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Rückenschmerzen – Spezifische & unspezifische Ursachen

Was sind die Ursachen? Man weiß, dass ca. 80 Prozent aller Rückenschmerzen unspezifische Ursachen sind. Nur 20 Prozent sind spezifische Ursachen. Unspezifische Rückenschmerzen sind Rückenschmerzen, wo man keine klaren Veränderungen an der Wirbelsäule hat, keine klaren anatomischen Korrelate oder Gründe. Oftmals sind das Verspannungen in der Muskulatur.
— Dr. Tobias Weigl

Von Medizinern geprüft und nach besten wissenschaftlichen Standards verfasst

Dieser Text wurde gemäß medizinischer Fachliteratur, aktuellen Leitlinien und Studien erstellt und von einem Mediziner vor Veröffentlichung geprüft.

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Rückenschmerzen (sog. ‚lumbale Rückenschmerzen‘) können vielfältige Ursachen haben. Allen Fällen gemein ist, dass der Schmerz zwischen Gesäß und unterem Rippenbogen lokalisiert werden kann. Die Behandlung hängt von der Diagnose ab, in vielen Fällen ist überhaupt keine von Nöten. Oftmals verschwinden die Schmerzen von alleine. Dennoch muss darauf geachtet werden, dass diese nicht chronisch werden.

„Autsch!“, zischt Martha und lässt beinahe die Kiste Wasser fallen. Ein unangenehmer Schmerz ist ihr in den Rücken geschossen. Genau genommen im unteren Bereich ihres Rückens. Ist das etwa ein Bandscheibenvorfall? Sie ist doch noch keine 40! Martha hat in der Zeitung gelesen, dass Rückenschmerzen die Volkskrankheit Nummer 1 seien. Oder sind es vielleicht doch nur die Muskeln? Sie beschließt beim Arzt anzurufen.

Wie ist der Rücken aufgebaut?

Der menschliche Rücken besteht aus Muskelpartien und der Wirbelsäule, durch die das Rückenmark läuft. Darüber hinaus stützt sie den Körper und federt Stöße ab. Dies ist möglich durch die s-förmige Krümmung.

Die Wirbelsäule besteht aus unterschiedlichen Segmenten. Die 24 Wirbelknochen (sog. ‚Vertebae‘) sind untereinander mit kleinen Gelenken verbunden. Jeder einzelne Wirbelknochen besteht aus einem Wirbelbogen (sog. ‚Arcus vertebrae‘), einem Wirbelkörper (sog. ‚Corpus vertebrae‘) und einem Wirbelloch (sog. ‚Foramen vertebrale‘). Durch letzteres läuft das Rückenmark, welches den zentralen Nervenkanal des menschlichen Körpers darstellt. Über das Rückenmark sind alle Organe und Extremitäten mit dem Gehirn verbunden.

An den Wirbelknochen befinden sich knöcherne Ansätze, über die die Wirbelknochen mit Muskelsträngen verbunden sind. Zwischen den einzelnen Wirbelknochen sitzen – außer zwischen den ersten beiden Halswirbeln – Bandscheiben. Diese wirken wie Stoßdämpfer in einem Auto und federn Stöße ab. Bandscheiben (sog. ‚Discus interverrebalis‘) bestehen aus zwei Teilen: dem Kern (sog. ‚Nucleus polpusus‘), welcher aus einer gallertartigen Masse besteht und mit Flüssigkeit angereichert ist und dem Ring (sog. ‚Anulus fibrosus‘), der aus einer Membran bestehend den Kern umschließt.
 

Unspezifische Rückenschmerzen

Der Großteil – ca. 80 Prozent – der Beschwerden im unteren Rückenbereich zwischen Gesäß und unterer Rippen (sog. ‚lumbale Rückenschmerzen‘) sind nicht auf spezifischen Ursachen zurückzuführen. Diese unspezifischen Ursachen können einfach nur Verspannungen der Muskeln oder eine Dehnung der Sehnen sein.

Abgehend von muskulären Ursachen spielen vor allem psychosoziale Faktoren eine Rolle in der Entstehung der Beschwerden. Solche Faktoren wären beispielsweise mangelnde Fitness und Mobilität (physiologisch- organischer Faktor), erhöhte Empfindsamkeit, wenn es um körpereigene Signale geht (kognitiv-emotionaler Faktor) sowie Probleme am Arbeitsplatz und im Beruf (sozialer Faktor). All diese Einflüsse spielen bei Rückenschmerzen eine Rolle.

