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Fuß umgeknickt – Symptome | Diagnose | Behandlung

Ein umgeknickter Fuß sorgt meist für Schmerzen und eine Schwellung, häufig in Verbindung mit einem Bluterguss. Ist das Fußgelenk danach instabil, sollte dringend ein Arzt aufgesucht werden.
— Dr. Tobias Weigl


Von Medizinern geprüft und nach besten wissenschaftlichen Standards verfasst

Dieser Text wurde gemäß medizinischer Fachliteratur, aktuellen Leitlinien und Studien erstellt und von einem Mediziner vor Veröffentlichung geprüft.

Quellen ansehen

Im Alltag kommt es schnell vor, dass der Fuß umknickt: Unebenes Straßenpflaster, Absatzschuhe oder eine übersehene Treppenstufe sind nur drei von vielen Gründen, warum das Fußgelenk der extremen Belastung des Um- oder Abknickens ausgesetzt wird. Meist ist die Ursache ein unbedachtes Auftreten, doch auch bei sportlichen Aktivitäten kann man mit dem Fuß umknicken – beim Wandern, Joggen oder bei einer Ballsportart.

Wie so oft ist Carsten spät dran: Als er aus dem Bürogebäude rennt und über den Vorplatz zum U-Bahn-Eingang sprintet, hört er schon, wie zwei Ebenen unter ihm die Bahn einfährt. Wenn er die verpasst, muss er am Hauptbahnhof fast eine ganze Stunde auf den nächsten Anschlusszug warten. Mit großen Schritten nimmt er auf der Rolltreppe nach unten immer gleich zwei Stufen auf einmal. Die Bahn hält, mit einem Piepsen fahren die Türen auf. Carsten erreicht die letzte Ebene und hechtet von der Rolltreppe. Dabei übersieht er die kleine Schwelle zum Bahnsteig, bleibt hängen und knickt mit dem Fuß nach außen um. Er spürt, wie das Außenband schmerzhaft überdehnt wird. Einen letzten Versuch, die Bahn zu bekommen, will er trotzdem noch wagen. Doch als er wieder losrennen will, schießt ein heftiger Schmerz durch sein Fußgelenk.

Das Sprunggelenk

„Soweit die Füße tragen“ – was als Sprichwort in unseren Wortschatz übergegangen ist, beinhaltet eine ganze Menge Wahrheit: Denn die Füße tragen uns buchstäblich durch unser Leben, Tag für Tag. Kein Wunder also, dass ein umgeknickter Fuß die häufigste orthopädische Verletzung ist. Schließlich ist das Fuß- bzw. Sprunggelenk rund um die Uhr einer hohen Belastung ausgesetzt.
Als Verbindungsgelenk zwischen dem Unterschenkel und dem Fuß bildet das Sprunggelenk ein entscheidendes Bindeglied in den unteren Extremitäten. Genauer betrachtet besteht das Fußgelenk aus zwei Gelenken, dem oberen Sprunggelenk (OSG) und dem unteren Sprunggelenk (USG). Zusammen bilden sie ein Zylindergelenk (sog. ‚Articulatio cylindrica‘), das in etwa einem Scharniergelenk entspricht. Diese besondere Form macht es möglich, dass der Fuß sich sowohl heben als auch senken sowie in geringem Maße ein- bzw. ausdrehen lässt. Verschiedene Sehnen und Bänder sorgen dafür, dass das Gelenk funktionsfähig ist und stabilisieren es.
Knickt man mit dem Fuß um, wird in den meisten Fällen das Außenband belastet und überdehnt. Da man in der Medizin bei Auswärtsbewegungen des Fußes von einer Supination spricht, bezeichnet man einen umgeknickten Fuß auch als „Supinationstrauma“.
 

Die Symptome: Woran erkennt man ein Supinationstrauma?

