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Faszienrolle, Faszienball & Blackroll – Sinnvoll und effektiv oder doch nur Hype und Unsinn?

Wenn man sich mit dem Thema Faszien beschäftigt, hört und/oder liest man oft, dass Faszientraining Schmerzen lösen kann, zu einer erhöhten Leistungssteigerung führt oder dass man durch besonderes Faszientraining ‚jung bleibt‘, eine straffere Haut behält. Der tatsächliche Nutzen aus der Perspektive der Wissenschaft ist aber bis heute nicht ausreichend geklärt.
— Dr. Tobias Weigl


Von Medizinern geprüft und nach besten wissenschaftlichen Standards verfasst

Dieser Text wurde gemäß medizinischer Fachliteratur, aktuellen Leitlinien und Studien erstellt und von einem Mediziner vor Veröffentlichung geprüft.

Quellen ansehen
Bei Faszien handelt es sich um bindegewebige Strukturen, die unseren gesamten Körper durchziehen. Sie ummanteln sämtliche körpereigenen Strukturen wie Muskeln, Sehnen, Organe und Knochen und schaffen so eine Art Netzwerk, dessen Aufgaben vielfältig sind. Die Faszien sorgen für muskuläre Kraftübertragungen und ermöglichen die eigene Körperwahrnehmung, während sie auch in der Sportmedizin und bei Weichteilschmerzen eine wichtige Rolle spielen. Ein aktueller Trend, das Training mit der Faszienrolle, verspricht Verbesserungen in allen möglichen Bereichen. So wird behauptet, man könne mit der Faszienrolle in Eigenregie chronische Schmerzen bekämpfen, Gelenke beweglicher machen, Muskelkater vermindern, die Muskelleistung fördern und vieles mehr. Aber was ist dran an dem Hype? Welchen Standpunkt vertritt die Forschung in Bezug auf das vermeintliche „Wundermittel“ Faszienrolle? Diese und weitere Fragen soll dieser Artikel nachfolgend beantworten.

Frida ist langsam überfragt. Sie ist gerade mal 29, sportlich aktiv, hat aber ständig so starken Muskelkater nach dem Training. Sie ist passionierte Volleyballspielerin und hatte sich eigentlich damit abgefunden, dass sie mit dem Muskelkater einfach klarkommen muss. „Aber kann man da denn nichts gegen machen?“, fragt sie sich und beginnt, Nachforschungen anzustellen. Kurze Zeit später ist sie sicher, dass sich eine Faszienrolle hervorragend dazu eignen könnte, dem Muskelkater den Kampf anzusagen. Allerdings hat sie auch gelesen, dass man bei Diabetes – und den hat sie leider – vorsichtig sein sollte. „Vielleicht wäre es doch besser, erst mit meinem Diabetologen zu sprechen…“, murmelt Frida und wird gleich wieder missmutig…

Was sind eigentlich Faszien?

Dieser Artikel erklärt Faszien und deren Funktionen im Folgenden in Kürze. Wenn Sie Interesse an dem Thema Faszien haben, können sie sich darüber ausgiebig informieren in unserem Artikel „Faszien & Faszientraining – Was sind Faszien? Faszienübungen bei Rückenschmerzen“.
Die Definition von Faszien ist in der Literatur nicht eindeutig. Im Folgenden werden Faszien aber verstanden als muskuläres Bindegewebe. Sie umhüllen gleich einem weißen, faserigen Spinnennetz Muskeln, Organe und Knochen. Sie durchziehen unseren ganzen Körper, von Kopf bis Fuß. Möglicherweise dient dieser Umstand sogar als Erklärung dafür, dass sich Schmerzen verlagern. In gesundem Zustand sind die Faszien geschmeidig und feucht. Verantwortlich für die Bildung dieser „Schmiere“ sind spezielle Zellen innerhalb der Faszien. Zwar fungieren die Faszien als eine Art Schutzschicht für Organe, Muskeln, Knochen usw. Allerdings halten sie ebendiese Strukturen auch zusammen, weshalb man zur Beschreibung auch den Begriff Bindegewebe verwendet. Des Weiteren funktionieren die Faszien auch als Stoßdämpfer und bestimmen die Spannung im Körper. Vor allem in der Sportmedizin, also bspw. im Rahmen der Untersuchung von Feder-, Werf- oder Sprungbewegungen, finden sie besondere Beachtung. Heutzutage versteht man die Faszien daher als Netzwerk, das den gesamten Körper umhüllt und durchdringt und auf diese Weise ein vernetzendes Zugspannungsnetzwerk schafft.

