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Gicht und Ernährung – kein Zucker, kein Alkohol als Mittel gegen Gicht?

Auf einen Blick – Gicht und Ernährung

Wieso ist die Ernährung bei Gicht wichtig?

  • bestimmte Lebensmittel erhöhen die Wahrscheinlichkeit für einen Gichtanfall
  • eine entsprechende Ernährung ist ein wichtiger Baustein bei der Gichtbehandlung
  • wichtig ist eine purinarme Ernährung

Welche Lebensmittel sind gut bei Gicht? (Auswahl)

  • Milchprodukte
  • Obst und Gemüse
  • bestimmte Öle und Fette

Welche Lebensmittel sollte ich bei Gicht eher vermeiden? (Auswahl)

  • Purinhaltige Lebensmittel (z. B. tierisches Fleisch)
  • Alkohol
  • Zuckerhaltige Lebensmittel

Von Medizinern geprüft und nach besten wissenschaftlichen Standards verfasst

Dieser Text wurde gemäß medizinischer Fachliteratur, aktuellen Leitlinien und Studien erstellt und von einem Mediziner vor Veröffentlichung geprüft.

Quellen ansehen
Bis zu 1,6 Mio. Menschen in Deutschland leiden unter Gicht: Die Gelenkerkrankung kann den Lebensalltag massiv einschränken. Es gibt Möglichkeiten, wie Sie als Betroffener in den Krankheitsverlauf eingreifen und den Prozess zu Ihren Gunsten verlangsamen können. Wesentlich ist hierbei eine purinarme Ernährung: Purine, die wesentlich für DNA und RNA sind, finden sich in Lebensmitteln wie tierischen Innereien. Diese werden im Körper in Harnsäure umgewandelt. Gibt es zu viel Harnsäure im Körper, kann es sich in Form von Urat-Kristallen in den Gelenken absetzen. Diese Ablagerungen entzünden sich. Es gilt also, die Einfuhr von Purinen einzudämmen. Neben purinarmer Lebensmittel gibt es weitere Faktoren, die Sie im Hinblick auf Ihre Ernährung beachten sollten. Neben ausreichend Flüssigkeit sollten Sie außerdem verstärkt pflanzenbasierte Lebensmittel zu sich nehmen. In folgendem Artikel erfahren Sie von den Grundlagen einer optimalen Ernährung bei einer Gicht und erfahren, welche Lebensmittel Ihnen helfen und auf welche Sie verzichten sollten.

Grundlage: Was ist Gicht?

Gicht ist eine Erkrankung, die infolge eines zu hohen Harnsäurespiegels im Blut auftritt. Ist der Wert erhöht, bilden sich aus der überschüssigen Harnsäure sog. ‚Urat-Kristalle‘, die sich an Gelenken, aber auch Sehnen, Knorpel oder der Haut absetzen. Diese Ablagerungen entzünden sich am Gelenk. Begleitet wird die Entzündung von Schmerzen, vor allem zu Beginn der Erkrankung. Unbehandelt bleibt es auch dabei. Insgesamt unterscheiden Mediziner vier Phasen der Erkrankung, die sie als klinische Manifestation der sog. ‚Hyperurikämie‘ betrachten:

  • Erste Phase: Erhöhte Harnsäurewerte
  • Zweite Phase: Erster, akuter Gichtanfall; meist am Großzehengrundgelenk
  • Dritte Phase: Gichtattacken wechseln sich mit beschwerdefreien Phasen ab.
  • Vierte Phase: Chronifizierung der Gicht (eher selten); macht sich bemerkbar durch dauerhafte Knoten und Veränderungen am Gelenk selbst

Die Symptome einer Gicht unterscheiden sich in der akuten und der chronischen Variante. Der folgenden Tabelle können Sie einige Punkte entnehmen, die typisch für die jeweilige Verlaufsform ist:

Akuter GichtanfallChronische Gicht
Entzündung des Gelenkes mit Flüssigkeitsbildung am betroffenen Gelenk Entzündung kehrt immer wieder zurück
Typische Entzündungszeichen (Rötung, Schwellung, Schmerzen, Überwärmung)Harnsäureablagerung auch außerhalb des Gelenks (sog. ‚Gichttophi‘)
BerührungsempfindlichkeitSchmerzen
Auftreten: nachtsFieber
Verschwindet nach einigen Tagen10 bis 12 Prozent der Fälle: Nierenstein, Nierenfunktionsstörung oder -insuffizienz
Häufig finden Patienten nur zufällig heraus, dass sie einen erhöhten Harnsäurespiegel im Blutserum haben. Das Problem liegt darin, dass Betroffene bis zur Manifestation des ersten Gichtanfalls keinerlei Symptome bemerken. Zu dem Zeitpunkt hat sich die überschüssige Harnsäure allerdings schon längst in dem betroffenen Gelenk abgesetzt. Was genau die Harnsäure ist, was die Ursachen für erhöhte Werte sein können und was man dagegen tun kann, erklärt Ihnen Dr. Dr. Tobias Weigl in seinem folgenden Videobeitrag.

Was ist unsere Harnsäure? Purinstoffwechsel, Aufgaben & Ursachen für einen erhöhten Harnsäurespiegel

Was sind die Ursachen für Gicht?

Wie bereits angemerkt, ist der Grund für eine Gichterkrankung ein erhöhter Harnsäurewert (sog. ‚Hyperurikämie‘). Diese tritt immer dann auf, wenn nicht genug Harnsäure über die Niere und dem Darm ausgeschieden werden kann. Ein erhöhter Harnsäurespiegel kann daher rühren, dass wir bspw. zu viel Nahrung essen, in der Purine enthalten sind. Harnsäure ist nämlich das Abbauprodukt von Purinen, die wichtig für den Aufbau von DNA und RNA sind. Purine können als Teil der Körperzellen auch in unserem Organismus selbst anfallen und abgebaut werden. Mit diesem Wissen im Hinterkopf gibt es drei Möglichkeiten, wie es letztendlich zu einem erhöhten Harnsäurespiegel kommen kann: entweder wir essen zu viele Purine, die dann in überdurchschnittlich viel Harnsäure abgebaut werden, zu viele Zellen zerfallen, wodurch Harnsäure freigesetzt wird oder unsere Nieren funktionieren nicht richtig und die Harnsäure wird nicht vollständig abgebaut.

Differenziert man die drei Ursachen weiter auf, so können wir zwischen einer primären oder sekundären Hyperurikämie unterscheiden. Während primäre Ursachen genetisch bedingt sind und damit eine angeborene Stoffwechselstörung meinen, sind sekundäre Ursachen Krankheiten wie bspw. Leukämie, aber auch eine purinhaltige Ernährung.

Der konkrete Gichtanfall wird zumeist durch externe Einflüsse und Ereignisse ausgelöst. Das kann der Genuss purinreicher Nahrung oder von viel Alkohol sein. Auch Krankheiten wie Diabetes mellitus, Diäten und körperlicher Stress können Trigger sein.

Wie hängen Ernährung und Gicht zusammen?

Ernährung und die Wahl der Lebensmittel spielen eine große Rolle in der Auseinandersetzung mit Gicht. Wie Sie bereits aus dem vorherigen Kapitel wissen, können eine fettige Mahlzeit oder übermäßiger Alkoholverzehr einen Gichtanfall auslösen. Ein bewusster Umgang mit Nahrungsmitteln und die Kenntnis um ihre Zusammensetzung können Ihnen also dabei helfen, Gichtattacken vorzubeugen. Hierbei ist wichtig, das Ausschütten von Entzündungsauslösern zu vermeiden. Darüber hinaus Übergewicht ein Mitauslöser eine Gicht sein kann, ist zudem die Gewichtsreduktion wichtig. Eine gesunde Ernährung sollte demnach zunächst folgende Aspekte abdecken:

  • Reduktion von Harnsäure durch das Vermeiden von purinhaltiger Nahrung
  • Reduktion des Gewichts durch das Einsparen von Kalorien und einer gesunden Ernährung (bspw. bewusstes Essen bestimmter Fette)