Da es sich bei einem umgeknickten Fuß um eine akute Verletzung handelt, treten die Symptome in aller Regel im unmittelbaren Moment des Ereignisses (med. ‚Trauma‘) bzw. kurz danach auf. Die über das natürliche Maß hinausgehende Belastung des Außenbandes äußert sich in dem Moment, in dem der Fuß nach außen abknickt, schmerzhaft. Häufig passiert das Umknicken beim Abrollen des Fußes auf einer unebenen Stelle im Boden, an einer Bordsteinkante oder einer Treppenstufe.
Die Bezeichnung Supinationstrauma beschreibt das Umknicken des Fußes nach außen. Nur selten kommt es vor, dass der Fuß nach innen umknickt, da aufgrund der Beschaffenheit des Fußgelenks eine größere Hebelwirkung vonnöten ist, um das Gelenk abknicken zu lassen.
Knickt der Fuß um, entsteht in den meisten Fällen eine Bänderdehnung, häufig reißt das Band sogar (sog. ‚Bänderriss‘). Typische Symptome, die direkt auf das Umknicken folgen, sind starke Schmerzen und das Anschwellen des Sprunggelenks. Vor allem beim Bewegen des Gelenks, aber auch bei einer Belastung, also beim Auftreten, sind die Schmerzen deutlich spürbar.
Klassische Symptome, wenn der Fuß umknickt, sind:

  • Schmerzen im Fußgelenk
  • dicker Knöchel
  • Bluterguss über der betroffenen Stelle

Exkurs: Mehr Informationen für Sporttreibende in diesem Video

Viele Fälle, in denen der Fuß umknickt, treten beim Sport ein. Besonders Joggen, Skifahren und Fußball oder Volleyball sind typische Sportarten, bei denen das Sprunggelenk in Mitleidenschaft gezogen werden kann. In diesem Video erklärt Dr. Tobias Weigl, warum Sport auch Schaden anrichten kann und was Sportler beachten sollten.

 

Die Ursachen: Was passiert, wenn der Fuß umknickt?

Der Aufbau des Sprunggelenks ist nicht ohne Grund komplex: Der Fuß muss in mehrere Richtungen bewegt werden können – Strecken, Anziehen, Heben, Senken, Eindrehen, Ausdrehen und Rotieren. Um einen so großen Bewegungsumfang zu ermöglichen, muss das Gelenk schon so einiges können. Das alles funktioniert reibungslos, weil das Sprunggelenk die Form eines Zylindergelenks hat. Diverse Bänder halten das Gelenk an Ort und Stelle und geben den Radius, in dem sich der Fuß bewegen kann, vor.
Weil das Sprunggelenk einer hohen Belastung ausgesetzt ist – bei jedem Schritt muss es die gesamte Last des Körpergewichts tragen und auf den Boden umsetzen – sind sowohl die Gelenkknochen als auch die Gelenkbänder anfällig für Verletzungen. Besonders häufig sind das Umknicken des Fußes und sog. Verstauchungen.
Knickt der Fuß nach außen um, wird das Band auf der Außenseite des Fußes über sein normales Maß hinaus gedehnt. Passiert weiter nichts, spricht man von einer Bänderdehnung, die zwar kurzzeitig schmerzhaft ist, aber in der Regel von selbst heilt. Weil das Band aus Kollagenfasern besteht, kann es bis zu einem gewissen Grad gedehnt werden, ohne dass die Fasern reißen. Je weiter die Fasern auseinandergezerrt werden, desto schmerzhafter und langwieriger ist die Verletzung. Eingerissenes oder vollständig gerissenes Gewebe führt zu Einblutungen, die sich in Form eines Blutergusses bis zur Haut übertragen. Weil die Haut am Fußgelenk sehr dünn ist, reichen schon kleine Einblutungen, um einen blauen Knöchel entstehen zu lassen. Sind die Fasern dagegen durchtrennt, spricht man von einem Bänderriss. Wie stark dabei der Knöchel anschwillt oder sich verfärbt, hängt von der Lage und Stärke der Verletzung ab.

Wen kann es erwischen?

Die meisten Menschen sind in ihrem Leben schon mehrfach mit dem Fuß umgeknickt. Und tatsächlich ist dagegen auch niemand gefeit – denn eine Unachtsamkeit beim Gehen ist schnell passiert. Wir achten vor allem in Eile nicht immer darauf, wo wir hintreten, und so kann ein umgeknickter Fuß jedem zu jeder Zeit passieren.
 