Eine kurze und knappe Definition von Faszien, auf die sich ebendieser Artikel stützt, könnte also lauten:

Bei Faszien handelt es sich um muskuläres Bindegewebe, das sich netzartig im gesamten Körper ausbreitet und sowohl reißfest als auch elastisch ist.

In diesem Video erklärt Dr. T. Weigl den Hype und die übertriebene Euphorie über das angebliche Wunderwerkzeug Faszienrolle und auch Faszienbälle.

Die Aufgaben von Faszien

Faszien haben weitaus mehr Aufgaben, als entsprechende Stellen im Körper als „Verpackungsmaterial“ zu umhüllen. Sie spielen eine wichtige Rolle bei der muskulären Kraftübertragung, bei der eigenen Körperwahrnehmung, bei diversen Weichteilschmerzen sowie in der Sportmedizin, dort vor allem in den Bereichen Beweglichkeit, Schnellkraft und Energieeffizienz. Was machen die Faszien also genau?

  • Sie ermöglichen den Austausch und die Versorgung von und mit Stoffen.
  • Sie speichern Energie und stellen diese zur Verfügung.
  • Sie sorgen im Körper für Elastizität, Geschmeidigkeit, Spannkraft und Festigkeit.
  • Sie ermöglichen den Kommunikationsaustausch im Körper, nicht nur in Hinblick auf die Übertragung von Stoffen, sondern auch hinsichtlich Informationen.
  • Sie spielen eine wichtige Rolle im Rahmen von Koordination und Bewegung und ermöglichen es uns bspw., die Lage unseres Arms sowie seine Beweglichkeit wahrzunehmen.
  • Erste Erkenntnisse legen nahe, dass ein gesundes Fasziensystem einem gesunden Immunsystem zuträglich ist.
Gut zu wissen!
Die Faszien, die als gesamtes Netzwerk unseren Körper durchziehen, machen schätzungsweise 20 Kilogramm unseres Körpergewichts aus.

Faszien waren lange schwer „greifbar“

Lange konnten Faszien wissenschaftlich nicht ausgiebig untersucht werden. Während man einzelne Bestandteile und Prozesse des Körpers mit diversen bildgebenden Verfahren darstellen konnte, z. B. Knochen mithilfe einer Röntgenuntersuchung, Hirnströme mithilfe eines Elektroenzephalogramms (kurz: EEG) oder Muskeln durch eine Elektromyografie (kurz: EMG), blieb die „Untersuchbarkeit“ von Faszien weitestgehend auf der Strecke. Aus medizinischer Perspektive musste man sich auf die Aussagen des Patienten verlassen, der bspw. bei Dehnübungen Veränderungen verspürte. Oder aber ein Therapeut konnte durch seine Berührung Veränderungen an den Faszien feststellen. Festgehalten werden muss an dieser Stelle: Eine wissenschaftlich akzeptable Quantifizierbarkeit, also eine objektive Messbarkeit, fehlte.
Mittlerweile hat sich dies glücklicherweise geändert: Mithilfe sehr sensibler Ultraschallgeräte können diverse Aspekte, die die Faszien betreffen, untersucht werden. Dazu gehören u. a.:

  • Dicke
  • Beweglichkeit
  • Festigkeit
  • Elastizität
  • Wassergehalt

Überdies lassen sich mithilfe von Laboruntersuchungen mittlerweile auch die biochemischen Bestandteile der Faszien hinsichtlich ihres Zustands vor und nach dem Training genauer betrachten.

Was soll durch Faszientraining erreicht werden?

