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Antidepressivum Mirtazapin – Wirkung, Nebenwirkungen und Anwendungsgebiete

„Der stimmungsaufhellende Effekt tritt nach ca. einer Woche ein, was im Vergleich zu anderen Antidepressiva sehr schnell ist.“ — Dr. Tobias Weigl


Von Medizinern geprüft und nach besten wissenschaftlichen Standards verfasst

Dieser Text wurde gemäß medizinischer Fachliteratur, aktuellen Leitlinien und Studien erstellt und von einem Mediziner vor Veröffentlichung geprüft.

Quellen ansehen
Mirtazapin ist ein „noradrenerges und spezifisch serotonerges Antidepressivum“ und wirkt wie der Name schon sagt gegen Depressionen. Im Vergleich zu anderen Antidepressiva wirkt es nur leicht hemmend auf die Transporter von Monoaminen wie beispielsweise Noradrenalin und Serotonin. Die Wirkung entfaltet sich primär durch die Rezeptor-Hemmung der oben genannten Monoamine. Während es relativ nebenwirkungsarm im Vergleich zu anderen Antidepressiva (z.B. Amitriptylin, Moclobemid) ist, wird meist eine starke Gewichtszunahme als stärkste Nebenwirkung beschrieben. Verwendung kann es weiterhin bei Panik und Angst- bzw. Schlafstörungen, sowie als Bedarfsmedikament bei wiederkehrenden Symptomen der Depression (z.B. Unruhe) finden.
Seit einigen Tagen ist Manfred wieder unruhig. Er hat kaum schlafen können und verspürt Angst, ohne aber wirklich einen Grund dafür zu kennen. Seiner Frau fällt das natürlich auf. „Manfred, vielleicht solltest du nochmal einen Termin mit deinem Therapeuten vereinbaren und ihm von deinem Zustand berichten. Ich habe das Gefühl, dass du viel unruhiger geworden bist in den letzten Tagen.“, schlägt sie ihm vor. „Du hast ihn doch aber gehört. Er sagte, dass die Psychotherapie allein ausreicht, es aber seine Zeit bedürfe. Außerdem will ich einfach keine Medikamente nehmen, wer weiß was für Nebenwirkungen dabei auftreten.“, antwortet er gereizt. Seine Frau entgegnet: „Und was, wenn es ein Medikament ist, dass nicht so starke Nebenwirkungen besitzt?“

Was ist Mirtazapin?

Mirtazapin ist ein psychoaktiver Arzneistoff, der synthetisch hergestellt wird. Aufgrund seiner Wirkung gehört er zu den Antidepressiva, genauer gesagt den tetrazyklischen Antidepressiva. Diese Bezeichnung ist angelehnt an seine chemische Struktur, die aus vier Kohlenstoffringen besteht, die miteinander anelliert sind. Aufgrund seiner Wirkweise wird es auch als „noradrenerges und spezifisch serotonerges Antidepressivum“ (sog. NaSSA) bezeichnet. Demnach bindet es an den Rezeptoren von Zellen im Gehirn, die für die Botenstoffe Noradrenalin und Serotonin zuständig sind, und beeinflusst diese.

Video-Exkurs: Die Hormone Adrenalin & Noradrenalin
Als Stresshormone beeinflussen Noradrenalin und Adrenalin den Körper. Meistens wird dieses Hormon mit der „Flucht- oder Kampfreaktion“ (sog. fight-or-flight response) in Verbindung gebracht. Doch welche Wirkungen besitzt es noch? Wann und wo wird Adrenalin bzw. Noradrenalin im Körper gebildet? Wissenswertes hierzu erklärt Dr. Tobias Weigl im folgenden Video:

Video-Exkurs: Das Hormon Serotonin
Serotonin ist eines der Hauptbotenstoffe des Körpers und ist demnach an vielen wichtigen Prozessen des Körpers beteiligt. Wissen Sie wie Serotonin Ihr Körper beeinflusst bzw. wie das „Glückshormon“ wirkt? Grundlagen und Wissenswertes zum Thema erklärt Dr. Tobias Weigl im folgenden Video:

Welche Wirkung hat Mirtazapin?