Sind Sie schon einmal mit dem Fuß umgeknickt? Welche dieser Symptome traten bei Ihnen auf? Haben Sie einen Arzt aufgesucht? (Mehrfachnennungen möglich) Damit helfen Sie anderen Lesern, ihre Verletzung besser einzuschätzen.
 

Gut zu wissen!
Wenn Sie mit dem Fuß umknicken, können Sie schon vor dem Arztbesuch Erste Hilfe-Maßnahmen anwenden. Folgen Sie dabei der PECH-Regel:

  • P = Pause, Aktivität einstellen
  • E = Eis, Kühlen des betroffenen Gelenks
  • C = Compression, Druckverband anlegen
  • H = Hochlegen, Blutzufuhr verringern

Was tut der Arzt? Teil 1: Die Diagnose

In vielen Fällen passiert bei einem umgeknickten Fuß nicht viel – bleibt das Außenband intakt, heilt die Verletzung von selbst ab, vorausgesetzt das Gelenk wird für einige Tage geschont. Tritt jedoch eine Schwellung auf oder verfärbt der Knöchel sich blau, sollte immer ein Arzt aufgesucht werden. In Frage kommen dafür neben dem Hausarzt auch Unfallärzte oder Orthopäden.
Die Diagnostik bei einem umgeknickten Fuß zielt darauf ab, festzustellen, ob eine Bandverletzung vorliegt oder nicht. Dazu reichen meist ein Anamnese-Gespräch sowie eine körperliche Untersuchung des Sprunggelenks aus. Wichtige Hinweise für die Diagnose sind Schwellungen, Druckempfindlichkeit sowie ein Bluterguss auf der betroffenen Seite des Gelenks. Der laterale Aufklapptest ermöglicht dem Arzt eine weitere Untersuchung des Gelenks: Wurde beim Umknicken das Außenband verletzt, lässt sich das Gelenk nach außen (lateral) verschieben. Ist das Band gerissen, kann das Sprunggelenk im Vergleich zum Unterschenkel nach außen verschoben werden. Ist dagegen das vordere Band des Sprunggelenks gerissen, kann das Gelenk deutlich sichtbar nach vorn gezogen werden. Liegt „nur“ eine Dehnung oder Zerrung vor, ist das nicht möglich.
Wichtig für die Diagnose ist, dass diese Tests immer im Seitenvergleich vorgenommen werden, also das gesunde Sprunggelenk zum Vergleich herangezogen wird. Der Grund dafür ist, dass die Beweglichkeit des Gelenks bei jedem Menschen anders ist. Unregelmäßigkeiten können also ausschließlich im direkten Vergleich festgestellt werden.
Ergibt die körperliche Untersuchung keine abschließende Diagnose oder kann diese aufgrund von starken Schmerzen nicht zu Ende geführt werden, können zudem bildgebende Verfahren hinzugezogen werden. Standardmäßig werden Röntgenaufnahmen durchgeführt, um Verletzungen am Knochen auszuschließen. Eine MRT wird dagegen bei einem einfachen Umknicken des Fußes eher selten angewendet.
 

Fakten-Box
Fuß umgeknickt

  • kann jederzeit im Alltag oder beim Sport vorkommen
  • i. d. R. Umknicken des Fußes nach außen (sog. ‚Supinationstrauma‘)
  • kann zu Bandverletzungen (Dehnung, Riss) führen

