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Diabetes mellitus und Ernährung: Prävention und Heilung?

Auf einen Blick – Diabetes und Ernährung

Was ist Diabetes mellitus?

  • Stoffwechselerkrankung: Blutzuckerspiegel ist erhöht
  • Typ 1: Autoimmunerkrankung, bei der die Zellen zur Insulinproduktion zerstört werden
  • Typ 2: Exogene Gründe führen zu Stoffwechselstörungen; es fehlt Insulin bzw. es wirkt nicht richtig

Wieso ist Ernährung wichtig?

  • sowohl präventive als auch unterstützende Wirkung (der Medikamente) bei Typ 2
  • Auseinandersetzung mit eigener Ernährung hilft bei Einschätzung und Umgang mit Blutzuckerspiegel

Gesunde Lebensmittel (Auswahl)

  • Vollkornprodukte, Obst, Gemüse
  • Süßstoff anstelle von Zucker (in Maßen)

Unsere Tipps

  • eine angepasste Ernährungsweise kann nur in Kombination mit ausreichender Bewegung und Nikotin-Abstinenz Wirkung zeigen
  • wichtig ist die Absprache mit dem Arzt über eine individuell angepasste Ernährung
Diabetes mellitus Typ I und II sind Stoffwechselerkrankungen, von denen immer mehr Personen betroffen sind. Eine Auseinandersetzung mit Therapiemaßnahmen und dem Umgang mit der Erkrankung im Alltag ist daher unerlässlich. Eine zentrale Rolle in diesem Zusammenhang spielt die Art der Ernährung: So kann die falsche Zusammensetzung des Speiseplans bspw. Auslöser einer Typ-2-Diabetes-Erkrankung sein. Eine ausgewogene Ernährungsweise kann im Rahmen der Therapie sowohl präventiv als auch unterstützend wirken. Auf diese Weise lässt sich nicht nur der Blutzuckerspiegel regulieren – auch weitere Begleitkrankheiten können ausgeschlossen werden. Es gibt von medizinischer Seite keinen speziellen Diätplan, sondern vielmehr Leitlinien und Handlungsweisen, die die Ernährung optimieren. Wie eine entsprechende Ernährung zusammengesetzt werden muss und worauf Sie bei der Auswahl der Lebensmittel achten müssen, erfahren Sie in diesem Artikel.

Was ist Diabetes mellitus?

Auch als Zuckerkrankheit bekannt, ist Diabetes mellitus eine häufig auftretende Erkrankung des Stoffwechsels. Betroffene haben einen erhöhten Blutzuckerspiegel. Dieser ist die Folge fehlenden Insulins. Insulin ist ein Hormon, das dafür sorgt, dass Zucker aus Nahrungsmittel aufgenommen und aus dem Blut in die Körperzellen überführt wird. Zucker, oder auch Glukose, ist ein wichtiger Energielieferant für unsere Zellen. Insulin ist nicht nur für den Glukoseaustausch, sondern auch für weitere Prozesse mitverantwortlich:

  • Kohlenhydratstoffwechsel: blutzuckersenkende Funktion (sog. ‚antiglykämischer Effekt‘)
  • Fettstoffwechsel: Unterstützt die Lagerung von Fett (sog. ‚antilipolytischer Effekt‘)
  • Eiweißstoffwechsel: Stimulierung der Eiweißsynthese
  • Elektrolythaushalt: Unterstützt die Verschiebung von Kalium in den Raum außerhalb der Zellen

 

Die Ursachen unterscheiden sich, je nach Typus der Erkrankung. Mediziner unterscheiden:

  • Typ I: Diabetes mellitus Typ I ist eine Autoimmunerkrankung, bei der Ihr Körper nicht dazu in der Lage ist, selbstständig Insulin zu produzieren. Die Folge ist ein erhöhter Blutzuckerspiegel.
  • Typ II: Anders als Typ I entsteht diese Variante abhängig von exogenen Faktoren wie Ernährung, Übergewicht oder mangelnde Bewegung. Verschiedene Aspekte des Lebensstils führen zu einem Anstieg des Blutzuckerspiegels.

