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Erhöhte Körpertemperatur – Ursachen & Therapie das Fieber zu senken

Fieber ist ein sehr häufiges unspezifisches Symptom vieler Erkrankungen. Oft liegt der erhöhten Körpertemperatur eine Infektion zugrunde, die schnell behoben werden kann. Mitunter aber kann Fieber auch bei schwerwiegenden Erkrankungen, z. B. bei bösartigen Tumoren, als Symptom eintreten.
— Dr. Tobias Weigl

Von Medizinern geprüft und nach besten wissenschaftlichen Standards verfasst

Dieser Text wurde gemäß medizinischer Fachliteratur, aktuellen Leitlinien und Studien erstellt und von einem Mediziner vor Veröffentlichung geprüft.

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Bei Fieber handelt es sich um ein Symptom, dem verschiedenste Krankheitsbilder zugrunde liegen können. Es ist somit nicht als eigenständige Erkrankung zu betrachten. Fieber beschreibt die Erhöhung der Körpertemperatur über den natürlich eingestellten Wert hinaus. So gibt es je nachdem, wo und wie man misst, unterschiedliche Grenzwerte, oberhalb derer man tatsächlich von Fieber spricht. Die Höhe des Fiebers gibt indes nur wenig Aufschluss über die möglichen Ursachen für die erhöhte Körpertemperatur oder die Schwere der Erkrankung. Grundsätzlich gilt aber, dass Fieber Ausdruck einer systemischen Entzündungsreaktion ist. Zu den häufigen Begleitsymptomen zählen ein allgemeines Krankheitsgefühl, Appetitlosigkeit sowie Kopfschmerzen. Wie man die Fieber zugrunde liegenden Erkrankungen diagnostiziert und behandelt, erfahren Sie in diesem Artikel.

So langsam wird Anna nervös. Ihr kleiner Marius hat jetzt schon länger erhöhte Temperatur und weder Wadenwickel noch Zäpfchen haben wirklich dabei geholfen, diese zu senken. Außerdem hatte er beim letzten Windelwechseln Durchfall, obwohl er kaum etwas trinkt. Entschlossen greift sie zu ihrer Handtasche, schultert diese auf der einen und Marius auf der anderen Seite und macht sich auf den Weg zum Kinderarzt.

In diesem Video erklärt Dr. Tobias Weigl „Was Fieber ist“, „Wie Fieber entsteht“ und auch „Wie man Fieber senken kann“.

Was ist Fieber? Wie funktioniert die Wärmeregulation in unserem Körper?

Bei Fieber handelt es sich also nicht um eine Krankheit, sondern um ein Symptom. Man könnte Fieber auch als natürliche Schutzreaktion unseres Körpers gegen Krankheitserreger und Infektionen bezeichnen. Denn indem er die Körpertemperatur erhöht, mobilisiert der Körper seine Abwehrkräfte und geht eigenständig gegen Krankheitserreger vor. Denn ebenjene Erreger, zumeist Viren oder Bakterien, vermehren sich bei erhöhter Temperatur schlechter als bei normaler. Besonders hohes Fieber kann allerdings bestimmte Körperfunktion stark einschränken und ist ohnehin eine große Belastung für unseren Organismus.

Aber was gilt als zu hoch oder erhöht? Die nachfolgende Tabelle kann dabei helfen, die einzelnen Temperaturen sowie deren Klassifizierung nachzuvollziehen.

Fieber-Klassifizierung

KörpertemperaturEinordnung
36,5 – 37,4 °CNormaltemperatur
37,5 – 38,0 °CSubfebrile Temperatur
38,1 – 38,5°CLeichtes Fieber
38,6 – 39,0 °CMäßiges Fieber
39,1 – 39,9 °CHohes Fieber
40,0 – 42,0 °CSehr hohes Fieber
Gut zu wissen!
Der Begriff subfebril bezeichnet eine leicht erhöhte, aber noch nicht fieberhafte Körpertemperatur.

Der Hypothalamus, ein Teil unseres Zwischenhirns, ist für die Regulation der Körpertemperatur zuständig. Er ist dafür zuständig, dass die Temperatur in Herz, Nieren, Gehirn und Leber weitestgehend konstant bleibt und steuert dafür die Wärmeproduktion und Wärmeabgabe. In der Regel liegt die Soll-Temperatur bei etwa 37 °C.