Symptome

  • Schwellung des Knöchels
  • Hämatom, Bluterguss
  • Druckempfindlichkeit

Was tut der Arzt? Teil 2: Die Behandlung

Wenn Sie nach dem Umknicken mit dem Fuß schon erste Maßnahmen entsprechend der PECH-Regel ergreifen, lassen sich starke Schwellungen und Hämatome häufig vermeiden. Der behandelnde Arzt wird dann auf der Grundlage seiner Diagnose entscheiden, welche weiteren Therapiemaßnahmen durchgeführt werden.
Handelt es sich um eine einfache Dehnung oder Zerrung des Außenbands, reichen abschwellende Maßnahmen wie Kühlen, Hochlagern und ein Druckverband aus, um das Sprunggelenk zu heilen. Für einige Tage sollte es außerdem geschont werden.
Ein Bänderriss dagegen benötigt eine etwas aufwendigere Behandlung. Auch hier steht die Schonung des Gelenks im Vordergrund; diese wird durch spezielle Verbände oder Gehschienen (pneumatische Stabilisationsschienen) unterstützt. Bei reduzierter Belastung kann das gerissene Band wieder zusammenwachsen, wird dabei aber nicht vollständig ruhiggestellt, sondern erhält einen geringen Bewegungsfreiraum. Getragen werden müssen solche Schienen etwa sechs Wochen lang.
Zur Förderung der Beweglichkeit kann zudem Physiotherapie verschrieben werden. Bei starken Schmerzen werden zudem leichte Schmerzmittel und Entzündungshemmer eingesetzt.

Häufige Patientenfragen

Muss ich bei einem umgeknickten Fuß operiert werden?

Dr. T. Weigl
In der Regel kann ein umgeknickter Fuß mit konservativen Maßnahmen behandelt werden. Dazu zählen Schmerzmittel, eine Gehschiene oder die Physiotherapie. Nur wenn schwerwiegende Verletzungen am Knochen oder an der Gelenkkapsel vorliegen, wird eine Operation in Erwägung gezogen.

Kann man einen umgeknickten Fuß mit alternativer Medizin behandeln?

Dr. T. Weigl
Solange Sie nicht wissen, ob eine Bandverletzung oder gar ein Bänderriss vorliegt, sollten Sie sich nicht auf homöopathische oder naturmedizinische Methoden verlassen. Nur der Gang zum Arzt kann ernstzunehmende Verletzungen, die schwere Folgeschäden verursachen können, ausschließen. In Bezug auf Schmerzmittel und Entzündungshemmer aber ist nichts gegen alternative Verfahren einzuwenden. Ruhigstellung, Kühlen und homöopathische Präparate zur Schmerzbehandlung wie Kamille oder Arnika lindern die Symptome in der Regel ebenso zuverlässig wie schulmedizinische Mittel.

Muss man einen umgeknickten Fuß behandeln?

Ob und wie ein umgeknickter Fuß behandelt werden muss, richtet sich nach dem Grad der Verletzung und der Stärke der Schmerzen. Um ernstzunehmende Verletzungen auszuschließen, sollten Sie in jedem Fall einen Arzt aufsuchen, der unterscheiden kann, ob es sich um eine Bänderdehnung, eine Zerrung oder einen Bänderriss handelt. Leichte Formen der Bänderdehnung heilen von selbst, ein Bänderriss aber sollte ärztlich versorgt werden, um Folgeschäden und Bewegungseinschränkungen zu verhindern.
 

Als der Schmerz nachlässt, hat die U-Bahn den Bahnhof längst verlassen. Mit zusammengebissenen Zähnen humpelt Carsten zu einer Bank und massiert im Sitzen seinen verletzten Fuß. Er spürt eine leichte Schwellung, als er den Knöchel mit dem anderen Fuß vergleicht. Zum Glück hat sich noch kein blauer Fleck gebildet. Sobald er zu Hause ist, wird er den Fuß hochlegen und kühlen. Hoffentlich kann er morgen zur Arbeit gehen – seine Meetings darf er nicht verpassen.

Haben auch Sie Erfahrungen mit einem umgeknickten Fuß? Haben Sie Fragen zum Thema? Nutzen Sie unsere Kommentarfunktion unten, um von ihren Erfahrungen zu berichten und sich mit anderen auszutauschen!

Die hier beschriebenen Punkte (Krankheit, Beschwerden, Diagnostik, Therapie, Komplikationen etc.) erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Es wird genannt, was der Autor als wichtig und erwähnenswert erachtet. Ein Arztbesuch wird durch die hier genannten Informationen keinesfalls ersetzt.

Autoren: Christine Pepersack und Dr. Tobias Weigl
Lektorat: Tobias Möller

Quellen

  • F. Niethard, J. Pfeil, P. Biberthaler (2009): Orthopädie und Unfallchirurgie. Georg Thieme Verlag, Stuttgart.
[Gesamt:2    Durchschnitt: 3.5/5]

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