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Sympathikus – Kampf und Flucht – Der anregende Teil des vegetativen Nervensystems

„Der Sympathikus ist Teil des vegetativen Nervensystems und seine Aktivität kann von uns nur schwerlich beeinflusst werden. Er versetzt unseren Körper bei Stresssituationen in erhöhte Leistungsbereitschaft. Diesen Umstand bezeichnet man auch als ‚fight or flight reaction‘.“
— Dr. Tobias Weigl


Von Medizinern geprüft und nach besten wissenschaftlichen Standards verfasst

Dieser Text wurde gemäß medizinischer Fachliteratur, aktuellen Leitlinien und Studien erstellt und von einem Mediziner vor Veröffentlichung geprüft.

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Unser Nervensystem besteht aus all unseren Nervenzellen und ist dafür zuständig, dass Prozesse in unserem Körper funktionieren. Es nimmt Reize auf, verarbeitet diese und löst dann entsprechende Reaktionen wie Muskelbewegungen oder Schmerzen aus. Generell unterscheidet man zwischen dem somatischen und dem vegetativen Nervensystem. Während das somatische Nervensystem für willkürliche Vorgänge zuständig ist, steuert das vegetative Nervensystem all jene Vorgänge, die wir nicht direkt willentlich beeinflussen können, bspw. die Atmung oder den Stoffwechsel. Das vegetative Nervensystem wird noch einmal unterteilt in das sympathische, das parasympathische und das enterische Nervensystem. Dieser Artikel widmet sich dem Teil des Nervensystems, der vom Sympathikus gesteuert wird, also dem sympathischen Nervensystem. Dieser versetzt den Körper in sowohl geistige als auch körperliche Leistungsbereitschaft. Wie genau der Sympathikus funktioniert und welche Vorgänge er ohne unser Zutun steuert, erfahren Sie im nachfolgenden Artikel.

Thomas hat sich mehrere Tage auf den Vortrag in seinem Geschichtsseminar vorbereitet. Schließlich hängt davon seine Note ab. Doch egal, wie gut er vorbereitet ist, sein Körper macht vor Referaten immer Sachen, die Thomas nicht steuern kann. Zuerst ist Thomas immer nervös. Er bereitet sich auf die Stresssituation vor, gleich vor einem Haufen neunmalkluger Kommilitonen zu stehen, die ihn anschauen und makellose Arbeit von ihm erwarten – ganz zu schweigen vom Professor, der ihn letztlich bewertet. Dann fängt er aber immer an, zu schwitzen. Seine Herzfrequenz ist erhöht, das Herz schlägt kräftiger als sonst und sprengt ihm bald den Brustkorb. „Komisch, was der Körper so mit einem treiben kann“, denkt sich Thomas und entscheidet, sich mal mit den wissenschaftlichen Aspekten einer solch übertriebenen Reaktion auseinanderzusetzen – sobald er den Vortrag hinter sich gebracht hat.

Was macht unser Nervensystem und wie ist es aufgebaut?

Zunächst einmal klären wir, wofür der Begriff Nervensystem letztlich steht. Definiert ist das Nervensystem als Gesamtheit der menschlichen Nervengewebe. Am bekanntesten sind sicherlich das Gehirn und das Rückenmark, aber auch der Sehnerv, der Ischias-Nerv und viele andere mehr. Es ist für die Erfassung, Weiterleitung, Auswertung und Speicherung von Informationen zuständig, die unser Körper aufnimmt.

Mithilfe sogenannter Rezeptoren kann das Nervensystem Veränderungen sowohl am Körper als auch in der Außenwelt wahrnehmen. Diese Veränderungen erzeugen Reize, die wiederum über sogenannte afferente Nervenfasern zu verschiedenen Zentren des Nervensystems geleitet und dort verarbeitet werden. Über sogenannte efferente Nervenfasern, also welche, die von den jeweiligen Zentren wegführen, werden Reaktionen oder Antworten innerhalb des Organismus übermittelt. Man kann das Nervensystem also grob als Mittel zur Kommunikation in unserem Organismus betrachten.