Zusammengefasst empfehlen Mediziner daher eine vitamin- und mineralstoffreiche Ernährung, die auf Pflanzenstoffe basiert. Insgesamt ist diese Ernährungsweise entzündungshemmend (sog. ‚antiinflammatorisch‘). Über Ernährung haben Sie somit ein Mittel der Therapie selbst in der Hand und können Ihre Erkrankung eigenständig zum Besseren beeinflussen. Sie sollten sich aber bewusst sein, dass es sich hierbei um eine dauerhafte Anpassung der Gewohnheiten angeht. Der Effekt verschwindet, sobald Sie sich wieder unbewusst ernähren.

Wenn Sie sich in der Buchhandlung umsehen, werden Ihnen die vielen Ernährungsratgeber für Gicht-Patienten auffallen. Tatsächlich können Sie über eine bewusste Ernährung Ihren Harnsäurespiegel reduzieren – und somit Gichtattacken vorbeugen. — Dr. Dr. Tobias Weigl

Wie sollte ich mich bei Gicht ernähren?

Wie sollen Sie sich also ernähren, wenn Sie unter Gicht leiden? Konkret lassen sich die folgenden Punkte nennen:

  • Stellen Sie Ihre Ernährung auf pflanzenbasierte Kost um. Diese enthalten Antioxidantien wie Vitamine oder Mineralstoffe. Antioxidantien verhindern auf chemischer Ebene die Entstehung von Entzündungstriggern, indem sie den Syntheseprozess (sog. ‚Oxidation‘) der sog. ‚freien Radikalen‘ verhindern. Diese sind für ihre chemische Reaktionsfreude bekannt. Anstelle von Fleisch sollten Sie Seefisch essen – gerne regelmäßig. Die darin enthaltenden Omega-3-Fettsäuren beugen ebenfalls Entzündungen vor.
  • Milchprodukte sind eine gute Ergänzung zu Ihrem Speiseplan. Diese Lebensmittel enthalten wenig bis keine Purine. Ergänzen Sie Ihren Lebensmittelpalette doch um Sauermilchprodukte, Quark oder Käse. Da Sie gleichzeitig aber den Fettgehalt der Produkte beachten sollten, sollten Sie die fettreduzierte Variante nehmen!
  • Ausreichend Flüssigkeit zu sich zu nehmen ist immer wichtig. Hierbei eignen sich Flüssigkeiten, die Mineralstoffe wie Calcium enthalten. Diese stärken u. a. unsere Knochen. Darüber hinaus regt eine stetige Flüssigkeitsaufnahme Ihre Nieren an. Auf diese Weise wird mehr Harnsäure ausgeschieden.
  • Lebensmittel, die pflanzenbasiert sind, haben den Vorteil, dass sie selten entzündungsfördernde Inhaltsstoffe vorweisen. Stattdessen enthalten Sie antiinflammatorische Vitamine und Mineralstoffe. Diese unterstützen auch Ihr Immunsystem.
  • Nehmen Sie täglich mindestens drei Portionen Gemüse und zwei Portionen Obst zu sich!
  • Fette und Öle sind grundsätzlich purinfrei. Wenn Sie allerdings dabei sind, ihr Körpergewicht zu reduzieren, sollten Sie darauf achten, nicht zu viele Fette aufzunehmen.

Beachten Sie, dass bei all den Lebensmitteln und den Regeln, dennoch Abwechslung möglich und auch gewünscht ist! Die verschiedenen Lebensmittel sind gut kombinierbar.

