Sign up with your email address to be the first to know about new products, VIP offers, blog features & more.

Fluoxetin bei Depression – Welche Nebenwirkungen gibt es? Dosierung & Wirkung

Was ist Fluoxetin?

  • Antidepressivum der Gruppe der selektiven Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer (sog. ‚SSRI‘)

Welche Wirkung hat Fluoxetin? (Auszug)

  • antidepressiv
  • stimmungsaufhellend

Wann wird Fluoxetin angewendet? (Auszug)

  • Depression
  • Zwangsstörungen
  • Bulimie
  • Narkolepsie (Off-Lable-Use)

Was sind Nebenwirkungen von Fluoxetin? (Auszug)

  • Schlaflosigkeit oder Müdigkeit
  • Übelkeit und Erbrechen
  • Kopfschmerzen
  • Durchfall

Wann darf man Fluoxetin nicht bekommen?

  • Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff
  • Kinder und Jugendliche unter 14 Jahren
Antidepressiva gehören zu den meist verschriebenen Arzneimittel weltweit. Wie der Name bereits verrät, sind dies Mittel zur Linderung der Symptome von Depressionen. Jedoch werden Antidepressiva auch bei chronischen Schmerzen sowie Ess- und Schlafstörungen eingesetzt. Die verschiedenen Antidepressiva können in verschiedenen Gruppen eingeteilt werden und so je nach Schwere der Krankheit und der vorgegebenen Symptomatik angewendet werden. Ein Beispiel wäre die Gruppe der selektiven Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer, von denen der Wirkstoff Fluoxetin einer der ersten dieser Art darstellt. Trotz der vielen Verschreibungen heutzutage handelt es sich bei Antidepressiva um psychoaktive Wirkstoffe. Dies sind Substanzen, die Veränderungen in der psychischen Verfassung auslösen und verschiedene Risiken und Nebenwirkungen mit sich bringen. In diesem Artikel beschäftigen wir uns mit dem selektiven Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer Fluoxetin und gehen u. a. auf die Gefahren ein, die nach einer Einnahme entstehen können.

Was ist Fluoxetin?

Fluoxetin ist ein Antidepressivum der Gruppe der selektiven Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer (sog. ‚SSRI‘). Patentiert wurde dieser Arzneistoff im Jahr 1975 vom Pharmaunternehmen Eli Lilly and Company. Mehr als 10 Jahre später folgte die Einführung auf den Markt, in Deutschland unter den Handelsnamen Fluctin. Der Arzneistoff Fluoxetin ist verschreibungspflichtig und kann gegen Vorlage eines Rezepts, welches vom Arzt verordnet bzw. verschrieben wurde, in einer Apotheke erhalten werden.

Fluoxetin: ein Wirkstoff mit langer Halbwertszeit

Wichtig beim Wirkstoff Fluoxetin ist die lange Eliminations-Halbwertszeit, also diejenige Zeit, bis der Wirkstoff wieder bis zur Hälfte ausgeschieden wird. Diese beträgt für Fluoxetin selbst ca. 4–6 Tage. Nach Verstoffwechselung verbleiben jedoch weiterhin aktive Zwischenprodukte des Medikaments (sog. ‚Metaboliten‘), wie z. B. Norfluoxetin, im Körper, die ebenfalls psychoaktiv wirken. Deren Halbwertszeit beträgt ebenfalls 1–4 Wochen.

Achtung: Arzneimittel-Interaktion
Die meisten Arzneimittel können mit anderen Wirkstoffen wechselwirken und verschiedene, zum größten Teil auch gefährliche Symptome auslösen. Da Fluoxetin und seine Metaboliten nach einer Absetzung noch etwa 4 Wochen im Körper verleiben, ist große Vorsicht in dieser Zeitspanne geboten, um mögliche Wechselwirkungen zu vermeiden.

Welche Wirkung hat Fluoxetin?

Primär besitzt Fluoxetin eine stimmungsaufhellende bzw. antidepressive Wirkung. Diese kommt durch die Wiederaufnahme-Hemmung des Glückshormons Serotonin zustande. Doch was bedeutet Wiederaufnahme-Hemmung und wie kommt es dazu?