Sollten die Schmerzen länger als drei Monate anhalten, so spricht man von chronischen Rückenschmerzen.

Exkurs: Spezifische Ursachen für Rückenschmerzen

Rückenschmerzen sind nicht gleich Rückenschmerzen. Nur in 20 Prozent der Fälle gibt es spezifische Ursachen, auf die der Schmerz zurückzuführen ist. Welche sind die bekanntesten? Wir haben für Sie eine kleine Liste der häufigsten spezifischen Ursachen für Rückenbeschwerden zusammengestellt.

  • Bandscheibenvorfall (sog. ‚Diskusprolaps‘)

    Bei einem sogenannten Bandscheibenvorfall kommt es zu einer Zerstörung des Anulus fibrosus der Bandscheibe. Teile des Kerns befinden sich dadurch außerhalb der Membran. Der kurze, stechende Schmerz, der plötzlich eintreten kann, entsteht dadurch, dass der hinausgelangte Kern auf die Nerven drückt. Daneben strahlt der Schmerz oft in das linke oder rechte Bein.
    Betroffen sind vor allem Menschen zwischen dem 30. und dem 50. Lebensjahr. Allerdings gehören Schwangere und Menschen mit dauerhafter Fehlbelastung und Übergewicht ebenso zur Risikogruppe.

  • Degenerative Veränderungen (sog. ‚Spondylosis deformans‘)

    Durch altersbedingten Verschleiß der Wirbelknochen kann es zu einer Degeneration dieser kommen. Eine Folge der degenerativen Veränderungen ist die Entstehung knöcherne Kanten oder Randzacken (sog. ‚Spondylophyt‘) an den Wirbelknochen. Bei einer Spondylarthrose hingegen kommt es zu einem Verschleiß der Wirbelgelenke.
    Eine weitere Folge der Degeneration der Wirbelsäule kann eine Verengung des Wirbelkanals sein (sog. ‚Spinalstenose‘). Auch hier spielt das Alter eine entscheidende Rolle.

  • Morbus Bechterew

    Die Autoimmunkrankheit, die meist ab dem 25. Lebensjahr auftritt, betrifft die einzelnen Wirbelgelenke, die chronisch entzündet sind. Die chronischen Entzündungen führen zu einer Versteifung der Wirbelsäule. Tiefsitzende Schmerzen im Rücken sind ein Anzeichen für diese Krankheit, Bewegung schafft Linderung. Morbus Bechterew ist ein Beispiel für eine Veränderung der Wirbelsäule aufgrund von Entzündungen.

  • Skoliose

    Besonders in der Periode zwischen dem 10. und dem 12. Lebensjahr kann es zu einer seitlichen Verkrümmung der Wirbelsäule kommen (sog. ‚Idiopathische Skoliose‘). Diese Verkrümmung entsteht durch unterschiedliche Wachstumsgeschwindigkeiten der Wirbelknochen: Wächst beispielsweise die linke Seite schneller als die rechte, krümmt sich die Wirbelsäule insgesamt nach rechts. Frauen sind sechs Mal häufiger betroffen als Männer. Betroffene spüren zunächst kaum Schmerzen, allerdings fällt die schiefe Körperhaltung auf.

Wie oben bereits erwähnt, ist die Ursache für Rückenschmerzen in 80% der Fälle von unspezifischer Natur. In ungefähr 20% der Fälle handelt es sich um eine spezifische Ursache. Waren Sie schonmal aufgrund von Rückenschmerzen beim Arzt?
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Einen kurzen Überblick zum Thema Rückenschmerzen

Sind Rückenschmerzen das sichere Zeichen für einen Bandscheibenvorfall? Wie viele Deutsche leiden pro Jahr an den Schmerzen in der Rückenpartie? Einen Überblick über spezifische und unspezifische Ursachen von Rückenschmerzen und zur Verteilung innerhalb der Gesellschaft gibt Dr. Tobias Weigl im folgenden Video!

 

Wer ist davon betroffen?

Ein Einblick in die verschiedenen Krankheitsbilder zeigt, dass Rückenschmerzen ein durchaus vielschichtiges Problem darstellt. Aufgrund der verschiedenen Ursachen kann nicht eine bestimmte Gruppe, beispielsweise aufgrund des Alters oder des Geschlechts, als besonders gefährdet betrachtet werden.