Beispielrezept: Brotsuppe

Eine rustikale Form des Mittagessens gelingt Ihnen mit der Brotsuppe. Für eine Portion (30 Minuten Zubereitungszeit) benötigen Sie folgende Zutaten:

  • eine Zwiebel
  • ein EL Butter
  • 100 g Roggenmischbrot
  • 1 TL edelsüßes Paprikapulver
  • 1 EL geriebener Parmesankäse
  • weißer Pfeffer sowie Salz
  • 1 l Gemüsebrühe
  • 1 Ei
  • Schnittlauch oder Petersielie

Schälen Sie die Zwiebel; hacken Sie sie danach in feine Stückchen. Dünsten Sie sie mit der Butter in einem Topf an. Währenddessen können Sie damit beginnen, das Brot in kleine Würfel zu schneiden. Geben Sie es zu den Zwiebeln und braten Sie alles gemeinsam an. Mischen Sie das Paprikapulver unter. Im nächsten Schritt bereiten Sie die Brühe vor. Lassen Sie die Brühe mit der Zwiebel-Brot-Mischung aufkochen. Mischen Sie verquirltes Ei mit Käse unter. Nun müssen Sie diese Mischung nur noch mit Salz und Pfeffer abschmecken!

Gicht und Ernährung auf einen Blick

Im Fokus steht eine purinarme Ernährung.

„Gute“ Lebensmittel (Auswahl)

  • Milchprodukte
  • Obst und Gemüse
  • Bestimmte Öle und Fette

„Schlechte“ Lebensmittel (Auswahl)

  • Purinhaltige Lebensmittel wie tierisches Fleisch und Innereien, aber auch Fischhaut
  • Alkohol
  • Zuckerhaltige Lebensmittel
  • Hefe
  • Pilze

Ernährung und Gicht: Was muss ich beachten?

Es gibt bestimmte Lebensmittel, die die Entstehung von Entzündungen in unserem Körper befördern. Als Gicht-Patient sollten Sie diese Lebensmittel kennen, um sie zu umgehen oder zumindest reduziert zu sich zu nehmen.

  • Verzichten Sie auf tierische Innereien (Nieren, Leber) und reduzieren Sie ihren Fleischkonsum. Auch bestimmte Fischsorten wie Hering, Sprotte oder Lachs enthalten viele Purine. Eine Ausnahme bilden Hülsenfrüchte, die zwar viele Purine enthalten, aber darüber hinaus aber auch Mineralien, Pflanzenstoffe sowie Eiweiß und Kohlenhydrate.
  • Fleisch enthält auch die Fettsäure Arachidonsäure. Sie ist Teil der tierischen Fette und ist wesentlich für das Auslösen von Entzündungsreaktionen.
  • Ebenfalls eine wichtige Rolle dafür spielen sog. ‚Eikosanoide‘: Dieser Begriff bezeichnet Gewebshormone, die für die Chronifizierung von Gelenkentzündungen mitverantwortlich sind. Aufgrund der starken Aktivität von Immunzellen im Rahmen der Entzündung, bildet unser Körper vermehrt Eikosanoide.
  • Vermeiden Sie Lebensmittel, die Haushalts- oder Fruchtzucker enthalten. Dies gilt besonders für Fruchtzucker: Direkt nach der Aufnahme erhöht sich die Harnsäurekonzentration sowohl im Blut als auch Urin. Bei der Aufnahme von Fruchtzucker werden vermehrt Purine hergestellt. Die Ausscheidung von Harnsäure über die Niere wird dafür beeinträchtigt.
  • In diesem Zusammenhang sollten Sie auch Alkohol außen vorlassen, auch, um weitere Gichtanfälle und Nierensteinkoliken zu vermeiden. Alkohol sorgt dafür, dass der Harnsäurewert weiter ansteigt. Darüber hinaus verhindert es die Ausscheidung über die Niere. Ein weiterer negativer Effekt ist, dass Harnsäure schlechter im Blut gelöst werden kann. Ein Glas Bier pro Tag erhöht die Wahrscheinlichkeit einer Gichtattacke um 30 Prozent. Anders sieht es bei Wein aus: Bei einem Glas täglich erhöht sich das Risiko nur minimal.

Beachten Sie, dass Sie vor allem zu Beginn die Diät besonders streng halten. Vor allem am Anfang starten Sie mit einem höheren Harnsäurewert im Blut, diesen müssen Sie zunächst reduzieren. Eine besondere Disziplin ist vor allem dann nötig, wenn Sie keine zusätzlichen, harnsäuresenkenden Medikamente zu sich nehmen.