Zentrales und peripheres Nervensystem – wo befindet sich was?

In Bezug auf die Lage im Körper wird das Nervensystem in ein zentrales Nervensystem (kurz: ZNS) und ein peripheres Nervensystem (kurz: PNS) unterteilt. Dabei beinhaltet das zentrale Nervensystem unser Gehirn sowie unser Rückenmark, die durch unseren Schädel bzw. den Wirbelkanal geschützt werden. Alle anderen Nervenzellen und
-bahnen, die sich außerhalb dieses Bereichs befinden, gehören zum peripheren Nervensystem.

Das PNS beinhaltet diejenigen Nervenstränge, die vom Gehirn und Rückenmark in die Peripherie ausgehen und wieder zurück verlaufen. Darüber werden u. a. Muskeln, Drüsen und Organe gesteuert. Aber auch Signale von außen, die wir bspw. über Haut, Augen, Ohren usw. empfangen, werden über die Nerven übermittelt. Die Unterscheidung dieser beiden Nervensysteme ist aber lediglich lokaler Natur. Denn funktionell lassen sich ZNS und PNS nicht voneinander abgrenzen.

Willkürliches und unwillkürliches Nervensystem – was können wir steuern und was nicht?

Man kann allerdings funktionell zwischen dem willkürlichen Nervensystem (dem sog. ‚somatischen Nervensystem‘) und dem unwillkürlichen Nervensystem (dem sog. ‚vegetativen‘ oder auch ‚autonomen Nervensystem‘) unterscheiden. Das somatische Nervensystem ist dafür zuständig, alle dem Willen unterworfenen, also bewussten Vorgänge zu steuern, bspw. Bewegungen der Gliedmaßen. Das vegetative Nervensystem hingegen kann nur geringfügig willentlich beeinflusst werden. Es ist u. a. dafür zuständig, die Funktionen innerer Organe und Drüsen zu steuern und reguliert die Atmung, den Kreislauf und die Verdauung.

Dahingehend unternimmt man funktionell noch eine Unterscheidung zwischen sympathischem, parasympathischem und enterischem Nervensystem. Sympathikus und Parasympathikus fungieren größtenteils untereinander als Gegenspieler (sog. ‚Antagonisten‘), die in Phasen der Leistungsbereitschaft bzw. in Ruhephasen dominieren. Das enterische Nervensystem kann indes als eigenständiges Nervensystem betrachtet werden, da es ausschließlich für den Verdauungsapparat zuständig ist.

Zusammengefasst

  • Bezüglich der Lage unterscheidet man zwischen zentralem (Gehirn und Rückenmark) und peripherem Nervensystem (alle anderen Nervenbahnen).
  • Funktionell unterscheidet man zwischen willkürlichem (direkt von uns beeinflussbar) und unwillkürlichem Nervensystem (kaum von uns beeinflussbar).
  • Das unwillkürliche Nervensystem unterteilt man wiederum in das sympathische, parasympathische und enterische

Im Folgenden widmet sich dieser Artikel verstärkt dem Sympathikus, der besonders dann wirkt, wenn unser Körper in Leistungsbereitschaft versetzt werden muss.

Was ist der Sympathikus? Welche Funktionen hat er?

Sympathikus und Parasympathikus sind Teile des vegetativen Nervensystems außerhalb von Gehirn und Rückenmark. Sie sind zuständig für die Steuerung lebenswichtiger Vorgänge, zu denen mitunter zählen:

  • Atmung
  • Kreislauf
  • Herztätigkeit
  • Stoffwechsel
  • Schweißbildung

Der Sympathikus kommt dann zum Einsatz, wenn der Körper in Leistungsbereitschaft versetzt werden muss. Er hat eine aktivitätssteigernde (sog. ‚ergotrope‘) Funktion. Er sorgt dann u. a. für eine erhöhte Herz- oder Atemfrequenz, eine verbesserte Durchblutung der Muskulatur sowie vermehrte Schweißbildung. Man kann also sagen, dass der Sympathikus in Stresssituationen – unabhängig davon, ob diese tatsächlich besteht oder es sich um eine gefühlte Belastung handelt – dominiert.

