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Parasympathikus – Ruhe und Verdauung – Der entspannende Teil des vegetativen Nervensystems

„Soll unser Körper in Ruhe versetzt werden, leitet das parasympathische Nervensystem entsprechende Prozesse ein. Es signalisiert unserem Körper, dass wir entspannen können und beeinflusst entsprechend Herzfrequenz, Blutdruck, Atmung und Verdauung.“
— Dr. Tobias Weigl

Von Medizinern geprüft und nach besten wissenschaftlichen Standards verfasst

Dieser Text wurde gemäß medizinischer Fachliteratur, aktuellen Leitlinien und Studien erstellt und von einem Mediziner vor Veröffentlichung geprüft.

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Unser Nervensystem besteht aus all unseren Nervenzellen und ist dafür zuständig, dass Prozesse in unserem Körper funktionieren. Es nimmt Reize auf, verarbeitet diese und löst dann entsprechende Reaktionen wie Muskelbewegungen oder Schmerzen aus. Generell unterscheidet man zwischen dem somatischen und dem vegetativen Nervensystem. Während das somatische Nervensystem für willkürliche Vorgänge zuständig ist, steuert das vegetative Nervensystem all jene Vorgänge, die wir nicht direkt willentlich beeinflussen können, bspw. die Atmung oder den Stoffwechsel. Das vegetative Nervensystem wird dann noch einmal unterteilt in das sympathische, das parasympathische und das enterische Nervensystem. Dieser Artikel widmet sich dem parasympathischen Teil des Nervensystems, der den Körper in Ruhe versetzt. Im Folgenden wird erklärt, wie der Parasympathikus funktioniert und welche Vorgänge er steuert – er ist der Gegenpart vom sog. Sympathikus.

Manchmal stellt sich Jonas die komischsten Fragen. Auch in Bezug auf seine körperlichen Funktionen. Er bemerkt zum Beispiel häufig, dass er immer dann einen größeren Harndrang verspürt, wenn er sich auf dem Weg der Entspannung befindet. Beispielsweise dann, wenn er sich auf den letzten Metern seines Weges nach Hause befindet. Unterwegs merkt er davon kaum etwas. Sein Leben ist ja auch hektisch und er eilt von Seminar, zu Übung, zu Praktikum und kann sich über solche Dinge eigentlich keine Gedanken machen. Aber warum ist das so? Wie reguliert der Körper bestimmte Funktionen und wie passt er seine Funktionen an die Gegebenheiten an?

Was macht unser Nervensystem und wie ist es aufgebaut?

Zunächst einmal klären wir, wofür der Begriff Nervensystem letztlich steht. Definiert ist das Nervensystem als Gesamtheit der menschlichen Nervengewebe. Am bekanntesten sind sicherlich das Gehirn und das Rückenmark, aber auch der Sehnerv, der Ischias-Nerv und viele andere mehr. Es ist für die Erfassung, Weiterleitung, Auswertung und Speicherung von Informationen zuständig, die unser Körper aufnimmt.

Mithilfe sogenannter Rezeptoren kann das Nervensystem Veränderungen sowohl am Körper als auch in der Außenwelt wahrnehmen. Diese Veränderungen erzeugen Reize, die wiederum über sogenannte afferente Nervenfasern zu verschiedenen Zentren des Nervensystems geleitet und dort verarbeitet werden. Über sogenannte efferente Nervenfasern, also welche, die von den jeweiligen Zentren wegführen, werden Reaktionen oder Antworten innerhalb des Organismus übermittelt. Man kann das Nervensystem also grob als Mittel zur Kommunikation in unserem Organismus betrachten.

Zentrales und peripheres Nervensystem – wo befindet sich was?

In Bezug auf die Lage im Körper wird das Nervensystem in ein zentrales Nervensystem (kurz: ZNS) und ein peripheres Nervensystem (kurz: PNS) unterteilt. Dabei beinhaltet das zentrale Nervensystem unser Gehirn sowie unser Rückenmark, die durch unseren Schädel bzw. den Wirbelkanal geschützt werden. Alle anderen Nervenzellen und -bahnen, die sich außerhalb dieses Bereichs befinden, gehören zum peripheren Nervensystem.

Das PNS beinhaltet diejenigen Nervenstränge, die vom Gehirn und Rückenmark in die Peripherie ausgehen und wieder zurück verlaufen. Darüber werden u. a. Muskeln, Drüsen und Organe gesteuert. Aber auch Signale von außen, die wir bspw. über Haut, Augen, Ohren usw. empfangen, werden über die Nerven übermittelt. Die Unterscheidung der hier genannten Nervensysteme ist aber lediglich lokaler Natur. Denn funktionell lassen sich ZNS und PNS nicht voneinander abgrenzen

Willkürliches und unwillkürliches Nervensystem – was können wir steuern und was nicht?