Bleibt Diabetes, vor allem Typ 2, unbehandelt, kann es zu Schädigungen der Gefäße kommen, gerade im Bereich von Herz, Gehirn, Augen und Beinen. Auch die Nerven können Schaden nehmen. Zu den Folgeerkrankungen gehören auch Herz-Kreislaufkrankheiten sowie Depressionen.

Ursachen: Wie entsteht Diabetes mellitus?

Typ I gehört zu den sogenannten Autoimmunkrankheiten. Das sind Erkrankungen, bei denen das Immunsystem sich gegen den eigenen Körper und dessen Strukturen richtet. Bei einer Typ-I-Erkrankung verhindert das Immunsystem die Herstellung von Zellen in der Bauchspeicheldrüse, die Insulin produzieren. Autoimmunerkrankung bedeutet auch, dass diese im Laufe des Lebens, meist schon im Kindes- und Jugendalter auftritt. Es gibt Faktoren, die die Entstehung der Erkrankung begünstigen, z. B. familiäre Veranlagung sowie andere Autoimmunerkrankungen (bspw. Morbus Addison).

Ernährung bei Diabetes mellitus kann sowohl präventiv als auch unterstützend wirken. Eine negative Ernährungsweise kann allerdings auch Mit-Auslöser für eine Diabetes-Typ-II-Erkrankung sein. — Dr. Dr. Tobias Weigl

Bei einem Diabetes mellitus Typ II spielen exogene, also äußere Gründe, eine tragende Rolle. Die Folge ist eine Insulinresistenz: Ihre Körperzellen reagieren nicht oder kaum noch auf Insulin, wodurch die Weiterleitung des Zuckers an die Zellen nicht mehr gewährleistet ist. Die Folge ist der erhöhte Blutzuckerspiegel. Gekoppelt ist die fehlende Wirkweise von Insulin mit einem grundsätzlich zu niedrigen Insulinspiegel. Umstände, die solch eine Resistenz hervorrufen und damit Risikofaktoren darstellen, sind:

Die Symptome eines Diabetes mellitus

Beide Formen sind gekennzeichnet durch einen sich steigernden Verlauf. Zunächst bestehen keine Beschwerden oder Einschränkungen – aber vor allem bei jungen Betroffenen ändert sich dieser Zustand schnell. Dies führt dazu, dass die Erstbeschwerde eine akute Ketoazidose, eine gefährliche Stoffwechselentgleisung, ist, die eine sofortige Behandlung erfordert. Ausgelöst wird das Krankheitsbild hier durch einen Insulinmangel – Betroffene müssen dann sofort intensivmedizinisch betreut werden!
Bei Betroffenen von Diabetes Typ II ist die beschwerde- und symptomfreie Phase vergleichsweise langwierig. Viele bemerken erst bei Vorsorgeuntersuchungen, dass sie an der chronischen Erkrankung leiden.
Die grundsätzlichen Beschwerden, die bei Typ I und Typ II auftreten, sind ähnlich:

Wer ist davon betroffen?

Die Zahl der Diagnosen eines Diabetes mellitus, vor allem Typ II, ist in den vergangenen Jahren gestiegen. Ärzte schlussfolgern, dass dies mit einer allgemeinen Gewichtszunahme kombiniert mit mangelnder Bewegung zusammenhängt. Insgesamt leiden etwa acht Prozent der 18- bis 79-Jährigen an Diabetes mellitus beider Typen. Auffallend ist die steigende Häufigkeit mit erhöhtem Alter – von den 70- bis 79-Jährigen sind 23 Prozent betroffen.

Wie kann ich Diabetes mellitus behandeln?