Ziel: Normalgewicht

Neben der Ernährung und dem Blick auf Inhaltsstoffe und Lebensmittel spielt das Körpergewicht eine wesentliche Rolle bei der Eindämmung von Gichtattacken. Abgesehen davon, dass verstärktes Übergewicht eine Reihe von Krankheiten begünstigen kann – Herzkreislauf-Erkrankungen wie Bluthochdruck –, drückt das Gewicht zusätzlich auf die Gelenke. Die Knochen und Gelenke müssen eine Mehrbelastung tragen, die Abnutzung und Entzündungen nur befördert. Eine gesunde und ausgewogene Ernährung, gerade in Zusammenhang mit ausreichend Bewegung, kann bei der Gewichtsreduktion helfen.

Auch Untergewicht wirkt sich negativ auf Ihre Gicht und Entzündungen der Gelenke aus. Hierbei ist die ausreichende Aufnahme von Vitaminen und Mineralien über die Nahrung wichtig, damit Sie von deren entzündungshemmenden Wirkung profitieren können.

Leiden Sie unter Gicht? Haben Sie aufgrund ihrer Erkrankung ihre Ernährung umgestellt? Wenn ja, welche dieser Ernährungshinweise haben Sie umgesetzt? (Mehrfachnennungen möglich)

Unser Tipp

Neben der Lebensmittel sind auch Menge der Mahlzeiten und die Zubereitung entscheidend! Viele kleine Mahlzeiten, die Sie zudem frisch vorbereiten, beugen Heißhunger vor. Besonders geeignet sind hier Gemüse zum Knabbern wie Karotte oder Paprika.

Hinsichtlich der Zubereitung sollten Sie die Lebensmittel nicht zu lange kochen – ansonsten gehen die darin enthaltenen, wertvollen Vitamine und Mineralstoffe verloren. Auch ein aufgewärmtes Gericht ist nicht so inhaltsreich und wertvoll wie frisch Gekochtes. Variieren Sie doch und verwenden Sie die Essensreste für ein neues Gericht. Zum Garen und Kochen sollten Sie im Übrigen die pflanzlichen Fette und Öle benutzen – anstelle von Schweineschmalz sollten Sie lieber ein Stückchen Butter oder gleich Pflanzenöl nehmen! Auch Grillen ist eine schonende Variante der Zubereitung.

Top 5 gesunder Lebensmittel bei Gicht

  • Milch, Käse und weitere Milchprodukte
  • Obst
  • Gemüse
  • Eier
  • Getreide (besonders Vollkorn)

Aktuelles aus der Forschung: Verbessert eine Patientenschulung die Gichtbehandlung?

Gicht-Patienten, die nicht nur hausärztlich betreut, sondern von einer Gemeindeschwester im Umgang mit ihrer Erkrankung geschult werden, erreichen deutlich häufiger die passenden Harnsäurewerte. Dies ist das Ergebnis einer Studie, die vor Kurzem in der Fachzeitschrift Lancet veröffentlicht worden ist.

Ausgangspunkt der Untersuchung war der Umstand, dass Patienten ihren Lebensstil oft nicht im ausreichenden Maße anpassen würden, um die angestrebten Zielwerte für Harnsäure zu erreichen. Und aufgrund der Nebenwirkungen würden viele Patienten Medikamente, die den Harnsäurespiegel senken (z. B. Allopurinol), nicht konsequent einnehmen. Deshalb hat die Stiftung Arthritis Research UK mit ihrer Studie untersucht, ob Patienten sich eher an die Therapiemaßnahmen halten, wenn Sie zusätzlich intensiv von einer Gemeindeschwester geschult würden. Diese Schulung beinhaltete umfangreiche Informationen über Gicht und ihre Ursachen, Folgen sowie Behandlungsmöglichkeiten. Außerdem wurde u. a. die Wahrnehmung von Gicht durch den Patienten diskutiert und der Patient eng an Entscheidungsprozessen bzgl. der Behandlung beteiligt.

