen noch erhielten sie eine Ernährungsberatung, einen Lebensmittelkorb, einen Einkaufsgutschein oder Motivationsanrufe. Sie wurden nur dazu aufgefordert, nach 3 Wochen wieder zu einer Untersuchung zu erscheinen.
  • Ob die Teilnehmer sich letztlich an die Empfehlungen gehalten haben, wurde mit einem Fragebogen und einem sogenannten Spektralfotometer bestimmt. Letzteres bezeichnet ein Gerät, mit dem sich Veränderungen der Hautfarbe messen lassen. Zu diesen farblichen Veränderungen kommt es durch die zum Teil in Obst und Gemüse enthaltenen Flavonoide.
Gut zu wissen!
Bei der Depressions-Angst-Stress-Skala (kurz: DASS) handelt es sich um einen Fragebogen. Patienten füllen diesen in wenigen Minuten aus und versehen Aussagen wie „Ich konnte überhaupt keine positiven Gefühle mehr erleben“ oder „Ich fand es schwierig, mich zu entspannen“ mit Werten von 0–3, wobei „0“ für nicht zutreffend und „3“ für sehr stark zutreffend steht.

Ergebnis – Weniger Symptome einer Depression nach Ernährungsumstellung

  • Die depressiven Symptome haben in der Interventionsgruppe nachgelassen. Ein anderer zu Beginn des Tests erfasster Punktewert – auf der sogenannten CESD-R – sank in der Interventionsgruppe von 20,56 auf 14,62 Punkte, in der Kontrollgruppe war dagegen sogar ein leichter Anstieg zu beobachten.
  • Besserungen haben sich auch an der Depressions-Angst-Stress-Skala ablesen lassen.
  • 3 Monate nach der Studie nahmen die Forscher erneut Kontakt zu 33 Teilnehmern der Interventionsgruppe auf. 21 davon haben sich weiterhin an den Empfehlungen orientiert und zeigten eindeutig günstige Wirkungen auf die durch Depression verursachten Symptome.

Implikationen – Was sagen uns diese Ergebnisse über Depression?

  • Als erste Studie überhaupt wurde hier der Versuch unternommen, mit einer kurzzeitigen Ernährungsumstellung depressive Symptome bei jungen Erwachsenen zu behandeln.
  • Die Forscher sind der Ansicht, dass Ernährung als unterstützender Faktor bei der Behandlung depressiver Symptome mehr berücksichtigt werden sollte.

Einschätzung

Einmal mehr zeigt sich, wie wichtig eine richtige Ernährung für unsere Gesundheit ist. Abgesehen von den hier belegten positiven Einflüssen auf die depressiven Symptome sollte man natürlich auch nicht vernachlässigen, dass die Probanden sicherlich auch auf physiologischer, also körperlicher Ebene positive Veränderungen eingeleitet und erlebt haben.

Wie wichtig unsere Ernährung auf einzelne Aspekte unseres Wohlbefindens ist, damit hat sich Dr. Dr. Tobias Weigl schon in mehreren Videos auseinandergesetzt. Im nachfolgenden Video befasst er sich einmal beispielhaft mit dem Einfluss von Ernährung auf Migräne & Kopfschmerzen.

Keine Migräne & keine Kopfschmerzen mehr durch richtige Ernährung // Triggerfaktoren reduzieren

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Mit unserer Arbeit wollen wir über aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse aufklären und Ihnen diese auf verständliche Weise vermitteln. Wir bilden damit nicht die Forschung in einem meist viel umfassenderen Themenbereich ab.

Wichtig: Derlei Studien bilden immer nur einen kleinen Auszug aus der tatsächlichen Forschungsarbeit im jeweiligen Arbeitsbereich und oft ist die Datenlage nicht eindeutig, sodass teilweise gar konträre Ergebnisse zutage gefördert werden.

Haben Sie Fragen zur Studie, zur therapeutischen Wirkung von Ernährung oder zum Umgang mit Depressionen? Wenden Sie sich damit gerne unten im Kommentarbereich an uns und tauschen Sie sich auch mit anderen Lesern aus!
 

Autoren: Dr. Dr. Tobias Weigl, Tobias Möller
Veröffentlicht: 15.10.2019

Quellen

  • Heather M. Francis u. a. (2019): A brief diet intervention can reduce symptoms of depression in young adults – A randomised controlled trial. In: PLOS ONE October 9, 2019.
  • gie/dpa/aerzteblatt.de (2018): Depressionen: Vor allem ältere Studierende sind gefährdet. In: aerzteblatt.de.
  • Felice N. Jacka u. a. (2017): A randomised controlled trial of dietary improvement for adults with major depression (the ‘SMILES’ trial). In: BMC Medicine 15/23.
  • P. Nilges, C. Essau (2015): Die Depressions-Angst-Stress-Skalen: Der DASS – Ein Screeningverfahren nicht nur für Schmerzpatienten. In: Der Schmerz, DOI 10.1007/s00482-015-0019-z.
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4 Antworten
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