Im Grunde werden verschiedene Signale von Zelle zu Zelle durch Neurotransmitter weitergeleitet. Diese chemische Weiterleitung der Signale ist von Nöten, da zwischen zwei Zellen ein Spalt (sog. ‚synaptischer Spalt‘) vorhanden ist, der mit Hilfe von Botenstoffen überbrückt werden kann. Serotonin ist einer dieser Botenstoffe. Bei einer Weiterleitung wird dieser im synaptischen Spalt ausgeschüttet und wechselwirkt dort vereinfacht ausgedrückt nach einem „Schlüssel-Schloss-Prinzip“ mit Rezeptoren auf der Oberfläche der Zellen.

„Fluoxetin hemmt die Wiederaufnahme von Serotonin und in höherer Dosierung auch die von Noradrenalin. “ — Dr. Dr. Tobias Weigl

Serotonin-Transporter SERT zur Senkung der Serotonin-Konzentration

Damit es aber nicht zu einem Dauerreiz kommt, müssen diese Botenstoffe abgebaut werden. Ein Beispiel hierfür ist der Serotonintransporter SERT, der das Serotonin nach eintretender Wirkung vom synaptischen Spalt in die Zellen befördert. Dadurch wird die Anzahl der Serotonin-Moleküle im synaptischen Spalt verringert und die Wirkung lässt nach.

Hemmung des Serotonin-Transporters SERT

Der Wirkstoff Fluoxetin nutzt den Serotonin-Transporter, um die Konzentration des Serotonins im synaptischen Spalt zu erhöhen. Er blockiert den Transporter und hemmt somit die Wiederaufnahme des Serotonins in die Zelle. Dadurch verbleibt der Botenstoff weiterhin im synaptischen Spalt, seine Konzentration wird erhöht und er kann mit den Serotonin-Rezeptoren der Zelloberflächen weiter wechselwirken. Doch was genau hat eine erhöhte Serotonin-Konzentration mit Depressionen zu tun?

Die Serotonin-Mangel-Hypothese

Studien zufolge gibt es eine mögliche Verbindung zwischen depressiver Verstimmung und dem Serotonin-Haushalt. Demnach soll ein Mangel des Botenstoffs Serotonin für die Erkrankung Depression verantwortlich sein. Das heißt, dass die Symptome der Depression bei einer erhöhten Serotonin-Konzentration abklingen. Jedoch ist diese Hypothese nicht vollständig belegt, da es auch Studien gibt, die nachweisen, dass auch eine Verringerung des Serotonin-Haushaltes zu einer antidepressiven Wirkung führen kann.

Auf den Körper löst es folgende therapeutische Wirkungen aus:

  • antidepressiv
  • stimmungsaufhellend
  • wachmachend
Gut zu wissen!
Wussten Sie schon, dass die Wirkung von Antidepressiva sich nach dem Schweregrad der depressiven Erkrankung richtet? Laut Studien konnte vor allem die Gruppe der SSRI diese Eigenschaft deutlich demonstrieren. Demnach gilt: Je schwerwiegender die Depression, desto besser die Wirkung des Medikaments. Andersherum funktioniert dieses Prinzip ebenso, sprich: Je leichtgradiger die Depression, desto schwächer die Wirkung des Antidepressivums.

Was sind die Anwendungsgebiete von Fluoxetin?

Fluoxetin wirkt stimulierend auf die Psyche. Diese Wirkung kann genutzt werden, um es bei den folgenden Gebieten einzusetzen:

  • Depression
  • Zwangsstörung
  • Bulimie
  • Narkolepsie (Off-Lable-Use)

Der Gebrauch von Fluoxetin zur Behandlung der Narkolepsie, vor allem bei den Hauptsymptomen Tagesschläfrigkeit und emotionsbedingten Verlust der Muskelspannung (sog. ‚Kataplexie‘) stellt einen sog. ‚Off-Lable-Use‘ dar. Das heißt, die Verordnung des Medikaments weicht von den durch die Arzneimittelbehörden zugelassenen Gebrauchs ab, da hierbei typischerweise Narkolepsie-Medikamente wie z. B. Modafinil oder Methylphenidat (Ritalin) zum Einsatz kommen.