Die Wirkung von Mirtazapin beruht auf der Blockade bestimmter Rezeptoren. Bei den Rezeptoren handelt es sich um diejenigen, die mit den Botenstoffen Adrenalin und Noradrenalin sowie Serotonin in Verbindung stehen. Durch die Hemmung dieser kommt es zu einer vermehrten direkten Freisetzung von Noradrenalin und indirekten Freisetzung von Dopamin. Obwohl der Serotoninrezeptor bei diesem Mechanismus mitbeteiligt ist, findet nach Studien keine erhöhte Freisetzung des entsprechenden Monoamins Serotonin statt. Daraus resultieren folgende Wirkungen:

  • antidepressiv
  • antiemetisch
  • antriebssteigernd
  • anxiolytisch
  • appetitssteigernd
  • leicht analgetisch
  • sedierend
  • schlaffördernd
Exkurs: Rezeptorhemmung – Wirkmechanismus von Mirtazapin und daran beteiligte Rezeptoren der Zellen
Ein Rezeptor ist ein Protein, an welches Signalmoleküle wie zum Beispiel Hormone oder Neurotransmitter binden können. Nach erfolgreicher Bindung können verschiedene Signalmechanismen aktiviert und Prozesse im Körper in Gang gebracht werden. Rezeptoren können sowohl innerhalb einer Zelle (sog. intrazelluläre Rezeptoren), als auch außerhalb auf seiner Membranoberfläche (sog. Membranrezeptoren) vorkommen. Je nach Rezeptormechanismus kann in verschiedene Rezeptortypen unterteilt werden, wodurch ein breites Spektrum verschiedener Rezeptorklassen mit verschiedenen Signalwegen entsteht. Bei Mirtazapin werden meist präsynaptische Autorezeptoren gehemmt bzw. blockiert. Eine Präsynapse stellt die Endigung einer Nervenzelle dar, von dem ein Signal mit Hilfe von Neurotransmittern, über den synaptischen Spalt (Spalt zwischen zwei Nervenzellen bzw. Neuronen) hinweg, zur Endigung (sog. postsynaptische Endigung) der nächsten Nervenzelle geleitet wird. Die von Mirtazapin beeinflussten Rezeptoren kommen an präsynaptischen Endigungen von Neuronen vor und bedienen sich einer negativen Rückkopplung. Das heißt, dass bei einer bestimmten Konzentration eines Neurotransmitters dieser an seinem Autorezeptor binden kann und anschließend durch diesen gehemmt wird. Dadurch wird sichergestellt, dass die Freisetzung eines Neurotransmitters bei einer bestimmten Verteilungsdichte limitiert wird und nicht unbegrenzt zunimmt.Ein weiterer Grund für die Vielfältigkeit von Rezeptoren ist ihre Substratspezifität, wodurch verschiedene Signalkaskaden ausgelöst werden können. Die wichtigsten Rezeptoren bei denen Mirtazapin mit hoher Affinität bindet und hemmend wirkt sind:

  • 𝛼2-Adrenorezeptoren; durch Adrenalin und Noradrenalin stimuliert
  • 5-HT2– (Typ A, B und C) und 5-HT3-Rezeptoren, durch Serotonin stimuliert
  • H1-Rezeptoren; durch Histamin stimuliert

Die blockierende Wirkung der Rezeptoren durch Mirtazapin äußert sich wie folgt:

  • 𝛼2-Adrenorezeptoren-Hemmung: Antriebssteigerung, Erhöhung des Sympathikotonus
  • 5-HT2-Rezeptor-Hemmung: antipsychotisch (Typ A- und C-Hemmung), anxiolytisch (Typ A-Hemmung), antiemetisch (Typ B-Hemmung)
  • 5-HT3-Rezeptor-Hemmung: antiemetisch
  • >H1-Rezeptor-Hemmung: antiemetisch, appetitssteigernd, sedierend

 

Was sind die Anwendungsgebiete von Mirtazapin?