Liegt nun eine Infektion oder eine andere Form von Entzündung im Körper vor, verändert sich der Soll-Wert nach oben, sodass der Hypothalamus eine Anpassung vornimmt und der Körper letztlich aufheizt.

So reguliert der Körper seine Temperatur

Dies geschieht, indem der Stoffwechsel gesteigert wird oder durch zusätzliche Muskelarbeit. Je nach Schwere der Infektion kann es in diesem Rahmen dann zum bekannten Schüttelfrost kommen. Darüber hinaus senkt der Körper die Abgabe von Wärme, indem sich die Blutgefäße in der Peripherie, also dem vom Körperzentrum abgewandten Bereich, zusammenziehen. So entweicht weniger Wärme über die Haut.

Substanzen, die den Sollwert der Körpertemperatur erhöhen, werden Pyrogene genannt (von gr. pyros ‚Feuer‘ und gr. gennan ‚erzeugen‘). Diese können nicht nur von außen (bspw. als Bestandteile von Viren oder Bakterien) ihren Weg in den Körper finden. Sie können auch im Körper entstehen, als Reaktion auf eine Infektion. Bestimmte Bakterien oder Viren können Immunzellen so stimulieren, dass sie die Stoffe, die das Fieber auslösen, bilden.

Wichtig!
Die Körpertemperatur kann sich auch dann erhöhen, wenn der zuvor erwähnte Sollwert nicht umgestellt wird. Dies kann z. B. infolge eines Saunagangs oder bei starker körperlicher Anstrengung der Fall sein. Die so entstehende Überwärmung (sog. ‚Hyperthermie‘) kann zum Teil so stark ausfallen, dass sie tödlich enden kann.

Die drei Fieberstadien

Fieber wird aus medizinischer Perspektive in die drei nachfolgenden Stadien eingeteilt:

  • Fieberanstieg (sog. ‚Stadium increment‘): Erwachsene reagieren in diesem Stadium mit Schüttelfrost. Bei anfälligen Säuglinge oder Kleinkinder kann es in dieser Phase zu einem Fieberkrampf kommen, der eine Dauer von 15 Minuten kaum überschreitet. Ältere Kinder bekommen kühle Glieder, frösteln und es kommt zur Kreislaufzentralisation. Letzteres beschreibt das Drosseln der Durchblutung der vom Zentrum des Körpers entfernten Gefäßgebiete, bspw. Muskulatur, Haut oder Nieren. Dafür verbessert sich die Durchblutung von Gehirn und Herz.
  • Fieberhöhe (sog. ‚Fastigium‘): Hohes Fieber geht mit der Gefahr eines sogenannten Fieberdelirs (von lat. delirare ‚wahnsinnig sein‘) einher. Ein solches Delir tritt vor allem bei länger anhaltenden hohen Körpertemperaturen auf und ist gekennzeichnet durch Bewusstseinstrübungen, Wahnvorstellungen, Halluzinationen, ängstliche Erregung sowie motorische Unruhe.
  • Fieberabfall (sog. ‚Stadium decrementi‘): In diesem Stadium findet die Entfieberung statt, und zwar entweder langsam im Verlauf mehrerer Tage oder schnell im Verlauf von Stunden. Für dieses Stadium typisch sind Schweißausbrüche samt Flüssigkeitsverlust sowie bei zu schneller Entfieberung möglicherweise eine Kreislaufdysregulation.

Die unterschiedlichen Verlaufsformen des Fiebers

Der Vollständigkeit halber sollen an dieser Stelle noch kurz die verschiedenen Verlaufsformen von Fieber erwähnt werden. Diesen wurde früher sehr viel Bedeutung beigemessen. Aufgrund der heute zur Verfügung stehenden und regelmäßig zum Einsatz kommenden Therapiemaßnahmen sind die unterschiedlichen Verlaufsformen allerdings nur noch selten zu beobachten.