Umbauprozesse in den Faszien führen auf Dauer zu Verklebungen und Versteifungen ebendieser. Die Verschiebbarkeit der Faszien wird so eingeschränkt und es kann zu bspw. Rückenschmerzen kommen. Diese Folgen der Umbauprozesse verursachen u. a. deshalb Schmerzen, weil sich innerhalb der Faszien viele Schmerzrezeptoren befinden.
Durch ein effizientes Training sollen ebendiese Verklebungen behoben werden können. Dieses Training setzt vor allem Bewegung als wichtigen Faktor voraus. Denn gerade das Verweilen in bspw. eingefallener Körperhaltung sowie mangelnde Bewegung führen zu besagten Verklebungen. Entgegengewirkt werden soll diesem Umstand durch regelmäßige Bewegung sowie Dehnübungen.
Als Ziele des Faszientrainings gelten grob zusammengefasst:

  • Leistungssteigerung und verbesserte Regeneration im Rahmen der Trainingswissenschaft
  • Lösen beharrlicher „Problemfelder“ des Körpers im Rahmen der Therapie hin zur Beschwerdefreiheit
  • Aktivierung positiver Selbsthilfemechanismen im Sinne der Vorbeugung → Faszien sollen besser stützen, schützen und stabilisieren
  • Möglicherweise hat ein Faszientraining auch ästhetischen Effekt. Versprochen werden eine straffe Haut sowie ein „jugendlich-federnder Gang“.

Ein solcher Trainingseffekt soll erzielt werden können, wenn man sich im Training an den 5 Säulen des Faszientrainings orientiert. Diese 5 Säulen bestehen aus:

  • Fascial Stretch: Diese Säule umfasst verschiedene Dehnungsübungen, die der Erneuerung des faszialen Netzwerks dienen sollen.
  • Fascial Elasticitiy: Hierbei stehen elastisches Arbeiten sowie Federungen im Vordergrund, die für mehr Bewegungselastizität sorgen sollen.
  • Fascial Power: Diese Säule behandelt das Krafttraining, mithilfe wessen das Fasziennetzwerk spannungsvoller und somit kommunikativer werden soll.
  • Fascial Flow: Die Faszien werden durch Flüssigkeit versorgt, welche mithilfe dieser Säule wieder in den Fluss gebracht werden soll.
  • Fascial Sense: Hier stehen Übungen mit der Faszienrolle im Vordergrund. Diese soll durch Anwendung auf der Haut dafür sorgen, dass wir direkt Einfluss auf unser sensorisches System, also unsere Wahrnehmung von bspw. Lage im Raum, Temperatur und Schmerzen, nehmen können.

Mehr Informationen zu den Faszien in diesem Video

Wollen Sie mehr über Faszien wissen? Dr. Tobias Weigl geht im nachfolgenden Beitrag auf das bindegewebige Netzwerk in unserem Körper ein und erörtert Wissenswertes rund um die Entdeckung der Faszien in der Vergangenheit, ihre wesentlichen Funktionen im Körper sowie ihre therapeutische Bedeutung. Der nachfolgende Beitrag markiert den ersten von drei Teilen einer dreiteiligen Video-Serie.

Im Folgenden widmet sich dieser Artikel verstärkt dem Thema Faszienrolle und erörtert deren wissenschaftlich nachgewiesen Nutzen.

Was verspricht die Faszienrolle?

Die Arbeit mit der Faszienrolle bildet einen Teil des Arbeitsfelds mit dem Namen „Myofascial Release“. Darunter versteht man laut der Deutschen Gesellschaft für Myofascial Release e. V. eine körpertherapeutische Einzelbehandlung, bei der durch die Manipulation tiefsitzender Bindegewebsrestriktionen versucht wird, mithilfe des Fasziensystems den Gesamtorganismus so zu beeinflussen, dass ihm zu neuer Vitalität und Balance verholfen wird. Die Methode verspricht eine differenzierte Behandlung des Fasziensystems, mithilfe welcher sich die Verschiebbarkeit und Beweglichkeit des Bindegewebes verbessern, Gelenke entlasten sowie stereotype Bewegungsmuster auflösen lassen. Im Rahmen dieser Behandlung kommen spezielle Grifftechniken zum Einsatz, um Manipulationen im Tiefengewebe vorzunehmen. Mitunter verwendet der entsprechende Therapeut sogar Ellenbogen oder Knöchel, um die entsprechenden Bereiche erreichen und gezielt behandeln zu können.
Die Arbeit mit der Faszienrolle dient der Selbstmassage. Faszienrollen-Hersteller werben damit, dass ihr Produkt Effekte in den Bereichen Mobilisierung, Aktivierung und Regeneration erzielen. Überdies formulieren sie als Ziele die Herstellung bzw. Wiederherstellung maximaler schmerzfreier Bewegungsfreiheit, das Erlangen eines sogenannten posturalen Gleichgewichts – dabei geht es um die Symmetrie und Harmonie von Körperhaltung und Gleichgewicht – sowie den gezielten Abbau von Dysbalancen, also bspw. Unterschiede in der Beuge- und Streckmuskulatur.
Yoga-Trainer unterstreichen die entspannende und wohltuende Wirkung einer solchen myofaszialen Massage, mithilfe derer Verklebungen im Gewebe gelöst und zähflüssige Grundsubstanz wieder zum Fließen gebracht werden soll. Auf diese Weise soll die Gleitfähigkeit im Gewebe wiederhergestellt werden bzw. erhalten bleiben. Das Rollen sorge unter anderem auch dafür, Giftstoffe aus dem Gewebe zu transportieren.
Aber was ist wirklich dran am Nutzen der Faszienrolle? Diese Frage soll im nachfolgenden Kapitel beantwortet werden.