Multimodale Therapie

Wichtig zu wissen ist, dass das Medikament Fluoxetin den Patienten nicht von der Krankheit Depression befreit, sondern nur dessen Symptome lindert und den Betroffenen hilft, damit besser umzugehen. Deshalb wird das Antidepressivum im Rahmen eines Gesamtkonzepts medikamentös zur Psychotherapie und anderen Aktivitäten ergänzt. Dieser multimodale Ansatz wird benutzt, um die Symptome soweit zu lindern bzw. zu senken, bis die Krankheit idealerweise vollständig behandelt ist.

Gut zu wissen!
Die Funktion der Antidepressiva basiert meist auf der Erhöhung der Konzentration der Botenstoffe Noradrenalin und Serotonin. Je nach Mechanismus der Wiederaufnahme-Hemmung dieser Botenstoffe können sie in verschiedenen Gruppen eingeteilt werden. Die gängigsten Gruppen sind:

  • Trizyklika, wie z. B. Amitriptylin
  • Selektive Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer (SSRI), wie z. B. Citalopram
  • Monoamin-Oxidase-Hemmer (MAO-Hemmer), wie z. B. Moclobemid

Was sind die Nebenwirkungen von Fluoxetin?

Wie die meisten Arzneimittel besitzt auch Fluoxetin als psychoaktive Substanz ebenfalls Nebenwirkungen, welche auftreten können. Nachfolgend sind mögliche Nebenwirkungen anhand ihrer Häufigkeit aufgelistet:

Sehr häufig: (mehr als 1 von 10 behandelte Patienten möglich, also >10 %)

Häufig: (bis zu 1 von 10 behandelte Patienten möglich, also <10 %)

Gelegentlich: (bis zu 1 von 100 behandelte Patienten möglich, also <1 %)

  • gehobene Stimmungslage
  • Ejakulations-, Orgasmus- und Potenzstörung beim Mann
  • Zähneknirschen
  • Gefühl, neben sich zu stehen
  • vergrößerte Pupillen
  • Atemnot
  • Haarausfall
  • kalter Schweiß
  • Schwierigkeiten beim Wasserlassen
  • niedriger Blutdruck
  • Muskelzuckungen

Selten: (bis zu 1 von 1000 behandelte Patienten möglich, also <0,1 %)

  • Halluzinationen
  • Panikattacken
  • schnelle Schwellung des Gewebes um Hals, Gesicht, Mund
  • Schmerzen im Bereich der Speiseröhre
  • Empfindlichkeit gegenüber Sonnenlicht

Es können auch Nebenwirkungen auftreten, welche nicht abschätzbar sind und einer Häufigkeit zugeordnet werden können. Diese sind:

  • Verringerung der Blutplättchenanzahl
  • erhöhtes Risiko für Knochenbrüche
  • Nasenbluten
  • unerklärbare Blutungen bzw. Blutergüsse

Suizidale Gedankengänge und Verschlechterung der Symptome

Zu Beginn der Einnahme des Medikaments können suizidale Gedanken verstärkt auftreten, welche zu ernsthaften Verletzungen führen können. Diese treten vor allem in den ersten 2 Behandlungswochen vermehrt auf. Studien nach sind besonders Kinder und junge Menschen von suizidalem und feindseligem Verhalten betroffen, weshalb auch bei der Indikation des Medikaments für diese Altersgruppen größte Vorsicht geboten ist. Als mögliche Ursache für diese Verhaltensweisen kann eine Umstellung des Hormonhaushaltes und deren passenden Rezeptoren gelten. Zur besseren Einstellung auf die neuen Verhältnisse benötigt der Körper Zeit.

Gerade in dieser Zeitspanne können einige Symptome der Depression und weitere Nebenwirkungen des Arzneimittels auftreten bzw. stärker wahrgenommen werden. Beispielsweise können von Angststörungen betroffene Patienten eine Verstärkung ihrer Angstgefühle erleiden. Wichtig ist, dass in solch einem Falle Kontakt mit dem leitenden Arzt aufgenommen wird. Dabei kann detailliert geschildert werden, welche Veränderungen vor allem auch in den Gedankengängen aufgetreten sind und so gemeinsam eine Lösung für das Problem entwickelt werden.