Allerdings kann ein Zusammenhang zwischen einer körperlich schwereren Arbeit und der Entstehung von Rückenschmerzen hergestellt werden: Wer öfter hebt und schwere Gegenstände trägt, hat ein höheres Risiko, an Rückenschmerzen zu leiden. Viele Rückenerkrankungen wie die Diskusprolaps gehört zur Liste der anerkannten Berufskrankheiten.
 

Was tut der Arzt? Teil 1: Die Diagnose

Wie bei jedem Arztbesuch erfolgt als erstes die Anamnese, also die Befragung des Patienten nach seinem Befinden. Das klare Ziel ist hierbei herauszufinden, wo der Schmerz sitzt, was für ein Typ vorliegt, wie lange die Beschwerden schon anhalten und was deren Auslöser sein könnte.

Vor allem die Dauer der Beschwerden ist relevant für die Diagnose. Je länger der Zeitraum ist in dem die Schmerzen auftreten, desto dringender sollte eine bildgebende Untersuchung wie Computertomographie oder Kernspintomographie erfolgen.

Um bei der Diagnostik in die Tiefe zu gehen, bedarf es weiterer Untersuchungen. Gerade bei Rückenbeschwerden lohnt sich zunächst die Betrachtung des Rückens selbst: Ist eine schiefe oder gekrümmte Haltung mit dem bloßen Auge zu erkennen? Der Finger-Boden-Abstand gibt Einblick in die Beweglichkeit der Wirbelsäule. Dafür beugt man bei ausgestreckten Beinen den Oberkörper nach vorne. Ziel ist es, mit den ausgestreckten Armen so nah an den Boden zu kommen wie möglich. Ein Abstand von mehr als 10 cm zwischen Boden und Fingerkuppen weist auf eine steife Wirbelsäule.

Eine Messung der Blutwerte kann ebenfalls nützlich sein. So können erhöhte Parameter Hinweise für Entzündungen geben.

Letztendlich geben erst radiologische Verfahren Gewissheit, ob es zu Veränderungen an der Wirbelsäule gekommen ist. Im Rahmen einer Computertomographie kann ein Arzt erkennen, ob beispielsweise der Spinalkanal verengt ist (sog. ‚Spinalstenose’). Anhand einer Kernspintomographie kann erkannt werden, ob die Bandscheibe verrutscht ist (sog. ‚Diskusprolaps‘).

Fakten-Box
Lumbale Rückenschmerzen
Symptome

  • Lokalisiert zwischen Gesäß und Rippenbogen
  • Schmerzepisoden
  • Unspezifische Schmerzen treten in einem Zeitraum von bis zu sechs Wochen auf

 

Was tut der Arzt? Teil 2: Die Behandlung

Wie bereits angedeutet, ist die Behandlung von Rückenschmerzen aufgrund der Diversität der Erkrankungsmöglichkeiten gar nicht so einfach. Die jeweilige Behandlungsmethode hängt natürlich von der Diagnose des Arztes ab.

Bei unspezifischen Schmerzen – das bedeutet, dass die Schmerzursache nicht zu lokalisieren ist – sollte zunächst auf eine konservative Behandlung vertraut werden. In den wenigsten Fällen ist eine Operation überhaupt von Nöten.

Zunächst sollte der Patient seine normalen Bewegungsabläufe beibehalten. Das bedeutet: keine Schonung und keine Bettruhe! Dies sollten Sie jedoch immer in dem Ihnen möglichen Rahmen tun und soweit es die Beschwerden erlauben.

Daneben sollten Sie nicht-medikamentöse Therapien und Behandlungen aufsuchen. Bei nicht-chronischen Schmerzen bieten sich mehrere Verfahren an.

  • Entspannungsverfahren wie Autogenes Training oder Progressive Muskelrelaxation
  • Bewegungs- und Sporttherapie
  • Manuelle Therapie wie Chirotherapie und Manipulation
  • Wärmetherapie

Begleitend können Sie Schmerzmittel wie Paracetamol und Ibuprofen nehmen, damit sich Schmerzen nicht festsetzen und alltägliche Bewegungsabläufe schmerzfrei durchgeführt werden können.

Rückenschmerzen selber therapieren?

