Sign up with your email address to be the first to know about new products, VIP offers, blog features & more.

Bluthochdruck (Hypertonie) – Symptome | Diagnose | Therapie

Weil Bluthochdruck oft über Jahre nicht erkannt wird, ist diese
Erkrankung besonders gefährlich.

— Dr. Tobias Weigl

Von Medizinern geprüft und nach besten wissenschaftlichen Standards verfasst

Dieser Text wurde gemäß medizinischer Fachliteratur, aktuellen Leitlinien und Studien erstellt und von einem Mediziner vor Veröffentlichung geprüft.

Quellen ansehen
 
Viele Betroffene leben jahrelang mit erhöhtem Blutdruck, ohne spezifische Symptome zu entwickeln. Langfristige Schädigungen am Gefäßsystem können dabei trotzdem entstehen – und gefährlich werden.

 

 

Tanja kommt gerade in dem Moment in die Mitarbeiterküche, als Lars eine
Kopfschmerztablette in ein Wasserglas wirft. Schon öfter hat sie beobachtet, dass er regelmäßig Kopfschmerztabletten nimmt. Auch ist er seit Wochen müder als sonst. Sie spricht ihn darauf an. ‚Schon wieder Kopfschmerzen?’ fragt sie. Lars nickt müde: ‚Ja, und mir ist auch ein bisschen schwindelig. Vielleicht sollte ich mal ein paar Tage zu Hause bleiben und mich erholen.’ ‚Das ist eine gute Idee’, pflichtet Tanja ihm bei, ‚aber geh doch mal zum Arzt – nicht dass da mehr dahintersteckt.’

 

Was versteht man unter Hypertonie (Bluthochdruck)?

Hypertonie ist der medizinische Fachbegriff für Bluthochdruck, eine Erkrankung, bei der der Blutdruck dauerhaft erhöht ist. Man spricht von einer Hypertonie, wenn der Blutdruck bei wiederholten Messungen zu unterschiedlichen Tageszeiten oberhalb der Normwerte liegt.
Der von der Weltgesundheitsorganisation WHO festgelegte Grenzwert, der als international anerkannt gilt, liegt bei 140/90 mmHg.
 
Als Blutdruck bezeichnet man den allgemeinen Druck, mit dem das Blut, ausgehend vom Herzen, durch den Gefäßkreislauf gepumpt wird. Sein Wert, der in mmHg (Millimeter Quecksilbersäule) angegeben wird, wird durch die Herzleistung und die Weite der Blutgefäße bestimmt. Gemessen wird bei der Blutdruckmessung die Menge Blut, die pro Minute vom Herzen in das Gefäßsystem gepumpt wird; man spricht auch vom sog Herzminutenvolumen.
 
Dieser Vorgang ist sehr komplex und unterliegt sowohl tageszeitlichen als auch psychischen und hormonellen Schwankungen. Nachts ist der Blutdruck bspw. eher niedrig, morgens dagegen erhöht.
 
Der optimale Wert des Blutdrucks liegt bei 120/80 mmHg. Der erste Wert beschreibt den systolischen Druck, der während des Pumpens in den Arterien herrscht. Der zweite Druck wiederum ist der diastolische Druck, der herrscht, während das Herz sich wieder mit Blut füllt.

Die Symptome: Woran erkennt man Bluthochdruck (Hypertonie)?

Zunächst, insbesondere in einem frühen Stadium, tritt Bluthochdruck nicht durch spürbare Symptome oder Veränderungen in Erscheinung.
 
Weil aber schon ein geringfügig erhöhter Blutdruck die Organe und Gefäße des menschlichen Körpers langfristig schädigen kann, sollte bestimmten Symptomen mit besonderer Aufmerksamkeit begegnet werden. Diese sind zwar nicht spezifisch für Bluthochdruck, treten aber häufig in Kombination auf und weisen auf einen erhöhten Blutdruck hin. Als erhöht gilt schon ein Blutdruck ab 130/80 oder 135/85 mmHg:

  • Kopfschmerzen (v. a. in den Morgenstunden)
  • Schwindel
  • Schlafstörungen
  • Herzklopfen
  • Ohrensausen
  • Nasenbluten
  • Müdigkeit
  • Nervosität
  • Atemnot
  • Schmerzen in der Herzgegend

Oftmals werden derartige Symptome als Tagesform, Wetterfühligkeit oder allgemeines Unwohlsein abgetan. Treten sie gehäuft oder regelmäßig auf, ist jedoch ein Besuch beim Arzt angeraten – denn mit den langfristigen Schädigungen an Organen, Herz und Gefäßsystem, die erhöhter Blutdruck auslösen kann, ist nicht zu spaßen.

Die Ursachen: Wie entsteht Bluthochdruck (Hypertonie)?