Fluoxetin kann verschiedene Nebenwirkungen auslösen. Haben Sie bereits Fluoxetin zu sich nehmen müssen? Falls ja, welche der folgenden Nebenwirkungen sind bei Ihnen aufgetreten? (Mehrfachnennung möglich). Mit Ihrer Teilnahme an der Umfrage helfen Sie anderen Menschen dabei, ihre Beschwerden besser einschätzen zu können.

Auf einen Blick – Fluoxetin

Fluoxetin aus der Wirkstoffgruppe der selektiven Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer

Wirkung

  • antidepressiv
  • stimmungsaufhellend

Anwendungsgebiete

  • Depression
  • Zwangsstörung
  • Bulimie
  • Narkolepsie (Off-Lable-Use)

Wichtigste Nebenwirkungen

Dosierung

  • Dosierung sollte individuell dem Schweregrad angepasst werden
  • bei Depression: beginnend mit 20 mg/Tag bei Erwachsenen und sukzessive Steigerung bis maximal 80 mg/Tag
  • für Zwangsstörungen: beginnend mit 20 mg/Tag bei Erwachsenen und sukzessive Steigerung bis maximal 60 mg/Tag
  • bei Bulimie: hier liegt die empfohlene Dosis bei 60 mg/Tag bei Erwachsenen

Darreichungsform

  • Tabletten
  • Kapseln bzw. Hartkapseln

Welche Kontraindikationen und Wechselwirkungen existieren für Fluoxetin?

Bei bestimmten Umständen kann eine Anwendung des Medikaments nicht stattfinden, da es beim Betroffenen zu lebensgefährlichen Symptomen führen kann. In solch einem Falle ist der Arzneistoff kontraindiziert. So ist Fluoxetin in jedem Falle kontraindiziert, wenn eine Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder den Bestandteilen des Präparates besteht. Weiterhin ist das Medikament kontraindiziert, wenn Sie andere Medikamente zur Behandlung von Depressionen einnehmen, die als nicht-selektive Monoaminoxidase-Hemmer (nicht selektive MAO-Hemmer) gelten.

Arzneimittel-Wechselwirkungen

Die Wirkung und Nebenwirkung von Wirkstoffen kann durch die gleichzeitige Einnahme weiterer Medikamente beeinflusst werden. Das bedeutet: Sowohl Wirkungen als auch Nebenwirkungen von Fluoxetin können durch andere Medikamente abgeschwächt oder verstärkt werden. Unter gewissen Umständen können lebensbedrohliche Symptome in Erscheinung treten. Bei den folgenden Wirkstoffen bzw. Wirkstoffgruppen ist Vorsicht geboten, wenn Fluoxetin eingenommen wird:

  • Lithium & Tryptophan: Auftreten eines Serotonin-Syndrom möglich
  • Phenytoin & Carbamazepin (Antikonvulsivum; gegen Epilepsie): Blutspiegel des Wirkstoffs durch Fluoxetin beeinflussbar
  • Flecainid und Encainid (Antiarrhythmikum; gegen Herzrhythmusstörungen): Blutspiegel des Wirkstoffs durch Fluoxetin beeinflussbar
  • Tamoxifen (Behandlung von Brustkrebs): Blutspiegel des Wirkstoffs durch Fluoxetin beeinflussbar
  • Tramadol (Opioid-Analgetikum): erhöhtes Risiko für erhöhten Blutdruck
  • Warfarin und andere Wirkstoffe, die die Blutgerinnung beeinflussen: Veränderung der Wirkung dieser Arzneistoffe durch Fluoxetin
  • Johanniskraut: verstärkt die Nebenwirkungen des Fluoxetin
Exkurs: Das Serotonin-Syndrom
Das Glückshormon Serotonin ist eines der wichtigsten Botenstoffe im Körper. Es ist an vielen Prozessen beteiligt und für die Weiterleitung von Informationen im Nervensystem verantwortlich. Dieser Neurotransmitter spielt eine Rolle bei Schlaf- und Ruheempfindungen, beim Essverhalten, bei der Schmerzempfindung und der Gedächtnisleistung. Vor allem bei angstassoziiertem Verhalten und Depressionen nimmt es eine Sonderstellung. Was passiert aber, wenn zu viel Serotonin im Körper ist? Werden beispielsweise zwei verschiedene Antidepressiva gleichzeitig eingenommen, so kann es zu einer Überdosierung des Serotonins im Körper kommen. Das Resultat ist der Serotonin-Syndrom, der sich durch folgende Symptome kennzeichnet:

Das Serotonin-Syndrom bezeichnet eine Überdosis des Neurotransmitters Serotonin. Meist wird sie ausgelöst durch eine Überdosis an Medikamenten gegen eine Depression, die ungünstige Kombination mehrerer Antidepressiva oder die Einnahme von serotonergen Drogen wie Ecstasy oder LSD. Wenn Sie mehr über dieses Syndrom erfahren wollen, schauen Sie sich gerne den folgenden Videobeitrag von Dr. Dr. Tobias Weigl an.

Serotonin-Syndrom: Macht viel Serotonin krank? Gefahr durch Antidepressiva & Pflanzliche Medikamente

Absetzen von Fluoxetin

Problematisch für die meisten Betroffenen ist das Absetzen des Antidepressivums. Bei zu schnellem Absetzen können individuell starke Entzugserscheinungen auftreten, die zu einer Wiedereinnahme des Medikaments führen. Charakteristisch hierfür ist das Abklingen der Entzugserscheinungen bei einer erneuten Einnahme des abgesetzten Arzneistoffes. Weiteren Einfluss darauf haben die Behandlungsdauer, die Dosis und die Geschwindigkeit, mit der die Dosis reduziert wird.

Im Schnitt klingen die Symptome innerhalb von 2–4 Wochen ab, jedoch können auch längere Intervalle vorkommen. Zur gezielten Absetzung von Fluoxetin eignet sich die Methode des „Ausschleichens“. Bei dieser Methode wird die Dosis sukzessive, also schrittweise, reduziert. Dies geschieht in einem bestimmten Zeitintervall, sodass der Betroffene und sein Körper in der Lage sind, ohne Probleme auf die Reduktion der Dosis zu reagieren. Dadurch soll idealerweise am Ende des Zeitintervalls ein kompletter Verzicht auf das Medikament erfolgen. Die Dosisreduktion muss in enger Absprache mit dem leitenden Arzt geklärt werden, da jedes Individuum anders auf diese Reduktionen reagiert. In schwerwiegenden Fällen wird sogar empfohlen auf ein anderes Medikament umzustellen, bei dem eine Absetzung leichter ist.

Reduzierte Neurotransmitterkonzentration als Ursache

Ein Grund für das Auftreten von Absetzerscheinungen ist die starke Reduktion der Neurotransmitter, da während der der Behandlungszeit hohe Konzentrationen im Körper vorhanden waren. Durch gezielte Gegenregulation versucht der Körper dieses Defizit auszugleichen. Die Folgen äußern sich in klassischen Symptomen der Absetzerscheinungen:

  • Rebound-Effekt
  • Wiedereintreten der depressiven Verstimmung
  • Wiederauftreten von Unruhe
  • Angst
  • Befindlichkeitsstörungen
  • Übelkeit und Erbrechen
  • Schlafstörungen

All diese genannten Symptome können letztendlich dazu führen, dass der Anwender das abgesetzte Medikament wieder einnimmt, um die Symptome zu lindern.

Aktuelle Forschung – Gewichtszunahme durch Antidepressiva

Eine Studie über 10 Jahre konnte anhand der ausgewerteten Daten zeigen, dass Antidepressiva längerfristig eine Gewichtszunahme wahrscheinlicher machen. Das Forscherteam aus Großbritannien wertete für die Kohortenstudie Daten von insgesamt 294.719 Menschen aus (136.762 Männer und 157.957 Frauen). Bei dieser Studie erhielten 13% der Männer und 22,4% der Frauen Antidepressiva.