Die Faszienrolle in der Medizin – Hilfsmittel, Hype oder gar Gefahr?

Die Rolle der Faszien im Rahmen der Schmerztherapie wird in Teilen als bisweilen zu vernachlässigt eingestuft. Sie könnten bspw. eine weitaus größere Bedeutung im Rahmen der Behandlung unspezifischer Rückenschmerzen haben als bisher angenommen. Das soll aber noch lange nicht heißen, dass Faszienrollen das „Wundermittel“ darstellen, als welches sie teilweise gehandelt werden. Nicht jede Form von Schmerz lässt sich mit dem Hilfsmittel behandeln. Fans der Myofascial-Release-Therapie schreiben den Faszien eine weitaus größere Bedeutung zu, als die wissenschaftliche Sachlage eigentlich zulässt. Es sind immer noch weitere Studien vonnöten, welche die Wirksamkeit der Faszienrolle und ähnlicher Therapien belegen.
Bisher ist die Forschung dahingehend – gelinde gesagt – noch sehr übersichtlich. Eine Studie von Scott W. Cheatham et al. aus dem Jahr 2015 hat die Wirksamkeit der Faszienrolle in Bezug auf Beweglichkeit, Muskelerholung und -leistung untersucht. Grund für die Studie war die unzureichende Studienlage angesichts der häufigen Verwendung der Rolle als physiotherapeutisches Hilfsmittel. Die Forscher wollten herausfinden, ob sich durch den Einsatz einer Faszienrolle die Gelenkbeweglichkeit verbessern lässt und ob die Verwendung der Faszienrolle einen positiven Effekt auf die Muskelerholung nach dem Training hat. Des Weiteren sollte untersucht werden, ob die Anwendung einer Faszienrolle vor dem Training die Muskelleistung während des Trainings beeinflusst. Die Studie hat ergeben, dass Faszienrollen wahrscheinlich einen kurzzeitigen positiven Einfluss auf die Gelenkbeweglichkeit haben, ohne dabei negativen Einfluss auf die Muskelleistung zu haben. Des Weiteren könnte sie dazu beitragen, verminderte Muskelleistung auszugleichen und Muskelkater zu behandeln. Die Wirkung eines Einsatzes der Faszienrolle vor einer Trainingseinheit konnte nicht abschließend geklärt werden. Allerdings scheint die Verwendung der Rolle in diesem Zusammenhang keinen Effekt zu haben.