Die konkrete Behandlung hängt sehr stark davon ab, mit welcher Diabetes-Variante Sie es zu tun haben. Im Falle eines chronischen Diabetes Typ I müssen Sie sich regelmäßig bzw. bei Notwendigkeit Insulin spritzen, um Ihren Blutzuckerspiegel zu senken. Wie groß die Menge Insulin sein muss und wie die Therapie konkret aussieht, bespricht Ihr behandelnder Arzt mit Ihnen. Hier spielen individuelle Faktoren wie Ihr Alter eine große Rolle. Aber auch Ihre Ernährung ist sehr wichtig – eine ausgewogene Ernährung ist ein Muss.
Anders sieht die Therapiewahl bei Diabetes Typ II aus. Hier empfehlen Mediziner konservative Ansätze, die unter anderem eine Anpassung der Lebensumstände erfordern. Zentrale Stellschrauben für eine Gewährleistung eines guten allgemeinen Gesundheitszustands sind die Ernährung sowie Medikamente. Letztere werden als Antidiabetika bezeichnet (bspw. Metformin). Sie greifen in den Zuckerstoffwechsel ein: So unterstützen sie bspw. die Aufnahme von Zucker (genauer dessen Aufspaltung und Verarbeitung) oder hemmen die körpereigene Produktion von Zucker. Eine Insulintherapie ist anders als bei Diabetes Typ I nur in Ausnahmefällen nötig. Ziel der Therapie ist es, die Lebensqualität wiederherzustellen, Folgeerkrankungen zu vermeiden, die Stoffwechselproblematik in den Griff zu bekommen und die Symptome zu lindern.

Diabetes mellitus ist eine komplexe Erkrankung, die viele Fragen mit sich zieht: Was ist der Unterschied zwischen einem Diabetes mellitus Typ I und Typ II? Wer kann daran erkranken? Was sind die Folgen? In dem folgenden Videobeitrag geht Dr. Dr. Tobias Weigl eingehend auf diese und weitere Fragen ein.

Diabetes und die Folgen: Nervenschäden, Durchblutungsstörungen, Diabetischer Fuß, Polyneuropathie

Ernährung – Welchen Einfluss hat sie auf Diabetes mellitus?

Wie bereits unter anderem im Teilkapitel „Wie kann ich Diabetes mellitus behandeln?“ beschrieben ist, spielt die Ernährungsweise eine wichtige Rolle im Zusammenhang mit der Stoffwechselerkrankung. Sie kann präventiv wirken und so Folgeerkrankungen vorbeugen. Darüber hinaus unterstützt sie die Wirkung der Medikamente im Falle einer Typ-II-Erkrankung.

Die richtige Ernährung für den jeweiligen Diabetes-Typ kann das Voranschreiten der Erkrankung behindern. Typ-II-Diabetiker, die dank entsprechender Ernährung Ihr Gewicht anpassen, können unter bestimmten Umständen sogar in Remission gehen – dieser Umstand ist zwar nicht gleichbedeutend mit einer Heilung. Aber die Symptome normalisieren sich. Aus diesem Grund spielt die Ernährung gerade in der Behandlung von Diabetes Typ II eine herausragende Rolle und wird mit ausreichend Bewegung kombiniert. Ziel einer Ernährung bei Typ I ist es, eine zuverlässige Insulinzufuhr zu gewährleisten und somit langfristig Blutzuckerentgleisungen zu vermeiden.

Die Vorgaben, die beispielsweise Fachgesellschaften und -einrichtungen zum Thema Diabetes herausgeben, unterscheiden sich nicht unbedingt von den Ernährungsleitlinien, die Nicht-Betroffene befolgen sollten. Bei den Leitlinien handelt es sich nicht um eine Diät. Vielmehr sind Ärzte und Ernährungsberater darauf aus, Ihre Ernährungsweise behutsam umzumodeln. Eine langsame Umwandlung fördert einen langfristigen Erfolg.

Weitere Vorteile

Eine Veränderung Ihrer Ernährungsweise bringt Vorteile im Umgang mit der Erkrankung. Die konkreten Therapieziele sprechen Sie mit Ihrem behandelnden Arzt ab. Eine ausgewogene und gesunde Ernährungsweise bringt neben der Reduktion des Blutzuckerspiegels weitere Vorteile mit sich:

  • Reduzierung/Normalisierung des Körpergewichts, speziell bei adipösen Betroffenen des Diabetes mellitus Typ II
  • Senken des Blutdrucks
  • Normalisierung der Fettwerte im Blut

Auf diese Weise beugen Sie den mit erhöhten Blutfettwerten und Bluthochdruck gekoppelten Erkrankungen des metabolischen Syndroms vor.