Mirtazapin wird primär bei der Behandlung von Depressionen eingesetzt. Durch seine anxiolytische Wirkung eignet es sich vor allem bei Depressionen mit einer Symptomatik agitiert-ängstlicher oder auch gehemmt-ängstlicher Natur. Außerhalb des zugelassenen Gebrauchs, also als sogenanntes Off-Lable-Use, wird es bei den folgenden Bereichen angewendet:

Wie oben bereits erwähnt, kann Mirtazapin bei verschiedenen Beschwerden eingesetzt werden? Haben Sie schon mal Mirtazapin zu sich genommen oder kennen Sie jemanden der Mirtazapin zu sich nehmen muss? Falls ja, bei welcher Beschwerde (Mehrfachnennungen möglich)?

Mehr Informationen zu Antidepressiva als Schmerzmittel

Wie oben bereits erwähnt können Antidepressiva bei der Schmerztherapie Anwendung finden. Die Therapie kann sowohl adjuvant (ergänzend bzw. unterstützend) als auch kurativ erfolgen. Wichtige Grundlagen und Wissenswertes zum Thema erklärt Dr. Tobias Weigl im folgenden Video:

Was sind die Nebenwirkungen von Mirtazapin?

Trotz der positiven Wirkungen besitzt nahezu jedes Medikament Nebenwirkungen die rasch oder über eine längere Zeit hinweg auftreten können. Die unerwünschten Arzneimittelwirkungen von Mirtazapin werden im Folgenden nach ihrer Häufigkeit aufgelistet:

Sehr häufig: (mehr als 1 von 10 behandelte Patienten möglich, also über 10 %)

Häufig: (bis zu 1 von 10 behandelte Patienten möglich, also unter 10 %)

Häufig: (in klinischen Studien bei Kindern unter 18 Jahren)

  • Nesselsucht
  • signifikante Gewichtserhöhung
  • hoher Triglyzerid-Spiegel im Blut

Gelegentlich: (bis zu 1 von 100 behandelte Patienten möglich, also unter 1 %)

  • Restless-Leg-Syndrom
  • Bewegungsdrang
  • Halluzinationen
  • Albträume
  • niedriger Blutdruck
  • anomale Hautempfindungen
  • Schwächegefühl

Selten: (bis zu 1 von 1000 behandelte Patienten möglich, also unter 0,1 %)

Weiterhin können Nebenwirkungen auftreten, deren Häufigkeit mit Hilfe der verfügbaren Daten nicht abschätzbar sind. Diese können, wie andere Nebenwirkungen auch, der Packungsbeilage des Medikaments entnommen werden.

Die oben genannten Nebenwirkungen müssen nicht in jedem Falle auftreten und können je nach Individuum in stärkerer oder schwächer Form erscheinen.

Wichtig hierbei ist, dass bei einer Befindlichkeitsstörung nach oder während der Einnahme gegebenenfalls mit einem Arzt Rücksprache gehalten werden sollte, um eine angenehme medikamentöse Therapie zu führen.

Gut zu wissen!
Chemisch betrachtet können Arzneistoffe, aufgrund ihrer Stereochemie, in verschiedenen Formen auftreten (sog. Isomere). Da Arzneistoffe dreidimensionale Verbindungen sind, kann beispielsweise ein und dasselbe Atom dieser Verbindung nach links oder aber auch nach rechts zum Raum zeigen. Eine Sonderform, die dabei entstehen kann, ist die gespiegelte Form, welches als Enantiomer bezeichnet wird. Enantiomere stellen chemisch dieselbe Verbindung dar, verhalten sich aber wie „Bild und Spiegelbild“. Das heißt bei der einen Form zeigt ein Atom nach links (von vorne betrachtet), während dasselbe Atom der anderen Form nach rechts zeigt.Dies ist vor allem bei Arzneistoffen wichtig, da Rezeptoren, an denen sie wirken, substratspezifisch sind. Dadurch kann es sein, dass eine der Formen wirkt (sog. Eutomer), während die andere Form nicht wirksam ist bzw. eine andere Wirkung aufweist (sog. Distomer). Bei Mirtazapin wirken beide Enantiomere. Das S-(+)-Enantiomer blockiert nämlich 𝛼2– und 5-HT2-Rezeptoren während das R-(-)-Enantiomer 5-HT3-Rezeptoren blockiert.