Aktiviert wird der Sympathikus grundlegend durch

  • Emotionen
  • Blutdruckabfall
  • Unterzuckerung
  • Tumoren im Nebennierenmark
  • verschiedene Medikamente
  • Schmerzen

Aufbau von Neuronen

Um die Funktion des Sympathikus verständlich darlegen zu können, klären wir zunächst einige grundlegende Begriffe. Überall in unserem Körper befinden sich sogenannte Neurone. Sie stellen die funktionelle Grundeinheit des Nervensystems dar. Neurone bestehen meist aus einem Zellkörper inklusive mehrerer Fortsätze. Diese Fortsätze sind unterteilt in Axone (für die Signalweiterleitung) und Dendriten (für den Signalempfang). Die Übertragung von Signalen zwischen den Neuronen erfolgt wiederum über die sogenannten Synapsen. Bei diesen handelt es sich sozusagen um Umschaltstellen zwischen zwei Neuronen bzw. zwischen Neuron und Zielorgan. Jedes Neuron verfügt über mehrere Synapsen.

Die sympathischen Neurone verlaufen bis zum sogenannten Grenzstrang links und rechts der Wirbelsäule gleich. Die Umschaltung der sympathischen Fasern für Kopf, Brustorgane, Haut sowie Extremitäten findet am besagten Grenzstrang statt. Fasern für die Bauch- und Beckenorgane werden indes vor der Wirbelsäule (sog. ‚prävertebral‘) und in Organnähe umgeschaltet. Die Fasern für das Nebennierenmark werden direkt an den Zellen ebendieses Nebennierenmarks umgeschaltet.

Um die Erregungen über die Nervenbahnen weiterzuleiten, werden bestimmte Botenstoffe (sog. ‚Transmitter‘) benötigt. Im Fall des sympathischen Nervensystems sind dies meist Acetylcholin und Noradrenalin, zum Teil auch Adrenalin.

Über die Rollen von Adrenalin und Noradrenalin auf unser sympathisches Nervensystem geht Dr. T. Weigl in diesem Video ein.

Effekte des Sympathikus

Das Zielgewebe des Sympathikus – also der Ort, an den die Neuronen Reize weiterleiten – ist größtenteils glatte Muskulatur von Drüsen und Blutgefäßen. Der Sympathikus versetzt den Körper auf diese Weise in Leistungsbereitschaft. Wird er aktiviert, ergeben sich u. a. die folgenden Körperreaktionen:

  • erhöhte Reflextätigkeit
  • erweiterte Pupillen
  • erweiterte Bronchien (Lungenbläschen)
  • erhöhte Herzfrequenz
  • verbesserte Durchblutung der Muskulatur
  • verbesserte Sauerstoffversorgung
  • erhöhter Blutdruck
  • gehemmte Verdauungstätigkeit
  • erhöhte Spannung der Schließmuskeln

Gut zu wissen!

Die aktivitätssteigernde Funktion bzw. die Erhöhung der Leistungsbereitschaft durch den Sympathikus bezeichnet man auch als „fight or flight reaction“ (zu Deutsch ‚Kampf-oder-Flucht-Reaktion‘). Damit bezeichnet man die Alarmreaktion des Körpers, die Betroffene in eine erhöhte Abwehr- bzw. Fluchtbereitschaft versetzt.

Welche Störungen oder Erkrankungen stehen mit dem Sympathikus im Zusammenhang?

Es gibt diverse Störungen und Erkrankungen, die mit dem Sympathikus in Verbindung stehen können oder die durch eine entsprechende operative Maßnahme am Sympathikus behoben werden können. Im Folgenden sind daher beispielhaft einige Erkrankungen aufgeführt, deren Zusammenhang mit dem Sympathikus detaillierter erläutert werden soll.