Exkurs: Intervallfasten und Diabetes

Intervallfasten gehört seit nun einigen Jahren zu den Ernährungstrends schlechthin. Darunter verstehen wir eine Fastenform, bei der in regelmäßigen Intervallen gefastet, also auf Nahrung verzichtet wird. Das Ziel: Ihr Körper geht an vorhandene Reserven und nutzt diese. Menschen, die Intervallfasten betreiben, erarbeiten sich darüber auch ein neues Verhältnis zu ihrem Essverhalten. Ein weiteres Ziel ist natürlich die Gewichtsabnahme. Insgesamt gibt es verschiedene Variationen, wie gefastet werden kann: 16/8 bedeutet, dass Sie 16 Stunden fasten und 8 Stunden essen. Analog dazu funktionieren die folgenden Rhythmen:

  • 18/6: 18 Stunden Fasten, 6 Stunden Essen
  • 20/4: 20 Stunden Fasten, 4 Stunden Essen
  • 5/2: Fünf Tage normal ernähren und essen, zwei Tage Fasten

Die Auswirkungen von Intervallfasten müssen noch in weiteren Studien untersucht werden. Mediziner der Universität São Paulo haben in einer Studie Intervallfasten als möglichen Trigger für Diabetes mellitus Typ II untersucht. An Ratten haben Sie die Diät für drei Monate getestet. Nach den drei Diätmonaten erhielten die Forscher folgende Befunde:

  • die Ratten bauten Muskeln ab und dafür Bauchfett an
  • sie hatten ein vergrößertes Magenvolumen
  • sie entwickelten eine Insulinresistenz, möglicherweise ausgelöst durch eine erhöhte Schädigung von Betazellen zur Insulinsynthese in der Bauchspeicheldrüse

Inwieweit Intervallfasten tatsächlich zu einer Ausprägung der Autoimmunerkrankung führt, ist in der Studie offengeblieben. Dies ist einer der Kritikpunkte, den andere Mediziner an dem Studienergebnis haben.

Mehr Informationen zu dem Ergebnis der Studie und den Zusammenhängen finden Sie im Artikel „Aktuelle Forschung – Begünstigt Intervallfasten Typ-2-Diabetes?

Weiteres Wissenswertes zum Thema Intervallfasten finden Sie hier: „Intervallfasten – Wirksamkeit und Risiken eines Trends“.

Hat Ihr Arzt bei Ihnen Diabetes diagnostiziert? Achten Sie auf eine ausgewogene Ernährung?

Worauf Sie bei einer Diabetes-mellitus-Ernährung achten sollten

Auch die Anzahl der Mahlzeiten am Tag ist entscheidend. Experten raten von den klassischen drei Gerichten pro Tag ab, sondern plädieren für mehrere kleine Mahlzeiten. Diese sollen aus den folgenden Inhaltsstoffen bestehen. Die Verteilung erfolgt über den Tag und muss nicht in jeder Mahlzeit genauso abgebildet werden:

  • 55 Prozent Kohlenhydrate: Hauptenergie
  • 25 Prozent Fette (vor allem ungesättigte Fettsäuren)
  • 15 bis 25 Prozent Eiweiße

Kohlenhydrate

Kohlenhydrate fungieren als Hauptquelle für Energie. Sie bestehen vornehmlich aus Zucker, der im Laufe der Verdauung aufgespalten und im Blut gelagert wird. Auf diese Weise haben Kohlenhydrate einen direkten Einfluss auf den Blutzuckerspiegel. Beachten Sie deshalb, vor allem Kohlenhydrate zu sich zu nehmen, die von Ihrem Körper langsam verarbeitet und aufgenommen werden (bspw. Mehrfachzucker). Auf diese Weise halten Sie Ihren Blutzuckerspiegel stabil. Um den Kohlenhydratanteil eines Lebensmittels oder eines Gerichts einschätzen zu können, entwickelten Mediziner die Kohlenhydrateinheit KE. Ein KE entspricht 10 g Kohlenhydraten, was wiederum einen Anstieg des Blutzuckerspiegels um 30 bis 40 mg/dL nach sich zieht.