Trotz umfangreicher Untersuchungen ist eine organische Ursache für Bluthochdruck in vielen
Fällen nicht zu erkennen. Bei den meisten Patienten bleibt die Ursache, durch welche die Hypertonie entsteht, daher ungeklärt.
 
Kann keine organische Ursache diagnostiziert werden, spricht man von einer primären Hypertonie. Tatsächlich aber hat die Medizin eine Reihe von Risikofaktoren ermittelt, die
Bluthochdruck zwar nicht direkt auslösen, aber zumindest begünstigen:

  • Stress (v. a. langanhaltende Belastung)
  • Übergewicht
  • Bewegungsmangel
  • erbliche Disposition
  • hoher Salz- oder Lakritzkonsum

In anderen Fällen kann Hypertonie auch auf einer bereits bestehenden Grunderkrankung beruhen, die den Bluthochdruck verursacht, bspw.:

  • Nierenerkrankungen
  • Nierenarterienstenose (Verengung der Arterien in der Niere)
  • Störungen im Hormonhaushalt

Wen kann es erwischen?

Grundsätzlich können jede Altersgruppe und jedes Geschlecht von einer Hypertonie betroffen sein. Neben der erblichen Vorbelastung gelten insbesondere Menschen als gefährdet, die rauchen, übergewichtig sind oder unter ständigem Stress stehen.

 

Hat ein Arzt bei Ihnen eine Hypertonie diagnostiziert? Welche dieser Symptome traten bei Ihnen auf? (Mehrfachnennungen möglich) Damit helfen Sie anderen Lesern, ihre Symptome besser einzuschätzen.
Abstimmen
 

Gibt es spezielle Fälle?

Wie hoch der Blutdruck in einer bestimmten Situation ausfällt, hängt stark von persönlichen, psychischen und situationsbedingten Faktoren ab. So können bspw. Patienten, die eigentlich einen normalen Blutdruck haben, in Anwesenheit eines Arztes erhöhten Blutdruck aufweisen. Dieses Phänomen nennt man Weißkittel-Hypertonie.
 
Auch das genaue Gegenteil kann der Fall sein: Hier zeigen die Werte eines Patienten, der tatsächlich an Bluthochdruck leidet, in Anwesenheit eines Arztes keinen besonderen Ausschlag. In diesem Fall spricht man von einer maskierten Hypertonie.

 

Gut zu wissen!
Im Laufe der Evolution hat sich das Thema Bluthochdruck zu einem wichtigen Forschungstrend entwickelt. Während es noch in den 1950er Jahren kaum eine Therapiemöglichkeit gegen die Erkrankung gab, lässt sich Hypertonie heute oft erfolgreich behandeln. Und das ist auch gut so: Denn immer mehr Kinder haben schon in jungem Alter „einfach so“ Bluthochdruck – noch vor einigen Jahrzehnten war das ein absoluter Ausnahmefall.

 

Was tut der Arzt? Teil 1: Die Diagnose

Bluthochdruck ist eine Erkrankung, die in den meisten Fällen im Rahmen einer Untersuchung auf ganz andere Erkrankungen diagnostiziert wird. Da die Symptome so unspezifisch sind, kommen die wenigsten Patienten mit dem Verdacht auf Hypertonie zum Hausarzt. Oftmals wird der erhöhte Blutdruck bei einer Routinemessung entdeckt – der erhöhte Wert sollte dann im Auge behalten und zu einem anderen Zeitpunkt erneut gemessen werden.
 
Vermutet der Hausarzt einen erhöhten Blutdruck, wird er die regelmäßige Kontrolle des Blutdrucks verordnen und dem Patienten Blut abnehmen, um eine Laboruntersuchung durchführen zu können. Parallel erfolgt eine Anamnese, also eine Befragung des Patienten über seinen Allgemeinzustand, eventuelle ähnliche Fälle in der Familiengeschichte sowie Beschwerden und Symptome, die ins Krankheitsbild der Hypertonie passen.
 
Eine körperliche Untersuchung vermittelt dem Arzt weitere Anhaltspunkte. Dabei wird an beiden Armen eine Blutdruckmessung vorgenommen; diese sollte sowohl im Liegen als auch im Stehen sowie zu unterschiedlichen Tageszeiten erfolgen, um ein möglichst breites Bild abzugeben. Darüber hinaus wird der Brustraum abgehört, um den Herzschlag zu überprüfen und Strömungsgeräusche im Gefäßsystem zu ermitteln.
 