Verlaufsformen des Fiebers

Name der VerlaufsformCharakteristika der VerlaufsformBeispielerkrankung
Continua febris Temperatur über mehrere Tage über 39 °C, Schwankungen geringer als 1 °CEpidemisches Fleckenfieber, Brucellose
Remittierendes Fieber Stärkere Schwankungen, stets oberhalb der NormaltemperaturNasennebenhöhlenentzündung (sog. ‚Sinusitis‘), Harnwegsinfektionen
Intermittierendes Fieber Hohe Temperaturen und fieberfreie Phasen im Wechsel im Verlauf eines Tages, Schwankungen um mehr als 1,5 °CBlutvergiftung (sog. ‚Sepsis‘), Rippenfellentzündung (sog. ‚Pleuritis‘)
Rekurrierendes Fieber Fieberschübe über mehrere Tage im Wechsel mit 2–15 Tagen FieberfreiheitMalaria, Borreliose, Gallenblasenentzündung (sog. ‚Cholezystitis‘)
Undulierendes Fieber Temperaturverlauf wellenförmig, Phasen mit hohem Fieber und fieberfreien Intervallen über mehrere TageMorbus Hodgkin, Tumore
Biphasisches Fieber Verlaufskurve mit zwei Gipfeln, ähnlich den Höckern eines KamelsMasern, Meningokokkensepsis

Die Ursachen von Fieber

Nachdem nun die körperlichen Vorgänge bei Fieber geklärt sind, können wir uns den Ursachen widmen. Allerdings sind diese so zahlreich und vielfältig, dass eine Auflistung der möglichen zugrunde liegenden Krankheiten an dieser Stelle den Rahmen sprengen würde. Im Folgenden werden daher einige Erkrankungen aufgeführt, die mit Fieber als unspezifisches Allgemeinsymptom einhergehen und zu den häufigeren Ursachen gehören.

Infektionen durch Bakterien, Viren und Pilze

Wie eingangs bereits erwähnt, handelt es sich bei Fieber um eine Antwort unseres Körpers auf Infektionen sowie deren Erreger. Der Körper versucht, sich der Krankheitserreger zu entledigen, indem er die Temperatur erhöht und den Erregern so das Umfeld umgestaltet, in dem sie normalerweise am besten gedeihen – bei der normalen Körpertemperatur. So gehen bspw. typische Atemwegsinfektionen wie eine Erkältung oder eine Bronchitis mit leichtem Fieber sowie Kopfschmerzen einher, während die echte Grippe (sog. ‚Influenza‘) vor allem plötzlich mit hohem Fieber sowie Halsschmerzen beginnt.

Maligne Erkrankungen

Als maligne, also bösartig, bezeichnet man in der Medizin im Allgemeinen Erkrankungen, die in ihrer Entwicklung so voranschreiten, dass sie eine verheerende Wirkung auf den gesamten Organismus haben. Vor allem im Bereich der Onkologie – also der Wissenschaft, die sich mit Krebs befasst – hat sich der Begriff durchgesetzt. Fieber ist in diesem Zusammenhang ein recht häufiges Symptom maligner Erkrankungen und kann als Erstsymptom, aber auch erst nach einer Chemotherapie eintreten.

Traumata

Als Trauma bezeichnet man medizinisch hier einen entstanden körperlichen Schaden durch äußere Einflüsse, in deren Folge Gewebestrukturen zerstört oder eingeschränkt werden. Beispiele dafür sind Blutergüsse (sog. ‚Hämatome‘) oder Knochenbrüche (sog. ‚Frakturen‘). Letztere gehen vor allem bei Kindern häufiger mit Fieber einher.

Autoimmunerkrankungen

Als Autoimmunerkrankungen bezeichnet man all jene Erkrankungen, bei denen das Abwehrsystem körpereigene Strukturen angreift. Fieber gilt dann oft als erstes Anzeichen.

Zu den selteneren möglichen Ursachen zählen indes u. a.:

Neuroendokrine Störungen

Bei neuroendokrinen Störungen handelt es sich grob um Störungen, welche die Sekretion von Botenstoffen aus dem Nervengewebe betreffen. Hierzu zählt z. B. die Schilddrüsenüberfunktion (sog. ‚Hyperthyreose‘). Eine mögliche Komplikation, die aus dieser Störung entstehen kann, ist die sog. Thyreotoxische Krise. Diese geht mit hohem Fieber einher.