Zusammenhang zwischen Antidepressiva-Behandlung und Gewichtszunahme

Das Ergebnis der Auswertung lieferte folgende Zusammenhänge:

  • Das Risiko für Gewichtszunahme (um mindestens 5%) bei Antidepressiva erhaltenden Menschen war während der ersten 6 Jahre der Behandlung deutlich erhöht.
  • Vor allem im 2. und 3. Jahr betrug das Risiko für einen (mindestens 5%tigen) Anstieg des Gewichts ca. 40–50%.
  • Im 4. und 5. Jahr sank das Risiko einer Gewichtszunahme (mindestens um 5%) auf ca. 20–40%.
  • Schließlich betrug das Risiko für einen (mindestens 5%igen) Gewichtsanstieg im 6. und 7. Jahr nur noch 0–20%.
  • Im Vergleich stieg das Gewicht bei der Einnahme von Antidepressiva der Substanzgruppe SSRI (z. B. Fluoxetin oder Citalopram) stärker an, als bei Antidepressiva der Triziklyka-Gruppe (z. B. Amitriptylin)

Schlussendlich konnte das Forscherteam mit vollständiger Auswertung das Ergebnis liefern, dass bei einer Antidepressiva-Behandlung von 10 Jahren eine Gewichtszunahme um mindestens 5% möglich ist – und diese Zunahme mit einer Wahrscheinlichkeit von 21% auftreten kann. Besonders in den ersten Jahren der Behandlung ist das Risiko für eine Gewichtszunahme am höchsten.

Quelle: Rafael Gafoor, Helen P. Booth, Martin C. Gulliford (2018): Antidepressant utilization and incidence of weight gain during 10 years’ follow up: population based cohort study. In: BMJ 2018;361:k1951.

Häufige Patientenfragen

Darf ich Fluoxetin während der Schwangerschaft einnehmen?

Dr. Dr. T. Weigl
In solch einem Falle ist eine Absprache mit dem leitenden Facharzt von Nöten. Generell sollte eine Behandlung mit Fluoxetin während der Schwangerschaft vermieden werden, da das Risiko von Fehlbildungen am Herzen und weitere Gesundheitsbeeinträchtigungen beim Neugeborenen erhöht ist. Auch während der Stillzeit wird die Einnahme nicht empfohlen, da Fluoxetin in die Muttermilch ausgeschieden wird und beim Säugling Nebenwirkungen verursachen kann.

Darf ich während der Einnahme Alkohol trinken?

Dr. Dr. T. Weigl
Der Verzehr von Alkohol während der Behandlung wird wie bei fast allen Medikamenten nicht empfohlen. Durch den Konsum kann es zu Veränderungen der Wirkung von Fluoxetin kommen.

Was kann ich tun, wenn Fluoxetin nicht bei mir wirkt?

Dr. Dr. T. Weigl
Wichtig hierbei ist, dass keine eigenständige Dosisänderung erfolgt, da eine erhöhte Dosis nicht automatisch bedeutet, dass eine verbesserte Wirksamkeit eintritt. In solch einem Falle, muss zuerst die Gesamtsituation betrachtet werden. Denn zu Beginn der Behandlung ist es so, dass Fluoxetin eine gewisse Zeit benötigt, um seine therapeutische Wirkung zu entfalten. Das kann bis zu 2 Wochen dauern, was jedoch von Mensch zu Mensch variieren kann.

Sind jedoch mehrere Wochen vergangen, ohne dass die gewünschte Wirkung erzielt wurde, so sollte ihr Arzt darüber informiert werden. Dieser kann dann mit Ihnen nach einem Alternativ-Präparat suchen und die Behandlung anders fortsetzen. Ursachen für ein Nicht-Wirken eines Medikaments können dosisbedingt, aber auch auf biochemische Prozesse im Körper des Behandelnden zurückzuführen sein.

Ist Fluoxetin gefährlich?

Dr. Dr. T. Weigl
Generell gehen psychostimulierende Substanzen mit verschiedenen Vor- und Nachteilen einher. Durch die Umstellung des Hormonhaushaltes und der damit verbundenen Nebenwirkungen – wie im Falle eines Serotonin-Syndroms – können lebensgefährliche Situationen entstehen. Weiterhin sollte der Aspekt des Absetzens immer klar vor Augen geführt werden, denn jedes Individuum reagiert anders auf das Absetzen eines Antidepressivums. So kann schon eine sehr geringe Dosiserniedrigung zu starken Absetzerscheinungen führen, sodass selbst die Methode des Ausschleichens hier nicht weiterhilft. Als Alternative kann zwar auf ein nebenwirkungsärmeres Präparat umgestiegen werden, jedoch ist damit das primäre Ziel, das Absetzen des Medikaments, nicht erreicht.