Um seine Diagnose zu stützen und zu überprüfen, ordnet der Arzt in der Regel eine 24-Stunden-Langzeitmessung an. Hierbei wird mithilfe eines mobilen Messgerätes, das den Patienten 24 Stunden lang überwacht, ein Blutdruckprofil über einen ganzen Tagesverlauf erstellt. Auf diese Weise lassen sich Erscheinungen wie die Weißkittel-Hypertonie (erhöhter Blutdruck in Anwesenheit eines Arztes) und die maskierte Hypertonie (normaler Blutdruck in Anwesenheit eines Arztes) ausschließen.

 

Fakten-Box
Hypertonie
Bluthochdruck

Frauen: Männer 1:1
keine spezifische Altersgruppe
ca. 90% aller Hypertonien treten als Primäre Hypertonie auf
 
Blutdruckwerte im Überblick
Optimal: 120/80 oder niedriger
Normal: 120/80 bis 130/85
Hochnormal: 130/85 bis 139/89
Bluthochdruck (Stadium 1): 140/90 bis 159/99
Bluthochdruck (Stadium 2): 160/100 bis 179/109
Bluthochdruck (Stadium 3): höher als 180/110
Symptome

  • Kopfschmerzen (v. a. in den Morgenstunden)
  • Schwindel
  • Schlafstörungen
  • Herzklopfen
  • Ohrensausen
  • Nasenbluten
  • Müdigkeit
  • Nervosität
  • Atemnot
  • Schmerzen in der Herzgegend

Was tut der Arzt? Teil 2: Die Behandlung

Weil es infolge einer Hypertonie in den meisten Fällen zu einer Schädigung der Blutgefäße kommt, sind langfristige Auswirkungen auf das Herz- und Gefäßsystem zu erwarten.
 
So steigt durch den dauerhaft hohen Druck in den Arterien, die das Blut vom Herzen in die Organe transportieren, die Wahrscheinlichkeit, dass sich Ablagerungen an den Arterienwänden bilden. Verkalken die Gefäßwände, spricht man von einer Arteriosklerose. Diese kann zu Folgeerkrankungen wie der koronaren Herzkrankheit (KHK), Herzinfarkten oder Schlaganfällen führen. Auch in den Organen, die aufgrund der Verkalkung nicht mehr zu 100 Prozent versorgt werden, können schwere Gewebeschädigungen auftreten. Davon betroffen sind in erster Linie das Herz, die Nieren und das Gehirn.
 
Eine Behandlung ist daher notwendig und sollte so schnell wie möglich nach der Diagnose einer Hypertonie begonnen werden.

Exkurs: Der Herzinfarkt

In diesem Video erklärt Dr. Tobias Weigl, neben einigen allgemeinen Informationen, was sie bei Brustschmerzen und den Verdacht auf einen Herzinfarkt tun sollten.
 

 
Welche Therapieform im individuellen Fall gewählt wird, richtet sich in der Regel nach dem Risiko, an einer schwerwiegenden Folgeerkrankung zu erkranken. Möglich sind sowohl medikamentöse als auch nicht-medikamentöse Behandlungsformen. Beide verfolgen dasselbe Ziel: Der Blutdruck sollte auf einen Wert gesenkt werden, der unter 140/90 mmHg liegt. Bei Diabetikern sollten langfristig sogar weniger als 130/80 mmHg erreicht werden.
 
Bei einer nicht-medikamentösen Therapie steht Änderung des Lebensstils im Fokus der Behandlung. Anker der Therapie sind folgende Bereiche:

  • Körpergewicht: Normalisierung des Gewichts, insbesondere Reduktion des Bauchfetts, da dieses blutdrucksteigernde Hormone produziert
  • Bewegung: Regelmäßige Bewegung stärkt das Herz, baut Stress ab und hilft bei der Gewichtsreduzierung. Spaziergänge, Schwimmen und Radfahren gelten als sinnvoll.
  • Ernährung: Um den Blutdruck zu senken, sollte die Ernährung weitgehend auf Salz
    verzichten, denn Salz bindet Wasser im Körper und kann den Blutdruck erhöhen. Eine ausgewogene Ernährung mit Obst, Gemüse und magerem Fleisch und Fisch hilft beim Ausgleich des Blutdrucks.
  • Rauchen: Rauchen fördert die Ablagerung von arteriellem Plaque in den Arterien und steigert die Herzfrequenz. Um den Blutdruck dauerhaft zu senken, sollte auf Zigaretten verzichtet werden.
  • Alkohol: Auch Alkoholkonsum trägt zu erhöhtem Blutdruck bei und sollte reduziert werden.
  • Stressabbau: Wer dauerhaft unter Strom steht, erhöht die Herzfrequenz und damit auch den Blutdruck. Stresspatienten sollten lernen, sich zu entspannen.