Beteiligt waren 517 Gicht-Patienten, die innerhalb der letzten 12 Monate mindestens eine Gichtattacke erlitten hatten. Per Los wurden die Patienten entweder der Schulungsgruppe oder der Gruppe, die nur hausärztlich betreut wurde, zugeteilt. Behandlungsziel war ein Harnsäurewert von unter 360 µmol/l (6 mg/dl) nach 2 Jahren.

Geschulte Patienten erlitten weniger Gichtattacken

Tatsächlich gelang es beinahe allen geschulten Patienten (95%), ihren Harnsäurespiegel unter den Zielwert zu senken. Der Hausarztgruppe gelang dies nur zu 30%. Rund 88% der Schulungsgruppe konnte den Harnsäurespiegel sogar unter 300 µmol/l senken. In der Kontrollgruppe gelang dies nur 17,5% der Teilnehmer. Diese hervorragenden Ergebnissen seien darauf zurückzuführen, dass beinahe alle geschulten Patienten ihre Medikamente wie vorgegeben einnahmen, während bei den hausärztlich betreuten Patienten dies nur etwa jeder zweite tat. Die geschulte Gruppe hatte dementsprechend weniger Gichtanfälle: Weniger als 10% dieser Gruppe hatten 2 oder mehr Anfälle. Bei der Kontrollgruppe mit hausärztlicher Betreuung war dies bei knapp 25% der Fall. Und nur 1,15% der geschulten Patienten hatten 4 oder mehr Gichtanfälle. Die Studie belegt deshalb einmal mehr, dass umfassend geschulte und informierte Patienten wesentlich bewusster mit ihrer Krankheit umgehen und dies entscheidend für die Behandlung sein kann.

Quelle: Michael Doherty et al. (2018): Efficacy and cost-effectiveness of nurse-led care involving education and engagement of patients and a treat-to-target urate-lowering strategy versus usual care for gout: a randomised controlled trial, in: The Lancet 392, S. 1403–1412.

Häufige Patientenfragen

Wie viel Purin ergibt wie viel Harnsäure?

Dr. Dr. T. Weigl
1 mg Purine, die wir bspw. über unsere Nahrung aufnehmen, ergibt nach entsprechender Umwandlung im Körper insgesamt 2,4 mg Harnsäure.

Darf ich bei Gicht noch Kaffee trinken?

Dr. Dr. T. Weigl
Der im Kaffee enthaltene Koffein gehört zur Gruppe der sog. ‚Purinalkaloiden‘, einer Form des Purins also. Es gibt Hinweise darauf, dass das Abbauprodukt von Koffein, Xanthinoxidase, die Entstehung von Harnsäure verhindert. Es fehlen allerdings die Studien, die solch einen Zusammenhang eindeutig belegen. Kaffee ist demnach durchaus erlaubt – ebenso wie schwarzer Tee!

Kann ich auf weitere Therapien und Medikamente verzichten, wenn ich mich purinarm ernähre?

Dr. Dr. T. Weigl
Eine purinarme Ernährung ist ein hilfreiches Mittel, um Ihre Gicht zum Positiven zu steuern. Allerdings ersetzt eine gesunde Ernährung auf keinen Fall eine umfassende Gichttherapie. Sie sollten auf jeden Fall als sinnvolle Ergänzung zu weiteren Therapiemaßnahmen (z. B. Medikamente) betrachtet werden.

Kann ich mit Fasten etwas gegen meine Gicht tun?

Dr. Dr. T. Weigl
Mittels der Ernährung lässt sich bereits kurzfristig eine Verbesserung feststellen. Deutlich wird dies, wenn Sie unter einer akuten Gichtattacke leiden. Kurzfristiges Fasten kann den Schmerz deutlich reduzieren. Möglich wird dies dadurch, dass Ihr Körper während des Fastens das Hormon Cortison produziert, das ebenfalls entzündungshemmend wirkt. Nebenher vermeiden Sie dadurch natürlich die weitere Aufnahme entzündungsfördernder Inhaltsstoffe. Trinken Sie in dieser Zeit mindestens drei, besser vier Liter – empfohlen werden mineralstoffreiche Getränke wie Mineralwasser oder und auch Gemüsebrühe.