Sympathikus-Überaktivität

Wie bereits erwähnt, hat der Sympathikus die wichtige Funktion, unseren Körper in entsprechenden Situationen auf erhöhte Leistungsbereitschaft zu schalten. Im Rahmen dieser Stimulation stehen dann vermehrt Kraft, Energie usw. zur Verfügung. Die Kehrseite aber besteht darin, dass ebendiese Leistungsbereitschaft auch mehr Energie und Sauerstoff verlangt, wodurch unser Organismus zunehmend „abgenutzt“ wird.

In Bezug auf Herz und Gefäße bedeutet dies, dass Herzfrequenz, Leistungsgeschwindigkeit, Blutdruck sowie die Kontraktilität unserer Organe und Gewebe (also ihre Fähigkeit, sich zusammenzuziehen) erhöht sind. Dadurch erhöht sich auch der Sauerstoffbedarf der Herzmuskulatur und es kann zu Herzrhythmusstörungen kommen.

Man muss in diesem Zusammenhang allerdings zwischen einer akuten und einer chronischen Überaktivität unterscheiden. Während die akute Sympathikus-Überaktivität tatsächlich nur in Akutsituationen auftritt und bei Training (z. B. Ausdauer-Training) sogar einen positiven Effekt haben kann, ist vor allem die chronische Form auf Dauer gefährlich. Denn durch sie nimmt die Herzmuskelmasse zu und der Remodeling-Prozess sowie der Zelltod der Herzmuskeln wird gesteigert. Unter Remodeling versteht man in der Medizin Umbauvorgänge des Gewebes als Reaktion auf Belastungen, Verletzungen oder entzündliche Prozesse. Der Sympathikus kann vor allem bei Herzinsuffizienz, Bluthochdruck, Diabetes mellitus und bei der Koronaren Herzkrankheit (KHK) überaktiv sein.

Gut zu wissen!

Bei Panikattacken treten häufig die typischen Symptomen einer Sympathikus-Überaktivität auf. Vor allem sind dies Atemnot, Blutdruckanstieg und Herzrasen. Der Kliniker Peter Hahn hat für die Beschreibung dieses Umstands den Begriff „sympathovasaler Anfall“ verwendet.

Horner-Syndrom

Unter dem Horner-Syndrom versteht man eine Störung desjenigen Sympathikusanteils, der das Auge mit Nerven versorgt. Diese Störung kann, je nach Lokalisation, unterschiedliche Ursachen haben. Man unterscheidet zwischen Schädigungen am 1. Neuron (zentral), am 2. Neuron (präganglionär) und am 3. Neuron (postganglionär).

Ursächlich sind bei der zentralen Form ein Hirnstamminfarkt sowie Verletzungen des Halsmarks. Bei der präganglionären Form sind es Tumoren. Und bei der postganglionären Form ebenfalls Tumoren, aber auch Cluster-Kopfschmerzen oder eine Dissektion der sogenannten Arteria carotis interna.

Die charakteristischen Symptome sind herabhängende Augenlider (sog. ‚Ptosis‘), eine Engstellung der Pupille (sog. ‚Miosis‘) sowie ein (Pseudo-)Enophthalmus. Letzterer beschreibt einen infolge der hängenden Lider scheinbar zurückgesunkenen Augapfel. Es kann außerdem zu verringerter Schweißbildung (sog. ‚Anhidrose‘) im Gesicht und an den Armen kommen.

Raynaud-Syndrom

Bei dem Raynaud-Syndrom (auch bekannt als Morbus Raynaud, Weißfingerkrankheit oder Leichenfinger) handelt es sich um eine Gefäßerkrankung. Es kommt zu plötzlichen Durchblutungsstörungen, infolge derer die Finger Betroffener zunächst weiß, dann blau und schließlich rot werden. Die Erkrankung ist meist gutartig und oft auch primär. Das heißt, dass sie nicht häufig die Folge einer Grunderkrankung ist. Allerdings ist dies dennoch möglich.