Dehydratation

Bei Dehydratation, also der Minderversorgung des Körpers mit Wasser, kann es vorwiegend im Säuglingsalter zu dem sogenannten Durstfieber kommen. Dieses entsteht als Folge von zu geringer Wasserzufuhr bzw. bei einem Salzüberschuss im Körper. Letzteres ereignet sich vor allem als sogenannte Kochsalzhyperthermie nach zu viel Kochsalzzufuhr bzw. zu starkem Wasserverlust. Das Fieber ist aufgrund der nächtlichen Trinkpause morgens meist höher als abends.

Autoinflammatorische Erkrankungen

Bei diesen Erkrankungen handelt es sich um Entzündungsreaktionen, die scheinbar von allein eintreten und nicht durch etwaige Krankheitserreger ausgelöst werden. Verantwortlich für das Entstehen ist das Immunsystem, das Entzündungsreaktionen als Abwehrmechanismus auslöst, obwohl keine Erreger vorliegen.

Ein Beispiel für eine autoinflammatorische Erkrankung ist das Familiäre Mittelmeerfieber, das häufiger in der östlichen Mittelmeerregion vorzufinden ist. Es handelt sich um eine vererbbare Erkrankung, die meist noch vor dem 30. Lebensjahr beginnt. Man spricht auch von einem periodischen Fiebersyndrom, da die Erkrankung gekennzeichnet ist durch wiederkehrende Fieberschübe sowie Schmerzen.

Fieber als Folge von Arzneimittel- oder Drogenkonsum

Ein Fieber kann auch die Folge von Arzneimittel- oder Drogenkonsum sein. Die Art und Weise der Entstehung des Fiebers ist dann vielfältig. Es ergibt sich entweder als anaphylaktischer Schock als Ergebnis einer allergischen Reaktion, ist Ergebnis einer angeborenen Überempfindlichkeit (sog. ‚Ideosynkrasie‘), eine substanzbedingte oder pharmakologische Reaktion oder ereignet sich durch eine Veränderung der Thermoregulation.

Das so entstehende ‚drug fever‘ ist nur schwer vorhersehbar. Während allergische Reaktionen einen Temperaturanstieg schon nach Stunden der Einnahme bewirken können, wirken bspw. Antibiotika erst nach etwa 5–6 Tagen fiebererzeugend. Medikamente, die Herz und Gefäße betreffen, bewirken mitunter erst nach 45 Tagen einen Temperaturanstieg. Die Liste der fiebererzeugenden Wirkstoffe ist lang und beinhaltet auch die Penicilline oder Cephalosporine.

Bei den Drogen sei an dieser Stelle vor allem das Amphetaminderivat MDMA, besser bekannt als Ecstasy, zu nennen. Diese Rauschdroge kann massive Hyperthermien auslösen, indem sie die Wärmeableitung verringert, die Hautgefäße verengt und die Wärmeproduktion steigert. In der Folge gerinnt das körpereigene Eiweiß, was unumkehrbare, also irreversible Muskelschäden verursacht.

Erkrankungen des Zentralen Nervensystems (ZNS), die das Wärmezentrum betreffen

Hierzu kommt es bspw. bei Schädel-Hirn-Verletzungen, infolge derer ein sogenanntes Zentrales Fieber auftreten kann. Dieses Fieber entsteht dann, wenn das Wärmeregulationszentrum beschädigt wird. Oft zeigen fiebersenkende Mittel in diesem Zusammenhang keine Wirkung.

Fieber unklarer Ursache (FUO)

Zu guter Letzt sei noch das sogenannte Fieber unklarer Ursache (kurz: FUO, von engl. ‚fever of unknown origin‘) zu nennen. Ein solches liegt vor, wenn über eine Dauer von mindestens 8 Tagen eine Temperatur von mehr als 38 °C (bei Kindern 38,5 °C) gemessen wird, ohne dass man eine Ursache dafür ausmachen kann. Denn auch mit den heutigen diagnostischen Standards kann nicht immer eine Ursache für das Fieber ermittelt werden.