Wenig Forschung

Eine weitere Studie, von Chris Beardsley und Jakob Škarabot, beschäftigte sich mit dem Thema „Self-Myofascial Release“, also dem Effekt der zuvor erläuterten Myofascial-Release-Therapie bei Eigenanwendung. Sie haben herausgefunden, dass ebendieses Faszientraining im Allgemeinen zu einer erhöhten Flexibilität und weniger Muskelkater beitragen kann, während es die athletische Leistung nicht mindert. Darüber hinaus könne ein solches Training möglicherweise zu verbesserter Arterien- und Gefäßfunktion, vermehrter Aktivität des parasympathischen Nervensystems und dementsprechend auch zur Erholung beitragen. Strittig ist dieser Forschung zufolge noch der Langzeiteffekt auf die Flexibilität.
Zusammengefasst lassen sich lediglich eine verbesserte Gelenkbeweglichkeit sowie ein verringerter Muskelkater als wissenschaftlich erwiesene Wirkungen der Faszienrolle festhalten. In Bezug auf viele andere Fragestellungen ist bisher noch keine Übereinstimmung erzielt worden, sodass weitere Forschung vonnöten ist.
Ein Problem, das aus der geringen tiefergehenden Forschungslage resultiert, besteht darin, dass viele Therapeuten o. Ä. bei der Behandlung von Faszien lediglich die Grundlagenforschung heranziehen, um ihr Handeln zu rechtfertigen. Dies kann einige Gefahren bergen, auch im Zusammenhang mit der Faszienrolle.

Exkurs: Parasympathisches Nervensystem
Der Parasympathikus ist Teil unseres vegetativen Nervensystems, das wir nur in sehr geringem Ausmaß durch unseren Willen beeinflussen können. Der Parasympathikus wird dann aktiv, wenn unser Körper in einen Ruhezustand versetzt wird. Dadurch werden diverse Prozesse in unserem Körper eingeleitet. Aufgrund seiner entspannenden Funktion wirkt der Parasympathikus aktivierungshemmend und verdauungsfördernd. Des Weiteren senkt er Blutdruck, Energiebedarf und Herzfrequenz, um den Körper so vor Überbeanspruchung zu schützen.
Mehr über den Parasympathikus sowie seinen Gegenspieler, den Sympathikus, das Zusammenspiel der beiden Nervensysteme und ihren Aufbau erfahren Sie in den zwei nachfolgend aufgeführten Artikeln:

Gefahren

Einige Experten warnen vor möglichen Nebenwirkungen der Faszienrolle. Der Druck, der bei Einsatz der Rolle auf das Gewebe ausgeübt wird, ist rund zehn Mal so hoch wie der Druck, den der stärkste Kompressionsstrumpf ausüben kann. Dies könne vor allem in Zusammenhang mit Diabetes oder bei Rauchern – beides häufige Gründe für vorgeschädigte Blutgefäße – Gefahren bergen. Außerdem ist die Hin-und-her-Bewegung der Faszienrolle möglicherweise schädlich, da auf diese Weise das Blut in falscher Richtung durch die Venenklappen gedrückt würde, sodass es langfristig zur Bildung von Krampfadern kommen könnte. Es bestehen indes also auch Risikofaktoren, angesichts derer der Gebrauch einer Faszienrolle nur in Absprache mit einem Arzt erfolgen sollte. Dazu gehören u. a.:

  • Venenschwäche
  • Thrombose
  • Krampfadern
  • Durchblutungsstörungen
  • Einnahme von Blutverdünnern, z.B. ASS
Haben Sie schon einmal eine Faszienrolle verwendet? Wenn ja: Was wollten Sie mit der Verwendung erreichen? (Mehrfachnennungen möglich) Mit Ihrer Teilnahme an dieser Umfrage helfen Sie anderen Menschen dabei, ihre Situation besser einschätzen zu können.

Häufige Patientenfragen

Auf welche Art können Faszien Schmerzen verursachen?

Dr. T. Weigl
Für die Entstehung von Schmerzen im Bereich der Faszien sind vier wichtige Aspekte zu nennen: Stress, falsche Ernährung, zu wenig Bewegung und eine dauerhaft einseitige Belastung. Diese führen zu Verklebungen und Verfilzungen in den Faszien, wodurch Schmerzen entstehen. Diese Faszienschmerzen werden wahrgenommen, da etwa 80 Prozent aller Sensoren in unserem Körper als freie Nervenendigungen vorliegen. Es liegen also auch viele Schmerzrezeptoren, über die Schmerzsignale aufgenommen und weitergeleitet werden, in den tieferliegenden Faszien.
Diesem Thema habe ich mich im nachfolgenden Video ausgiebig gewidmet. Ich gehe dabei unter anderem im Detail der Frage nach, warum Faszien verkleben und wie diese Verklebungen wiederum Schmerzen verursachen.

Wie kann man seine Faszien gesund halten?