Typisches Patientenbeispiel

Noch eine Woche bis zum nächsten Termin beim Psychiater. Nun ist schon über ein Monat vergangen, seit die 29-jährige Sabine das neue Medikament Fluoxetin gegen ihre depressiven Symptome verschrieben bekommen hat. Zwar teilte der Arzt ihr mit, dass bis zum Wirkeintritt einige Wochen vergehen können, doch mittlerweile haben sie die Dosis schon zweimal erhöht. Im Gegenteil, es kommt ihr vor, als raube ihr das Medikament all ihre Kraft. „Soll ich vielleicht die Dosis nochmal erhöhen? Aber der Arzt sagte mir ausdrücklich, dass ich keine Änderungen an der Dosis vornehmen soll.“

Trotz ihrer Zweifel hält sie sich an die Vorgabe ihres Arztes und nimmt Kontakt auf mit ihrem Psychiater und schildert ihm alles. „Ich merke auch mittlerweile, dass ich trotz ausreichend Schlaf übermüdet bin. Ist das normal?“, erzählt sie ihrem Psychiater. „Ja, sowas kann durchaus vorkommen, da es sich um eine der Nebenwirkungen des Medikaments handelt. Wenn sie möchten, können wir den Termin vorziehen und das weitere Vorgehen dort besprechen“, schlägt der Psychiater ihr vor. Etwas beruhigt stimmt sie dem Vorschlag ihres Psychiaters zu und hofft, dass sich ihre Situation bessert.

Verwandte Themen

Haben Sie Erfahrungen mit Fluoxetin? Von welchen Nebenwirkungen waren Sie betroffen? Möchten Sie sich bei uns weiter über Fluoxetin erkundigen? Nutzen Sie unsere Kommentarfunktion unten, um von Ihren Erfahrungen zu berichten und sich untereinander auszutauschen!

Die hier beschriebenen Punkte (Krankheit, Beschwerden, Diagnostik, Therapie, Komplikationen etc.) erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Es wird genannt, was der Autor als wichtig und erwähnenswert erachtet. Ein Arztbesuch wird durch die hier genannten Informationen keinesfalls ersetzt.

Autor: Dr. Dr. Tobias Weigl, Schajan Salahijekta
Lektorat: Sebastian Mittelberg
Datum: 20.09.2019

Quellen

  • Klaus Aktories et al. (2013): Allgemeine und spezielle Pharmakologie und Toxikologie, 11. Auflage. Urban & Fischer Verlag/Elsevier GmbH.
  • Heinz Lüllmann et al. (2016): Pharmakologie und Toxikologie. 18. Auflage. Georg Thieme Verlag, Stuttgart.
  • gelbe-liste.de: Fluoxetin.
  • Christoph H. Gleiter, Hans-Peter Volz, Hans-Jürgen Möller (1999): Serotonin-Wiederaufnahmehemmer. Pharmakologie und therapeutischer Einsatz. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft, Stuttgart.
  • Hans Jürgen Möller, Gerd Laux, Hans-Peter Kapfhammer (Hg.) (2008): Psychiatrie und Psychotherapie, 3. Auflage. Springer Verlag, Heidelberg.
  • Ernst Mutschler et al. (2013): Mutschler Arzneimittelwirkungen, 10. Auflage. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft, Stuttgart.
  • Rafael Gafoor, Helen P. Booth, Martin C. Gulliford (2018): Antidepressant utilization and incidence of weight gain during 10 years’ follow up: population based cohort study. In: BMJ 2018;361:k1951.
  • Ratiopharm (2015): Information für Patienten – Fluoxetin-ratiopharm® 20 mg Tabletten.
[Gesamt:5    Durchschnitt: 5/5]

Noch keine Kommentare.

Was denkst Du?

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.