Video-Exkurs: Schilddrüsenüberfunktion

Bei einer Schilddrüsenüberfunktion (sog. ‚Hyperthyreose‘) kann sich als Komplikation eine sogenannte thyreotoxische Krise ereignen, die u. a. mit Fieber einhergeht. Aber was genau ist eigentlich eine Schilddrüsenüberfunktion? Warum erkrankt man einer solchen und welche anderen Symptome weisen auf eine Erkrankung hin? Diese und weitere Fragen beantwortet Schmerztherapeut Dr. Tobias Weigl im nachfolgenden Beitrag und erörtert zudem die Sonderform mit dem Namen Morbus Basedow, bei der es sich um eine Autoimmunkrankheit handelt.

Die Symptome: Welche Beschwerden hat man im Zusammenhang mit Fieber?

Bei Fieber liegt zunächst natürlich eine Temperaturerhöhung über den Sollwert hinaus vor. Allerdings geht es oft mit weiteren Begleitsymptomen einher. Dazu zählen unter anderem:

  • Allgemeines Krankheitsgefühl
  • Appetitlosigkeit
  • Kopfschmerzen
  • Gelenk- und Gliederschmerzen
  • Helles Licht und laute Geräusche werden als unangenehm empfunden
  • Durstgefühl
  • Schweißausbrüche
  • Glänzende Augen
  • Trockene und belegte Zunge

Komplikationen, die sich bei Fieber ergeben können, sind indes:

  • Erhöhte Herzfrequenz (sog. ‚Tachykardie‘)
  • Beschleunigte Atmung (sog. ‚Tachypnoe‘)
  • Austrocknung des Körpers (sog. ‚Exsikkose‘)
  • Kreislaufdysregulation samt Schwindel, Benommenheit, Bewusstlosigkeit, Blässe, Schweißausbruch, Übelkeit und Ohrgeräuschen
  • Erniedrigung des Blutdrucks (sog. ‚Hypotonie‘)
  • Epileptische Anfälle

Umfrage: Fieber-Ursachen

Verlaufsformen des Fiebers

Name der VerlaufsformCharakteristika der VerlaufsformBeispielerkrankung
Continua febris Temperatur über mehrere Tage über 39 °C, Schwankungen geringer als 1 °CEpidemisches Fleckenfieber, Brucellose
Remittierendes Fieber Stärkere Schwankungen, stets oberhalb der NormaltemperaturNasennebenhöhlenentzündung (sog. ‚Sinusitis‘), Harnwegsinfektionen
Intermittierendes Fieber Hohe Temperaturen und fieberfreie Phasen im Wechsel im Verlauf eines Tages, Schwankungen um mehr als 1,5 °CBlutvergiftung (sog. ‚Sepsis‘), Rippenfellentzündung (sog. ‚Pleuritis‘)
Rekurrierendes Fieber Fieberschübe über mehrere Tage im Wechsel mit 2–15 Tagen FieberfreiheitMalaria, Borreliose, Gallenblasenentzündung (sog. ‚Cholezystitis‘)
Undulierendes Fieber Temperaturverlauf wellenförmig, Phasen mit hohem Fieber und fieberfreien Intervallen über mehrere TageMorbus Hodgkin, Tumore
Biphasisches Fieber Verlaufskurve mit zwei Gipfeln, ähnlich den Höckern eines KamelsMasern, Meningokokkensepsis

Was tut der Arzt? Teil 1: Die Diagnose

Patienten mit Fieber werden zunächst im sogenannten Anamnesegespräch, also dem Gespräch zwischen Arzt und Patient, ausführlich befragt. Zur Sprache kommen dann vor allem der Zeitpunkt sowie die Umstände, unter denen sich das Fieber bemerkbar gemacht hat. Ist es zu Hause eingetreten oder während eines Krankenhausaufenthalts?

Gut zu wissen!
Ist ein Fieber während eines Krankenhausaufenthalts aufgetreten, spricht der Mediziner von einem sogenannten nosokomialen, also im Krankenhaus erworbenen Fieber. Dies ist bspw. häufig auf Infektionen nach einer Operation, Erkrankungen der Lunge oder Infekte an Kathetern zurückzuführen. Patienten, die zu Hause erkranken, haben sich mit hoher Wahrscheinlichkeit eine Infektion durch Viren oder Bakterien von anderen Person eingefangen.