Zu einem sogenannten Raynaud-Anfall kommt es meist durch Kälte, Stress oder einen plötzlichen Temperaturwechsel. So können Außentemperaturen von unter 10 Grad Celsius bereits einen Anfall verursachen. Beizeiten kann sogar das Waschen der Hände mit kaltem Wasser einen Anfall provozieren. Der Grund für ebendiese (Über-)Reaktion ist bis heute nicht geklärt.

Die Gefäße werden aber durch den Sympathikus verengt, der sozusagen einen Gefäßkrampf (eine sog. ‚Vasospastik‘) erzwingt. Auf diese Weise fließt weniger Blut in die Finger, die dann weiß werden. Der dadurch entstehende Sauerstoffmangel kann dann eine Blaufärbung verursachen. In der Folge sammeln sich in den Gefäßen Stoffwechselabfallprodukte, die – vermutlich – dazu führen, dass wieder Blut in die Finger fließt. Da die Durchblutung dann zunächst stärker ausfällt, färben sich die Finger möglicherweise rot und brennen, stechen, pochen oder jucken.

Hyperhidrose

Bei der Hyperhidrose handelt es sich um die medizinische Bezeichnung für vermehrtes bzw. krankhaftes Schwitzen. Sie wird unterteilt in eine primäre (also nicht auf eine andere Ursache zurückzuführende) und eine sekundäre Form, die ihren Ursprung in einer anderen Erkrankung oder Störung hat. Ursachen können Grippe, eine Schilddrüsenüberfunktion, eine Krebserkrankung, eine Medikamentenvergiftung usw. sein.

Dem Sympathikus kommt vor allem im Zusammenhang mit der Therapie der Hyperhidrose Bedeutung zu. Bei der sekundären Form sollte immer die Grunderkrankung behandelt werden (bspw. korrekte Einstellung des Blutzuckers bei Diabetes mellitus). Hingegen kann eine primäre Hyperhidrose u. a. mithilfe einer sogenannten endoskopischen thorakalen Sympathektomie behandelt werden. Dabei handelt es sich um einen operativen Eingriff. Dabei werden bei dem bestimmte mit dem Sympathikus in Verbindung stehende Ganglien durchtrennt. Ganglien sind Anhäufungen von Nervenzellkörpern. In etwa 79 Prozent der Fälle konnte bei Patienten eine erhebliche Verbesserung der Schweißabsonderung, vor allem im Bereich der Handinnenflächen, erzielt werden. Mehr zum Thema Hyperhidrose erfahren Sie unserem Artikel „Schwitzen und krankhaftes Schwitzen (Hyperhidrose) – Ursachen, Diagnose & Therapie“.

Bluthochdruck

Wie bereits erwähnt (unter Sympathikus-Überaktivität), beeinflusst der Sympathikus bei Aktivierung sowohl Herzfrequenz als auch die Engstellung der Gefäße. Er beeinflusst somit direkt zwei wesentliche Parameter, die den Blutdruck bestimmen. Das sind nämlich der Gefäßwiderstand und die pro Minute in den Kreislauf gepumpte Blutmenge. Wenn sich der Blutdruck auf diese Weise erhöht, reagiert ein gesunder Organismus darauf, indem der sogenannte Baroreflex stimuliert wird. Dies hemmt dann die Sympathikusaktivität und senkt den Blutdruck wieder auf seinen Ausgangswert. Eine dauerhafte Überaktivität des Sympathikus hingegen kann zu Bluthochdruck führen.

Video-Exkurs: Bluthochdruck

Der Blutdruck bezeichnet denjenigen Druck, mit dem unser vom Herzen ausgehendes Blut durch den Gefäßkreislauf gepumpt wird. Aber was passiert, wenn dieser mal nicht normal ausfällt? Dieser und weiteren Fragen geht Dr. Tobias Weigl im nachfolgenden Video nach.

Fibromyalgie

Die Fibromyalgie, wörtlich etwa „Faser-Muskel-Schmerz“, ist eine multidimensionale Erkrankung, infolge derer sich Muskeln dauerhaft verhärten. Charakteristisch für die Erkrankung sind starke Muskelschmerzen gepaart mit Erschöpfung und/oder Schlafstörungen sowie weitere körperliche und zentralnervöse Begleitbeschwerden. Ihre Ursachen sind bis heute ungeklärt.