Natürlich ersetzt nichts die begleitende und unterstützende Therapie vonseiten eines Physio- oder Ergotherapeuten oder eines Arztes. Dennoch können auch Sie selbst aktiv werden und mit einfachen Übungen Zuhause dem Rücken etwas Gutes bereiten. In einem kurzen Video erklärt Dr. Tobias Weigl, welche Übungen für die eigenen Vier Wände besonders gut geeignet sind.

Leiden Sie oder Personen die Sie kennen unter Rückenschmerzen? Wenn ja, wie viele?
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Häufige Patientenfragen

Sind Rückenschmerzen immer Folgen zerschlissener Bandscheiben?

Dr. T. Weigl
Der Glaube hält sich hartnäckig, doch 80 Prozent aller Rückenschmerzen haben keine spezifischen Ursachen wie zum Beispiel Erkrankungen als Ursache. Grund für die Beschwerden ist häufig eine Verspannung von Muskeln, Sehnen und Bändern.

 

Reicht es wenn ich bei leichten Rückenschmerzen abwarte, bis sie verschwinden?

Dr. T. Weigl
Rückenschmerzen bedeuten nicht sofort den Arztbesuch. Allerdings können Sie sich nicht darauf verlassen, dass die Beschwerden nach einigen Tagen von selbst verschwinden. Wichtig ist, dass Sie sich keine Bettruhe verordnen und Bewegungen auf keinen Fall vermeiden. Dehnungen der Muskulatur sind Maßnahmen, die Sie selbst ergreifen können, um eine Chronifizierung der Schmerzen zu vermeiden!

 

Mit Irrtümern aufräumen!

Neben den häufigen Patientenfragen werden Ärzte wie Dr. Tobias Weigl mit einigen Vorurteilen und Mythen zum Thema Rückenschmerzen konfrontiert. Ist ein Hexenschuss ein anderes Wort für Bandscheibenvorfall? Je weniger Bewegung desto besser bei Beschwerden? Dr. Tobias Weigl räumt in einem weiteren Video mit den sieben Rücken-Irrtümern auf.

 

Wie kann ich lumbale Rückenschmerzen vorbeugen?

Da bei unspezifischen Rückenschmerzen die Ursachen nicht immer klar sind, gibt es keine gezielten Präventionsmaßnahmen.
Eine gute Fitness und ausreichend Bewegung sind jedoch ein grundsätzlich guter Ausgangspunkt. Neben gezieltem Muskeltraining in der Freizeit, können Sie auch im Berufsalltag für ausreichend Bewegung sorgen. Nehmen Sie beim nächsten Mal im Büro anstelle des Aufzugs die Treppe oder nehmen Sie das Fahrrad zum kleinen Einkauf beim Discounter um die Ecke.

Vier Wochen später: Martha weiß leider immer noch nicht, was genau die Ursachen für ihre Rückenschmerzen gewesen sind. Sie ist wohl eine von 80 Prozent, die unspezifische Rückenschmerzen haben. Die von ihrer Hausärztin verschriebene Wärmetherapie, in Kombination mit Schmerzmittelchen wie Paracetamol, haben Martha tatsächlich geholfen. Nun, einige Wochen später, kann sie wieder ohne Schmerzen die Wasserkiste in ihre Wohnung tragen.

Haben auch Sie mit Rückenschmerzen zu kämpfen oder hatten damit in Ihrer Vergangenheit zu tun? Haben Sie Fragen zu diesem Thema? Nutzen Sie unsere Kommentarfunktion unten für den Austausch untereinander und mit uns!

Autoren: Andrea Lorenz und Dr. Tobias Weigl
Lektorat: Schajan Salahijekta

Die hier beschriebenen Punkte (Krankheit, Beschwerden, Diagnostik, Therapie, Komplikationen etc.) erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Es wird genannt, was der Autor als wichtig und erwähnenswert erachtet. Ein Arztbesuch wird durch die hier genannten Informationen keinesfalls ersetzt.

Quellen

  • Wolfram Karges, Sascha Al Dahouk (2009): Innere Medizin … in 5 Tagen, Springer-Verlag, Heidelberg.
  • Wolfgang Piper (2013): Innere Medizin. Springer-Verlag, Berlin/ Heidelberg.
  • Christian Prinz (2012): Basiswissen Innere Medizin. Springer-Verlag, Heidelberg.
  • Robert-Koch-Institut (Hrsg.)(2013): Rückenschmerzen. Gesundheitsberichterstattung des Bundes. Heft 53. RKI, Berlin.
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