Des Weiteren ist vor allem die Frage nach einem Auslandsaufenthalt, besonders in den Tropen, wichtig. Das Fieber könnte Ergebnis einer Erkrankung sein, die sich durch den Kontakt mit anderen Menschen oder Tieren ergibt oder Folge eines Insektenstichs oder Tierbisses ist. In diesem Zusammenhang wird sich der Arzt auch nach dem Impfstatus erkundigen. Des Weiteren werden eingenommene Medikamente erfragt, die das Fieber ausgelöst haben könnten. Auch weitere Begleitsymptome kommen zur Sprache.

Leidet ein Patient neben dem Fieber z. B. auch an Schüttelfrost, lässt dies bereits Rückschlüsse auf die Fieberursache zu. Denn Schüttelfrost kann u. a. zusammenhängen mit einer Blutvergiftung (sog. ‚Sepsis‘), einer bakteriellen Herzklappenentzündung, einer bakteriellen Lungenentzündung, einer durch Meningokokken verursachten Hirnhautentzündung, einem Erysipel, Malaria, einer Nierenbeckenentzündung, der Infektionskrankheit Morbus Weil sowie allergischen Reaktion auf Arzneimittel o. Ä.

Unterschiedliche Untersuchungen geben Klarheit über die Ursache

In einem nächsten Schritt folgt die körperliche Untersuchung, im Rahmen welcher der Arzt sich genauer den Rachen, die Nase sowie die Ohren anschaut. Liegt ein Ausschlag vor, wird er auch die Haut genauer inspizieren. Außerdem wird er die am Hals gelegenen Lymphknoten abtasten und Herz und Lunge mittels Stethoskop abhorchen. Zu guter Letzt erfolgen dann noch eine Untersuchung des Bauchs und ein Abklopfen der Nieren.

Oft lassen die bis hier unternommenen Schritte noch keine eindeutige Diagnose zu, weshalb Laboruntersuchungen durchgeführt werden. So können z. B. im Rahmen eines Urin-Schnelltests Bakterien nachgewiesen werden, die eine Harnwegsinfektion verursachen, welche wiederum für das Fieber verantwortlich sein kann. Außerdem kann auch das Blut untersucht werden. Daraus entnimmt der Arzt Leber- und Nierenwerte, Elektrolyte, Eiweiße, Gerinnungswerte, Antikörperbildung etc., welche die Diagnose unterstützen können.

Ist auch durch diesen Schritt kein Rückschluss auf die Fieber-Ursache möglich, stehen Ärzten noch viele weitere Methoden zur Ermittlung etwaiger auslösender Faktoren zur Verfügung. Dazu zählen u. a. ein Tuberkulose-Test, ein Ultraschall von Herz und Bauchraum, ein Röntgenbild der Lunge, Stuhlproben, CT (Computertomographie) und MRT (Magnetresonanztomographie), endoskopische Untersuchungen und viele mehr.

Fakten-Box

Fieber

  • Unterteilung in sechs Klassen, von der Normal-Temperatur (36,5 – 37,4 °C) bis hin zu sehr hohem Fieber (40,0 – 42,0 °C)
  • Fieber verläuft allgemein in drei Stadien: Fieberanstieg, Fieberhöhe und Fieberabfall
  • Ursachen sind vielfältig; von Infektionen über maligne Erkrankungen (z. B. Krebs) bis hin zu Autoimmunerkrankungen

Symptom

  • Temperaturanstieg über Soll-Wert

Begleitsymptome

  • Allgemeines Krankheitsgefühl
  • Appetitlosigkeit
  • Kopfschmerzen
  • Gelenk- und Gliederschmerzen
  • Helles Licht und laute Geräusche werden als unangenehm empfunden
  • Durstgefühl
  • Schweißausbrüche
  • Glänzende Augen
  • Trockene und belegte Zunge

Was tut der Arzt? Teil 2: Die Behandlung

Generell behandelt man bei Fieber weniger das Symptom an sich als die tatsächlich fieberauslösende Grunderkrankung. Das bedeutet, dass bspw. eine bakterielle Infektion mit Antibiotika behandelt wird, wodurch in der Regel auch das Fieber abklingt.