Ist die Hypertonie stark ausgeprägt oder führen die nicht-medikamentösen Therapiebausteine zu keinem Ergebnis, kann eine medikamentöse Therapie angewendet werden. Dabei können nach einem Stufenschema verschiedenen Substanzen zum Einsatz kommen, die sich am Schweregrad der Hypertonie, am Risiko des Patienten und dem Therapieerfolg orientieren:

  • Betablocker senken die Pulsfrequenz und die Pumpleistung des Herzens.
  • ACE-Hemmer senken den Gefäßwiderstand und vermindern die Blutmenge, die pro Minute transportiert wird.
  • Hormone und Enzyme des Renin-Angiotensin-Aldosteron-Systems regulieren den Blutdruck sowie den Wasser- und Salzgehalt im Körper.
  • Diurektika erhöhen die Nierenfunktion und sorgen dafür, dass mehr Wasser und Salz ausgeschieden wird.

Häufige Patientenfragen

Ist Bluthochdruck heilbar?

Dr. T. Weigl
Bislang ist die medizinische Forschung noch nicht so weit, dass Bluthochdruck abschließend heilbar ist. Mithilfe geeigneter Medikamente und Therapiemaßnahmen können die hohen Werte zwar auf ein normales Maß gesenkt werden, jedoch muss die Therapie langfristig weiterverfolgt werden.

Kann ich die Medikamente absetzen, sobald mein Blutdruck wieder normal ist?

Dr. T. Weigl
Nein, Sie sollten blutdrucksenkende Mittel auf keinen Fall eigenmächtig absetzen, sondern stets Rücksprache mit Ihren Hausarzt halten. Weil die genauen Ursachen für Bluthochdruck oft nicht ermittelt werden können, handelt es sich um eine langfristige Therapie: Die Dosis der einzelnen Wirkstoffe kann zwar unter Umständen herabgesetzt werden; ein vollständiger Verzicht auf die er Medikamente ist aber eher unwahrscheinlich.

Kann ich Bluthochdruck vorbeugen?

Dr. T. Weigl
Durch eine gesunde Lebensweise lässt sich Bluthochdruck tatsächlich in gewissem Sinne vorbeugen. Ein normales Körpergewicht, regelmäßige Entspannung und Bewegung sowie eine gesunde Ernährung tragen dazu bei, den Blutdruck zu normalisieren und Folgeerkrankungen zu vermeiden.

Muss man Bluthochdruck behandeln?

Bluthochdruck gehört zu einer Gruppe von stillen Erkrankungen, die oftmals ohne Beschwerden und Symptome verlaufen, die aber unbedingt behandelt werden sollten.
 
Weil durch einen dauerhaft erhöhten Blutdruck u. a. das Gefäßsystem geschädigt wird, gilt Hypertonie als Risikofaktor für Herz- und Gefäßerkrankungen. Auch Nierenleiden können durch eine Hypertonie begünstigt werden. Typische Folgeerkrankungen, die durch Bluthochdruck entstehen können, sind Nierenschädigungen, ein Herzinfarkt oder ein Schlaganfall. Begünstigt werden diese Risiken zudem durch Erkrankungen wie Diabetes mellitus, Übergewicht oder Arteriosklerose. Auch Raucher zählen zur Risikogruppe.

Verwandte Themen

 

Ein paar Tage später ist Lars wieder an seinem Arbeitsplatz. Er sieht viel frischer aus und scheint auch keine Kopfschmerzen mehr zu haben, fällt Tanja auf. Sie fragt Lars, wie es ihm geht. ‚Schon viel besser’, antwortet Lars. ‚Auf der Suche nach der Ursache für meine Müdigkeit und Kopfschmerzen hat der Arzt festgestellt, dass mein Blutdruck zu hoch ist. Der wird jetzt erst mal mit Medikamenten eingestellt. Und in der Mittagspause gehe ich jetzt immer spazieren.’

 
Haben auch Sie Erfahrungen mit Bluthochdruck? Haben Sie Fragen zum Thema? Nutzen Sie unsere Kommentarfunktion unten für den Austausch untereinander und mit uns!

 
Autor: Dr. Tobias Weigl, Christine Pepersack
Lektorat: Claudia Scheur
Veröffentlicht: 21.05.2018
 
Die hier beschriebenen Punkte (Krankheit, Beschwerden, Diagnostik, Therapie, Komplikationen etc.) erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Es wird genannt, was der Autor als wichtig und erwähnenswert erachtet. Ein Arztbesuch wird durch die hier genannten Informationen keinesfalls ersetzt.

 

Quellen

  • Klaus-Peter Schaps/Oliver Kessler/Ulrich Fetzner (2007): Innere Medizin. Springer
    Verlag, Heidelberg.
[Gesamt:2    Durchschnitt: 5/5]

Noch keine Kommentare.

Was denkst Du?

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.