Die diversen körperlichen Beschwerden sind aber auf ein aus der Balance gebrachtes vegetatives Nervensystem zurückzuführen. Dadurch ist der Sympathikus im Ruhezustand überaktiv. Dies führt zu Ängsten und Depressionen, wodurch die Schmerzschwelle sinkt und der Leidensdruck durch die ohnehin chronischen Schmerzen steigt. Mehr zum Thema Fibromyalgie können Sie unserem ausführlichen Artikel „Das Chamäleon Fibromyalgie – Ursache, Symptome & Therapie des Muskelhartspanns“ entnehmen.

Video-Exkurs: Das Chamäleon Fibromyalgie

Auf das Thema Fibromyalgie geht Dr. Tobias Weigl noch einmal detaillierter in seinem nachfolgenden Video zum Thema ein. Er erörtert darin unter anderem, warum man die Erkrankung auch das „Chamäleon“ oder „Koryphäen-Killer-Syndrom“ nennt und wie eine Therapie der chronischen Muskelschmerzen im besten Fall erfolgt.

Hatten oder haben Sie eine der hier aufgeführten Erkrankungen, die mit dem Sympathikus in Verbindung stehen? Wenn ja, welche? (Mehrfachnennungen möglich.) Mit Ihrer Teilnahme an dieser Umfrage helfen Sie anderen Betroffenen dabei, ihre Situation besser einschätzen zu können.

Häufige Patientenfragen

Jetzt weiß ich, was der Sympathikus macht – Aber wofür ist der erwähnte Gegenspieler, der Parasympathikus, zuständig?

Dr. T. Weigl:
Der Parasympathikus fungiert in den meisten Fällen als direkter Gegenspieler des Sympathikus. Während der Sympathikus den Körper in Leistungsbereitschaft versetzt, ist der Parasympathikus für die Körperfunktionen im Ruhezustand zuständig. Es werden Stoffwechselvorgänge angekurbelt, die Verdauung aktiviert und es wird für Entspannung gesorgt. Der Parasympathikus verlangsamt bspw. die Herzfrequenz und verengt die Bronchien.

Alles Wissenswerte zum Parasympathikus lernen Sie in diesem eigenen Artikel zum Thema: „Parasympathikus – Ruhe und Verdauung – Der entspannende Teil des vegetativen Nervensystems

Was sind neuropathische Schmerzen?“

Dr. T. Weigl:
In diesem Zusammenhang spricht man auch von Nervenschmerzen. Diese sind meist Folge einer Beschädigung unserer Nerven, unabhängig davon, in welchem Nervensystem in unserem Körper sich diese befinden. Sie äußern sich vor allem in Form von Brennen, Stechen, Bohren oder Kribbeln und kommen gerade dann zum Tragen, wenn man sich entspannen möchte, in Ruhephasen. Oft sind neuropathische Schmerzen Folge einer Zuckerkrankheit. Dann spricht man von einer diabetischen Polyneuropathie.

Wenn Sie wissen möchten, welche weiteren Ursachen hinter neuropathischen Schmerzen stecken können, wie ebensolche Schmerzen behandelt werden und welche Risikofaktoren man unbedingt vermeiden sollte, empfehle ich die Lektüre unseres Artikels „Nervenschmerzen = Neuropathische Schmerzen – Symptome & Therapie“.

Ich habe mich dem Thema übrigens detailliert auch in einem Video gewidmet, in dem ich am lebenden Beispiel veranschauliche, wie man neuropathische Schmerzen lokalisieren kann.

Was sind Sympathomimetika?