Problematisch wird es dann, wenn man nicht weiß, was die Ursache für das Fieber ist, also ein Fieber unklarer Ursache (kurz: FUO) vorliegt. Nimmt der Arzt in diesem Zusammenhang bspw. an, dass das Fieber evtl. auf eine Reaktion auf Medikamente zurückgeführt werden kann, wird er zunächst veranlassen, dass alle nicht unbedingt notwendigen Medikamente abgesetzt werden. Im Anschluss untersucht und befragt er Sie natürlich weiterhin eingehend. Auch zusätzliche Laboruntersuchungen können dann anfallen. Im Fokus der Behandlung steht im Anschluss dann die wahrscheinlichste Ursache.

Was kann ich selbst tun?

Eine symptomatische Behandlung von Fieber ist möglich, aber nicht immer nötig. Denn wie eingangs erwähnt, handelt es sich bei Fieber grundsätzlich erst einmal um eine körpereigene Abwehrreaktion, die gegen etwaige Krankheitserreger gerichtet ist. Generell kann man sagen, dass ein Fieber bis 39 °C vor diesem Hintergrund eigentlich keiner Behandlung bedarf. Liegt die gemessene Temperatur zwischen 39 °C und 40 °C, kann versucht werden, das Fieber mithilfe von Paracetamol oder Wadenwickeln eigenständig in den Griff zu kriegen.

Exkurs Wadenwickel
Wadenwickel verbessern die Wärmeabgabe basierend auf dem Effekt der Verdunstungskälte. Allerdings sind diese bei Fieber nur dann wirklich effektiv, wenn die Extremitäten auch erwärmt sind. Bei Wadenwickeln werden Tücher mit kaltem Wasser gekühlt und fest um die Waden gewickelt. Darüber wiederum kommt noch einmal ein trockenes Tuch. Die Wickel legt man dann etwa 5 Minuten lang. Diesen Vorgang wiederholt man 2–3 Mal. Allerdings sollte man Vorsicht walten lassen, die Temperatur nicht allzu schnell zu senken, da es sonst zu Kreislaufproblemen kommen kann.

Zu guter Letzt ist stets darauf zu achten, dass dem Körper genug Flüssigkeit zugeführt wird. Denn bei Fieber ist der Bedarf erhöht. Eine Faustregel lautet: Für jedes Grad Temperaturanstieg oberhalb der Normal-Temperatur (ca. 37 °C) benötigt der Körper etwa 0,5–1 Liter Wasser pro Tag zusätzlich zu der normal empfohlenen Trinkmenge von 1,5–2,5 Liter.

Häufige Patientenfragen

Mein Kind hat Fieber – Wann sollte ich zum Arzt gehen?

Dr. T. Weigl: Generell sollte ab einer Temperatur von 39 °C ein Arzt aufgesucht werden. In etwa 90 Prozent der Fälle kann dieser die Ursache ausmachen und entsprechend behandeln. Ein Arztbesuch ist auch dann zu empfehlen, wenn das Fieber länger als einen Tag anhält, wenn es trotz Zäpfchen und Wadenwickeln anhält oder bei Begleiterscheinungen wie Durchfall, Bauchschmerzen, Erbrechen oder Hautausschlag, Fieberkrämpfen sowie einer anhaltenden Beeinträchtigung trotz fiebersenkender Maßnahmen.

Was ist ein anaphylaktischer Schock?

Dr. T. Weigl: Bei einem anaphylaktischen Schock handelt es sich um eine plötzliche allergische Reaktion, die zwar selten ist, aber ein Zusammenbrechen mehrerer Organsysteme verursachen kann und damit mitunter lebensgefährlich wird. Jährlich sterben etwa 1–3 von 1 Million Menschen an einen anaphylaktischen Schock. Von Schock spricht man in diesem Zusammenhang, da es sich um die extreme Form einer anaphylaktischen Reaktion handelt, die normalerweise mit plötzlich auftretenden Allergie-Symptomen einhergeht und mehrere Organe in Mitleidenschaft zieht.