Mirtazapin auf einem Blick

Mirtazapin aus der Wirkstoffgruppe der NaSSA
Wirkung

  • antidepressiv
  • leicht schmerzstillend (sog. analgetisch)
  • sedierend
  • schlaffördernd
  • appetitanregend

Anwendungsgebiete

Wichtigsten Nebenwirkungen

  • starke Gewichtszunahme
  • starke Müdigkeit, Benommenheit
  • Schwindel
  • Kopfschmerzen
  • Mundtrockenheit
  • Durchfall
  • Verstopfung
  • Schmerzen im Muskel-, Gelenk- und Rückenbereich
  • lebhafte Träume
  • Albträume

Empfohlene Dosis

  • für Erwachsene ca. 15-45 mg
  • bei Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren keine empfohlene Dosis, Arzt entscheidet ob Therapie mit Mirtazapin therapeutisch günstig erscheint
  • Einnahme meist einmal täglich
  • Die exakte Dosis wird nach Absprache mit einem Facharzt entschieden
  • Tablette kann je nach Dosis halbiert und an verschiedenen Zeitpunkten des Tages eingenommen werden (in Absprache mit dem Arzt)

Darreichungsform

  • Tablette bzw. Filmtablette
  • Schmelztablette
  • Suspension zum Einnehmen

Welche Kontraindikationen und Wechselwirkungen existieren für Mirtazapin?

Umstände, die eine Anwendung des Medikaments verbieten, werden als Kontraindikationen bezeichnet. Diese sorgen meist dafür, dass bei der Einnahme des Medikaments lebensbedrohliche Symptome entstehen. Mirtazapin ist kontraindiziert bei:

  • Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff Mirtazapin
  • parallele Einnahme von MAO-Hemmer (sog. Monoaminoxidase-Hemmer) wie beispielsweise Moclobemid
  • vorhandenen Miktionsstörungen
  • erhöhtem Augeninnendruck
  • Störungen schizophrener oder psychotischer Natur

Weiterhin ist besondere Vorsicht geboten, wenn der Betroffene unter folgenden Erkrankungen leidet:

  • Epilepsie
  • Lebererkrankungen
  • Nierenerkrankungen
  • Herzerkrankungen
  • Schizophrenie
  • Erkrankung manisch-depressiver Natur
  • Augenerkrankungen

Des Weiteren können Medikamente mit anderen, zeitgleich eingenommenen Medikamenten wechselwirken. Dadurch können die Wirkungen und Nebenwirkungen von diesen verstärkt, abgeschwächt oder verändert werden. Mirtazapin kann mit einigen Medikamentengruppen bzw. Medikamenten wechselwirken und verschiedene Symptome auslösen.

Medikamente bzw. Medikamentengruppen die mit Mirtazapin das Serotonin-Syndrom in seltenen Fällen auslösen können:

  • Monoaminoxidase-Hemmer (sog.MAO-Hemmer)
  • Selektive Serotonin Wiederaufnahme-Hemmer (sog. SSRI)
  • Triptane (Migränemittel)
  • Venlafaxin (Selektiver Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahme-Hemmer)
  • L-Tryptophan (essentielle Aminosäure zur Behandlung von Schlafstörungen und Depressionen)
  • Tramadol (Opioid-Schmerzmittel)
  • Linezolid (Antibiotikum)
  • Lithium (Antipsychotikum zur Behandlung von Manie)
  • Methylenblau (zur Behandlung von unspezifischen Bindehautentzündungen)
  • Johanniskraut (pflanzlichen Antidepressivum)