Man kann allerdings funktionell zwischen dem willkürlichen Nervensystem (dem sog. ‚somatischen Nervensystem‘) und dem unwillkürlichen Nervensystem (dem sog. ‚vegetativen‘ oder auch ‚autonomen Nervensystem‘) unterscheiden. Das somatische Nervensystem ist dafür zuständig, alle dem Willen unterworfenen, also bewussten Vorgänge zu steuern, bspw. Bewegungen der Gliedmaßen. Das vegetative Nervensystem hingegen kann nur geringfügig willentlich beeinflusst werden. Es ist u. a. dafür zuständig, die Funktionen innerer Organe und Drüsen zu steuern und reguliert die Atmung, den Kreislauf und die Verdauung.

Dahingehend unternimmt man funktionell noch eine Unterscheidung zwischen sympathischem, parasympathischem und enterischem Nervensystem. Sympathikus und Parasympathikus fungieren größtenteils untereinander als Gegenspieler (sog. ‚Antagonisten‘), die in Phasen der Leistungsbereitschaft bzw. in Ruhephasen dominieren. Das enterische Nervensystem kann indes als eigenständiges Nervensystem betrachtet werden, da es ausschließlich für den Verdauungsapparat zuständig ist.

Zusammengefasst!

  • Hinsichtlich der Lage unterscheidet man zwischen zentralem und peripherem
  • Funktionell unterscheidet man zwischen willkürlichem und unwillkürlichem
  • Das unwillkürliche Nervensystem unterteilt man wiederum in das sympathische, parasympathische und enterische

Das nachfolgende Kapitel befasst sich mit der Funktion des Parasympathikus. Wenn Sie vorab mehr über den Sympathikus wissen möchten, der unseren Körper bei Gefahr entsprechend in Leistungsbereitschaft versetzt, empfehlen wir die Lektüre des entsprechenden Artikels „Sympathikus – Kampf und Flucht – Der anregende Teil des vegetativen Nervensystems“.

Was ist der Parasympathikus? Welche Funktionen hat er?

Wie eingangs bereits erwähnt, sind sowohl Sympathikus als auch Parasympathikus Teile des vegetativen Nervensystems außerhalb von Gehirn und Rückenmark. Sie steuern mitunter lebenswichtige Vorgänge wie:

  • Atmung
  • Kreislauf
  • Herztätigkeit
  • Stoffwechsel
  • Schweißbildung

Der Parasympathikus wird dann aktiviert, wenn die Leistungsbereitschaft des Körpers heruntergesetzt werden muss, zum Beispiel in Ruhephasen. Er wirkt aktivierungshemmend und fördert sowohl Verdauung als auch körperliche Ruhe. Er schützt auf diese Weise vor körperlicher Überbeanspruchung und senkt Energiebedarf, Blutdruck und Herzfrequenz. Der Mediziner spricht in diesem Zusammenhang von einer trophotropen Wirkung.

Gesteuert werden Sympathikus und Parasympathikus in verschiedenen Zentren unseres zentralen Nervensystems. Diese sind hierarchisch geordnet. Das limbische System ist in dieser Hierarchie am höchsten gelegen. Es ist mitunter für unseren emotionalen Antrieb zuständig. An zweiter Stelle steht der Hypothalamus. Dieser stellt das wichtigste Zentrum zur Steuerung vegetativer (also sympathischer, parasympathischer und enterischer) Funktionen dar. Unter anderem ist er zuständig für die Regulation unserer Körpertemperatur und unseres Blutdrucks. Auf Platz drei in der Hierarchie findet sich die sogenannte Medulla oblongata. Dieser Abschnitt des Hirnstamms übernimmt u. a. die Steuerung von Atmung und Kreislauf. An vierter Stelle steht dann das Rückenmark, dessen Aufgabe darin besteht, vom Rückenmark ausgehende (sog. ‚spinale‘) Reflexe zu steuern (z. B. den Achillessehnenreflex).