Als häufigste Auslöser einer solchen Reaktion gelten Nahrungsmittel, Insektenstiche und Medikamente. Zu den Symptomen zählen in knapp 90 Prozent der Fälle Hautrötungen sowie Juckreiz und Schwellungen in Mund und Rachen. Überdies kann es zu Hautreizungen, Atembeschwerden, Störungen des Herz-Kreislauf-Systems und des Verdauungsapparats und einem deutlichen Blutdruckabfall kommen. Da sich derlei allergische Notfälle auch öfter in einer klinischen Einrichtung zutragen, sind diese mit entsprechenden Notfall-Sets ausgestattet. Ereignet sich ein Schock außerhalb einer solchen Einrichtung, ist in Notfällen eine Zufuhr des Allergens zu stoppen. Das heißt, dass etwa ein Bienenstachel entfernt oder die Gabe von Medikamenten unterbunden werden muss.

Der wichtigste Arzneistoff, der dann zum Einsatz kommt, ist Adrenalin. Denn dieser verringert Beschwerden am Herzen, an der Haut und an den Atemwegen. Patienten mit einem Notfall-Set haben im besten Fall immer ein Notfall-Set parat, das u. a. Adrenalin zur Selbstinjektion, ein Antihistaminikum sowie ein Glukokortikoid beinhaltet.

Soforthilfemaßnahmen bei einem anaphylaktischen Schock

Zu den wichtigen Soforthilfemaßnahmen bei einem anaphylaktischen Schock zählen:

  • Ruhe bewahren und die betroffene Person nicht allein lassen
  • Notfall-Set anwenden (falls vorhanden)
  • Einen Notruf unter 112 absetzen
  • Den Betroffenen richtig lagern (bei Schwindel Kopf und Oberkörper flach und Beine erhöht; bei Atemnot sitzend; bei Bewusstlosigkeit stabile Seitenlage)
  • Schwellungen kühlen
  • Atemwege freihalten

Was genau ist Paracetamol?

Dr. T. Weigl: Bei Paracetamol handelt es sich um ein klassisches Schmerz-, Fieber- sowie Grippemittel und spielt daher vor allem bei Erkältung, Grippe sowie Fieber eine wichtige Rolle. Es kommt im Rahmen der Schmerztherapie vor allem bei Schmerzen in den Gelenken, in den Beinen, im unteren Rücken, in den Knien zum Einsatz. Es hat kaum negative Auswirkungen auf den Magen-Darm-Trakt, aber anders als die Schmerzmittel Ibuprofen oder Diclofenac auch keine entzündungshemmende (sog. ‚antiphlogistische‘) Wirkung. Nichtsdestoweniger gilt auch hier: Keine Wirkung ohne Nebenwirkung. Denn bei längerer Anwendung kann es in seltenen Fällen zu Nierenschäden kommen und eine Überdosis kann Leberschäden mit sich bringen.

Mehr Informationen zum Thema Paracetamol können Sie meinem nachfolgenden Beitrag entnehmen, in dem ich mich dem Medikament widme und Nebenwirkungen sowie Fehldosierungen erörtere.

So weit, so gut. Scheinbar litt Marius „nur“ unter einem harmlosen Magen-Darm-Infekt. Aber es ist doch besser, zum Arzt gegangen zu sein. Anna ist jetzt erstmal beruhigt, auch wenn es ihr noch immer das Herz zerreißt, ihren Kleinen so leiden zu sehen. Die nächsten Tage wird sie sich gewissenhafter denn je um ihn kümmern, regelmäßig Fieber messen und obendrein protokollieren, zu welchem Zeitpunkt Marius welche Temperatur hat und wann er wie viel trinkt. Das mag zwar etwas übertrieben klingen, aber was tut man nicht alles für seine Lieben?

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Autoren: Dr. Tobias Weigl, Tobias Möller
Redaktion: Marek Firlej
Veröffentlicht am: 14.09.2018

Die hier beschriebenen Punkte (Krankheit, Beschwerden, Diagnostik, Therapie, Komplikationen etc.) erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Es wird genannt, was der Autor als wichtig und erwähnenswert erachtet. Ein Arztbesuch wird durch die hier genannten Informationen keinesfalls ersetzt.

Quellen

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1 Kommentar
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