Medikamente bzw. Medikamentengruppen die mit Mirtazapin, dessen sedierende Wirkung verstärken können:

  • Benzodiazepine (zur Behandlung von Angst und Schlaflosigkeit)
  • Antihistaminika (zur Behandlung von Allergien)
  • Olanzapin (zur Behandlung von Schizophrenie)
  • Opioid-Analgetika (zur Behandlung von Schmerzen)

Medikamente bzw. Medikamentengruppen die mit Mirtazapin, dessen Konzentration im Blut erhöhen können:

  • Antiinfektiva wie Antibiotika, Antimykotika, Virostatika
  • Cimetidin (Antihistaminikum bei Magengeschwüren)

Medikamente bzw. Medikamentengruppen die mit Mirtazapin, dessen Konzentration im Blut verringern können:

  • Antiepileptika
  • Antituberkulotika

Alkohol kann ebenfalls Einfluss auf die Wirkung von Mirtazapin haben, vor allem auf die sedierende Wirkung. Deshalb wird die Einnahme von Alkohol während der Behandlung mit Mirtazapin nicht empfohlen.

Wichtig hierbei ist, dass genau mit einem Facharzt abgesprochen wird, wie das Medikament einzunehmen ist und auf was geachtet werden muss, falls andere Medikamente während der Behandlung eingenommen werden. Dadurch kann eine optimale Anwendung des Medikaments gesichert werden.

Achtung: Was sollte ich wissen?
Zur Vermeidung von Nebenwirkungen werden bestimmte Hinweise bzw. Maßnahmen empfohlen, um mögliche Nebenwirkungen zu vermeiden und zusätzlich ein Optimum in der therapeutischen Wirkung erzielen.

  • Aufgrund der sedativen Wirkung wird empfohlen Mirtazapin vor dem Schlafengehen einzunehmen
  • Weiterhin kann die sedative Wirkung Einfluss auf die Aufmerksamkeit und Konzentration haben, weshalb sichergestellt werden sollte, dass diese nicht beeinträchtigt sind, wenn ein Fahrzeug geführt wird
  • Die Einnahme der Tablette sollte mit ausreichend viel Flüssigkeit erfolgen (1 Glas Wasser) und zu dem Zeitpunkt, der mit dem Facharzt abgesprochen wurde
  • Zwar sind die Daten für die Anwendung von Mirtazapin während der Schwangerschaft und Stillzeit nicht ausreichend, jedoch sollte eine Einnahme nur nach Abwägung des Nutzen-Risiko-Verhältnisses und enger Absprache mit einem Facharzt erfolgen.

 

Absetzen von Mirtazapin

Obwohl Mirtazapin als Antidepressivum nicht zu den Abhängigkeitsfördernden Medikamenten gehört, können nach Studien ähnliche Symptome beobachtet werden. Bei diesen handelt es sich um sogenannte „Absetz-Symptome“ bzw. „Absetzerscheinungen“. Vorwiegend werden diese Symptome nach abruptem Absetzen des Medikaments beobachtet. Folgen davon sind meist das Wiederkehren der zu Beginn der Krankheit erlittenen Symptome verbunden mit dem Drang zur Einnahme des Medikaments, da es als einzige Lösung für das Problem angesehen wird (sog. Rebound-Effekt). Grund für das Eintreten von Absetzerscheinungen kann die starke Konzentrationserniedrigung der vom Medikament beeinflussten Neurotransmitter (Noradrenalin und Dopamin) sein. Durch den Versuch des Körpers, das Defizit auszugleichen bzw. eine Kompensation herzustellen, äußern sich diese Erscheinungen. Dadurch können beispielsweise Symptome wie Unruhe oder Befindlichkeitsstörungen trotz erfolgreicher Behandlung erneut auftreten.