Typisches Patientenbeispiel

Es ist ein typischer Sonntagnachmittag bei Familie Werner. Tochter Annalena sitzt mit ihrer Mutter Margot sowie Vater Peter am Kuchentisch, es gibt Kaffee und Tee sowie Gebäck. Die Familienidylle ist in Wirklichkeit gestört. Familienvater Peter erhielt jüngst die Diagnose für Gicht. Sein Harnsäurespiegel ist zu hoch. Nach dem Besuch im Krankenhaus hat die behandelnde Hausärztin, die für die gesamte Familie zuständig ist, entschieden, dass Peter dringend seine Essgewohnheiten überdenken muss – zusätzlich muss er aber auch Medikamente, sog. ‚Urikostatika‘, einnehmen. Peter sieht missmutig auf das Informationsblättchen: „Kein Fleisch? Kein Alkohol? Wie soll das denn gehen?“

Peters Unmut zum Trotz will Familie Werner nun eine purinarme Ernährung im Haushalt durchsetzen. Um die Motivation zu steigern, beschließt das Ehepaar samt Tochter, ein oder zwei Kochbücher zu besorgen. In der nahegelegenen Buchhandlung findet sich eine große Auswahl entsprechender Werke. Peter beruhigt insgeheim, dass die strenge Purindiät nicht bedeutet, dass er vollständig auf jegliches Fleisch verzichten muss. Sobald seine Blutwerte deutlich besser sind – so nimmt er sich vor – will er einen Grilltag veranstalten. Schade nur, dass sein geliebtes Feierabendbier definitiv raus ist.

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Die hier beschriebenen Punkte (Krankheit, Beschwerden, Diagnostik, Therapie, Komplikationen etc.) erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Es wird genannt, was der Autor als wichtig und erwähnenswert erachtet. Ein Arztbesuch wird durch die hier genannten Informationen keinesfalls ersetzt.  
Autoren: Dr. Dr. Tobias Weigl, Andrea Lorenz
Redaktion: Sebastian Mittelberg
Veröffentlicht am: 23.07.2019

Quellen

  • Sonja Carlsoon (2018): 111 Rezepte gegen Gicht. Purinarm essen – Schmerzen lindern. Humboldt-Verlag, Hannover.
  • Sonja Carlsson (2013): Vegetarisch genießen bei Rheuma und Gicht. Mit der richtigen Ernährung Schmerzen lindern. Schüthersche-Verlag, Stuttgart.
  • Deutsche Gicht-Liga e.V. (2019): Information zur Ernährung.
  • Deutsche Gicht-Liga e.V. (2019): Wissen ist Macht und fördert Gesundheit.
  • Michael Doherty et al. (2018): Efficacy and cost-effectiveness of nurse-led care involving education and engagement of patients and a treat-to-target urate-lowering strategy versus usual care for gout: a randomised controlled trial, in: The Lancet 392, S. 1403–1412.
  • Ibrahim Elmadfa und Alexa Leonie Meyer (2017): Harnsäurewerte. GU Kompass, München.
  • Andrea Flemmer (2019): Ich helfe mir selbst. Gicht. Schmerzen lindern und vorbeugen. Die besten Maßnahmen für zu Hause. Humboldt-Verlag, Hannover.
  • Martin Kreutzer und Simon Weisdorf (2018): Anti-Entzündungs-Ernährung gegen Rheuma, Arthrose und Gicht. Richtig essen für starke Gelenke. Riva-Verlag, München.
  • Anke Mouni Meyer (2019): Ganzheitliche Ernährung bei Rheuma, Arthrose, Gicht. Trias-Verlag, Stuttgart.
  • rme/aerzteblatt.de (2018): Gicht-Schulung verbessert Behandlungsergebnisse.
[Gesamt:1    Durchschnitt: 5/5]

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