Dr. T. Weigl
Im Grunde können Sie dies tun, indem Sie einige Punkte berücksichtigen. Wichtig für gesunde Faszien sind Bewegung, Dehnung, Streckung, intensive Belastung mit ausreichender Pause im Anschluss, gesunde Ernährung, Stressreduktion und ein Training, das federnde und sprunghafte Bewegungen beinhaltet. Dazu zählen bspw. Seilspringen oder Trampolinhüpfen.
Im nachfolgenden Beitrag gehe ich auf ein Faszientraining ein, das vor allem bei Rückenschmerzen sinnvoll ist.

Was ist unspezifischer Rückenschmerz?

Dr. T. Weigl
Als unspezifische Rückenschmerzen bezeichnet man all jene Rückenschmerzen, die eine Ursache haben, die aber bislang noch nicht bekannt ist. Daher werden unspezifische Rückenschmerzen auch nicht als Erkrankung, sondern als Symptom betrachtet. Häufig führen nicht einmal aufwändige diagnostische Verfahren zu einer Erkenntnis in Bezug auf die Ursache. Oft sind aber entweder eine unter- bzw. fehlentwickelte (bspw. einseitig) Rückenmuskulatur oder Probleme mit Bändern, Faszien oder Sehnen für die Schmerzen verantwortlich.
Auch hierzu habe ich einen Video-Beitrag erstellt, in dem ich mich des Themas „Unspezifische Rückenschmerzen“ im Detail annehme.

Etwas verstimmt schlägt Frida Zuhause die Tür fester zu, als sie es sonst tut. „In Anbetracht der Forschung zum Thema Faszientraining mit Faszienrolle – und die ist bisher leider nicht sonderlich ertragreich – würde ich Ihnen als Diabetikerin davon noch abraten.“, hat ihr Diabetologe gesagt. Zwar ist Frida ob dieser Aussage etwas verstimmt, aber der Muskelkater ist ja noch nicht unerträglich. Und sie muss sich auch eingestehen, bisher einfach damit gelebt zu haben, ohne sich weiter über andere Möglichkeiten zu informieren. Sie hat die Faszienrolle einfach als Multifunktionslösung für mehrere Probleme gleichzeitig betrachtet, hätte sich und ihren Gefäßen damit aber möglicherweise auf lange Sicht mehr geschadet als geholfen. Sie beschließt, weitere Erkenntnisse abzuwarten und sich gegebenenfalls in der Zukunft über den korrekten Umgang mit einer Faszienrolle schulen zu lassen.

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Die hier beschriebenen Punkte (Krankheit, Beschwerden, Diagnostik, Therapie, Komplikationen etc.) erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Es wird genannt, was der Autor als wichtig und erwähnenswert erachtet. Ein Arztbesuch wird durch die hier genannten Informationen keinesfalls ersetzt.

Autoren: Dr. Tobias Weigl, Tobias Möller
Veröffentlicht: 10.12.2018

Quellen

  • Marcel Andrä et al. (2015): Funktionelles Faszientraining mit der BLACKROLL®. Riva Verlag, München.
  • Chris Beardsley, Jakob Škarabot (2015): Effects of self-myofascial release: A systematic review. In: Journal of Bodywork and Movement Therapies 2015 Oct;19(4):747–58.
  • Scott W. Cheatham et al. (2015): The effects of self-myofascial release using a foam roll or roller massager on joint range of motion, muscle recovery, and performance: A systematic review. In: international Journal of Sports Physical Therapy 2015 Nov;10(6):827–38.
  • Deutsche Gesellschaft für Myofascial Release e. V.: Was ist Myofascial Release? In: myofascial.de.
  • Marcel Doll (2014): Das ultimative Schlingentraining – Effizient funktionell trainieren. Riva Verlag, München.
  • Veronika Hackenbroch (2018): Von der Rolle. In: DER SPIEGEL 48/24, S. 118–120.
  • Kyle Stull (2018): Foam Rolling – Die effektivsten Faszienmassagen für mehr Beweglichkeit, eine schnellere Regenration und weniger Verletzungen. Riva Verlag, München.
  • Amiena Zylla (2018): Yoga mit der Faszienrolle – Mehr Beweglichkeit und Geschmeidigkeit. Gräfe und Unzer, München.
[Gesamt:9    Durchschnitt: 4.7/5]

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