Die Lösung hierfür ist eine sukzessive Erniedrigung der eingenommenen Dosis über einen bestimmten Zeitraum. Im Fachjargon wird auch vom „Ausschleichen des Medikaments“ gesprochen. Dadurch wird dem Körper genügend Zeit gegeben, sich an die neuen erniedrigten Konzentrationen des Medikaments zu gewöhnen, ohne (idealerweise) dabei Absetz-Symptome zu äußern.

Häufige Patientenfragen

Wo kann ich Mirtazapin erhalten?

Dr. T. Weigl:
Da es sich bei Mirtazapin um ein verschreibungspflichtiges Medikament handelt, kann es in der Apotheke nur nach Vorlage eines Rezeptes, welches vom zuständigen Arzt ausgestellt wurde, erworben werden.

Nachdem ich Mirtazapin einige Wochen eingenommen habe, spüre ich, dass es nicht mehr so wirkt wie zu Beginn. Kann ich die Dosis erhöhen, um wieder die alte Wirkung zu erhalten?

Dr. T. Weigl:
Nein! Generell sollte bei Medikamenten, die Einfluss auf die neuronalen Abläufe im Gehirn besitzen, keine eigenmächtige Dosisänderung vorgenommen werden. In solch einem Falle sollte der zuständige Arzt kontaktiert und ihm detailliert berichtet werden, welches Problem aufgetaucht ist. Je nach dem kann das Medikament durch ein anderes, wirkungsstärkeres Medikament ersetzt werden.

Ich habe vergessen meine tägliche Dosis einzunehmen. Was muss ich jetzt tun?

Dr. T. Weigl:
Wichtig hierbei ist, dass zum nächstmöglichen, gewohnten Zeitpunkt nicht die doppelte Menge der Dosis eingenommen wird. Es reicht vollkommen, wenn die vorgeschriebene Dosis eingenommen wird.

„Nun sind es fast 3 Wochen und ich merke, dass es immer schwieriger wird. Ich trau mich mittlerweile nicht mehr in großen Menschenmengen zu laufen. Ich weiß nicht was ich tun soll.“, erzählt Manfred seinem Psychotherapeuten. „Bei generalisierter Angststörung sind viele Ängste oft unbegründeter Natur. Die Therapie verläuft aber nicht nur in Art einer Psychotherapie. Meist wird dies multimodal gestaltet, weshalb sich bei sehr starken Symptomen auch die Einnahme von Medikamenten anbieten.“, erklärt der Therapeut ruhig. „Jedoch wird in unseren Gesprächen deutlich, dass sie Fortschritte machen, weshalb ich gerne die Therapie ohne medikamentöse Behandlung fortsetzen möchte.“, fährt er fort.

Verwandte Themen

Haben auch Sie Erfahrungen mit dem Medikament Mirtazapin? Haben Sie Fragen zum Thema? Nutzen Sie unsere Kommentarfunktion unten für den Austausch untereinander und mit uns!

Autoren: Dr. Tobias Weigl, Schajan Salahijekta
Lektorat: Christopher Keck
Erstellt am: 16.05.2019

Quellen:

  • Aktories, K. et al. (2013): Allgemeine und spezielle Pharmakologie und Toxikologie, 11. Auflage, Urban & Fischer Verlag/Elsevier GmbH
  • Heinz Lüllmann, Klaus Mohr, Martin Wehling, Lutz Hein (2016): Pharmakologie und Toxikologie. 18. Auflage. Georg Thieme Verlag
  • Gelbe Liste Online
  • Gillman, PK. (2006): A systematic review of the serotonergic effects of mirtazapine in humans: implications for its dual action Status
  • Mutschler, E. (2009): Arzneimittelwirkungen, Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft Stuttgart
  • Kaschka, W.P. et al. (2009): Psychopharmaka kompakt, Schattauer Verlag
  • Mirtazapin neuraxpharm 30 mg – Packungsbeilage
  • Kasper, S. (2004): Mirtazapin: Stellenwert in der Depressionsbehandlung.
[Gesamt:3    Durchschnitt: 5/5]

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