Dr. T. Weigl:
Bei Sympathomimetika handelt es sich um Substanzen, welche u. a. die Neurotransmitter Adrenalin oder Noradrenalin „imitieren“ und das sympathische Nervensystem so aktivieren. Sie dienen dazu, den Körper zu aktivieren, und steigern den Blutdruck, die Herzfrequenz sowie die Fähigkeit unserer Muskeln, sich zusammenzuziehen. Gleichzeitig unterdrücken bzw. hemmen sie Verdauungsfunktionen. Sie kommen mitunter zum Einsatz bei Reanimationsversuchen, bei akuter Herzinsuffizienz oder bei akuten allergischen Reaktionen.

„So, so …“, murmelt Thomas vor sich hin, während er sich online über die wissenschaftlichen Aspekte von Stresssituationen informiert. Scheinbar gibt es da diese zwei Aspekte im Nervensystem, den Sympathikus und den Parasympathikus, die für seine körperlichen Reaktionen bei Referaten verantwortlich sind. Aber was kann er jetzt dagegen machen? Hyperhidrose – hat er das vielleicht? Landet er in dem besagten Teufelskreis? Ist er immer nervös und denkt, in einem unpassenden Moment zu schwitzen? Und ist es gerade das, was ihn letztlich zum Schwitzen bringt und sein Herz so doll schlagen lässt? Mal weiterlesen …

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Haben Sie weitere Fragen zum sympathischen Nervensystem? Haben Sie z. B. körperliche Schwierigkeiten in Stressituationen? Nutzen Sie unsere Kommentarfunktion unten, um von Ihren Erfahrungen zu berichten und sich mit anderen auszutauschen!

Autoren: Dr. Tobias Weigl, Tobias Möller
Redaktion: Marek Firlej
Veröffentlicht am: 09.12.2018

Die hier beschriebenen Punkte (Krankheit, Beschwerden, Diagnostik, Therapie, Komplikationen etc.) erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Es wird genannt, was der Autor als wichtig und erwähnenswert erachtet. Ein Arztbesuch wird durch die hier genannten Informationen keinesfalls ersetzt.

Quellen

  • Hans-Joachim Appell, Christiane Stang-Voss (2008): Funktionelle Anatomie – Grundlagen sportlicher Leistung und Bewegung. Springer-Verlag, Heidelberg.
  • Hugo A. Baar (2013): Schmerzbehandlung. Springer-Verlag, Heidelberg.
  • Hans Barop (2014): Lehrbuch und Atlas Neuraltherapie. Georg Thieme Verlag, Stuttgart.
  • Ernst-Albert Meyer (2015): Fibromyalgie-Syndrom – Magnesium als Therapieoption. In: pta forum 23/2015.
  • Heinz-Walter Delank, Walter Gehlen (2006): Neurologie. Georg Thieme Verlag, Stuttgart.
  • Deutsche Gesellschaft für Angiologie – Gesellschaft für Gefäßmedizin e. V. (2011) (Hg.): Die Durchblutungsstörung Raynaud-Phänomen.
  • Jens Huppelsberg, Kerstin Walter (2009): Kurzlehrbuch Physiologie. Georg Thieme Verlag, Stuttgart.
  • Krzysztof Narkiewicz (2011): Das sympathische Nervensystem: gut und böse zugleich. In: Druckpunkt 1/2011, S. 6f.
  • Johann Caspar Rüegg (2007): Gehirn, Psyche und Körper – Neurobiologie von Psychosomatik und Psychotherapie, 4. Auflage. Schattauer, Stuttgart.
  • Theodor H. Schiebler, Horst-W. Korf (2007): Anatomie – Histologie, Entwicklungsgeschichte, makroskopische und mikroskopische Anatomie, Topographie. Springer-Verlag, Heidelberg.
  • Michael Schünke (2009): Prometheus – Lernatlas der Anatomie. Georg Thieme Verlag, Stuttgart.
  • Stefan Silbernagl, Florian Lang (2005): Taschenatlas der Pathophysiologie. Georg Thieme Verlag, Stuttgart.
  • Kurt Stoschitzky (2004): Sympathikus-Überaktivität aus dem Blickwinkel der Kardiologie. In: Journal für Hypertonie 2/2004, S. 13–15.
[Gesamt:7    Durchschnitt: 5/5]

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