Grundlagen: Aufbau des Nervensystems

Im Folgenden soll die Funktionsweise des Parasympathikus verständlich dargelegt werden. Dazu bedarf es aber zunächst einiger Begriffserklärungen. In unserem Körper finden sich überall sogenannte Neurone. Diese bilden die funktionelle Grundeinheit des Nervensystems und bestehen meist aus einem Zellkörper mit mehreren Fortsätzen. Diese Fortsätze unterteilt man in Axone (für die Signalweiterleitung) und Dendriten (für den Signalempfang). Zwischen den Neuronen werden Signale wiederum über die sogenannten Synapsen übertragen. Das sind sozusagen Umschaltstellen zwischen zwei Neuronen bzw. zwischen Neuron und Zielorgan. Jedes Neuron hat mehrere Synapsen, die sich an seiner Oberfläche befinden. Sie wirken auf das Neuron entweder hemmend oder erregend.

Aufbau des Parasympathikus

Der Parasympathikus wird gemäß seines Ursprungs und seiner Wirkung in zwei Bereiche unterteilt, nämlich in den kranialen und den sakralen Teil.

Der kraniale Anteil des parasympathischen Nervensystems hat seinen Ursprung in den sogenannten Hirnnervenkernen im Hirnstamm. Von dort aus ziehen die parasympathischen Nervenfasern, bestehend aus Neuronen, zu den sogenannten parasympathischen Ganglien. Darunter versteht man Ansammlungen von Nervenzellkörpern, die sich an ebendieser Stelle verdicken. Haben die Signale ein entsprechendes Ganglion erreicht, ziehen sie zu den jeweiligen Zielorganen, wo sie dann ihre Wirkung entfalten.

Der kraniale Anteil versorgt u. a. Tränen-, Speichel- und Schweißdrüsen, Rachen, Kehlkopf, Herz, Lunge, Leber, Bauchspeicheldrüse, Nieren und Verdauungstrakt. Entsprechend hat er u. a. folgende Wirkungen:

Die Fasern des sakralen Anteils entspringen den Seitenhörnern bestimmter Rückenmarkssegmente und ziehen von dort zu den entsprechenden Zielorganen. Auf diese Weise versorgt werden u. a. Teile des Dickdarms, die Harnblase, die Harnröhre sowie die inneren und äußeren Genitalien. Die Wirkungen des sakralen Anteils sind daher u. a.:

  • Entleerung der Harnblase
  • Entleerung des Rektums
  • Erektion

Es existiert noch ein spinaler Teil des Parasympathikus im gesamten Bereich des Rückenmarks. Diesem entspringen dünne markhaltige Fasern, die Signale zur Gefäßerweiterung, Schweißhemmung und Aufrichtung der Hauthärchen weiterleiten.

Möglich machen die Weiterleitung von Reizen bzw. Signalen bestimmte Botenstoffe (sog. ‚Transmitter‘). Im Fall des Parasympathikus ist dies immer Acetylcholin.

Wirkung des Parasympathikus

Der Parasympathikus wirkt vor allem an der glatten Organmuskulatur und an diversen Drüsenzellen, z. B. am Magen-Darm-Trakt, an den Ausscheidungs- und Sexualorganen sowie an der Lunge. Er versetzt unseren Körper in einen Ruhezustand und wirkt so der Leistungsbereitschaft entgegen. Er senkt beispielsweise unsere Herzfrequenz, verengt die Luftwege, stellt unsere Pupillen eng und steigert die Verdauungsaktivität. All diese Funktionen wären in Gefahrensituation mehr als unerwünscht, tragen aber zu einer ordentlichen Ruhephase bei.

Gut zu wissen! Rest and digest

Die aktivitätshemmende Funktion bzw. das Einleiten einer Ruhephase durch den Parasympathikus wird auch mit den drei einfachen englischen Worten „Rest and digest“ (zu dt. etwa ‚ausruhen und verdauen“) beschrieben. Demgegenüber steht die durch den Sympathikus eingeleitete „fight or flight reaction“ (zu dt. ‚Kampf-oder-Flucht-Reaktion‘), mit der man die Alarmreaktion des Körpers beschreibt. Diese versetzt den Körper in eine erhöhte Abwehr- bzw. Fluchtbereitschaft.

Welche Störungen oder Erkrankungen stehen mit dem Parasympathikus im Zusammenhang?

Die komplexe, aber gleichzeitig sensible Struktur von Gehirn und Nervensystem arbeitet präzise. Dafür muss das System aber intakt sein, sodass bspw. Stoffwechselprozesse störungsfrei ablaufen können. Bis zu einem gewissen Grad können Störungen ausgeglichen werden – allerdings auch nur bis zu einem gewissen Grad. Eine zu starke Beschädigung kann die komplexen elektrischen und biochemischen Prozesse im Nervensystem stark beeinträchtigen. Dies führt dann zu einer Vielzahl neurologischer oder psychiatrischer Erkrankungen. Welche Erkrankung dabei genau auftritt, hängt sowohl vom Ort als auch von der Art des Schadens ab.