Reduzieren Sie weiterhin Zucker wie Glukose oder Saccharose in Ihrem Speiseplan. Wenn Sie bspw. Ihren Kaffee oder Tee süßen möchten, können Sie auf Süßstoffe wie Aspartam zurückgreifen. Doch auch hier gilt: Kennen Sie Ihr Maß! „Gute“ Zucker sind Mehrfachzucker, also komplexere Zuckerverbindungen. Gut sind diese insofern, als dass Ihr Körper vergleichsweise lange braucht, um diese aufzuspalten. Die Folge ist ein langsamerer Anstieg des Blutzuckerspiegels.

Unter „Kohlenhydrate“ fallen auch Ballaststoffe, die Sie vor allem in Vollkornprodukten, Gemüse und Obst finden. Diese wirken sich blutzuckersenkend aus. Darüber hinaus drücken Sie auch die Blutfettwerte. Einen weiteren Zusammenhang sehen Mediziner zwischen einem geringeren Risiko für Herz-Kreislauferkrankungen und der vermehrten Aufnahme von Ballaststoffen.

Achtung!
Ernährungsexperten empfehlen, von speziellen Diabetiker- oder Diätlebensmitteln Abstand zu nehmen. Gerade die darin enthaltenen „Ersatz-Zucker“ wie Fructose oder Xylit enthalten Kalorien, die unnötigerweise auf das Gewicht schlagen.

Fette

Wie Kohlenhydrate liefern auch Fettsäuren Energie, die unsere Zellen benötigen. Leider sind Fette gleichsam kalorienreich. Deswegen ist der Anteil von Fetten im Vergleich zu Kohlenhydraten geringer. Fette finden sich in Lebensmitteln wie Butter, Öl oder Fisch. Allerdings sollten Sie eher zu ungesättigten Fettsäuren greifen, die sich unter anderem positiv auf die Blutfettwerte auswirken. Eine erhöhte Aufnahme von Fetten führt zu einer Steigerung der Blutfette, was wiederum das Risiko von Herz-Kreislauferkrankungen erhöht. Ungesättigte Fettsäuren finden sich in Raps- und Olivenöl sowie Erd- und Haselnüssen. Auch Avocados und grünblättriges Gemüse sind Quellen ungesättigter Fett- und Omega-3-Fettsäuren.

Zur Reduktion von Fettsäuren in Ihrem Speiseplan sollten Sie eher auf magere Fleisch- und Käsesorten zurückgreifen. Verzichten Sie auf Wurst- und Backwaren sowie Fast Food.

Eiweiße

Eiweiße, oder auch Proteine, benötigen Sie für den Aufbau von Körpermasse. Sie sind meist tierischen Ursprungs und finden sich bspw. in fettarmen Fleisch- und Fischprodukten. Darüber hinaus weisen aber auch Getreide und Tofu Eiweiße auf. Eine erhöhte Proteinzufuhr kann sich positiv auf die Senkung Ihres Blutzuckerspiegels auswirken.

Achtung!
Sie sollten die Zufuhr von Eiweiß einschränken, wenn eine Schädigung oder Erkrankung der Nieren vorliegt. Welche Menge an Eiweiß in diesen Fällen für Sie geeignet ist, müssen Sie individuell mit Ihrem behandelnden Arzt besprechen!

In diesem Videobeitrag zeigt Dr. Dr. Tobias Weigl Ihnen die Top 5 Lebensmittel bei einer Diabetes-Erkrankung und erklärt, wie diese Ihren Blutzuckerspiegel effektiv (und lecker) senken können.