Häufig entstehen Schäden durch eine zu geringe Durchblutung – denn ist diese gehemmt oder gar unterbrochen, sterben möglicherweise Nervenzellen ab. Dann ergeben sich Funktionsstörungen. Weitere Ursachen für solche Funktionsstörungen sind eine ungünstige genetische Veranlagung, Bakterien, Viren und Giftstoffe sowie das körpereigene Immunsystem.

Im Folgenden sind zwei Erkrankungen aufgeführt, die näher mit dem parasympathischen Nervensystem in Verbindung stehen.

Pupillotonie

Eine Pupillotonie beschreibt eine harmlose vegetative Funktionsstörung und ist das Ergebnis einer postganglionären Schädigung des Parasympathikus. Man vermutet, dass es sich bei dem betroffenen Ganglion um das sogenannte Ganglion ciliare handelt. Eine solche Schädigung kann bspw. die Folge von Virusinfekten, Diabetes mellitus, Alkoholismus oder Gewalteinwirkungen von außen sein. Folgende Symptome können dabei auftreten:

  • Pupillenweite ist (meist) einseitig verändert
  • Lichtreaktion der Pupille ist verlangsamt oder bleibt aus
  • Pupillenerweiterung im Dunkeln ist verlangsamt
  • Naheinstellungsreaktion ist verzögert

Vagotonie

Unter einer Vagotonie versteht man eine Verschiebung des Gleichgewichts zwischen den „Gegenspielern“ Sympathikus und Parasympathikus – zugunsten des Parasympathikus. Es handelt sich dabei um eine funktionelle Störung des vegetativen Nervensystems, die mit verschiedenen Symptomen einhergeht. Darunter finden sich:

  • verringerte Herzfrequenz
  • erniedrigter Blutdruck
  • Verengung der Luftwege
  • erhöhte Darmaktivität
  • Pupillenverengung
  • Antriebslosigkeit

Es kommt also zu einer gesteigerten Parasympathikus-Aktivität. Diese war in der Forschung bisher bspw. als Folge der chronisch obstruktiven Lungenkrankheit (kurz: COPD) zu beobachten. Von dieser Krankheit Betroffene entwickeln unter Belastung eine Vagotonie, während die parasympathische Aktivität bei gesunden Probanden gleichbleibt.

Letztendlich führt die dauerhafte Erhöhung der parasympathischen Aktivität u. a. zu einer Senkung der Herzfrequenz, einem Nachlassen der Kontraktionskraft des Herzens und einer Verringerung des Gefäßwiderstands.

Hatten Sie schon einmal Beschwerden, die mit dem parasympathischen Nervensystem in Verbindung standen? Welche Medikamente haben Sie zur Behandlung verabreicht bekommen? Mit Ihrer Teilnahme an dieser Umfrage helfen Sie anderen Betroffenen dabei, ihre Situation besser einschätzen zu können.

Häufige Patientenfragen

Oft ist die Rede vom Gegenspieler, dem Sympathikus – Welche Aufgabe hat dieser Teil des Nervensystems?

Dr. T. Weigl:
Der Sympathikus steuert wie der Parasympathikus Atmung, Kreislauf, Stoffwechsel, Herzfrequenz und Schweißbildung – also lebenswichtige Vorgänge. Allerdings ist er anders als der Parasympathikus dafür zuständig, den Körper in Leistungsbereitschaft zu versetzen. Der Mediziner spricht in diesem Zusammenhang von einer ergotropen Wirkung. Der Sympathikus veranlasst, dass Atem- sowie Herzfrequenz erhöht werden, die Durchblutung der Muskulatur verbessert wird, der Körper mehr Schweiß bildet, der Blutdruck erhöht und die Verdauungstätigkeit gehemmt wird. All diese Funktionen sind erforderlich, wenn wir Leistung abrufen wollen.

Alles Wissenswerte zum Sympathikus lernen Sie in diesem eigenen Artikel zum Thema: „Sympathikus – Kampf und Flucht – Der anregende Teil des vegetativen Nervensystems“.

Was genau ist die Medulla oblongata?

Dr. T. Weigl:
Die Medulla oblongata, auch bekannt als „verlängertes Mark“, ist ein Teil des Hirnstamms. Der wiederum stellt ein wichtiges Regulationszentrum im menschlichen Gehirn dar. Die Medulla oblongata liegt zwischen dem Pons – dem mittleren Hirnstamm – und dem Rückenmark. In der Medulla oblongata befinden sich lebenswichtige funktionelle Zentren, darunter das Atem-, das Kreislauf- und das Brechzentrum. Sie gilt als wichtige Umschaltstelle für die aus dem Rückenmark kommenden sensiblen Fasern.