5 Nahrungsmittel gegen hohen Blutzucker – Blutzuckerspiegel bei Diabetes senken

Beispielrezept: Hähnchen-Curry

Das für Diabetiker geeignete Hähnchen-Curry-Rezept ist für zwei Personen ausgelegt. Für die Zubereitung benötigen Sie:

  • 150 g Hähnchenbrustfilet
  • eine Zwiebel
  • eine Knoblauchzehe
  • 150 g Zucchini
  • eine rote Paprika
  • eine rote Chilischote
  • 1–2 Teelöffel Garam Masala
  • 100 g getrocknete Linsen
  • 2 Esslöffel Rapsöl
  • 1 Teelöffel Agavensirup
  • 1–2 Stängel Koriander
  • 400 g oder eine Dose gestückelte Tomaten
  • Salz und geriebene Muskatnuss

Schneiden Sie das Hähnchenfilet zunächst in Scheiben und putzen Sie es. Danach kümmern Sie sich um Zwiebel und Knoblauch: Beides wird in Würfel zerkleinert. Entkernen Sie Chilischoten und Paprika und schneiden Sie diese im Anschluss in Streifen. Schneiden Sie die 150 g Zucchini in Scheiben.

Rühren Sie im Anschluss das Garam Masala mit ein wenig kaltem Wasser zu einer Paste. Parallel kochen Sie in 250 ml Wasser die Linsen fünf bis acht Minuten. Braten Sie das Hähnchen währenddessen auf mittlerer Hitze fünf Minuten lang an. Nun kümmern Sie sich um das Curry: Geben Sie die Zwiebel und den Knoblauch in einen Topf und dünsten die Zutaten – hinzu kommt nach und nach das restliche Gemüse, das Sie ebenfalls dünsten. Die Masala-Paste wird gemeinsam mit dem Agavendicksaft untergerührt und dann scharf angebraten. Schließlich folgen Tomaten, Linsen und das Hähnchen. Die Mischung wird dann für fünf bis zehn Minuten bei niedriger Hitze und geschlossenem Deckel gekocht. Im Anschluss würzen Sie das Curry nach Belieben mit Salz und Muskatnuss!

Fakten-Box – Diabetes mellitus und Ernährung

Einfluss von Ernährung auf die Erkrankung

  • sowohl präventive als auch unterstützende Wirkung (der Medikamente) bei Typ II
  • Auseinandersetzung mit eigener Ernährung hilft bei Einschätzung und Umgang mit Blutzuckerspiegel
  • Ernährungsumstellung Teil der Therapie bei Diabetes Typ II in Kombination mit Bewegung und Nikotinkarenz

Mögliche Maßnahmen (Auswahl)

  • ausgewogene Ernährung: Kohlenhydrate 55 Prozent; Eiweiß 15–25 Prozent; (ungesättigte) Fette 25 Prozent
  • Verzicht auf Zucker im Alltag
  • mehrere kleine Mahlzeiten statt drei großer

Aktuelle Forschung – Schützt weniger Fleisch vor Diabetes Typ II?

Ein reduzierter Fleischkonsum kann einer Erkrankung an Diabetes Typ II vorbeugen – zu diesem Ergebnis kommt ein Team des Deutschen Instituts für Ernährungsforschung anhand eines Modells mit Mäusen. Bereits in früheren Untersuchungen konnten Sie darlegen, dass Mäuse, die eiweißarm ernährt wurden, verhältnismäßig bessere Blutzuckerwerte hatten als ihre Artgenossen mit Standardfütterung. Die aktuelle Studie, die 2019 im FASEB Journal veröffentlicht wurde, stellt dieses Mal einzelne Aminosäuren in den Mittelpunkt der Untersuchung. Die untersuchten Mäuse wurden mit weniger Aminosäure gefüttert. Das Ergebnis: Die Mäuse hatten eine bessere Insulinsensibilität.

Mögliche Prophylaxe?

Eine der reduzierten Aminosäuren ist das schwefelhaltige Methionin, welches in erster Linie in Fleisch und Fisch vorkommt. Das fehlende Methionin hat den Anstieg des Fibroblast growth factor 21 (FGF21) zur Folge – dieser hat eine schützende Wirkung. Noch ist unklar, ob die Ergebnisse sich auf den menschlichen Organismus übertragen lassen. Möglicherweise könnte eine vegetarische oder teilzeit-vegetarische Ernährung somit präventiv wirken. Allerdings, so die Studienleiter, müsse bedacht werden, dass bestimmte Personengruppen wie Kinder, Ältere oder schwangere sowie stillende Frauen einen grundsätzlich höheren Methionin-Bedarf haben.

Quellen: Teresa Castaño-Martinez u.a. (2019): Methionine restriction prevents onset of type 2 diabetes in NZO mice. In: FASEB Journal 33/6, S. 7092–7102.

Häufige Patientenfragen

Kann ich allein mit entsprechender Ernährung eine Diabetes-Erkrankung heilen?

Dr. Dr. T. Weigl
Das kommt auf den Diabetes-Typ an. Eine Diabetes-Erkrankung von Typ I ist eine Autoimmunerkrankung. Diese ist in der Regel nicht heilbar. Stattdessen sind Sie Ihr Leben lang auf eine Behandlung und Insulin angewiesen. Anders sieht die Lage bei einer Typ-II-Erkrankung aus. Im Rahmen einer Basistherapie können Sie das Voranschreiten der Erkrankung aufhalten. Früh genug begonnen, können Sie sogar eine Remission erreichen, also eine Normalisierung der Beschwerden.

Eine Anpassung Ihrer Ernährungsweise allein reicht aber meist nicht aus. Sie ist nur ein Teilaspekt einer gesunden Lebensweise. Weitere Eckpfeiler sind körperliche Aktivität im Alltag sowie – sofern Sie rauchen – der Verzicht auf Nikotin. Vor allem körperliche Belastung und eine proaktive Lebensführung senken den Blutzuckerspiegel erheblich. Dafür reichen bereits zwei bis drei Stunden pro Woche! Eine Auseinandersetzung mit Ihrem Speiseplan erfordert auch Kenntnisse der einzelnen Lebensmittelbestandteile. Hier können spezielle Schulungen Aufklärung und Unterstützung liefern. Erst nachdem nach sechs Monaten Basistherapie keine Besserung eintritt, werden Medikamente eingesetzt.

Ich lebe vegetarisch/vegan: Ist das ein Problem?

Dr. Dr. T. Weigl
Nein. Die für eine ausgewogene Ernährung empfohlenen Mengen an Inhaltsstoffen (Kohlenhydrate, Eiweiße, Fette) können Sie auch über Produkte zu sich nehmen, die nicht fleischlicher Herkunft sind. Allerdings basiert ein großer Teil einer ausgewogenen Mischkost auf tierischen Produkten. Daher bedarf gerade vegane Ernährung großer Planung, da Sie einige Inhaltsstoffe wie Eiweiße, die primär aus tierischen Quellen stammen, über „Umwege“ über andere Lebensmittel erhalten müssen. Deswegen wird zumindest vegane Ernährung nur gesunden Erwachsenen empfohlen. Eine vegetarische Ernährungsweise eignet sich dafür sehr für Diabetiker.

Darf ich Alkohol trinken?

Dr. Dr. T. Weigl
Alkoholische Getränke sind im Rahmen einer Diabetes-Erkrankung nicht grundsätzlich verboten. Wenn Sie Alkohol zu sich nehmen möchten, sollten Sie dies zusammen mit Kohlenhydraten tun. Alkohol verhindert die Glucoseneubildung in der Leber. Dies kann zu einer Unterzuckerung führen. Je mehr Alkohol Sie trinken, desto länger bildet Ihre Leber keine Glukose und desto mehr sinkt Ihr Blutzuckerspiegel. Das Deutsche Diabeteszentrum (kurz: DDZ) empfiehlt deswegen Tagesmengen von 0,5 l Bier bzw. 0,2 l Wein bei Männern und 0,25 l Bier und 0,1 l Wein bei Frauen. Darüber hinaus sollten Sie Ihren Blutzucker besonders gründlich während und nach der Einnahme von Alkohol messen, um eine Unterzuckerung zu vermeiden.