Was sind Parasympathomimetika?

Dr. T. Weigl:
Grob gesagt handelt es sich dabei um Medikamente, welche die Funktion des Parasympathikus nachahmen. Man unterscheidet zwischen direkten und indirekten Parasympathomimetika. Direkte Parasympathomimetika können wie der oben erwähnte Botenstoff Acetylcholin wirken und das parasympathische Nervensystem aktivieren. Gegenüber dem Botenstoff haben sie den Vorteil einer längeren Halbwertszeit, sie wirken also länger. Sie finden u. a. Anwendung bei der Behandlung von erschlaffter Blasen- oder Darmmuskulatur und bei der Behandlung des Grünen Stars. Wirkstoffe sind bspw. Carbachol oder Pilocarbin. Indirekte Parasympathomimetika hingegen wirken etwas anders. Sie hemmen das Enzym Acetylcholinesterase, das für den Abbau des Botenstoffs Acetylcholin verantwortlich ist. So kann der Botenstoff länger am Rezeptor wirken. Hier kommen als Wirkstoffe Neostigmin, Physiostigmin, Pyridostigmin oder Distigminbromid infrage.

Jonas ist jetzt um einiges schlauer. Viele seiner körperlichen Funktionen, die er nicht direkt und willentlich beeinflussen kann, werden durch das vegetative Nervensystem reguliert, speziell von den beiden Gegenspielern Sympathikus und Parasympathikus. Ist er unterwegs und aktiv, so dominiert der Sympathikus, der Funktionen wie Wasserlassen und Verdauung hemmt und seinen Körper in Leistungsbereitschaft versetzt. Ist er aber Zuhause, so wirken diese Funktionen wie umgekehrt. Der Parasympathikus übernimmt dann wohl und aktiviert die Verdauung sowie weitere wichtige Stoffwechselprozesse, die der Erholung des Körpers dienen. Er kann sich gar nicht vorstellen, wie es wäre, wenn der Körper dauerhaft in Leistungsbereitschaft wäre. Das kann ja auf lange Sicht nicht gut gehen.

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Haben Sie weitere Fragen zum sympathischen Nervensystem? Haben Sie Erfahrungen mit entsprechenden Erkrankungen? Nutzen Sie unsere Kommentarfunktion unten, um zu berichten und sich mit anderen auszutauschen!

Autoren: Dr. Tobias Weigl, Tobias Möller
Redaktion: Marek Firlej
Veröffentlicht: 09.12.2018

Die hier beschriebenen Punkte (Krankheit, Beschwerden, Diagnostik, Therapie, Komplikationen etc.) erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Es wird genannt, was der Autor als wichtig und erwähnenswert erachtet. Ein Arztbesuch wird durch die hier genannten Informationen keinesfalls ersetzt.

Quellen

  • Hans-Joachim Appell, Christiane Stang-Voss (2013): Funktionelle Anatomie – Grundlagen sportlicher Leistung und Bewegung, 4. Auflage. Springer-Verlag, Heidelberg.
  • Peter Berlit (Hrsg.) (2006): Therapielexikon Neurologie. Springer-Verlag, Heidelberg.
  • Jessica Geitel (2016): Der Zusammenhang zwischen der Herzratenvariabilität und Stress. Dissertation Uni Tübingen.
  • Clemens Kirschbaum (Hrsg.) (2008): Biopsychologie von A bis Z. Springer-Verlag, Heidelberg.
  • Volker Klauß u. a. (2002): Duale Reihe Augenheilkunde. Georg Thieme Verlag, Stuttgart.
  • Gerhard K. Lang (Hrsg.) (2014): Augenheilkunde, 5. Auflage. Georg Thieme Verlag, Stuttgart.
  • Hermann Plötz (2014): Pflege mini Arzneimittel. Springer-Verlag, Heidelberg.
  • Johann Caspar Rüegg (2007): Gehirn, Psyche und Körper – Neurobiologie von Psychosomatik und Psychotherapie, 4. Auflage. Schattauer Verlag, Stuttgart.
  • Arnoldus J. R. van Gestel, Helmut Teschler (2014): Physiotherapie bei chronischen Atemwegs- und Lungenerkrankungen – Evidenzbasierte Praxis, 2. Auflage. Springer-Verlag, Heidelberg.
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