Ist eine Ernährungsberatung sinnvoll?

Dr. Dr. T. Weigl
Die Umstellungen und Handlungsweisen können zunächst irritierend wirken. Es ist daher immer hilfreich, einen Experten oder eine Expertin zur Hand zu haben. Eine Ernährungsberatung kann dabei helfen, wissenschaftliche, abstrakte Vorgaben in Ihrem Alltag konkret umzusetzen. Sie kann strukturiert die Umsetzung begleiten und individuell auf Ihre Lebensrealität und Wünsche eingehen. Eine Ernährungsberatung unterstützt Sie bei der Durchführung der Ernährungsumstellung – denken Sie aber daran, dass die Motivation dafür von Ihnen kommen muss!

Typisches Patientenbeispiel

„So, wie kann ich Ihnen helfen?“ Mit einem freundlichen und offenen Blick lädt die Ernährungsberaterin Thomas ein, sich zu setzen. Dieser hat erst vor Kurzem die Diagnose Diabetes Typ II erhalten. Sein behandelnder Arzt hat ihm eine Basistherapie für die nächsten sechs Monate verordnet: Bewegung – Joggen funktioniert schon ganz gut – und Medikamente. Nur der Punkt mit der angepassten Ernährung verwirrt Thomas noch, weswegen er sich den Ratschlag einer Bekannten zu Herzen genommen und sich eine Ernährungsberatung gesucht hat. Er schildert der Beraterin seine Diagnose. „Ich helfe Ihnen da gerne, die Leitlinien in Ihrem Alltag umzusetzen …“ Zwei Stunden später verlässt Thomas die Beratung mit einem ersten Ernährungsplan und einigen Büchertipps, wo er Rezepte zum Nachkochen finden kann. Der Plan – und eine dazu passende Lebensmittelliste – helfen ihm, sich im Dschungel der Ernährungsregeln und Diäten zurechtzufinden. Zum Glück muss er das nicht alleine durchstehen!

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Die hier beschriebenen Punkte (Krankheit, Beschwerden, Diagnostik, Therapie, Komplikationen etc.) erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Es wird genannt, was der Autor als wichtig und erwähnenswert erachtet. Ein Arztbesuch wird durch die hier genannten Informationen keinesfalls ersetzt.

Autoren: Dr. Dr. Tobias Weigl, Andrea Lorenz
Redaktion: Tobias Möller
Veröffentlicht am: 28.08.2019

Quellen

  • Teresa Castaño-Martinez u.a. (2019): Methionine restriction prevents onset of type 2 diabetes in NZO mice. In: FASEB Journal 33/6, S. 7092–7102.
  • Deutsches Ärzteblatt (2019): Gelegentlicher Fleischverzicht könnte vor Typ-2-Diabetes schützen.
  • Deutsches Ärzteblatt (2019): Typ-2-Diabetes: Vegetarier erkranken seltener.
  • Deutsche Diabetes-Gesellschaft (2015): PatientenLeitlinie zur Nationalen VersorgungsLeitlinie. Therapie des Typ-2-Diabetes. 1. Auflage, Version 1.
  • Deutsche Gesellschaft für Ernährung e. V. (2019): 10 Regeln der DGE.
  • Ibrahim Elmadfa und Claus Leitzmann (2019): Ernährung des Menschen. 6. überarbeitete und aktualisierte Auflage. Utb, Stuttgart.
  • Doris Fritzsche (2017): 111 Rezepte gegen Diabetes. Blutzucker senken mit der richtigen Ernährung. Humboldt-Verlag, Hannover.
  • Theresa Kössler (2018): Ernährung und Diabetes. In: diabetes-informationsdienst.de.
  • Miriam Schaufler und Walter A. Drössler (2014): Vegetarisch genießen für Diabetiker. Mit gesunder Ernährung den Blutzucker senken. Schlütersche-Verlag, Hannover.
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